You Could Be A Cop & Amid The Old Wounds – „Split 12inch“ (Time As A Color u.a.)

Wow, was kommt da mal wieder für ein schönes und liebevolles DIY-Release ins Haus geflattert? Rundum lassen sich einige schwarz-weiße Fotografien im Kollagen-Stil aus längst vergangenen Zeiten entdecken, vermutlich aus dem persönlichen Privat-Archiv. Für’s nostalgische Artwork ist übrigens – wie auch schon bei der Debut-12inch von You Could Be A Cop und den Human Hands-Releases – Chaz Hewitt verantwortlich. Im aufklappbaren Gatefoldcover sind innen die Texte abgedruckt, schön mit Schreibmaschine abgetippt und zusammengeschnipselt. Die 12inch selbst ist in einer schwarzen, gefütterten Hülle untergebracht, die weißen Labels sind nur mit den RPM-Geschwindigkeiten bestempelt. Mein Besprechungsexemplar hat schwarzes Vinyl, es gibt aber auch noch eine blaue Variante. Ach ja, selbstverständlich liegt ein Download-Kärtchen bei. Das Schmuckstück ist übrigens ein Co-Release, neben time as a color sind noch die Labels Adagio830, strictly no capital letters, slow down records, motorpool records und friend club records mit an Bord.

Wer mit der You Could Be A Cop-Seite beginnen möchte, sollte zuerst die Seite mit der aufgedruckten 33 auflegen. Wem die exzellente Debut-12inch der Band durch die Lappen gegangen sein sollte, wird nach dem Genuss der vier Songs der Split auch diese noch aufsaugen wollen wie ein durstiger Schwamm. Alle anderen haben wahrscheinlich eh schon ungeduldig auf neuen Stoff gewartet. Die Band setzt sich ja aus den beiden norwegischen Brüdern Morten und Marius und der Londoner Sängerin Natalie zusammen, zusätzlich mischen bei zwei Songs musikalische Gäste mit. Zum einen steuert Tonje Tafjord von Avind ihre Vocals zum Song Against The Bleeding Skyline bei, zum anderen wirkt Fighterpilot-Sänger Anders Kojen bei Still The Same mit. Jedenfalls kann man in den Sound der Band richtig eintauchen, zwanzig Minuten vergehen wie im Flug. Die Gitarren schwirren schwerelos durch die Lüfte, dazu gesellen sich verträumte male/female Wechselgesänge, fluffige Basslines und entspannte Drums und natürlich jede Menge traurige Melodien und auch textlich werden melancholische Momente verarbeitet. Sehr emotional und zerbrechlich klingt das! Irgendwo zwischen Emo und Indie passt auch noch eine grungig-punkige Note. Wer Zeugs wie Boys Life, Stars, Hidalgo, 125 Rue Montmartre oder SDRE mag, wird auch mit You Could Be A Cop bald Händchen halten! Ich bin jedenfalls schwer verliebt!

Für Amid The Old Wounds müsst ihr die Seite mit der aufgedruckten 45 wählen. Duct Hearts & Wishes On A Plane-Sänger Daniel hat nach seiner Debut-7inch vier Songs eingespielt, gemischt und gemastert wurden diese bei Koenichsound/Franz Kindermann. Dass Daniel von den Solosachen des Get Up Kids-Sängers beeinflusst ist, konnte man schon anhand des The New Amsterdams-Covers vom Song Every Double Life hören. Nur die Gitarre und die warme Stimme Daniels füllt den Raum und zieht sofort in den Bann. Die emotionale Grundstimmung wird auch textlich noch unterstrichen. Bei den beiden Songs A Friend In Need und You’ve Reached The End handelt es sich um Neukompositionen, der Song Anywhere stammt ursprünglich von Wishes On A Plane. Und dann gibt’s noch eine gelungene und noch akustischere Coverversion vom No Use For A Name Akustik-Song Let It Slide. Und nach knapp 12 Minuten ist leider auch diese Seite zu Ende! Und ja, diese 12inch wärmt mein Herz aus allen Richtungen!

9/10

Bandcamp / time as a color