Bandsalat: Colored Moth, Dead Tired, Foreign Hands, Home Is Where, Record Setter, ксилема, MEO

Colored Moth – „Inertia“ (Moment Of Collapse) [Stream]
Dass Colored Moth der absolute Geheimtipp in Sachen Post-Hardcore/Noise/Screamo aus Deutschland ist, könnte mit diesem Release – dem mittlerweile dritten Album der Berliner – bald der Vergangenheit angehören. Drei Alben hintereinander auf sehr hohem Niveau abzuliefern, das muss man erst mal drauf haben. Zehn Songs voller hibbeliger Anspannung sind es diesmal geworden. Und diese kommen gewohnt dicht, druckvoll, verschachtelt, aber immer präzise durchdacht um die Ecke. Die verzweifelt gescreamten Vocals dringen direkt ans Herz, wobei das mächtig groovende Gewitter aus knarzendem Bass und wuchtig gespielten Drums immer wieder von einer einprägsamen Gitarrenmelodie oder einer auftürmenden Noise-Wand begleitet wird. Wahnsinnig intensiv! In den Texten geht es um kritische Sicht auf die Gesellschaft, es werden beispielsweise patriarchale Machtstrukturen und toxische Männlichkeit angeprangert, Entfremdung und Abhängikeit von materiellen Werten und Existenzängste sind ebenfalls Themen. Also durchaus auch Food for Thought neben der musikalischen Vielfalt der Songs! Mit knapp 28 Minuten Spielzeit ein weiteres Hammeralbum der DIY-Band! Auf Vinyl sicher noch ’n Ticken intensiver, das Artwork kommt da bestimmt ganz toll raus. Dank der Vinylkrise ist hier jedoch noch Geduld bis September angesagt!


Dead Tired – „Satan Will Follow You Home“ (New Damage Records) [Stream]
Nach dem Ende von Alexisonfire, die es ja mittlerweile wieder gibt, verfolgte ich das musikalische Treiben von George Pettit weiter, allerdings kickte mich der Sound seiner neuen Band Dead Tired nicht so derbe, wie es die Veröffentlichungen von Alexisonfire bis heute tun. Wahrscheinlich war ich damals auch für den Sound noch nicht so empfänglich. Und dann war da ja noch der Auftritt in der TV-Serie The Boys, das fand ich irgendwie lustig! Nun, das mittlerweile dritte Album tritt jedenfalls ordentlich Arsch, wie ich finde. Auch wenn ich zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen weiß, dass dieser Tage ein neues Alexisonfire-Album erscheinen wird. Dead Tired lassen auf insgesamt zwölf Songs die von der Pandemie angestaute Wut raus. Fette Gitarren, chaotische Ausbrüche, wildes Geschrei und auch mal gedrosseltes Tempo (Vast Lethality z.B.) lassen die Wände ziemlich wackeln. Man entdeckt ziemlich viele Soundspielereien, je öfter man das Ding durchlaufen lässt. Live wird das sicher ein solides Brett sein!


Foreign Hands – „Bleed The Dream“ (Daze) [Stream]
Ach Du Scheiße! Mir blieb ja damals schon die Spucke weg, als ich drüben bei Alessandro/Borderlinefuckup nach Lektüre des Reviews zur EP mal reingehört hatte. Oh Shit, dann hab ich das hier total vergessen, warum auch immer. Nur um neulich völlig geflasht im Auto das Ding auf die Ohren zu bekommen! Verdammte Hacke, das hier ist die absolute Macht! Wenn ihr um die Jahrtausendwende herum auf Bands wie Poison The Well, Shai Hulud, This Day Forward oder auch With Honor gestanden habt und auch aktuelleres Zeugs wie SeeYouSpaceCowboy oder If I Die First mögt, dann ist das hier die absolute Erfüllung! Brustklopf, Faustreck! Für diesen Sound lohnt es sich zu leben!


Home Is Where & Record Setter – „Split“ (Topshelf Records) [Stream]
Dieses Split-Release beschert uns nicht nur zwei geile Bands, nebenbei gibt es hier auch noch reichlich food for thought! Nachdenken, Umdenken (falls eh noch nicht geschehen) und einfach ein gewaltfreies, liebevolles Leben anstreben! Funktioniert garantiert! Verabschiedet euch von Machtstrukturen und ähnlichem Scheiß! Home Is Where aus Florida haben diesen tiefgründigen emotive Screamo am Start, der Dir die Nackenhärchen aufstehen lässt. Zwei Songs voller Störgeräusche, Chaosgewitter und verzweifeltes Geschrei! Sass-Core as it’s best! Dann kommen Record Setter aus Texas. So gut und deep! Ich könnte von diesen zwei Songs locker die nächste Zeit zehren! Emotive as fuck, diese melancholisch gezockten Gitarren, dieser wahnsinnig verzweifelte Schreigesang! Plain English ist ja wohl ein garantierter Anwärter auf das Emo-Compilation-Tape 2022! Hammer Split-EP!


ксилема (Ksilema)- „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ende Februar war es, als russisches Militär in die Ukraine einmarschiert ist. Und ein paar Tage später entdeckte ich beim Bandcamp-Ausflug das neue Album der aus Minsk stammenden Band Ksilema, die hier an anderer Stelle ja auch schon vorgestellt wurde. Überall wurden zu dieser Zeit die Stimmen nach Boykott russischer Firmen und Produkte laut, zudem interessierte mich persönlich auch die Meinung zum Angriffskrieg sowohl aus der Sicht der russischen Hardcore/Punk-Szene und aber auch der ukrainischen Szene. Und ein paar Tage später ist dann auch schon ein Statement zum absolut sinnlosen Krieg auf der Bandcamp-Seite von Ksilema zu lesen gewesen. Aber das hier nur als Nebensatz. Wer im DIY-Screamo/Emo unterwegs ist und es gern auch mal exotischer hat (russische Lyrics), sollte hier unbedingt mal reinhören! Verschachtelte Instrumentals, leidenschaftliches Geschrei, alles very emotive! Ich wünschte mir, dass alle, die mit negativer Energie irgendwelche Kriege anzetteln, lieber mal ihre Aggressionen mit Musik im Zaum halten würden.


MEO – „Testarossa“ (Entes Anomicos u.a.) [Name Your Price Download]
Ein erstes Lebenszeichen in Form eines sehr gelungenen Albums gibt es von der italienischen Band MEO zu hören. Die drei Turiner liefern ein emotionales Brett irgendwo zwischen Screamo und Emocore ab, dabei darf es auch mal verschachtelt zugehen. Die Lyrics werden in italienischer Sprache herausgebrüllt, dass hier viel Verzweiflung und Seelen-Leid drin steckt, kann man sich in etwa ausmalen. Schon das Coverfoto bringt viel Emotion zu Tage. Das sonst so niedliche Kätzchen kann auch schon mal die Krallen ausfahren. Aber ist nur eine ungefähre Vermutung, meine Kenntnisse in der italienischen Sprache tendieren gen null. Jedenfalls sollten hier alle mal reinhören, die mit Zeugs wie Loma Prieta oder Raein glücklich sind!