Descubriendo A Mr. Mime & Hurricäde – „Split 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)

Zwei spanische Bands, die musikalisch ganz gut zueinander passen, geben sich auf dieser wunderschön anzusehenden Split 7inch die Ehre. Der braune, dicke Karton ist auf der Front- und Rückseite mit wundervollen Zeichnungen im Lexika-Stil besiebdruckt. Das Artwork stammt mal wieder vom hier schon öfters erwähnten Rodrigo Almanegra (u.a. We Never Learned To Live, Kishote, Boneflower), wie man im auf Briefpapier bedruckten Textblättchen erfährt. Beide Bands singen in ihrer Landessprache (Descubriendo A Mr. Mime auf Spanisch, Hurricäde auf Katalanisch), daher wären natürlich englische Übersetzungen noch ein Bonus gewesen, aber man kann nicht alles haben. Neben Dingleberry Records sind noch die Labels Krimskramz, Dog Knights Productions, Saltamarges und Caleiah am Release beteiligt.

Nun, auch wenn Front-und Backcover die Bandreihenfolge etwas widersprüchlich wiedergeben, kommen bei der Wahl der Vinylseite keine Zweifel auf, welche Band momentan oben liegt. Die Labels des durchsichtigen Vinyls sind nämlich ebenfalls mit emblemartigen Zeichnungen und den Anfangsbuchstaben der jeweiligen Band bedruckt. Ich geh jetzt einfach mal alphabetisch vor und beginne mit Descubriendo A Mr. Mime aus Madrid, von denen ich bisher noch keine Notiz genommen habe, obwohl die Jungs auch schon einige Jährchen auf dem Buckel haben (Gründung 2008) und schon etliche Veröffentlichungen vorweisen können. Die zwei Songs dieser 7inch machen mich jedenfalls neugierig auf das Zeug, das die Band bisher veröffentlicht hat. Geboten wird hier intensiver, emotionaler Hardcore/Screamo mit Post-Hardcore-Einschlag und dezenten Post-Rock-Einflüssen. V.a. die Gitarren haben es mir hier angetan, die kommen nämlich schön verspielt und abwechslungsreich um die Ecke. Das klingt dann nach einer Mischung aus frühen La Quiete, Standstill, frühen We Never Learned To Live, Louise Cyphre und Tristan Tzara. Gefällt mir außerordentlich gut, auch wenn beim Gesang etwas mehr Abwechslung nicht schlecht wäre.

Hurricäde hingegen sind mir sehr wohl bekannt, ihr 2014er Debutalbum Anachronisms feierte ich seinerzeit gebührend ab. Und auch diese zwei Songs hier zeigen, dass die Band aus Girona ihr Pulver lange noch nicht verschossen hat. Hoffentlich dient das Scheibchen hier als Appetitanreger für ein neues Album. Wie froh wäre ich, wenn da bald mal was nachfolgen würde. Geil produziert schrauben sich die Gitarren messerscharf ins Gehör, dazu kommt ein Schlagzeuger, der druckvoll und sicher in die Felle haut und dazu noch alle Rhythmen aus dem FF zu beherrschen scheint. Dazu gesellt sich ein Sänger, der neben derbem Geschrei auch schonmal ein paar Spoken Words einstreut, was die Sache noch abwechslungsreicher macht. Der Sound bewegt sich zwischen Post-Hardcore, etwas Noise und Math, Screamo, Emo und Post-Rock. Wahnsinn, das sind nur drei Leute, die hier diesen unglaublich dichten Sound fabrizieren. Vielleicht ist auch gerade das der Grund, warum man aus dieser Aufnahme den knarzigen Bass so schön raushören kann, hier scheint jedes Instrument gleichberechtigt zu sein. Alles in allem ist diese Split 7inch eine runde Sache, da solltet ihr schnell zuschlagen, um dieses auf 300 Stück limitierte Scheibchen zu ergattern.

8/10

Name Your Price Download / Dingleberry Records


Bandsalat: Coma Commander, Driven Fear, Epona, Holler House, Karina Kvist, Libido Wins, Polyphony , Veery

Coma Commander – „Council Of The Jackalope“ [Stream]
Sperrt eure Langohr-Löffel auf, so wie es der Feldhase auf dem Albumcover macht. Coma Commander kommen aus Belgien, genauer gesagt aus Diest. Und was aber wichtiger ist: die fünf Jungs machen soliden Punkrock mit ordentlichem Emo-Einschlag. Göttlich, ohne Religiösität. Das ist Punkrock, wie ich ihn liebe. Ab auf’s Skateboard, rein in den Pit, ohne Angst vor diversen Bierduschen. Freunde von Ami-Bands wie Hot Water Music oder deutschen Bands wie Hell & Back sollten das unbedingt anchecken. Emotionaler Punkrock mit hammergeilen Gitarren, da wird man vom Commander direkt ins Coma befördert!


Driven Fear – „Freethinker“ (Pee Records) [Stream]
Ich mag solche Gitarren wie am Anfang dieses Albums…Trust haben sie benutzt, Anthrax haben sie verfeinert und auch hier rocken diese elektrischen Gitarren ungemein. Was mich an der Aufnahme trotzdem ein wenig stört, ist lediglich die Tatsache, dass die Mucke trotz Spielfreude etwas zu glatt produziert klingt. Gerade bei Fireball (Mr Sinister) fällt dies extrem auf, obwohl der Song alles niederrockt. In Care Of Pt 2 ist auch enorm mächtig. Und auch der Rest. Warum nörgel ich eigentlich rum, die 12 Songs mähen alles nieder! Melodic Hardcore mit (haha) melodischer Kante!


Epona – „II“ (DIY)  [Name Your Price Download]
Die Debut-EP der Jungs aus Margate/UK machte mich bereits hellhörig, nun folgt mit II ein weiteres Lebenszeichen, allerdings nur mit zwei Songs. Meine Liebste meinte zwar neulich, dass die Mucke total langweilig und nichtssagend wäre, aber mir persönlich gefällt dieses laid back-Geschrammel schon ganz gut. Ich geb ja zu, dass es schwer ist, an einen Hit wie Closure nochmal anzuknüpfen und irgendwie fehlt mir bei diesen zwei Songs das fröhlich melodische Gitarrengeschrammel der ersten Aufnahmen, zudem sind die beiden Songs deutlich grungelastiger aufgebaut. Trotzdem ganz nett, also saugt euch das Ding zum Name Your Price Download.


Holler House – „Lodge“ (DIY) [Stream]
Ich will mich ja nicht beschweren, aber die ganzen Anfragen mit physischer Bemusterung halten mich ganz schön auf Trab. Hier kommt mal ’ne Band, die ich schon vor ein paar Monaten entdeckt habe, bisher war aber keine Zeit übrig, das Ding mal zu besprechen. Nun, diese Band würde auf Vinyl sehr wahrscheinlich alles zerstören. Mannometer, was für ein geniales Noise-Gewitter. Für’s nächste Mixtape solltet ihr euch diesen genialen Song vormerken, der euch eure Basecap vom Kopp bläst: Please ist hammermäßig geil. Deadverse trifft auf None Left Standing und ganz viel Noise.


Karina Kvist – „EP ’16“ (DIY) [Freier Download]
Bamberg hab ich bisher eher mit schlechter fränkischer Mundart als mit geilem deutschen Screamo/Skramz/Emo in Verbindung gebracht. Tja, man lernt nie aus, zudem zeigt das wieder, dass jegliche Vorurteile total käsig sind.  Beim ersten Stück namens Hakan rattert erstmal das Gehirn, da mir das Riff am Anfang ziemlich bekannt vorkommt, aber mir weder Band noch Lied einfallen will. Ist das Coldplay? Scheiß drauf, denn was darauf folgt, hat dieses gewisse Etwas, das mir schon an Bands wie Manku Kapak oder Kishote gefallen hat. Tief emotional, Punkeinflüsse hört man hier ebenso mit raus, da die unpolierten Kanten  dringelassen wurden. Hört euch nur mal den Bass an, der immer wieder durchsickert. Neben schrammeligen Gitarren und hektischem Getrommel kommen auch melodische Gitarren zum Einsatz und dazu noch dieser zerbrechlich-wütende Gesang. Neben oben genannten Bands kommt auch Zeugs wie Soul Structure oder halt so 90’s Emo-mäßiges in den Sinn. Checkt das unbedingt mal an. Ich bin gespannt, was da noch folgen wird!


Libido Wins – „Anhedonia“ (DIY) [Stream]
Naja, der Bandname und dann noch der Albumtitel und das Albumcover…aber irgendwie ist da ja schon hin und wieder was dran. Nun, die Band aus Ungarn möchte vieles: zum einen klingen die vier Jungs so, als ob der Spaß im Vordergrund stehen würde, dann kommen experimentelle Einschübe durch, die an Beethoven & Co erinnern. Live ist das sicher ganz genehm, aber auf Konserve spricht mich das hier absolut nicht an, auch wenn manche Ansätze stimmen und die ein oder ander Gitarren-Line Dir ein Lächeln in die Augen zaubert.


Polyphony – „Simple Math“ (DIY) [Name Your Price Download]
Seit 2010 ist dieses gemischte Quartett hier unterwegs, aber erst jetzt bin ich bei meinen selten gewordenen Bandcamp-Ausflügen auf diese vier-Song-EP gestoßen und irgendwie hängen geblieben. Ziemlich zappelige Zukunftsmusik, sehr mathig, vertrackt, hektisch, chaotisch und verrückt. Cooles Artwork obendrein. Live sicher total abgehend.


Veery – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Keine Ahnung, warum ich in diese sechs-Song-starke EP reingehört habe. War’s ’ne Empfehlung von irgendwem, ’ne Anfrage oder einfach nur ’ne Selbstentdeckung? Egal, was auch immer, diese EP kesselt Dich demomäßig ein, wenn Du auf so ’ne Mischung aus 90er-Grunge und Hardcore-Gitarren á la Snapcase und Helmet abfährst. Kommt mächtig, Grunge meets Post-Hardcore, ordentliches Bassgewummer mit Störgeräuschen und Rückkopplungen, die Dich in den Wahnsinn treiben. Wer das Ding nicht zumindest zum Name Your Price-Download auf die Festplatte zippt, ist selbst Schuld.


 

Dingleberry Records LP-Special: Bennasr Alghandour, Istmo, Verbal Razors

Bennasr Alghandour – „Selftitled“ (Dingleberry Records u.a.)
Puh, das was die zwei Franzosen da machen, ist irgendwie schwer zugänglich, verschroben, experimentell, an den Nerven sägend und zugegeben etwas anstrengend. Das fängt bereits beim Albumartwork an, zu welchem mir rein gar nix einfallen will. Höchstens vielleicht ein mit Photoshop zusammengebasteltes Phantasiewesen aus mehreren Tieren. Das Ding auf der Vorderseite ist ein Hund plus Muschel, die Kreatur auf dem Backcover sieht nach Zebra-Bär-Rind aus. Die einzelnen Teile zerfließen zu etwas Neuem. Ähnliche Elemente findet man bei der Musik der beiden Pariser, die noch bei manchen Songs von Gastmusikern unterstützt werden. Ich werd bei so ’nem verschwurbelten und vertrackten Sound ziemlich schnell nervös und hibbelig, zudem kommen mehrere Instrumente zum Einsatz, man vernimmt schonmal eine Geige, Orgeln oder Synthesizer, das wirkt hektisch. Am nervenaufreibendsten wird es jedoch, wenn wie bei Fade To White oder Le Respect (c’est toujours) Gesang mit dabei ist. Dann lieber instrumental, der Gesang klingt einfach zu lustlos. Rein instrumental kommt das ganze nämlich schön sägend und hämmernd daher, überwiegend mit viel Druck, das Getrommel hat jedenfalls ordentlich Pfeffer. Die sieben Songs wurden live aufgenommen, was wohl auch zum intensiven Feeling beiträgt. Die Jungs geben live sicher ein interessantes Bild ab. Und zugegeben, je mehr Durchläufe man der Platte gönnt, umso mehr erwischt Dich der Noise/Math/Punk/Hardcore/Rock-Klotz an der Birne, aber bis dahin ist es eine Herausforderung. Neben Dingleberry Records erscheint das Ding auf En veux tu? En v’là!, Jungle Khôl, MisèRecords, Hell Vice i Vicious, Gurdulu und Clac Records.
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Istmo – „Selftitled 12inch“ (Dingleberry Records)
Das Wort Istmo kommt laut meiner Recherche über einen Online-Übersetzungsdienst aus dem Spanischen und hat seinen Ursprung aus der griechischen Geographie. Isthmus kann mit „Landenge“ übersetzt werden, also der engste Punkt einer Landbrücke zwischen zwei Festlandpunkten, die von Unmengen an Wasser umgeben sind. Solche Stellen eignen sich für den Bau von Kanälen, ein berühmtes geographisches Beispiel ist z.B. der Panama-Kanal. Schon wieder was gelernt! Und jetzt erklärt sich auch das Albumcover, das auf einen schwarzen Karton gesiebdruckt ist. Wieder mal das schäumende Meer, das man in letzter Zeit auf so einigen Albumcovern findet. Nun, auch bei Istmo hat man die schäumende Gischt und das unvorhersehbare Wellengang-Spiel auf dem Schirm, welches von ruhiger See bis tobender Sturmfront mit 8m hohen Wellen reicht. Mir persönlich würde dieses schicke Scheibchen, das im durchsichtigen Vinyl einen schönen Kontrast zur schwarzen Ummantelung bildet, noch besser reinlaufen, wenn etwas Geschrei/Gesang dabei wäre. Rein digital bemustert hätte ich das Zeug der Band aus Bari/Italien eher etwas langweilig gefunden, aber auf Vinyl entwickeln die zwei Songs schon einen gewissen Reiz. Da werden vertrackte Passagen und dynamische Parts entdeckt, da wickelt sich ein mächtiges Riff um Deinen Hals und zieht langsam die Schlinge zu. Nach einigen Durchläufen freundet man sich letztendlich mit dem herbstlich angehauchten Post-Hardcore an, der mit langgezogenen Ambient/Post-Rock-Passagen ausgeschmückt ist. Abwechslung bringen auch ein paar Post-Metal-Parts. Ach so, wiedermal wirken bei diesem Release etliche Labels mit: bookhouse records, Forever True Records, Monte Calvario, Controcanti, Ruffmo Records, Rubaiyat Records, Same Grey Records, Blessed Hands Records, Suspended Soul Tapes And Records, Insonnia Lunare Records und Dingleberry Records.
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Verbal Razors – „Misleading Innocence“ (Dingleberry Records u.a.)
Der Nuclear-Assault-mäßige Schriftzug  und das farbenfrohe, fast strahlende Albumcover versetzt mich in eine Zeit zurück, in der man blaues Vinyl nur von den Dimple Minds gewohnt war (Schaut mal wieder das Blau auf’m Bau-Video an, das ist ein Klassiker) und jedes Wochenende ’nen ordentlichen Genickmuskelkater vom Moshen vorweisen konnte. Verdammt, was hab ich die Helmpflicht für Mofas damals verflucht. Fahren mit Helm war sowas von anstrengend, wenn einem die Genickmuskeln wie ausgeleierte Gummibänder vorkamen. Nun, das königsblaue Vinyl kommt natürlich sehr geil, v.a. wenn die schwache Abendsonne auf den Plattenteller scheint. Die mit den Texten bedruckte Innenhülle erinnert mich an diese eine Roxette-Platte (ich glaube „The Look“). Naja, wenn man die Nadel aufsetzt, dann freut man sich an den trashigen Gitarren, den hyperschnellen Drums, die auch mal Doublebass draufhaben und dem oldschooligen Metalgeshoute. Kommt nach dem Emo-Revival endlich das Skate/Thrash/Crossover-Revival an? Wär geil. Zwischen Tankard, Suicidal Tendencies, DRI, Biohazard (die Gangshouts) und Nuclear Assault kommen auch „neuere“ Bands wie Municipal Waste oder Death By Stereo in den Sinn. Erscheint in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Dirty Guys Rock Records, Blodd & Döner und Exu Rei Records.
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Mont-Doré – „Fractures“ (Black Basset Records)

Kleine Randnotiz: Mont-Doré stammen wie das Label Black Basset Records aus Brüssel. Die Review-Anfrage kam zeitgleich mit den schrecklichen News über die Terroranschläge in Brüssel. Obwohl in der Hauptstadt des Königreichs Belgien das totale Chaos herrschte, traf die CD dennoch  ein paar Tage später per Post ein. Gruselig. Dazu erinnert das wellenförmige Bandlogo an einen Poststempel, verglichen mit dem Poststempel vom Briefumschlag unterscheiden sich die beiden wellenförmigen Gebilde lediglich um zwei Linien. Zudem wirkt der EP-Titel im  Zusammenhang mit den traurigen Geschehnissen ebenfalls ziemlich nach, so dass es mir bei den ruhigen Eingangsklängen kalt den Rücken runterläuft. Und dann entdecke ich noch den Satz im Presseinfo, der mir den Rest gibt: FRACTURES – an album for the days after the „day after“. A remedy that should be screamed.

Nun, die im DIY verwurzelte Band Mont-Doré gibt es seit 2012, bisher wurde eine EP veröffentlicht und einige Shows gespielt, u.a. mit Celeste, Birds In Row und Death Engine. Möglicherweise hat sich dabei auch ergeben, dass Death Engine-Sänger Mik beim Song What You Gave Me Is Not A Gift mitwirken durfte. Übrigens, wenn man den Bandnamen googelt, landet man auf einer Tourismus-Seite eines Bergdörfchens in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Keine Ahnung also, was sich hinter dem Bandnamen verbergen könnte, Mont-Doré könnte auch so was ähnliches wie „goldener Berg“ bedeuten. Nun, die EP erscheint als LP, CD, Digital und auf Tape, dabei könnte ich mir vorstellen, dass das Albumcover im Vinylformat noch mehr Wirkung zeigt als auf der mir vorliegenden CD. Das Albumartwork kommt als Siebdruck auf dickem Karton sicher geil. Die symbolträchtige  Illustration stammt übrigens von einer Künstlerin namens Safia Bahmed-Schwartz.

Nach einem eher sanften Auftakt wird es beim zweiten Stück Don’t Go Wasting Your Devotion gleich mal etwas lauter. Da kommen Einflüsse aus dem Screamo, Punk, Hardcore, Post-Rock und Blackmetal zum Zug. Neben hektischem, manchmal unkoordiniert wirkendem Getrommel entzücken v.a. die verträumt gespielten Gitarren, die sich im nächsten Moment zusammen mit den Drums wie eine ratternde Wäschetrommel im Schleudergang anhören, bevor sie wieder richtig fett melodisch rotieren. Dazu der Gesang, der zwischen Leiden und Wut hin und herpendelt. Beim Song Of Course You Are erinnern mich die Gitarren am Anfang übrigens ein wenig an den Songanfang von Hier Kommt Alex von den Toten Hosen, aber dafür braucht man viel Phantasie. Auf der sieben Songs dauernden Reise wird es jedenfalls kaum langweilig, da die Jungs es raushaben, zwischen den Stilen hin und her zu pendeln und dabei die Spannung aufrecht zu erhalten. Selbst wenn die Gitarren mal zurückgefahren oder komische Math-Effekte eingebaut werden, hat man nicht das Bedürfnis, weiterzuswitchen. Zum Schluss muss ich dann doch nochmal mit Angeberwissen aus dem Promozettel nerven: für den satt abgemasterten Sound ist Magnus Lindberg von Cult Of Luna verantwortlich. Die Jungs spielen übrigens die kommenden Tage ein paar Shows, u.a. steht ein Auftritt auf dem Miss The Stars Fest an.

8/10

Facebook / Bandcamp / Black Basset Records


Bandsalat: Anorak, Chiefland, The Guests, Planet Watson, Rope, Ubiquity, White Wine, Yndi Halda

Anorak – „Kalter Frieden EP“ (Uncle M) [Video]
Dieses Quintett aus Köln existiert wohl bereits seit 2010 und doch handelt es sich bei diesen zwei Songs um die Debut-EP der Jungs. Nun, manchmal dauert es halt ein wenig länger und im Falle der zwei Songs lässt sich sagen, dass diese sehr durchdacht arrangiert und ausgefeilt klingen. Irgendwo zwischen Post-Hardcore, Screamo, Emo und etwas Post-Rock ist eine Mischung entstanden, die zu begeistern weiß. Verspielte Gitarren-Parts mit schönen Basspassagen werden von atmosphärischen Stimmungen begleitet, bevor die Gitarren dann doch anziehen und fetter werden. Zudem beherrscht der Sänger diese resignierende Melancholie, die emotionsgeladen zwischen predigenden Spoken Words und Geschrei pendelt. Abgefahren auch die nach Nintendo-Spiel klingende Gitarre bei Cold Winter. Und auch textlich hat die Band was zu sagen, Cold Winter z.B. setzt sich mit den tagespolitischen und gesellschaftlichen Themen der Flüchtlingsdebatte auseinander. Fans von Pianos Become The Teeth und La Dispute sollten mal ein Ohr riskieren.


Chiefland – „To Part Means To Die A Little“ (DIY) [Name Your Price Download]
Für die selbstreleaste Debut-EP  haben sich die Jungs aus Göttingen was einfallen lassen, weshalb das Ding letztendlich auch schön anzusehen ist, obwohl es „nur“ eine CD ist. Als Hülle dient ein Hochglanz-Pappschuber, der mit Blumenmustern verziert ist, die man eher von Ikea-Tapeten oder Oma-Bettwäsche her kennt. Mir gefällt sowas ja. Die CD selbst kommt in Vinyloptik, zudem liegt ein äußerst hübsch gestaltetes und Ziehharmonika-mäßig gefaltetes Textblatt bei. Da liest man gerne drin, während man den vier Songs lauscht. Bei Melodic Hardcore geht es mir in letzter Zeit immer häufiger so, dass ich manche Bands aus dem Genre schwer unterscheiden kann, weil sie fast identisch klingen. Bei Chiefland kommen jedoch Elemente vor, die sich etwas aus der Masse abheben. Z.B sind da die Vocals, die an manchen Stellen etwas derber und nicht so extrem leidend klingen, manchmal wird auch nur gesprochen. Zum anderen fahren die vier Jungs öfters mal zurück und lockern dieses Melodic Hardcore-Ding mit  fast schon postrockigen und sehr melancholischen Parts auf. V.a. die Bass/Gitarrenfraktion hat den ein oder anderen Trumpf im Ärmel, hört euch z.B. mal den Anfang von Wolfmouth  an, das klingt doch verdammt cool. Die satte Produktion ist natürlich ebenfalls von Vorteil, aber unterm Strich gefällt mir das, was Chiefland da machen v.a. wegen den melodischen Parts.


The Guests – „Red Scare ’15 Tape“ (Sabotage Records) [Stream]
Wenn man das Tape von außen erst mal dreht und wendet, dann fällt auf, dass alles ziemlich minimalistisch gehalten ist. Die schwarze Hülle wird auf der Frontseite von ’nem kitschigen, aber dennoch hübschen Blumen/Apfelblüten-Motiv geschmückt, Bandname und EP-Titel stehen auf dem Tape-Rücken, die vier Songtitel sind auf dem Falz aufgeschrieben. Nun, innen sind keine Texte vorhanden, jedoch findet man einen DL-Code, von dem ich leider Gebrauch machen muss, da meine Kinder den Tonkopf meines Tapedecks geschrottet haben, indem sie mit ’nem harten Gegenstand dran rumgekratzt haben. Um die Qualität des Tapes anzuchecken, hab ich dem Ding heimlich und außer Sichtweite der Kinder wenigstens einen Durchlauf auf meinem hundert Jahre alten Walkman gegönnt. Erstaunlich, das Gerät hat seinerzeit einiges aushalten müssen, und doch spielt es Musik zuverlässiger ab, als die Playback-Maschine von Justin Biber. Aus diesem Grund muss ich das Ding so lang wie möglich vor meinen Kindern versteckt halten. Jedenfalls laufen mir die vier Songs extrem gut rein. Das, was die Band aus Philadelphia da macht, kann man grob in die Wave-Ecke stecken, dabei ist auch ein gewisser Post-Punk-Drive nicht von der Hand zu weisen. Mir gefällt v.a. der wavige Bass im Zusammenspiel mit den The Cure-angehauchten Gitarren. An manchen Stellen nervt das Keyboard und das etwas monoton gespielte Schlagzeug, aber das machen die melancholisch gespielten Gitarren und die oftmals an den Strokes-Sänger erinnernden Vocals  wieder wett. Zudem ist das alles schön melodisch und eingängig.


Planet Watson – „Do What You Want“ (DIY) [Stream]
Schon das Cover dieses selbstreleasten zweiten Albums der Stuttgarter/Ludwigsburger Skatepunks spricht Bände und zeigt ungefähr die Richtung an, in die es musikalisch geht. Drückt man die Playtaste, brettert der melodische Sound sofort zappelig in die Ohren, dabei keift sich ’ne überschlagende Rumpelstilzchen-Stimme in Ekstase. Und wie man im Verlauf des Albums erfährt, kommen zu dieser Stimme noch etliche anderen Stimmen dazu, denn die Jungs lassen sich wohl gerne von Sängern befreundeter Bands unterstützen, was eindrucksvoll zeigt, dass die Szene doch einen gewissen Zusammenhalt hat. Geil, das Zeug von Planet Watson klingt schön 90er-lastig, da schweben flauschige Wölkchen namens Satanic Surfers, Intensity, Passage 4, Crivits, Good Riddance, schnellere Shades Apart oder aber auch melodischere Heckle vor’m mit grauem Star getrübten Auge rum. Aber auch Bands wie Death By Stereo, H2O, As Friends Rust und Strike Anywhere scheinen große Einflüsse zu sein. Hey, 13 Songs, davon nur ein einziger, der kurz über zwei Minuten kommt, alle anderen liegen darunter. Und auch wenn man aus dem Presseinfo nicht allzuviel herauslesen kann, weil dieses hauptsächlich aus einer Liste mit bekannteren Bands besteht, mit welchen die Jungs schon gespielt haben, dann wird hierdurch deutlich, dass die Jungs von Planet Watson live sicher die Sau rauslassen.  Und übrigens, Planet Watson dürften nicht nur Leuten gefallen, die den Unterschied zwischen Waterboarding und Skateboarding kennen. Also ihr Punx, checkt das mal an…


Rope – „Manteision Bodolaeth“ (Truthseeker Music/Alive) [Stream]
Betrachtet man das Albumcover der Band aus South Wales, dann denkt man eher an eine Ibiza-Disco-Hits Best Of. Weit gefehlt, denn befördert man das Ding in den CD-Schacht, dann wird man gleich mit einem Filmsample aus einem der ersten und bedeutendsten deutschen Tonfilmproduktionen konfrontiert. Geniales Filmzitat eigentlich: Was weißt denn du? Was redest denn du? Wer bist du denn überhaupt? Wer seid ihr denn, alle miteinander? Verbrecher!  Ganz genau. Und es geht auch noch weiter. Wenn eine englische Band so nerdige Filmzitate verwendet, dann schlägt der Sound sicher in eine ähnliche Richtung. Spätestens nach den ersten Klängen wird klar, dass Rope nicht nur im Filmgeschmack Experten sind. Die sechs Songs kommen schön vertrackt und verschwurbelt daher, da kommen Bands wie Shellac oder Lungfish in den Sinn, welche sogar im Bandinfo erwähnt werden. Im Info werden zudem noch Basement und die Self Defense Family genannt, das spiegelt sich aber eher im dreckigen Gitarrensound wieder, göttliche Basement-Melodien sind eher Fehlanzeige. Obwohl, Earth Brian Lung  hat so einen gewissen Basement-Drive, aber wo man mit Basement-Songs auf Anhieb warm wird, braucht es bei Rope schon ein paar Durchläufe, bevor man die Songs im Ohr hat.


Ubiquity – „Quiet in Hopelessness“ (Dingleberry Records u.a.) [Stream]
Beim italienischen Spoken Word-Intro wünscht man sich direkt, ein paar Fetzen davon zu verstehen, die kryptische Übersetzung per google translate bringt dann doch ein wenig Licht ins Dunkel. Zwischen Wut, Verzweiflung und Resignation pendeln sich auch die nachfolgenden sechs Stücke ein, das ganze wird mit einem chaotischen und emotionalen Mix aus Screamo, Emotive Hardcore, Emoviolence, Post-Hardcore und etwas Neo-Crust untermalt. Der Albumtitel könnte die Musik der Jungs nicht treffender beschreiben. Die unterschwelligen Melodien, das verzweifelte Geschrei, dann wird der Sound wieder etwas zurückgefahren. Läuft gut rein. Die Band aus Sardinien erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus Øjne, Funeral Diner, Raein und Danse Macabre.


White Wine Cover 2500White Wine – „Who Cares What The Laser Says“ (This Charming Man) [Song-Stream]
Das Cover der Digipack-CD bestätigt meine Vermutung über den Sound der international zusammengwürfelten Band. Das Trio, das sich aus Joe Haege (31 Knots/Tu Fawning/Menomena), Fritz Brückner und Christian Kühr (Zentralheizung Of Death) zusammen setzt, klingt sehr, „sehr“ experimentell. Da wird Industrial mit Indie gemixt, zudem kommen 31Knots-mäßige Ideen zum Einsatz, die ja auch nicht jedermanns Sache sind. Auch wenn oftmals melodische Momente zum entspannen einladen, verwirren im folgenden Verlauf die experimentellen Einsprengsel so einiges.


Yndi Halda – „Under Summer“ (Big Scary Monsters/Alive) [Song-Stream]
Da ich Yndi Halda bisher noch nicht kannte, kam mir der Pressewisch diesmal sehr gelegen, denn diesem entnahm ich, dass es sich bei Under Summer um das mittlerweile zweite Studioalbum der Briten handelt und zwischen dem Debutalbum Enjoy Eternal Bliss und Under Summer auch schon wieder acht Jahre liegen. Vermutlich bin ich nie auf die Band aufmerksam geworden, da ich mich nicht so sehr für instrumentalen Post-Rock interessiere. Nun, zumindest wird auf diesen vier Songs gesungen, so dass die insgesamt 58 Minuten für mich eher erträglich sind. Von der Dichte des Sounds fasziniert, verzücken immer wieder toll gespielte Gitarren und ein Schlagzeuger, der auch mal die Becken ordentlich crashen lässt, da stören auch die häufig eingesetzten Streicher nicht. Wenn ihr auf Mogwai, Explosions In The Sky und GY!BE könnt, dann solltet ihr hier mal in einer ruhigen Minute reinhören.


Regarde & Pastel & Saudade & Marmore – „4-Way-Split 12inch“ (lifeisafunnything u.a.)

Bei diesem Release sind insgesamt 14 Labels beteiligt, wenn ich mich nicht verzählt habe. Dingleberry Records, Allende Records, Unlock Yourself Records, Voice Of The Unheard, Koepfen, Cheap Talks, lifeisafunnything, time as a color, glass of spit, dreamingorilla Records, Monday Morning Records, Vollmer Industries, Upwind Productions, Entes Anomicos. Das im Graphic Novel-Stil gezeichnete Artwork stammt übrigens von Micha/Schwarzer Rand, dessen Arbeiten man schon bei etlichen anderen Bands bewundern konnte. Neben dem obligatorischen Downloadcode liegt dem königsblau schimmernden Vinyl ein zitronengelbes Textblatt bei. Übrigens kommen alle beteiligten Bands aus der DIY-Szene Italiens, so dass dieses Release eine super Gelegenheit darstellt, vier doch etwas unterschiedliche Bands kennenzulernen (mir persönlich waren bisher nur Regarde bekannt).

Völlig weggeblasen war ich von der ersten 7inch der italienischen Band Regarde (aus Vicenza), die ich euch neben diesem Release hier sehr ans Herz lege. Regarde dürfen die A-Seite eröffnen, die zwei aktuellen Songs der 12inch sind zwar enorm stark, aber irgendwie vermisse ich die rotzige Kante vom ersten Release ein wenig. Dafür dominiert hier Melodie und 2000er-Emo-Punkrock, beim zweiten Song wird es sogar aufgrund des mehrstimmigen Backgroundgesangs fast etwas hymnisch, zudem verliebt man sich direkt in die gefühlvoll gespielten Gitarren, gerade Fed By Lust gefällt mir daher außerordentlich gut. Klingt nach alten Hot Water Music mit ein paar Midwest-Emo-Tendenzen und etwas Samiam, zudem erinnern die Gang-Backgroundvocals gegen Ende ein wenig an diesen einen Donots-Song, mit dem diese einst die Pop-Charts stürmten und dessen Titel mir partout nicht einfallen will.

Laut den Infos auf Facebook handelt es sich bei Pastel um ein Duo aus Bari, das sich dem instrumentalen Post-Punk verschrieben hat. Moment mal, die beiden Songs haben zwar längere instrumentale Passagen, sind aber mit italienischen Lyrics ausgestattet, welche übrigens in englischer Übersetzung beiliegen. Der Sound ist treibend, verschachtelt und ein wenig vertrackt, zudem klingen die Gitarren äußerst dreckig. Wo sich andere Bands mit zwei Songideen pro Song zufrieden geben, verdreifachen die Jungs mal lässig, so dass sich hin und wieder auch noch schöne Emo-Riffs einschleichen, die sich langsam ins Gehör bohren.

Auf der B-Seite wird es dann erstmal krachiger, dort eröffnen Saudade aus Neapel mit hektischem und angepunktem Screamo. Das fast viereinhalbminütige Footsteps weist neben derbe gekreischten Vocals auch einen verspielten Mittelteil vor, bei dem es etwas postrockiger zugeht und ein wenig das Tempo rausgenommen wird, nur um anschließend wieder die Sau (dade) rauszulassen. Was auch geil kommt, sind die verzerrten und leiernden Shoegazer-Gitarren, die dem Quartett eine gewisse Eigenständigkeit verleihen. Schöner Chaos-Shoegaze-Core, der definitiv Lust auf mehr macht.

Zum Finale dürfen Marmore aus Turin und Verona ran. Das Trio steuert zwei instrumentale Stücke bei, die sich zwischen verspieltem Math-Rock und etwas Post-Hardcore bewegen. Die Gitarren zaubern das ein oder andere Mal reizende Melodien aus dem Ärmel, während sich der Schlagzeuger in Extase trommelt. Irgendwo zwischen Pelican, Maserati, verzerrten Kaki King und Mogwai gehen die Jungs mit aufgekrempelten Ärmeln an die Sache ran. So dringen immer wieder tolle Gitarrenmelodien aus dem vielschichtigen Sound heraus ans Ohr, langgezogene unnötig wirkende Parts hat man einfach gleich weggelassen, was auch den Songlängen zugute kommt, die in diesem Genre gerne mal die 5-Minuten-Marke knacken.

7/10

Regarde BC / Pastel BC / Saudade BC / Marmore BC / Stream lifeisafunnything


Bandsalat: Android 18, Arrowhead, Dilly Dally, Epona, Go Deep, Humanshapes, Little American Champ, Marrón, Reservoir, Shit Present

Android 18 – „Six“ (DIY) [Name Your Price Download]
Würde man Android 18 auf herkömmliche Weise im Internet suchen, dann hätte man es nicht leicht. Denn offenbar gibt es noch zahlreiche andere Bands, die sich nach diesem Manga-Comic- entstammenden Dragonball-Charakter benannt haben. Beim Scrollen siegte diesmal wieder mal das Albumcover, von welchem ich mir genau das versprach, was beim Klick auf den Play-Button in meine Kopfhörer transportiert wurde. Lupenreiner, tief emotionaler Emocore, ein wenig Screamo/Skramz und Post-HC oben drauf, dazu noch etwas sphärische Ambientparts und schon hat sich das Bandcamp-Surfen mal wieder gelohnt.


Arrowhead – „A Collection Of What You’ve Lost“ (DIY) [Stream]
Als ich Arrowhead neulich beim Bandcamp-Surfen entdeckte, war ich irgendwie gleich fasziniert vom Sound der Bostoner, obwohl es eigentlich massig Bands gibt, die eine ähnliche Mucke machen. Zuerst fallen da natürlich Bands wie La Dispute, Touché Amore oder Defeater als Vergleiche ein, zudem kommen aber auch noch Komponenten dazu, die man auch bei Bands wie State Faults oder Rainmaker finden kann. In erster Linie aber haut mich die Intensität der neun Songs aus den Latschen. Die Melodien kommen einerseits so traurig rüber, dann dieser leidend rausgeheulte Gesang, dazu ein Schlagzeuger, der die richtigen Akzente setzt und mal schrammelnde, fett verzerrte und dann wieder glasklar tönende Gitarren, selbst ein Piano klimpert hin und wieder mal rein. Die leisen Töne machen natürlich das laute um so mächtiger. Diese Mischung aus Post-HC, Screamo, Melodic HC, emotive HC, Shoegaze und Post-Rock hat es einfach in sich, deshalb dicke Empfehlung!


Dilly Dally – „Sore“ (Buzz Records) [Stream]
Beim Opener Desire stellen sich mir schonmal die Nackenhaare, denn hier stimmt einfach alles. Geile Pixies-Gitarren, durchdachtes Songwriting, catchy Melodie und eine Sängerin, die wie eine Mischung aus Joan Jett, Wendy James (Transvision Vamp), Cristina Llanos (Dover), Brody Dalle (Distillers) und Courtney Love (äh…Hole) in der Anfangsphase von Hole klingt. Die restlichen zehn Songs hauen in die gleiche Kerbe, allerdings schwindet der aha-Effekt im Laufe des Albums ein wenig. Desire nützt sich aber nicht so schnell ab, der Song kommt natürlich auf das nächste Mixtape.


Epona – „Wave Clouds“ (DIY) [Name Your Price Download]
Direkt beim Opener „Closure“ spitzen sich entzückt meine Öhrchen, die herrlich klaren Gitarren zaubern zusammen mit dem pluckernden Bass und den laid-back gespielten Drums eine melancholisch-verträumte Atmosphäre und der Gesang setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Wenn ihr euch eine Mischung aus frühen Appleseed Cast und Turnover vorstellen könnt, dann solltet ihr diese drei Songs der Band aus Margate/UK ruckzuck auf eure Festplatte zippen.


Go Deep – „Influence“ (6131 Records) [Stream]
Was war das damals für eine Überraschung, als die Brooklyn-HC-Band durch ihre fantastischen Videos zu den Songs Elders  und Glossectomy  von sich reden machte. Dementsprechend schlug die Counseling 7inch ein wie eine Bombe. Und die elf Songs auf Influence  schlagen in die gleiche Kerbe. Ungeheuer dicht und von einer fast schon spirituellen Atmosphäre umgeben, strotzen die Stücke nur so vor Energie und enormer Intensität, was nicht nur an der druckvollen Produktion liegt, für die übrigens Jay Maas verantwortlich ist. Selbst ein rein akustisch vorgetragenes Stück wie Under My Skin transportiert massig Power. Die Songs schleudern einerseits melodisch, dann wieder vertrackt, voller Wucht und nach vorne gehend aus den Boxen, das Resultat überzeugt auf ganzer Linie. Frühe Refused treffen auf Hope Conspiracy, Snapcase und Strife, dabei kommt eine gewisses 90’s-New York-HC-Note zum Tragen.


Humanshapes – „Behavior“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich weiß nicht, wie es euch ergeht, wenn ihr bei Bandcamp surft, aber bei mir läuft das meist alles ziemlich chaotisch ab. Ich klicke, ich höre, mir gefällt was, ich setze ein Lesezeichen, ich downloade, mir wird langweilig, ich horche auf, ich verzweifle. Man könnte dieses hibbelige Treiben ungefähr mit dem aufgekratzten Sound von Humanshapes vergleichen, die ziemlich chaotischen Noise-Punk an der Schwelle zum Post-Punk machen, was mich einerseits schon wieder nervös zucken lässt, andererseits aber auch ganz spannend klingt. Der Song Royal Jelly  sollte jedenfalls keinesfalls auf eurem nächsten Mixtape fehlen.


Little American Champ – „Purge “ (Save Your Generation Records) [Name Your Price Download]
Irgendwie befriedigt das zwischen-den-ganzen-Anfragen-auch-mal-wieder-auf-Bandcamp-Surfen schon ganz doll, v.a., wenn man auf so schön plätschernden Midwest-Emo stößt, wie ihn diese Band aus Michigan spielt. Sind zwar nur drei Songs, aber die gefallen mir ganz gut, besonders der Song My Wife wird sich auf einem meiner kommenden Mixtapes finden. Algernon Cadwallader trifft auf The Anniversary und die Get Up Kids. Toll.


Marrón – „Selftitled“ (Take It Back) [Stream]
Schon die Demo dieser Band aus South California überzeugte voll und ganz, so dass es nicht verwunderlich ist, dass neben fünf neuen Songs die drei Stücke des Demos auch noch auf die Debut-LP gepackt wurden. Marrón stehen für verkopften und etwas dissonanten Washington DC-Emocore in der Tradition von Bands wie z.B. One Last Wish, Rites Of Spring, Soulside, Ignition oder Swiz. Mir gefällt v.a. die punkig rauhe und oldschoolige Produktion, da fühlt man sich direkt in die Neunziger zurück versetzt.


Reservoir – „Cicurina Vol. 1“ (DIY) [Stream]
Bandcamp ist zwar ein Zeitfresser für den Musikliebhaber, gleichzeitig zahlt sich stundenlanges Bandcamp-Surfen aber doch mal hin und wieder aus. Z.B. im Falle von Reservoir, einer Emo/Post-HC-Band aus Pennsylvania. Von den Gitarren des Openers in Verbindung mit dem nostalgisch anmutenden Artwork direkt unter Hypnose gesetzt, wird man auf insgesamt vier Songs auf eine zwanzigminütige Reise genommen, die man in Zukunft wohl noch öfter antreten möchte, weil sie so schön ist.


Shit Present – „Selftitled“ (Specialist Subject Records) [Stream]
Diese Band hat nichts mit der Seite Shitsenders.com zu tun, bei welcher man für seine liebsten Feinde ein gehässiges Shit Present in Form eines großen Batzen Scheiße (Elefantenscheiße z.B.) bestellen kann, der dann als schön verpacktes Geschenk zugestellt wird. Aber irgendwie passen Shit Present gut in die weihnachtliche Bandsalat-Runde rein, denn irgendjemand von euch wird sich sicher höllisch über die Augenkrebs verursachende Vase ärgern, die schön verpackt unterm Baum lauert. Naja, aber würdet ihr gern wissen wollen, wie Transvision Vamp geklungen hätten, wenn sie nicht gecastet gewesen wären? Diese Frage ging mir neulich durch die Rübe, als ich im Bandcamp-Player vom Fugazi-ähnlichen Anfangs-Riff des Openers Anxious Type in Beschlag genommen wurde und mich danach die Stimme der Sängerin auf diese eben erwähnte Frage brachte. Von den fünf Songs schafft es gerade Anxious Type auf mein Mixtape, der Rest ist zwar auch ganz nett, wenn man auf poppigen Punkrock mit Frauengesang steht, aber dieser Song ist eine absolute Granate.