Lysistrata – „Breathe In/Out“ (Grand Hote van Cleef)

Das Debut der Franzosen war ja schon eine Klasse für sich, jetzt haben die drei Jungspunde den Nachfolger am Start. Und bereits beim fünfminütigen Opener Different Creatures wird klar: das hier toppt das Debut nochmals um ein paar Längen. Wow! In diesem Song passiert bereits soviel, wie bei manch einer anderen Band im Verlauf einer 5-Song-EP. Post-Hardcore-Passagen treffen auf wuchtige Noise-Ausbrüche, eine frickelige Gitarrenspur wird von einem weirden Basslauf begleitet, man befindet sich in einer Art Endlos-Schleife, bis der spannungsaufbauende Strudel alles um sich mitreisst und das Ganze hemmungslos in die Luft gesprengt wird. Wow! Was für ein Auftakt!

Und es geht in diesem Stil weiter: Das Anfangsriff von Death By Embarrassment packt Dich gleich am Kragen, es wird noisiger, aber auch irgendwie melodischer, im Mittelteil kommen so schöne Frickel-Emo-Gitarren dazu, mir fallen Bands wie die alten Monochrome, Dawnbreed, Craving, The Jesus Lizard oder At The Drive-In als Vergleiche ein. Dazu bringt das abwechslungsreiche Drumming Dynamik und Schwung in die ganze Angelegenheit. Die Band hat es jedenfalls geschafft, ihre Live-Energie auf diesen Aufnahmen einzufangen, die druckvolle und dennoch raue Produktion weiß ebenfalls zu gefallen. Zwischen lauten und leisen Passagen gefangen, weiß man spätestens beim vierten Song Boot On A Thistle, dass man hier einen neuen Meilenstein in Sachen Post-Hardcore/Math/Screamo/Noise-Whatever gefunden hat.

Insgesamt sind neun Songs in einer Spielzeit von 51 Minuten zu hören. Und obwohl die Songs desöfteren die 5-Minuten-Marke überschreiten, kommt zu absolut keiner Zeit Langeweile auf. Zwischendurch lassen atmosphärisch dichte Klangwelten wie z.B. im letzten Drittel bei End Of The Line aufhorchen, es gibt wirklich wahnsinnig viel zu entdecken! Man merkt einfach, dass die Band ihren Sound lebt und mit Haut und Haaren dabei ist. Und allerspätestens, als die melancholischen Anfangsklänge vom fast neunminütigen Middle Of March erklingen, wird klar, dass mir die zugeschickte Promo-CD mal wieder nicht ausreicht, das Ding muss wohl trotz permanenter Abgebranntheit auf Vinyl her!

10/10

Facebook / Bandcamp / Grand Hotel van Cleef