Bandsalat: Cassus, Empowerment, Exploding Head Syndrome, Futbolín, Ghost Spirit & Frail Hands, Revaira, Sans Visage, Whiteriver

Cassus – „Separation Anxiety“ (Dog Knights Productions) [Stream]
Manche Juwelen verschwinden auf der Festplatte und werden erst wieder beim lange auf die Bank geschobenen Ausmisten entdeckt. Obwohl mir die This Is Dead Art; This Is Dead Time; But We May Still Live Yet sehr gut im Gedächtnis geblieben ist und auch ’ne IFB Records-Anfrage zu diesem Release im Postfach landete, fand ich für dieses Album bisher irgendwie kein Gehör. Verdammte Hacke, das ist echt mal traurig! Da draußen sind sicher so viel geile unterstützenswerte Bands, die man leider aufgrund permanenten Zeitmangels weder selbst entdeckt noch an interessierte Leute weiterempfehlen kann. Jahre später hörte ich also erstmals in Separation Anxiety rein und war sofort hin und weg! Die Gitarren schwurbeln, plinkeln, drehen durch und schneiden scharfe Schnitte in die Landschaft, dazu gesellen sich arhythmmische Drums, wildes Geschrei und oft auch cleane, fast gesprochene Passagen. Wenn sich dann auch noch der Bass seine Bahn spurt und im nächsten Moment ein Blackmetal-Part losbricht, dann gibt es kein Halten mehr. Allerfeinster Screamo mit ’nem fetten Emocore-Touch! Ancheckpflicht, am Besten natürlich auf Vinyl (um das ich mich auch mal schnell kümmern sollte).


Empowerment – „Bengalo“ (End Hits Records) [Stream]
Falls ihr mal die Möglichkeit haben solltet, Empowerment irgendwo in Stuttgart live zu sehen, dann versteht ihr, warum die Schwabenmetropole auch vielerorts als Kessel bekannt ist. Die Live-Shows sind schweißtreibend, meistens knäueln sich mehrere verschwitzte Leiber irgendwo rund ums Mikro von Sänger Jogges, der in der durchdrehenden Meute all seine Wut und Frustration raus lässt. Was mit der Band Sidekick einst begann und wuchs, wird jetzt bei Empowerment intensiviert. Stu York-Hardcore vom Feinsten! Die Typen leben das wirklich, was sie da singen und haben über die Jahre eine feste Szene aufgebaut, die ohne Freundschaft und Zusammenhalt längst nicht mehr existieren würde. Zudem haben die Jungs ihren eigenen Kopf und sagen auch direkt raus, was ihnen gegen den Strich geht, da brauchen sie keine Social Media-Kanäle dafür. Die Message kommt auch so an! Das für kompromisslosen Hardcore-Punk unübliche Coverartwork weckt Erinnerungen an ein x-beliebiges 90er-Pop-Album. Aber Bengalo ist mit seinen 13 Songs alles andere als Pop, wenn man mal das Hip Hop-Stück Mensch ist Mensch außen vor lässt. Das Album gleicht eher einem Hass-Batzen, der direkt aus der Gosse kommt, sich brachial und ehrlich gegen alles abgrenzt, was im Hardcore und auch anderswo absolut nichts zu suchen hat. Das ist nicht nur ein allgemeines Gesellschaftsproblem, denn auch in der Hardcore-Szene ist es viel zu selten geworden, dass unmissverständlich klar gemacht wird, dass Faschismus, Rassismus, Diskriminierung oder anderweitige Ausgrenzungen nicht geduldet werden. Vom Sound her bewegen sich die Stuttgarter auf altbewährten New York-HC-Pfaden. Die Cro-Mags waren ja schon zu Sidekick-Zeiten ein großer Einfluss, Merauders Master Killer-Album scheint es den Jungs auch enorm angetan zu haben. Neben den walzenden fetten Gitarren kommen auch die manchmal eingestreuten melodischen Gitarren wie z.B. bei 161 oder Nichts als Instinkt  ziemlich geil. Ach ja, im Digipack-Textheftchen ist es ein bisschen störend, dass die Reihenfolge der Songs ein wenig durcheinander ist, aber mit ein wenig Logik packt man das schon! Übrigens: dass der Zusammenhalt und die Freundschaft unendlich groß ist, zeigen auch die vielen Gastbeiträge (z.B. Marcel/ABFUKK und Sniffing Glue, Matti/NASTY, Florian/AYS). Fettes Album, macht mal wieder Lust, die Jungs live zu sehen!


Exploding Head Syndrome – „Everyone’s A Target“ (Big Day Records) [Stream]
Hier kommt mal wieder ein Hardcore-Leckerbissen aus Norwegen, genauer gesagt aus Oslo. Wow, zwei Songs, die großen Appetit auf mehr machen! Die Gitarren kommen so scharf um die Ecke, mal dissonant, mal melodisch, die Drums prügeln sich den Weg frei und der Sänger hat genau den Dreh zwischen Wut und Melodie raus. Dazu kommen diese melodischen Momente, die man auch bei anderen norwegischen Bands wie z.B. den großartigen Amulet zu schätzen wusste. Überhaupt, Amulet dürften sicherlich zu einem der Haupteinflüsse des Quintetts zählen. Obwohl die Band schon seit 2010 unterwegs ist und bereits zwei Alben und eine EP erschienen ist, brauchte es doch den Schlag mit dem Hammer in Form einer Besprechungsanfrage, um auf die Band aufmerksam zu werden. Bumm, Exploding Head Syndrome sind ab sofort gespeichert, bin sehr gespannt, was man von den Norwegern nach dieser EP zu hören bekommt!


Futbolín – „Shy Guys, Malmo Days“ (diNotte Records) [Name Your Price Download]
Das farbenfrohe Pop-Art-Cover springt direkt ins Auge und wenn man die durchdrehenden und etwas dissonanten Gitarrenläufe des Openers hört, dann glitzern erstmal die Äuglein auf. Nach den wilden Gitarren vom Anfang bleibt es spannend, ein abgedrehtes Keyboard gesellt sich zum Zappelsound, keifender Gesang und treibende Gitarren dürfen auch nicht fehlen. Ganz schön groovig und tanzbar, geht sofort ins Ohr. Obwohl die Songlängen der fünf Songs zwischen eineinhalb und zweieinhalb Minuten liegen, verwurstet die Band in einem Song mehrere Ideen, so dass es wirklich ein sehr kurzweiliger Spaß ist. Twinkle Gitarren dürfen natürlich auch nicht fehlen und dann immer wieder diese experimentellen Keyboardeinschübe. Und immer wieder regiert Noise und Chaos, trotzdem bleibt es eingängig wie Sau. Knapp zehn Minuten Spielzeit sind in diesem Fall natürlich viel zu wenig, von dieser Band will man noch viel mehr zu hören bekommen. Also, schaut mal bei Youtube ein paar Videos an, live brennt da wahrscheinlich die Bude. Kaum zu glauben, das nur drei Jungs so eine Energie freisetzen! Also erstmal vom Name Your Price Download Gebrauch machen und dann hoffen, dass man irgendwie an die sicher geil aussehende 10inch der Band aus Verona ran kommt!


Ghost Spirit & Frail Hands – „Split“ (Twelve Gauge Records & Blue Swan Records) [Name Your Price Download]
Wenn ihr mal wieder zwei interessante Bands aus dem emotive Screamo-Bereich entdecken wollt, dann solltet ihr euch dieses Split-Album hier mal reinziehen. Mir blieb jedenfalls beim Antesten des Downloadlinks der Anfragemail erstmal die Spucke weg! Beide Bands haben schon vor der Split jeweils ein Album veröffentlicht. Nun, Ghost Spirit kommen aus Los Angeles und zünden mit sechs Songs ein richtig emotionales Feuerwerk. Die Bandmitglieder haben jedenfalls schon reichlich Erfahrungen in anderen Combos gesammelt (Lord Snow, Tower of Silence, Seeing Means More und Letters to Catalonia), das erklärt einiges. Dieses leidende und fast flehende Geschrei, dazu diese zauberhaften Gitarren, das arhythmische Getrommel und die tollen Basslines. Intensiv, melancholisch, spannungsgeladen, ein Sturm! Frail Hands aus Halifax/Kanada bringen ebenso die Äuglein zum Leuchten. Auch hier haben die Bandmitglieder schon Band-Erfahrung (King’s Girls und Heisse). Die matschigen Gitarren, das hektische Getrommel mit viel Crashbecken, die leidende Sängerin am Mikro schreit sich den Hals blutig! Heftig geil! Frail Hands sind ein wenig krasser unterwegs, kommen aber nicht minder überzeugend rüber. Ein richtiges Fest ist das hier! Eine Wucht von Split, die hätte ich gerne auf Vinyl!


Revaira – „In Between“ (Redfield Digital) [Video]
Obwohl die Band aus Hamburg auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, war mir Revaira bis zum Zeitpunkt der Redfield Digital-Besprechungsanfrage bisher kein Begriff. Also, kurz mal reingehorcht und direkt hängengeblieben. Revaira machen ziemlich fetten Metalcore, auf der einen Seite regiert das Brett, auf der anderen Seite werden immer wieder melodische Momente und atmosphärische Parts mit eingebaut. Vom Songwriting her bleibt das Ganze schön abwechslungsreich. Dort ein Break, da ein paar fette Grooves, als Kontrast zum bösen Gegrowle immer wieder cleane Vocals, die mit Leidenschaft gesungen werden. Auch textlich hat sich die Band Gedanken gemacht, es geht um die Höhen und Tiefen im Leben, wobei der erste und der letzte Song die Höhen und die Tiefen verkörpern und alle Songs dazwischen das symbolisieren, was zwischendrin läuft. Hier wären wir wieder beim Albumtitel In Between angekommen. Verschachtelt, ausgeklügelt im Sound und den Lyrics, dazu eine oberfette Produktion. Das ist so ziemlich das spannendste, was ich in dem Genre in den letzten Jahren von einer deutschen Band gehört habe, das kann locker international mithalten!


Sans Visage – „Moments“ (Zegema Beach Records) [Stream]
Nach zwei Demos, zwei Splits und diversen Samplerbeiträgen kommt nun das Debutalbum der Band aus Tokio. Insgesamt elf Songs hat das Trio in den letzten drei Jahren geschaffen. Und die dürften jeden Screamo-Fan begeistern, denn hier ist alles drin, was das zerbrochene Herz begehrt. Der Gitarrensound hat diese 2000-er Nostalgie und lässt an Bands wie Loma Prieta, Battle Of Wolf 359 oder La Quiete denken. Zwischen chaotischen Ausbrüchen mit wildem, arhythmischem Getrommel und gekreischten Vocals wird auch immer mal mit Cleangesang gearbeitet und das Tempo rausgenommen, so dass die Gitarren interludeartige Parts von der Rippe brechen. Das sind dann die besonderen melancholischen Momente. Wer auf intensiven, emotionsgeladenen Screamo abfährt, wird mit diesem Album glücklich werden!


Whiteriver – „Warmth“ (Redfield Digital) [Stream]
Die Band aus Siegen hatte wohl nach dem Release des 2016er Debutalbums einige Besetzungswechsel inklusive zweifachem Sängeraustausch zu verkraften. Praktisch ist es ja eigentlich schon, dass sich im Melodic Hardcore fast alle Sänger ähnlich anhören und einfach mal kurz ausgewechselt werden können. Jedenfalls ist so eine Bandlaufbahn natürlich extrem frustrierend. Wenn man das beim Anhören der insgesamt zwölf Songs im Hinterkopf behält, dann kann man sich an der Hartnäckigkeit der Jungs freuen, viele Bands werfen schon nach dem ersten Mal entnervt hin und lassen die Songs vergammeln. Whiteriver klingen auf Warmth trotz der Besetzungsprobleme erstaunlich frisch. Der Melodic Hardcore schielt auch hin und wieder Richtung Ambient, wird atmosphärisch und geht Experimente ein, wirkt fast schon progressiv. Dadurch kommt reichlich Abwechslung in die Sache. Auch textlich haben sich die Jungs Gedanken gemacht, hinter Warmth steckt eine Art Konzept. Die Songs Vesna, Lato, Fall und Hiver spiegeln die vier Jahreszeiten wieder, durch die bildhafte Sprache wird Bezug auf Gesellschaftskritik, Rache, Reue, Orientierungslosigkeit und Sehnsucht nach Freiheit hergestellt. In einer Spielzeit von 41 Minuten wird es jedenfalls selten langweilig, durch die oben beschriebenen Stilelemente sind die Songverläufe nicht vorhersehbar. Ach ja, und die Gitarren haben ein schönes Spektrum drauf, von ruhig bis episch bis hin zur zerstörenden Gitarrenwand! Hört da doch mal rein, die Band hat da viel Arbeit reingesteckt!


 

Highlights des Jahres 2016

2016-best-of-2016Ups, schon wieder ein Jahr rum? Ja, ich gehöre zu der Sorte Mensch, die das erst mitbekommt, wenn draußen die ersten Silvester-Böller gezündet werden und schon die ersten Promi-Toten 2017 auf Facebook gepostet werden. Und das, obwohl einige meiner Schreiber-Kollegen und Kolleginnen bereits Ende November erste Best-Of-Listen unter die Leute ballern. Spätestens dann werde ich nervös und spiele mit dem Gedanken, dass ich dieses Jahr gar kein Best-Of mache. Aber irgendwie kitzelt es mich dann doch und ärgere ich mich wegen der Nichteinhaltung des guten Vorsatzes des aktuellen Jahres, ein paar liebgewonnene Platten schon während des Jahres auf eine Liste zu schreiben. An diesem Punkt angekommen, setzt meine Zwangsneurose ein: Sicher gibt es die ein oder andere tolle Platte, die mir durch die Lappen gegangen ist. Oder zu wenig gehört habe, um sie lieb zu gewinnen. Z.B. das tolle Touché Amore-Album, aber das führt ja eh jede Bestenliste an. Kann also unter den Tisch fallen? Genauso das durchaus gelungene American Football-Album, das ich auch noch besprechen wollte, aber nicht mehr dazu gekommen bin. Menschliches Versagen! Ganz zu schweigen von den zwischen-den-Jahren-Veröffentlichungen, die ebenfalls auf der Strecke bleiben. In der 2016-er Liste sind deshalb auch Sachen drin, die schon 2015 erschienen sind. So eine Best-Of-Liste ist eigentlich niemals vollständig, weil es da draußen eben so viel unentdeckte Releases gibt, die das Zeug zum Album des Jahres haben. Ja, das beste Album des Jahres könnte wirklich von ein paar Losern stammen, die ihr heute morgen im Bus oder in der U-Bahn vom Sitz gescheucht habt, um selbst einen Platz zu bekommen. Aber bevor ich euch jetzt mit blödem Zeug nerve, gibt es hier die wahrscheinlich unvollständigste Best-Of-Liste im gesamten Internetz. Ohne Touché Amore und American Football. Dafür aber mit dem ein oder anderen Release aus 2015.

Nun, dieses Jahres-End-Ding ist auch immer eine schöne Gelegenheit, um all den netten Menschen Danke zu sagen, die diese Seite hier durch ihre Unterstützung am Laufen halten. Mein unendlicher Dank geht an dieser Stelle natürlich in erster Linie raus an euch Leserinnen und Leser. Tausend Küsse auch an alle Labels, die Bands und die Promo-Menschen, die Vinyl, CD’s, Tapes, Zines, Shirts, Digital-Downloads & sonstiges abgefahrenes Zeugs rumgeschickt haben. Ihr seid wahnsinnig! Dicke Props natürlich auch an meine Schreiber-Kollegen und Kolleginnen. Und ja, 2016 hatte neben den vielen musikalischen Highlights auch genügend Scheiße im Gepäck. Wie schon die Cro-Mags einst treffend prophezeiten: World Peace Can’t Be Done. In diesem Sinne: Macht euch keine Sorgen, 2017 wird schon irgendwie laufen, wenn ihr nur lieb zueinander seid! Weiterlesen

Bandsalat: Cassus, Empress, Endzweck, Great Lakes USA, Jank, Mace, Ornaments, Prophet Said I

Cassus – „This Is Dead Art; This Is Dead Time; But We May Still Live Yet“ (React With Protest u.a.) [Name Your Price Download]
Wenn ihr mal wieder richtig gut abgehenden Screamo/Skramz hören wollt, der dazu noch schöne Klimperpassagen mit etwas Gesang drin hat, dann kommt ihr am  Debutalbum dieser Band aus  Norwich/UK keinesfalls vorbei. Ich liebe diesen Sound! Zuerst wird man von schrammelnden Gitarrenwänden und hektisch geknüppeltem Schlagzeug an die Wand gedrückt und hemmungslos angekreischt, bevor man mit knödelnden Bassmelodien und beinah schon whiny gesungenen Passagen unbemerkt ins Midtempo gleitet, nur um sich anschließend in einem höllischen Inferno wiederzufinden. Verdammt intensives Brett mit 100% Emofaktor!


Empress – „Swan“ (DIY) [Stream]
Im Keller aufgenommen und in alter DIY-Manier selbst auf Tape veröffentlicht bekommt ihr hier sechs erste Songs einer noch ziemlich neuen Band aus der Alpenregion auf die Ohren. Drückt man auf Play, dann wird unmittelbar klar, dass hier alte Hasen am Werk sein müssen. Groovig und mächtig klackert der Sound aus den Lautsprechern, das erinnert teilweise an diesen vertrackt-groovigen New York-Hardcore, den man so Mitte der Neunziger zu hören bekam (z.B. Leeway), allerdings in modernerem Gewand (so in die Silent Drive-Richtung) und mit ein paar echt pfiffigen Songarrangements. Dazu gesellen sich teils moshige Gitarren, ein polternder Bass und persönliche bis politische Texte mit positiver Message. Bis auf einen deutschsprachigen Song wird in englisch gesungen. Dass die Jungs mit Herz und Verstand bei der Sache sind, zeigt übrigens nicht nur die Musik, ich zitiere mal von der Facebook-Seite der Band: DIY Hardcore mit viel Liebe zum Menschsein, zu Freundschaft und zu subkulturellem Engagement fernab der instrumentalisierten Plastikkultur in der wir leben. Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen. Am Besten gefällt mir das Quartett übrigens, wenn wie bei den Stücken Black Swan und Dreams Get Thin While Time Is Killing Hope auch mal kraftvoll gesungen wird und ein paar Spoken Words eingeschleust werden. Falls ihr euch nun fragt, in welchen Kappellen die Jungs vorher gezockt haben, dann kommt hier die Auflösung: El Camino Car Crash, Semana Santa und Bang, Bang You Dead.


Endzweck – „Tender Is The Night“ (Cosmicnote) [Stream]
Keine Ahnung, wann ich erstmals mit der japanischen Band Endzweck in Berührung kam, es muss so ungefähr um die Jahrtausendwende herum gewesen sein, die Band existiert bereits seit 1997. Seit diesem ersten Kontakt war ich von der Band aus Tokio begeistert, denn Endzweck gehört zu dieser Sorte Bands, die mit ihrer Mucke dafür sorgt, dass Dir die Kinnlade nach unten klappt, sobald das Zeug aus den Lautsprechern an Dein Gehör gelangt. Schade irgendwie, dass man außerhalb Japans in den letzten Jahren nicht so viel von dem Quintett mitbekommen hat, denn Touren im Ausland fanden aus unterschiedlichen persönlichen Gründen in jüngster Zeit keine mehr statt. Dementsprechend erfreut war ich, als ich Ende letzten Jahres per Zufall von dem neuen Album der Band erfuhr. Und erneut schaffen es die Japaner mit ihrem erfrischenden und doch so emotionalen Sound, auf ganzer Linie zu überzeugen. Angefangen von der göttlichen Produktion, für die mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden verantwortlich ist, bis hin zu den perfekt arrangierten Songs. In diese Gitarren könnte ich mich reinsetzen, die toppen echt alles, dazu das herzzerreißende Geschrei von Sänger Takashi, lustig auch die vielen Gastmusiker, u.a. Damian/As Friends Rust und Dave/Unbroken. Am ehesten lässt sich das Zeug von Endzweck als eine Mischung aus Bands wie z.B. Children Of Fall, Newborn, Shai Hulud, As Friends Rust, frühen Boy Sets Fire oder alten Envy beschreiben. Emotionaler Post-Hardcore trifft auf Melodic Hardcore und etwas Screamo, das Ding läuft echt rund!


Great Lakes USA – „Stumbling Distance“ (Coffebreathandheartache) [Name Your Price Download]
Irgendwie scheinen die Jungs seit dem 2012er Debutalbum nochmal ’ne Schippe rotziger geworden zu sein, denn die sechs Songs pfeffern ganz ordentlich. Immer noch im melodischen Emo-Punk zuhause, kommen auch immer wieder schöne Melodycore-Parts zum Vorschein, da hört man Einflüsse von Audio Karate, mittleren Hot Water Music, Rise Against und Against Me genauso raus, wie die Hardcore-Nähe zu Bands wie Kid Dynamite, Good Riddance und Strike Anywhere.


Jank – „Awkward Pop Songs“ (Funeral Sounds, Honest Face Records) [Name Your Price Download]
Catchy Emopunk aus Philadelphia, der das Zeug hat, jede Nerd-Party zum Kochen zu bringen, inklusive e-Mail-Check-Verschnaufpause beim Song Loading Screen. Ganz klar sind hier Algernon Cadwallader große Vorbilder, aber man hört auch Samiam oder Foo Fighters-Riffs raus, während an manchen Stellen geschrammelt wird, als gäbe es keinen Morgen. Zudem gesellt sich bei fast allen Songs ein grungiger Pop-Appeal dazu, der Dein Herz mit Sonnenschein flutet, ohne dass es Dir jemals peinlich sein müsste. Wenn dann noch die Surf- und Hippieklampfe rausgeholt wird, dann kann man den kurzen Abstecher zu Mars Volta schnell wieder vergessen. Diese elf Songs sollte man sich für den kommenden Sommer schon mal auf’s spritzwassergeschützte Tape ziehen.


Mace – „Demo“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wow, ’ne Demo von einer neuen Band aus Chicago mit richtig schön abgehendem Oldschool Hardcore-Punk, der mit ein paar Crust-Elementen angereichert ist. Das Artwork spricht Bände. Die geben echt ganz schön Gas, bei neun Songs in acht Minuten werden keine Kompromisse gemacht. Da scheppert und rumpelt es, die Gitarren werden so schnell runtergezockt, da ist die Sehnenscheidenentzündung garantiert. Auch noch geil kommt die richtig angepisste Sängerin, die manch männlichem Kollegen die Augen öffnet und erstklassig demonstriert, wie Angepisstheit und Wut effektvoll umgesetzt werden sollte. Geile Demo.


Ornaments – „Stories to Weather and Storms to Tell“ (DIY) [Freier Download]
Das Albumcover war mal wieder Schuld, dass ich bei Ornaments erster EP etwas länger verweilte. Neulich war ich nämlich mit meinen Kindern auf einer Veranstaltung, bei welcher mit Gas befüllte Luftballons verteilt wurden. Es dauerte keine 10 Minuten, da entwischte auch schon einer dieser umweltzerstörenden Kunststoff-Ballons den zarten Kinderhändchen meines Nachwuchses. Als ich die Tränen in den Augen der Kinder sah, erinnerte ich mich schlagartig an meine eigenen Erfahrungen mit eigenwilligen Luftballons, die gern rausfliegen, um irgendwo ihr Leben auszuhauchen. Nun, hinter diesem Kunstwerk steckt sicher eine ähnliche Erfahrung, vielleicht auch mit symbolischem Charakter. Naja, egal, die fünf Songs der noch ziemlich jungen Band aus Long Island gefallen mir jedenfalls enorm. Checkt das Ding an, wenn ihr auf 2000er Bands wie Hopesfall, Ghost Of A Thousand oder Recover steht, aber auch Bands wie Pianos Become The Teeth oder La Dispute mögt.


Prophet, Said I – „The Dread“ (DIY) [Freier Download]
Oh Mann, diese Platte ist so kurzweilig und schnell wieder vorbei, obwohl insgesamt zehn Songs darauf zu hören sind. Die letzte EP der Band aus New Jersey gefiel mir ja bereits ziemlich gut, aber die Songs auf The Dread  setzen dem noch eins drauf. Schade, das erste Album der Band wird wohl auch das letzte sein, mittlerweile wurde leider die Auflösung bekannt gegeben. Nun, musikalisch bewegt man sich im Jahrtausendwenden-Post-Hardcore, dazu kommen ein paar aktuelle Post-Hardcore und Emo-Einflüsse, von rasend schnell bis Midtempo und verspielten Gitarren ist alles abgedeckt. Thrice treffen auf Audio Karate, linsen dabei bei La Dispute um die Ecke und laufen direkt dem wilden Mob von As Friends Rust in die Arme. Hört euch nur mal den genialen Song Trains Derail  an, danach werdet ihr euch das Ding eh ohne zu Zögern direkt auf die Festplatte zippen.