Love A – „Meisenstaat“ (Rookie Records)

Wie geil ist das denn? Love A-Meisenstaat, wenn das mal nicht als Hommage an Knochenfabriks Debutalbum Ameisenstaat gedacht ist! Dass sich Sänger und Texter Jörkk Mechenbier gern in Metaphern und äußerst sprachgewandt ausdrückt, dürfte mittlerweile kein großes Geheimnis mehr sein. So hat das neue Album auch textlich wieder etliche Weisheiten parat und man freut sich deshalb umso mehr, dass dem Digipack ein kleines Textheftchen beigelegt ist. Das ist in Zeiten steigender Papierpreise nicht mehr ganz so selbstverständlich, zeigt aber auch deutlich, dass die Lyrics der Band große Bedeutung haben! Jedenfalls ist das kranke System, in dem wir alle leben, ein willkommener Gast. Das Albumartwork kommt übrigens mit seinen kalten Blautönen schön mystisch, geheimnisvoll, mit schierer Verzweiflung und düsterer Hoffnungslosigkeit daher.

Nun denn, für Album Nummer fünf wurde also der zweijährige Veröffentlichungsturnus dank Pandemie ein bisschen größer, fünfeinhalb Jahre sind seit Nichts Ist Neu verstrichen. Und dass die Band in dieser Zeit einiges an Kreativität in ihre Songs gesteckt hat, lässt sich auf den elf Stücken deutlich spüren und heraushören. Der äußerst markante Bass, kraftvolle Drums und shoegazige Gitarren, fast schon wavig und mit viel Hall und Echo unterlegt, das sind die herausstechenden Merkmale.

Und dann ist da Jörkk Mechenbier, der der hellen Schreistimme scheinbar überdrüssig geworden ist und eher singt als energisch schreit wie auf früheren Veröffentlichungen. Das alles weiß sehr zu gefallen, zumal die Songs dann auch noch sehr gut ins Ohr gehen. Es brauchte allerdings ein paar Hörrunden, bis das Ding so richtig zündet. Ein schöner Grower! Hamburger Schule trifft auf UK-New Wave á la The Cure, The Smiths oder Joy Division oder so! Jedenfalls ist der Band auf (A) – wie Anarchie – Meisenstaat ein eigenständiger und spannender Sound gelungen, gefällt mir sehr viel besser als die bisherigen Releases! Rundum gelungen!

8/10

Facebook / Stream