Bandsalat: alter egon., Die Bullen, Great Grandpa, Kepler, Little Teeth, Neat Mentals, Neska Lagun, Pack Of Wolves

alter egon. – „Sputnik III“ (Twisted Chords) [Stream]
In der Nachbarschaft geht es ab, yeah! Die Ravensburger Homies alter egon. haben nach zwei EP’s endlich den ersten Longplayer am Start, wiederum auf Twisted Chords. Zwischenzeitlich gab’s wohl einen kleineren Besetzungswechsel, zudem hat die Band aus Oberschwaben ihrem Lo-Fi-80er Punkrock mit hohem Trash-Anteil noch geile, spooky 80er-Keyboards spendiert. Das hab ich alles irgendwie nicht so recht mitbekommen, auch weil ich an der Release-Party im Ravensburger balthes leider anderweitige Verpflichtungen hatte. Schade! Jedenfalls fügen sich die wavigen Keyboards hervorragend in den rumpeligen Sound ein. Manche Töne erinnern mich irgendwie an die Deutschpunks von Pisse, während Sängerin Natz mit ihrer hyperaktiv-piepsig-wütenden Stimme unweigerlich an Bands wie Hans-A-Plast oder Ideal denken lässt. Als Kontrast dazu gefällt natürlich das abgesoffene Fußgängerzonen-Punkerorgan von Sänger und Gitarrist Egger. Insgesamt gibt es in knapp einer halben Stunde Spielzeit neun Songs zu hören. Obwohl auf den ersten Blick alles sehr schrammelig und schräg daher kommt, schleichen sich doch immer wieder unterschwellige Melodien mit ein, so dass man sich nach ein paar Durchläufen dann doch dabei ertappt, die Refrains im Geiste vor sich hin zu gröhlen. Dazu kommen pfiffige gesellschaftskritische Texte in deutscher Sprache, die den Zahn der Zeit treffen und obendrein auch supergut in den goldenen 80ern funktioniert hätten. Kalter Krieg 2.0 und Endzeitstimmung! Die Welt: am Arsch! Alles grau und kalt! Abriss! Da kann man nur noch mit Schere und Papier gegenhalten (siehe Albumcover). Schere, Papier…dazu Gitarre, Schlagzeug, Bass und Bier! Als Einstieg empfehle ich mal das Video zum Song Abriss (geiler Bass, wa?) oder den Song Café Electrique mit diesen spooky Keyboards. Ich find’s geil!


Die Bullen – „Einigkeit und Recht und Sicherheit“ (Gunner Records) [Stream]
So kann man sich täuschen: irgendwie dachte ich, dass es sich bei der Band die Bullen um ein Spaßprojekt handeln würde und das Konzeptalbum Die Bullen komm‘, hier komm‘ die Bullen eine einmalige Sache bleiben würde. Aber offenbar haben die Kollegen, die man aus Bands wie Tackleberry, Affenmesserkampf und Suburban Scumbags her kennt, noch genügend Geschichten aus dem Großstadtrevier parat. Es können ja nicht alle Polizisten so coole Säue wie der Eberhofer sein. Nun, fand man das Konzept beim ersten Album noch lustig, frägt man sich bei Einigkeit und Recht und Sicherheit dann vielleicht doch hin und wieder mal, wann das Thema wohl endgültig ausgelutscht sein wird. Für insgesamt dreizehn Songs reicht es jedenfalls, zudem ist der Ton in den Texten nicht mehr so spaßig wie auf dem Debut. Hört mal den meiner Meinung nach geilsten Song Nacht in Dessau an, da stimmt wirklich alles, musikalisch und textlich! Von der Musik her gibt’s soliden Punkrock mit Melodie auf die Ohren, ab und zu kommen aber auch Einflüsse aus dem Post-Punk, NDW und Elektro zum Einsatz, selbst eine Art Ballade (Heiko) ist am Start. Das hört sich jedenfalls alles immer noch nach verdammt viel Spaß und Spielfreude an, so dass Die Bullen mich letztendlich doch wieder gekriegt haben.


Great Grandpa – „Four Of Arrows“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Wieder mal so eine Band, deren bisheriges musikalisches Schaffen mir gänzlich unbekannt ist. Nun, wem es ähnlich gehen sollte: bisher hat das Quintett aus Seattle eine EP und ein Album veröffentlicht, Four Of Arrows ist also Album Nummer zwei. Zumindest in Sachen Artwork sind auf den ersten Blick deutliche Fortschritte zu erkennen, das Cover gefällt mir richtig gut! Der Zusammenhang mit dem Albumtitel ist auch schnell hergestellt, denn das Motiv zeigt ein Tarot-Karten-Motiv namens Four Of Arrows. Insgesamt sind auf Four Of Arrows elf Songs zwischen Indierock, Emo und Pop zu hören. Es gibt zwar einige verzerrte Gitarren zu hören, aber die Basis der Songs wird auf ruhigen, melancholischen Klängen aufgebaut. So flirren zwischendurch Synthies wie Schmetterlinge durch die Lüfte, Keyboards und Akustikgitarren bilden dazu das Grundgerüst. Und über all dem schwebt die glockenklare und sehr emotionsgeladene Stimme von Sängerin Alex Menne. Musikalisch erinnert mich die Band dabei immer wieder an neuere Aufnahmen der Band Eisley oder aber auch an The Rocking Horse Winner, manchmal vielleicht auch Hop Along ohne deren Weirdness. Textlich darf natürlich Herzschmerz nicht fehlen, es geht aber auch um tiefgründigere Sachen wie z.B. den Kampf mit physischen Erkrankungen. Als Anspieltipp empfehle ich jetzt einfach mal das eingängige Mono No Aware. Jedenfalls ein schön emotionales Album, das man sich neben dem ganzen Krach, den ihr sonst so anhört, ruhig auch mal anhören kann.


Kepler – „If You See Our Friend, Tell Her We Miss Her“ (Zilpzalp Records) [Stream]
Das Debut-Tape der Mühlheimer Band Kepler hat mich seinerzeit falttechnisch ordentlich in Beschlag genommen und auch musikalisch hat mir das Ding so sehr gefallen, dass ich es mir gleich auf die Festplatte lud, das war irgendwann im Jahr 2016. Nun, drei Jahre später also endlich neuer Stoff des Quartetts und das gleich in Form eines ganzen Albums. Das, was auf der EP schon so für Gänsehautmomente sorgte, wurde hier noch intensiver betrieben, offenbar brauchten die Songs einfach eine Weile, um so intensiv zu reifen. Insgesamt sind neun Songs zu hören, wiederum sticht die etwas raue Produktion sofort ins Ohr. Trotz den vorhandenen Kanten und Ecken wirken die Stücke auf’s feinste Detail abgestimmt, zudem passt hier einfach das Gefühl. Bei der intensiven Mischung aus Post-Hardcore, Punk und Emo hat man natürlich alte Helden um die Zeit der Jahrtausendwende vor Augen, Bands wie At The Drive-In, Thursday, Trip Fontaine, Touché Amore oder La Dispute kommen mehr als ein mal in den Sinn. Man staunt immer wieder, denn instrumental geht es bei den Jungs echt mal spannend zu, v.a. die Rhythmus-Fraktion hat vertracktes und arhythmisches Zeug im Gepäck, auch die Gitarren flirren mit viel Gefühl auf der einen Seite und mit rassiermesserscharfer Härte auf der anderen Seite durch die Lüfte. Und dann dieser sehnsüchtige Gesang, der zwischen verzweifeltem Geschrei und manchmal auch cleanen Gesangsparts oder Spoken Words pendelt. Starke Lyrics gibt’s obendrauf, so dass hier absolut keine Wünsche offen bleiben. Als Anspieltipps empfehle ich euch mal das zappelige Days Of Glow, das intensive One Day You’ll Be Fine oder einfach gleich alle neun Songs, inklusive der Ballade Summer Sleep. Geiles Debutalbum!


Little Teeth – „Redefining Home“ (Gunner Records) [Stream]
Bei Little Teeth handelt es sich um eine relativ neue Band, die sich in München von zwei dort gestrandeten Amerikanern gegründet hat. Die beiden Köpfe der Band kennt man von Bands wie Arliss Nancy und The Sky We Scrape, zudem wurden noch zwei weitere Bandmitglieder aus der neuen Wahlheimat gefunden (u.a. Leute von Matze Rossi und Bad Drugs). Musikalisch wird ziemlich klassischer Punkrock geboten, dazu passend verarbeitet man textlich die mulmigen Gefühle, die man fern von der Heimat an einem neuen Ort entwickelt. Wer auf soliden, altmodischen Punkrock mit rauem Gesang abfährt und so Zeugs wie Springsteen, Chamberlain oder The Gaslight Anthem mag, der dürfte hier genau richtig liegen.


Neat Mentals – „Humanoid“ (Flight 13) [Stream]
Irgendwie witzig: auf die Stuttgarter Band Neat Mentals wurde ich erstmals aufgrund einer Besprechung anhand ihrer Split-12inch mit der Ravensburger Band Don Karacho aufmerksam. Boah, trotz Filmriss ist das Release wohl für immer und ewig eingebrannt (Warum? Hier nachzulesen!). Weshalb ich das so witzig finde: Bei Don Karacho handelt es sich um die Vorläuferband von den weiter oben besprochenen alter egon. Witzig also deshalb, weil ziemlich zeitgleich die Anfragen beider Bands bei mir reinschneiten. Was liegt also näher, als beide Bands in eine gemeinsame Bandsalatrunde zu stecken? Nun gut, Neat Mentals haben mit Humanoid also auch ihren ersten Longplayer draußen, insgesamt 13 Songs sind darauf zu hören. Und die dürften jedem Punkrockfan schwitzige Handflächen machen und massig Freudentränen über’s ungewaschene Gesicht kullern lassen! Denn die vier Jungs legen zum einen eine ordentliche Portion Energie und Spielfreude an den Tag, zum anderen haben sie dazu noch ein richtig gutes Gespür für mitreißendes Songwriting und tolle Melodien, zu denen man live sicher raketenmäßig durchdrehen und literweise Bier verschütten kann. Die Gitarren schrauben sich schön dicht und schrammelig, aber melodiös und energisch ins Gehör, dazu gesellt sich ein knödelnder Bass, kraftvolles Drumming und coole Vocals plus hymnische Refrains mit reichlich Mitgröhl-Möglichkeiten. Da bekommt man gerade Lust, sich auf’s Skateboard zu schwingen und sich ein paar blutige Knie zu holen! Humanoid klingt stark nach den Neunzigern, stellt euch eine Mischung aus schnelleren Turbonegro, Anti-Flag, Pennywise, Grey Area oder auch den Clowns vor, dann habt ihr’s ungefähr. Das Album macht ganz schön gute Laune und man verspürt unbedingt Lust, die Band live aufzusaugen!


Neska Lagun – „Fluchtpunkt“ (Midsummer Records u.a.) [Name Your Price Download]
Manchmal sollte man einfach mal die Augen aufsperren! Neulich im Beitrag zur Heart Circle-Compilation noch voll gefreut, mit Neska Lagun eine mir gänzlich unbekannte Band entdeckt zu haben, nur um ein paar Tage danach bei der Durchsicht der angestauten Mails im Posteingang eben auf einen Promodownload des Debutalbums der Band Neska Lagun zu stoßen. Peinlich, die Mail aus dem Hause Midsummer Records kam auch schon im September reingeschneit. Tja, Organisation ist halt mal wieder alles! Nun gut, bei Neska Lagun handelt es sich um ein im Jahr 2015 gegründetes Quartett aus Berlin, bisher ist eine EP erschienen. Neugierig, was sich wohl hinter dem Bandname verbergen könnte, heuerte ich zuerst mal ein Internetübersetzungsprogramm an, wodurch ich sofort schlauer wurde. Neska Lagun ist Baskisch und bedeutet soviel wie „Freundin“. Und nach wenigen Durchläufen kann auch ich sagen, dass ich mit Neska Lagun eine neue musikalische Freundin gefunden habe. Das Album ist so ein verdammter Grower! Die neun Songs bauen eine wahnsinnige Intensität auf. Das Ding hat alles, was das Post-Hardcore-Screamo-Herz begehrt. Spannung, Dynamik, ausgefeilte Songarrangements, hauptsächlich deutsche, fast poetische Lyrics mit Herz und Verstand, Atmosphäre, Noise, Dramatik, Schmerz, Melancholie, Melodie, Herzblut, Chaos und Liebe. Wenn ihr auf Bands wie Boneflower, Viva Belgrado, Lypurá oder auch Fjort könnt, dann werdet ihr euch nach Neska Lagun die Finger lecken! Ich bin sowas von gefläsht! Auch das Albumartwork sticht positiv heraus, das dürfte auf Vinylgröße sicher großartig aussehen.


Pack Of Wolves – „Masterplan B“ (DIY) [Stream]
Graz scheint eine ganz gut funktionierende Punk-Szene zu haben, gibt es doch dort in der Fußgängerzone nicht nur eine goldene Statue eines Punks zu bewundern. Zudem verirren sich immer wieder tolle Bands aus Graz auf diesen Seiten hier, um auf ihre aktuellen Releases hinzuweisen. Neben so unterschiedlichen Bands wie Strafplanet, Remedy, Dead Ends, Lambda oder Hausmeister ist nun auch die Grazer Post-Hardcore-Band Pack Of Wolves mit von der Partie. Die Jungs haben nämlich mit Masterplan B ihre neue EP draußen. Und die klingt ziemlich geil. Der fast achtminütige Eröffnungssong mit dem unschlagbar lustigen Titel Tradegy (I’m sorry about the spelling mistake) beginnt passend zum Text mit sehr emotionalen Klängen, die Gitarrenarbeit ist schön abwechslungsreich und spannungsaufbauend, passend dazu werden im Verlauf des Stücks die Gitarren auch lauter und verspielter. Das dürfte echt mal allen gefallen, die auch heute noch gern ihre alten Jahrtausendwenden-Post-Hardcore-Klassiker auflegen und dazu die ein oder andere Träne wegdrücken. Und auch die nachfolgenden Songs versprechen das, was man sich schon beim Opener vorgestellt hat. Melodie und Härte paaren sich mit Gefühl und Trauer, dabei sind die Jungs mit ihrem Post-Hardcore näher am Punk als am Screamo. Hört da mal rein, das Ding bockt ordentlich!


 

Don Karacho & Neat Mentals – „Split 12inch“ (Subzine Records)

Bock auf ’ne Punkrock-Party mit Filmriss? Na dann erzähl ich euch mal einen Schwank aus meinem Leben, der mir zwar etwas peinlich ist, aber eigentlich ganz gut zu dieser Split-LP passt, weil die Geschichte im direkten Zusammenhang mit dem Release steht. Nun, ihr kennt die Tage sicher selbst, an denen man aufgrund des schönen Wetters und diversen anderen Umständen die Kein-Bier-vor-Vier-Regel nach Überwindung des inneren Schweinehunds und mit etwas schlechtem Gewissen über Bord wirft und es sich in idyllischer Umgebung und bei sommerlichen Außentemperaturen mit einem kühlen (ähem…alkoholischen) Getränk bequem macht. Schließlich ist ja Wochenenede und Punks dürfen auch schon mal ein paar Regeln brechen, wobei die selbst auferlegten Regeln halt diese Gewissensbisse auslösen können, die aber bereits nach den ersten paar Schlucken abgehakt sind.

Die idyllische Kulisse war an diesem vorsommerlichen Nachmittag der schöne Bodensee und als Belohnung eines 30-minütigen Schwimmaufehnthalts im 15-18 Grad warmen Wasser war die Überwindung des innneren Schweinehunds ein Klacks. Noch während sich der äußerlich ausgekühlte Körper an der Sonne aufwärmte, wurde eine Art Balance geschafffen, indem auch das Körperinnere mit reichlich kühlem Nass versorgt wurde. Und da am Abend eine kleine Punkrock-Fete mit Don Karacho im heimatlichen Wohnort stattfinden sollte, bekam der Begriff Vorglühen endlich mal eine angemessene Bedeutung, denn in der prallen Sonne sollte man auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten. Also, von vorn. Die Vorgeschichte kennt ihr…bin ein wenig angeschickert und mit ein paar Bieren im Gepäck zum besagten Punkrock-Konzert gepilgert…während des Konzerts wurde natürlich kräftig weitergepichelt und viel Blödsinn gelabert, der Abend machte trotz Besucherflaute riesigen Spaß und am Ende bekam ich noch diese feine Split-12inch geschenkt, die ich -upsi- auf dem schwer zu bewältigenden Nachhauseweg irgendwie verloren habe, was ich aber erst am darauffolgenden Morgen mit Schrecken bemerkte. Filmriss. Nachdem ich die gesamte Wohnung auf den Kopf gestellt hatte und die letzten Stunden des Abends vergeblich abrufen wollte, machte ich mich in Hangover-Manier auf den Weg, um das gute Stück zu suchen. Schöne Katerbeschäftigung. Nachdem alle Ecken und Winkel ergebnislos abgesucht wurden, blieb noch eine letzte Möglichkeit. Die Alternativ-Route im letzten Drittel des Nachhausewegs, welche ich eher selten laufe. Aber nach diesem Abend war nicht auszuschließen, dass ich diesen Weg im Delirium gewählt hatte. Und siehe da, auf einem Mäuerchen am Wegesrand lag tatsächlich das gute Stück, das wahrscheinlich auf Grund menschlicher Bedürfnisse abgelegt und nach Verrichtung des Geschäfts vergessen wurde. Und obwohl es in der Nacht geregnet hatte, total unversehrt und bereits trocken. Das spricht für den Druck auf dem starken LP-Karton. Übrigens kommt die Scheibe mit einem Wende-Cover, so dass beide Bands ihr Artwork präsentieren können. Zuhause angekommen hab ich erstmal die Platte rausgefriemelt, dabei krabbelte zur Krönung des Ganzen eine Kellerassel mit raus, die sich über Nacht im Karton verkrochen hatte. Was für ’ne Punk-Story, könnte glatt erfunden sein.

Nun, fangen wir aber mal mit Don Karacho aus Ravensburg an. Laut Bandcamp-Info liefert das Trio snotty Mofapunk ab, mit Fuchsschwanz und Attitüde, dabei werden Eindrücke aus dem harten Leben als Halbstarker in der Kleinstadt verarbeitet. Dass mit einer gehörigen Portion Humor an die Sache rangegangen wird, zeigen alleine die Künstlernamen: Rita Ritalin, Kurbel Kickstarter und Asphalt Karacho. Die Band auf der Bühne oder auf dem Floor ist jedenfalls eine wahre Freude. Man sieht dem Trio live an, dass der Spaß riesengroß ist. Lächeln statt Hass, trotzdem wird geknüppelt und geschreddert, was das Zeug hält. Obwohl ab und an mal auf deutsch gesungen wird, erinnert das Ganze dann schwer an Ami-Punk-Zeugs aus den Achtzigern wie die ersten Sachen von den Beastie Boys gemischt mit Ignition, Minor Threat, American Standard oder den Couch Potatoes, aber immer mit einer melodischen aber dennoch trashigen Kante. Supergeil gefällt dann der knödelnde Punker-Bass, die Gitarren drehen auch schön schrammelig am Rad. Cool auch, dass der abgesiffte Nörgelgesang vom Sänger ab und an kreischende Unterstützung von der Bassistin bekommt und manchmal sogar beide gleichzeitig hektisch bis hysterisch auf die zwölf geben. Mit Songlängen um die anderthalb Minuten kann man eigentlich nix falsch machen, so dass für Langeweile gar keine Zeit bleibt. Die sieben Songs sind jedenfalls schnell durchgelaufen, als Anspieltipps eignen sich ADHD oder Fresst Sternenstaub ihr F****r!  Checkt das unbedingt mal an, ihr Punkers!

Neat Mentals aus Stuttgart sind dann mit sechs Songs am Start, die auch alle unter der 3-Minuten-Marke bleiben. Und das ist auch gut so, so wird auch aus dieser Seite der Split ein kurzweiliges Vergnügen. Geboten wird melodischer Punkrock der oldschooligen Sorte mit rotziger Kante und treffsicheren Chören, die live sicher für ordentliche Bierpfützen im Pit sorgen. Mich erinnert das grob ein wenig an frühe Turbonegro-Sachen, gerade die Gitarre-Bass-Fraktion, das treibende Schlagzeug und die mehrstimmigen Whohoho-Chöre. Der Mischmasch aus Garagepunk, Amipunk und etwas Schweinerock läuft mir ganz gut rein, schade dass ich die Band neulich bei der Record-Release-Party bei mir um die Ecke verpasst habe. Gerade das letzte Stück Alcoholic  geht sowas von ins Ohr. Die Jungs verstehen jedenfalls ihr Handwerk, für das die Mitglieder bereits reichlich an Erfahrung in Bands wie Sonic Träsh, Smalltown Rockets, Nakam und den Derby Dolls gesammelt haben, um mal ein paar wenige zu nennen.
Don Karacho Bandcamp / Neat Mentals Bandcamp