Bandsalat: Flash Forward, Grow Grow, Jx Arket, Racquet Club, Rainer Maria, Terry Green, The Unfinished Sympathy, Yumi

Flash Forward – „Revolt“ (Uncle M) [Stream]
Das Motiv des Digipack-Albumcovers könnte einigen von euch schon mal in ähnlicher Form unter die Augen gekommen sein, denn hier wurde das weltberühmte Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrichs ein wenig überarbeitet. Das symbolträchtige Werk wurde durch eine kleine Abwandlung bzw. Beigabe in Form einer roten Fahne erweitert, so dass das Albumcover zu Revolt dadurch einen direkten Aufruf zu sozialem Miteinander ausdrücken soll. Flash Forward waren mir bisher kein Begriff. Aus dem Presseinfo geht hervor, dass die Jungs aus dem Ruhrgebiet im Laufe ihrer seit 2010 andauernden und kräftezehrenden Bandlaufbahn schon einige Rückschläge durchmachen mussten und sich für das neue Album Revolt mit neuer Kraft und einigen Änderungen erneut in den Kampf wagen. Die Wende kam wohl nach der Erkenntnis, dass das im Jahr 2016 erschienene Album Who We Are wohl eher durchwachsen ausfiel. Okay, Revolt hat insgesamt zwölf Songs an Bord und klingt beim ersten Durchlauf eher nach solidem und handwerklich gut gemachten Alternative-Rock. Aber bereits bei der nächsten Hörrunde versteht man die im Pressetext genannten Referenzen wie z.B. Anberlin, Billy Talent oder The Used. Von Produktion, Mastering und den Songarrangements her gibt es eigentlich nichts zu meckern, mir persönlich fehlte zu Beginn beim Gesang etwas der Biss, da würde etwas Dreck sicher ganz gut kommen. Aber das ist ja Geschmacksache. Erstmalig aufhorchen lässt jedenfalls der ohrwurmtaugliche Refrain bei Deadline und auch das ebenfalls ins Ohr gehende und gleich darauf folgende Paralyzed weiß zu überzeugen, da wippt doch gleich das Füßchen mit. Beim Song Perfectionist wird sogar ohne auch nur mit der Wimper zu zucken völlig ungeniert die Boyband-Keule geschwungen. Der Refrain, ich brech ab! So etwas muss man sich erstmal trauen! Nichtsdestotrotz funktioniert das ausgesprochen gut, da es ja auch noch etwas bissigere aber dennoch ins Ohr gehende Songs wie z.B. Payback gibt. Läuft mir nach anfänglicher Skepsis jedenfalls ganz gut rein!


Grow Grow – „Buffet D’Or“ (DIY) [Stream]
Aaaargghhh, auf diese Band hier bin ich leider erst vor einiger Zeit beim Bandcamp-Surfen gestoßen. Spät ist dennoch besser als nie. Warum ist mir kein einziges Review von Buffet D’Or in den einschlägigen Zeitschriften sofort ins Auge gestochen? Wie dem auch sei, der zappelige Sound des Trios aus Berlin schafft das problemlos innerhalb weniger Sekunden und dockt direkt ans Ohr an. Das selbstreleaste Debutalbum haut mich direkt beim ersten Durchlauf von den Socken und lässt mich bis zum letzten Ton aufmerksam an den Lautsprechern kleben! Unglaublich viel pulsierende Energie, Wahnsinn! Die Jungs sind wirklich bereits seit 2009 unterwegs, drei EP’s gibt es mittlerweile auch schon. Ähnlich wie der Köter auf dem Albumcover verbeiße ich mich gierig in den unbequemen, vertrackten Post-Hardcore, der mit massig Noise, Hardcore, Punk, Math-Rock und Screamo-Elementen und sogar Post-Rock-Klängen ausgestattet ist und dabei auch noch äußerst emotional und intensiv aus den Lautsprechern kriecht. Auch wenn in deutscher Sprache gesungen wird, die Vorbilder dürften allesamt im 90’s-Dischord-Umfeld zu finden sein. Die Band selbst gibt zu, dass sie gern mit Bands wie Jesus Lizard, Shellac, Ten Volt Shock, At the Drive-in, den Dead Kennedys oder Fugazi verglichen werden. Das ist durchaus nachvollziehbar. Dennoch ist das hier mehr als eine Kopie dieser Bands. Man spürt direkt die unbändige Energie, dazu setzen die intelligenten Texte noch eins drauf. Polternder Bass, schepperndes Schlagzeug, messerscharfe Gitarren, aufwühlendes Geschrei, manchmal sogar im Doppel. Diese Textzeile aus dem Song Kirche, Staat und Grenzen spiegelt eigentlich die Wucht dieses Albums ganz gut wider: Ich spuck Gift und Galle, hab Schaum vor dem Mund, hier riecht’s nach Ärger, hier kommt die Wut. Boah, ich bin sowas von begeistert!


Jx Arket – „Meet Me Abroad“ (Entes Anomicos u.a.) [Stream]
Diese Band aus Italien hat sich erst letztes Jahr gegründet, daher ist es erstaunlich, dass die Jungs gleich auf Albumlänge debutieren und dem momentanen Standard der zahlreichen EP’s cool den Rücken zuwenden. Zudem wurde die Bandgründung weder im Knast noch nach einem Aufeinandertreffen nach einem ausschweifenden Abend in der Ausnüchterungszelle beschlossen. In Italien geschehen Bandgründungen ganz klassisch: man trifft sich, während man z.B. in Turin auf einem öffentlichen Platz sitzt und sich ’nen Lappen (salopp für Pizza) gönnt. Da gleiten die fettigen Finger nach dem obligatorischen Pizzagelage viel schneller als sonst übers Griffbrett. Wenn ihr jetzt an so Zeugs wie Negazione, Raw Power, Upset Noise oder Kina denkt, dann vergesst das schnell wieder, denn Jx Arket klingen eher amerikanisch, denn auch in Turin scheint der Sound von Bands wie Touche Amore, La Dispute oder Defeater angekommen zu sein, At The Drive-In und die Get Up Kids scheinen ebenfalls Spuren hinterlassen zu haben. Die Mischung aus Melodic Hardcore, Screamo, Post-Hardcore, Punk und etwas Metalcore knallt jedenfalls ganz gut. Wenn ihr euch ein klitzekleines erstes Bild von den Italienern machen wollt, dann hört euch einfach mal das vielschichtige Fragments an. Bei diesem Song ist alles drin: Tempo, Härte, Gefrickel, Emotion, Melodie. Danach dürfte es euch ziemlich leicht fallen, auch die restlichen Songs von Meet Me Abroad  schnell mal zu verschlingen.


Racquet Club – „Selftitled“ (Rise Records) [Stream]
Du drückst auf Play und fühlst Dich sofort wieder ähnlich geborgen wie damals Mitte der Neunziger, als Du völlig fasziniert der Stimme von Blair Shehan gelauscht hast. Selbst heute, Jahrzehnte später, hält diese Bewunderung kontinuierlich an. Knapsack und The Jealous Sound waren mit ihren zeitlosen Songs in all den Jahren pausenlose Wegbegleiter. Umso erfreulicher, dass sich alte Helden wie eben Blair Shehan, Sergie Loobkoff, Bob Penn und Ian Smith zusammengefunden haben, um mit der Band Racquet Club durch unbeschwertes Songwriting neue zeitlose Songs zu kreieren. Aber Vorsicht: die Songs lassen nicht gleich auf den ersten Höreindruck diese unbändige Durchschlagskraft von einst durchsickern und scheinen eher monoton vor sich hinzuplätschern. Etwas Geduld ist aber hilfreich, denn wer hartnäckig dran bleibt und dem Album ein paar Durchläufe gönnt, der wird entdecken, dass unter der Oberfläche verborgen ein kleiner Schatz schlummert.


Rainer Maria – „Selftitled“ (Polyvinyl) [Stream]
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass die einst liebgewonnene 90er-Midwest-Emo-Band Rainer Maria ihr letztes Release veröffentlicht hat. Und dieses Comeback wäre mir fast durch die Lappen gegangen. Puh, nochmal Glück gehabt! Nun, die Band aus Wisconsin ist zwischenzeitlich nach Brooklyn übergesiedelt. Für das mittlerweile sechste Album hat sich das Trio in der Original-Besetzung wiedergefunden, mit dem kleinen Unterschied, dass Gitarrist Kyle Fischer in der Zwischenzeit sein Coming-Out als Transgender hatte und nun Kaia heißt. Ansonsten ist bei der Band alles beim Alten, die Songs klingen exakt so, als ob die Band immer noch in den Neunzigern stehen geblieben wäre. Bevor ihr das jetzt als gescheiterte Weiterentwicklung wertet: das ist es nicht. Vielmehr überzeugen die Songs durch vielschichtiges Songwriting, treibende, fast hypnotische Beats und natürlich durch fast verborgene Melodien, die erst nach ein paar Durchläufen an die Oberfläche gespült werden. Dabei sind genügend Ecken und Kanten vorhanden, die neun Songs klingen rau und frisch zugleich. Diese neuen Songs werden alten Fans das Herz wärmen, neu hinzugekommene Fans können sich mit der aktuell entdeckten Band auf einen umfangreichen Backkatalog freuen. Rainer Maria ist mit diesem Album sozusagen eine Win-Win-Situation gelungen!


Terry Green – „Selftitled“ (zilpzalp records u.a.) [Stream]
Um eine dieser 12inches zu ergattern, müsst ihr schnell sein. Denn zilpzalp records ist das einzige Label in Deutschland, bei dem das Release erscheint, zudem ist wohl nur noch eine begrenzte Stückzahl vorhanden. Terry Green kommen aus Ontario/Kanada und nach einer EP und einem Split-Tape steht nun das selbstbetitelte Debut bereit. Schön jedenfalls, dass es kleine DIY-Labels gibt, die ihre sauer verdiente Kohle in die Veröffentlichungen von hierzulande noch völlig unbekannten Bands steckt. Und im Falle von Terry Green, die ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte, lerne ich mal wieder eine tolle neue Band kennen, deren Schaffen ich ab nun an verfolge. Denn die sechs schlicht mit römischen Zahlen betitelten Songs hauen mich bereits nach dem ersten Durchlauf aus den Latschen. Die vier Jungs machen eine mitreißende Melange aus Screamo, Post-Hardcore, Emo und Hardcore, dabei gibt es immer wieder Passagen, die zum Träumen einladen. So eine Musik hat das Zeug dazu, die in den Bann gezogenen Hörer völlig gefangen zu nehmen. Die sehr persönlichen Lyrics passen zu solch emotionaler Musik natürlich wie die Faust aufs Auge, dementsprechend verzweifelt werden sie über die gefühlvoll gezockten Gitarren drüber geschrien. Ab und an gibt es mehrstimmige Unterstützung der anderen Bandmitglieder im Hintergrund. Das ganze wird durch bedächtige Passagen oder frickelige Gitarren, gegenspielenden Basslines und arhythmisches Drumming aufgelockert, so dass der anschließende Verzweiflungsausbruch umso abrissmäßiger erscheint. Geil kommen auch die über die leiseren Gitarrenpassagen heftig gebrüllten Gefühlsausbrüche des Sängers, live rutscht dieser sicherlich viel auf den Knien rum. Dürfte Fans von Kodan Armada, Yaphet Kotto, On The Might Of Princes oder Kidcrash die Freudentränen in die Augen treiben!


The Unfinished Sympathy – „It’s A Crush“ (Bcore) [Stream]
Nach den ersten drei Bcore-Alben der sympathischen Band aus Barcelona/Spanien habe ich irgendwie die Spur der Jungs verloren, obwohl mir gerade die erste Platte der Band und verschiedene Besuche von Shows der Band Anfang der Jahrtausendwende ziemlich gut in Erinnerung geblieben sind. Nun, wie ich nun recherchiert habe, wechselten die Spanier nach den ersten drei Alben zum Label Subterfuge Records und veröffentlichten dort noch zwei weitere Alben, bevor sie sich im Jahr 2010 quasi auflösten und teilweise Solo-Projekte gestartet wurden. Im Jahr 2015 rappelte sich die Band für das 25-jährige Bcore-Jubiläum für einen Auftritt nochmals zusammen und offenbar wurde bemerkt, dass das noch nicht alles sein kann. Zwei Jahre später ist also nun das mittlerweile sechste Album am Start. Und das ist gewohnt gut geworden. Zwischen 90’s Emo-College-Rock und Indierock passt auch mal ein reiner Punk-Song rein, die Akkustik-Lagerfeuer-Ballade findet ebenfalls Platz. Und die Hymnen sind auch im Jahr 2017 noch da, gerade die ersten fünf Songs haben bereits beim zweiten Durchlauf angedockt. Dann kommt der schon erwähnte punkige Einschub, die Songs Christen Me und The Welfare State sind mein persönlicher Hänger des Albums. Danach wird es aber wieder emotionaler, so dass der Hänger schnell überwunden ist und man bis zu den letzten akustischen Klängen von Vapor Stairs gespannt lauscht. Schönes Comeback-Album!


Yumi – „Epoch“ (Lithe Records) [Stream]
Das letzte Album dieser Band aus Singapur hab ich seinerzeit rauf und runter gehört, so geil fand ich das! Und nun gibt es doch schon seit längerem das zweite Album dieser geilen asiatischen Screamo-Band, allerdings komm ich erst jetzt mal dazu, ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Im Grunde genommen hat sich im Vergleich zum Debut auch nicht allzuviel verändert, denn das Ding poltert seit einiger Zeit nahezu in Dauerschleife aus meinen Kopfhörern. Immer, wenn ich ein bisschen Frust abbauen will, sind mir die sieben Songs ein willkommener Gast. Die zwei Gitarren spielen Dich schwindlig, das Schlagzeug fetzt Dir schön druckvoll um die Ohren, der Sänger schreit sich den Hals blutig und der Basser hat ein Gespür für diese typischen Emocore-Bassriffs. Auf der einen Seite sind diese brutal scharfen Riffs, auf der anderen Seite kommt aber immer wieder diese melancholische Kante in Form der zweiten melodischen Gitarre um die Ecke, die das ganze so verdammt intensiv macht. Zu so ’nem Sound kann man moshend, stampfend, brustklopfend, kopfnickend, zappelnd und auf 1000 andere Arten abgehen. Verdammt abwechslungsreich ist das Ding obendrein. Wenn ihr Zeugs wie Envy, Instil, Serene, Children Of Fall, ganz frühe Standstill oder Honeywell mögt, dann dürftet ihr mit Yumi nur noch zufrieden grinsend durchdrehen!


 

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Sore Eyelids & Факел – „Split 7inch“ (lifeisafunnything)

Huch, was haben wir denn da für ein wunderschönes 7inch-Scheibchen? Beim Cover bin ich unschlüssig, ob das eine entsprechend bearbeitete Fotografie oder eine Zeichnung ist, jedenfalls sieht man darauf einen in eine mystische Unterwasserwelt eintauchenden Menschen. Die Unterwasserwelt verwandelt sich auf dem Backcover in ein gischtartiges Wolkengebilde. Man hat beim Betrachten sofort dieses verträumte Shoegaze-Feeling im Kopf. Die im vorliegenden Besprechungsexemplar purpurne Vinylfarbe hat ebenfalls etwas traumhaftes an sich. Die Split gibt es aber wohl auch noch in schwarzer Farbe, die Auflage beträgt insgesamt 200 Stück. Jedenfalls sind beide Plattenlabels in Handarbeit schön bestempelt, neben einem Textblatt findet sich im Inneren auch noch ein Download-Kärtchen.

Die A-Seite gehört Sore Eyelids aus Göteborg. Das letzte Release der Schweden ist aber auch schon wieder ein Weilchen her, dennoch hat das 2014er Album For Now (u.a. auf Through Love Records erschienen) seit meiner Besprechung – damals noch auf Borderline Fuckup – immer wieder mal von Zeit zu Zeit ’ne Runde auf dem Plattenteller gedreht. Nun also Nachschub der Band, die übrigens Leute der Band Suis La Lune in ihren Reihen hat. Es sind zwar nur zwei Songs, aber die machen unheimlich Apettit auf mehr. Wie die Person auf dem Cover taucht man mit den ersten Klängen zu What if… in die Traumwelt des Trios ein und verliert sich ziemlich schnell in den melancholischen und einlullenden Melodien. What if… hat mich jedenfalls mit einer Spielzeit von knapp über zwei Minuten direkt am Wickel. Zwischen Indie, Shoegaze, Post-Rock und Emo entwickelt die Band ihre ganz eigene Magie. Die mit den ersten Klängen zum Song Stay Silent ihre volle Wirkung zeigt. Da flirren Bassläufe wie durch einen Wattebausch gejagt durch die Lüfte, während die Gitarren leiern, was das Zeug hält. Die selbstreflektierenden Lyrics lesen sich im Einklang mit der Musik wie eine therapeutische Sitzung. Bittersüß und von wahrhaftiger Schönheit!

Auf der B-Seite kommen Факел aus Sankt Petersburg/Rußland mit ihrem mittlerweile dritten Release auf lifeisafunnything um die Ecke. Und sie kommen rasant, intensiv und noch ’nen Ticken emotionaler als bisher um die Kurve geschlittert. Wow! Die beiden Songs lassen mich mit offenem Mund staunend vor dem Plattenspieler niederknien. Bitte, bitte, nehmt in Bälde neue Songs für ein ganzes Album auf! Das hier klingt so unverbraucht und frisch. Auch wenn die übliche Sprachbarriere zwischen uns steht, musikalisch trifft das Quintett jedenfalls direkt in mein Herz. Emotive Screamo vom Feinsten! Google translate überrascht mich übrigens mit den aus der russischen Sprache übersetzten Texten ausnahmsweise einigermaßen positiv, die Übersetzung liest sich eigentlich mal richtig poetisch und weckt Assoziationen mit der bildhaften Sprache der klassischen Romantik. Und ja, wie auch schon auf den vorangegangenen Veröffentlichungen ist auf beiden Songs diese Teufels-Violine zu hören, die vom unverkennbaren Stil der Band nicht mehr wegzudenken ist. Ich hab’s zwar schon im letzten Review zur Band geschrieben, aber ich finde es so passend und witzig, auch wenn’s ein wenig platt und ausgelutscht ist: auf zum Violin Dancing!

8,5/10

Sore Eyelids Bandcamp / Факел Bandcamp / Stream / lifeisafunnything


 

Bandsalat: Eeva, Forgetaboutit, Foxtrot, Letters To Catalonia, Löwen am Nordpol, Mvrmansk, Only The Bones, Time’s Tide

Eeva – „Шоссейный синдром“ (DIY) [Name Your Price Download]
Die Band Eeva kommt aus Moskau und wurde im Jahr 2009 gegründet. Anfangs noch mehr im emotive Screamo-Fahrwasser unterwegs, kamen im Lauf der Jahre auch einige Post-Hardcore-Einflüsse dazu. Auf dem neuen Album Шоссейный синдром (übersetzt in etwa: Straßenrennensyndrom) überwiegen diese deutlich und zudem gibt es eine wesentliche Neuerung, die der Band ziemlich gut zu Gesicht steht: ein Sängerwechsel. Der bisherige Sänger und Gitarrist Stepan hat das Mikro an Gitarrist Nikita abgegeben. Und Nikitas viel klarere und wärmere Stimme passt zu dem emotionsgeladenen Sound der Moskauer eindeutig besser. Die Gitarren zünden ein intensives Feuerwerk, der Bass und die Drums heizen zusätzlich ordentlich ein und auch wenn man die deutlich gesungenen Worte aufgrund der Unkenntnis der russischen Sprache nicht versteht, ahnt man, dass hier viel Schmerz und Wut drinsteckt. Diese Platte ruft in mir die Erinnerung an die Post-Hardcore-Hochzeit Mitte der Neunziger bis kurz um die Jahrtausendwende herum wach. Nachdem ich das Album bei Bandcamp entdeckte und gierig vom Name Your Price Download Gebrauch machte, versuchte ich, etwas mehr im Netz über die Band zu erfahren. Ist man der russischen Sprache aber nicht mächtig, kommt man nicht weit. Fans von Bands wie Fugazi, Parades End, Deadverse, Three Penny Opera oder None Left Standing sollten das hier definitiv anchecken. Ich wär jedenfalls scharf drauf, dieses Hammeralbum auf Vinyl zu haben.


Forgetaboutit – „The Resurrection of Everything“ (Big Day Records) [Stream]
90’s Style Melodic Punkrock, so wird die Band aus Norwegen angepriesen. In der Tat trifft diese Beschreibung exakt den Sound des im Jahr 2013 gegründeten Trios. Ich kenne die bisherigen Releases der Band leider nicht, aber auf The Resurrection of Everything kommt definitiv ein ordentlicher Schuss Hardcore dazu. Zugegeben, das Coverartwork sollte man schnell wieder vergessen, aber beim Anhören der fünf Songs sieht man sich in schwarz-weiß-Optik crowdsurfend und irre grinsend mit zerrissenem Lieblingsshirt über verschwitzte aber eng vertraute Leiber gleiten. All Deine Freunde sind im Pit, das hier fühlt sich echt an wie früher! Wühlt man in der Erinnerung, dann klopfen Bands wie die Satanic Surfers, Intensity, Pennywise, Millencollin, 88 Fingers Louie, Passage 4 oder Black Train Jack am Oberstübchen an. Bitte bitte, tauscht das Hip-Hop-Tape beim nächsten Skate-Contest gegen diese EP hier aus!


Foxtrot – „Settling For Survival“ (Jackknife Music) [Stream]
Eine schöne knackige und gelungene EP mit drei Songs gibt es von den Punkrockern Foxtrot aus Melbourne/Australien. Den Songs hört man jedenfalls die Spielfreude und den Spaß an der Sache an. Der Sound reißt vom ersten Ton an mit und animiert sofort zum mitwippen. Treibend, emotional und melodisch aber immer noch genügend Dreck dabei. V.a. die Gitarren zaubern mit ihren harmonischen Melodien immer wieder ein Grinsen in mein Gesicht. Dazu kommen noch etliche hymnenverdächtige Parts, die das ganze zu einem sehr kurzweiligen Erlebnis machen, auch wenn man songlängenmäßig im Punkrock kürzer gewohnt ist. Dürfte Fans von Bands wie z.B. den Get Up Kids, Modern Baseball oder Basement ebenso gefallen wie Leuten, die es mit Zeugs von Clowns, Hell & Back oder Audio Karate etwas knackiger lieben.


Letters To Catalonia – „Fragmentary“ (Skeletal Lightning) [Name Your Price Download]
Häppchenweise schmeißt die Band aus San Diego ihren emotionalen Auswurf vor die verformten und verkrüppelten Füße ihrer Fans, so dass diese ihren Freunden voller Frohsinn und Vorfreude die bevorstehenden und fantastischen Veröffentlichungen dieser frustriert wirkenden Formation völlig fasziniert und frei faselnd abfeiern. Hä? Ja, mir sind die Sicherungen durchgebrannt! Die drei Songs erscheinen wohl als Tape, ich hab sie mir als Name Your Price Download gezippt und hör das Ding seither mehrmals am Tag…natürlich in ausreichender Lautstärke. Dabei bin ich hibbelig und unruhig, weil die Band auf ihrer Bandcampseite verlauten lässt, dass neben den hier zu hörenden Songs noch weitere musikalische Perlen darauf warten, zusammen mit diesen wunderbaren Songs auf Vinyl veröffentlicht zu werden.


Löwen am Nordpol – „Vom Stochern in der Asche“ (Bosworth Recorded Music) [Stream]
Wenn man aus Berlin kommt und vom Stadt-Wappentier Bär die Schnauze voll hat und auch sonst bei Internet-Suchmaschinenergebnissen nicht von etlichen Knut-der-Eisbär-Ergebnissen überrollt werden möchte, dann nennt man seine Band am Besten nicht „Eisbären am Nordpol“. Löwen am Nordpol geht da schon eher, auch wenn das irgendwie albern klingt. Erderwärmung hin oder her. Nun, dass sich die Band selbst als lauteste Pop-Band Deutschlands betitelt, passt eigentlich ganz gut. Während die Gitarren schön bretzeln, bleibt der Sound insgesamt recht poppig, gerade beim Gesang und bei den Drums. Manchmal ist mir persönlich das Schlagzeug etwas zu glattgebügelt, gerade bei Songs wie z.B. Glaub Dir nicht oder Dich! Dich! Dich! Dich! klingt das etwas zu eintönig stampfend, da würde man sich ab und an etwas mehr Schmackes wünschen. Die zwölf Songs sind definitiv mehr Indie und Pop als Punk, da werden Erinnerungen an Bands wie Virginia Jetzt oder Die Fotos wach, auch wenn bei manchen Texten etwas frech in Richtung rebellische Pop-Kultur geschielt wird. Sollte der Band irgendwann der internationale Durchbruch gelingen, dann haben sich die Jungs mit dem Song Bringt mir den Kopf von Donald Trump die Chance einer Tour in Übersee gründlich verbaut!


Mvrmansk – „Selftitled Tape“ (Koepfen Records) [Name Your Price Download]
Weil sich das Tape der Band aus Chemnitz neulich auf Tour ziemlich gut verkaufte, bekam ich anstelle eines physischen Tonträgers hiervon leider nur ’nen Download-Link. Schade eigentlich, denn die Releases aus dem Hause Koepfen Records überzeugen neben der musikalischen Qualität auch durch ihren von Herzen kommenden DIY-Charme. Wie dem auch sei, das Quartett dürfte so ziemlich am Anfang stehen, erste Facebook-Aktivitäten sind seit Anfang Juni zu verzeichnen. Aber das muss ja nix heißen, denn die fünf Songs machen schon ordentlich was her. Schleppend, eher im Midtempo zu verorten, bahnen sich die Gitarren ihren steinigen Weg durch die endzeitlich geprägte Soundlandschaft. Die in deutscher Sprache vorgetragenen und mit reichlich Metaphern bestückten Texte werden vorwiegend herausgeschrien. Trotz düsterem Touch hat der Sound irgendwie ’nen gewissen Emo-Charakter. Post-Hardcore, Screamo und etwas Metal sind auch noch stets präsent. Dass das Tape auf der Tour wie warme Semmeln wegging, spricht für die Live-Qualitäten von Murmansk. Wäre nett, wenn man demnächst bei der Eingabe des Bandnamens weniger Ergebnisse bezüglich des Atom-U-Boot-Friedhofs in der Nähe des russischen Städtchens Murmansk bekäme. Fazit: der Underground in Chemnitz dürfte liebenswerter sein als der Underground in Murmansk. Und eigentlich schreibt sich die Band ja auch Mvrmansk, aber selbst da sind die Ergebnisse nicht anders. Rülps!


Only The Bones – „Death And His Brother Sleep“ (Pork Chop Express Records) [Stream]
Dieses Trio aus Chicago setzt sich aus Leuten der Bands Swan King, Snow Burial und This Computer Kills zusammen. Nach einem fuzzigen Intro mit reichlich Rückkopplungsgeräuschen arbeitet sich langsam ein knarziger Bass aus der Krachorgie heraus und plötzlich findet man sich in einem intensiven Mischmasch aus Emocore, Noise und Post-Punk wieder, als wären wir in Washington DC mitten in den Neunzigern. Die Vorbilder dürften mit Fugazi (das Emotionale), Drive Like Jehu (das Hibbelige) und At The Drive-In (das Experimentelle) jedenfalls schnell gefunden sein. Insgesamt sieben Songs sind auf der Debutscheibe der Band zu hören, für’s nächste Mixtape ist der Song Hourglass vorgemerkt.


Time’s Tide – „God, I’m Alone Here“ (DIY) [Name Your Price Download]
Auf Time’s Tide aus Edmonton/Kanada wurde ich erstmals durch die Past Lives-EP aufmerksam, die ich einst bei meinen Bandcamp-Streifzügen entdeckte und die auch direkt wärmstens empfohlen wurde, damals noch auf Borderline Fuckup. Nun haben die Jungs also ihr Debutalbum am Start und lassen erneut den bisswütigen Köter von der Leine, mit welchem ich den Sound der Band damals verglich. Der Sänger klingt wirklich wie ein angepisster Zach De La Rocha zu Inside Out-Zeiten. Am Besten gefällt mir die Band immer noch, wenn diese melodischen Midtempo-Parts auftauchen, die spannungserzeugend das anschließende Geprügel und Gekeife einleiten. Nach drei schnellen Oldschool-Songs taucht dieses groovy Phänomen erstmals beim Song Shields auf. Ab dem sechsten Track – gleichzeitig das Titelstück des Albums – bis zum letzten Song, dem genialen und fast balladesken Numbered. Numbered. Weighed. Divided., zu welchem man hervorragend moshen kann, bleibt dieser Zustand erhalten. Wenn ihr auf Bands wie z.B. Have Heart, Killing The Dream oder Count Me Out steht, dann solltet ihr die Band mal anchecken.


 

Bandsalat: Citizen, Cold Reading, Jamie 4 President, Jamie Lenman, JaaRi, Sedlmeir, Stick To Your Guns, Stinky

Citizen – „As You Please“ (Run For Cover) [Stream]
Es gab ja einige Stimmen, die das zweite Album Everybody Is Going To Heaven im Vergleich zum Debut Youth etwas zu sperrig und düster empfanden, denen dürfte das mittlerweile dritte Album der Band aus Ohio runtergehen wie Öl. Ich gehörte ja zu der Sorte, die das letzte Album kräftig abgefeiert haben, dennoch war ich bereits beim ersten Durchlauf von As You Please direkt angefixt vom eingängigen Sound der Jungs, der wieder mehr in Richtung Emo und Post-Hardcore geht. Und auch etliche Runden später ist klar: das Album hat das Zeug zu einem Meilenstein. Die neogrungigen Gitarren von Everybody Is Going To Heaven sind völlig verschwunden, anstatt dessen dringen die schwermütigsten Melodiebögen hervor, die zusammen mit dem melancholischen und ausdruckstarken Gesang von Sänger Mat Kerekes zentimeterdicke Gänsehautautobahnen garantieren. Da ist dieses verletzliche und zerbrechliche in seiner Stimme, die sich aber nicht unterkriegen lässt und auch mal kraftvoll ausbrechen kann. Ich sehe hier ab und zu Parallelen zu Bands wie Knapsack oder Sensefield. Die Band hat ein unglaubliches Gespür für den optimalen Songverlauf, so dass trotz der hymnischen Eingängigkeit immer noch genügend Abwechslung und Intensität vorhanden ist und es etliches zu entdecken gibt. Die zwölf Songs vergehen wie im Flug und ehe man es sich versieht, sind auch schon wieder 50 Minuten vergangen, bevor man sich gleich noch ’ne Runde gönnt. Dieses Kurzweil erklärt sich auch durch die Vielseitigkeit und Experimentierfreude der Band. Da werden z.B. Orgeln zur Begleitung eingesetzt, ein Piano und ungewöhnliche Percussion-Effekte lassen sich ebenfalls entdecken, dort geistert eine Tremolo-Gitarre in die Höhe und selbst vor gesampleten Chorgesängen wird kein Halt gemacht. Mir liegt momentan nur die Digipack-CD vor, die zugegeben etwas sparsam gestaltet ist, v.a. vermisse ich hier ein Textheftchen. Ich spiele jedenfalls mit dem Gedanken, das Ding auf Vinyl zu holen, obwohl meine selbst gezeichneten Sterne auch nach mehrjährigem Üben immer noch so aussehen wie auf dem Cover. Dieses Album ist so unendlich schön!


Cold Reading – „Sojourner“ (KROD Records) [Stream]
Schon die Debutscheibe der Schweizer konnte bei mir ein paar Punkte sammeln, jetzt legen die vier Luzerner mit Sojourner eine vier Songs starke EP nach, die Appetit auf ein weiteres Full Length macht. Herrlich altmodisch tuckern die Songs um die Ecke, soll heißen, dass man hier viel Emo/Indie aus der Ära Ende der Neunziger und rund um die Jahrtausendwende auf die Ohren bekommt. Die Gitarren kommen zuckersüß und melancholisch, der Gesang wirkt zerbrechlich, die Drums und der Bass basteln ein starkes Grundgerüst und manchmal darf es sogar ein wenig verknittert klingen. Da kommen natürlich unweigerlich US-Emocore-Bands wie Promise Ring, The Get Up Kids, American Football und Sunny Day Real Estate in den Sinn, auch Fans von deutschen Bands wie Pride And Ego Down, Pale oder Reno Kid dürften am Sound der vier Jungs Gefallen finden. Die EP beginnt flott, wird im Verlauf immer ruhiger und zum Ende hin sogar richtig emotional leise. Gerade das sechsminütige Scratches zaubert mit seinen gefühlvollen Gitarren eine Wohlfühl-Märchenwald-Landschaft voller vertraut klingender Geräusche auf eure Ohren. Das Ding ist übrigens als CD und digitaler Download zu haben, die Vinyl-Version dürfte wohl diese Formate um Längen toppen, so ein Sound kommt auf Vinyl sicher noch um Längen authentischer rüber. Dicke Empfehlung!


Jamie 4 President – „The Heartbreak Campaign“ (BCore) [Stream]
Warum ist der Sommer schon wieder vorbei? Das fragt man sich, sobald man die ersten Töne von Jamie 4 President aus Madrid wahr nimmt und gleichzeitig mit diesem Strand-Coverartwork konfrontiert wird. Diese alltäglichen Strandsituationen mit wohlhabenden und dekadenten Touristen aus zig Ländern nerven die Einheimischen angesichts der angespannten Wirtschaftslage und der sich daraus bringenden Perspektivlosigkeit der jungen Bevölkerung sicherlich gewaltig. Vor der eigenen Haustür in den heimischen Breitengraden kennen sich diese Touristen leider nicht mehr aus. Da wissen einige nicht, dass man mit der Buslinie 3 schneller als mit dem Auto am Ziel wäre, mit dem Fahrrad käme man sogar noch eher an. Ein Glück, dass diese Leute zielorientiert den Schalter finden, an dem man neben billigen Inlandflügen auch günstige und umweltunbedenkliche Flugtickets ins Ausland erwerben kann. Okay, ich schweife ab, aber gibt es außer mir da draußen noch Leute, die Flugreisen aus umweltpolitischen Gründen konsequent ablehnen? Naja, ich hoffe doch! Beim Betrachten des Covers sind mir diese unbequemen Gedanken übrigens als erstes in den Sinn gekommen, daher müsst ihr sie hier auch lesen. Aber nun zur Musik: Die Band posiert auf ihrem Facebook-Profil gern mit Sonnenschirm, dementsprechend sonnig klingen die zehn Songs. Ihr bekommt echt schmissigen Emo mit melodischen Punktunes auf die Ohren, große Vorbilder dürften wohl die Get Up Kids, Nada Surf und die Beatles sein, die melancholischen Einflüsse kann man bei Bands wie The Cure, The Smiths und Death Cab For Cutie finden. Trotzdem dürften die zuerst erwähnten wohl der Haupteinfluss sein. Die Gitarren klingen einerseits so unbeschwert, andererseits kommt aber auch massig Melancholie durch, beim Gesang ist ähnliches zu beobachten. Das Ding ist übrigens in Zusammenarbeit der Labels Bcore Disc, La Agonia de Vivir, Discos Finu und Pifia Recs erschienen. Geile Sache!


Jamie Lenman – „Devolver“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Nachdem die UK-Band Reuben Geschichte war und deren Frontmann Jamie Lenman im Jahr 2013 das Doppelalbum Muscle Memory veröffentlichte, das noch stark von Country und Thrash-Metal dominiert wurde, ist auf den elf Songs des Zweitlings Devolver nicht mehr allzuviel von diesen Einflüssen zu hören. Eher klingt das Ganze nach einer Mischung aus Post-Hardcore (Personal), Industrial, Alternative-Rock (Hardbeat, Mississippi) und College-Emorock (I Don’t Know Anything). Die Songs kommen direkt zum Punkt, neben elektronischen Spielereien knallen hier v.a. die gewaltigen Riffs, aber auch in den ruhigeren Momenten, wenn es ganz schön eingängig und tanzbar wird – wie z.B. bei Body Popping -überzeugt der Sound auf ganzer Linie. Die Songs sind durchdacht arrangiert und irgendwie geht das alles ziemlich schnell ins Ohr. Wenn ihr euch eine Kollaboration aus den Nine Inch Nails, The Used, den Beatsteaks, Queens Of The Stone Age, Incubus und den Red Hot Chili Peppers vorstellen könnt, dann horcht doch hier mal rein.


JaaRi – „A New Years Story“ (Dreiklang) [Video]
Nach einer Demo-EP und einer Studio-EP gibt es nun die mittlerweile dritte EP dieser Band aus Berlin, die ihre bisherigen Releases in DIY-Eigenregie veröffentlichte. Mit A New Years Story sind die zwei Jungs und das Mädel am Bass nun beim Berliner Indie-Label Dreiklang gelandet, die darauf befindlichen vier Songs, die insgesamt 15 Minuten dauern, erzählen laut dem nett geschriebenen Infotext eine 24-stündige Geschichte an einem Silvesterabend/Neujahrsmorgen. Also wieder mal eine Art Konzept-EP. Die vier Stationen kennt man eigentlich auch von normalen Wochenenden, aber an Silvester ist dieser Ablauf natürlich weitaus beklemmender als im Alltag. Diese Situation hat sicher jeder von euch schon zig-fach erlebt: die Fahrt zur Party (9:23 PM), die Eskalation auf der Sause (1:37 AM), die nebulöse Rückfahrt (6:29 PM) und die unweigerliche post-alkoholische Depression (9:16 PM), eventuell sogar von unendlichem Liebeskummer oder unheimlicher Scham begleitet. Naja, irgendwie fehlt mir zur Vervollständigung des Abends noch der Filmriss und die krampfhaft herbeigesehnte Erinnerung an die vielen fehlenden Stunden. Bevor ich schlecht draufkomme, holt mich das Trio musikalisch wieder runter von meiner im Anlauf lauernden Depression. Schön sperrig geht die Reise los, vom Sound her hätte diese Band auch auf’s legendäre Swing Deluxe-Label gepasst, gerade der erste Song ist das fehlende Glied auf dem Achtung Autobahn-Sampler: Zwischen Bands wie The Cherryville, Maggat, Hidalgo, Soave und Milemarker hätten JaaRi mit ihrem Washington DC-angehauchten Post-Emo-Punk hervorragend gepunktet. Vom Text des Openers inspiriert googlete ich gleich die Fahrtzeit von Lichtenberg nach Neukölln. Hmm. Während man mit dem Auto am schnellsten ist, braucht man zu Fuß am längsten, die U-Bahn braucht noch ein paar Minuten mehr als ein Trip mit dem Fahrrad. Na dann, Kopfhörer draufsetzen und sich beim Fußmarsch auf die nächste Neukölln-Party auf acht Durchläufe der EP freuen.


Sedlmeir – „Fluchtpunkt Risiko“ (Rookie Records) [Stream]
Auch auf dem mittlerweile sechsten Longplayer des saarländischen Schlagerpunk-Solokünstlers Sedlmeir gibt es jede Menge Satire, schwarzen Humor und Sarkasmus, die Texte sind jedenfalls wieder toll geworden. Musikalisch verpackt ist das Ganze in einem Mischmasch aus Punk, Lo-Fi-Trash, Indie, Rock und Noise, dabei fehlt es keinesfalls an Pop. Das Gespür von eingängigen Melodien ist neben der Texterei jedenfalls eines der Haupttalente des Alleinunterhalters. Songs wie Ein guter Tag zum Stehen oder Oberklasse Unterschicht brennen sich bereits beim ersten Durchlauf in die Gehörgänge ein. Liegt irgendwo zwischen Bela B, Tocotronic und The White Stripes. Könnte mir vorstellen, dass eine Live-Show von Sedlmeir sicher ganz unterhaltsam ist. Seit Mitte Oktober bis Ende Dezember tingelt der Saarländer jedenfalls durch die Cafés und Bars der Republik.


Stick To Your Guns – „True View“ (End Hits Records) [Stream]
Hach, ich wage selbst aus dem CD-Blickwinkel zu behaupten, dass das Albumartwork ja wohl richtig hübsch ist. Das würd ich gern in 12inch-Größe begutachten! Auch im Textheftchen gefallen mir die im Eric Drooker-Stil angefertigten Zeichnungen. Stick To Your Guns sind nun auch schon 14 Jahre unterwegs, bisher hab ich mich jedoch mit der Band aus Orange County noch nicht so richtig befasst, obwohl ich die Jungs live ziemlich energievoll und intensiv in Erinnerung habe. Das ist jetzt vielleicht nicht so glücklich ausgedrückt, denn ich meinte damit, dass ich noch nie etwas über das Schaffen der Band niedergeschrieben habe, die bisherigen Veröffentlichungen sind mir aber durchaus bekannt. Daher kann ich auch ganz ohne Skrupel behaupten, dass True View bisher das ausgereifteste Release der Kalifornier ist. Zwischen Melodic Hardcore, Modern Hardcore und Metalcore passen auch immer wieder hochmelodische Gitarrenriffs, die ihren Ursprung in OC-Bands wie Uniform Choice oder Ignite haben. Dennoch klingt das hier alles viel moderner und fetter, da hat man dann eher Bands wie Boy Sets Fire, Comeback Kid oder frühe Death By Stereo im Ohr. Geil und voller Energie! The Better Days Before Me ist jedenfalls eines meiner Lieblingsstücke in der Schaffensphase von Stick To Your Guns. Und bevor ihr nur noch wie blöde vor eurer heimischen Hi-Fi-Anlage in circles moved, solltet ihr noch wissen, dass es in den Lyrics diesmal weniger um Politik und Gesellschaft geht. Vielmehr werden hier inklusive Selbsterkenntnis Fehler aufgearbeitet, die immense Einflüsse auf zwischenmenschliche Beziehungen nahmen. Hört euch das an und macht es im real life irgendwie besser!


Stinky – „From Dead-End Street“ (Riot Bike Records) [Stream]
Die Gitarren! So geil! Eigentlich kratzt man sich nach dem ersten Durchlauf am Kopf und denkt sich so…naja, eigentlich nichts weltbewegend Neues! Trotzdem bolzt es ganz schön nach vorn. Die Gitarren fetzen, die Drums hämmern sich ins Gehirn, die Kreischvocals von Sängerin Claire bringen den Rest. Nun, auf der zweiten Full Length merkt man im Vergleich zum Debut der Franzosen, dass alles etwas roher geworden ist, trotzdem kommen immer wieder diese melodischen Gitarren um die Ecke, die man auch von Bands wie z.B. Comeback Kid oder Nine Eleven her kennt. Man hört den Aufnahmen an, dass die Band mittlerweile gut auf sich eingespielt ist, bei mehr als 300 Gigs in fünfzehn verschiedenen Ländern innerhalb von zehn Jahren kann man schon von Umtriebigkeit sprechen, zumal die Band in ihrer Laufbahn mit einigen Besetzungswechseln zu kämpfen hatte. Als Anspieltipp empfehle ich den Song Otherside, der bietet eigentlich einen guten Überblick über die Bandbreite des Quintetts – da hat man diese moshenden Gitarren, die melodischen Parts kommen auch zum Zug und die Bandchöre dürfen ebenfalls nicht fehlen. Auf Konserve könnten die zwölf Songs auf Dauer jedoch ein wenig eintönig werden, aber live geht das hier sicher voll auf’s Fressbrett!


 

Robot – „Vedgdbol“ (Impression Recordings)

Meine Neugier auf Robot wurde durch eine nette e-Mail-Anfrage geweckt. Beim ersten Höreindruck per Stream war ich mir aufgrund des etwas genrefremden Sounds noch ein klein wenig unschlüssig und ließ deshalb die Mail im Posteingang ein paar Tage reifen, bis ich erneut eine Hörprobe nahm. Und plötzlich juckte es mich gewaltig in den Fingern, so dass ich ohne einen dritten Anlauf das in Aussicht gestellte Vinylexemplar anforderte, das auch prompt ein paar Tage später per Post ins Haus flatterte. Und wie befürchtet, entfaltet die Musik auf Vinyl erst so richtig ihre volle Schönheit.

Das geht los beim Gatefold-Cover, das mit diesem wie von Kinderhand gekritzelten Darth Vader-Roboter und dem falsch geschriebenen Wort Vedgdbol (Vegetable) verziert ist. Kann man fast nicht glauben, ein richtiges lo-fi-Artwork! Klappt man das Cover auf, so findet man im Kontrast zum schwarz-weißen Cover im Inneren eine bunte Ansammlung von Gemüse, das durch wirre Verkabelung wie der komplizierte Schaltkreis einer raffinierten Robotermaschine miteinander verbunden ist. Hier sind auch die Texte zu den Songs abgedruckt. In einem dem Presseinfo beigefügten Interview mit Robbie Moore, dem songwriterischen Kopf von Robot, erfährt man, dass die Zeichnung auf dem Frontcover tatsächlich Robbies sechsjähriger Sohn kreiert hat. Er wird auf dem Backcover sogar namentlich als Illustrator aufgeführt. Die Gemüseinstallation im Innencover wurde von Robbies Ehefrau Elsa Quarsell fotografiert. Da könnte man ja fast schon von einem Familienalbum sprechen, wenn Bobby nicht auch noch eine Reihe internationaler Supermusiker um sich geschart hätte (z.B. Knox Chandler – Siouxsie & The Banshees, Taylor Savvy – Gonzales, Bonaparte und noch etliche mehr). Überhaupt, Bobby Moore hat als Klangkünstler bisher schon mit einigen namhaften Leuten zusammengearbeitet (u.a. Babyshambles). Aktuell ist er vor ein paar Jahren mitsamt seiner Familie von London nach Berlin gezogen und betreibt dort nun ein eigenes Tonstudio, sein Label Impression Recordings wurde ebenfalls in Berlin gegründet.

Das Presseinfo ist jedenfalls gespickt mit etlichen Informationen zu Robot. Anfang des Jahres erschien das Solo-Debutalbum namens 33.(3), auf welchem Robbie Moore alle Instrumente im Alleingang einspielte. Weil in diesem Album jede Menge Arbeit und Zeit steckte, wollte Moore auf Vedgdbol spontanere Stimmungen einfangen, so dass er an einem einzigen Wochenende (!) zahlreiche musikalische Ideen festhielt und diese dann aber entgegen seiner bisherigen Vorgehensweise nicht alleine, sondern mit einer All-Star-Band in Live-Sessions im eigenen Studio zu fertigen Songs heranreifen ließ. Hört man das Ergebnis an, dann kann man den zwölf Stücken attestieren, dass dieses Vorhaben präzise umgesetzt wurde.

Die A-Seite beginnt mit einem Feuerwerk an Catchyness, jeder einzelne Song ein verdammter Hit. Meine persönlichen Faves sind der Opener There’s A Crack In My Bell, das ohrwurmartige Anybody Else (But You) – zu dem übrigens auch ein von Monty-Python-Cartoons inspiriertes Musikvideo existiert, siehe unten – und das etwas ruhigere Being Double. Das Songwriting erinnert desöfteren an die Beatles, der Sound pendelt gekonnt zwischen Indie-Garage-Pop und psychedelischen Sixties-Surf-Mucke, ein wahrer Film-Soundtrack für irgendeinen Retro-Sixties-Kinofilm. Die B-Seite hat ebenfalls massig Hits mit an Bord. Nachdem das an David Bowie erinnernde progressive Mousetrap den kühlsten Punkt der Scheibe darstellt, wird es mit Talking To Myself wieder heller, bevor man im Song Seasick sogar einen 13-köpfigen Chor zu hören bekommt. Keine Ahnung, ob mich die Scheibe in der ebenfalls erhältlichen CD-Version genauso mitgerissen hätte, wie das durch den warmen Vinylsound geschehen ist. Aber ich wage zu behaupten, dass man diese Art Musik auf Vinyl am intensivsten erleben kann! Ein tolles Album!

8/10

Facebook / Impression Recordings


 

Dingleberry Records-Splitstorm: Child Meadow & Appletop, Det Är Därför Vi Bygger Städer & Мятеж, Euglena & КОЛЧАК

Child Meadow & Appletop – „Split 7inch“ (Dingleberry u.a.)
Komisch, irgendwie hatte ich die Franzosen von Child Meadow mit ihrem It Hurts-Album etwas Screamo-lastiger im Gedächtnis, aber das Screamo-Feeling stellt sich nach einem extrem gut nach vorne gehenden fuzzigen Emo/Grunge-Auftakt dann doch noch ziemlich rasch ein. Die Gitarren schrammeln nach wie vor am Limit, einzig der Gesang klingt nicht so brutal wie auf It Hurts, auch wenn man merkt, dass noch jede Menge Schmerz aus allen Ritzen ans Ohr dringt. Die zwei Songs fuzzen jedenfalls ohne Ende, das hört man v.a. beim Appletop-Cover Somehow We Got Lucky. Wenn ihr jetzt ratlos wie ich vor der Appletop-Wand steht, dann hilft nach dem Durchlauf der A-Seite nur eines: Umdrehen und die Appletop-Seite lauschen. Die zwei Songs von Child Meadow erinnern mich jedenfalls daran, dass ich nach ausgiebiger Rotation dieses Scheibchens mal wieder in den Backkatalog der Band aus Toulon reinhören sollte. Aber zurück zur Appletop-Wand, vor der ihr immer noch ratlos steht. Ist das umdrehen des Scheibchens geglückt, dann freut man sich recht schnell am relaxten Sound der ebenfalls aus Frankreich stammenden und mir gänzlich unbekannten Band. Insgesamt kann man hier von ziemlich geilem slackigen Indierock mit Emo-College-Rock-Einflüssen sprechen. Da fühlt man sich direkt an Bands wie Youth Group oder Athlete erinnert, selbst Karate hat man beim zweiten Song Next to Fuzzy Mc Gee im Ohr, Pavement, Dinosaur Jr. oder Van Pelt dürften auch in den Plattenregalen der Bandmitglieder stehen. Noch schnell was zur Aufmachung: die schwarz-weiß-Optik wirkt auf den ersten Blick etwas lieblos gestaltet, dennoch vermute ich – hauptsächlich aufgrund des Inhalts des hinterlegten Textauschnitts -, dass da jemand schon einen Plan hatte. Dass dieses Scheibchen was besonderes ist, zeigen auch die am Release nicht wenigen beteiligten Labels: Desertion Records, Pundonor Records, Sieve Sand Records, Crapoulet, La Cellule Records, Panda Banda, Super Issue, Bus Stop Press, Pornovista, Never Trust An Asshole und Dingleberry Records.
Name Your Price Download / Dingleberry Records


Det Är Därför Vi Bygger Städer & Мятеж (Dingleberry Records u.a.)
Manche Bands scheinen Split 7inches zu sammeln, als ob es Trophäen wären. Gerade für tief in der DIY-Szene verwurzelte Bands symbolisiert dieses Format auch den Zusammenhalt und die Freundschaft mit anderen Bands. Det Är Därför Vi Bygger Städer ist auch so eine Band, die dieses Split-Format zu lieben scheint, denn dieses Release ist bereits die fünfte Split. Ich stelle mir solche Co-Releases mehrerer Labels (Dingleberry Records, Through Love Records, Zegema Beach Records, Friendly Otter Records, Wolftown DIY und Samegrey Records) und mehrerer Bands sehr aufwändig vor, alleine die Kommunikation der Labels und der Bands untereinander dürfte nicht einfach sein. Nun, die digitale Version war bereits seit Ewigkeiten auf Bandcamp verfügbar, jedoch zog sich die Veröffentlichung dieses Tonträgers richtig unangenehm in die Länge, der Pressungsprozess dauerte wohl über ein Jahr. Was lange währt, wird letztendlich klasse. Das Faltcover besteht aus einem glatten, dicken Karton, der mit einer schönen Bleistift/Kohle-Zeichnung (?) der Künstlerin Felicia Nyström bedruckt ist. Im Inneren können die Texte nachgelesen werden, zudem erfährt man hier auch, dass es sich bei den drei Songs der Band Det Är Därför Vi Bygger Städer um die ersten Songs handelt, die die Band geschrieben hat. Natürlich tut man sich mal wieder mit den schwedischen Texten schwer, aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann strotzen die Texte nur so vor Trennungs-Herzschmerz, Bedauern und unendlicher Liebe. Jedenfalls zeigt die Band, die sich aus Bandmitgliedern von Careless, No Omega und Disembarked zusammensetzt, dass hier neben jeder Menge Herzblut auch reichlich Erfahrung mit an Bord ist. Die drei Songs leben v.a. von den flink gespielten Gitarren und vom heulend-leidenden, herzzereißenden, verzweifelten Geschrei des Sängers, dazu wildes Getrommel, manchmal arhythmisch und mit richtig viel Crashbecken. Bei den zwei kurzen Stücken dominiert eher das Gaspedal, bei Akvarell – mein Favorit auf der A-Seite – zeigen die Jungs aber eindrucksvoll, dass sie auch langsameres Tempo gut beherrschen. Мятеж sind aus Portland/USA und Hamilton/Kanada und sie bezeichnen sich als kollektives Projekt, das das Splitformat und einzelne Samplerbeitragshappen ebenfalls zu lieben scheint. Bei мятеж wirken eigentlich nur zwei Leute mit: zum einen ist das Dave von Zegema Beach Records, der den Gesang zu den zwei Songs beisteuert, zum anderen ist das Chris, den man von Bands wie Yaphet Kotto, Jenny Piccolo oder Makara her kennt und welcher für alles andere verantwortlich ist. Die zwei Songs überwalzen Dich zuerst mal richtig schön, dabei driftet man nach mehrmaligen Durchläufen irgendendwie ab. Mir ergeht es so, als ob ich die Musik wie durch einen Wattefilter im Ohr wahrnehmen würde, eine gewisse Distanz zu den Songs ist nicht von der Hand zu weisen, es braucht einige Runden, um mit dem Sound der Band warm zu werden. Vermutlich liegt das am Soundmatsch der Gitarren und am verzerrten Gesang, der sich anhört, als ob er elektronisch verzerrt wäre. Selbst beim ruhigeren Beginn von Inhaling Infants werde ich dieses Watte-Gefühl nicht los, so dass bei diesem Release sicher die Bygger Städer-Seite öfters mit der Seite nach oben auf dem Plattenteller liegen wird.
Name Your Price Download / Dingleberry Records


Euglena & КОЛЧАК – „Split 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Rein äußerlich punktet dieses kleine Scheibchen schon mal ordentlich. Auf zahnarztkitteligem weißem Karton sind per schwarzem Druck ein paar angegammelte und herausgerissene Zähne zu bewundern. Alle mit Wurzeln, penibel und zwanghaft wie von einem Psychopathen nach dem chirurgischen Zahneingriff angeordnet. Das amalgamweiße Vinyl blitzt zähnefletschend vom Plattenteller, während beim Aufsetzen der Nadel ein bohrendes Zahnarzt-Folterinstrument ratternd für Gehirnschmerzen sorgt, sich langsam, aber presshammerwalzend und bestialisch den Weg durch das porzellanartige Gestein freischaufelt…Euglena kommen aus Sankt Petersburg/Russland und machen ziemlich crustigen Screamo. Die Band war mir bisher nicht bekannt, neben einer Split gibt es auch noch eine EP. Klingt gut angepisst und wütend. Gerade die alleinstehenden Gitarren im Mittelteil des 3:31 minütigen Songs auf der A-Seite lassen mich aufhorchen, denn gleich im Anschluss bauen die Gitarren plus Schlagzeug eine Spannung auf, die ich gern live einsaugen würde. Das Ding sorgt bestimmt für Gänsehaut. Geiler Song jedenfalls! КОЛЧАК kommen auch aus St. Petersburg und rocken die B-Seite ebenfalls mit einem Song mit identischer Spielzeit (3:31 Minuten). Allerdings fehlt mir hier etwas der Gesang, denn die Band ist rein instrumental unterwegs. Im Gegensatz zu diesen gängigen langweiligen Post-Rock-Instrumental-Bands haben die Jungs aber ordentlich Dampf in den Segeln, mit dem entsprechenden Gesang wär das Ding echt mal der Hammer. Auch КОЛЧАК haben schon ein paar Veröffentlichungen im Gepäck, das erklärt die atmosphärische Dichte dieses Hammersongs. Beide Bands sind zwar auf den ersten Blick etwas unbequem, aber das erste mulmige Gefühl in Bezug auf die fehlenden Stempel im Zahnarzt-Bonus-Heftchen wird beim mehrmaligen Drehen des Scheibchens schnell vergessen. Wer braucht schon das Geräusch eines Zahnarztbohrers bei 7inches wie dieser genialen Split? Ach ja, die beteiligten Labels noch: Dingleberry Records, Grains Of Sand Records, Basement Apes Industries, Désordre Ordonné und WOOAAARGH.
Stream / Dingleberry Records


 

 

Videosammlung: Banana Roadkill, Circa Survive, Clowns, Hey Ruin, Huelse, Last Light, Sons Of Lee Majors, South Berkeley

Wie man als Duo ordentlich was losmachen kann, beweisen die Münsteraner/Hannoveraner Typen von Banana Roadkill mit diesem Video zum Song Conversation, das dem kommenden Album A Quiet Conversation entnommen ist.


Circa Survive haben auch ein sehr gutes neues Album namens The Amulet am Start. Zum Song Lustration gibt es ein sehr aufwendig gemachtes Video zu bestaunen!


In den letzten Monaten sind mir die australischen Clowns richtig ans Herz gewachsen. Leider konnte ich die Band bisher noch nie in echt sehen, aber etliche Live-Videos auf Youtube lassen mich einer Show der Band gespannt entgegenfiebern. Viel Spaß mit Destroy The Evidence aus dem Album Lucid Again.


Die Punkers von Hey Ruin waren in der Zwischenzeit auch mal wieder ein wenig umtriebig. Aus dem bald erscheinenden Album Poly bekommt ihr hier schonmal ein kleines Apettit-Häppchen in Form des Videos zum gleichnamigen Song. Tolle Location übrigens! Das erinnert mich an frühere Streifzüge und Abenteuer durch verlassene Häuser im Wald. Aber die Kids von heute kennen das ja nur noch aus Computerspielen…


Das Video zum Song Rede Von macht irgendwie neugierig auf mehr von der Band Huelse. Wer die Nerven oder Messer lieb hat, der dürfte auch mit Huelse glücklich werden. Falls ihr euch fragt, warum die Typen, die auf dem Land aufgewachsen sind, ordentlich einen an der Waffel haben: die Antwort findet ihr im Video!


Last Light ist mal wieder so ’ne Supergroup mit etlichen Szenegrößen, u.a. wirkt hier einer meiner Lieblings-Hardcore-Punk-Gitarristen mit:  Joe D. Foster. Der Typ hat einfach den Bogen raus, in diese Gitarren könnte ich mich immer wieder reinlegen! Ich brauche unbedingt die Split mit der Band Tausend Löwen unter Feinden!


Wenn wir schon beim Hey Ruin-Video an unsere abenteuerlichen Erlebnisse in unserer Kindheit erinnert werden, dann darf natürlich die Inspirationsquelle in Form einer kultigen TV-Serie nicht fehlen: Ein Colt für alle Fälle hat sicher dazu beigetragen, dass wir uns damals völlig furchtfrei in abbruchreife Ruinen reingetraut haben. Ups, das war jetzt eine etwas verkrampfte Überleitung zu diesem draufgängerischen Duo aus Ravensburg namens Sons Of Lee Majors, das mit Bass, Drums und jeder Menge Wut die buchstäbliche Hölle rockt.


South Berkeley klingen mit ihrem sonnigen Sound ziemlich amerikanisch, obwohl sie aus Frankreich kommen. Die Vorbilder dürften mit Blink 182 schnell gefunden sein, aber seht und hört selbst: hier das Video zum Song Tiny Rascals.