Elm Tree Circle – „NO FOMO“ (KROD Records)

Versteht eigentlich noch irgend jemand die heutige Jugend? Man sorgt sich permanent, etwas vermeintlich wichtiges zu verpassen, dabei ist man ständig am Daddeln und vergeudet seine Zeit mit Social Media und Komaglotzen verwackelter Katzenvideos. Das im Netzjargon verwendete Akronym FOMO (Fear Of Missing Out) bezeichnet diese durch den Konsum sozialer Medien verursachte Angst, etwas zu verpassen. Elm Tree Circle lehnen sich also in ihrem Albumtitel NO FOMO bewusst ein wenig zurück und rufen in Slacker-Manier zur Entspannung auf.

Nehmt euch also gefälligst die Zeit und lasst euch während der Spielzeit von etwas knapp über einer halben Stunde nicht durch aufploppende Nachrichten ablenken. Das ist zu schaffen, ich glaube an euch! Schaltet euer bunt leuchtendes Display aus und betrachtet lieber das schlichte einfarbige Artwork der 12inch, die übrigens ebenso farblos reduziert mit durchsichtigem Vinyl punkten kann. Zwei küssende Menschen sind auf dem Cover zu sehen, dementsprechend geht es auch textlich sehr persönlich zu. Szenen aus dem alltäglichen Leben, Herzensangelegenheiten, Liebe, Trennung, Schmerz und sentimentale Erinnerungen sind immer wiederkehrende Themen.

Schon beim Debutalbum der Band aus Iserlohn fiel mir auf, dass die Jungs eigentlich ziemlich amerikanisch klingen. Das ist auch auf dem zweiten Album des Trios so. Zudem sind die Jungs irgendwo im Pop-Punk und Emorock um die Jahrtausendwende herum hängen geblieben. Und das ist auch gut so! Kein überladener Schnick-Schnack, einfach nur handgemachte, ehrliche Musik. Beim Anhören der zehn Songs lassen sich Ähnlichkeiten mit Bands aus vergangenen Zeiten wie z.B. Blink 182 oder Placebo, aber auch aktuellere Bands wie Modern Baseball oder Real Friends erkennen. Die stets präsente Leadgitarre entpuppt sich übrigens als eine der größten Stärken der Band. Denn diese hat immer ein melodisches Riff am Start und entzückt durch melancholische Klänge und viel Abwechslung. Dazu gesellen sich natürlich eingängige Refrains, die sich schon nach wenigen Hörrunden tief in die Gehörgänge gebohrt haben. Der Sound klingt insgesamt sehr entspannt, ruhig und zurückgelehnt, Elm Tree Circle haben es sich im Midtempo gemütlich gemacht. Und gerade dieser Ruhepol macht den Reiz aus, sich auch selbst mal etwas zu entspannen und sich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren. Dennoch gibt es hin und wieder ein paar Ecken und Kanten zu entdecken: hört euch nur mal die dissonanten Akkorde von I Got It an, wunderbar! Wer auf Emo, Pop-Punk und gitarrenorientierten Indierock steht, sollte dieses Album unbedingt antesten. Ansonsten müsst ihr mit der Angst leben, etwas großartiges verpasst zu haben!

8/10

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