Bandsalat: Donots, Eleanora, Less Than Jake, Minerva Superduty, One Dying Wish, Red City Radio, Under Glass, We Too Will Fade

Donots – „Birthday Slams Live“ (Solitary Man Records) [Video]
Live-Alben machen hin und wieder doch Sinn, ich erinnere an das letztens besprochene Live-Tape der Band Kalt, das zwar einen rauen Sound hat, aber sehr viel Emotion und Energie rüberkommen lässt. Der Sound auf dem Doppel-Live-Album der Donots kommt im Vergleich dazu natürlich um einiges fetter und sauberer abgemischt rüber, aber dennoch hört man den Aufnahmen den Schweiß, die Freude und den Spaß an dem, was vor, auf und hinter der Bühne passiert, ganz genau an. Eigentlich kaum zu glauben, dass eine der umtriebigsten Live-Bands Deutschlands erst nach 25 Jahren ein Live-Album veröffentlicht. Eigentlich auch von der Idee her absolut stimmig, wurde das Ding bewusst in einer Zeit rausgehauen, in der ungewiss ist, wann mal wieder ein echtes Konzert stattfinden kann. Parallel zum Album läuft übrigens eine Crew-Support-Aktion für die Leute hinter den Kulissen, die in diesen Zeiten um ihre Existenz bangen. Tolle Sache! Ich muss zugeben, dass sich meine Live-Erlebnisse mit den Donots auf die ersten Bandjahre beschränken. Hab gerade im persönlichen Flyer-Archiv gespickelt und dabei ein paar Shows entdeckt, die von der Größenordnung noch in einem wesentlich kleineren Rahmen stattgefunden haben. Damals spielten die Jungs im Vorprogramm von Bands wie Samiam, Beatsteaks oder Errortype:11, heutzutage füllen sie alleine ganze Hallen. Von der Soundauswahl werden hier natürlich alle großen Hits geboten. Was mir an den Donots bisher nie aufgefallen ist, ist der leicht nasale Gesang an manchen Stellen. Mir liegt die fette und signierte Digi-Pack-Doppel-CD vor, es gibt aber verschiedene Varianten, u.a. eine Dreifach-Vinyl-Box-Set. Schön wäre es natürlich gewesen, wenn man neben dem Ton noch Videomaterial mitbekommen hätte. Trotzdem ist das hier ein sympathisches Release, das nicht nur eingefleischten Fans gefallen dürfte.


Eleanora – „Mere“ (Consouling Sounds) [Stream]
Schon auf dem Debutalbum der belgischen Band attestierte ich den Jungs eine apokalyptische Brachialität, vier Jahre später schieben die Jungs das zweite Album nach. Und das passt vom düsteren Sound hervorragend in die momentan herrschende Katastrophe. Die Mischung aus Hardcore, Screamo, Post-Hardcore, Sludge und Doom hat auf der einen Seite diese unbändige Power, auf der anderen Seite ist aber eine tiefe emotionale Seite zu spüren. Das kommt zum einen von den flirrenden und unterschwellig melodischen Gitarren, zum anderen transportiert das durchdringenden Geschrei des Sängers die pure Verzweiflung und massig Seelenschmerz. Wer auf Bands wie Amenra, Converge, Children Of Fall/Serene, Envy oder Cult Of Luna abfährt, könnte auch an Eleanora Gefallen finden.


Less Tank Jake – „Silver Linings“ (Pure Noise Records) [Stream]
Obwohl ich mich nicht zu den Fans der 1992 gegründeten Band aus Gainesville zähle und auch keinen einzigen Tonträger der Jungs besitze (außer diesen hier jetzt), konnte ich mich bereits mehrfach von den hervorragenden Live-Qualitäten der Jungs überzeugen. Nun denn, auch wenn man wie ich Ska-Punk eher skeptischer gegenüber steht, sollte man Silver Linings unbedingt eine Chance geben. Mich hat das Album direkt beim ersten Durchlauf in eine sonnige Laune versetzt. Man holt sich echt den Sommer in die Bude und vergisst für 36 Minuten mal kurz den ganzen Wahnsinn da draußen, wirklich wahr! Die Band klingt auf ihre alten Tage frisch und knackig, dabei wird mit zahlreichen catchy Parts nur so um sich geschmissen. Mal geht es flott zur Sache, mal wird schön im Midtempo gegroovt und irgendwie klingt alles extrem gut durchdacht und stimmig, langweilig wird es jedenfalls nie. Und immer wieder ertappt man sich dabei, wie ein Füßchen mitwippt. Die Bläser setzen an den richtigen Stellen ein, die Refrains gehen gut ins Ohr und der neue Drummer macht seine Sache auch perfekt. Soll das Gebilde auf dem Cover eigentlich ein Komet sein? Zum Albumtitel würde es ja ganz gut passen. Naja, egal! Jedenfalls merke ich mit jedem weiteren Durchlauf, dass dieses Album immer noch ein bisschen einen drauf setzt und wächst. Und was super ist: die gute Laune geht trotzdem nicht flöten! Dieser Stimmungsaufheller wird in den nächsten Monaten sicher noch öfters seinen Weg in den CD-Schacht finden!


Minerva Superduty – „In Public“ (Yetagain u.a.) [Stream]
Seit 2011 ist die Band aus Griechenland unterwegs, mittlerweile leben die Bandmitglieder in verschiedenen Teilen Griechenlands. Das dritte Album wurde daher in Athen und Kalamata aufgenommen und erschien in Zusammenarbeit der Labels Yetagain, Body Blows records, Sweetohm recordings, Bright Future, Vault Relics und 5FeetUnder Records. Und es ist ein richtig geiles Ding geworden. Grob kann man das Album unter Post-Hardcore einordnen, dazu gesellen sich Screamo, Chaos-Core und Melodic Hardcore. Mal geht es straight nach vorne, dann gibt es pfefferscharfe Riffs zu hören, die einfach nur alles wegblasen, dissonante Gitarrenspuren sind auch zu hören, dazu gibt es eine emotionale Tiefe zu spüren. Und dann dieser Schlagzeuger, ein wilder Hund! Mich erinnert der Sound ein bisschen an eine Mischung aus At The Drive In, Converge, United Nations, Touché Amore und frühe Stretch Arm Strong. Von der Intensität und Spielfreude her ist das Album ein richtiger Kracher mit acht saustarken Songs in 22 Minuten! Nach der 12inch muss ich unbedingt Ausschau halten!


One Dying Wish – „Origami“ (I.Corrupt.Records) [Name Your Price Download]
Die aus Turin/Italien stammende Band One Dying Wish kommt mit ihrem zweiten Release um die Ecke und lässt mir die Spucke wegbleiben! Oh ja, ich könnte mich in den Sound förmlich reinsetzen! Insgesamt sechs Songs sind auf Origami enthalten und es geht in Richtung Screamo/Post-Hardcore. Wundervolle Gitarren, mal stark verzerrt, mal nicht so verzerrt, manchmal auch clean treffen auf hektisches Getrommel, dazu gibt es gescreamte und gesprochene Vocals in italienischer Sprache, alles sehr intensiv und stimmig arrangiert. Fans von Bands wie Raein, La Quite, Ojne oder Serene/Children Of Fall werden hier voll auf ihre Kosten kommen! Ich liebe das hier!


Red City Radio – „Paradise“ (Pure Noise Records) [Stream]
Den HWM-lastigen und nach vorne gehenden Punkrock der ersten Jahre hat die Band aus Oklahoma größtenteils hinter sich gelassen, das war mein erster Höreindruck des neuen und mittlerweile vierten Albums. Das Ganze ist ziemlich massentauglich geworden. Neben Punkrock gibt’s haufenweise oldschool Rock’n’Roll und sogar etwas Stadion-Rock zu hören. Vieles geht direkt ins Ohr, 100.000 Candles ist beispielsweise so ein Kandidat. Mitgröhl-Hymnen finden sich jedenfalls einige, zudem kommt die melancholische Seite auch nicht zu kurz. Irgendwie bekommt man im Verlauf des Albums den Eindruck, dass die Jungs viel leichtfüßiger und fröhlicher wirken, den Spaß an der Sache kann man jedenfalls deutlich hören. Die Palette an Bandvergleichen reicht dabei von Zeugs wie Tom Petty, Bruce Springsteen, Thin Lizzy bis hin zu Samiam oder den Beatsteaks. Textlich beschäftigen sich die Jungs mit persönlichem Seelenkram, dazu passt auch das im meditativen New Age-Stil daherkommende und äußerst symbolreiche Albumartwork. Neben dem mir vorliegenden handlichen Digipack gibt’s das Album natürlich auch auf Vinyl. Also, mir gefällt dieser neue Stil zwar nicht so gut wie das Zeug aus der Anfangsphase, aber es wirkt sehr viel lebendiger und pfiffiger als die letzten Sachen der Band und klingt dadurch einen ganzen Ticken interessanter. Also, ich mag’s!


Under Glass – „Collapse This Path Of Existence“ (Middle Man Records) [Name Your Price Download]
Sobald die dissonant angehauchten Gitarren zusammen mit dem polternden Bass und den pfeffernden Drums ertönen, werde ich hellhörig! Der ruppige und raue Sound wird durch fiese, extrem Angst machende Schrei- und Kreischvocals vervollständigt. Die Mischung aus Hardcore, Emocore, Emoviolence und Screamo klingt jedenfalls schön abgefuckt und dystopisch und dürfte Leuten gefallen, die knifflige Mathe-Aufgaben bei einer Geräuschkulisse von Bands wie Usurp Synapse, Majority Rule, Combatwoundedveteran oder Jeromes Dream mit Bravour lösen. Fünf böse Songs!


We Too, Will Fade – „Everything Falls Apart As It Should“ (Midsummer Records) [Stream]
Der Sound der Münchener Band konnte mich bereits auf ihrer im letzten Jahr erschienenen Debut-EP überzeugen. Jetzt legen die Jungs ihre zweite EP vor. Es sind zwar nur drei Songs, diese bringen es aber auf eine Spielzeit von zehn Minuten. Und sie machen extrem hungrig auf mehr Stoff. Denn geboten wird eine mitreißende Melange aus Post-Hardcore, Melodic Hardcore, Post-Rock und gar etwas Black-Metal. Jedenfalls passiert im Verlauf der zehn Minuten so einiges, was mich zufrieden grinsen lässt. Messerscharfe Gitarren treffen auf wuchtig groovende Drums, eine gewisse Melancholie und Verzweiflung ist dem Sound ebenfalls anzuhören. Und das nicht nur in seinen ruhigen oder atmosphärischen Momenten. Die Songarrangements sind ausgeklügelt und sitzen perfekt, die unterschwelligen Melodien passen genauso wie die Vertracktheit an manchen Stellen. Und betrachtet man die drei Songs in ihrer Gesamtheit, dann klingen sie so, als ob sie miteinander verwoben wären. Vom zwischen der Debut EP und dieser hier stattfindenden Line-Up-Wechsel hätte ich jetzt gar nicht Notiz genommen, wenn ich nicht noch kurz in den Pressezettel gespickelt hätte. Fans von Bands wie We Never Learned To Live, The Tidal Sleep oder State Faults sollten We Too, Will Fade mal schleunigst anchecken!