Trainer – „Athletic Statics“ (Fidel Bastro)

Ich würde ja gern diesen Text hier mit einer Floskel im Stil von „Mein Trainer hat mich immer dazu angespornt bla bla bla“ eröffnen, aber glücklicherweise haben mich meine Eltern nie in einen dieser Sportvereine gesteckt, in denen irgendwelche fiesen und sadistisch veranlagten Möchtegern-Feldwebel ihre „Schützlinge“ fast zu Tode quälen und ihnen literweise Schweiß und Blut aus dem ästhetisch muskulösen Körper quetschen. Ihr merkt schon, Trainer – egal welcher Sportart – genießen bei mir kein hohes Ansehen und als alte Punkerseele würde es mir nie im Leben einfallen, mich von irgendeinem Trainer schinden und herumkommandieren zu lassen! Das war jedenfalls bisher meine eiserne Einstellung, momentan stehe ich aber ein wenig auf der Kippe. Hey, da braucht es doch tatsächlich fast fünf Jahrzehnte, bis ich endlich mal einen fähigen Trainer kennen lernen darf, von dem ich mich zu ein paar Leibesübungen hinreißen lassen würde.

Die Sprache ist von diesem speziellen Trainer aus Saarbrooklyn, der ketterauchend und nägelkauend und am Rand des Nervenzusammenbruchs stehend unter irrem Geschrei und in Begleitung unkontrollierbaren Krachs zum Hüpfen, Zappeln und Luft-Trommeln animiert. Boah, das war jetzt aber eine etwas ausschweifende und umständliche Einleitung…es soll hier natürlich nicht um mein verkorkstes Sportleben gehen, sondern um die ziemlich neue Band Trainer, die mit Athletic Statics ihr Debutalbum am Start hat. Die Coaches haben eine lange und eindrucksvolle Sportlerkarriere hinter sich und haben schon für solch exklusive Vereine wie z.B. 2Bad, Karcher, Chandler, Zesura, Steakknife und Ex Nerven etliche Medaillen abgestaubt.

Zur Aufwärmübung legen die Jungs mit dem Opener oh-eeh-uh los. Reduzierte Gitarre und nervöses Getakte und ein unvorhersehbarer Wutausbruch, so könnte man das Ding in etwa beschreiben. Danach geht es vertrackt mit three times slower weiter. Das Quartett verzichtet übrigens gänzlich auf den Bass, dem rhythmischen Gefühl tut das aber keinesfalls weh, im Verlauf der knapp 37-minütigen Spielzeit groovt es bei ständigen Geschwindigkeitswechseln häufiger. Kann man gut ein paar Liegestütze nebenher machen! Die teils monotonen Rhythmen wirken fast wie ein Anfeuern oder ein rituelles Stoßgebet vor einem besonders harten Wettkampf. Hört euch mal den Titeltrack an, das hat fast schon was mantraartiges, mit dieser coolen Psycho-Gitarrenmelodie. Grob eingeordnet machen die Jungs da ein ziemlich chaotisches und dissonantes Gebräu aus Noise-Rock und etwas Emocore á la Karate (gerade der Song Simple Plan!). Und immer wieder kicken Dich diese brachialen und dreckigen Soundausbrüche heftig in den Arsch! Zwischendurch wird aber auch hin und wieder mal das Tempo rausgenommen, um ein bisschen Luft zu holen. Wer auf Bands wie Melvins, Slint, The Jesus Lizard, Shellac oder auch Craving steht, könnte auch Gefallen an Trainer finden!

8/10

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