Bandsalat: Bruecken, Chalk Hands, Chin Up, Forkupines, Heart Ovt, Karl die Große, Lesserman & Florals, Ostraca

Bruecken – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Diese noch junge Band aus Oldenburg hat nach einem knappen Jahr Existenz nun ihre erste EP am Start, die live eingespielt und anschließend in der Tonmeisterei gemastert wurde. Die insgesamt fünf Songs kommen jedenfalls atmosphärisch sauber um die Ecke, der Sound klingt dabei sehr lebendig. Aufgrund der deutschen Texte und des vielschichtigen Sounds entdeckt man immer wieder Parallelen zu Bands wie z.B. Fjort oder Escapado, auch der herausgepresste raue Gesang klingt ähnlich. Die Gitarren kommen schön verspielt um die Ecke, hier und da zittert ein Tremolo durch den Raum. Zwischen laut und leise verzücken auch immer die wuchtigen Soundwände, die sich eruptionsartig auftun. Auch der knödelnde Bass weiß zu überzeugen, hört euch mal den Beginn von Tiefenrausch an, das bringt doch die Augen zum Leuchten. Angenehm kurzweilig sind die fünf Songs nach einer Spielzeit von fast 22 Minuten auch schon wieder vorbei. Für Leute, die auf atmosphärischen Post-Hardcore mit Screamo- und Post-Rock-Verweisen stehen, könnte dieses Release hochinteressant sein. Ich bin jedenfalls gespannt, was da noch folgen wird!


Chalk Hands – „Burrows & Other Hideouts“ (Future Void Records) [Name Your Price Download]
Eine intensive Mischung aus Post-Hardcore, Melodic/Emotive Hardcore und Screamo bekommt ihr von dieser neuen Band namens Chalk Hands aus Brighton/UK auf die Ohren. Dass die Band aus der gleichen Stadt wie We Never Learned To Live stammt, kann man auch im Sound der vier Jungs hören. Die zwei Songs haben ähnlich wie ihre Nachbarn eine melancholische Grundstimmung, die v.a. durch die gründlich und ideenreich gespielten Gitarren, dem wuchtigen Drumming und dem leidenden Gesang geschuldet ist, zudem schwappen auch vereinzelt ein paar Post-Rock-Passagen rüber. Ob die Jungs beim Bedienen ihrer Musikinstrumente ins Kreide-Töpfchen fassen, kann ich leider nicht sagen, aber diese zwei Songs machen unheimlich Apettit auf mehr.


Chin Up – „Greetings“ (Cat Life Records) [Stream]
Wenn man in Bonn lebt, dann kommt man vermutlich vor endloser Langeweile auf außergewöhnliche Ideen. So hat sich die Bonner Pop-Punk Band Chin Up die Mühe gemacht, zu jedem der vier Songs ihrer Debut-EP einen Videoclip zu drehen, zudem haben Freunde der Band extra für die Veröffentlichung das Label Cat Life Records gegründet. Das in Eigenregie geschaffene Resultat kann sich jedenfalls buchstäblich hören und sehen lassen. Tolle Melodien treffen auf durchdachte Arrangements, die Vorbilder liegen im amerikanischen Punk/Emo der Jahrtausendwende. Müsst ihr unbedingt mal anchecken!


Forkupines – „Here, Away From“ (Midsummer Records) [Video]
Eigentlich schade, dass dieses Album nicht schon ein paar Monate vorher erschienen ist, denn der melodische Punkrock des Trios aus Braunschweig hat so richtig schöne Punkrock-Ohrwürmer an Bord, die man irgendwie mit Sommer, Sonne, Skateboards und Dosenbier in Verbindung bringt. Die Gitarren kommen schön satt aus den Lautsprechern, das Schlagzeug treibt nach vorn, der Sänger hat ’ne angenehme Stimme, die Refrains sind catchy. Da sieht man mal wieder, dass es keinen großen technischen Schnick-Schnack braucht, um tolle Songs zu schreiben. Die Band hat es genau raus, den Mittelweg zwischen Härte, Emotion und Eingängigkeit zu finden. Da werden die besten Elemente aus Punk, Emo, Pop und Post-Hardcore in einen großen Topf geworfen, verrührt und verquirrlt und heraus kommt dieser wohlschmeckende Punkrock-Kuchen mit insgesamt elf Kerzen drauf. Könnt ihr euch eine Mischung aus Rise Against, Citizen, Boy Sets Fire und Bad Religion vorstellen? Na, dann checkt das Ding hier mal an, da steckt nämlich viel Liebe drin!


Heart Ovt – „We’re not supposed to be Lovers“ (Homebound Records) [Stream]
Bei Heart Ovt handelt es sich um eine im Jahr 2015 gegründete Band aus Leipzig, deren Mitglieder eine gewisse Hardcore-Vergangenheit haben. Auf dem Debut der drei Herren kann man diesen Hardcore-Background immer noch ein wenig hören, dennoch dominieren auf den sechs Songs die harmonischeren Klänge. Zwischen Emocore, verspieltem Indie-Rock und verträumten Melodien verzücken unter anderem auch die mehrstimmigen Chöre. Einziger Kritikpunkt: nach meinem Geschmack sind die Drums viel zu hell abgemischt. Aber Ohrwürmer wie z.B. Four Walls Build The Cage oder Wasted Time lassen diese Schwachstelle schnell wieder vergessen. Empfehlenswert für Fans von Jimmy Eat World, Pale, One Man And His Droid, Ambrose oder Jettie und genau das Richtige für eine nächtliche Autofahrt an einem lauen Sommerabend.


Karl die Große – „Dass ihr Superhelden immer übertreibt“ (Golden Ticket) [Stream]
Wenn man derzeit an deutschsprachigen Pop denkt, dann hat man ja immer diesen ekelhaften zum meterweit kotzen anregenden Alles-in-Ordnung-Sound von Musikhochschulabsolventen wie Joris, Max Giesinger oder Tim Bendzko im Ohr. Dass es in dieser Deutschpop-Sparte auch hin und wieder mal Ausnahmen gibt, beweisen Newcomer-Bands wie Karl die Große. Die Band besteht laut Presseinfo zwar auch aus studierten Musikern, jedoch findet sich auf dem Debut der vier Herren, der Dame an der Posaune und der Dame am Gesang kein einziger grässlicher Song, der Richtung „Heavy Rotation“ schielt. Eher setzen die Leipziger auf ideenreiche Arrangements, tolle Atmosphären, melancholische Momente und leicht dosierte Elektronikbeats, manchmal sogar etwas sperrig. Selbst das dramatisch-schaurige Titelstück kann man sich nicht zwischen den eingangs erwähnten Hampelmännern vorstellen. Klar, auf der einen Seite gibt es total eingängige Songs wie z.B. Schau mich an oder Die Stadt, welche mit einlullenden Gitarrenklängen und lieblichem Frauengesang verzücken, auf der anderen Seite hat man bei Songs wie z.B. Hamsterrad das Gefühl, dass man einer Kollaboration zwischen The Notwist zur Neon Golden-Phase mit der Berliner Indie-Band I Might Be Wrong beiwohnt. Bei manchen elektronischen Passagen dienen auch Marbert Rocel als Vergleich, da sich zwischen Indie, Pop und Elektro auch noch eine leichte Jazz-Note einschleicht (Posaunen, Percussion und Klarinette inklusive). Beim relaxten Cowboy und Indianer darf dann auch noch Moritz Krämer (Tele/Die Höchste Eisenbahn) mitsingen. Mit dem Albumcover des Digi-Packs kann ich zwar nicht allzuviel anfangen, aber die Idee mit den durchgezogenen Linien im Innenbereich sind für Zwangsneurotiker wie mich natürlich ziemlich heftig zu bewerkstelligen. Nun denn, falls ihr also mal wieder nette Musik für einen chilligen Sommerabend oder gar einen festlichen Anlass mit Gästen ohne Punkbackground sucht, dann seid ihr hiermit gut bedient.


Lesserman & Florals – „Split EP“ (Really Rad Records) [Stream 1 / Stream 2]
Mit diesem Split-Release lernt man gleich zwei Bands aus der Stadt Edmonton in Kanada kennen. Lessermann sind mit zwei Songs vertreten, hier wird gängiger Screamo im Stil von La Dispute oder Touché Amore dargeboten. Die Aufnahme klingt sehr dumpf, aber ansonsten gibt es nichts auszusetzen. Die Band Florals darf dann auch mit zwei Songs ran. Der Song Pavement beginnt im The Van Pelt-Stil, bricht aber dann doch noch in Richtung punkigem Screamo aus. Auch hier fällt die dumpfe Aufnahme auf. Schade, dass die Jungs diesen Van Pelt-Stil nicht weiter verfolgen, das wäre mir sonst ziemlich gut reingelaufen.


Ostraca – „Last“ (I.Corrupt.Records) [Stream]
Vielleicht hatte ja irgendjemand von euch das Glück, die Band auf ihrer Tour im Juni dieses Jahres irgendwo zu sehen. Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass es bei einer Show des Trios aus Richmond, Virginia ziemlich energiegeladen zur Sache geht. Last hat jedenfalls sechs Songs an Bord, die mit einer mächtigen und walzenden Wall Of Sound ausgestattet sind, trotzdem ist der Gesamtsound immer noch roh und dreckig. Ostraca pendeln gekonnt und abwechslungsreich zwischen Screamo, Post-Hardcore, Blackmetal, Post-Rock und Emocore und trotz des heftigen Sounds strotzen die Aufnahmen vor Melancholie und intensiven Emotionsausbrüchen. Das Label empfiehlt die Scheibe für Fans von City Of Caterpillar, Orchid und Loma Prieta, es könnten aber auch Fans von Envy, State Faults oder Funeral Diner Gefallen an dem dichten und vielschichtigen Sound des Trios finden, zudem sieht das Albumartwork auf Vinylgröße sicher verdammt geil aus.


 

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You Could Be A Cop – „Selftitled“ (time as a color u.a.)

Kennt ihr das? Ihr hört ein paar Takte einer Band und wisst sofort, dass es um euch sowas von geschehen ist? So erging es mir, als mir Daniel von time as a color einen Download-Link mit Aussicht auf Vinyl von dieser mir noch völlig unbekannten Band aus Trondheim/Norwegen schickte. Und einige Zeit später halte ich auch schon das äußerlich sehr ansprechende 12inch-Exemplar in den Händen, dem ich so sehr entgegenlechzte. Eine richtige Scheibe zum Anschmiegen und Abschmusen: schwarzer Siebdruck auf dickem braunem Pack-Karton, der mit  Schreibmaschine geschriebene Bandschriftzug fällt in seiner unaufdringlichen Größe kaum auf, die Songtitel auf dem Backcover und die am Release beteiligten Labels (time as a color, strictly no capital letters, adiago 830, Worried Songs, Lilla Himmel, How Is Annie Records, Friends Of Mine Records, Siste Sukk, Middle-Man Records, Beth Shalom Records) sind ebenfalls auf Schreibmaschine geschrieben und wirken wie einst schlecht kopierte Flyers aus den Neunzigern, auf denen man Bands, Uhrzeit und Datum nur mit viel Phantasie erkennen konnte. Aus dem Inneren purzelt ein schön besiebdruckter dicker Falt-Karton heraus, auf dem ich eigentlich die Texte vermutete. Aber Fehlanzeige. Das einzige, das ich an diesem Release wirklich vermisse, ist ein Textblatt.

Aber sobald die Nadel aufsetzt und die Musik ertönt, ist dieses Manko schnell vergessen, auch weil man die klare Stimme von Sängerin Natalie Evans so gut verstehen kann, so dass das fehlende Textblatt nicht so sehr ins Gewicht fällt. Bei der Internet-Recherche über den Background von You Could Be A Cop erfährt man übrigens, dass die Band von den zwei norwegischen Brüdern Morten und Marius gestartet wurde. Morten hatte wohl zuvor in ein paar Indie-Punk- und Emobands Schlagzeug gespielt und sich auch ein wenig als Produzent ausgetobt, während Marius das Gitarrespielen über das Internet erlernen wollte und daran aber kläglich scheiterte, gerade auch weil das künstlerische Dasein immer wieder durch sein kleines Kind gestört wurde. Ich kenn das, darum hab ich ja irgendwann das Schreiben angefangen. Meine Kinder kamen -sobald sie mich schrammeln hörten- immer in mein kleines Probezimmerchen und griffen mir mit voller Wucht in die Saiten, so machte das irgendwann keinen Spaß mehr. Und wie man sieht bzw. hört: wenn man sich den Scheiß irgendwie selbst in ein paar schlaflosen Nächten erarbeitet und Melodien finden muss, bevor wieder irgendein Balg die künstlerische Kreativität stört, klingt das ganze viel lebendiger. Nachdem also vier Songs aufgenommen wurden, fehlte zur Vollkommenheit noch der Gesang. Und gerade dieser macht diese vier Songs so unglaublich intensiv. Morton lernte nämlich zufällig Sängerin Natalie Evans kennen, die kurzerhand in ihrem Londoner Schlafzimmer die Lyrics einsang. DIY und Homerecording waren mir schon immer sympathisch.

Oh ja, und das hat sie richtig gut hingekriegt. Schön piepsig, manchmal etwas kindlich verspielt, aber keineswegs nervig. Da denkt man vom Vibe her an Bands wie z.B. Hidalgo, Reno Kid, The Cherryville, 125 Rue Montmartre oder Elektrolochmann. Keine Frage, da sind Leute am musizieren, die mit dem Mid-90’s Emo von Bands wie Mineral, The Anniversary, SDRE oder Boys Life aufgewachsen sind. Absolute Herzplatte!

9/10

Facebook / Stream / time as a color


 

Bandsalat: Atlas, Deadends, Football Etc., Killed, No Liars, Snag, Turnover, Wrckg

Atlas – „Blush“ (Dingleberry Records) [Stream]
Neulich beim Bandcamp-Surfen entdeckt und sofort mit errötetem Teint liebgewonnen: die belgische Band Atlas mit ihrer Hammer-Debutscheibe Blush. Wenn ihr mal wieder sehr gut gemachten Post-Hardcore mit melancholischen Emo-Tendenzen entdecken wollt, dann ist dieses neun Songs starke Album genau das Richtige für euch. Zum einen verzücken die Songs durch spannende Arrangements und reichlich Abwechslung, zum anderen lassen die satten, leidenschaftlich gespielten Gitarren und der zerbrechlich wirkende Gesang das Herz höher schlagen. Auch die Rhythmus-Fraktion versteht ihr Handwerk. Hört euch mal das vielschichtige Missing Parts oder das treibende The Underneath an, dann wisst ihr, was ich meine. Für’s glasklare Mastering hat Brad Boatright von Audiosiege gesorgt. Da hat man Bands wie z.B. Thursday zur Full Collapse-Phase vor Augen, Hopesfall schwirren auch durch den Raum, La Dispute, Touché Amore oder The Tidal Sleep könnten auch noch als Vergleich dienen. Und Moment mal, das Ding ist auch noch über Dingleberry Records erschienen, wie geil ist das denn? Käme diese pfiffige Band aus den USA, dann würde sie wahrscheinlich durch die Decke gehen. Absoluter Geheimtipp!


Deadends – „The Essence Of Every Second “ (Fond Of Life) [Stream]
Diese Band hier kommt aus Graz, das liegt in Österreich. Aber soundtechnisch bewegen sich die vier Jungs in ähnlichen Soundbereichen, wie die weitaus bekannteren Gnarwolves. Also alles abseits des Punk-Mainstreams, der in Graz mit einer brozenen Punkstatue lockt. Soll heißen: Melodischer Punkrock, der zwischen Halfpipe und Fußgängerzone noch genügend Rotzigkeit im Gepäck hat. Checkt das mal an, wenn ihr keine Tickets für die nächste Gnarwolves-Show bekommen habt.


Football, etc. – „Corner“ (Barely Regal Records) [Stream]
Vier Jahre sind seit der letzten Full Length des Emo-Trios aus Texas ins Land gezogen. Vom Sound her haben sich seitdem keine gravierenden Änderungen ergeben, die zehn Songs kombinieren Herzschmerz- Emo mit zuckersüßem Indie. Die Gitarren schrammeln wundervolle Melodien, gerade im Midtempo bekommt man immer wieder automatisch dieses rhythmische Zucken des Beines. Und über allem schwebt der gefühlvolle Gesang von Sängerin Lindsay Minton. Das klingt dann zusammen so schön plätschernd und vertraut, manchmal braucht es keinen Schnickschnack, um Gefühle zu transportieren. Hört mal Songs wie z.B. Foul oder Space an, dann wisst ihr, was ich meine. Wer Bands wie Rainer Maria oder Ohio’s Favorite mag, sollte hier mal unbedingt reinhören.


Killed – „Arsenic“ (DIY) [Free Download]
Aus Jakarta/Indonesien bekommen wir auch nicht alle Tage eine Besprechungsanfrage. Wie diese Bands wohl auf Blogs wie den unseren stoßen? Egal, jedenfalls klingt die 4-Song-EP der vier Jungs ziemlich fett. Wenn ihr auf diese Mischung aus 90er Hardcore und Metalcore abfahrt, dann solltet ihr euch das hier mal anhören. Oder schaut euch einfach das Video zum Song Darkwater an.


No Liars – „Selftitled“ (Toska Tapes) [Stream]
Diese relativ neue kanadische Band aus Victoria macht ziemlich eingängigen Post-Hardcore, der seine Vorbilder irgendwo um die Jahrtausendwende herum in Bands wie z.B. At The Drive-In, Refused, Alexisonfire oder Strike Anywhere hat. Mit diesem Sound wären die Jungs damals sicher bekannter geworden, aber was solls. Die vier Songs sind jedenfalls sehr gelungen und verdammt kurzweilig, der kräftige hymnenhafte Gesang und die satten Gitarren harmonieren bestens, da merkt man, dass hier Leute Spaß bei der Sache haben. Schaut euch doch mal das Video zum Song Catalyst an und überzeugt euch selbst!


Snag – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich liebe ja kurze und knackige Anfragen ohne nähere Infos. Ein Soundlink genügt mir eigentlich, um mir ein Bild zu machen. Klick auf Play, oft ist nach 3 Sekunden Spielzeit und einsetzendem Gesang klar: Papierkorb oder Besprechung. Snag aus Milwaukee gehören zur zweiten Sorte, auch wenn es nicht auf Anhieb richtig zündet. Aber die Grundstimmung passt. Die polternde Aufnahme mit dem knarzigen Bass und dem schepperigen, viel zu dünn aufgenommenen Schlagzeug und den ab und an auftauchenden lo-fi-Gitarren kommt direkt an. Sehr charmant. Spätestens wenn der Gesang einsetzt, freut man sich irgendwie. Überschlagende Vocals á la Algernon Cadwallader, frühe Piebald sind auch nicht weit, Midwest-Emo mochte ich schon immer. Und die Texte sind auch schön!


Turnover – „Good Nature“ (Run For Cover Records) [Stream]
Das bunte Dschungelcover offenbart schon eine vielseitige Farbenpracht und eine im Einklang mit der Natur stehende Artenvielfalt und macht neugierig auf die elf neuen Songs, die sich auf dem Nachfolger des vielseits abgefeierten 2015er-Album Peripheral Vision der Band aus Virginia befinden. Auf dem Außencover ist die Flora und Fauna des Dschungels zu bewundern, im Inneren des Digipacks sieht man dann die kleineren Bewohner des Dschungels, die Insekten. Zuallererst fällt auf, dass die verhallten Dreampop-Melodien noch stärker in den Vordergrund gerückt und die Emo-Anteile fast gänzlich verschwunden sind, trotzdem bleibt alles auf einer emotional intensiven Ebene. Die Gitarren spielen die zuckersüssesten Melodien, der warme Gesang von Austin Getz jagt einem zusätzlich an einer Tour wohlige Schauer über den Rücken. Man kann sagen, dass diese Platte wahnsinnig glücklich macht. Stellt euch einen Spätsommertag vor, an dem es nicht allzu heiß ist und ihr mit den Klängen von Good Nature im Ohr an einem menschenleeren Strand die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Sommers auf eurer Haut tanzen spürt. Entspannung pur, zufriedenes Grinsen! Das Album läuft bei mir seit Wochen rauf und runter und auch wenn sich dann und wann eine gewisse Eintönigkeit bemerkbar macht, da die Songs irgendwie doch alle sehr ähnlich klingen, ist mir die Scheibe schon jetzt ans Herz gewachsen. Songs wie Super Natural, Sunshine Type, What Got In The Way, Nightlight Girl oder Breeze gehören zu dem Besten, was Turnover bisher veröffentlicht haben. Stellt euch eine Mischung aus Real Estate (zu Zeiten des Atlas-Albums), Athlete (der sommerliche Vibe), Last Days Of April (die Melancholie), Day Wave, Jimmy Eat World und den Beach Boys (das entspannte Surfer-Leben) vor und lasst euch zu den Klängen von Good Nature die Sonne aus dem Arsch scheinen.


Wrckg – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Hach, ich mag eigentlich diese Vokal-hassenden Bandnamen überhaupt nicht. Spätestens seit dieser Hipster-Scheiß von Nazis kopiert und ohne strafrechtliche Folgen bleibt, sollte man in unseren Kreisen Abstand von dieser Unsitte nehmen. Wrckg steht vermutlich für Wreckage, könnte aber auch genausogut Werockgo oder Wearecakeog bedeuten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ballern die Niederländer eine solide Mischung aus mitreißendem Melodic Hardcore und etwas metallastigen Düster-Hardcore raus. Die Gitarren fetzen richtig geil, der Schlagzeuger holt auch alles aus seinem Kit und der Sänger gröhlt schön melodisch drüber. Kommt schön heavy, sehr fett abgemischt. Hört doch mal rein, wenn ihr auf Zeugs wie Landscapes etc. steht.


 

Dingleberry Records-Special: Dûrga, Go Spleen, Slow Crush

Dûrga – „Venjança“ (Dingleberry Records u.a.)
Da hat sich die noch sehr junge Band Dûrga, die sich erst im Jahr 2016 gründete, in kürzester Zeit aber ein ausgeklügeltes Ding zusammengeschustert. Der Albumtitel, das Artwork, die Songtitel, die spärlich vorhandenen Lyrics und die Linernotes ergeben zusammen mit der Musik ein durchdachtes Konzeptalbum. Hinter den fünf Songtiteln stecken sogenannte Yōkais, das sind Figuren des japanischen Volksglaubens. Die verwendeten Yōkais werden in Japan gerne zitiert, wenn es zu verheerenden Naturkatastrophen gekommen ist. Und da wären wir bereits beim katalanischen Albumtitel Venjança, der mit „Rache“ übersetzt wird, zudem ist auch mit diesem Hintergrundwissen das Albumartwork besser zu verstehen. Die Natur rächt sich am Menschen. Der vom Mensch verursachte Klimawandel zieht z.B. Überflutungen oder anhaltende Dürre nach sich und holt sich dadurch auch immer wieder Menschenleben. Beim ersten Stück Ogenos/Amemasu geht es z.B. um die Sage eines gigantischen Wales, die gerne im Zusammenhang mit Erdbeben oder Tsunamis verwendet wird. Mehr möchte ich nun nicht verraten, denn wenn man die 12inch auf dem Plattenteller hat und die Musik des Trios aus den Lautsprechern wabert, bietet sich die Gelegenheit, sich ausgiebig mit der japanischen Myhtologie zu beschäftigen. Mühsam versuchte ich mir anfangs, die in spanischer Sprache Geschichten zu erarbeiten, bis ich Trottel auf der Rückseite des Textblattes die englische Übersetzung der Lyrics sowie die Linernotes entdeckte. V.a. die Linernotes geben Einblicke in die Welt der Yōkais. Wenn man sich mit dem Zeug noch nicht beschäftigt hat, bietet sich jetzt die Gelegenheit. Übrigens: nur zwei der Stücke – der erste und der letzte Song – haben spärlichen Gesang an Bord, der Rest ist rein Intrumental. Und auch hier entdeckt man immer wieder Kleinigkeiten, die an japanische Musik erinnern, so kommen hin und wieder gespenstische Tremologitarren oder ein Glockenspiel (beim Song Baku) zum Einsatz. Spannende Umsetzung jedenfalls. Die Band selbst gibt als Einflüsse Bands wie Russian Circles, Mono, Envy, Pelican oder Red Sparowes an. Wer neugierig auf ausgeklügelten Post-Rock mit mystischen Einschüben ist, der sollte sich das hier mal zu Gemüte führen. Das Ding ist in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Gato Encerrado Records, Ojalä Me Muera Records, BKB Fanzine Distri, zilpzalp records, Furious Records und Resisto Luego Existo erschienen.
Facebook / Name Your Price Download / Dingleberry Records


Go Spleen – „Slow Motion“ (Dingleberry u.a.)
Seit 2006 existiert die Band Go Spleen aus Besançon bereits, bisher waren die Jungs und das Mädel aber eher auf akustische Gitarrenklänge fixiert. Erst durch den Zugang zweier neuer Mitglieder wurde die Liebe zur elektrischen Gitarre und 90’s Indierock entdeckt, so dass es auf dem Debutalbum des Quartetts etwas flotter zugeht, als noch auf der im Jahr 2011 erschienenen EP More Memories. Die neun Songs leben vom Spirit der Neunziger, v.a. die Gitarren erinnern immer wieder an Bands wie Pavement, The Smashing Pumpkins oder auch die Pixies. An manchen Stellen – wie z.B. bei Hovering Lands – kommen auch Bands wie The Sea And The Cake und ganz entfernt Sunny Day Real Estate in den Sinn. Schön laid back gezockte Slackergitarren mit feinem Sinn für Melodien und eine locker-flockige Bassline im Rücken bilden den Grundstein, durchdachtes Songwriting und plätschernde Drums runden das Ganze ab. Auf Vinyl gefällt mir diese Art Musik zu hören natürlich am Besten, hier kommt auch das farbenfrohe und symbolträchtige Cover hervorragend zur Geltung, zudem gefällt mir die DIY-Aufmachung des Textblattes. Als Anspieltipps empfehle ich das treibende Beyond Black Holes oder das mit einer eingängigen Slacker-Hookline beginnende Faint Light. Ach ja, der Platte liegt ein Downloadcode bei, am Release sind neben Dingleberry Records noch Impure Muzik, VouhVoue und GPS Prod.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Slow Crush – „Ease“ (Dingleberry Records u.a.)
Das Albumcover hat irgendwie was kitschiges, das lässt an so hawaiifarbene oder asiatische Bollywood-Romantik denken. Als Kontrast und zur Erinnerung, was der Mensch aus Paradiesen wie diesen gemacht hat, darf man auf dem Backcover dann eine Industrielandschaft beim Sonnenuntergang bewundern. Nun denn, die Entspannung, die das blumige Frontcover ausstrahlt, findet sich auch in den vier Songs wieder, die es auf eine Spielzeit von 22 Minuten bringen. Slow Crush kommen übrigens aus Belgien und machen ziemlich traurigen Shoegaze/Emo, der aber ab und an auch mit satten Drums und grungigen Gitarren fetzt. Irgendwie passt der Name wie die Faust auf’s Auge, zudem gibt es ja eine andere Band mit ähnlichem Namen, die sicher großen Einfluss auf die Belgier genommen haben: Slowdive. Sängerin Isa Hollidays Gesang wirkt wie auf Tranquilizern schwummerig und erzeugt gewisse Schwindelgefühle, dazu schwirren die Gitarren wie auf einem riesigen Karussell um die Ohren. Die einzige festzuzurrende Konstante ist das satt gespielte Schlagzeug. Im Zuge des Shoegaze-Revivals gibt es ja immer wieder Bands, die durch Catchyness und Eingängig punkten können und zudem ab und an auch mal aufs Gaspedal drücken (z.B. Nothing, Pity Sex oder die großartigen Milk Teeth), aber Slow Crush vertreten eher die gediegenere Version, wie man sie z.B. von Bands wie Lush, My Bloody Valentine oder Ride kennt. Meine Lieblingsseite bleibt dann auch die A-Seite, gerade die zwei Songs Dizzy und Sway lassen die Sinne schweben. Auf der B-Seite zeigen die Belgier dann mit dem Song Biglip, wie es aussehen könnte, wenn etwas mehr Schmackes mit in den Sound einfließt. Am Release sind übrigens neben Dingleberry Records noch die Labels Tim Tam Records, Flood Records und White Russian Records beteiligt. Mein in weißem Vinyl vorliegendes Bemusterungsexemplar lässt übrigens keine Wünsche übrig: neben einem Textblatt und einem Downloadcode liegt sogar eine CD für die ultraharten Vinylschoner bei.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

Bandsalat: Bängks, Beast Jesus, CBRS, Grand-Pop, Hyenas, Landlines, Vena Amoris, We Are H

Bängks – „Mirror“ (lala Schallplatten) [Stream]
Ha, mit Infos wie „die Mitglieder spielten schon in Bands wie Tupamaros, Lockjaw oder Nixion Golden mit“ kann man mich natürlich locken, auch wenn Bängks jetzt nicht so sehr in die Tupamaros-Ecke gehen, sondern eher noch etwas softer bzw. indielastiger als Lockjaw oder Nixion Golden klingen, trotzdem sind die Emo-Referenzen nicht von der Hand zu weisen, beim Opener hat man z.B. Bands wie neuere Thursday im Sinn. Die Gitarren umschmeicheln Dich spielerisch, die gegenspielenden Basslines kommen auch super auf den Punkt, dazu brennen sich die eindringlichen Gesangsmelodien unweigerlich in den Gehörgang. Und wenn dann im letzten Drittel von All My Life auch noch ein bisschen vertracktes Drumming zu hören ist, dann kommt der Punkbackground wieder in den Sinn, bevor es mit Passing Lines richtig geil poppig wird, so dass man an Acts wie Naomi oder The Whitest Boy Alive erinnert wird. Und nach dem vierten Song gibt es noch drei Remixe, zwei davon eben vom Song Passing Lines. Wenn Electro-Zeugs, dann sowas! Sehr schön!


Beast Jesus – „Eros Obfuscate“ (Diagnostic Records) [Name Your Price Download]
Das Albumartwork ignoriere ich jetzt mal ebenso, wie die fast zweiminütige Anfangssequenz, mit der man auch bei einem weiteren Teil von „Der Hobbit“ Bilder des Auenlands untermalen könnte. Was anschließend in den restlichen 14 verbleibenden Minuten des Songs passiert, lässt jedoch interessiert aufhorchen. Der Song beseht aus mehreren Teilen, da wird man von verträumtem Post-Rock fortgetragen, nur um im nächsten Moment von wildgewordenen Frickel-Math-Core und Blackmetal-Parts mit Screamo-Gekeife an die Wand gedrückt zu werden. Aber lange nicht genug, denn es kommen noch hochmelodische Shoegazer-Gitarren zum Vorschein und ein Noisegewitter darf natürlich auch nicht fehlen. Ihr fragt euch, ob so ein Mischmasch der Genres miteinander harmonieren kann? Durchaus! Überzeugt euch selbst und hört mal rein, was die Band aus Manila so draufhat.


CBRS – „Selftitled“ (Palma Records) [Stream]
Bandcamp-Surfen macht manchmal so richtig Spaß, v.a., wenn man solche Releases wie dieses hier entdeckt. CBRS kommen aus Ecuador und nach einer eher unspektakulären Demo dürften die fünf Songs dieser EP genau den Geschmack etlicher Screamo-Shoegazer treffen. Die Gitarren schwirren um die Ohren, der Sänger schreit sich den Hals blutig, zudem ist noch ein fähiger Schlagzeuger mit an Bord. Was will man mehr. Zwischen vertäumter Leere und emotionaler Schwere kommen Melodien ans Tageslicht, die das Zeug dazu haben, Dich in den Wahnsinn zu treiben.


Grand-Pop – „Eight Nights“ (Discos Finu) [Name Your Price Download]
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist diese Veröffentlichung eigentlich an acht Abenden in den Jahren 2012-2013 entstanden. Damals trafen sich drei Freunde aus Bristol/UK, um ein wenig Songwriting zu betreiben, so dass das Grundgerüst der acht Songs schonmal stand. Nach einem kleinen Zeitsprung von drei Jahren trafen sich unsere drei Freunde wieder, um die acht Songs aufzunehmen. Die Songs wurden an acht Abenden zwischen den Jahren 2015 und 2016 eingespielt, so dass sich der Albumtitel langsam erklärt. Wahnsinn, nur acht Abende. Und das ist auch der Grund, warum sich Eight Nights so verdammt frisch und authentisch anhört. Geboten wird emotionaler Punkrock mit dezenten Midwest-Emo, Pop-Punk und College-Rock-Einflüssen, der einen auf Anhieb am Schlawittchen packen kann. Als Anspieltipps eignen sich besonders das midtempolastige Nervous Nelly oder das vertrackt bis treibend abgehende High Hopes. Dürfte Leuten gefallen, die auch Weezer, Superchunk und The Promise Ring-Platten im Schrank stehen haben.


Hyenas – „Deadweight“ (Pelagic Records) [Stream]
Die Hyenas aus Nürnberg haben mich live schon wiederholt ziemlich vom Hocker gehauen, v.a. der Schlagzeuger hat echt ’nen Sparren ab. Der Typ verprügelt sein Drumset mit einem verdammt irren Blick, das muss man einfach mal gesehen haben. Die vier Jungs bolzen auf diesen elf Songs eine groovige Mischung aus Hardcore, Metal, Post-HC, Noise und Punk runter, dabei dominiert vertracktes Gehacke und brachiale Disharmonie, Melodien finden sich selten, auch wenn ab und zu wie z.B. bei Verminious auch mal ein fast eingängiger Refrain die Sache etwas auflockert oder bei Displaced sogar mal auf das Schlagzeug verzichtet wird. Die Songs sind schön dick gemastert und nach ein paar Durchläufen kommt auch so ein gewisser Wiedererkennungseffekt ans Tageslicht, aber irgendwie fehlt hier etwas die Abwechslung, zudem packen mich die Songs auf Albumlänge bei weitem nicht so, wie eine dieser energiegeladenen Shows, welchen ich schon beiwohnen durfte und die ich euch dringend als Ausgehtipp empfehlen kann, falls die Jungs mal bei euch um die Ecke zocken sollten.


Landlines – „Blue“ (DIY) [Name Your Price Download]
Die niederländische Band Landlines hat bereits eine Demo, ein Album und eine Split draußen, jetzt folgt mit Blue eine 4-Song-EP. Die Jungs sind seit 2012 unterwegs und vielleicht hat sie ja irgendjemand von euch bereits live gesehen, denn sie tourten immer wieder ausgiebig durch Europa. Vom Sound her wird rauer, aber melodischer Punkrock mit etwas Emo rausgehauen, da kommen natürlich Bands wie Leatherface, Hot Water Music oder Samiam in den Sinn. Live ist das sicherlich ganz nett anzuschauen. Schaut doch mal das Video zu Rock Bottom an und zippt euch kurz die 4-Song-EP auf die Festplatte.


Vena Amoris – „Lucidity“ (DIY) [Name Your Price Download]
Beim Bandcamp-Surfen entdeckt und sofort angefixt gewesen: diese EP der noch ziemlich frischen Band Vena Amoris aus Dundee/UK bringt euch vier Songs zu Ohren, die schön sphärisch zwischen Post-Hardcore und Post-Rock wandeln. Irgendwie scheinen die vier Jungs in ihrer eigenen Traumwelt zu leben, denn der Sound hat irgendwas eigenbrötlerisches an sich. Gerade bei Silver erwartet man dieses Schlagzeuggehacke im letzten Drittel des Songs überhaupt nicht. Einzig der Sound könnte etwas besser abgemischt sein, das Schlagzeug klingt ein wenig schwach auf der Brust. Der Sänger beherrscht übrigens perfekt diesen Heulgesang, vermutlich werden als Referenzen hier auch deshalb die Deftones genannt. Und mit Thrice, Hopesfall und Rinoa werden weitere Bands erwähnt, deren Fans auch die Musik von Vena Amoris mögen könnten. Hört mal rein!


We Are H – „Through heights and depths I told you behold the stars will follow“ (DIY) [Stream]
Die Debut-EP dieser neuen Band aus Leverkusen kann man schwer in Schubladen einordnen, denn die drei Herren machen einen eigensinnigen Sound, der sich aus verschiedenen Genres bedient. Die Einflüsse reichen dabei von Punk über Hardcore, von Post-HC/Post-Punk über Noise und von Stop’n’Go-HC bis zu Metal, selten schleichen sich auch Post-Rock-Klänge in den Sound ein. Dabei kann es durchaus sein, dass man völlig unerwartet von einem stampfenden und böse keifenden Mosh-Part überrascht wird. Und nicht nur die Musik ist stimmig, auch das Artwork ist mit einem richtigen Kunstwerk ausgestattet, das würde natürlich in 12inch-Format sicher noch mehr wirken.


 

Bandsalat: Autarch, Landbridge, Clowns, Dakhma, Down Love, It’s Not Not, Long Distance Runner, Shallov, Yöu

Autarch & Landbridge – „Split“ (IFB Records) [Name Your Price Download]
Autarch kommen aus North Carolina und zerlegen nach einem Midtempo-Intro direkt die Bude. Kann man eigentlich mit wenigen Worten beschreiben: rasend schnell, aber dennoch schön melodisch nach vorne gehender Emocrust mit keifendem Sänger und rotziger Kante, walzende Einschübe und Klimperparts inklusive. 3 Songs, 17 Minuten Spielzeit, gefällt mir super! Landbridge kommen aus Florida und schlagen in die gleiche Kerbe und die vier Songs bringen es auf eine Spielzeit von 18 Minuten. Verdammt intensiv gespielte Neo-Crust-Gitarren treffen auf Crashbeckenlastiges Schlagzeug. Hier sticht der Doppelgesang (male/female Vocals) heraus. Fans von Bands wie From Ashes Rise oder Tragedy sollten dieses Release unbedingt mal anchecken!


Clowns – „Lucid Again“ (This Charming Man Records) [Stream]
Verdammte Hacke! Diese Band aus Australien ist bisher völlig unerklärlich an mir vorbeigezogen. Kann ich gar nicht glauben, denn die neun Songs sind dermaßen geil! Und trotzdem hält sich die Mundpropaganda in Grenzen. Mal sehen, wie lange. Messerscharfe Gitarren verbünden sich mit wildem Getrommel, der Sänger ist ’ne richtige Frontsau. Den Sound der Australier kann man eigentlich gar nicht so gut beschreiben…Völlig losgelöst irgendwie! Stellt euch einfach mal eine Band vor, die das Beste aus Bon Jovi, Nirvana, Guns ’n’Roses, Kid Dynamite, Billy Talent, Lifetime und frühen Death By Stereo rausholt und das alles mit sehr viel wumms und Freude vorträgt. Rotzige Riffs, melodische Moves und sagenhafte Solis sorgen für reichlich Abwechslung. Unglaublich! Diese Band könnte richtig groß werden! Checkt das unbedingt an!


Dakhma – „Suna Kulto“ (IFB Records/Halo Of Flies) [Name Your Price Download]
Auf den bisherigen Releases der Band aus Michigan hielten sich die Songlängen in Grenzen, Suna Kulto besteht jedoch gerade mal aus zwei Songs, die jeweils an der 20-Minuten-Grenze schrubben. Das Stück East beginnt mit schönen Post-Rock-Klängen, irgendwie erinnert mich dieses Intro vom Aufbau und den Gitarren her an Bands wie We Never Learned To Live oder Earth Moves, gerade bei den „bedächtigeren“ und melancholischen Passagen, die das vorwiegend heftige Crust/Screamo/Blackmetal-Geknüppel etwas auflockern. Teilweise haben die Drums irgendwas beruhigendes an sich und klingen einlullend wie eine Dampflock, die mit Hochgeschwindigkeit über ein verrostetes Schienengleis durch die Nacht rattert. Das gespenstische Gekreische von Sängerin Claire setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und trotz des rasenden Tempos klingt das Ganze schön atmosphärisch mit unterschwelligen Melodien. Horcht mal rein, es lohnt sich!


Down Love – „Trust“ (Boss Tuneage) [Stream]
Down Love kommen aus Kingston Upon Thames, das ist ein Stadtteil von London. Die vier Jungs klingen aber sehr amerikanisch und machen mitreißenden Emocore mit hohem Punkrockfaktor und einigen Hardcore-Verweisen. Erinnert an alte Helden wie Brand New Unit, Hot Water Music, Samiam, Jawbreaker oder Bad Trip. Ihr bekommt elf kurzweilige Songs geboten, die die richtige Mischung zwischen Emotionalität, Power, Melodie und Intensität ausloten. Zuckersüße Gitarren und treibendes Schlagzeug, tolle Melodien und ein Sänger, der sich nicht scheut, auch mal kraftvoll ins Mikro zu jauchzen. Gefällt mir sehr gut!


It’s Not Not – „Fool The Wise“ (BCore) [Stream]
Die Mucke der katalanischen Band It’s Not Not konnte mich einst nicht so richtig packen. Irgendwie taugte mir das Disco-Punk-Zeugs der Band nicht so, damals vergötterte ich eher die Sachen, die die Bandmitglieder in ihren bisherigen Bands (Dies Irae, Tokyo Sex Destruction, Standstill und The Unfinished Sympathy) so fabrizierten. Deshalb war ich positiv überrascht, als die ersten Töne des neuen Albums meine Kopfhörer fluteten. Neun Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung verstrichen. Da hat sich einiges getan, denn mittlerweile hören sich die Katalanier mehr nach Q And Not U, The Van Pelt oder diversen Dischord-Bands an. Sehr schönes Album, das hol ich mir irgendwann auf Vinyl!


Long Distance Runner – „No Value“ (DIY) [Stream]
Immer diese Bandcamp-Entdeckungen! Long Distance Runner kommen aus Neuseeland, dem Land der Hobbits. Jaja, es gibt Leute, die das Auenland tatsächlich mit der Stadt Auckland verwechseln. Jedenfalls handelt es sich bei Long Distance Runner um eine ziemlich junge Band, No Value ist das erste Release der Band. Die Bandmitglieder sind wohl noch in anderen Bands aktiv, was man auf diesen sechs Songs auch hören kann. An Spielfreude und Fingerfertigkeit mangelt es den Jungs jedenfalls nicht. Geboten wird mitreißender Screamo/Post-Hardcore mit schneidenden Gitarren, viel Crashbecken und leidendem Geschrei. Wenn ihr auf das Zeug von Touché Amore oder La Dispute könnt, dann solltet ihr mal ein Öhrchen riskieren.


Shallov – „Concrete & Glass“ (Ingot – Andrejco Records) [Name Your Price Download]
Shallov kommen aus Bratislava/Slowakei und machen eine Mischung aus Screamo, Emo und etwas Post-Rock. Insgesamt vier Songs sind auf der zweiten Veröffentlichung der drei Jungs enthalten, mit einer Spielzeit von 33 Minuten und Songlängen über 7 Minuten kann man sich ungefähr vorstellen, wo die Reise hingeht. Auf der einen Seite kommen hoch emotionale Passagen mit leidendem Gesang daher, dazwischen stellen sich melancholische Parts, die etwas trostlos und düster erscheinen. Die musikalische Stimmung ist durch das Coverartwork jedenfalls genau getroffen. Hört da unbedingt rein oder zippt euch die vier Songs zum Name Your Price Download direkt auf die Festplatte.


Yöu – „We Sing The Blues​.​.​.“ (Deny Records) [Name Your Price Download]
Oh yeah, es gibt immer wieder Bands, die aus dem Nichts zu kommen scheinen, von denen man niemals was mitbekommen hätte, wenn es dumm gelaufen wäre. Über Yöu bin ich glücklicherweise mal wieder beim ausgiebigen Bandcamp-Surfen gestolpert. Jaja, das Cover in Verbindung mit den Schlagworten emotive Post-Hardcore und Screamo verlockten mich sofort. Und ab dem ersten Ton gibt es kein Halten mehr. Geboten wird sieben Mal mitreißender, intensiver Post-Hardcore mit tollen Gitarren und hammergeilen Bassläufen und natürlich mit durchdringendem, emotionsgeladenen Gesang. Das Trio ist näher am 90’s Emo dran als am Screamo, zudem gefällt die rotzige Punkkante. Für Fans von 1000 Travels Of Jawaharlal, Furtive Forrest, Yaphet Kotto oder Kidcrash ist das ein Fest. Die Band kommt übrigens aus Skopje/Mazedonien. Ich bin begeistert, das würd ich gerne auf Vinyl haben!