Agador Spartacus – „Agastonishing“ (DIY)

Mit minimalen Materialkosten etwas basteln, das obendrein richtig schön und edel aussieht, dafür haben nicht mehr allzu viele Bands ein Händchen oder die notwendige Energie. Schließlich ist man mit der Band auch so schon voll ausgelastet. Nachdem man schon genügend Zeit in Proben, Aufnahmen, Produktion und das Schreiben von Texten investiert hat, geben viele Bands lieber ein bisschen Kohle aus, um einen lieblos bedruckten 0815-Pappschuber für ihre neue EP anfertigen zu lassen. Das fertige Objekt hat letztendlich aber null Charakter, weshalb es sich als Ladenhüter entpuppt und die CD’s nach unsachgemäßer Lagerung im Proberaum irgendwann anfangen zu schimmeln. Glücklicherweise gibt es aber trotzdem immer wieder Bands, die sich Gedanken über alternative und originelle Verpackungen machen und dabei mit ein paar Handgriffen aus dem DIY-Lehrbuch souverän abliefern.

Die Band Agador Spartacus gehört zur letztgenannten Spezies, dementsprechend ist die in Vinyloptik und mit bestempeltem Label versehene CD in eine raffinierte Falt- und Steck-Kartonage eingehüllt. Die Frontseite der Kartonage ist mit einem Aufkleber mit Albumartwork verziert, auf der Rückseite sind mit einem kleinen weißen und aufgeklebten Zettelchen die Songtitel angebracht, ein Sticker und ein Einsteckkärtchen mit einem Bandfoto purzelt auch noch raus. Diese liebevoll zusammengebastelte CD gibt es übrigens in einer 100er-Auflage. Da haben die Jungs sicher mehrere Abende bei flüssiger Verpflegung dran gesessen und gewissenhaft gefaltet und geklebt. Nachdem ich auf die nette Email-Anfrage Interesse an einer Besprechung signalisierte, lag auch schon am nächsten Tag ein kleiner Umschlag mit eben dem Besprechungsexemplar und weiteren Releases anderer Bands, bei welchen Agador Spartacus-Mitglieder mitwirken im Briefkasten. Das zeigt ebenso, dass die Jungs mit Haut und Haaren dabei sind und auch organisatorisch auf Zack sind. Wenn man eine Internetsuchmaschine mit dem Bandnamen füttert, stößt man zuerst auf den Schauspieler Hank Azaria, der im US-Remake zum Film Ein Käfig voller Narren (The Birdcage) den fiktiven Charakter Agador Spartacus verkörpert. Nebenbei erfährt man, dass dieser Schauspieler auch etlichen Simpsons-Figuren im Original seine Stimme verleiht. Schon wieder was gelernt!

Nun, Agastonishing ist die mittlerweile dritte EP der Band aus Dortmund und Hamburg. Und betrachtet man die Titel der beiden bisher erschienenen EPs, dann wird man das Gefühl nicht los, dass hier irgendein Konzept dahinter steckt. Alle drei Titel beginnen mit dem Buchstaben A und bilden ein Wortspiel, zudem lässt sich eine ähnliche Struktur im Artwork erkennen. Zieht man das Intro ab, dann bringt es die CD auf insgesamt sechs Songs in einer Spielzeit von 20 Minuten. Zu hören bekommt ihr allerfeinsten Post-Hardcore, der mit Elementen aus Hardcore, Punk, Emo, Post-Rock und etwas Alternative-Rock bzw. Grunge angereichert ist. Dadurch entstehen natürlich vielseitige Möglichkeiten, so dass die Songarrangements schön abwechslungsreich bleiben und alles permanent in Bewegung bleibt. Auf der einen Seite klingt das dann richtig kraftvoll und arschtretend intensiv, auf der anderen Seite kommen aber auch immer wieder diese melancholischen Momente zum Vorschein. Man hört hier einfach an jedem Gitarrenriff, jedem Basslauf, bei den Drums und dem Gesang die unbändige Spielfreude und Leidenschaft der Band heraus. Darüber hinaus sind die Songs druckvoll produziert. Wenn man mal nur auf die Instrumente achtet, dann wundert man sich über die vielen unterschiedlichen Bauteile eines Songs, gerade die Gitarren wirbeln einigen Staub auf. Mal gibt’s dissonante Gitarrenläufe, dann wird wieder ein hochmelodisches Riff aus dem Ärmel geschüttelt, zwischendurch gibts groovige Rock-Riffs auf die Ohren. Dass das Ganze einen hohen Wiedererkennungswert hat, liegt auch am Sänger, der mal kräftig die Stimmbänder vibrieren lässt, aber auch einfühlsam und sensibel seine Gesangsmelodien über die Stücke legt. Als Anspieltipp würde ich mal den Song Escape Artist’s Son empfehlen, danach wollt ihr eh die ganze EP hören. Und wenn ihr damit einigermaßen fertig seid und die Band wie ich auch noch nicht kanntet, dann gilt es, die ersten beiden EPs anzuchecken.

8,5/10

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