As We Go & Team Stereo – „Split 7inch“ (Redfield Records)

Diese Split 7inch kommt schon mal optisch richtig geil rüber. Der Siebdruck mit der aufgeschnittenen Zitrusfrucht in schwarz-weiss-Optik steht in einem schönen Kontrast zum pinken Backcover, hierbei sticht sofort das Messer ins Auge, das die Scheibe zu zerschneiden scheint. Da fließt grafisch schon mal jede menge Herzblut. Und dann erst das 7inch-Scheibchen! Pink schimmert das Vinyl vom Plattenteller! Klappt man das Cover auf, erscheinen im Inneren die Texte beider Bands, das Messer trifft in die Mitte der Zitrusfrucht, sozusagen ins Herz. Die Split 7inch ist übrigens – wie so oft – das Ergebnis einer langjährigen Freundschaft der beiden Bands, deren Mitglieder sich teilweise untereinander bereits mehr als zwanzig Jahre kennen.

As We Go dürfen dann als erste ran. Das Kölner Quintett hat mittlerweile auch schon fünf Jahre auf dem Buckel, dabei wurden neben zahlreichen Konzerten bereits eine EP und ein Album veröffentlicht. Der Song City kann als eine Liebeshymne an die Heimatstadt Köln verstanden werden. Vom Sound her wird hymnischer Punkrock geboten, der mit schön melodischen Gitarren, treibenden Drums und kraftvollem Gesang ausgestattet ist, ein Mitgröhl-Refrain ist innerhalb einer Spielzeit von etwas knapp über zwei Minuten auch noch untergebracht. Geht schon mal gut los, zumal der Sound auch gut produziert und druckvoll aus den Lautsprechern dröhnt. Auch beim Song Brothers bleibt es hymnisch, Freundschaft und Zusammenhalt scheint der Band am Herzen zu liegen, das hört man deutlich aus den Texten heraus. Und auch hier macht sich viel Spielfreude bemerkbar. Beide Songs erinnern an eine Zeit kurz vor der Jahrtausendwende, als deutsche Bands wie z.B. Lockjaw oder Sunbeam Rocket Punkrock á la Down By Law mit Emocore im Stil von Hot Water Music kombinierten.

Team Stereo aus Düsseldorf sind auch schon ein Weilchen unterwegs, neben einer EP ist es v.a. das 2016er Debutalbum, das den Bekanntheitsgrad der Band um einiges steigerte. Das Quintett setzt sich übrigens zur Hälfte aus der Redfield Records-Belegschaft zusammen. Team Stereo steuern zwei Songs bei, die etwas ruhiger ausgefallen sind und nicht sofort in die Vollen preschen. Not Loving You eröffnet mit einer schön schrammeligen Gitarre, nach und nach kommen Bass, Schlagzeug und cleane Gitarren dazu, plötzlich steht man mitten im Song. Es passiert einiges, in diesen dreieinhalb Minuten, die Songarrangements sind ausgefeilt, der Gesang kommt klar und emotional rüber und ein eingängiger Refrain darf ebenfalls nicht fehlen. Textlich beschäftigt man sich mit der Tatsache, dass man sich der Zuneigung seiner Mitmenschen niemals sicher sein kann. Das darauffolgende Standards beschreibt textlich einige Unsicherheiten beim Erwachsenwerden. Und auch hier wird die Einheit der Band schön demonstriert. Der Song beginnt mit einer mäandernden Gitarre und steigert sich langsam, ein Trommelwirbel leitet in einen schönen Refrain über, leidenschaftlicher Gesang inklusive. Da hört man den Spaß und die Freude förmlich heraus. Und wie auch bei As We Go lassen diese zwei Songs der Split 7inch Erinnerungen an eine Zeit kurz vor der Jahrtausendwende aufleben, als deutsche Emo-Bands wie One Man And His Droid, Ambrose, Pale oder Three Minute Poetry unterwegs waren. Eine rundum gelungene Split!

8/10

Bandcamp / Redfield Records


 

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