Käpt’n Panda – „Shanghai ist ätzend“ (Timezone Records)

Im Ruhrgebiet im Jahr 2013 gegründet, beschäftigt sich die Band Käpt’n Panda mit deutschsprachigem Emo-Punkrock, der ernste Themen zum Inhalt hat. Nach einer EP und einem Album kommen die vier Jungs mit einer weiteren EP und ihrer dritten Veröffentlichung um die Ecke. Rein optisch gefällt mir das schlichte schwarz-weiß-Artwork der 12inch ganz gut, zumal der Linolschnitt einen schönen DIY-Spirit erkennen lässt. Und irgendwie passt das Motiv mit dem verloren wirkenden Typen in der Großstadt ganz gut zur Musik und den Textinhalten, die sich hauptsächlich um den täglichen Wahnsinn drehen, dem man als Mensch unter der Kuscheldecke des Kapitalismus so ausgesetzt ist. Bordsteinkantengeschichten treffen auf Gossendrama und Bukowski-Poesie. Die Vereinsamung und Isolation funktioniert in einer anonymen Großstadt einfach wunderbar! Shanghai steht dabei symbolisch für eine der größten Industriemetropolen der Welt. Und obwohl ich selbst noch niemals in Shanghai war, kann ich die Aussage des EP-Titels nur bestätigen. Shanghai ist wirklich ätzend! New York und Hawaii wahrscheinlich auch. Und Udo Jürgens sowieso. Ups, immer diese verknoteten Gedanken…

Im Plattenkarton finden sich neben einem Downloadkärtchen übrigens noch ein besiebdruckter Käpt’n Panda-Aufnäher und ein Textblatt. Die fünf Songs passen alle auf die A-Seite, die B-Seite ist unbespielt. Das hat den Vorteil, dass man die Platte nicht ständig drehen muss. Aber leider sind die Songs auch schon nach einer kurzen Spielzeit von 15 Minuten wieder rum, so dass man mit ungestilltem Appetit auf mehr Material der Jungs zurückbleibt. Denn die Musik von Käpt’n Panda geht verdammt gut ins Ohr! Melancholisch gezockte Gitarren treffen auf eine treibende Rhythmusfraktion aus Drums und Bass, dazu gesellen sich verzweifelt vorgetragene Vocals.

Der Sound ist stets melodisch, so dass die Melange aus Punkrock und Indie auch einen gewissen Aggro-Pop-Appeal hat. Zudem gefällt die knackige Aufnahme, die in den Kaputtmacher Studios in Bochum aufgenommen wurde. Und dass Käpt’n Panda sicher auch eine gute Live-Band ist, zeigt der letzte Song Ganove Knausgard, der live eingespielt wurde und zu dem es auch ein Kaputtmacher Sessions-Video gibt. Ach ja, die Gitarren beim Opener Schnaps erinnern mich irgendwie an die Band Monochrome, ansonsten dürften an dieser EP alle einen Gefallen finden, die mit Bands wie Turbostaat, Boxhamsters, Captain Planet, Willy Fog oder Love A etwas anfangen können. Mir persönlich ist das Ding jedenfalls in letzter Zeit ziemlich ans Herz gewachsen!

8/10


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