Oakhands – „The Shadow of Your Guard Receding“ (This Charming Man)

Die Band aus München hat nach Erscheinen ihrer Debut-EP im Jahr 2016 endlich die erste Full Length am Start. Und die ist schön abwechslungsreich und ziemlich gut geworden! Die Jungs pendeln recht elegant zwischen Post-Hardcore, Emo, Post-Rock und Indie-Rock hin und her und wie es scheint, sind sie auch gern experimentierfreudig unterwegs. Trotzdem wird keiner der elf Songs zerpflückt, das Endergebnis klingt erstaunlich stimmig, die Songarrangements sind liebevoll ausgetüftelt, Spielfreude und Enthusiasmus lassen sich durch die Bank deutlich spüren und auch die melancholische Seite kommt nicht zu kurz. Die Band hat sich sozusagen ihr eigenes Universum geschaffen!

Die Vocals pendeln zwischen zerbrechlichem Gesang, leidendem Geschrei und Spoken Words, dazu gesellen sich verspielte und lebhafte Gitarren, die sich ineinander verflechten. Der gegenspielende Bass und die auf den Punkt präzise gespielten Drums bilden das Grundgerüst. Während der über vierzig minütigen Spielzeit wird es jedenfalls nie langweilig, im Gegenteil! Das Album ist ein richtiger Grower, der mit jedem weiteren Durchlauf in ungeahnte Höhen wächst und auch international absolut mithalten kann. Beim Hören fühle ich mich jedenfalls an Bands wie At The Drive In, Touché Amore, La Dispute, Coldplay, Envy, Sometree und anderen erstklassige Jahrtausendwenden-Bands erinnert.

Ich will jetzt gar keine einzelnen Songs herausheben, denn The Shadow of Your Guard Receding ist eines dieser Alben, für die es keine Playlisten-Empfehlungen geben sollte. Dieses Kusntwerk sollte am Stück entdeckt und genossen werden! Und das immer wieder von neuem! Das Oakhands-Universum wird noch deutlicher, wenn man die sechs parallel erschienenen Musikvideos ansieht. Die Dinger haben Kurzfilm-Charakter und unterstreichen nochmals doppelt, dass die Band ihre Musik mit Haut und Haaren lebt. Textlich setzen sich die Jungs mit menschlichen Problemen in der Gesellschaft auseinander, Themen wie Mentale Gesundheit, Soziale Ängste, patriarchale Machtstrukturen und das eigene Gefühlswirrwarr werden offen gelegt. Die Vinylversion scheint anhand der Fotos zu beurteilen ebenfalls ein kleines Kunstwerk zu sein, dazu gibt es noch ein 24-seitiges Textheft. Sollten irgendwann mal wieder Live-Shows möglich sein, dann sollten wir die großen Zugpferde aus Übersee erstmal vergessen und lieber auf Bands wie Oakhands setzen!

9/10

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