Monplaisir – „The Agreement“ (Adagio830)

In dieses 12inch-Albumcover hab ich mich von der ersten Sekunde an direkt verliebt. Ich kann es gar nicht genau erklären, warum. Es ist das Zusammenspiel des auf vanillem Hintergrund aufgedruckten Bandschriftzugs und der im Lexikastil abgebildeten Zeichnungen eines Tukans in verschiedenen Perspektiven. Außerdem gefällt mir das schlichte Layout mit den klassisch designten Vinylsymbolen. Das Ding erscheint übrigens als Co-Release der Labels Adagio830 und Echo Canyon Records. Auch die Rückseite sieht toll aus, so im Stil der Platten aus den Sechzigern. Das Schriftdesign erinnert mich etwas an die Miami Vice-Schrift (eine kultige TV-Serie aus den 80ern, falls ein großes Fragezeichen über euch schweben sollte). Ich besaß sogar mal zwei T-Shirts mit dem Schriftzug der Serie, wahrscheinlich bringt auch das meine nostalgischen Synapsen zum Glühen. Als das Ding beim Auspacken des Bemusterungspakets aus dem Hause Adagio830 zum Vorschein kam, war ich zudem noch total neugierig, in was für ’ne musikalische Richtung die Band wohl gehen mochte, denn Monplaisir waren mir zu dem Zeitpunkt nicht bekannt, obwohl hier jemand der leider aufgelösten Emo-Band Sport mit dabei ist. Und wie es scheint, ist dies nach einer 2016er-Demo-12inch sogar das zweite offizielle Release der Band aus Lyon. Nun, die Schallplatte selbst ist ebenfalls mit klassischen Labels versehen, zudem ist ein kleines kopiertes DIN-A5 Textheftchen mit dabei, das darin abgedruckte Vorwort zur Entstehung des Albums unterstreicht letztendlich das Gefühl, das sich während des Hörens der Platte nach und nach herauskristallisiert. Der erste Eindruck: optisch und einstellungsmäßig also schon mal alles stimmig!

Und die Musik geht wie schon angedeutet in die gleiche Richtung: als die Nadel erstmals auf das Vinyl trifft und diese warmen Gitarren-Tunes aus den Lautsprechern ertönen, freut man sich auf eine intime Reise in ein verwunschenes Indie-Emo-Tal, in dem die Gitarren sanft wie Schmetterlingsflügelschläge klingen, das Schlagzeug entspannt vor sich hintaktet, der Bass verträumte Lines am Start hat und der Sänger diese Harmonie nur selten stören will. Und wenn er das dann doch mal macht, dann passt es absolut! Hört mal das geniale Tête d’Or (Le parc), dann wisst ihr, was ich meine. Was für ein geiles, melancholisches Gitarrenriff! Eigentlich war das ja jetzt nur ein frei gewähltes Beispiel, im Grunde genommen ist jeder Song des Albums dazu geeignet, die Leidenschaft, die gefühlvolle Spielfreude und das Herzblut der Bandmitglieder prunkvoll abzubilden. Queen Size Sea z.B. beginnt krachig, fast schon Dinosaur Jr-mäßig. Im Verlauf des Songs entwickelt sich das Ding noisig und läuft melancholisch und ruhig aus. Klar, dass bei dieser Art emotionaler Musik nachdenkliche und persönliche Themen in den Texten verarbeitet werden. Und das Nachlesen macht aufgrund des schnuffigen Textheftchens umso mehr gute Laune. Die schwarz-weißen Fotos erinnern mich genauso wie der Sound an diese Platten, die man so in den Neunzigern gern gehört hat und die mittlerweile richtige Meilensteine in der eigenen musikalischen Biografie geworden sind. Das klingt dann in etwa so, wie das Durchlesen vegilbter Postkarten aus längst vergangenen Zeiten, die vor langer Zeit verschollene und einst so geliebte Personen auf den Weg geschickt haben.

Und immer wieder kommt so ein genial emotionales Gitarrenriff um die Ecke, das einem Gänsehautschauer über den ganzen Körper jagt. Davon hat es zwar auf der A-Seite mehr, dennoch sollte man die B-Seite nicht verschmähen, wenn man zu faul zum Umdrehen ist. Pliocene ist hier zwar das wohl eingängigste Stück auf der B-Seite, aber wer es gerne episch und instrumental hat, dürfte mit dem knapp 19-minütigen Hey John (eine Ode an John Coltrane?) seine wahre Freude haben. Laut linernotes hat die Band das Ding kürzen müssen, sonst wären wir in den Genuss eines Doppelalbums gekommen. Alles in allem also ein äußerst gelungenes Album, das man keinesfalls verpassen sollte. Kleiner Anreiz für die Unentschlossenen: Sonic Youth trifft auf Slint, Appleseed Cast fusionieren mit reduzierten Rodan, dazu gesellt sich eine Portion Sport/Algernon Cadwallader. Wenn ihr euch also eine schön ausgeklügelte Variante dieser Bands zusammen mit ganz viel Leidenschaft und Herzblut vorstellen könnt, dann kommt ihr hier nicht drum herum! Und für die zuerst Skeptischen: Dranbleiben! Es lohnt sich!

9/10

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