Bandsalat: Goldzilla, I Like Young Girl, Knowhere, Maria Taylor, The Run Up, Stray From The Path, Stumfol, Turnover, White Crane

Goldzilla – „Goldzilla Vs. Robohitler“ (DIY) [Stream]
Was mir da nach erstem Mailkontakt in den Briefkasten geflattert kam, das gibt es auch nicht alle Tage! Ein wunderschönes, kleines Päckchen, nicht größer als eine ultrafette Digipack-CD. Mit goldener Farbe angesprüht, vorne drauf ein aufgeklebtes Polaroid-Foto. Ich mach jetzt einfach mal ein kleines Unboxing-Resumee: aus dem Paket purzelt ein in goldener Farbe angesprühtes Tape im Pappschuber, dazu gibt’s einen Anstecker aus Metall, ein paar nette Aufkleber und eine individuell für mich bedruckte und handbeschriebene Goldzilla-Postkarte. Wow, das ist wirklich ein Care-Paket der Extraklasse! DIY wird bei Goldzilla offenbar ganz groß geschrieben. Schaut euch mal das coole Video zum Song Dieter stolpert an, da kann jede Massenproduktions-Maschine gegen abstinken! Nun, den Anstecker mit dem von Pfeilen durchbohrten Hund hat sich natürlich gleich mein Töchterchen für’s Schülermäppchen unter den Nagel gerissen. Ist das eigentlich Blondi, des Führers geliebte Schäferhündin? Durchbohrt von den Pfeilen des mächtigen Goldzillas? Wahrscheinlich schon, denn als nächster steht ja laut EP-Titel Robohitler auf dem Speiseplan Goldzillas. Überhaupt, Goldzilla hat viele verhasste Gegner, die gnadenlos vernichtet werden sollten. Das erfährt man im liebevoll gestalteten Textblatt, in dem alle in deutscher Sprache verfassten Lyrics nochmals nachgeschlagen werden können. Aber eigentlich nur für den Fall, wenn man sich nicht sicher ist, was denn da gerade wütend rausgebrüllt wurde. Die sechs Songs kommen kämpferisch daher, musikalisch geht das eher in eine punkige Richtung, die Gitarren legen aber zwischendurch auch mal einen stark angefuzzten Tanz auf’s Parkett und klingen ein bisschen nach Stoner, der Bass knattert dabei schön Sludge-mässig rum. Melodische Punk-Gitarrenriffs wechseln sich mit dreckig-rauen und groovigen Passagen, passend dazu tanzt Patrick Swayze in bester Dirty-Dancing-Manier über die Karre von Chief Wiggum und Barbrady, nachzuhören im Song Cops oder Zahlen. Irgendwie kommen mir bei manchen Gitarrenpassagen der drei Berliner*innen auch die frühen Smashing Pumpkins in den Sinn, andere Referenzen wären Muff Potter, Captain Planet, Turbostaat und die frühen Deftones. Checkt das mal an, Goldzilla ist ein Guter!


I Like Young Girl & Knowhere – „Split“ (Rizkan Records) [Stream]
Zwei coole asiatische Bands könnt ihr auf diesem schnuckeligen Release kennenlernen. Beide Bands steuern jeweils zwei Songs im gegenseitigen Wechsel bei! Und die dürften allen gefallen, die auf melodischen Emo mit Indie und Punk-Einflüssen stehen. I Like Young Girl mögen einen etwas hinterfragungswürdigen Namen haben, können musikalisch aber auf ganzer Linie überzeugen. Wenn ich den Bandnamen mitsamt Herkunftsland Japan in eine Internetsuchmaschine eingebe, bekomme ich jedenfalls nur Erwachseneninhalte geliefert, wahrscheinlich bin ich dadurch sogar auf irgendeiner Fahndungsliste gelandet. Dankeschön, ihr Deppen! Okay, nachdem ich neulich das sagenhaft lustige und informative Buch The Tokyo Diaries von David Schumann gelesen habe und dadurch Einblicke in ein unbekanntes Japan der Subkulturen bekam, schau ich mal über den beknackten Namen weg. Gerade auch, weil die Mucke mich alten Sack echt mal bei den Eiern packt. Das Trio klingt so verdammt frisch und catchy! Da möchte man wirklich nochmal jung sein! Diese zuckersüßen aber dennoch melancholischen Schrammel-Gitarren, herrlich! Dazu gesellt sich einfühlsamer Gesang, so dass die zwei Songs eine ganz besondere Stimmung mit sich tragen. Knowhere aus Indonesien hauen musikalisch in eine ähnliche Kerbe. Wow! So frisch, so melancholisch, so melodisch und intensiv. Beim Song Dial N For Nonsense kommen dann noch Bläser dazu, so dass man an Bands wie z.B. Algernon Cadwallader erinnert wird. Tigers Jaw, Nada Surf, The Get Up Kids und I Love Your Lifestyle kommen ebenfalls in den Sinn. Das Ding hier müsst ihr unbedingt mal anchecken!


Maria Taylor – „Selftitled“ (Grand Hotel van Cleef) [Stream]
Es war die November-EP der Band Azure Ray, mit der ich erstmals auf die Musikerin Maria Taylor aufmerksam wurde. Obwohl diese EP bis heute immer wieder mal den Weg in die heimische Anlage fand -vorzugsweise im Herbst- verfolgte ich den weiteren künstlerischen Werdegang Maria Taylors nur so am Rand. Dass die Musikerin auch teilweise bei Bright Eyes mitwirkte und Azure Ray schon mal mit Moby kollaborierten, war mir bewusst und auch die Solokarriere nahm ich zur Kenntnis. Dass mit diesem selbstbetitelten Album hier bereits der siebte Longplayer erschienen ist, überrascht mich dann doch etwas. Da sieht man mal wieder, wie die Zeit vergeht! Mittlerweile hat Maria Taylor Familie und wohnt mit ihrem Ehemann Ryan Dwyer und ihren zwei Kindern in einem kleinen Häuschen in Los Angeles. Im dortigen Wohnzimmer entstanden auch in kuscheliger Homerecording-Atmosphäre die Aufnahmen zu den zehn Songs des neuen Albums. Obwohl Maria Taylor ja als Multiinstrumentalistin bekannt ist und die meisten Instrumente von ihr selbst eingespielt wurden, waren zahlreiche Gastmusiker am Entstehungsprozess beteiligt. Neben Ehemann Ryan Dwyer und langjährigem Freund Louis Schefano sind zahlreiche Familienangehörige und enge Freunde auf dem Album zu hören, selbst Taylors siebenjähriger Sohn steuerte die Grundidee eines Songs bei (Miley’s Song). Kennt man diese Hintergründe und beschäftigt man sich zudem mit den sehr persönlichen Lyrics, dann klingt die Musik umso tiefgründiger und intimer. Bereits der Opener strotzt vor Melancholie und die Vertrautheit setzt spätestens beim tollen Refrain ein. Manche Songs wirken reduziert, es schleichen sich aber immer wieder verspielte Instrumente im Hintergrund ein, so dass es viel zu entdecken gibt. Hört euch z.B. mal den Song New Love an, der hat so ’ne richtig melancholische Gitarrenmelodie. Diese Platte ist genau das Richtige, um es sich bei kaltem Regenwetter zu Hause gemütlich zu machen!


The Run Up – „In Motion“ (Gunner Records) [Stream]
Das zweite Album der Band aus Bristol/UK steckt voller catchy Punkrockhymnen! Soviel schonmal als Spoiler. Insgesamt zwölf Songs voller Leidenschaft sind darauf zu hören. Die Band war in den letzten zwei Jahren permanent auf Tour, hatte demnach genügend Zeit, sich dabei auf’s Detail genau einzuspielen. Und das kann man auf In Motion ohne Zweifel hören. Das tönt nach ungezwungener Leichtigkeit, hier passt jeder Ton, hier sitzt jedes Gefühl! Auch wenn die Melancholie stets zu spüren ist, geht der Band die Energie und Intensität zu keiner Sekunde flöten. Neben den stimmigen Songarrangements sind es v.a. die gefühlvoll aus dem Ärmel gezockten Gitarren, die treibenden Drums und der verletzliche Gesang, der die Platte so groß macht. Da wünscht man sich direkt vor die Bühne, um bei den zahlreichen Mitgröhlgranaten von Gänsehautschauern überwältigt zu werden. Geiles zweites Album mit massig Seele!


Stray From The Path – „Internal Atomics“ (UNFD) [Stream]
Auch wenn Stray From The Path aus New York mittlerweile schon seit 2001 unterwegs sind und seitdem zahlreiche Releases rausgehauen haben, hab ich bisher null Kenntnis von der Band. Schön, wenn man bei Null anfängt, und dann gleich mit so einem wuchtigen Album wie Internal Atomics getroffen wird! Stray From The Path machen eine groovelastige und arschtretende Mischung aus metallischem Hardcore und Hip-Hop. Bevor ihr jetzt abgeschreckt seid und mit Grausen an Bands wie z.B. H-Blockx denkt, dann kann ich euch beruhigen. Das hier klingt eher nach einer Mischung aus mächtigen Gitarrenriffs á la Converge, moshigen Boy Sets Fire und Zeugs wie Rage Against The Machine oder Downset, Fever 333 minus die melodischen Mitsing-Refrains passen eigentlich auch ganz gut als Vergleich. Die Rhythmusmaschine macht hier echt mal ordentlich Dampf, dazu kommen höllisch fette Riffs und Breakdowns am laufenden Band. Und der Sänger klingt an einigen Stellen wirklich mal wie ein extrem wütender Zach De La Rocha. Auch textlich werden permanent Erinnerungen an RATM wach, die Message wird unmissverständlich auf den Punkt gebracht. Stray From The Path behandeln vorwiegend gesellschaftspolitische Themen und regen dadurch hoffentlich ein bisschen zum Nachdenken an. In dreißig Minuten Spielzeit wird hier keine Verschnaufpause eingelegt, das Ding ballert also ordentlich!


Stumfol – „Long Story Short“ (Homebound Records) [Video]
Christian Stumfol verweilte vor ein paar Jährchen mal für einige Zeit in meinem Wohnort, weshalb ich bereits das Vergnügen hatte, den Musiker bei verschiedenen Live-Darbietungen zu erleben. Diese Auftritte sind mir eigentlich ganz gut in Erinnerung geblieben, hauptsächlich aufgrund der emotionalen Stimmung, die der Musiker auf der Bühne bzw. auf dem Floor so verbreitete. Und auch die bisherigen Veröffentlichungen schafften bereits den Weg in die heimische Anlage, obwohl man mich mit Singer/Songwriter-Geheul eher jagen kann. Jetzt kommt via Homebound Records also Album Nummer vier um die Ecke. Und auf den ersten Blick lässt sich sagen, dass es auf Long Story Short noch etwas ruhiger als bisher zugeht, die Rock-Anteile wurden deutlich reduziert. Hatte Stumfol auf Cold Brew noch eine Band im Nacken, ist er hier wieder mehr oder weniger im Alleingang unterwegs. Stumfol klingt wirklich noch amerikanischer, als bisher. Bruce Springsteen, Tom Petty und Konsorten lassen grüßen, ganz stark hat man auch so Zeugs wie Calexico im Ohr. Was den neun Songs auch zugute kommt, sind die kurzen Songlängen. So kommen die Songs schnell zum Punkt und Stumfol hat trotzdem noch einiges zu erzählen. Man hört dem warm klingenden Sound einfach an, dass der Herr für seine Sache brennt und viel Leidenschaft und Herzblut hier drin steckt.


Turnover – „Altogether“ (Run For Cover) [Stream]
Vom Sound ihrer Anfangstage hat sich die Band Turnover ja bereits auf dem Vorgänger Good Nature meilenweit entfernt. So ist die musikalische Fortführung, die man auf dem neuen Album des Trios zu hören bekommt, die logische Weiterentwicklung einer Band, die die besten Tunes aus den eigenen Musikvorlieben zu einer experimentierfreudigen Soundkollage zusammengetragen hat. Ich muss sagen, dass mich das Album beim erstmaligen Durchlauf noch nicht am Haken hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, woran es lag. Die Lautsprecher meiner Anlage fielen auf einer Seite aus, so dass wohl manche Tonlagen verschluckt wurden, was ich aber erst zu spät bemerkte. Runde zwei erfolgte deshalb mit Kopfhörern. Und siehe da: plötzlich klang das Ganze nicht mehr so monoton. Im Gegenteil! Turnover schaffen es auf Altogether auf spannende Art und Weise, verschiedene Musikstile wie z.B. Jazz, Soul, Lounge, Pop, Funk und Disco in ihren verträumten Indie einzuflechten. Dabei entsteht dann so ein ganz persönlicher und intimer Turnover-Kosmos, in dem man sich sicher und geborgen einkuscheln kann. Der Bass schwebt schmetterlingsartig durch die Lüfte, die Gitarren flirren summend hinterher, die Drums takten weich. An manchen Stellen tauchen Keyboards und sogar Bläser auf. Über all dem schwebt die vertraute und smoothe Stimme von Austin Getz. Die Melodien von Hits wie z.B. Much After Feeling, Number On The Gate oder No Reply brennen sich bereits nach ein paar Runden tief in die Gehörgänge ein. Wenn ihr auf Zeugs wie The Whitest Boy Alive, Phoenix, Real Friends oder Zoot Woman steht, dann bekommt ihr mit Altogether ein Album geliefert, das bestens in die dunkle Jahreszeit passt und für etliche entspannte Stunden sorgen dürfte.


White Crane – „The Swaying Kids“ (DIY) [Stream]
Bei manchen Bands merkt man schon aufgrund einer Besprechungsanfrage, wie viel Herzblut in eine Sache gesteckt wird, wie z.B. im Fall der Münsteraner Band White Crane. Und im Verlauf einer weiteren Konversation stellt sich dann auch noch heraus, dass man es mit äußerst sympathischen Leuten zu tun hat, die einen ähnlichen Background zu haben scheinen, wie man selbst. Ebenso freut es mich natürlich unheimlich, dass das Netzwerk funktioniert, denn White Crane wurden durch die Band Tides auf Crossed Letters aufmerksam. Nun, auch wenn ich anfangs ein bisschen zu blöd war, den in der Mail beigefügten Download im unbekannten Dateiformat zu öffnen, hat es letztendlich doch noch geklappt, dass ich in den Genuss kam, die vier Songs der zweiten EP der Münsteraner zu hören. Und das, obwohl mein Gegenüber PC-technisch offenbar über ähnlich laienhafte Kenntnisse in Sachen PC verfügt. Nachdem diese erste Hürde überwunden war, kam mit der Musik des Quintetts die gebührende Entlohnung. Denn die Jungs machen eine wahnsinnig berührende Mischung aus Emorock und Indie. Herrlich altmodisch ist man irgendwo in den späten Neunzigern hängen geblieben. Aufgenommen wurde in der Tonmeisterei, so dass auch bei der Produktion keine Wünsche offen bleiben und sich jedes Instrument frei entfalten kann. Oh ja, diese Gitarren, der gegenspielende Bass, die Drums und der wehmütige Gesang! Da hört man einfach aus jedem Ton die Leidenschaft heraus. Traurig-dramatische Melodien voller Sehnsucht treffen auf ausgeklügelte Songarrangements, mehrstimmige Refrains runden das Ganze ab. Einziges Manko ist hier, dass nach vier Songs schon wieder alles vorbei ist. Wer die Band bisher noch nicht kannte, hat wenigstens noch die Option, die zwei bisher erschienenen EP’s der Jungs anzuchecken. Immerhin ist die Band ja schon seit 2012 unterwegs, da wäre ein ganzes Album natürlich endlich mal angesagt! Wer Bands wie The Promise Ring, Mineral, Reno Kid, Favez, Texas Is The Reason oder frühe Appleseed Cast mag, dürfte auch bei den vier Songs von White Crane zum schnurrenden Kätzchen werden. Ancheckpflicht!


 

Ravaged – „Selftitled“ (Kink Records u.a.)

Die Ratte gilt als intelligentes und robustes Tier, das sich seiner Umwelt anpasst und durch Genmutationen sogar resistent gegen Gift werden kann. Irgendwann, wenn das menschliche Leben durch Umweltkatastrophen und Nervengifte komplett ausgelöscht wurde, wird die Ratte fröhlich und munter über die sich stapelnden und verwesenden Leichen krabbeln. Dieser Gedanke schießt einem beim Betrachten des Coverartworks als erstes durch den Kopf. Im Hintergrund sind die ruinösen Überreste eines Atomkraftwerks zu sehen, davor die fidele Rattenschar, die sich durch den maroden Fabrikzaun aufmacht, um sich in der weiteren und nobleren Umgebung auszubreiten und zu vermehren. Da hat man gleich alte Punk-Slogans wie z.B. Wir sind die Ratten und leben im Dreck, wir sind die Ratten und leben in der Scheiße im Ohr. Den Bandnamen zu entziffern, da braucht es schon einiges an Geschick, denn die Stacheldraht-Optik ist irgendwie drahtig mit dem Fabrikzaun verwoben. Aus dem Inneren der Hülle kommt neben dem schwarzen Gold auch ein Aufkleber zum Vorschein, auf dem sich der Bandname besser entziffern lässt. Ravaged heißt übersetzt ja soviel wie „zerstört“, das passt also ganz gut zur graphischen Aufmachung des Scheibchens.

Nun, Ravaged kommen aus Köln und haben zuvor lediglich ein Tape veröffentlicht, man steht also gerade am Anfang. Die EP hier ist in Zusammenarbeit der DIY-Labels Kink Records, Sengaja Records und Chopped Off Records erschienen, die Band selbst scheint in der DIY-Szene tief verwurzelt zu sein, was schon mal ein dicker Pluspunkt ist. Kaum setzt die Nadel auf, poltert auch schon ein ordentliches Soundgewitter los, das dem Krach in einer scheppernden Großfabrik in nichts nachsteht. Was für ’ne Walze! Sehr metallischer Hardcore an der Schwelle zu Grind und Crust bahnt sich ziemlich straight nach vorn den Weg aus den Lautsprechern. Hat irgendwie so ’nen End-Achtziger-Vibe, als die ganzen Hardcore/Punk/Thrash und Crust-Bands immer metallischer wurden. Crossover sagte man früher dazu, das war aber lange Zeit vor diesem anderen Crossover-Gedöns mit Hip Hop und Hardcore. Dieser Sound hier ist rasend schnell, wütend, roh und räudig. Jedenfalls muss man sich den Sound von Ravaged laut reinpfeifen, dann ist die Wirkung am intensivsten. Als der Gesang bzw. das Geschrei einsetzt, merkt man erstmals, dass hier ein weibliches Wesen die Stimmbänder vibrieren lässt. Nun, im aufklappbaren Cover finden sich die Texte, die mit ein paar weiteren Rattenzeichnungen aufgepeppt wurden. Textlich beschäftigt sich die Band mit den negativen Auswüchsen unserer Gesellschaft, die Machtlosigkeit dagegen wird mit sehr viel Wut und Hass von der Sängerin herausgekreischt. Solltet ihr euch mal zu Gemüte führen!

7/10

Facebook / Bandcamp / Kink Records


 

Dingleberry Records LP-Special: Bennasr Alghandour, Istmo, Verbal Razors

Bennasr Alghandour – „Selftitled“ (Dingleberry Records u.a.)
Puh, das was die zwei Franzosen da machen, ist irgendwie schwer zugänglich, verschroben, experimentell, an den Nerven sägend und zugegeben etwas anstrengend. Das fängt bereits beim Albumartwork an, zu welchem mir rein gar nix einfallen will. Höchstens vielleicht ein mit Photoshop zusammengebasteltes Phantasiewesen aus mehreren Tieren. Das Ding auf der Vorderseite ist ein Hund plus Muschel, die Kreatur auf dem Backcover sieht nach Zebra-Bär-Rind aus. Die einzelnen Teile zerfließen zu etwas Neuem. Ähnliche Elemente findet man bei der Musik der beiden Pariser, die noch bei manchen Songs von Gastmusikern unterstützt werden. Ich werd bei so ’nem verschwurbelten und vertrackten Sound ziemlich schnell nervös und hibbelig, zudem kommen mehrere Instrumente zum Einsatz, man vernimmt schonmal eine Geige, Orgeln oder Synthesizer, das wirkt hektisch. Am nervenaufreibendsten wird es jedoch, wenn wie bei Fade To White oder Le Respect (c’est toujours) Gesang mit dabei ist. Dann lieber instrumental, der Gesang klingt einfach zu lustlos. Rein instrumental kommt das ganze nämlich schön sägend und hämmernd daher, überwiegend mit viel Druck, das Getrommel hat jedenfalls ordentlich Pfeffer. Die sieben Songs wurden live aufgenommen, was wohl auch zum intensiven Feeling beiträgt. Die Jungs geben live sicher ein interessantes Bild ab. Und zugegeben, je mehr Durchläufe man der Platte gönnt, umso mehr erwischt Dich der Noise/Math/Punk/Hardcore/Rock-Klotz an der Birne, aber bis dahin ist es eine Herausforderung. Neben Dingleberry Records erscheint das Ding auf En veux tu? En v’là!, Jungle Khôl, MisèRecords, Hell Vice i Vicious, Gurdulu und Clac Records.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Istmo – „Selftitled 12inch“ (Dingleberry Records)
Das Wort Istmo kommt laut meiner Recherche über einen Online-Übersetzungsdienst aus dem Spanischen und hat seinen Ursprung aus der griechischen Geographie. Isthmus kann mit „Landenge“ übersetzt werden, also der engste Punkt einer Landbrücke zwischen zwei Festlandpunkten, die von Unmengen an Wasser umgeben sind. Solche Stellen eignen sich für den Bau von Kanälen, ein berühmtes geographisches Beispiel ist z.B. der Panama-Kanal. Schon wieder was gelernt! Und jetzt erklärt sich auch das Albumcover, das auf einen schwarzen Karton gesiebdruckt ist. Wieder mal das schäumende Meer, das man in letzter Zeit auf so einigen Albumcovern findet. Nun, auch bei Istmo hat man die schäumende Gischt und das unvorhersehbare Wellengang-Spiel auf dem Schirm, welches von ruhiger See bis tobender Sturmfront mit 8m hohen Wellen reicht. Mir persönlich würde dieses schicke Scheibchen, das im durchsichtigen Vinyl einen schönen Kontrast zur schwarzen Ummantelung bildet, noch besser reinlaufen, wenn etwas Geschrei/Gesang dabei wäre. Rein digital bemustert hätte ich das Zeug der Band aus Bari/Italien eher etwas langweilig gefunden, aber auf Vinyl entwickeln die zwei Songs schon einen gewissen Reiz. Da werden vertrackte Passagen und dynamische Parts entdeckt, da wickelt sich ein mächtiges Riff um Deinen Hals und zieht langsam die Schlinge zu. Nach einigen Durchläufen freundet man sich letztendlich mit dem herbstlich angehauchten Post-Hardcore an, der mit langgezogenen Ambient/Post-Rock-Passagen ausgeschmückt ist. Abwechslung bringen auch ein paar Post-Metal-Parts. Ach so, wiedermal wirken bei diesem Release etliche Labels mit: bookhouse records, Forever True Records, Monte Calvario, Controcanti, Ruffmo Records, Rubaiyat Records, Same Grey Records, Blessed Hands Records, Suspended Soul Tapes And Records, Insonnia Lunare Records und Dingleberry Records.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Verbal Razors – „Misleading Innocence“ (Dingleberry Records u.a.)
Der Nuclear-Assault-mäßige Schriftzug  und das farbenfrohe, fast strahlende Albumcover versetzt mich in eine Zeit zurück, in der man blaues Vinyl nur von den Dimple Minds gewohnt war (Schaut mal wieder das Blau auf’m Bau-Video an, das ist ein Klassiker) und jedes Wochenende ’nen ordentlichen Genickmuskelkater vom Moshen vorweisen konnte. Verdammt, was hab ich die Helmpflicht für Mofas damals verflucht. Fahren mit Helm war sowas von anstrengend, wenn einem die Genickmuskeln wie ausgeleierte Gummibänder vorkamen. Nun, das königsblaue Vinyl kommt natürlich sehr geil, v.a. wenn die schwache Abendsonne auf den Plattenteller scheint. Die mit den Texten bedruckte Innenhülle erinnert mich an diese eine Roxette-Platte (ich glaube „The Look“). Naja, wenn man die Nadel aufsetzt, dann freut man sich an den trashigen Gitarren, den hyperschnellen Drums, die auch mal Doublebass draufhaben und dem oldschooligen Metalgeshoute. Kommt nach dem Emo-Revival endlich das Skate/Thrash/Crossover-Revival an? Wär geil. Zwischen Tankard, Suicidal Tendencies, DRI, Biohazard (die Gangshouts) und Nuclear Assault kommen auch „neuere“ Bands wie Municipal Waste oder Death By Stereo in den Sinn. Erscheint in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Dirty Guys Rock Records, Blodd & Döner und Exu Rei Records.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records