drych – „Selftitled“ (Pike Records)

Hier kommt mal wieder ein Debut-Release einer Band um die Ecke, bei dem man stutzig wird, warum immer wieder Bands aus dem Nichts in Erscheinung treten und es dazu schaffen, mit ihrem Debut alles niederzureißen. Eine oft zutreffende Erklärung ist hier natürlich der Hinweis, dass die beteiligten Mitglieder schon jahrelang miteinander Musik gemacht haben und zuvor auch durchaus mit namhaften Bands in Erscheinung getreten sind. Im Falle von drych kennt man die Beteiligten von Bands wie z.B. Elmar, ISWH oder Aslov Kinski. drych ist also ein junges Quartett aus Dresden, erste Facebook Aktivitäten stammen aus dem Jahr 2018. Genretechnisch geht der Sound der Dresdner eher in die Richtung der Band Aslov Kinski, grob gesagt machen die Jungs düster angehauchten Hardcore. drych ist übrigens laut einer Onlineübersetzung der walisische Begriff für „Spiegel“.

Ich habe lange gerätselt, was hinter dem Coverartwork stecken könnte.Irgendwie sieht der Hintergrund aus, wie die verbrannte Rinde eines Baumes. Auch die Bilder auf dem Backcover und im Poster-Textblatt deuten darauf hin, als ob ein Brand über eine ehemals intakte Natur gefegt wäre. Da auf dem Backcover eine Zeichnung eines toten Vogels abgebildet ist und auf dem Frontcover ein weinender Mensch zu sehen ist, der auch langsam dahinzuscheiden scheint, erscheint mir diese Vermutung zusammen mit den Texten betrachtet am schlüssigsten. Erst stirbt der Wald, dann der Mensch! Die Texte zu entziffern ist übrigens gar nicht so einfach, die etwas krakelige Handschrift liest sich in weißer Farbe auf teils hellem Hintergrund nicht so gut. Dafür sieht das Poster mit der Zeichnung einer brennenden Fackel ganz hübsch aus. Soweit ich es verstanden habe, ist die große gemeinsame Kuscheldecke des Kapitalismus ein zentrales Thema. Die Frage, wo sich in diesen orientierungslosen Zeiten denn noch Halt finden lässt, wird letztendlich nicht beantwortet. Vielmehr wird der Menschheit ein Spiegel vorgehalten, schließlich tragen wir alle permanent zur Zerstörung der Umwelt bei. Jedenfalls gibt es hier eine große Portion apokalyptischer Endzeitstimmung zu entdecken. Passend dazu kommt rotes und mit Rauchschwaden durchzogenes Vinyl zum Vorschein. Willkommen im Inferno! Das Ding ist einseitig bespielt, sechs Songs sind darauf zu hören.

Dementsprechend düster wabert der Sound aus den Lautsprechern. From Graft wütet direkt galoppierend und crustig los, der Schlagzeuger hackt zusammen mit dem Basser einmal kurz die vom Fegefeuer übriggelassenen Holzklumpen zu Staub, während die Gitarren die paar verbliebenen Bäume gnadenlos umsägen. Ganz schön flächiger Sound, auffallend sind hier die dissonanten Töne im Mittelteil, die von den Gitarren erzeugt werden. Natürlich schreit der Sänger zum höllischen Inferno seine Verzweiflung raus, so als ob er am Steuer eines brennenden Tanklastwagens das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken würde, nur um den brennenden Tanker über die Klippen in den Abgrund zu jagen. Auch im nachfolgenden To Gravel bleibt es rasant, es wird mit reichlich Adrenalin gepumpt. Mir gefallen v.a. die immer wiederkehrenden unterschwelligen Melodien, die die Gitarren an die Oberfläche bugsieren. Zudem bauen die Jungs im Verlauf des Albums immer wieder chaotische, rasend schnelle Parts in ihre Songs mit ein, metallische Untertöne sind ebenfalls rauszuhören. Überhaupt ist das ganze schön abwechslungsreich und energiegeladen, melancholische Untertöne sind ebenso mit dabei und die satte Produktion von der Tonmeisterei drückt auch gewaltig! Wenn ihr crustig angehauchten Blackened Hardcore mit Screamo-Referenzen im Stil von Bands wie z.B. Rise And Fall oder Nails mögt, dann seid ihr bei drych genau richtig!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Pike Records


 

The Prim – „Selftitled“ (DIY/Lower Class Kids Records)

Den Kontakt mit der größtenteils aus Thüringen stammenden Band The Prim (die fünf Mitglieder kommen aus Jena, Weimar, Erfurt und Berlin) habe ich der Band Luciente zu verdanken, in der The Prim-Gitarrist Stefan nebenher auch noch die Saiten schwingen lässt. Die im Jahr 2015 gegründete Band hat zudem noch Leute aus den Bands Barren und Zann an Bord. Wahrscheinlich wäre ich von selbst niemals auf The Prim aufmerksam geworden. Umso besser, dass es solche Vernetzungen innerhalb der DIY-Szene gibt, so dass ein paar Tage nach dem netten Mailkontakt auch schon lecker Vinyl in die Bude geflattert kommt.

Die Debut-12inch der vier Jungs und der Dame am Mikro kommt mit einem schönen schwarz-weiß-Comic-Artwork im Manga-Stil daher, logischerweise dann mit seitenverkehrter Plattenkarton-Öffnung. Das fällt eigentlich nur durch die Songtitel auf dem Backcover auf, da auch das Backcover mit einer eindrucksvollen Comic-Zeichnung ausgestattet ist, die das Zeug zum Plattencover hätte. Dazu passt dann auch der im Manga-Schriftzug aufgedruckte Bandname wie die Faust auf’s Auge und wenn dann aus dem Inneren noch das Textblatt zum Vorschein kommt, bleiben ausstattungstechnisch keine Wünsche offen. Echt mal geil! Die Texte können sich übrigens auch sehen lassen: das ist so ’ne Mischung aus Gesellschaftskritik und politischen Themen, die mit Comics, Playstation, TV und sozialen Netzwerken fusionieren. Mir gefällt das ja, wenn Bands den gewohnten Trampelpfad verlassen und eigene Wege gehen. Mit dem eigenen Kopf durch die Wand, so muss das!

Nun, sobald die Nadel auf’s Vinyl setzt, zwirbelt es auch schon ordentlich los, so dass man unweigerlich die Lautstärke nach oben dreht. The Prim knattern wie ein wütender Bulldozer drauf los, das Ziel stur im Auge, auf Zerstörung programmiert. Heraus kommt eine aggressive Mischung aus New School Hardcore, Powerviolence, Grind und Thrash-Metal. Die Gitarren matschen sich schön breiig auf der einen Seite und rasiermesserscharf auf der anderen Seite durch die Erdschichten, während Schlagzeug und Bass die Felsen zertrümmert und der Bulldozer immer mehr Verderb anrichtet. Dazu brüllt sich die Frau am Mikro die Seele aus dem Leib. Dass es da ein paar Durchgänge braucht, bis sich ein Song im Hirn festgesetzt hat, versteht sich von selbst. Denn die Songs sind mit vielen verschiedenen Passagen und ein paar technisch kniffligen Tricks ausgestattet, ein hoher chaotischer Hardcore-Anteil ist ebenso ständiger Begleiter. Slayer-Gitarrenriffs paaren sich mit Destruction-Gitarrenriffs, irgendwie hat das wegen der Dame am Mikro auch etwas von Holy Moses. Natürlich kommen gerade aufgrund der moshigen Gitarrenriffs auch Bands wie Earth Crisis, Strife oder Integrity in den Sinn. Stellt euch die genannten Bands etwas roher und hardcorelastiger und mit einem Schuss Grind und Blackmetal vor, dann kommt das ungefähr hin. Fetzt live sicher alles nieder!

8/10

Facebook / Bandcamp


 

Bandsalat: Enola, Fabrik Fabrik, Grav Zahl, I Heart Sharks, La Luna, Vandalism, You Blew It, Zeit

enola-of-lifeEnola – „Of Life“ (Midsummer Records) [Stream]
Also, das Coverartwork finde ich persönlich schön, die gemalten Blumen und Knospen ziehen sich dann auch durchs Booklet, zudem passen diese Blümchen ganz gut zum Sound der Band aus Essen. Denn dieser kommt ebenso harmonisch rüber, die Mischung aus Pop-Punk und etwas Emo-Collegerock erinnert an eine Zeit um die Jahrtausendwende herum, als Bands wie Jimmy Eat World, Saves The Day oder Fall Out Boy versuchten, Richtung Charts zu schielen. Enola klingen jedoch auf ihrer ersten EP, die insgesamt sechs Songs beinhaltet, noch poppiger und weichgespülter, als die eben genannten Bands. Blümchenpunk? Für meinen Geschmack fehlt hier etwas der Biss, auch wenn es gut gemacht ist und die Gitarren an manchen Stellen tolle Melodien aus dem Ärmel zaubern.


Fabrik Fabrik – „Selftitled“ (Phantom Records) [Name Your Price Download]
Wenn man bereits nach 20 Sekunden des ersten Songs völlig irre auf den Name Your Price Download klickt und erstmal null eingibt, dann bereut man das bereits beim zweiten Song, weil man von der Musik so hingerissen ist, dass man sich eigentlich schämt, nichts beim „Vorbeigehen“ ins Kässchen geworfen zu haben. Fabrik Fabrik entdeckte ich neulich beim Bandcamp-Zappen. Verdammte Hacke, wie geil die Band aus Berlin doch ist! Und was sehen meine entzündeten Augen denn da, das Ding gibt es tatsächlich  auf Vinyl. Aber erstmal ein paar Details hierzu: Fabrik Fabrik sind verdammt verdammt geil geil. Davon überzeugen insgesamt neun Songs, die nicht nur durch das geniale Mastering der Tonmeisterei erstklassig klingen, sondern auch noch mit exzellentem Songwriting und ordentlich Power punkten können. Stellt euch eine Mischung aus roheren Fjørt und melodischeren Nervöus vor, addiert noch etwas Screamo á la Todd Anderson, dazu noch ’nen Hang zum Experimentieren und ein kräftig gehauener Bass, und ihr habt ungefähr das, was Fabrik Fabrik etwas aus dem Rest der Masse rausstechen lässt. Verdammte Scheisse, ziemlich geil das!


Grav Zahl – „schon/erst“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es gibt ja noch diese andere Band, die sich wie die Vampir-Puppe Graf Zahl aus der Sesamstraße schreibt. Nun, diese Grav Zahl hier kommen aus Berlin und ohne den lieben Hinweis von Moritz/Rauschemusik wäre ich auf die Band nicht von alleine gestoßen. Grav Zahl machen emotive Screamo, der mich vom Vibe her an französischen oder italienischen Screamo erinnert. Berlin ist ja sehr international, da wundert es nicht, wenn in vier Songs auch vier Sprachen auftauchen (Deutsch, Englisch, Französisch, Englisch). Habt ihr den Fehler bemerkt? Haha. Mir gefällt jedenfalls, was die vier Typen da fabrizieren. V.a. die Gitarren wühlen auf, dazu beruhigt das Schlagzeug fast, während man in der Phantasie beim leidenden Gesang so ’nen Typen mit kaputten Jeans auf den Knien rumrutschen sieht. Schönes Coverartwork. Da bin ich gespannt, was von dieser Band in Zukunft noch zu hören sein wird.


iheartsharks_hideaway_cover1600pxI Heart Sharks – „Hideaway“ (AdP Records) [Video]
Also, das Cover hat schon etwas Faszinierendes. Das hab ich aber erst entdeckt, als ich meinen sechsjährigen Sohn dabei heimlich beobachtet habe, wie er die LP minutenlang in seinen Händen hielt und das Frontcover anstarrte. Man hörte buchstäblich die Rädchen im Gehirn rattern. Als er mich entdeckte und verlegen lächelte (er bekommt Ärger, wenn er Papas Platten in die schokoladenverschmierten Griffel nimmt), hatte er auch schon eine Frage gestellt, auf die ich keine Antwort hatte. Normalerweise improvisiert der allwissende Papa souverän, aber diesmal behielt ich meine Theorie lieber für mich. Na, warum haben die Leute da an dem Pool wohl alle durchsichtige Gesichter? Na, vielleicht hat sie ja der Hai rausgefressen? Die zweite Möglichkeit wäre das Foto im Keller des verrückten Serienmörders gewesen…FSK 12. Was Besseres wollte mir wirklich nicht einfallen, zu umnebelt waren meine Sinne von den Songs, die auf dieser Platte zu hören sind. Klar, es braucht ca. drei Durchläufe, bis man alles erfasst hat und die Lückenfüller ausgesiebt hat. Aber dann wird klar, dass I Heart Sharks einfach eine klasse Indie-Pop-Band sind, die zwar nah am 80er-Kitsch-Pop vorbeischreddern, aber dennoch anspruchsvoll sind. Gerade die A-Seite ist gespickt mit Ohrwürmern: Songs wie Walk At Night, Walls oder My Arms brachten zwar anfangs meine Liebste zum Lästern (ernsthaft, es fiel der Modern Talking-Vergleich), aber etliche Runden später kamen dann Bands wie Starfucker, Empire Of The Sun, Phoenix oder Wyoming ins Gespräch. Die B-Seite hat mit Lost Forever und Giving It Up zwei weitere Indiepop-Ohrwürmer am Start, die den mißglückten Ausflug zum Majorlabel wieder wettmachen. Manchmal ist es eben kein Fehler, sich zu seinen Wurzeln zu besinnen, denn dieses Album erscheint wie auch die im Frühjahr veröffentlichte Hey Kids 7inch wieder auf dem alten Label AdP Records. Man hört hier einfach heraus, dass die Band unverkrampft an die neuen Aufnahmen rangegangen ist. Und übrigens, mittlerweile ist das Trio zum Quartett angeschwollen.


La Luna – „Always Already“ (Middle Man Records) [Stream]
Shit, was ist das für 1 wuchtiges Release! Eigentlich wollte ich darüber schon eher berichten, aber der Schreibtisch ist halt immer mit physischen Releases gefüllt, die irgendwie Vorrang haben. Naja, von Zeit zu Zeit lass ich Schreibtisch Schreibtisch sein und schnappe mir interessante Releases, die es wert sind, gehört zu werden. La Luna gehören da ohne Zweifel dazu. Ohne das lesenswerte Interview bei den Kollegen von Form und Leere wäre mir die Band aus Toronto, Ontario wahrscheinlich durch die Lappen gegangen, deshalb 1000 Herzchen an Form und Leere <3. Und wahrscheinlich gähnt ihr jetzt eh alle, weil ihr das Ding schon lange in- und auswendig kennt (ist ja bereits seit Mai verfügbar). Und ganz ehrlich: dieser kurze Text hier sagt eh nullkommagarnix über dieses intensive Stück Musik aus. Unbeschreiblich gut: Skramz, emotive Screamo, Emo, Post-Hardcore, Powerviolence, alles was das Herz begehrt. Meine Lieblingsparts sind die Passagen mit den Spoken Words. Und alles danach. Aber hört selbst, falls ihr das eh nicht schon ausgiebig getan habt.


Vandalism – „Kings & Beggars“ (DIY) [Stream]
Ich lese ja höchst selten irgendwelche Band-Bios, die per copy & paste in die Anfrage-Mail kopiert wurden, aber wenn man bereits im ersten Satz erfährt, dass sich Vandalism irgendwo zwischen Propagandhi und Raised Fist zuhause fühlen, dann wird schon ein wenig die Neugier geweckt. Zudem erfährt man, dass Vandalism ohne Casting vor ca. 15 Jahren zusammengefunden haben, obwohl anno 2001 die Casting-Shows auf dem Höhepunkt angekommen waren. Ich finde mich da absolut wieder, in diesem Beschreibungstext: Proben, abhängen, Bier trinken, Krach machen, vielleicht noch peinliche Ansagen, die auf Tape mitgeschnitten wurden. Wie dem auch sei, mittlerweile sind die Jungs in den Dreißigern, haben teils selbst schon Nachwuchs und nehmen das, was sie heute machen schon etwas ernster. Dass die Jungs brennen, merkte ich auch daran, dass die selbstreleaste Digi-CD bereits zwei Tage später im Briefkasten steckte. Geil. Und ja, die Sache mit Raised Fist und Propagandhi trifft es eigentlich ganz gut. Man könnte auch noch Bands wie As Friends Rust, Strike Anywhere oder Abhinanda und Intensity zum Vergleich heranziehen. Mir gefallen v.a. die Gitarren, die schön schnittig und auch flott melodisch um die Ecke kommen. Der Schlagzeuger gibt alles (die Double-Bass-Einlage bei Getaway, boah), dazu bomben die Chöre alles weg. Und trotzdem merkt man der Mucke den Punkbackground an.  Vandalism haben definitiv ’ne geile Gang am Start, die live sicher überaus nett anzusehen ist.


You Blew It – „Abendrot“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Das reduziert wirkende Cover erinnert mich irgendwie an eine Mischung aus rosa Katzenpfötchen und wärmeempfindlichem Yps-Gimmick. Moment mal, eine Katzenpfote hat nur vier Stempel, oder? Vielleicht ist das dann doch die Hand einer ertrinkenden Person, die nach einem schönen Abendrot-Sonnenuntergang nochmal baden gehen wollte und dann auf heimtückische Art und Weise zu Fischfutter geworden ist. Zur Mucke: zwölf Songs zwischen Emo und Indierock. Manchmal schön, manchmal unerträglich melancholisch, manchmal ziemlich abgekupfert. Aber das stört alles nicht, wenn man auf die langsameren Get Up Kids-Songs steht, Sunny Day Real Estate vergöttert und Jimmy Eat World schon kannte, bevor sie bei Malcolm mittendrin mit einer They Might Be Giants-Coverversion auf sich aufmerksam machten. Mir gefällt’s.


Zeit – „Monument“ (Dingleberry Records) [Stream]
Das Cover der letzten 12inch der italienischen Post-Hardcore/Metalcore-Band war ja schon monumental angehaucht, nun haben die Jungs auch noch eine EP am Start, die auf den schönen Namen Monument getauft wurde. Das Artwork wirkt auf der tonfarbigen Digi-CD ja bereits enorm, die Vinyl-Version sieht aber sicher noch genialer aus. Einseitig bespielt, Siebdruck auf der B-Seite. Nun gut, vier Songs sind hier zu hören. Brachial, chaotisch. Erinnert mich ein wenig an die Band Pestilence, v.a. gesangstechnisch, da der Sänger etwas nach Martin van Drunen klingt. They Run In Circles macht mich jedenfalls wahnsinnig, was für ein Hammersong. Und das nachfolgende Monument bruzzelt ebenfalls hammermäßig was weg. Wer auf chugga chugga Mosh und unterschwellige Gitarrenmelodien abfährt, sollte hier unbedingt mal reinhorchen.


 

Bandsalat: Antilope, Balance And Composure, Fljora, Forgive Me, Kambodsja, Lessen, Ulf, We Set Sail

Antilope – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Fünf Jungs. Augsburg und München. Südbayern. Steuert man die Bandcamp-Seite der Band ohne das entsprechende Vorwissen an, dann denkt man, dass diese fünf Songs irgendwelche wild zusammengewürfelten ersten Gehversuche wären, dabei steckt hier deutlich mehr dahinter. Kleiner Tipp an die Jungs: Seht euch mal das Bandcamp-Tutorial an, da wird erklärt, wie man die Songs eines Albums in einen Ordner reinschiebt, harr harr. In der heutigen Zeit nehmen sich die Leute leider nicht mehr die Zeit, sich aus einzeln downgeloadeten Songs eine EP zu erstellen. Das hat man noch gemacht, als man analoges Internet hatte und dieses Anwahl-Gepiepe stark am Nervenkostüm sägte. Mit WWW verband man damals World Wide Waiting. Nun, Antilope ist eine ganz neue Band. Und es würde sich lohnen, die Zeit zu investieren, um die Songs einzeln downzuloaden und sich daraus ’ne oldschool-CD zu brennen. Die Mitglieder haben schon mit Bands wie NME.MINE, Mitote, Facing the Swarm Thought, Them Bones, oder Aerosole Companion reichlich Erfahrung gesammelt. Und wenn euch die gerade erwähnten Bands zusagen, dann könnten euch Antilope vielleicht auch gefallen. Auf der einen Seite kommen Post-Hardcore-Elemente zum Zug, auf der anderen Seite fühle ich mich an manchen Stellen an Bands wie z.B. Captain Planet erinnert.  Mir läuft’s gut rein!


Balance And Composure – „Light We Made“ (Big Scary Monsters/Alive) [Stream]
Auf ihrem Debutalbum Separation gefiel/gefällt mir die Band aus Pennsylvania bis heute noch ziemlich gut. Mit dem Nachfolger The Things We Think We’re Missing hatte ich jedoch so meine Schwierigkeiten. Nachdem ich den Teaser-Song Spinning gehört hatte, war ich gespannt auf die restlichen neun Songs, da mich dieser doch etwas in der Nase kitzelte. Nun, nach ein paar Durchläufen ist es bei so einem weichgespülten Sound klar, dass ein paar Soundfetzen hängen bleiben, so läuft der Opener Midnight Zone und eben der Refrain zu Spinning ganz gut rein. Auch Afterparty gehört zu einem der herausragenderen Stücken.  Aber wenn dann z.B. dieser monotone Beat beim Song Postcard einsetzt, dann überlegt man sich zweimal, eine Postkarte zu verschicken. Das war jetzt vielleicht böse, aber irgendwie scheint dieses Schlagzeug fehl am Platz. The Things We Think We’re Missing hatte ja schon reichlich Monotonie im Gepäck und ungefähr ab der Hälfte der Songs schleicht sich auch hier etwas Eintönigkeit ein. Nun, die Mucke geht in Richtung Basement und Turnover, jedoch haben die gerade genannten Bands die schmissigeren Melodien und die emotionaleren Momente am Start. Sorry, auch, wenn Songs wie z.B. For A Walk eine gewisse Experimentierfreude a la NIN zeigen und ein paar Melodien a la Basement &Compturnover am Start sind, reicht das leider nicht ganz aus. Trotzdem freundet man sich nach ein paar Durchläufen mit dem Album an. Ganz nettes Album, mehr aber auch nicht.


Fljora – „Selftitled“ (mum says be polite/DIY) [Name Your Price Download]
Kennt jemand von euch noch den Locked Groove-Blog, den es leider seit Jahren nicht mehr gibt? Nun, über diesen Blog stieß ich einst auf eine Band namens Manku Kapak, die ich auf Anhieb sehr ins Herz geschlossen habe. Es folgte intensiver e-Mail-Kontakt, Austausch der postalischen Adressen, es wurden Päckchen hin und her geschickt. Leider ergab sich niemals die Gelegenheit für mich, die Band live zu erleben oder sonstwie zu treffen. Dafür hat meine Tochter das selbstgebastelte Armband im Marienkäfer-Look sehr liebgewonnen, das in einem dieser netten Pakete war, das wir uns gegenseitig schickten. Leider färbt es ein wenig ab, da ich, schluffig wie ich bin, den Rat mit dem „Haarspray draufsprühen“ nicht befolgt habe. Unbelehrbares Punkrock-Kid. Und nun, ein paar Jährchen später, klingelt die alte Zeit wieder an der Tür, in Form eines Albums der Band Fljora, bei welcher eben Nico von Manku Kapak am Gesang ist, Hauke Henkel ist ebenfalls mit von der Partie. Keine Ahnung, ob die Jungs uns quälen wollen, oder ob mit den anderen aktiven Bands (they sleep, we live und 勢い) bereits die Zeit genügend ausgefüllt ist, dieses erste Release ist anscheinend auch schon wieder das letzte. Leider. Man wird jedenfalls melancholisch, wenn man diese intensiv vorgetragene Musik auf die Ohren bekommt. Emo, Post-Rock, Post-Hardcore, Indie, Electro, Experimental, einfach warme, emotionale Musik, darüber die unverkennbare Stimme von Nico. Und dann das Interlude die dann doch wieder scheitern,  darin finde ich mich zu hundertzehn Prozent wieder. Ich würde ja gern noch mehr über diese Songs berichten, die mir leider nur als Download vorliegen, aber eigentlich sollte das Ding unbedingt auf Vinyl erscheinen. Hört da unbedingt rein!


Forgive Me – „Demo“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es gab wohl einmal selbst bemalte Demos dieser neuen Kellercombo aus Offenburg, aber die sind wohl laut e-Mail-Anfragetext längst vergriffen. Ob das nun 300 oder nur 10 waren, ist mir eigentlich schnurzwurst, denn bei diesen drei Songs hier ist eine gewisse Energie zu spüren. Das erinnert mich irgendwie an meine eigenen Bands von früher. Drauflos knüppeln, rumbrüllen, auf auf der Bühne herumliegende versiffte Perserteppiche spucken. Allerdings klingen Forgive Me erstens um Längen besser als meine lausigen Bands damals. Und das liegt nicht am technischen Fortschritt, denn die Aufnahme hört sich analog an, Vierspurgerät? Dann haben die noch  jemanden, der gut in Covergestaltung ist und obendrein scheinen die Texte mehr Tiefgang zu haben, als meine jämmerlichen Versuche, einen grammatikalisch richtigen Vers in einer mir fremden Sprache zu texten. Naja, der Schlagzeuger könnte noch ein wenig üben, aber sonst knallt das ganz gut.


Kambodsja – „Stranger“ (Mas-Kina Recordings) [Stream]
Beim Opener Guillotine kommt man sich wirklich wie jemand vor, der auf dem Marktplatz auf das scharfe Messer von oben wartet, das ihn endlich erlöst. Und nach ungefähr 3 Minuten der Qual singen dann die Engel bereits ein Liedchen, obwohl das scharfe Messer immer noch am Platz hängt. Ein Wunder, dass ich nach dieser langen Eröffnungssequenz so lange bei Kambodsja hängen geblieben bin. Dafür war hauptsächlich auch das tolle Video zum Song Name Among Dead verantwortlich. Bin froh, dass ich drangeblieben bin, denn das hier haut ordentlich auf den Matsch. Im Verlauf des Albums hat man fast den Eindruck, dass die Norweger eine gespaltene Persönlichkeit haben. Die neun Songs decken eine ganz schöne Bandbreite ab: Post-Hardcore, Noise, Metal, Klassik, Punk, Hardcore, Grunge, Shoegaze, Post-Rock und noch viel mehr. Sehr arschtretend! Alleine der Schlagzeuger bruzzelt Dir was auf die Ohren, wenn dann noch die dick abgemischten Gitarren oben drauf kommen, dann gibt es keinen Morgen mehr. Was mich dann an manchen Songs doch etwas stört, sind die langgezogenen Instrumental-Parts und die System Of A Down-mäßigen Passagen, die aber wieder mit reichlich Punk-Spirit wettgemacht werden. Eyes Ahead ist z.B. so ein richtig guter Hardcore-Song, da kriegt man richtig Lust, in die Menge zu diven.


Lessen – “A Nebulous Being“ (Send The Wood Music/Season of Mist) [Stream]
Diese Band hier kommt aus Montpellier/Frankreich und macht so ’ne kuriose Mischung aus Post-Hardcore, Metal (Death/Black), Screamo und Punk, vereinzelt lassen sich auch Post-Rock-Klänge entdecken. Insgesamt erinnert das dann etwas an so Zeugs, wie man es gern um die Jahrtausendwende herum gehört hat, wenn man auf diese Mischung „hart, aber melodisch“ stand. Soll heißen: fette Gitarren, böses Gebrülle, Mosh, ab und an auch Emo-Mosh und progressiv angekokelte Passagen, mit welchen man sich bei jedem weiteren Durchlauf mehr und mehr anfreundet. Die Gitarren und das Geblöke bei Many Faced God erinnern mich irgendwie an As Friends Rust (Ruffian), während andere Passagen an Zeugs wie Arkangel, Purusam, Underoath oder Shai Hulud, manchmal auch an By A Thread denken lassen. Die Gitarren und der pumpende Bass kommen echt mal geil, der Schlagzeuger hat auch ein paar coole Moves am Start. Was auch noch von Bedeutung ist: insegsamt neun Songs sind zu hören. Und da diese sich so um die 2-9 Minuten-Marke drehen, habt ihr hier richtig Value For Money, denn die neun Songs haben eine fast einstündige Spieldauer.


Ulf – „Vier gute Lieder“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich hatte mal ’nen Kumpel, der hieß wirklich Ulf. Ulf ist ja ein Name, der einem nicht sehr häufig unterkommt. Zudem litt mein Kumpel Ulf unter seinem Namen. Als in den Achtzigern dann die TV-Serie Alf Begeisterungsstürme bei Jung und Alt auslöste, wurde aus Ulf plötzlich unfreiwillig Alf.  Alle sagten nur noch, traurig aber wahr,  Alf zu ihm, selbst die verhassten Lehrer/innen. Und alle lachten. Damals kannte man das Wort Mobbing noch nicht, Internet-Trolle waren sowieso Science Fiction. Was ein Trauma! Und klar, das mit Alf war natürlich der Anfang vom Ende für Ulf. Ulf fing an…ups, ich breche an dieser Stelle lieber ab, da Ulf sicher noch von Selbstzweifel zerfressen von Zeit zu Zeit seinen Namen googelt (wenn er noch am Leben ist) und sich dann krämen würde, wenn er diese Zeilen hier zu Gesicht bekäme und genau wüsste, dass er letztendlich das jämmerliche Suchergebnis ist. Der Sündenbock Ulf war’s. Obwohl er in einem schönen Haus groß geworden ist…Ihr glaubt mir das jetzt wahrscheinlich alles nicht, aber das hier hab ich geschrieben, bevor ich das Facebook-Profil der Hamburger Punkband checkte und da wirklich Alf entdeckte.  Aber nun noch kurz zur Band Ulf aus Hamburg, die auf ihrer vorerst digital veröffentlichten EP absolut geilen Punkrock mit intelligenten deutschen Texten macht. Die vier Songs verbinden den deutschen Punkspirit á la Captain Planet und Düsenjäger mit dem frühen Emohardcore von Dag Nasty (Anfang von Handgranate), dazu kommt noch als Krönung etwas Mid-90’s -Emo á la Texas Is The Reason und Mineral. Ich mag das hier, Ulf hätte sicher auch Gefallen daran (das weiß ich, denn wir waren seelenverwand).


We Set Sail – „Feel Nothing“ (Kill The Music) [Stream]
Neulich staunte ich nicht schlecht, als eine Anfrage dieser australischen Band im Mailaccount landete. Wie zur Hölle kommt denn sowas zustande? Nun denn, wie dem auch sei, We Set Sail kommen aus Brisbane und tummeln sich auch schon wieder seit dem Jahr 2006 oder so in der Szene rum. Zudem scheint DIY bei den Jungs eine große Rolle zu spielen, sonst würde kaum so ’ne Anfrage mit persönlich geschriebenem Text hier eintrudeln. Bislang war mir die Band völlig unbekannt, aber Feel Nothing ist bereits das zweite Album der Jungs, die sich selbst als extrem faul bezeichnen. Kann man sehen, wie man will. Der Albumtitel Feel Nothing ist auf alle Fälle mal irreführend, denn die zehn Songs sind alles andere als gefühlskalt. Der dargebotene Sound, der zwischen verspieltem Post-Hardcore, Emo und Post-Rock pendelt, kommt sehr emotional und herzergreifend rüber. Wenn ihr auf Bands wie Thrice, Moving Mountains, Benton Falls, Brand New oder Moneen klar kommt, dann könntet ihr auch am Sound der Australier Gefallen finden. Das waren nun alles Bands, die die Jungs als Einflüsse aufgelistet haben, man könnte dazu natürlich noch weitere Bands wie z.B. Jimmy Eat World, Hot Water Music (wegen dem zweistimmigen Gesang) oder Sense Field hinzufügen. Übrigens hat Jay Maas (Defeater) an den Knöpfchen gedreht. Und achtet mal auf die Songtitel! Kleines Beispiel gefällig? Hört mal den Song mit dem vielversprechenden Titel Understanding This Is Not A Car Crash an, diese Gitarren sind doch traumhaft!


Dingleberry-12inch-Special: Bain De Sang, Derelyction, Hungry Like Rakovitz, Slowly We Rot

Bain De Sang – „We Are The Blood We Are The Fear“ (Dingleberry u.a.)
Scheiße, sieht diese einseitig bespielte 12inch hammergeil aus. Sowohl das Cover als auch das schwarze Vinyl ist besiebdruckt mit goldener Farbe. Würde mal sagen, dass das bedruckte Motiv auf Cover und Vinyl dem Bandnamen und dem Titel recht nahe kommt. Blutbad, Angst, irgendwas. Während man die Schädeloptik auf dem Vinyl deutlich erkennen kann, rätselt man, ob das Gebilde auf dem Cover eventuell eine brennende Kirche oder so sein könnte. Wahrscheinlich schon. Neun Songs werden hier in weniger als 14 Minuten runtergebolzt. Viele Stücke sind dabei unter einer Minute, ein paar etwas darüber und einer hat sogar eine epische Länge von fast viereinhalb Minuten. Und gerade bei diesem Song wird gewalzt, was das Zeug hält. Da wär so ein kleines Dörfchen samt Kirche in Nullkommanichts niedergemäht. Krasses Brett, kommt natürlich auf Vinyl wegen den oben angeführten Punkten total geil rum. Hier wird gegrinded, gepowerviolenced und gewütet. Ach so, Bain De Sang kommen aus Paris, neben Dingleberry Records sind noch Emergence Records und Up2Eleven beteiligt.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


Derelyction – „Surrounded By Death“ (Dingleberry u.a.)
Es soll ja Leute geben, die absolut jeden Bandschriftzug von Metal-Bands bzw. Blackmetalbands entziffern können. Also, ich gehöre da definitiv nicht dazu, obwohl ich sogar in meiner Ausbildung die Sütterlinschrift, Kanzleischrift und Kurrentschrift gelernt habe. Dooferweise war das zu der Zeit, als ich mir zu jeder Gelegenheit die Gehirnzellen beim Moshen rausgeschüttelt habe. Kreator, Slayer, Possessed, Bathory, Venom, Nuclear Assault, Sodom, Destruction. Uh! Ist also gar nix hängen geblieben, obwohl ich neulich ganze Schulhefte im Keller gefunden habe, die ich selbst in diesen Schriften (wahrscheinlich unter Drogen oder Androhung von Prügel) beschrieben habe. Ich muss schon irgendwie fleißig gewesen sein, denn die Heftumschläge waren ebenfalls kunstvoll mit undefinierbaren Bandschriftzügen verziert, die ich aktuell nicht mehr entziffern kann. Lange her, das. Naja, Dereclyction aus Gießen erinnern mich irgendwie vom Sound her an diese Zeit. Der Hall auf dem Geschrei, als ob die Vocals direkt in der Hölle oder im Stollen aufgenommen wurden. Die Gitarren, die manchmal so wirken, als ob sie bei einem Konzert mit einem Vierspurgerät live abgegriffen wurden, der Schlagzeuger, der ab und an auch mal hinkt, aber immer alles geben will. Auch wenn hier ein schöner Crust-Einfluss rauszuhören ist, werde ich diese Platte wahrscheinlich nicht mehr allzu häufig anhören. Es sei denn, es kommen mal alte (noch lebende) Metalheads vorbei, die noch ein paar Gehirnzellen zum Wegmoshen übrig haben. Mosh it up! Die beteiligten Labels: Dingleberry Records, Left Hand Path Records, Riot Records, Pogohai Records, Pandora Records, Violent Heartbeat Records und Spit It Out Records.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


Hungry Like Rakovitz – „Nevermind The Light“ (Dingleberry Records u.a.)
Zwei, nein drei Dinge sind mir auf Anhieb in den Sinn gekommen. Zwei beim Betrachten des Albumcovers, eines beim Hören des Sounds. Nun, dieses Wolfmasken-Zeug hab ich jetzt schon auf einigen Plattencovern entdeckt. Da gibt es eine Band namens Kolari, die ein etwas farbenfroheres Cover hat, das aber Ähnlichkeiten mit Plattencovern der Bands Save The Embers oder auch dem Artwork der Empowerment/Henry Fonda-Split aufweist. Wollte das mal als Artwork-Special bringen, aber oftmals scheitern meine Ideen an meiner Faulheit. Klickt unbedingt mal auf die Links, ich kann das in der Statistik sehen, dass ihr Link-faul seid und euch nicht die Mühe macht, meine mühsam aufbereiteten Links zu klicken. Obwohl, klickt sie lieber nicht und lest erst meinen Text hier weiter, sonst werdet ihr noch abtrünnig. Jedenfalls erinnert mich das Coverartwork an die Zeichentrickserie Yakari, die ich mit meinen Kindern ab und an mal anschauen muss. Da erlebt ein kleiner Indianerjunge in der unberührten Natur reichlich Abenteuer. Krass auch, dass er mit allen Tieren sprechen kann. Aber völlig von den Socken war ich dann, als ich am Himmel der Zeichentrick-Prärie etliche Chemtrails entdeckte. Wissen das die Verschwörungstheoretiker, oder ist das einfach ein Gag der Macher? Könnte sein, denn in der Serie ist auch ein dauerbekiffter Indianer namens „müder Krieger“ mit eingebaut. Vielleicht spielt die Serie auch gar nicht wie vermutet in der Vergangenheit, Yakari könnte seine Abenteuer genausogut im Reservat erleben. Oh Mann, so leicht ist es, mich vom Geschehen auf der Flimmerkiste abzulenken. Also wieder zu HLR und den zwei umgedrehten Kreuzen im Bandschriftzug. Bevor ich mich darüber auslasse und zu Filmen wie der Exorzist oder Bands wie Bathory philosophiere und noch weiter abschweife, komme ich noch kurz zum mächtigen Sound der italienischen Band, die mir bislang völlig unbekannt war, obwohl sie seit 2004 aktiv ist und schon drei LPs und etliche EPs und Split Eps veröffentlicht hat. Die vier Jungs poltern, was das Zeug hält. Dichte Gitarren, wuchtiges Schlagzeug, fett abgemischt. Ob der Sänger beim Growlen breitbeinig mit seiner Hand spastische Bewegungen vor dem Mikro macht, ist nicht auszuschließen, aber unterstellen will ich das den Jungs nun auch wieder nicht. Erscheint als Co-Release der Labels Dingleberry Records, Blasphemy Worldwide Records, Shove Records, Drown Within Records, Controcanti und Icore Produzioni.
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Slowly We Rot – „Poverty of Existence“ (Dingleberry u.a.)
Es gibt ja so Platten, die sind nicht gerade familienkompatibel. Obwohl meine Liebsten einiges gewohnt sind und mein fünfjähriger Sohn sich ab und an mit mir zusammen neue Songs von meiner Festplatte für seinen mp3-Player aussucht (er hat echt ’nen guten Geschmack), gibt es auch Zeug, das ich nur im stillen Kämmerlein für mich hören kann, obwohl da auch dicke Gitarren zu hören sind. Seltsam, auf Krach und waghalsige Skateboardtricks stehen die Kids zwar, aber bei Slowly We Rot haben sie nur die verdammt gut aussehende Vinylfarbe abgefeiert, der Rest war ihnen etwas suspekt, warum auch immer. Mannometer, die Scheibe sieht aber auch geil aus. Erinnert etwas an die morgendliche blaue Stunde, mit Rauchschwaden. Bevor ich also den Kids erklären muss, was da wohl auf dem Cover zu sehen ist, weil ich das auch selbst irgendwie nicht so ganz erkennen kann, warte ich, bis alle im Bett sind und ich allein mit dem Plattenspieler und meinem Kopfhörer eine kleine Black Metal/Grind/Doom/Hardcore-Party feiern kann. Daddy Cool, haha. Also, Slowly We Rot kommen aus Flandern/Belgien. Aufgrund der düsteren Musik der vier Jungs denke ich mal, dass das Leben dort auch nicht viel besser als hier ist, vielleicht ist es sogar noch ’nen Ticken übler als hier in Kack-Germany. Hört mal dieses Slayer-artige Riff und dieses Kerry King-mäßige Solo beim Titelsong, da hat man direkt das selbstgebastelte Nagelnietenarmband vor Augen, das einem im zarten Alter von 15 von den Bullen abgenommen wurde. Die haben mich harmlosen Jungen im Venom-Shirt damals echt gefragt, ob ich dafür einen Waffenschein hätte! Pfff, wie oft hab ich mir vorgestellt, dass das Ding in der  Asservatenkammer  gelandet ist. Und wahrscheinlich, das vermute ich,  wird mein Nagelnietenarmband jährlich zur Polizei-Faschings/Karnevalsparty aus der Kammer geholt. Boah, ich könnt kotzen. Naja, zurück zum Slayer-Riff & Co: Da gehört schonmal ’ne Menge Übung dazu, das so hinzukriegen. Ich vermute mal, dass es in dem Kaff, aus welchem die Jungs herkommen, weder einen Sakteplatz noch ’ne ordentliche W-Lanverbindung gibt. Und wenn die da auch noch so Polizei haben, die Nagelnietenarmbänder konfisziert, was bleibt einem da bloß noch übrig, als frustriert in die Gitarrensaiten zu greifen, auf dem Schlagzeug zu hämmern und hasserfüllt die Wut aus dem Leib zu brüllen. Die beteiligten Labels: Dingleberry Records, Sell Your Soul Records, Dark Omen Records, Wooaaargh, Drown Within Records, Holy Goat Records, Shalosh Cult und Vetala Productions.
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Old Soul – „Blue Heron 12inch“ (Dingleberry Records u.a.)

Nach den letzten beiden Split-Scheiben wird es nun mal wieder Zeit für ein Solo-Release des Sextetts aus Michigan. Und das ist wohl auch leider das letzte Lebenszeichen der Band, die Jungs haben auf dem diesjährigen Fluff womöglich ihre letzte Show gespielt. Schade.

Nun, rein optisch ist das Artwork schon mal ein richtiger Hingucker, auch die beiliegenden, mit farbenfroher Malerei verzierten großformatigen Poster-Blätter sind total schön anzusehen, zudem erfreuen sich die geschundenen Augen an der großen Schriftgröße. Auf einem Papierbogen sind die Texte der vier Songs und sonstige Infos zur Platte abgedruckt, auf dem anderen Bogen könnt ihr die Fabel Dance Of The Great Blue Heron lesen. Die Geschichte über den Blaureiher zieht sich durch das ganze Album wie ein roter Faden hindurch, vom geheimnisvollen Artwork bis hin zu den bildhaften Lyrics. Da kann man wohl von einer Konzeptplatte sprechen.

Auch musikalisch werdet ihr auf eine intensive epische Reise durch eine geheimnisvolle, mystische Fabel-Welt mitgenommen. Die atmosphärische Mischung aus Post-Hardcore, Screamo, verträumtem Post-Rock, düsterem Black-Metal und etwas Shoegaze ist stimmig und spannend aufgebaut, so dass auch bei den langgezogenen Instrumentalparts niemals Langeweile aufkommt. Hypnotisierend schrauben sich diese Parts mit jedem weiteren Durchlauf ins Gehör. Die vier Songs erreichen eine Spiellänge von knapp 28 Minuten, wirken aber niemals unnötig langgezogen. Gekonnt werden Midtempo-Parts mit Highspeed-Blackmetal kombiniert, dazwischen kommen atmosphärische Dreamo-Passagen zum Zug, höllisch gut. Für den kommenden Herbst könnte diese Platte ein treuer Begleiter werden. Wenn ihr auf Bands wie Ostraca, City Of Caterpillar, New Day Rising oder Deafheaven steht, dann solltet ihr diese Platte hier unbedingt anchecken!

Das Ding erscheint in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Maniyax Records, Zegema Beach Records, IFB Records und Mosh Potatoes.

8/10

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Mont-Doré – „Fractures“ (Black Basset Records)

Kleine Randnotiz: Mont-Doré stammen wie das Label Black Basset Records aus Brüssel. Die Review-Anfrage kam zeitgleich mit den schrecklichen News über die Terroranschläge in Brüssel. Obwohl in der Hauptstadt des Königreichs Belgien das totale Chaos herrschte, traf die CD dennoch  ein paar Tage später per Post ein. Gruselig. Dazu erinnert das wellenförmige Bandlogo an einen Poststempel, verglichen mit dem Poststempel vom Briefumschlag unterscheiden sich die beiden wellenförmigen Gebilde lediglich um zwei Linien. Zudem wirkt der EP-Titel im  Zusammenhang mit den traurigen Geschehnissen ebenfalls ziemlich nach, so dass es mir bei den ruhigen Eingangsklängen kalt den Rücken runterläuft. Und dann entdecke ich noch den Satz im Presseinfo, der mir den Rest gibt: FRACTURES – an album for the days after the „day after“. A remedy that should be screamed.

Nun, die im DIY verwurzelte Band Mont-Doré gibt es seit 2012, bisher wurde eine EP veröffentlicht und einige Shows gespielt, u.a. mit Celeste, Birds In Row und Death Engine. Möglicherweise hat sich dabei auch ergeben, dass Death Engine-Sänger Mik beim Song What You Gave Me Is Not A Gift mitwirken durfte. Übrigens, wenn man den Bandnamen googelt, landet man auf einer Tourismus-Seite eines Bergdörfchens in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Keine Ahnung also, was sich hinter dem Bandnamen verbergen könnte, Mont-Doré könnte auch so was ähnliches wie „goldener Berg“ bedeuten. Nun, die EP erscheint als LP, CD, Digital und auf Tape, dabei könnte ich mir vorstellen, dass das Albumcover im Vinylformat noch mehr Wirkung zeigt als auf der mir vorliegenden CD. Das Albumartwork kommt als Siebdruck auf dickem Karton sicher geil. Die symbolträchtige  Illustration stammt übrigens von einer Künstlerin namens Safia Bahmed-Schwartz.

Nach einem eher sanften Auftakt wird es beim zweiten Stück Don’t Go Wasting Your Devotion gleich mal etwas lauter. Da kommen Einflüsse aus dem Screamo, Punk, Hardcore, Post-Rock und Blackmetal zum Zug. Neben hektischem, manchmal unkoordiniert wirkendem Getrommel entzücken v.a. die verträumt gespielten Gitarren, die sich im nächsten Moment zusammen mit den Drums wie eine ratternde Wäschetrommel im Schleudergang anhören, bevor sie wieder richtig fett melodisch rotieren. Dazu der Gesang, der zwischen Leiden und Wut hin und herpendelt. Beim Song Of Course You Are erinnern mich die Gitarren am Anfang übrigens ein wenig an den Songanfang von Hier Kommt Alex von den Toten Hosen, aber dafür braucht man viel Phantasie. Auf der sieben Songs dauernden Reise wird es jedenfalls kaum langweilig, da die Jungs es raushaben, zwischen den Stilen hin und her zu pendeln und dabei die Spannung aufrecht zu erhalten. Selbst wenn die Gitarren mal zurückgefahren oder komische Math-Effekte eingebaut werden, hat man nicht das Bedürfnis, weiterzuswitchen. Zum Schluss muss ich dann doch nochmal mit Angeberwissen aus dem Promozettel nerven: für den satt abgemasterten Sound ist Magnus Lindberg von Cult Of Luna verantwortlich. Die Jungs spielen übrigens die kommenden Tage ein paar Shows, u.a. steht ein Auftritt auf dem Miss The Stars Fest an.

8/10

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Ondt Blod – “Finnmark” (Loyal Blood Records)

Ondt Blod - FinnmarkEs muß so Anfang/Mitte der 90er gewesen sein als ich zum ersten Mal Refused, Final Exit, Turbonegro (Ende der 90er) gehört habe. Dadurch kamen auch die ganzen Burning Heart Bands ans Tageslicht, selbst dabei waren ein paar verdammt gute Bands, z.B. 59 Times The Pain, Bomshell Rocks, The (International) Noise Conspiracy, etc. Dann kam die ganze Schwedenrock Welle und mir war klar, daß Skandinavien das Paradies für jegliche Art von Rockmusik sein muß. Ich meine es ist schon auffällig, wenn Bands wie Disfear, Wolfbrigade, Victims, etc. aus einem Land kommen, oder? Ich hab damals vermutet, daß die Menschen in Skandinavien in der langen und dunklen Winterzeit irgendwas tun müssen um die Zeit irgendwie rumzukriegen. Ein Freund meinte das würde an den sehr guten Förderprogrammen für Jugendliche liegen. Da gibt es Zuschüsse für Proberäume, Unterstützung für jugendliche an Schulen. Ich hab nicht geprüft ob das stimmt. Hoffe aber daß es so ist und ich würde mir wünschen daß es solche Förderprogramme in jedem Land geben würde. Weiterlesen

Atrament – „Eternal Downfall“ (Broken Limbs)

Cover AttramentWer kennt das nicht? Manchmal stören einen Kleinigkeiten bei einer sonst guten Sache. Diese Kleinigkeiten könnte man vielleicht ignorieren. Aber nein, man schaut (oder hört) noch genauer hin und findet dann dieses und jenes, was man vorher vielleicht nicht bemerkt hätte.

Attrament aus den U.S.A. (Kalifornien, Oakland) spielen eine Mischung aus (gutem) D-Beat/Crust und (norwegischem) Black Metal. Mich haben sie etwas an das letzte Album von Wolfbrigade („Damned“) erinnert, was unter anderem an dem fetten und sehr gut produzierten Sound liegt. Die Songs haben ein ordentliches Tempo und bieten in dieser Hinsicht ein gutes Brett. Das Tempo wird fast durchgehend gehalten und es gibt in dieser Hinsicht nichts zu meckern. Der Black Metal Einfluß wird unter anderem durch einige Gitarrenparts und den Typischen Gesang deutlich, dies ist für mich der zu Beginn erwähnte Störfaktor. Für den D-Beat/Crust Bereich ist dies zwar etwas besonderes, dadurch ist es aber auch schwieriger etwas vom Text zu verstehen. Weiterlesen