Narrow Head – „12th House Rock“ (Run For Cover/Holy Roar)

In der DIY-Underground-Szene von Texas im Jahr 2013 gegründet, legt die Band Narrow Head mit 12th House Rock ihr mittlerweile zweites Album vor. Und hält man die ultraschwere Doppel-12inch im Gatefold-Cover in der Hand, dann beginnen bereits die Äuglein zu leuchten. Das vom Houstoner Künstler Barry Elkanick entworfene abstrakte Gemälde hat zwar einen etwas düsteren Beigeschmack, aber dieser passt zur Musik des Quintetts wie angegossen. Die zwei Vinylscheiben des Bemusterungsexemplars sind durchsichtig, es gibt aber auch noch eine Version in Orange, was sicher auch ganz toll aussieht. Ein Textblatt liegt ebenfalls bei, es bleiben also keine Wünsche offen!

Sobald die Nadel aufs Vinyl setzt, wird man von einer Rückkopplung und einem fetten Riff abgeholt und macht eine kleine Zeitreise in die gitarrenlastigen Neunziger, als Bands wie die Smashing Pumpkins, Alice In Chains, Helmet, Guided By Voices oder die Deftones ihre Hochzeit hatten. Diesen Sound muss man einfach auf Vinyl genießen! Die dreizehn Songs bringen es auf eine Spielzeit von knapp 52 Minuten und ich kann verprechen, dass trotz der langen Spielzeit keine Langeweile aufkommen wird, vorausgesetzt man kann mit dem Sound der oben genannten Bands oder auch aktuelleren 90’s-Nostalgie-Bands wie z.B. Higher Power, Hum oder Superheaven etwas anfangen. Dem Sound von Narrow Head kommen die vielen Hammerriffs, der kantig klingende Bass, das knackig gespielte Schlagzeug und der verträumte und mit reichlich Hall ausgestattete Gesang zugute. Ein weiterer Pluspunkt ist die sehr lebendig wirkende Produktion, die die Band selbst in die Hand genommen hat, auf moderne Studiotechnik wurde gänzlich verzichtet. Diese Riffs sind einfach Gold! Mal zutiefst melancholisch, mal aufbruchswillig und treibend, mal heavy groovend, aber immer spielfreudig dargeboten sind sie für die emotionale Grundstimmung des Albums der Fels in der Brandung. Nicht, dass die anderen Instrumente überflüssig wären. Da braucht man sich nur mal das tolle Bassriff und die mit viel Drive gespielten Drums beim Song Night Tryst anhören! Aber bevor ihr euch jetzt nur einzelne Stücke reinpfeifen wollt, empfehle ich den Genuss des ganzen Albums am Stück. Das hat man doch damals in den Neunzigern auch immer so gemacht. Platte gekauft und wochenlang immer wieder angehört! Und mit 12th House Rock kann man dieses Neunziger-Gefühl ohne Ende nochmals erleben, klappt ohne Probleme!

Noch ein kleiner Ausflug zum Albumtitel und den Texten: das zwölfte Haus ist ja ein Begriff aus der Astrologie, in dessen unsichtbaren und mystischen Bereich es ziemlich turbulent und chaotisch zugehen kann. Visionen, Verdrängungen, Sucht, Flucht und Rückzug, Täuschungen, Enttäuschungen, Verzweiflung, Verwirrung, Gut und Böse, Hoffnung auf Erlösung. Das alles sind Inhalte vom zwölften Haus, die ganz eng beieinander liegen. Und Narrow Head versuchen, die Erlösung in ihrer Musik zu finden! Sänger Jacob Duarte machte wohl eine ziemlich schwere Zeit durch, die zumindest momentan mithilfe der Songs des Albums überwunden werden konnte. So widmen sich mit Hard To Swallow und Emmadazey sogar gleich zwei Songs dem Thema Medikamentensucht. Obwohl man aus diesem tiefen und dunklen Strudel schwer rauskommt, strömt das Licht am Ende des Tunnels entgegen und es finden sich genügend optimistischere Momente auf dem Album wieder. Das Album erschien als Co-Release der Labels Run For Cover und Holy Roar übrigens kurz vor bekanntwerden der schweren Anschuldigungen gegen den Holy Roar-Labelboss Alex Fitzpatrick.

9/10

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