Caspian – „On Circles“ (Triple Crown Records)

Für Vinylliebhaber dürfte das neue Album von Caspian der absolute Oberhammer sein. Ich habe mich in das Ding auf Anhieb verliebt. Die Doppel-12inch liegt zentnerschwer in der Hand und das Gatefold-Cover ist aus dickem Plattenkarton gefertigt, ins Frontcoverartwork sind die Songtitel kreisförmig eingestanzt. Auch auf dem Backcover wurde diese Technik angewandt, hier kann man Kreise und Quadrate erfühlen. Und im kontrastreichen Gegensatz zum warmfarbigen Frontcover sieht auch das Backcover im schwarz-weiß-Druck fantastisch aus. Klappt man das Gatefold-Cover auf, so findet man im Inneren die Treppe, die auch schon auf dem Frontcover angedeutet ist. Mir kommt das Artwork so vor, als ob die Band dazu auffordern würde, endlich einzutreten, die Treppe runterzugehen und dabei festzustellen, dass es weder einen Anfang noch ein Ende geben wird (No Beginning And No End ist groß auf dem Backcover zu lesen). Um das Artwork außen noch vollständig zu beschreiben: es gibt noch einen Obi-Strip, auf welchem Bandname, Albumtitel und Songtitel zu lesen sind. Na gut, dann komme ich mal der Aufforderung der Band nach und schaue ins Innere: da warten bereits zwei transparente Vinylscheiben mit grünen Sprenkeln darauf, endlich auf den Plattenteller zu dürfen. Zwei mit verschiedenen schwarz-weiß-Fotografien bedruckte Plattenhüllen purzeln auch noch aus dem Inneren, dazu gibt es zwei zusätzliche „Textblätter“ auf Fotopapier, hier sind verschiedene Formen und Muster abgedruckt, ein Unendlichkeitssymbol ist auch noch irgendwo zu sehen. Die Muster erinnern mich irgendwie an die verschwurbelten Tanzmuster aus dem mystischen Film Suspiria.

Nach so viel Optik wird es jetzt aber endlich mal Zeit für die Musik, zu der man immer wieder dazu verleitet wird, den Plattenkarton zu streicheln, am Fotopapier zu schnuppern und das Ding hin und herzuwenden. Sobald das cineastisch anmutende Intro zum Song Wildblood ertönt, spitzt man sofort verzückt die Ohren. Ich empfehle es, dieses Album über Kopfhörer zu genießen, denn erst da kann man mit Haut und Haaren die Musik von Caspian erfahren und begreifen. Bereits dieses Intro schafft es ohne Probleme, die Neugier zu wecken und den Treppenstufen zu folgen, um in die schillernde Welt Caspians einzutauchen. Der Song beginnt mit leichten Pianoklängen und pulsierendem Bass, nach und nach kommen weitere Instrumente wie ein Flügelhorn und ein Saxophon dazu, bis man von ersten Drum-Donnerschlägen und verzerrten Distortion-Gitarren überrascht wird. Ausgedehnte Gitarrenspuren verdichten sich hypnotisch, alles wächst zu einem dichten Klangteppich heran. Es ist wie bei einer Welle, die sich langsam aufbaut, immer größer wird und dann tosend zusammenbricht, bevor nochmals einer kleinere, auslaufende Welle hinterherkommt. Auch das nachfolgende Flowers Of Delight verzaubert auf ähnliche Weise, hier schwingt ein fast schon enthusiastischer Unterton mit. Verglichen mit den Aufnahmen zum letzten Album Dust And Disquiet, das ja mit reichlich schmerzvollen und traurigen Kompositionen und Untertönen ausgestattet war, klingt On Circles insgesamt viel freundlicher und leichtfüßiger. Dass Caspian Meister im vertonen von Gefühlen sind, hört man jedenfalls auf all ihren bisherigen Releases, so ist auch On Circles wieder ein Album, das direkt aus dem Herzen zu kommen scheint. Spätestens beim Song Nostalgist merke ich persönlich, dass der Zugang zum Song noch besser funktioniert, wenn Gesang mit an Bord ist. Hier ist zudem auch noch ein Sänger zu hören, dessen Stimme ich sehr gerne höre. Caspian haben sich hierfür Kyle Durfey, den Sänger von Pianos Become The Teeth ausgeliehen, so dass zur emotionalen Instrumentierung auch noch eine reichliche Portion Melancholie beim Gesang dazu kommt. Ja, das hier sollten die Jungs ruhig häufiger machen!

Caspian waren auch auf On Circles wieder sehr experimentierfreudig, so kommen immer wieder Instrumente wie z.B. ein Cello, eine Violine und zahlreiche andere Percussions zum Einsatz. Natürlich muss hier auch die hervorragende Produktion erwähnt werden. Hört euch doch nur mal den Song Division Blues an, auch der Hall und die leiernden Töne bei Onsra faszinieren ungemein. An den leisen Stellen hört man hier jede Stecknadel fallen, auch bei den lauteren, auftürmenden und atmosphärischen Passagen kann man noch alle Instrumente vernehmen. Und wenn es knallen soll, dann aber gewaltig! Bei fast allen Songs fällt auf, dass sich die Band viel Zeit lässt, den Song aufzubauen und wieder in sich einfallen zu lassen, so dass eine Art unendliche Soundschleife entsteht, wenn man jeden Song für sich in Dauerschleife packen würde. Einzig beim Song Collapser fällt man gleich die Kellertreppe runter und wird von tosenden Gitarrenwänden und hämmernden Drums an die Wand gedrückt. Ach ja, und zum Abschluss der bezaubernden Klangreise kommt bei Circles on Circles nochmals Gesang zum Einsatz, hier erinnert mich die Stimme ein wenig an diesen Typen von Alice in Chains. Wer auf ausgefeilten Post-Rock steht, dürfte an diesem Album kaum vorbeikommen. Abschließend würde ich mir für weitere Releases wünschen, dass das Thema Gesang in Zukunft noch eine größere Rolle spielen würde.

8/10

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