Cave Raver – „Dark Times And Loose Ends“ (lifeisafunnything)

Jeder Mensch braucht eine Höhle, in die er sich verkriechen kann, wenn es ihm schlecht geht oder er einfach niemanden um sich rum haben möchte. Andere Höhlenliebhaber wiederum verkriechen sich in höhlenartige, muffige Kellergewölbe, um kreativ zu sein und Musik zu erschaffen. Eine Mischung aus diesen zwei Höhlentypen scheinen die Mitglieder der Band Cave Raver zu sein. Diesen Eindruck bekommt man zumindest beim ersten Hörkontakt mit der Band. Während die Nadel in der Rille flitzt und man mit dem Textblatt bewaffnet die persönlichen und nachdenklichen Lyrics studiert, bemerkt man ziemlich schnell, dass man sich eigentlich schon selbst in einer Höhle befindet und die Musik von Cave Raver wie eine Glocke über dem Kopf für eine etwas über zwanzig Minuten dauernde Auszeit von was-auch-immer sorgt. Und diese Momente sind ja so verdammt wichtig! Während sich alles immer noch schneller zu drehen scheint und alle rastlos und ohne Pause immer weiter in einen riesigen Wasserstrudel eingezogen werden, muss von Zeit zu Zeit die Bremse gezogen werden.

Und wie das immer bei lifeisafunnything-Releases so ist, trifft der Sound von Cave Raver mal wieder voll und ganz meinen Geschmack, so dass aus der zwanzigminütigen Auszeit ruckzuck eine dreistündige wird. Die 12inch hat echt Suchtpotenzial! Das Trio macht nämlich eine ziemlich geile Mischung aus Emocore, Post-Punk, Post-Rock, New Wave, Shoegaze und etwas Post-Hardcore. Durch abwechslungsreiches Songwriting, ausgeklügelte Songarrangements, experimentelle Soundspielereien und eingängige Refrains kommt jedenfalls nicht mal ein Hauch von Langeweile auf, die sechs Songs laufen in einem Rutsch durch. Während die drei Songs der A-Seite etwas zugänglicher sind, wird es auf der B-Seite etwas düsterer und experimenteller. Was sich wie ein roter Faden durch alle Songs zieht, ist die melancholische Grundstimmung. Die Gitarren haben immer so einen leichten Reverb drauf, der Bass knarzt schön und der Gesang pendelt zwischen resigniert gesprochenen und verloren wirkenden Passagen und zerbrechlich gesungenen Melodiebögen. Bei allen Songs fällt dieser steigernde Spannungsaufbau auf, an welchem der Schlagzeuger maßgeblich beteiligt ist. Bei Cave Raver spielen übrigens zwei Leute der Stuttgarter Band Mahlstrom mit, das erklärt vielleicht, wie es kommen kann, dass ein Debutrelease gleich so gelungen und durchdacht rüberkommt, wie es bei Cave Raver der Fall ist. Wenn ihr Playlist-taugliche Songs sucht, dann empfehle ich von der A-Seite das vielschichtige Pure Joy, von der B-Seite wäre Hive Mind mein Favorit. Dennoch rate ich euch, Dark Times And Loose Ends in einem Stück zu hören, am Besten auf Vinyl.

Insgesamt wurden 300 Platten gepresst, 100 davon mit weißem Vinyl und blauer Innenhülle, 200 mit schwarzem Vinyl und weißer Innenhülle. Auch beim Textblatt wird mit den Farben weiß und blau gespielt, genauso wie beim Albumartwork. Die von Svenja Kirsch angefertigte Illustration zeigt einen 3D-Schnitt eines Berges, vermutlich ein Vulkan. Was sich wohl genau hinter dem Tunnelsystem verbirgt? Sicher ist, dass die Kugeln in einen Kreislauf eingebunden sind, aus welchem es aufgrund der Anziehungskraft schwer wird, auszubrechen. Der Berg könnte symbolisch für die Erde stehen, das Tunnelsystem könnte den von der Gesellschaft vorgegebenen Weg symbolisieren, während die schwarzen Kugeln metaphorisch für die Erdenbewohner stehen könnten. Gefangen in der Endlosschleife. Es wird Zeit, auszubrechen!

8,5/10

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