Féroces – „Joséphine“ (Dingleberry Records u.a.)

Die Band Féroces geht mit ihrer neuen EP in die dritte Runde, und darüber bin ich höchst erfreut! Denn die ersten beiden 12inchs haben mich so in den Bann gezogen und fasziniert, dass ich jubelte, als die Joséphine-12inch aus dem neulich eingetroffenen Besprechungs-Paket aus dem Hause Dingleberry Records zum Vorschein kam. Obwohl instrumentale Musik nicht unbedingt zu meinen Vorlieben zählt, hat es mir der Sound auf den beiden Vorgänger-EP’s der Franzosen ziemlich angetan. Ob mit Joséphine das Kapitel Féroces nun geschlossen wird, wird sich wohl noch herausstellen, denn das Trio hat neulich bekannt gegeben, dass sich Gitarrist Jérôme leider dazu entschieden hat, die Band zu verlassen. Vorerst pausiert die Band nun also erstmal und man wird schauen, was passiert. Die 12inch ist übrigens wieder als Co-Release erschienen, neben Dingleberry Records sind die Labels Tim Tam Records und Médiapop-Records beteiligt.

Durch alle drei EP’s zieht sich bekanntermaßen ein Konzept: die Band hat sich mit ihrer Musik vorgenommen, dem französischen Kino der letzten zwei Jahrzehnte ein Denkmal zu setzen. Zudem tragen alle drei EP’s Titel, die den Namen eines bestimmten Film-Charakters zieren. Nach Juliette und Victor kommt also nun Joséphine zum Zug. Joséphine ist der Rollenname der Schauspielerin Alice Isaaz im Film Espèces menacées (Bedrohte Tierarten), der mir persönlich als Filmlaie total unbekannt ist. Hab deshalb ein bisschen im Internet recherchiert: wie schon bei den beiden Vorgängern, handelt es sich bei diesem Film auch wieder um ein Schicksals-Drama. Im Film geht es wohl um die Geschichte dreier Familien, die miteinander verknüpft sind. Joséphine und Tomasz zum Beispiel vermitteln nach außen hin den Anschein eines glücklichen Paares, bis Joséphines Eltern eines Tages ein dunkles Geheimnis entdecken, das die beiden verbergen. Die sechs Songs sind erneut mit reichlich Samples, hauptsächlich gesprochenen Film-Dialogen ausgestattet. Und auch beim Coverartwork ist sich die Band treu geblieben. Das gerasterte Foto zeigt Joséphine im Moment, in dem sie von Tomasz bedroht wird. Der EP-Titel ist diesmal in gelber Farbe abgedruckt, passend zum gelben Vinyl. Und doch, ein klitzekleines Detail ist im Vergleich der beiden Vorgänger anders: hatten beide Vorgänger eine identische Spielzeit von genau 27 Minuten, liegt die Laufzeit der sechs Songs bei etwas knapp über 25 Minuten. Das Bandmotto Personne ne chante, personne ne danse (Niemand singt, niemand tanzt) darf diesmal natürlich auch nicht fehlen.

Auch musikalisch verlässt sich die Band auf ihr Gespür für ausgeklügelte Songarrangements, die mit allerlei experimentellen Spielereien, tollen Gitarren- und Bass-Parts, sphärischen Keyboars und punktgenauem Drumming ausgestattet sind. Im Prinzip nichts neues, könnten jetzt böse Zungen behaupten. Und trotzdem steckt jedes Release voller Eigenleben, so auch Joséphine. Man merkt den Songs förmlich an, dass hier viel Liebe und Energie reingesteckt und viel getüftelt wurde, bis das Ergebnis stand. Und man hat das Gefühl, dass die Musik eine eigene Interpretation der Filmszenen darstellt. Je tiefer man in die Musik des Trios eintaucht, umso mehr Details lassen sich entdecken. Die Dialoge unterstreichen dabei die Dramatik der Musik, dadurch wird die Intensität nochmals deutlich gesteigert. Und bevor ich jetzt einzelne Songs aus dem Gesamtbild rausnehme und euch als Anspieltipp präsentiere, solltet ihr die EP lieber in ihrer Gesamtheit genießen. Am eindrucksvollsten kommt die Musik von Féroces natürlich auf Vinyl rüber, am besten bei Dunkelheit, schummrigem Licht und voller Konzentration auf die mystischen, gespenstischen, aber auch erotischen Klänge. Keine Frage, den Franzosen ist mit Joséphine zum dritten Mal in Folge ein Meisterwerk in Sachen Post-Rock gelungen!

8/10

Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records