Portrayal Of Guilt – „Selftitled 7inch“ (Miss The Stars u.a.)

Tiefschwarz und düster, diese Eigenschaften ziehen sich bei diesem DIY-Co-Release zwischen Miss The Stars Records und Contrition Recordings wie ein roter Faden durch die dunkle Nacht. Angefangen vom ästhetisch kunstvollen Coverartwork (in meinem Fall günstigerweise schwarz, es gibt aber auch noch zwei andere Farben) bis hin zum anklagenden Bandnamen strahlt einzig die im Dunklen unter UV-Licht leuchtende klare Vinylfarbe ein schwaches Licht aus, das man fast schon als sonnigen Kontrast betrachten kann. Denn die Musik der ziemlich neuen Band aus Austin, Texas macht diesen kleinen Lichtblick mit Aufsetzen der Nadel sofort wieder zunichte.

Schön heavy rotzen die Gitarren zusammen mit dem angsteinflößenden Getrommel eine Schneuse der Verwüstung durch die düstere Soundlandschaft. Dazu gesellt sich Gekeife, welches man irgendwo zwischen Screamo und Blackmetal einordnen kann. Beim Opener Humanity Is Frail setzt nach dem anfänglichen Orkan im Zwischenteil ein walzender Midtempo-Part ein, der mit melancholischen Gitarren und verhalltem Geschrei untermalt ist, bevor sich der Song gegen Ende wieder in einen chaotischen Albtraum verwandelt. Das nachfolgende The One verzückt dann mit unterschwelligen Melodien, die aus einem tiefen Loch hervorkriechen, aber nicht so richtig an die Oberfläche gelangen wollen und immer wieder zurückfallen. Das abschließende Mourning Ahead beginnt hypnotisch mit unverzerrten Gitarren, wird dann aber bald mit leisen Crashbecken und rhytmisch steigerndem Drumming fortgesetzt, bis ein Break einsetzt und diese moshenden Gitarren von mächtigen Dampfwalzen-Drums begleitet werden. Und ehe man es sich versieht, ist das kleine Scheibchen auch schon wieder vorbei. Sehr schade. Andererseits fragt man sich, ob die Band auf nachfolgenden Releases diese gerade mal knapp über sechs Minuten dauernde pure Intensität noch steigern kann. Bin jedenfalls sehr gespannt, was wir von dieser Band noch so zu hören bekommen.

Es fällt mir bei dieser Art von Musik schon immer schwer, ein paar passende Vergleiche zu finden. Der düstere Sound von Portrayal Of Guilt beherbergt diverse Elemente aus den Bereichen Screamo, Emoviolence, Blackened Hardcore, Post-Blackmetal, Post-Hardcore und Punk. Dementsprechend wird man an manchen Stellen an Bands wie Converge, Coalesce, Integrity, New Day Rising, Majority Rule oder pg.99 erinnert. Greift euch also schnell mal noch ein Scheibchen ab, bevor es keine mehr gibt!

8/10

Facebook / Bandcamp / Miss The Stars Records


 

Shakers – „Selftitled 7inch“ (lifeisafunnything u.a)

Packpapier ist das neue Gold für Vinylfetischisten, die sich außer Vinyl nichts leisten können/wollen. Und wenn der goldene – eigentlich beige – Karton auch noch besiebdruckt ist, dann steigt der Liebhaber-Wert rapide an. Wenn dann jedes Exemplar auch noch etwas anders aussieht, dann freut sich das Sammlerherz umso mehr. Bei meiner Ausgabe wurde zuviel schwarze Farbe aufgetragen, so dass der Bandname nur erahnt werden kann. Das flaschenbiergrüne Vinyl sieht aber dufte aus. Die Texte der vier Songs sind leider nur auf einem CD-Cover-großen Blatt abgedruckt, dementsprechend klein sind die Buchstaben. Brillentragende Blogschreiber bleiben dadurch blöd. Aber dank Bandcamp kann man das Zeug auch so nebenher lesen, so dass man immer auf dem laufenden ist.

Alles aber egal, denn die Musik, die man beim Aufsetzen der Nadel auf die Ohren bekommt, packt einen von der ersten Sekunde an am Schlawittchen. Der Opener Heaving beginnt mit ’nem Drum-Intro, danach setzen schrammelige Gitarren ein und zur Krönung schreit sich der Sänger voller Leidenschaft den Hals blutig. Bis dann nach einer Minute des schieren Wahnsinns ganz andere Töne zeigen, dass die Band auch softer kann. Melancholisch gespielte Gitarren lockern das Szenario ein wenig auf. Mit diesem ersten Song steckt die Band gleich mal die Richtung ab, der Herschmerz dominiert gerade in Heaving immens, permanentes Bedauern inklusive. Auch die nachfolgenden drei Stücke lassen einen Blick in die Seele des Sängers erhaschen, die Texte sind sehr persönlich, zudem zaubern die sich duellierenden Gitarren ganze Gänsehaut-Autobahnen auf den Rücken. Die fünf Jungs haben es jedenfalls super drauf, Spannung zu erzeugen, gleichzeitig faszinieren diese plätschernden Midtempo-Passagen wie bei Shin, Shin, Shin. So lasse ich mir emotive Post-Hardcore gefallen, der Sound der Band läuft mir supergut rein.

Die Mitglieder der Band kommen übrigens aus Wiesbaden und Mainz und sind aus der Asche der Band Snakes And Lion entstanden, zudem ist noch ein Mitglied der Band Burke mit an Bord. Die vier Songs sind laut Textblatt bereits im Jahr 2014 aufgenommen und gemischt worden, zugleich verspricht die Band, dass das nächste Release nicht so lange auf sich warten lassen wird. Ja bitte, denn ich möchte schnell mal Nachschub! Wenn ihr auf Post-Hardcore der Marke Touché Amore, The Tidal Sleep oder La Dispute steht, dann solltet ihr dieses kleine Juwel schnell mal bei einem der am Release beteiligten Label (lifeisafunnything, Miss The Stars, I.Corrupt Records) bestellen.

8,5/10

Facebook / Bandcamp / lifeisafunnything