Bandsalat: Belka, Gli Altri, Hafensaengers, The History Of Colour TV, King Slender, Mira, The Smith Street Band, Time As A Color

Belka – „Ermitage“ (DIY) [Name Your Price Download]
Diese erste, zum Name Your Price Download bereitstehende EP der Hamburger Band Belka wird wohl im Laufe des Jahres auch noch auf Vinyl veröffentlicht. Ja, bitte doch! Denn was die vier Herren, die zuvor in Bands wie Reasonist, Snakes & Lions (bzw. jetzt Shakers), Moro und See More Glass mitwirkten da fabrizieren, hat sehr viel Potenzial. Die sieben Songs sind schön satt abgemischt, die Songstrukturen wirken ausgefeilt und abwechslungsreich und was das wichtigste ist: die Seele stimmt. Die Gitarren braten auf der einen Seite scharf nach vorn, auf der anderen Seite kommen immer wieder gewisse melancholischen Momente zur Geltung, was nicht zuletzt auch noch vom herzzerreißenden Geschrei  von Sänger Dominik und den ab und zu auftretenden Gangshouts untermalt wird. Zwischen mitreißendem Post-Hardcore und emotive Screamo fahren die Gitarren auch mal einen Gang zurück und klingen fast gar postrockig. Klar, die Vorbilder dürften mit Bands wie Touché Amore oder La Dispute schnell gefunden sein, aber hier stimmt einfach das Gefühl. Beim Song Forellenzucht zeigt das Quartett, dass der Sound auch mit deutschen Texten hervorragend klappt, überhaupt sind die persönlichen Texte alles andere als oberflächlich. Als Anspieltipps empfehle ich die Songs Needles und Tristan Da Cunha oder ganz einfach die ganze EP!


Gli Altri – „Prati, Ombre, Monoliti“ (Dingleberry Records) [Name Your Price Download]
Diese fünf Herren kommen aus dem malerischen Städtchen Savona/Italien und machen ganz schön abgefahrene aber intensive Musik, die sich zwischen Emo, Post-Rock, Post-Hardcore und Screamo einpendelt. Gitarre & Bass + Schlagzeug, sehr geil produziert, dazu noch eindringlicher Gesang. Jetzt kommt etwas, für das ich mich absolut hasse. Ich liste im folgenden alle am Release beteiligten Labels auf, ohne dass ich sie verlinke, zudem ist dann nicht mehr viel Platz, um die geile Mucke der Italiener anzupreisen. Klickt auf Play, es lohnt sich! Also, hier mal die Labels:  Burning Bungalow, Lanterna Pirata, DreaminGorilla Records, Salterò Autoproduzioni, Scatti Vorticosi,  QSQDR, Smartz Records, Annoying Records, Taxi Driver Records, Vollmer Industries, É un Brutto Posto dove Vivere, CSA Next Emerson, Toten Schwan Records, Omoallumato Distro,  Messaggi/ERF, Strigide Records, Insonnia Lunare Records,  Greenfog Records,  Minoranza Autoproduzioni,  Screamore, Santavalvola Records, Brigante Records & Productions, Più Amici Meno Storie Records, Unbending Records,  Guglielmo Pendio Records,  Sound Town, Gustosissimo Records,  Bus Stop Press,  Mellow Club Distro, Wild Collective, Dingleberry Records , Ancient Injury Records, Rubaiyat Records,  Boripunk Asso,  Entes Anomicos, Désertion Records,  Ruffmo Records, The Screever Zine. Puh!


Hafensaengers – „Selftitled“ (DIY/Tunecore) [Video]
Als Nebenprojekt von Leuten der Bands Light Your Anchor und Coyotes wurde das gestartet, was nun den Namen Hafensaengers trägt. Auch wenn die Jungs in deutscher Sprache singen, erinnert der Sound an diesen Jahrtausendwenden-Hardcore mit Bands wie Grade oder alten Hot Water Music. Gefällt zumindest instrumental eigentlich ganz gut, allerdings ist der Gesang etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt und an manchen Stellen klingt es, als ob ein paar Ableton-Effekte draufgeknallt wurden.


The History Of Colour TV – „Something Like Eternity“ (Cranes Records / Weird Books) [Stream]
Von manchen Bands erfährt man nur durch irgendwelche Promo-Anfragen, so auch im Falle dieses Trios aus Berlin, welches bereits seit 2010 existiert und schon zwei Alben und einige EP’s veröffentlicht hat, von denen ich bisher noch nix mitbekommen habe.  Diese elf Songs wurden irgendwann im Frühjahr 2016 mit Produzent Peter Deimel (Shellac, The Wedding Present) in Frankreich im legendären Black Box Recording Studio eingespielt und kaum ein Jahr später erscheinen die Songs sogar auf Vinyl in Form einer Doppel 12inch, die mir aber leider nur als Downloadbemusterung vorliegt. Denn der Sound der Berliner dürfte auf Vinyl seine ganze Schönheit entfalten. Zwischen gitarrenorientiertem Emocore, Post-Rock, Noise, Shoegaze, Indie und sogar etwas Drone bewegen sich die elf Stücke eher laid back, wissen aber durch entzückend gespielte Gitarren und dynamische Steigerung zu überzeugen. Dabei kommt den Songs zugute, dass sie live eingespielt wurden. In manchen Passagen kann man sich richtig verlieren, so eindringlich treten die Gitarren, das Schlagzeug, der etwas knarzende Bass und die weinerlich klingenden Vocals in Aktion. Da kommen dann so Bands wie Sunny Day Real Estate, The Close oder Pussybox in den Sinn, im Pressetext werden auch noch Radiohead und Sonic Youth als Vergleiche angeführt. Die Songs Broken Trip oder Wreck eignen sich perfekt, um vom Sound der Berliner angefixt zu werden, checkt das also an!


King Slender – „Selftitled“ (Parking Lot Records) [Name Your Price Download]
Bisherige bzw. aktuelle Mitglieder der Bands Carved Up, The Minor Times, The Sea The Sea, Nationale, Five Stars For Failure, Fighter Hayabusa und The Ideamen stecken hinter King Slender. Dass die Jungs schon reichlich an Banderfahrung gesammelt haben, kann man auf diesen ersten drei Songs zweifelsohne hören. Ihr bekommt jedenfalls genial treibenden Hardcore mit einer ordentlichen Portion Dreck und mit Versatzstücken von Emocore, Indie, Noise, Punk und Post-Hardcore auf die Ohren, dabei schreit sich der angepisste Sänger wütend in Ekstase. Daran könnten Menschen eine Freude haben, die Bands wie Comadre oder Battle Of Wolf 359 zu ihren Faves zählen. Ich steh jedenfalls drauf!


Mira – „Selftitled“ (mum says: be polite rec.) [Name Your Price Download]
Es ist noch gar nicht lange her, dass They Sleep We Live und Fljora das Zeitliche gesegnet haben. Dass die Auflösung beider Bands jeweils einen sehr großen Verlust darstellt, habe sicher nicht nur ich bemerkt. Nun, jeder Verlust, jedes Ableben, so traurig es auch für Angehörige oder Freunde sein mag, schafft auch neues Leben, das wiederum das Zeug dazu haben kann, uns zu glücklichen und ausgefüllten Menschen zu machen und das den Schmerz des Verlustes langsam verblassen lassen kann. Obwohl in den drei Songs auf diesem Release die melancholische und verzweifelte Seite mehr Tragweite zu haben scheint, zaubert die Musik und das ganze Drumherum neben der Gänsehaut auch ein befreiendes Lächeln ins Gesicht, hier stimmt einfach alles. Naja, außer vielleicht die kurze Spielzeit und der blöde Gesichtsausdruck, wenn man die 7inch aus dem Karton rausfischen will und ins Leere greift und dann „nur“ eine CD zum Vorschein kommt. Mogelpackung? Nee, mit Sicherheit nicht! Denn wenn man den von allen Seiten linolbedruckten dicken Karton aus der PVC-Hülle gefriemelt hat und im Inneren noch die Texte vorfindet, die ebenfalls gesiebdruckt und wie ein kleines Büchlein reingetackert sind, dann kriegt man schier den Mund nicht mehr zu. Und dann erst fällt eigentlich erst die CD ins Auge, die ebenfalls besiebdruckt ist und sich perfekt ins restliche Sternbild-Artwork integriert und auf eine Art Filzgleiter geploppt ist. Wie das Licht eines toten Sternbilds kitzelt Dich dann diese Musik an Stellen, an die sonst niemand ran darf. So fühlt sich 90’s Emo an, yeah! Roh, intensiv, zerbrechlich! Hier sind übrigens Leute der oben bereits erwähnten Bands am Start, zudem kennt man einige Bandmitglieder von Bands wie Manku Kapak und Ilill.


The Smith Street Band – „More Scared Of You Than You Are Of Me“ (Uncle M) [Stream]
Hach, wie ich mir doch den Sommer herbeisehne, wenn ich diese herzzerreißenden zwölf Songs des mittlerweile vierten Albums der australischen Punk/Emo/Indie-Band The Smith Street Band anhöre. Kraftvoller Gesang, der sich nicht darum schert, wenn mal nicht exakt der Ton getroffen wird, dazu Gitarren, die einerseits verträumte Melodien zum Besten geben und auf der anderen Seite aber trotzdem die Beinchen rhythmisch im Takt auf den Boden tröppeln lassen. Und dieser Bass, der unabhängig vom Rest der Band zu sein scheint und unerwartet stimmig dazu beiträgt, dass der Gesamtsound so rund klingt. Jack Shirley ist mal wieder für diese satte und lebendige Produktion verantwortlich. Geil auch, dass ab und zu Frauenchöre bzw. Frauenstimmen den nöligen Gesang des Sängers etwas aufpeppen. Hach, wie soll man diesen Sound zwischen Lebensfreude, Melancholie und Energie bloß beschreiben? Stellt euch vor, die Smashing Pumpkins (zur Siamese Dreaming-Phase) covern (ohne vorher Dope geraucht zu haben) Algernon Cadwallader-Songs und haben noch dazu diesen übriggebliebenen Typen von Nirvana (jetzt Foo Fighters) am Schlagzeug. Sehr schön!


Time As A Color – „X“ (Time As A Color) [Stream]
Gleich zwei Ereignisse werden mit diesem geilen Sampler gefeiert. Zum einen ist das der zehnjährige Geburtstag des Labels, zum anderen ist dieses Release die fünfzigste Veröffentlichung! Clap Your Hands And Say Yeah! Verbeugung und Gratulation! So geht DIY! Wenn ihr euch einen Überblick von den Bands machen wollt, die bisher auf time as a color veröffentlicht haben, dann ist dieses Release eine perfekte Gelegenheit dafür, wenn es auch unter den bisherigen 49 Veröffentlichungen etliches mehr zu entdecken gibt. Jedenfalls sind alle neun Songs bisher unveröffentlicht. Und das hier ist drauf: Carson Wells, Nebraska, Bail, Coma Regalia, Lorraine, Duct Hearts, Kumulus, Terraformer und ein live dargebotener Song von Grand Détour. Und wahrscheinlich ist es für euch knauserigen Geizhälse sicher eine Freude, den Big Anniversary Sale des Labels zu nutzen und ein paar Schmankerl zu erhaschen. Schlagt zu und unterstützt lieber kleine Herzblut-Labels wie time as a color bevor ihr beim Shit-Record-Store-Day für irgendwelche billig und lieblos produzierte Grütze Unsummen an Kohle rausschleudert. In diesem Sinne, Happy Birthday!


 

Bandsalat: Admiral Phantom, Fox Wound, Insula, Perish Song, Repetitor, Slow Mass, Tano!, Trees

Admiral Phantom – „Shelter Dog“ (DIY) [Name Your Price Download]
Je umfangreicher der Lesezeichen-Ordner im Browser, umso unübersichtlicher der Inhalt. Scheiße, wie bin ich auf diese Band wohl wieder gestoßen? Eine Anfrage war es jedenfalls nicht. Direkt von den Gitarren und vom Schlagzeug des Openers It’s Dangerous To Go Alone angefixt, ist man jedenfalls bis zum Platzen gespannt, was da jetzt im Verlauf des Albums alles folgen wird. Und spätestens, wenn der Gesang einsetzt, bekommt man dieses Leuchten in den Augen. Admiral Phantom kommen aus Cleveland und bisher wurde eine EP in etwas schlechter Soundqualität veröffentlicht. Okay, im Verlauf der neun Songs merkt man zwar auch den ein oder anderen Spielfehler, aber das stört überhaupt nicht. Denn Admiral Phantom vereinen gekonnt emotive Screamo, Post-Hardcore,  Emocore und Punk zu einem Soundgemisch, das frisch und lebendig klingt. Children Of Fall treffen auf Merchant Ships oder so.


Fox Wound – „In Passing, You Too Faded“ (625846 Records DK) [Stream]
Nach zwei EP’s legt die Band aus Atlanta/Georgia ein Debut-Album vor, das unglaublich intensiv und einlullend daherkommt und Dich auf eine sagenhafte 34-minütige Reise mitnimmt. Die Gitarren schwirren Dir dabei nur so um die Ohren, die Crashbecken scheinen von weiter Ferne zu rauschen, Du driftest ab in träumerische Klangwelten, bevor ungeheuer dichte Screamo-Passagen an Dein Ohr dringen, die Dich mit rausgebrülltem und leidendem Schrei-Gesang  aus dieser geheimnisumwobenen und mit bunten Luftblasen gefüllten Traumwelt hochschrecken lassen. Fox Wound schaffen es gekonnt, melancholischen Emocore mit Shoegaze-Einflüssen, Post-Hardcore, Indie und Screamo zu einem extrem spannenden Sounderlebnis zu machen.  Die Intensität wird durch die teilweise länger andauernden Instrumental-Passagen noch weiter gesteigert, zudem handeln die Texte vom Umgang mit Verlust und Trauer. Ein Wahnsinnsalbum, hört da unbedingt rein, es wird euch warm ums Herz werden!


Insula – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Zum Albumcover hab ich absolut keine Idee, echt nicht. Ich find das sogar irgendwie scheiße. Das kennt man ja: man hat fünf Songs aufgenommen und will die unbedingt unters Volk bringen. Leider fehlt ein Coverartwork. Deshalb nimmt man das nächstbeste Foto auf dem Rechner, auf welchem keine Gesichter und kein Autokennzeichen zu sehen ist. Passt doch irgendwie, also schnell mal hochladen. Gut, wenn trotz Gurken-Cover die Musik akzeptabel ist. Denn Insula macht ’ne Mucke, die mir ganz gut reinläuft. Verspielte, teils clean gespielt und teils runtergestimmte Matsch-Gitarren, Vocal-Samples, chaotische Drums, pulsierendes Geschrei und nette Rückkopplungs/Übersteuerungs-Geräusche machen diese fünf Songs zu einem kurzweiligen Gebräu aus Hardcore, Punk, emotive Skramz, Emopunk und Post-Hardcore.


Perish Song – „Where Nothing Is Born And Nothing Dies“ (DIY) [Name Your Price Download]
Bei Perish Song handelt es sich um eine neue zwei-Mann-Band, bei der Jason Springer von Wherebirdsmeettodie mitwirkt. Geboten wird intensiver emotive Screamo, der mit wunderschöner Gitarrenarbeit für den ein oder anderen Brustklopfer sorgt. Insgesamt drei Songs in knapp sieben Minuten machen unweigerlich Appetit auf mehr. Irgendwo zwischen der Melancholie von Bands wie den frühen Appleseed Cast, den twinkle-Gitarren von Algernon Cadwallader und der Intensität von Bands wie den frühen Touché Amore, dabei bleibt alles in so einer gewissen Mid90’s Emocore-Stimmung. Zippt euch diese drei Songs mal schnell auf die Festplatte, ihr werdet sie lieben!


Repetitor – „Gde ćeš“ (Moonlee Records) [Name Your Price Download]
Mit Stoner-Rock kann ich ja absolut gar nix anfangen, keine Ahnung, warum ich trotzdem auf den Play-Button bei Bandcamp gedrückt habe. Aber, ich kann euch Stoner-abgeneigten Menschen auch sofort Entwarnung geben. Klar, es gibt Stoner-Gitarren, aber eigentlich überwiegt hier Noise und Dissonanz. Und obendrein gibt es eine Sprache auf die Ohren, die man gar nicht so gewohnt ist. Denn Repetitor kommen aus Belgrad/Serbien und singen in der Landessprache. Zwischen Post-Punk mit fetten Slap-Bässen und runtergestimmten Gitarren erinnert zumindest der Gitarrensound an Bands wie Sonic Youth, Drive Like Jehu oder Dead Kennedys. Und zwischendurch gibt es auch mal Songs, die eure Nerven strapazieren.


Slow Mass – „Treasure Pains“ (Landland Is Not A Record Label) [Stream]
Das Coverartwork war es mal wieder, was mich bei Bandcamp auf die Play-Taste drücken ließ. Slow Mass kommen aus Chicago und das hier ist die Debut-EP der Band. Und wow, Treasure Pains hat sechs Songs im Gepäck, die mich absolut fesseln können. Die Gitarren schrammeln, das Schlagzeug klingt dreckig und der Bass vibriert gewaltig, genial auch die abwechselnd weiblichen und männlichen Vocals. Post-Hardcore, Emo, Indie, Grunge, Punk, Pop und Noise, von Melodie bis Dissonanz ist alles enthalten. Das dürfte euch gefallen, hört da unbedingt rein!  Dark Dark Energy  kommt auf’s nächste Mixtape!


Tano! – „Selftitled“ (Krimskramz u.a.) [Name Your Price Download]
Unglaublich, mit welcher Wucht dieses Duo aus Girona/Spanien auf seinem Debut nach vorne prescht. Bei Tano! handelt es sich um das neue Baby von Oskar Garcia, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der Band Hurricäde und Víctor Álvarez, welchen man als Bassisten und Sänger der Band Anchord kennt. Die zehn Songs werden in katalanischer Sprache vorgetragen und besitzen so unglaublich viel Power, dass man kaum still sitzen kann. Stop’N’Go-Hardcore, Noise, Screamo, Emoviolence, Post-Hardcore und Math-Core verschmelzen zu einem derart dichten Soundgebräu, welches Dir bereits beim passiv hören den Schweiß auf die Stirn treibt. Ob die zwei Typen sich live bei diesem dichten und satten Sound noch jemanden dazuholen müssen, ist gar nicht mal so sicher, wenn man nur mal das kurze Live-Video auf der Facebook-Seite betrachtet.  Krasse Live-Action! Refused treffen auf The Locust, Hurricäde verbünden sich mit Drive Like Jehu und bleiben dabei aber so düster und bedrohend wie Converge oder Botch. Ein monströses Wahnsinnsalbum! Erscheint neben Krimskramz noch auf den DIY-Labels La Agonia De Vivir und Saltamarges.


Trees – „Selftitled“ (midsummer records) [Name Your Price Download]
Das Albumcover würde als Siebdruck auf ’nem braunen Naturkarton sicher sehr schön rauskommen, zumindest hat mich das Artwork so angesprochen, dass ich den Play-Button auf der Bandcamp-Seite gierig betätigte. Und siehe da, die Musik kann vom ersten Ton an überzeugen und reißt mich direkt mit. Zwischen Post-Hardcore, etwas Ambient, Emo und Post-Rock klingt das hier nach ziemlich ausgeklügeltem Jahrtausendwendenposthardcore. Das erinnert dann an Bands wie Thursday oder Thrice auf der US-Seite oder an Sachen wie Three Minute Poetry, Lockjaw, Treadmill oder  Ambrose auf der deutschen Seite. Warum diese ollen deutschen Emocore-Bands als Vergleich herhalten müssen? Nun, Trees kommen erstens auch aus Deutschland, genauer gesagt aus Saarbrücken und zweitens hätten sie in die damalige Szene mit diesen genannten Bands hervorragend reingepasst. Die sechs Songs gefallen jedenfalls außerordentlich gut und nachdem die Band das Release für lau auf die Bandcamp-Seite gestellt hat, ist die EP mittlerweile auch digital über midsummer records erhältlich. Wobei das auch wieder wie die Faust auf’s Auge passt, denn da gibt’s mit City Light Thief, A Saving Whisper oder This April Scenery ähnlich gestrickte Bands in der Nachbarschaft.


 

Bandsalat: AYS, Decibelles, Heim, Il Mare Di Ross, Mobina Galore, Start A Fire, Tides, Witness

AYS – „Worlds Unknown“ (End Hits Records) [Stream]
Es liegt an Veröffentlichungen wie der neuen Miozän-Scheibe oder Zeugs wie diesem hier, die Deutschland in Sachen Hardcore im Jahr 2017 Back On The Map bringen und selbst mich dazu anstiften, nervös zappelnd einen Live-Moshpit herbeizusehnen. AYS sind ja längst keine Unbekannten mehr, sie tingeln mittlerweile auch schon wieder seit 15 Jahren unermüdlich durch die Lande, unglaublich. Und diese Live-Präsenz, die sich zuletzt sogar auf Länder wie China, Indonesien, Malaysia und Singapur ausweitete, macht sich auf Worlds Unknown deutlich hörbar, inhaltlich wie musikalisch. Nach einem asiatisch angehauchten Intro klatscht Dir erst mal die brachiale Wucht des Openers die Emobrille von der Nase. Das Ding zerstört atompilzmäßig! Nach diesen zarten Intro-Klängen wird man unerwartet brutal mit fetten Drums und ultraderben Gitarren, die sofort mit dem wuterfüllten Gekeife von Sänger Schommer begleitet werden, an die Wand gedrückt. Die Lyrics handeln von Eindrücken und Gefühlen, die Schommer während einer Asien-Tour beschäftigt haben. Schade, die Texte hätte ich gern gelesen, aber leider war das nur eine Downloadbemusterung. Das Artwork kommt im 12inch-Format sicher auch geil. Jedenfalls Hammer! Dieser schleppende, im Midtempo angesiedelte Sound hat soviel Power an Bord, dass man schon nach dem ersten Song nostalgische Sternchen vor Augen hat und unweigerlich an Bands wie Strife (Frühphase), die metallastigen Cro-Mags (Best Wishes und so), Snapcase, Biohazard, härtere Life Of Agony, Path Of Resistance (die Victory Band), die Stuttgarter Band Sidekick (RIP – deren Sänger Jogges – mittlerweile Empowerment – hat übrigens auch einen Gastauftritt) oder auch neuere Bands wie Time’s Tide denken muss. Fuck, diese 12 Songs zerstören einfach alles und sind so genial, dass ich schon endlose Sätze mit Klammern schreibe. Bevor das hier in ner mathematischen Formel ausartet, solltet ihr dieses Hammerding unbedingt anchecken und der Band anschließend einen Besuch bei einer ihrer nächsten Shows abstatten!


Decibelles – „Tight“ (Kidnap Music) [Stream]
Obwohl die Decibelles auch schon wieder seit Bandgründung zwölf Jährchen auf dem Buckel haben, wurde ich erst vor kurzem auf die drei Damen aus Lyon aufmerksam und staunte nicht schlecht, als ich aufgrund der Promo-Meldung von Rookie Records bezüglich eines neuen Signings des Labels Kidnap-Music ein paar auf Youtube zur Verfügung stehende Videos der Decibelles betrachtete. Und kaum ein paar Monate später trudelt auch schon das neue Album Tight als Vorab-Promo-CD hier ein. CD in den Schacht und auf Play gedrückt, wird man auch schon direkt von diesen Songs in Beschlag genommen. Die zappelige Mischung aus Post-Punk, Noise und etwas Indie-Punk klingt äußerst charmant, obwohl stellenweise reichlich Wut, Power und Rotzigkeit im Sound der Französinnen an die Oberfläche schwappt. V.a. der Bass bröselt ordentlich, die Schlagzeugerin hat coole abgedrehte Moves und Rhythmen drauf und die Gitarre schrammelt ungehemmt, während der Gesang schön Riot-Grrrl behaftet ist. Auf der einen Seite sind also diese sperrig-noisigen Passagen, die mit zappeligen Rhythmen um die Ecke kommen, auf der anderen Seite kommen aber auch fast poppige und shoegaze-affine Züge mit rein, da wird sogar zuckersüß gesungen (z.B. das geniale Super Fish oder der Ohrwurm All Wet), aber auch schön gekreischt (Yeux Secs, Sick As Shit). Stellt euch eine Mischung aus Sleater-Kinney, frühen Le Tigre, frühen Lush, Primus, X-Ray-Spex, etwas At The Drive-In und  Shellac vor, das kommt so ungefähr hin. Die Decibelles sollen laut Presseinfo live übrigens richtig geil sein, nicht umsonst haben keine geringeren als die eben genannten Shellac die Band als Support für einige Shows der kommenden Europa-Tour eingeladen.


Heim – „Palm Beach“ (Tapete Records) [Stream]
Verdammt! Neulich kam eine lieb geschriebene Anfrage aus dem Hause Tapete Records in das elektronische Postfach geflattert, die neben einem Downloadlink dieses Albums auch noch auf eine Show der Band bei mir um die Ecke hinwies. Verdammt deshalb, da ich an diesem Abend verhindert war und leider nicht hingehen konnte. Ein wenig mit Tapete Records hin und hergeschrieben kam dann just an dem Tag des Konzerts die CD mit der analogen Post ins Haus geflattert und um mich zu quälen, legte ich die CD dann dooferweise auch noch direkt in den Schacht. So bitter! Denn Heim klingen auf Palm Beach so lebendig, dass man sich ausmalen kann, wie geil ein Konzert der drei aus irgendwelchen Käffern der bayerischen Provinz stammenden Slacker-Typen wohl sein könnte. Dass die acht Songs des Albums live eingespielt wurden, das kann man direkt fühlen. Erstmal sind da diese Gitarren, die alles in Grund und Boden rocken, dabei aber so verdammt gefühlvoll rüber kommen. Mal gehen sie fuzzy ab, dann schwirren sie Dir wie verliebt tänzelnde Schmetterlinge um die Ohren, um Dir im nächsten Moment die volle Breitseite zu geben. Das mit viel Crashbecken gespielte Schlagzeug und der knarzende Bass sorgt für den nötigen Noise-Faktor, der sich oftmals psychotisch ins Hirn hämmert. Und dann sind da noch die deutschen Texte, die mal gesungen und mal derb geschrien vorgetragen werden. Stellt euch vor, Dinosaur Jr., Shellac und Pavement jammen mit The Jesus Lizard und Drive Like Jehu, dazu holen sie sich noch ’nen Sänger, der wie eine durch einen Touch And Go Records-Filter gejagte Mischung aus dem Tele-Sänger und Udo Lindenberg klingt und zudem noch derbe schreien kann. Sehr sehr geil also. Mein Tipp: bestellt euch die Platte und packt Songs wie Das Alte Versteck oder Nicht Mehr Da auf euer nächstes Mixtape!


nullIl Mare Di Ross – „Nulla è per sempre neppure l’inverno“ (Dingleberry u.a.) [Stream]
Die Digi-Pack-CD kommt im schönen DIY-Papp-Stil mit eingestecktem Hochglanz-Booklet, die CD in Vinyloptik rundet das ästhetische Gesamtbild entsprechend ab. Denn im Booklet finden sich neben komplett schwarzen Seiten schön düstere schwarz-weiß-Fotografien, zudem sind die italienischen Texte nachzulesen. Allerdings ohne englische Übersetzung, was das ganze natürlich spannend macht, wenn man italienische Sprache nur im Zusammenhang mit Pizza gewohnt ist. Ich schließe mal aufgrund der düsteren Grundstimmung, dass die Textinhalte sich dem Gesamtbild anpassen. Der Sänger speit Gift und Galle, erstickt fast an seiner Verzweiflung, so dass man sich auch ab und an an ruhigeren Post-Rock-Passagen erfreuen kann, bevor wieder das Chaos ausbricht und die ganze Schwere der Musik aufs Gemüt drückt. Seit dem Split Tape mit Riten und Aperture (was machen die eigentlich?) haben die fünf Sardinier deutlich mehr Post-Hardcore/Post-Rock-Klänge in ihrem Sound verarbeitet. Würd ich gern mal live sehen!


Mobina Galore – „Feeling Disconnected“ (Gunner Records) [Stream]
Ich weiß nicht, woran es gelegen hat, dass ich das kanadische Duo bisher komplett ignoriert habe. Dementsprechend war ich positiv überrascht, als Feeling Disconnected per vorab-Promo-CD im Briefkasten lag und ich gespannt diesen verdammt intensiven zehn Ohrwurm-Hymnen lauschte, die dazu noch die nötige Portion Biss und Power im Gepäck haben. Auf der einen Seite sind diese eingängigen Hooks mit perfekt geschrammelten Gitarren und hymnenhaften Vocals, auf der anderen Seite hat das ganze noch genügend Rotze. Die insgesamt zehn Songs lassen keinerlei Langeweile aufkommen. Das ist eigentlich Wahnsinn, da hier ja nur Gesang, Schlagzeug und Gitarre zu hören ist. Laut Presseinfo handelt es sich bei Feeling Disconnected um eine Art loses Konzeptalbum, da die Songs sich allesamt mit dem Thema Trennung beschäftigen. Arschtretend und eingängig zugleich, das müsst ihr euch unbedingt mal anhören!


Start A Fire – „Schattenjagd“ (Twisted Chords) [Stream]
Dass Start A Fire eine Vorliebe für selbst gedrehte Musikvideos haben, lässt sich kaum verheimlichen. Zum neuen Album gab es deshalb im Vorfeld gleich drei neue Videos zu sehen. Ich bin gespannt, wann der Zeitpunkt kommt, an welchem die Jungs ein komplettes Album im Videoformat rausbringen, das wäre doch mal eine Überlegung wert. Die andere Leidenschaft, die die Band zu haben scheint, ist deutsche Lyrik. Nun, neulich zockten die Jungs im JuHa um die Ecke, weshalb ich das Angebot des Labels auf einen Gästelisten-Platz als alte asoziale Punkerzecke natürlich gern in Anspruch nahm, auch wenn man am Einlass dann doch peinlich berührt ist, dass der Eintrittspreis für 3 Bands gerade mal 4 Euro beträgt. Naja, egal. Dieser nette Abend mit vielen altbekannten Gesichtern begann mit Vorglühen wie in alten JuHa-Zeiten und entwickelte daher von Anfang an eine gewisse feuchtfröhliche Stimmung. Die Kohle, die beim Eintritt gespart wurde, ging also im Laufe des Abends für die zwei Kaltgetränke mehr drauf, die letzlich das Fass zum Überlaufen brachte und die dann dafür verantwortlich waren, dass ich anstelle mit dem Fahrrad heimzuradeln die Mitfahrgelegenheit eines Kumpels in Anspruch nahm und dadurch die letzten 3 Songs von SAF verpasste, aber wenigstens heil nach Hause kam. Nun, ich erwähnte es bereits im Review zur Mein Name ist Bedauern, dass Gitarrist Sebastian und meine Wenigkeit vor Jahrzehnten zusammen musikalisch aktiv waren und sich Sebastians technische Fähigkeiten im Vergleich zu den damaligen Kellercombo-Aktivitäten deutlich verbessert haben. Erstaunt war ich auch, als ich gerade dieses ellenlange Review zum Mein Name ist Bedauern-Album durchgelesen habe, das ich einst für Borderline Fuckup schrieb.  Aber eigentlich ist diesem Text in Bezug auf das neue Album nichts mehr hinzuzufügen, außer dass mir auf diesem Album irgendwie die Kreischeinlangen von Ex-Basserin Pana fehlen. Dafür dürfte der Gastauftritt vom WIZO-Sänger Axel beim Song Täterschmiede Zaubertrank für etwas mehr Abwechslung im Gesangsbereich sorgen.


Tides! – „Celebrating A Mess“ (Midsummer Records) [Video]
Das einzige, was ich an dieser CD auszusetzen habe, ist, dass im Booklet lediglich der Text zum Song Signals Southwest abgedruckt ist. Aber das ist auch schon alles, denn Tides! aus Saarbrücken machen ganz genehmen melodischen Punkrock, der v.a. im instrumentalen Bereich zu überzeugen weiß. Das Zusammenspiel der melodischen Gitarren und dem warmem, aber trotzdem treibenden Bassspiel könnte nicht abgestimmter klingen. Der Sänger hat obendrein eine angenehme Stimme, auch wenn man sich ab und an wünscht, dass er etwas mehr aus sich rausgehen könnte. Aber diesen Wunsch vergisst man schnell wieder, sobald die mehrstimmigen Chöre einsetzen. Neun Songs sind auf der mit einem hübschen Albumartwork gestalteten Debutscheibe insgesamt enthalten und man kann schon sagen, dass sich diese neun Stücke bereits nach dem zweiten Durchgang im Gehör fest einnisten, so dass man direkt Lust bekommt, die Band mit einem Bier bewaffnet live zu begutachten. Musikalisch erinnert das dann an die im Booklet gegrüßten Bands wie Hell & Back, Irish Handcuffs und Resolutions, es kommen aber auch so Bands wie z.B. The Wonder Years in den Sinn. Hey, und bei Stay Warm Part II (schaut euch das Video an!) wird die Band auch noch von Philipp Dunkel (MNMNTS, Finding Faith, Homestayer) unterstützt. Runde Sache!


Witness – „Seasons“ (DIY) [Name Your Price Download]
Mit der ersten EP Trials & Tribulations konnten die Kölner bei mir schon punkten, nun ist die zweite EP der vier Jungs erschienen, diesmal in Form eines Tapes bzw. einer Digitalversion, die zum Name Your Price-Download zu haben ist. Und Witness machen genau da weiter, wo sie mit der letzten EP aufgehört haben und bieten mitreißenden, melodischen Hardcore-Punk mit ein paar Emo-Einflüssen. Großer Pluspunkt ist das ausgeklügelte Zusammenspiel von Gitarre/Bass. Das Ding ist gut produziert, die drei Songs strotzen vor Spielfreude und sind schön abwechslungsreich arrangiert, so dass keine Langeweile aufkommt. Kann man nur empfehlen, ist live sicherlich nett anzusehen!


 

Bandsalat: Anchoress, Bad Future, Fire At Will, Lambda, Lowest Priority, Old Gray, Open City, Petrol Girls

Anchoress – „Anchoress is Ruining My Life“ (DIY) [Name Your Price Download]
Die Jungs aus Vancouver dürften die ein oder anderen von euch vielleicht schon kennen, denn die bisherigen Veröffentlichungen deuteten bereits an, dass hier viel Potential schlummert. Und das wird auf dem neuen Album eindrucksvoll präsentiert. Geile Gitarren, verspielte und durchdachte Songstrukturen, fette Produktion, schön unterschwellige Melodien, noisige Ausbrüche, post-rockige Ausflüge, polterndes Bassspiel und ein Sänger, der zwischen Gesang und Gekeife alles draufhat. Ach ja, nicht zu vergessen, die Drums ballern auch kraftvoll. Perfekte Mischung aus Post-Hardcore, Punk, Melodic Hardcore und Screamo.


Bad Future – „Selftitled“ (Phobiact Records) [Stream]
Bereits nach den ersten zwei Songs hat man diesen Drang, sich diesem Sound live in einer Meute von bierspritzenden feierwütigen Skate-Punks hinzugeben. Die Gitarren flutschen schön oldschoolig rüber, dabei kommen immer wieder geile Melodien durch die raue Decke ans Tageslicht, die rotzige Kante bleibt ebenfalls immer in greifbarer Nähe. Vom Sound her erinnert das dann an eine Mischung aus den Spermbirds, Deadverse und Jawbreaker. Ach so, die Band kommt aus Seattle, Dirk.


Fire At Will – „Life Goes On“ (KROD Rec.) [Stream]
Das Label trat eigentlich in Kontakt, damit unsere in Japan beheimateten Leser/innen  auf die bevorstehende Frühjahrstour der französischen Melodic HC/Punk-Band rechtzeitig hingewiesen werden. Und vielleicht gibt es ja auch ein paar einheimische Leute aus dem deutschsprachigen Raum, die zu der Zeit einen Urlaub dort planen. Nun denn, das dem Infotext angehängte Album ist bereits im April letzten Jahres erschienen, aber die vier Jungs aus Toulouse klingen auf diesen zehn Songs so unverbraucht und frisch, dass die Spielfreude nur so aus den Lautsprechern spritzt. Klar, die Suppe ist aus den gewohnten Zutaten gekocht, aber die Würze bekommt nicht jede Band so gut hin. Der Sound geht schön nach vorne, ist melodisch und emotionsgeladen und klingt dazu noch abwechslungsreich. Mixt etwas Strike Anywhere, Good Riddance und melodischere As Friends Rust zusammen, dann wisst ihr ungefähr, was euch erwartet. Ach ja, die Japan-Tour findet vom 5.-10.April statt.


Lambda – „Im Schatten“ (Sooder Records) [Stream]
Auf diese schon seit 2007 existierende Punk-Band aus Graz  bin ich neulich auf Bandcamp gestoßen. Ich war sofort von den verspielten Gitarren und dem teils polternden, teils gefühlvoll gespieltem Bass angetan. Als dann auch noch der Gesang wie ein Dartpfeil ins Schwarze traf, freute ich mich, dass Lambda nicht aus Hamburg kommen, denn dann würden wieder Vergleiche hageln, die absolut unangemessen wären. Klar, die deutschen Texte verleiten dazu, den Bezug  zu diversen Punk-Bands aus Hamburg herzustellen, aber Lambda gehen noch ein paar Schritte weiter und experimentieren mit Post-Hardcore, Post-Punk, Noise und Indie-Rock. Dass die Instrumente under control sind, zeigen auch die zwei Instrumental-Stücke. Und bevor der Sound zu verkopft wird, besinnt sich das Quartett auf seine Punkwurzeln. Das Wort Lambda erfreut sich ja vielseitiger Bedeutung, deshalb passt das so gut zur Band, da diese ebenfalls sehr vielseitig unterwegs ist.


Lowest Priority – „Demo 2016“ (DIY) [Name Your Price Download]
Schön angepissten Youth-Crew-HC/Straight Edge-HC bekommt ihr auf dem vier Songs starken Demo dieser vier Mädels aus Seattle auf die Ohren. Und obendrein gibt es mit dem Song Not Just Boys Fun (Eigenkomposition, kein 7 Seconds-Cover) einen verbalen Arschtritt in die verschwitzten und stinkenden Ärsche der Macho-Deppen auf HC-Shows. Ganz recht so, denn die nerven mich auch ziemlich. Roh und punkig, das fetzt! Ich persönlich ziehe jedenfalls eine Dag Nasty-Liveshow einer Nasty-Klopperei vor.


Old Gray – „Slow Burn“ (Dog Knights Productions) [Stream]
Seit dem Hammer-Release An Autobiography sind auch schon wieder so in etwa drei Jährchen ins Land gezogen, in welchen ich die Band etwas aus den Augen verloren habe. Erst neulich stieß ich per Zufall beim Bandcamp-Surfen auf das neue, elf Songs umfassende Werk der Band aus New Hampshire. Und irgendwie hat es mich auf Anhieb fasziniert. Die brennende Hütte auf dem Cover kann problemlos auf die Musik übertragen werden. Da sind auf der einen Seite diese gefühlvoll, fast zerbrechlich daher kommenden Passagen, die an Bands wie Explosions In The Sky oder GYBE erinnern, die dazu noch mit poetisch vorgetragenen Spoken Words untermalt sind, u.a. beim vertonten Gedicht Like Blood From A Stone (William James). Alleine das würde ausreichen, um die Band in der Post-Rock-Szene groß rauskommen zu lassen. Aber dann kommen auf der anderen Seite diese wahnsinnig intensiven Screamo-Ausbrüche zum Vorschein, die mit wuchtig gespielten Drums und matschigen Gitarren auf lautstark machen, obwohl im Hintergrund flirrige Post-Rock-Gitarren stur und eigensinnig vor sich hinflirren. Verdammt gute Platte!


Open City – „Selftitled“ (End Hits Records) [Stream]
Selbst wenn ich nicht durch den Pressewisch erfahren hätte, welche Szenegrößen sich bei Open City die Finger wund spielen und den Hals blutig schreien, wäre ich schon bei den ersten Klängen dieser zehn Songs starken Debutscheibe hellhörig geworden. Boah, endlich mal wieder eine Band, die ohne groß rumzulabern direkt loslegt und bereit dazu ist, die Bude kurz und klein zu hacken. Genau so sollte energiegeladener Hardcore klingen. Vergrabt eure Metal-Gitarren tief in der Erde, die richtige Power gibt’s mit melodischem oldschool Hardcore. Dazu noch ’ne ordentlichen Portion Melancholie und  Melodie, dann grinse ich zufrieden wie ’ne Fliege, die auf ’nem fett stinkenden Scheißhaufen sitzt. Zehn Songs in 23 Minuten sind ja auch ’ne Ansage. Das hier würde ich gern live bewundern, das hat sicher ’ne Menge Pfeffer im Arsch.


Petrol Girls – „Talk Of Violence“ (Bombermusic) [Stream]
Wenn eine Band was zu sagen hat, dann stürzt sich die Musikpresse ja immer besonders gern auf sie. Im Fall von Petrol Girls konnte man in den letzten Wochen und Monaten bereits einige interessante Interviews/Beiträge und sonstigen Kram lesen. Bei dem Quartett handelt es sich um ein gemischtes Doppel und wo andere Bands durch belanglose Texte glänzen,  fallen die Petrol Girls durch intelligente und hochpolitische Lyrics auf, die sich gegen Sexismus und andere machtdominierte Strukturen stellen. Dabei behält die Band immer eine ordentliche Portion Dreck in der Hand bereit, um die „Dirtbomb“ potentiellen Gegnern bei Bedarf mit voller Wucht in die Augen zu schleudern. Feminist Post-Hardcore, so steht es auf der Facebook-Seite geschrieben. Und ja, man muss froh sein, dass es diese Berichterstattung in der einschlägigen Musikpresse überhaupt gibt, denn gerade in der aktuellen HC-Szene ist diese Macho-Attitude zum meterweit kotzen vertreten. Ach, und bevor ihr Beatdown-Clowns mir jetzt Prügel androhen wollt: Touch me again and I’ll fucking kill you, röchel, haha. Logischerweise passt sich die Musik den genialen Texten an. Bei der ganzen Berichterstattung ums drumherum kommt leider die Musik viel zu kurz, obwohl die echt mal fetzt. Da müsst ihr unbedingt reinhorchen, falls ihr das eh nicht schon getan habt. Kleiner Anreiz: die Anfangspassage von Restless müsst ihr mal mit dem Song You Did It To Yourself  von der Band Life In Vacuum vergleichen. Krass, wa?


 

Bandsalat: IEatHeartAttacks, Miozän, Ruined Families, Smile And Burn, Terraformer, Ulises Lima, Wann, Shonen Bat, Yellnikow, Yo Sbraito

IEatHeartAttacks – „Please Just Dance Death“ (Fysisk Format) [Stream]
Aus den abgeschiedenen Tälern Norwegens kommen diese drei Typen und ballern Dir auf ihrem Debutalbum vertrackten und wütenden Stop And Go Hardcore vor die Rübe. Dass die Typen in ihrem Sound die Erfüllung sehen, kann man diesen neun Songs jedenfalls sehr gut anhören, denn hier steckt viel Energie und Liebe zum Detail drin, dazu ist das ganze noch hammergeil produziert. Im Presseinfo ist zu lesen, dass prominente norwegische Bands wie JR Ewing, Kaospilot oder Snoras großen Einfluss auf den Sound von IEatHeartAttacks genommen haben. Und diesen Vergleich kann ich locker doppelt unterstreichen. Dazu kommen noch die dissonanten Melodien und die wahnsinnige Spielfreude, die man aus jedem Ton auf diesem Release vernehmen kann. Da kann man schonmal zappelig werden, gerade z.B. beim Titelstück des Albums. Ein sehr gelungenes Album jedenfalls, hört da unbedingt mal rein.


Miozän – „Surrender Denied“ (Demons Run Amok Entertainment) [Stream]
Ihr habt es geahnt, ich eröffne diese Zeilen mit nostalgischen Erinnerungen aus den Neunzigern. Gähn. Als ob ihr nicht schon genügend angegammelte Miozän-Flyer in unserer Nostalgie-Reihe „Flyer-Fotografie“ sehen hättet müssen. Aber Miozän waren zu der Zeit eine dieser Bands, die ich mir im Umkreis von 200km niemals durch die Lappen gehen ließ, weil die Typen live unglaublich viel Power hatten. Und dazu machte es Spaß, sie in verschiedenen Städten zu treffen, ihnen beim Tischkickern die Kondition für den kommenden Auftritt aus den Knochen zu ballern und dabei über dies und das zu plaudern. Tolle Zeit damals. Umso erstaunlicher, dass Miozän fast 16 Jahre nach dem letzten Studio-Release wieder auftauchen und dabei keinerlei Altersschwäche zeigen.  Und das freut natürlich umso mehr, gerade auch weil Bassist Frank jahrelang gegen den Krebs kämpfte und die Krankheit glücklicherweise besiegte, so dass er mit Miozän wieder auf den Bühnen unserer Jugendzentren stehen kann. Die zwölf Songs klingen jedenfalls verdammt frisch und unverbraucht und knüpfen nahtlos an die bisherigen Releases der Jungs an. Klar, die Studiotechnik ist heutzutage etwas ausgeklügelter als damals und beim ein oder anderen Riff zeigt sich, dass ein bisschen an der Technik gearbeitet wurde, aber insgesamt gesehen wird auf Surrender Denied die altbewährte Oldschool-HC-Keule geschwungen. Dabei hat man dann zwangsläufig so Zeugs wie Uniform Choice oder Nations On Fire im Ohr. Textlich wurde hauptsächlich die Krebserkrankung von Bassist Frank verarbeitet, dennoch gehören Miozän nach wie vor zu den Bands, deren Background politisch und antifaschistisch geprägt ist. In der heutigen nach rechts driftenden Zeit sind Bands mit klaren politischen Aussagen in der Hardcore-Szene ja  leider eine Seltenheit geworden. Nehmt euch alle mal ein Beispiel. Und als krönenden Abschluss gibt’s dann noch ein Insted-Cover, so dass ich mich frage, wo zur Hölle der nächstgelegenste Miozän-Moshpit wohl stattfinden wird.


Ruined Families – „Education“ (Adiago830) [Stream]
Athen und Griechenland verbindet man in Gedanken ja immer eher mit der antiken Architektur und Mythologie, aber auch hier gibt es eine funktionierende HC/Punk bzw. Screamo-Szene. Ruined Families z.B. existieren jetzt auch schon wieder sieben Jahre und mit den bisherigen Veröffentlichungen (zwei LP’s und eine 7inch) eroberten sich die fünf Jungs einen festen Platz in der europäischen Screamo-Szene. Mit Education bolzt die Band insgesamt zehn Songs in knapp 18 Minuten runter, so dass Wissenschaftler ihre Theorie über das Zerbröseln der Akropolis nochmals überdenken sollten. Von der Wut auf die Zustände in Griechenland angetrieben stecken die fünf Griechen eine Menge Frustration und Intensität in ihre Songs. Die Gitarren rotieren messerscharf, der Schlagzeuger beherrscht jedes Tempo perfekt, da wird zerhackt und chaotisch und arhythmisch im Blastbeat-Modus geholzt, der Sänger packt all seine angestaute Wut in seine Stimme, würde mich nicht wundern, wenn er Wutschaum-Sabber vor dem Mund hat. Die Mischung aus Screamo, Emoviolence, schnellem Hardcore und Punk mit unterschwelligen Melodien dürfte v.a. für Fans von Bands wie z.B. Union of Uranus, Reversal of Man, Orchid und Born Against interessant sein. Mein absolutes Lieblingsstück ist dann das zweiminütige Wholecar, da gefallen mir halt einfach diese melancholisch gespielten Gitarren.


Smile And Burn – „Get Better Get Worse“ (Uncle M/ Grand Hotel van Cleef) [Stream]
Seit 2008 reißen sich Smile And Burn aus Berlin den Arsch auf und haben seither drei Alben veröffentlicht und etliche Live-Auftritte absolviert. Hab von der Band bisher weder was gehört, noch gesehen. Nun erscheint mit Get Better Get Worse das vierte Album und irgendwie gefallen mir die Berliner darauf eigentlich ganz gut. Obwohl das Album echt mal fett überproduziert klingt, hat es doch noch genügend Biss und Rotzigkeit im Gepäck. Der Opener Not Happy erinnert mich z.B. etwas an die Beatsteaks zur 48/49-Phase mit einem Schuss Billy Talent im Rücken. Im Verlauf des Albums kommen aber auch Bands wie At The Drive In oder die frühen Donots in den Sinn. Nun, die zehn Songs sind schön abwechslungsreich, die Gitarren bedienen sich auch gern mal im Midwest-Emo und die Schrei-Stimme des Sängers mag ich persönlich lieber als die Singstimme. Abschließend sei gesagt, dass die mehrstimmigen Chöre auch nicht übel sind.


Terraformer – „Mineral“ (time as a color) [Stream]
Wenn ihr instrumentalem Post-Rock mit Post-Metal-Einflüssen nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr unbedingt diese Band aus Belgien anchecken, die mit Mineral ihr mittlerweile drittes Album vorlegt. Und ja, mir selbst wird ja bei Instrumental-Platten ziemlich schnell langweilig, aber Terraformer klingen echt spannend. Ausgefeilte Song-Arrangements treffen auf flirrige Gitarren, sphärische Ambientpassagen werden durch krachige, aber ebenso mystisch wirkende Dampfwalzenparts abgelöst, Crashbecken schwingen hart gespielt durch den Raum, was bei Post-Rock-Bands ja nicht gerade zum Standard-Sortiment zählt. Und dennoch kommt die Melodie nicht zu kurz, auch wenn das alles insgesamt sehr düster und doomlastig daher kommt. Und die Vinyl-Ausgabe scheint echt mal ein Hingucker zu sein, der auch noch außerordentlich schwer in der Hand liegt.


Ulises Lima, Wann, Shonen Bat – „As Far, So Close 3-Way-Split“ (otomo recs/atomize) [Name Your Price Download]
Wenn ihr auf bassdominierenden Midwest-Emo aus den Neunzigern steil geht, dann dürfte euch dieses Split-Release ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Drei spanische Bands sind hier drauf zu hören, das Ganze gibts obendrein zum Name Your Price Download. Den Anfang machen Ulises Lima aus Madrid, die ja schon länger unterwegs sind und deren bisherige Veröffentlichungen sicher nicht nur bei mir auf offene Ohren gestoßen sein dürften. Das Trio ist mal wieder in Höchstform und liefert gewohnt lässig ab: vier Songs, die ganz gut zeigen, dass bei drei Musikern jedes Instrument auf seine Kosten kommt. Die verspielten Bass/Gitarre/Schlagzeug-Tunes machen richtig Laune, da wird man natürlich an Bands wie Superchunk, Fugazi oder Sinaloa erinnert. Danach dürfen Wann aus Barcelona ran. Hier sind zwei Leute am Start, was man zu keiner Zeit auch nur erahnen könnte. Ich kannte die Band bisher nicht, obwohl sie auch schon seit 2012 existieren. Nun, Wann gefallen mir außerordentlich gut, sie bewegen sich zwischen schrammeligem Indie á la Andalucia und etwas Midwest-Emo im Stil von Mineral, manchmal kommen auch melancholische Momente wie auf den ersten Appleseed Cast-Veröffentlichungen zum Vorschein. Mir laufen die drei Songs sehr gut rein. Shonen Bat aus Málaga hab ich in der Vergangenheit schon öfters lobend erwähnt und auch diese vier Songs zaubern mir ein Grinsen ins Gesicht. Zwischen verschwurbelten Gitarren, noisigen Einschüben, cleanen Parts und vertracktem Drumming passen auch immer wieder himmlisch abgefahrene Van Pelt-Melodien. Sehr experimentierfreudiger Math-Indie-Midwest-Emo. Checkt das mal an, wenn ihr auf Bands wie Barra Head, Arkless, I’m Not A Gun oder Faraquet könnt.


Yellnikow – „beizeiten“ (DIY) [Name Your Price Download]
Aufmerksamen Lesern/Leserinnen dürfte die Band aus dem Ruhrgebiet bereits ein Begriff sein, denn das selbstbetitelte Debut machte bei mir schon ordentlich Eindruck, obwohl die ein oder andere Note nicht so hundertprozentig getroffen wurde. Gerade solche schrägen Elemente machen eine Band doch erst richtig menschlich und sympathisch. Nun, hier sind nun vier neue Songs des Quintetts, die sich in keine richtige Schublade einordnen lassen wollen. Yellnikow mischen verschiedene Musikrichtungen durcheinander, dabei kommt auch schon mal ein Cello oder Keyboards zum Einsatz. Die fünf Jungs picken sich Versatzstücke aus Post-Rock, Punk, Indie, Emo, Noise, Hardcore, Screamo und sogar Stoner Rock heraus und fügen dem ganzen noch intelligente deutsche Texte bei, so dass man an Bands wie Manku Kapak/Hauke Henkel erinnert wird. Auch wenn das ganze erstmal etwas sperrig klingt, finden sich trotzdem nette Melodien. Als Anspieltipp empfehle ich mal den letzten Song Djanet. Hört da mal rein oder zippt euch das Ding gleich mal auf die Festplatte.


Yo Sbraito – „Secondo Aspettative Altre“ (Dreamingorilla Records u.a.) [Stream]
Das mittlerweile zweite Album gibt es von dieser Band aus Ancona/Italien zu hören, die astreinen Screamo/Hardcore im Stil von Bands wie z.B. Raein, Daitro, La Quiete oder Amanda Woodward macht. Gebrüllt wird dazu auf Italienisch und die Songlängen liegen irgendwo zwischen 28 Sekunden und knapp zwei Minuten. Und ich muss sagen, diese zehn Songs sind verdammt kurzweilig, auch wenn ich die italienischen Texte nicht verstehe und die Online-Übersetzung auch nicht wirklich den Durchblick bringt. Wer auf italienischen oder französischen Screamo der bereits erwähnten Sorte von Bands steht, dürfte hier jedenfalls ebenso Gefallen finden.


 

Bandsalat: Apartments, Algae Bloom, Blowout, Clearer The Sky, Dead Koys, Fossa, Idle Threat, Ingrina

Apartments – „The Only Thing That Keeps Me Here“ (Never Meant Records) [Name Your Price Download]
Das Cover, naja. Schönes Haus, kann man sicher was draus machen. Aber warum musste das ausgerechnet auf’s Cover? Keine Frage, mich würde so ein Häuschen wahrscheinlich auch am Arsch der Welt gefangen halten. Proberaum in den Keller, Pizzaofen in den Garten, Totenkopf-Fahne auf’s Dach, Spießbürgertum im neuen Gewand.  Nun, die Band kommt aus Irland und klingt etwas nach dem Emo/Post-Hardcore-Zeug, das man um die Jahrtausendwende so häufig hören konnte. Schrammelige Gitarren, schön angepunkt und mit einem schrägen Sänger. Dürfte Leuten gefallen, die mit Bands wie Clairmel, Lockjaw oder Couch Potatoes was anfangen können. Mir gefällt’s jedenfalls.


Algae Bloom – „I am everyone I’ve ever met“ (Wolf Town DIY) [Name Your Price Download]
Beim Bandcamp-Surfen entdeckt, aufgrund des Artworks umgehend reingelauscht und direkt angefixt. Nach kurzer Recherche im Netz kann ich folgendes offenbaren: Hier sind zwei Typen am Start, der eine spielt Gitarre und schreit, der andere spielt stehend Schlagzeug und schreit auch ab und an. Mich wickeln hier v.a. die Gitarren um den Daumen, die völlig eigenständig Melodien aus dem Ärmel zaubern, die absolut zeitlos und atemberaubend sind. Dazu dann das Schlagzeug, das sich auf diese Melodien einlässt, da hat man direkt zwei Freunde vor Augen, die schon seit der Grundschule zusammen sind und bis jetzt durch dick und dünn gegangen sind.


Blowout – „No Beer, No Dad“ (DIY) [Stream]
Immer diese skrupellosen Kunststudenten, die zwar bei jeder Tierrechtsdemo dabei sind, aber dann doch die Nachbarskatze für obskure Albumcover missbrauchen. Vielleicht war das aber auch wieder mal der besoffene Papa, der sich in einem unbemerkten Moment das Smartphone irgendeines Bandmitglieds geschnappt hat und wild in der Gegend rumgeknipst hat. Und anschließend wundert man sich über die gespeicherten Bilder und denkt sich: wow, ein Albumcover. Was kann einem besseres passieren, man hat ja schließlich schon genug mit der Musik um die Ohren. Zuckersüss sein strengt an. Denn so klingt die Band aus Portland, Oregon. Melodische, schrammelige Gitarren, Frauengesang, tolle bombastische Chöre, treibendes Schlagzeug. Pop-Punk mit Biss, liegt irgendwo zwischen Algernon Cadwallader, den Pixies, Saves The Day und Beach Slang, aber in rotzig.


Clearer The Sky – „Held In Merciful Light“ (Wolf Town DIY u.a.) [Stream]
Da ist erstmal dieses instrumentale Intro, über das man weg muss, das dauert 3:38. Aber danach fängt man direkt an zu strahlen, wenn man auf emotive Hardcore steht, natürlich mit Elementen aus Post-Hardcore, Emo, Screamo, Post-Rock und Melodic Hardcore. Nicht unbedingt neu, aber gut gemacht, zudem aus Schottland, was ja auch eher unüblich ist. Abwechslungsreich, schöne Instrumentierung, bei der jedes Instrument auch den eigenen Freiraum bekommt. Und ein keifender Sänger. Mir gefallen v.a. die ruhigeren Passagen, die etwas an Bands wie We Never Learned To Live erinnern. Dass die Jungs dieses Jahr auch schon wieder zehnjähriges Bandjubiläum feiern, das kann man zweifelsohne hören.


Dead Koys – „Wehringhausen“ (Antikörper ) [Stream]
Das, was die Band aus Dortmund hier abliefert, gefällt mir echt mal richtig gut. Die sechs Songs müssen dafür nicht mal ganz durchlaufen, bereits beim zweiten Song weiß ich, dass ich das hier total mag und die restlichen Songs garantiert auch in die gleiche Kerbe schlagen. Und wie zu erwarten war, ist das auch letztendlich so. Melodic Punkrock trifft auf 90’s Emocore, die Gitarren flirren und rotieren, während der Gesang zwischen Damien/As Friends Rust und dem Samiam-Sänger pendelt. Reinhören tut hier garantiert nicht weh!


Fossa – „Selftitled“ (DIY) [Free Download]
Ich zitiere mal aus der Mail, die dieser Download-only-Anfrage beigefügt war: Fossa kommen aus Portsmouth, UK und setzen sich aus einer Menge Mitglieder von in Portsmouth bekannten Bands zusammen. Weil die Jungs gern Zeugs wie pg.99 und American Football mögen, gehen die drei Songs plus Intro natürlich in eine ähnliche Richtung. Zwischen Emo, Screamo und Post-Hardcore entdeckt man dann immer wieder Sachen, die man irgendwie schon mal gehört hat, die aber trotzdem ganz nett sind. So erinnert mich der Gesang bei Under The Rose irgendwie an Damien von As Friends Rust, während die Chöre bei I’ll Set Sail an Bands wie I Love Your Lifestyle erinnern.


Idle Threat – „Grown Tired“ (DIY) [Stream]
Bandcamp rockt manchmal schon die Bude. Diese Band hier aus Nashville hätte ich niemals gefunden, wenn ich gezielt nach einer bestimmten Rock-Band aus Nashville gesucht hätte. Am Albumcover kann es nicht gelegen sein. Und wenn die Band den Song Ghost als Referenz gewählt hätte, dann hätte ich ruckzuck weitergezappt. Die oldschooler unter euch denken jetzt bestimmt aufgrund des Bandnamens an Bands wie Minor Threat und Teen Idles. Denkt schön weiter, Idle Threat könnten eher im Melodic Hardcore-Milieu Gehör finden.


Ingrina – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Was ist das für 1 Anfrage, um es mal ganz primitiv auszudrücken, harr harr. Die Band Ingrina aus Frankreich scheint nicht viel auf Marketing und Promogedöns zu geben. Zwei Zeilen reichen, um das erste 3-Song-Release schmackhaft zu machen. Die hab ich aber auch erst durchgelesen, nachdem ich den Audiolink ausgiebig angecheckt hatte. Die Franzosen gehen vorwiegend instrumental zur Sache, also auch eher wortkarg. Post-Hardcore, etwas Post-Rock ist ebenfalls mit von der Partie. Die Gitarren flirren schön, kommen auch ab und an düster und wummig, dennoch überwiegt der freundliche Grundton. Schade, dass der Gesang so in den Hintergrund gemischt wurde, mehr dominierender und deutlich herausstechender Gesang wär der Burner. Aber für’s erste Release ganz geil, reinhören ist Pflicht.