Bandsalat: Belitzki., Cape Light, Cultdreams, Gender Roles, Keele, Montreal, Slaughter Beach Dog, Yarostan

belitzki. – „Jetzt“ (DIY) [Name Your Price Download]
Dass die Kölner Band belitzki. sehr im DIY verankert ist, zeigt schon das lustige Foto im Innenteil des schön gestalteten und selbst releasten Digipacks: hier sind nämlich die zwei Damen und die beiden Herren der im Jahr 2017 gegründeten Band zu sehen, wie sie mit Farbklecksen übersät wahrscheinlich kurz zuvor das Albumcover gemalt und mit Wasserfarbenpfützen verziert haben. Scheint Spaß gemacht zu haben. Auf ihren Debutaufnahmen kann man diesen grundsätzlichen Spaß dann auch auditiv wahrnehmen. belitzki. machen grob gesagt deutschsprachigen Indie-Punk oder auch Indie-Rock, in den Texten zeigt sich das Quartett kämpferisch, politisch und kritisch, hier ist die Nähe zur linksalternativen DIY-Szene erkennbar. Wenn ihr jetzt stumpfe Parolen erwartet, dann muss ich euch enttäuschen, denn belitzki. gehen textlich poetisch und mit Köpfchen zur Sache. Der Gesang bewegt sich zwischen gesprochenen Passagen, gesungenen Teilen und herausgeschrienen Ausbrüchen, was das Ganze ziemlich unvorhersehbar macht. Die Gitarren sind schön verspielt, kommen mal clean mal deftig verzerrt um die Ecke, dazu bauen die Drums und der polternde Bass ein solides und rockiges Grundgerüst. Die Schreistimme und auch manch musikalische Begleitung klingt dann teilweise ein bisschen wie die Beatsteaks, andere Einflüsse dürften sicherlich Bands wie Ton Steine Scherben, Mando Diao, Von Wegen Lisbeth oder Gisbert zu Knyphausen sein. Zwischendurch gibt es aber auch mal völlig reduzierte Sounds wie z.B. bei Dienstag morgens auf dem Amt oder Fredas Song (Selbstgespräch), bei dem passenderweise dann auch Freda den Gesang übernimmt. Klingt etwas nach Judith Holofernes von Wir sind Helden. Ihr seht schon, das alles sorgt für die nötige Abwechslung. Spannungsaufbau mit Post-Rock-Referenzen gibt es z.B. beim sich hochsteigernden Song Brenn zu bewundern, zudem ist der Refrain schön hymnisch angelegt. Alles in allem bekommt ihr von einer sympathischen Band mit Leidenschaft und Herzblut neun Songs in etwas knapp über einer halben Stunde Spielzeit zu hören. Checkt das mal zum Spendenpreis an, ihr Indie-Rocker!


Cape Light – „A Discography“ (Zegema Beach Records) [Name Your Price Download]
Keine Ahnung, ob Cape Light aus Tokio/Japan noch aktiv sind, hier sind jedenfalls mal alle bisher aufgenommenen Songs der Band zu hören. Dabei handelt es sich um drei Songs der Debut-EP, drei Songs der Split-EP mit der Band 5000 und vier bisher unveröffentlichte Songs aus dem Jahr 2018. Cape Light machen ziemlich abgefahrenen zappelig-chaotischen Screamo mit unglaublich weirden Gitarrenläufen und hektischem, arhythmischen Getrommel. Obwohl es manchmal ziemlich zur Sache geht und sich der Sänger die Emotionen aus dem Leib kreischt, schleichen sich immer wieder unterschwellige Melodien ins Chaos mit ein. Für Fans von Bands wie Loma Prieta, Raein, La Quiete oder auch Beau Navire dürfte das hier sicher ein Festmahl darstellen!


Cultdreams – „Things That Hurt“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Viele von euch werden es wahrscheinlich sowieso wissen, aber ich trete das jetzt einfach trotzdem mal breit: Die Band Cultdreams startete im Jahr 2014 unter dem Namen Kamikaze Girls. Unter diesem Namen erschien eine EP (Sad) und ein Album (Seafoam), beide Releases wurden nicht nur in der britischen Heimat abgefeiert, das Duo wurde auch international wahrgenommen. Lange vor der MeToo-Kampagne machte Sängerin Lucinda Livingstone sexuelle Belästigung und alltägliche Frauenfeindlichkeit zum Thema, zudem konnten sich viele Menschen mit den aufwühlenden Lyrics über Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen identifizieren. Anfang 2019 entschloss sich die Band im Rahmen der Ankündigung zu Studioarbeiten eines zweiten Albums zur Umbenennung. Musikalisch ist jedoch alles beim alten geblieben: Auch auf Things That Hurt lässt die stimmige Mischung aus Post-Hardcore, Shoegaze, Post-Rock, Punk, Grunge und Indie-Rock aufhorchen! Die Songs wabern bewusst roh und kantig aus den Lautsprechern, dabei drängeln sich immer wieder eingängige Refrains und melancholische Momente in den Vordergrund, so dass man bereits bei der ersten Hörrunde meint, den Song aus einem früheren Leben zu kennen, z.B. gleich beim Opener Born An Underdog. Und auch textlich wird kein Blatt vor den Mund genommen. Die politische Entwicklung in Großbritannien und dem Rest der Welt versetzt Land und Leute in Aufruhr. Und nagt gewaltig am Nervenkostüm, was man den wiederum treffend formulierten Textpassagen anmerkt. Die Giftwolke (?) vom Albumcover steht vermutlich symbolisch für das vergiftete politische und gesellschaftliche Klima in diesen Zeiten. Dass diesmal auch wieder feministische Inhalte angesprochen werden, versteht sich bei einer Band wie Cultdreams von selbst! Musikalisch geht es mal ruhiger zu (Brain Daze, Don’t Let Them Tell You Otherwise, Statement), dann gibt es aber auch genügend wütende Passagen (Not My Generation, Rest/Reflection, Repent, Regress) bevor mit dem Schlusstitel Toxins gespenstisch wirkende Gitarren das tosende Finale einleiten und der Gesang sich schön ins Ohr einbettet. Geiles zweites Album!


Gender Roles – „Prang“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Auf die Band Gender Roles stieß ich letztes Jahr eher zufällig beim Bandcamp-Surfen. Der Song Plastic von der Debut-EP Lazer Rush blieb sofort im Ohr kleben und wanderte schnurstracks auf eine selbstgebastelte Compilation. Nun flattert hier also das Debutalbum der Briten in Form einer Promo-CD rein. Und bereits beim ersten Song bleibt einem die Spucke weg! Gender Roles klingen so frisch und unverbraucht, dazu schütteln sie Ohrwürmer am laufenden Band aus den Ärmeln! Die Produktion ist fett und glasklar, die Gitarren fuzzen unwahrscheinlich locker daher, man wünscht sich von der ersten Sekunde an direkt in einen Punkrock-Pogomob im bunten Bällebad! Man hört dem Sound des Trios den Spaß und die Spielfreude an, da wird Punkrock mit Indie, Grunge und Post-Punk gemischt und in eine hibbelige und energiegeladene Form gebracht, die dazu noch äußerst tanzbar und catchy ist. Wer von den neuen Foo Fighters-Sachen gelangweilt ist, frühen Blur hinterhertrauert und ab und an Bands wie Audio Karate sein Gehör schenkt, wird vom spannungsgeladenen Sound der Gender Roles begeistert sein! Ich feier die zehn Songs jedenfalls übelst ab!


Keele – „Kalte Wände“ (Rookie Records) [Stream]
Das Debutalbum der Band aus Hamburg hat jetzt auch schon wieder zwei Jährchen auf dem Buckel und schon jagen die Jungs ihr zweites Album hinterher. War das Debut schon schön glatt produziert, klingt der Nachfolger noch mal ’nen Zacken wuchtiger und flächiger. Auch vom Soundschema her gibt es ein paar neue Entwicklungen zu entdecken. Zum deutschsprachigen Punk der Marke Captain Planet, Turbostaat, Willy Fog und Muff Potter gesellen sich fast Post-Hardcore/Post-Rock-mäßige Passagen, was das Ganze schön abwechslungsreich macht. Gefällt mir persönlich sehr gut, dazu gehen alle Songs ziemlich gut ins Ohr und die Songarrangements sind auch stimmig. Die Texte sind völlig klischeefrei und spiegeln persönliche Geschichten aus dem Umfeld der Band wider. Musik war schon immer die beste Therapie, um ungewöhnliche und frustrierende Geschehnisse zu verarbeiten. So hat man mit Verlustängsten zu kämpfen, steckt in berufsbedingten Identitätskrisen und befindet sich dadurch ständig am Rande einer Depression. So hat die Band jedenfalls genügend inhaltlichen Stoff zusammengetragen, der für insgesamt elf Songs in einer Spielzeit von 35 Minuten reicht. Das Albumcover verstehe ich persönlich nicht so ganz, meiner Meinung nach ist dort eine halbe Hand zu sehen, die in einen Eimer mit schwarzer Farbe eingetaucht wurde, da wäre der Albumtitel Kalte Hände angebrachter gewesen, aber vielleicht ist dieses Wortspiel ja gerade gewollt. So verdrehte Wortspiele scheinen ein Steckenpferd der Jungs zu sein. Anspieltipps: das vielseitige Kalte Wände knallt ganz gut, wenn ihr es dissonanter liebt, dann wäre Einer von den Großen zu empfehlen. Sucht ihr ein emotionales Gitarrenriff mit schön gegenspielendem Bass, dann müsst ihr unbedingt Schwarze Decken anchecken. Fazit: dieses Album toppt das Debut um Längen!


Montreal – „Hier und heute nicht“ (Amigo Records) [Youtube]
Ha, witzig, das hatte ich schon lange nicht mehr! Mein mp3-Rip-Programm (Audiograbber) meint doch tatsächlich bei Einlage der Montreal-CD, dass es sich um das Album Friends, Lies and the End of the World von der Band Reach The Sky handelt. Online in der freeDB wird das Album von Montreal zum Zeitpunkt des Verfassen dieses Textes auch noch nicht gefunden, also muss irgendwas bei der CD-Pressung falsch gelaufen sein. Und witzigerweise liebe ich das Reach The Sky-Album ja noch immer! Montreal haben musikalisch nicht mal ansatzweise was mit Reach The Sky zu tun. Bisher hab ich mich mit der Band in den 15 Jahren ihres Bestehens auch gar nicht wirklich befasst, ich kann mich nur noch an einen ganz okayen Auftritt im Vorprogramm der 2007er Tour von Samiam erinnern, der mich aber nicht wirklich von den Socken gehauen hat. Bei Hier und heute nicht handelt es sich um das siebte Album und man muss sagen, der Sound klingt verdammt frisch. Dem deutschsprachigen Pop-Punkrock scheint vom ersten Ton die Sonne aus dem Arsch, eine Hookline jagt die nächste, hymnische Mitsingrefrains gehören wohl zur Grundausstattung des Trios, hierbei gefällt besonders der an vielen Stellen auftauchende Doppelgesang und die melodischen Gitarren. Die Band fackelt aber auch gar nicht lange und kommt direkt zur Sache, musikalisch wie auch textlich. Die Formel lautet: es sind knapp drei Minuten Zeit, die muss man voll und ganz ausnützen! Hinter dem Albumcover mit dem Blumenkübel und dem Albumtitel steckt übrigens ein Schlüsselerlebnis der Band, wie man im Text zum gleichnamigen Song erfährt. Vorsicht, kleiner Spoiler: alles nochmals gut ausgegangen! Die zwöf Songs gehen jedenfalls allesamt sofort ins Ohr, wer Bands wie die Ärzte, Adam Angst, Donots oder auch englischsprachigen Punkrock wie die Bouncing Souls oder Millencollin mag, sollte hier mal reinhören.


Slaughter Beach, Dog – „Safe And Also No Fear“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Hinter Slaughter Beach, Dog steckt Jake Ewald von Modern Baseball, was mir bis zum Erhalt eines Besprechungsexemplars des mittlerweile dritten Albums Safe And Also No Fear noch nicht bewusst war, ich wusste nicht mal von der Existenz der Band. Da mir die bisherigen Veröffentlichungen also gänzlich unbekannt sind und diese laut Presseinfo zugänglicher sein sollen, stört mich das daher nicht die Bohne. Denn die zehn Songs des aktuellen Albums nehmen mich ab dem ersten Ton gefangen und ich weiß bereits bei den ersten paar Durchläufen, dass das Ding während des Herbstes noch öfter laufen wird. Der Sound mag auf den ersten Blick etwas sperrig wirken, dennoch arbeiten sich immer wieder eingängige Hooklines heraus, begleitet von der warmen Stimme Jake Ewalds. Versucht man, diese Musik in Sparten einzuordnen, dann passt wahrscheinlich gitarrenorientierter Indie-Rock noch am ehesten, Ausflüge in Emo, Folk und Punk sind ab und an auch vorhanden. Von der Grundstimmung dominiert die Melancholie, diese wird zusätzlich durch die persönlichen Texte unterstrichen. Textlich geht es ziemlich düster und depressiv zur Sache. Mentale Zustände werden hinterfragt, es geht um Zerbrechlichkeit, Unsicherheit, Furcht und um die Flucht vor unangenehmen Gedanken. Am Besten hört man  das Album also in einer ruhigen Minute am Stück an und erfreut sich dabei an Highlights wie z.B. dem fast siebenminütigen Black Oak, der Gitarren-Hookline bei Tangerine oder dem schleichenden Map Of The Stars. Und entdeckt bei jedem weiteren Durchlauf, was für ein Grower dieses Album doch ist!


Yarostan – „Selftitled“ (Crapoulet Records u.a.) [Stream]
Auf die Band Yarostan bin ich eigentlich schon vor einiger Zeit über Bandcamp gestoßen. Jetzt hat Dave von Zegema Beach Records die Songs des selbstbetitelten Debuts zusammen mit dem neulich besprochenen Aleska-Album auf ein Split-Tape gepackt, weshalb mir die Band nun erneut ins Visier geriet. Yarostan kommen aus Marseille, haben sich nach einer Person aus dem 1976 erschienenen Buch Letters Of Insurgents von Fredy Perlman benannt und spielen diese typische Art französischen Screamo, den wir von Bands wie Daïtro oder Amanda Woodward so zu schätzen gelernt haben. Zwischen den emotionsgeladenen Screamo-Ausbrüchen bleibt aber auch immer wieder mal Zeit für bedächtige, ruhigere Momente, die auch schon mal in die Post-Rock-Ecke schielen, was dann im Finale beim Song Commencement in einer zwölfminütigen Session intensiviert wird. Yarostan solltet ihr unbedingt mal anchecken und anschließend im Auge behalten!


 

pADDELNoHNEkANU – „My Button Is Bigger Than Yours“ (30 Kilo Fieber Records u.a.)

Erstmals bekam ich von pADDELNoHNEkANU Wind, als mich eine Besprechungsanfrage zur 1+1 = 2fel-7inch erreichte und mir daraufhin selbige zugesandt und das Ding natürlich auch von mir besprochen wurde. Damals wusste ich zwar, dass die Bandmitglieder schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben und vermutlich zu einer ähnlichen Zeit wie ich selbst mit der DIY-Punk/Hardcore-Subkultur in Berührung kamen. Was mir aber erst jetzt – mit der physischen 12inch-Bemusterung des Albums My Button Is Bigger Than Yours – aus dem liebevoll zusammengetackerten DIN-A5-Textheftchen sowie aus dem Infozettel bekannt wird, ist für euch Nietengürtel-Szene-Punks sicher bereits ein alter Hut: das hier ist erst das zweite Album von pADDELNoHNEkANU, obwohl die Band schon seit 17 Jahren rumlärmt. Zudem schrumpfte die Band seit der letzten EP zum Trio, vorher war die Formation zu viert unterwegs. Und das kommt den Baden-Badenern zumindest schonmal optisch ganz gut in die Quere. Auf dem Backcover gibt’s nämlich eine Foto-Hommage an die Beastie Boys und deren Check Your Head-Albumcover. Und die Beastie Boys waren nun mal auch zu dritt. Aber wo sind denn die Songtitel abgeblieben? Das erfährt man nach kurzem Entziffern des Gekritzels auf dem Backcover: Leute, die die Platte besitzen, sollen die Songtitel selbst eintragen, vom Ergebnis ein Foto machen und das Ding per Mail an die Band schicken. Geil, den DIY-Spirit auf die Zuhör-Gemeinde abgewälzt, natürlich mit der Aussicht auf Gewinnchance eines lustigen Überraschungspakets für die schönste aller Zusendungen. Wenn man sich das Frontcover so anschaut, dann wird klar, dass man mit minimalem Aufwand, null Talent und fehlendem Geschmack bei der Anfertigung der Songtitelbeschriftung gute Chancen auf den Hauptgewinn haben könnte! Vielleicht ist das haarsträubend hässliche Albumcover ja sogar auch ein Ergebnis einer solchen Aktion. Jaja, der alte Affe Punk! Drück den Knopf, dann is gut, Alter!

Die Platte beginnt mit einem Radiosample, hier wird über das Demo von pADDELNoHNEkANU sinniert, von wegen schlechte Proberaumaufnahme aber erkennbar vorhandenes Potential. Und genauso scheppert der Song Willkommen im Vakuum los. Die Gitarre schrammelt, der Bass knödelt, dazu passt die raue Stimme und das mit viel Crashbecken und kraftvoll gespielte Schlagzeug. Vom Gesang her erinnert die Stimme von Sänger und Gitarrist Felix ein wenig an Rio Reiser. Erstaunlich ist, dass sich trotz der schrammeligen Dissonanz der Gitarre immer wieder eine einprägsame und melodische Hookline in die Hörgänge dreht. Songs wie z.B. Nicht hier, nicht jetzt, nicht Du oder Cybertronic Ultra Bot zählen zu meinen persönlichen Highlights. Gerade das Gitarrenriff von Cybertronic Ultra Bot hat sich schön tief im Ohr eingenistet, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass das von irgendwoher geklaut ist. Ich komm nur nicht drauf, an welche Band mich das erinnert. Ist aber auch egal, denn der Song ist der Hammer.

Und auch der Rest des Albums wächst einem nach mehreren Hörrunden ans Herz. Irgendwie liegt das auch an der melancholischen Stimmung, die permanent zu spüren ist. Und natürlich spielt auch die Leidenschaft der drei Musiker eine tragende Rolle. Diese lässt sich am einfachsten entdecken, wenn man – während die Platte läuft – im Textheftchen stöbert, obwohl man die deutschen Texte eigentlich ziemlich gut verstehen kann. Hier zeigt sich einfach der DIY-Charakter, der tief mit der Band verankert ist. Die sehr guten Texte regen obendrein zum Nachdenken an, zudem kann ich das Vorwort der Band voll und ganz unterschreiben. pADDELNoHNEkANU gefallen nicht nur, wenn sie vor sich hin schrammeln, auch die reduzierten Parts, in denen der Bass schön in den Vordergrund rückt, wirken in sich stimmig. Hört mal Harald Ewert I und II, dann wisst ihr, was ich meine. Diese ruhigeren Passagen erinnern mich igrendwie an die Band Sog, falls die noch jemand kennen sollte. Wenn wir schon bei vergleichbaren Bands sind, dann fällt mir so Zeugs wie Einleben, Hi Tereska, frühe Karate oder Tocotronic ein. Manchmal erinnert der Klang der Gitarre an so Sachen wie Dawnbreed, frühe Monochrome oder Van Pelt. Deutschpunk trifft auf Washington DC sozusagen. Auch wenn das Albumcover nicht gerade den Schönheitspreis gewinnt, solltet ihr euch die Musik von pADDELNoHNEkANU auf Vinyl zu Gemüte führen, denn da wirkt sie einfach am intensivsten! Erscheint übrigens als Co-Release der Labels 30 Kilo Fieber Records, Elfenart Records und auf dem bandeigenen Label krachige Platten.

8/10

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Brandt – „Selftitled 7inch“ (Sic Life Records)

Als dieses kleine Scheibchen per Post ins Haus flatterte, war es draußen noch ungemütlich kalt, der Ostwind hatte Süddeutschland gnadenlos im Griff und kein Mensch hätte jemals auch nur ahnen können, dass sich ein paar Tage später der erbarmungslose Russenwind legte und die Sonne an einigen windstillen Ecken so warm wurde, dass man gar ohne dicken Mantel erste Getränke auf dem Balkon einnehmen konnte (ohne am Glas/Flasche festzufrieren). Und so, wie die Vögel bei den ersten Sommerstrahlen des Frühlings anfangen zu zwitschern, stellte sich bei mir aufgrund der genehmen Wetterlage und der Musik, die aus den Lautsprechern auf den Balkon schallte, ziemlich gute Laune ein. Denn genau an diesem Tag klatschte ich erstmals diese erste 7inch der Band Brandt aus Münster auf den Plattenteller. Eigentlich ziemlich ungewöhnlich für mich, zugeschicktes Vinyl so lange unbespielt neben dem Plattenspieler liegen zu lassen. Aber letztendlich denke ich, dass dieser Zeitpunkt genau der richtige war.

Obwohl die A-Seite mit einem wolkigen Wetterereignis in Bezug auf das reale Leben startet, stiehlt dieser Song direkt beim ersten Durchlauf mein Herz. Diese locker aus dem Ärmel gespielten Gitarren, das herzhaft gezockte Schlagzeug, der eigenwillige Bass, der nervös aber extrem variantenreich rauf und runter rast. Das alleine zaubert schon das erste Grinsen ins Gesicht. Wenn dann noch die Vocals einsetzen und der Refrain sich direkt beim ersten Durchlauf im Gehörgang einnistet, dann weiß man, dass der Frühling endlich da ist. Und das geschieht beim Song Cloud ebenso unerwartet wie oben beschriebene Wetterschwankung innerhalb kürzester Zeit, der Song dauert nämlich lediglich knappe zwei Minuten und bietet sich daher an, auf eurem nächsten Mixtape zu landen. Mit Area folgen zwei weitere Minuten, die positiv auf’s Gemüt schlagen. Geiler Song, ebenfalls mixtapetauglich!

Die B-Seite startet dann mit dem etwas flotter gespielten Streets, das gefühlt das schnellste Stück auf diesem Scheibchen ist. Rockt ordentlich, dabei faszinieren diese melodischen Gitarren, die zusammen mit disharmonischen Gitarrenriffs  und innovativen Bassspielereien Songs basteln, die im Gehör hängen bleiben. Beim letzten Song Wildlife kommt dann noch so eine rockige Note mit rein, die mir aber irgendwie nicht so gut wie das Zeug bei den vorherigen drei Songs gefällt. Wildlife dauert glücklicherweise nur etwas über eine Minute, daher kann man das verkraften. Das ist eigentlich aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an dieser Veröffentlichung. Obwohl, schade find ich auch, dass dem Scheibchen keine Lyrics und auch kein Downloadcode beigelegen hat. Das mit dem Textblatt ist nicht so schlimm, denn die Lyrics lassen sich aufgrund des deutlichen Gesangs gut raushören. Aber einen Download-Code wünscht man sich trotzdem spätestens nach dem vierten Gang vom Balkon zum Plattenspieler. Auch wenn die Band ihre Setlist noch per Hand aufs Papier bringt und anstelle von Vitaminwasser in Plastikflaschen den hopfigen Freund im Glasmantel bevorzugt. Den letzten Satz hab ich mir aus dem Presseinfo zusammengereimt. Wer sich eine Mischung aus indielastigeren Samiam, Van Urst und punkigeren Guided By Voices vorstellen kann, der sollte ruhig mal ein Ohr riskieren.

7.5/10

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