Bandsalat: 60659-c, Frail Body, Lift, Save Ends, Shipwrecks, Small Hours, Treble Lifter, Vel

60659-c – „The Next Part Is A Blur“ (Zegema Beach Records) [Name Your Price Download]
Übelst heftigen Screamo/Emoviolence mit Schnappschildkrötenvocals und schön zwirbelnden Gitarren bekommt ihr von dieser neuen Combo aus Richmond, Virginia auf die Mütze. Klar, hier sind wieder ein paar Leute mit dabei, die man aus allerlei in der Szene etablierten Bands wie z.B. .Gif From God, Caust, Kaoru Nagisa, Yusuke, Gas Up Yr Hearse!, Ostraca und ’ner Menge anderer Kapellen her kennt. Schön intensives Brett mit teils mehrstimmingen Heul-Keif-Kreisch-Orgien. Dazu immer wieder Highspeedgeknüppel und pures Chaos. Kann man auf Anhieb liebgewinnen, wenn man auf Zeugs wie Nayru, Ostraca, Neil Perry oder Orchid steht!


Frail Body – „At Peace“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wahnsinn, auf welch geile Bands man beim Bandcamp-Surfen hin und wieder stößt. Frail Body kommen aus Rockford, Illinois und machen eine schöne Mischung aus fuzzigem Screamo und intensivem emotive Hardcore. Wenn nach nur drei Songs auch schon wieder vorbei ist, dann zwirbelt euch mal schnell noch die etwas länger geratene Debut-EP des Trios auf die Festplatte, denn das gibt es ebenfalls als Name Your Price-Download. Bin gespannt, was man von diesen Jungs in Zukunft noch zu hören bekommt.


Lift – „Lessons Learned In Pain“ (DIY) [Stream]
Kennt jemand von euch noch die Band With Honor? Bezüglich With Honor herrscht schwere Begeisterung bei mir. Nun, auf die Band Lift bin ich eben durch die Facebook-Verbundenheit von With Honor aufmerksam geworden. Und das zu einer Zeit, als dieser Shit-Algorythmus noch nicht alle Posts von relevanten Seiten verbarg. Ich könnte direkt kotzen mit der Erkenntnis, dass mir in Zukunft anstelle der liebgewonnenen Posts befreundeter Seiten eher Scheiß-Werbung für aufbauende Muskelpräparate in der beschissenen Timeline angepriesen werden, obwohl ich selbst nie danach gesucht habe. Ich hoffe, dass wenigstens die Crossed Letters-Facebook-Posts nicht für’n Arsch sind und bei euch angezeigt werden. Man muss wohl technisch ziemlich begabt sein, wenn man in Zukunft irgendwelche Nachrichtenseiten, Fanzines oder Blogs stalken will. Die zwei Songs von Lift sorgen jedenfalls sofort dafür, dass ich mich nicht mehr so schlecht fühle. Geile Gitarren, satte Drums, Songwriting passt auch, der Sänger hat es ebenfalls drauf. Stellt euch ’ne abgehende Mischung aus Snapcase, frühen Boy Sets Fire und With Honor vor. Ich bin angefixt und möchte bald mehr von den Jungs hören.


Save Ends – „A Book About Bad Luck“ (Black Numbers) [Stream]
Wenn ihr auf catchy Midwest-Emo-Punk mit wechselndem female/male-Gesang steht, dann dürfte das neue Album von Save Ends eigentlich ein gefundenes Fressen für euch sein. Mich erinnert der Sound der Band aus Boston/Massachusetts her desöfteren an Zeugs von den Get Up Kids, The Anniversary, Rocking Horse Winner und manchmal sogar ganz selten an etwas gediegenere Thursday (bei Way Back z.B.). Freunde von Bands wie Signals Midwest, Annabell, The Hotelier oder Moose Blood sollten sich die zehn Songs mal schleunigst zu Gemüte führen. Gefühlvoll gespielte Gitarren treffen auf leidenschaftlichen Gesang, dabei ist das Ganze top produziert.


Shipwrecks – „Selftitled“ (Maniyax Records) [Stream]
Solltet ihr mal wieder nach einem Highlight im Bereich Instrumental-Post-Rock suchen, dann müsst ihr unbedingt mal in Shipwrecks Debutalbum reinhören. Die Band aus Köln hat nämlich ein Gespür für verträumte Melodien und ist dabei durchaus sehr melancholisch unterwegs. Auch wenn die fünf Songs jenseits von siebenminütigen Spielzeiten sind wird es niemals langweilig, da immer wieder gewisse Spannungen erzeugt werden. Ausgeklügeltes Songwriting trifft auf ganz viel Atmosphäre. Fans von Zeugs wie Caspian oder Explosions In The Sky sollten das nicht verpassen!


Small Hours – „Reconstruction“ (Laserlife Records) [Stream]
Obwohl die Band Small Hours aus Wien schon seit 2013 besteht und die Jungs davor schon seit Jahren in anderen Bands gespielt haben, wurde bisher erst eine EP im Jahr 2014 veröffentlicht. Mit Reconstruction hat sich das Trio nun aber endlich an sein Debutalbum gewagt, das Ding ist als Digital-Download und als doppelseitige 12inch erschienen. Musikalisch sind die Jungs im Post-Hardcore zu verorten, ab und an schimmern ein paar Oldschool-Punk-Tunes á la Wipers durch. Die sechs Songs sind mit schönen Gitarren, druckvollen Drums und pumpendem Bass geschmückt, dazu gesellt sich fieses Reibeisen-Gegröhle. Bei manchen Songs erinnert die Band rein instrumental an Bands wie At The Drive-In (hört mal bei Modern Disease), es kommen aber auch Bands wie die ebenfalls aus Österreich stammenden Kurort in den Sinn. Vielleicht letztere gerade auch, weil zwei der Songs deutsche Texte haben und es gerade bei Konsequenz schön vertrackt und groovig zugeht. Die Band erwähnt auf ihrer Facebook-Seite auch noch Bands wie Comadre, Touché Amore und Self Defense Family als Einflüsse, was eigentlich auch noch sehr gut passt. Hört mal rein, klingt interessant!


Treble Lifter – „The Noise We Leave“ (DIY) [Name Your Price Download]
Über Treble Lifter aus Washington DC kann man nicht allzu viel ernst gemeinte Informationen auf der Facebook-Seite der Band finden. Als Einflüsse werden Queen und Earth Crisis genannt, die eigene Musik wird mit Schizophrenic Rock umschrieben und die Story, wie sich die Jungs kennen gelernt haben, kann man eigentlich auch nicht glauben. Egal, denn die Musik von Treble Lifter klingt spannend. Schön eigenständig machen die Jungs eine druckvolle Mischung aus metallischem Emocore, Post-Hardcore, etwas Stop’N’Go und AmRep-Noise, die matschigen und dissonanten Stoner-Gitarren blasen ordentlich. Bereits im ersten Track wird man schon ganz heftig an die Wand gedrückt. Der Drummer scheint ein Tier zu sein, beim Gesang werden auch keine Gefangenen gemacht, Disharmonie scheint eine Vorliebe der Jungs zu sein. Testet das mal an!


Vel – „Obsidian“ (DIY) [Stream]
Irgendwann im Jahr 2015 haben sich ein paar langjährige Freunde – die auch schon zusammen gelegentlich Musik gemacht haben – dazu entschlossen, im Würzburger Proberaum ein wenig zu jammen. Es dauerte nicht lang und die Band Vel war gegründet. Aus den Jams wurden ausgetüftelte Songs, die alsbald auch professionell aufgenommen wurden. Das Ergebnis ist dieses erste Album mit insgesamt fünf Songs und einer Spielzeit von etwa 45 Minuten, das die Band über diverse Kanäle zum digitalen Download anbietet. Doch kaum war das Release draußen, entschlossen sich zwei der Bandmitglieder zum Ausstieg, um sich auf ihre anderen Bands (Bait und Der Weg einer Freiheit) zu konzentrieren. Sowas ist zwar immer doof, aber glücklicherweise hat die Band schnell Ersatz gefunden, so dass seit März wieder Shows gespielt werden können. Nun, Obsidian fühlt sich jedenfalls wie eine zusammengepuzzlete Jam-Session an, die Reise führt dabei durch unterschiedliche Genres wie z.B. Post-Rock, Screamo, Blackmetal und Shoegaze. Der Gesang kommt keifend, die Gitarren matschen einerseits ordentlich, andererseits kommen sie aber auch ab und zu glockenklar aus den Lautsprechern. Der Schlagzeuger hat von wildem Gehacke bis hin zu groovigen Beats alles drauf. Wer gern etwas Zeit für ein Release mit sich bringt und dabei auf melancholischen Sound abfährt, der technisch einiges auf Lager hat, der dürfte Obsidian wie einen Schwamm aufsaugen.


 

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Bandsalat: Beardless, Chiller, King Slender, Laerm, Mainström, Probably Not, Rome Asleep, Sciatic Nerve

Beardless – „Holy Moly!“ (Fond Of Life Records) [Stream]
Heiliger Bimbam, lasst euch bloß nicht durch das Loony-Tunes-mäßige Coverartwork, Bandname und Albumtitel in die Irre führen! Das Bandmaskottchen, das euch vom Cover her frech anglotzt, soll wohl einen haarlosen Nacktmull darstellen. Rein optisch anhand des Digipacks eingeschätzt, vermutete ich anfangs, dass hinter Beardless irgend so ’ne 0815-Funpunk-Band stecken würde. Bekommt man aber die ersten Klänge vor den Latz geknallt, dann reibt man sich erstmal ungläubig die Augen. Die drei bartlosen Milchgesichter klingen so gar nicht nach Trio, hier wird zuckerfeiner und hochmelodischer Punkrock gespielt, der sich eher nach einem super eingespielten Quartett und überhaupt gar nicht deutsch sondern sehr amerikanisch anhört. Seit sechs Jahren ist die Osnabrücker Band unterwegs, hat dabei schon zahlreiche Shows gespielt und zwei EP’s veröffentlicht. Bei den zehn Songs von Holy Moly! hat man ab der ersten Sekunde den Eindruck, dass den Jungs ihr emotionaler Punkrock tierischen Spaß bereitet. Die Gitarren flutschen wie die Hölle, der Schlagzeuger hält die Punkrockbude zusammen, der Basser entfernt sich auch mal von der Gitarre und spielt eigenständige Knödel-Melodien. Und dann ist da der alles andere als in den Bart genuschelte und kräftig gesungene raue Gesang und die hymnischen Bandchöre, die alles so dermaßen catchy machen, dass man sofort Lust bekommt, sich mit einem Bier bewaffnet in den Pit zu stürzen. Hitverdächtige Songs gibt es jedenfalls am laufenden Schnürchen. Als Anspieltipps eignet sich das extrem geile Rust, das sogar noch mit Streichern (?) aufgepeppt wurde oder das arschtretende und hymnische I Don’t Care. Geil auch, dass dem Digipack ein Textheftchen beigefügt ist, auf welchem sich die teils sehr persönlichen und intelligenten Lyrics nachlesen lassen. Holy Moly! überzeugt durch einen satten Sound, dass die Songs live eingespielt wurden (außer Gesang und zweite Gitarre) ist ebenfalls von Vorteil, denn die Songs klingen dadurch sehr lebendig. Das Album gibt’s neben dem Digipack als Digital-Release, als Schmankerl gibt es Vinyl in drei verschiedenen Varianten. Das Ding hier wird bei mir definitiv in Zukunft öfter laufen! Und bevor ihr so ’ne ausgelutschte Scheibe wie die letzte Hot Water Music abfeiert, solltet ihr das hier mal anchecken!


Chiller – „Selfitled“ (Rockstar Records) [Stream]
Diese kanadische Punkband setzt sich aus Leuten der Bands Feral Trash, BlackTower und Mother’s Children zusammen und beschert uns mit ihrem Debutalbum insgesamt acht Songs, die schön melodisch, aber dennoch düster und melancholisch klingen. Die Stücke gehen sofort ins Ohr und verzücken mit tollen melodischen Gitarren und teils mehrstimmigem female/male-Gesang. Und dann immer wieder diese knödelnden Gitarren, diese hymnischen Chöre und diese ausgebrannte und unterschwellige Auswegslosigkeit als Grundstimmung. Geiles Debut!


King Slender – „Selftitled“ (Killer Tofu Records/Zegema Beach Records) [Stream]
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde auf diesen Seiten das Demo dieses Quartetts aus Philadelphia angepriesen. Nun also gibt es eine erste EP, die als 7inch (Killer Tofu Records) oder als Tape (Zegema Beach Records) erhältlich ist. Was mir am Sound der Jungs so gefällt, ist die treibende Kraft und die rohe Grundstimmung, die aber immer wieder durch unterschwellige Gitarrenmelodien aufgelockert wird. Die rausgerotzte aber dennoch leidende Stimme ist auch noch so eine Art Markenzeichen der Band. Die nach vorn gehende Mischung aus Emotive Hardcore, Punk, Screamo und Post-Hardcore ist live sicher eindrucksvoll. Die Bandmitglieder waren zuvor bei den Bands Carved Up, The Minor Times, The Sea The Sea, Nationale, Five Stars For Failure, Fighter Hayabusa und The Ideamen aktiv, diese Banderfahrung kommt nun bei King Slender ans Licht. Hört mal die verträumten Gitarren im letzten Drittel bei Forever Circling. Da ist man direkt enttäuscht, als nach kurzweiligen vier Songs die EP auch schon wieder vorbei ist.


Laerm – „Restless“ (DIY) [Stream]
Bisher, so scheint es, haben die Schweizer Punks von Laerm das Albumformat gemieden wie die Pest, seit Gründung im Jahr 2001 veröffentlichten die Jungs lieber im EP-Format. Und das taten und tun die vier Badener mit Vorliebe im Alleingang bzw. mit der Unterstützung von Freunden, DIY wird hier groß geschrieben. Restless ist also das Debutalbum der Jungs und was die Soundqualität angeht, so dürften diese zwölf Songs in der gesamten Bandlaufbahn qualitativ mit zum Besten zählen. Die Songs sind allesamt druckvoll abgemischt, die Gitarren kommen sauber, der Bass wirbelt auch schön fluffig vor sich hin, der Gesang kommt klar und deutlich. Lediglich die Snare klingt etwas zu hell. Vom Sound her bekommt ihr schön punkigen und melodischen Punkrock mit Mitgröhlpassagen auf die Ohren, der Gesang erinnert mich an manchen Stellen an Jesse von Yuppicide (Shinebox-Phase). Dass Laerm eine Band ist, die mit Haut und Haaren sehr gerne live zockt, merkt man den energiereich aufgebauten Songs jedenfalls sofort an. Vermutlich juckt es den Jungs permanent in den Fingern und sie schnappen sich jeden Auftritt, den sie kriegen können. Und wahrscheinlich klebt der Boden nach einer Show mit den Jungs, denn bei so ’nem Sound wird mit Vorliebe das ein oder andere Bier verschüttet. Das Album kommt übrigens in ’nem hübsch gestalteten Digipack, der sogar noch ein kleines Text-CD-Heftchen stecken hat.


Mainström – „Cut“ (DIY) [Stream]
Ursprünglich hat die Stuttgarter Punk-Band Mainström im Jahr 2010 als Trio mit zweistimmigem Frauengesang begonnen. Seither wurden zwei EP’s veröffentlicht und etliche Konzerte gespielt, zwischendurch fand auch mal ein Wechsel am Bass statt. Nach einem Jahr Pause kommt die Band nun mit einer neuen EP um die Ecke, die sicher nicht ohne Hintergedanken schlichtweg Cut betitelt wurde. Ein neuer Abschnitt im Leben der Band? Könnte sein, denn bei Malström hat sich erneut das Besetzungskarussell gedreht. Die Band wurde zum Quartett aufgestockt, beim Gesang übernimmt nun Sängerin Angie den Hauptteil, während die Chöre von den Jungs der Band beigesteuert werden. Musikalisch ist jedoch alles beim alten geblieben. Die vier Songs beamen Dich ab dem ersten Ton an direkt zurück in eine Zeit so um die Neunziger herum, als dieser melodische US-Skatepunk mit Bands wie NOFX, Pennywise, Face To Face oder 88 Fingers Louie populär war, so dass überall auf der Welt Klone enstanden und Labels wie z.B. Burning Heart traumhafte Umsätze verbuchen konnten. Tonnenweise Bands, die alle irgendwie gleich klangen. Eigentlich ähnlich wie heutzutage im Melodic Hardcore. Der Unterschied aber ist, dass es diese Melodic Hardcore-Bands aktuell einfacher haben, sich Gehör zu verschaffen. Einer Band wie Mainström, die in einem verwaisten Subgenre ihr Unwesen treibt und da vermutlich teilweise mit mehr Herzblut und Freude als so manch abgefeierte Melodic HC-Band dran ist, bleibt da leider nicht so viel Aufmerksamkeit. Schade, denn die Songs sind sehr gut gemacht. Die Gitarren kommen mit tollen Melodien, die Vocals sind hymnisch, der Drummer rödelt sich einen ab und die Texte behandeln persönliche Themen wie Zukunftsängste und Selbstzweifel. Musikalisch erinnert das gerade aufgrund des weiblichen Gesangs ziemlich an die Bambix oder an die spanische Band Zinc. Jedenfalls ist der Spaß an der Sache hier deutlich herauszuhören, zudem spricht eine selbstreleaste Digipack-CD Bände. Nettes Gimmick auch: jedes Bandmitglied hat mit ’nem Edding unter seinem Bandfoto unterschrieben. Lediglich das Lost&Found-mäßige Artwork kommt ein wenig befremdlich rüber, aber wahrscheinlich ist das sogar so gewollt.


Probably Not – „The Same Pain“ (Circle House Records) [Name Your Price Download]
Bei Probably Not handelt es sich um eine relativ neue UK-Band, deren Mitglieder zuvor in den mir nicht bekannten Bands Splitsville, Honey Pot und Skeleton Frames zockten. Auf ihrem Debutrelease, das sowohl digital als auch als Tape erschienen ist, präsentiert das Trio fünf Songs, die mit einer Spielzeit von etwas knapp unter zehn Minuten verdammt kurzweilig ausgefallen sind. Angesichts des intensiven Mischmaschs aus Post-Hardcore, Screamo, Emo, Punk und emotive Hardcore drückt man nach Durchlauf der EP jedenfalls gerne nochmals auf Play. Hier bekommt jedes Instrument seinen gebührenden Platz: der Bass darf ungehindert poltern, die Gitarren suchen sich schlängelnd dazwischen ihren Weg und können auch mal aufbrausender werden. Der Schlagzeuger hat verschiedene Techniken drauf, vom vertrackten Drumming bis zum Wirbeln alles dabei und die Vocals pendeln zwischen Schreien und Heulen in einer Stimmlage, die Verzweiflung, Zerissenheit und Wut transportiert. Emotional und energiereich zugleich. Wer das letzte Dad Thighs-Release abgefeiert hat, der sollte hier mal ein Ohr riskieren. Sehr geil!


Rome Asleep – „Selftitled 7inch“ (1000milesintomyheart) [Stream]
Dieses feine Scheibchen hier hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber ihr wisst ja: gute Musik hat kein Verfallsdatum. Nun, das Ding wurde mir zusammen mit der Uwaga/WuZeTian-Split 7inch zugeschickt, eben weil es auf dem bandeigenen Label von WuZeTian veröffentlicht wurde und wohl noch ein paar Exemplare vorrätig sind. Da es für die Mottenkiste als Klassiker aus ehemaligen Zeiten noch nicht so ganz reicht – das Ding kam 2009 raus – kommen also hier ein paar Zeilen. Rome Asleep war ein Quartett aus Mannheim, neben dieser 7inch veröffentlichte die Band auch noch ein Album in Eigenregie , das es übrigens ebenfalls in sich hat, zudem könnt ihr das Ding auf Bandcamp für lau ergattern. Die Jungs machen mitreißenden Post-Hardcore, der schön experimentell und tanzbar vor sich hinzappelt, eine gute Portion Noise kommt auch noch obendrauf. Auf der Labelseite werden Bands wie At The Drive-In, Swing Kids, Pitchfork, Blood Brothers und The Rapture als Vergleiche genannt. Nun, das ist absolut nicht gelogen, die drei Songs haben alles, was das Post-Hardcore-Herz begehrt. Zudem zeigen sie, dass die Band energievolle Live-Power gehabt hat, vielleicht hatte ja irgendwer von euch das Glück, sie zu ihrer aktiven Phase irgendwo zu sehen. Habe lange im Oberstübchen gekramt, ich meine, ich hätte die Band auch mal irgendwo gesehen, bin mir aber nicht mehr ganz so sicher. Wer also mit dem Sound von den Jungs was anfangen kann und das 7inch-Format liebt, der kann mit ein wenig Glück noch so ein Scheibchen bei 1000milesintomyheart bestellen.


Sciatic Nerve – „Selftitled“ (Gunner Records) [Stream]
Mal wieder so ’ne Allstar-Band mit Leuten von Swingin’ Utters, Nothington, Western Addiction und Cobra Skulls. Und was soll sich sagen, das Debutalbum der Jungs mit insgesamt 12 Songs hat ordentlich Wind im Darm! Man hört jedenfalls auf Anhieb, dass die Beteiligten hier mit Spaß und Freude zocken. Wenn ihr euch eine Mischung aus Kid Dynamite, Descendents, Refused und Black Flag vorstellen könnt, dann solltet ihr da mal reinlauschen. Mir läuft’s jedenfalls ganz genehm rein!


 

 

Bandsalat: Cadet Carter, Circa Survive, Elmar, Girless, The Good the Bad and the Zugly, Lorem Ipsum, Please Believe!, Stuntman

Cadet Carter – „Selftitled“ (Uncle M) [Stream]
Erst im Frühjahr 2017 erblickte die Münchener Band Cadet Carter das Licht der Welt, zuvor musizierten die Bandmitglieder jedoch schon in anderen Kapellen wie z.B. Pardon Ms. Arden, About An Author oder Gravity Lost. Nun, diese Bands sagen mir zumindest überhaupt nix, aber offenbar haben die Jungs dort so viel gelernt, dass es letztendlich innerhalb kürzester Zeit zu diesem entzückenden Debutalbum geführt hat. Was man zu hören bekommt, lässt jedenfalls vermuten, dass die Jungs mehr Zeit in irgendwelchen Proberäumen verbrachten, als sich bei Sonnenschein im Biergarten zu vergnügen oder für’s Studium gebührend Zeit zu opfern. Neun Songs und etwas über eine halbe Stunde Spielzeit beamen mich jedenfalls direkt zurück in die Zeit um die Jahrtausendwende herum, als Bands wie Jimmy Eat World, Nada Surf, The Get Up Kids oder The Anniversary mit ihrem US-College-Emo auch den Losern in unseren Breitengraden zu etwas mehr Selbstvertrauen verhalfen. Schon das Albumcover weckt nostalgische Erinnerungen an diese Zeit und sobald man die Gitarren in der Eröffnungssequenz vom Opener Milwaukee vernimmt, spitzt man verzückt die Öhrchen. Und ehe man es sich versieht, sind die neun Songs auch schon wieder vorbei und man ist bereits jetzt mit dem ohrwurmverdächtigen und catchy Sound des Quartetts mehr als vertraut. Auch weiß man, dass man sich niemals von irgendwelchen glattgebügelten Lackaffen unterkriegen lassen wird! Cadet Carter könnten also für Leute interessant sein, die sich gerne an den bereits erwähnten Bands erfreuen können und auch neuerem Zeugs wie Moose Blood oder The Hotelier gegenüber aufgeschlossen sind.


Circa Survive – „The Amulet“ (Hopeless Records) [Stream]
Kein Witz, auf der neuen Circa Survive bin ich durch meinen sechsjährigen Sohn irgendwie hängen geblieben. Vor einiger Zeit hab ich ihm nämlich den Hammersong Act Appalled aus dem 2005-er Debutalbum der Band auf irgendeinen Sampler gepackt, welcher unmittelbar zum Lieblingssong auserkoren wurde. Neulich fragte er mich dann, ob es zu dem Song auch ein Video geben würde, so dass wir gleich auf Youtube ein paar Songs der Band angeschaut haben. Am meisten gefiel ihm ein Live-Mitschnitt, bei welchem so’n Typ im Publikum ’ne Ernie-Puppe die ganzen Texte mitsingen ließ. Müsst ihr euch anschauen, geile Stimmung! Und eigentlich bin ich seit Saosin eh angefixt von der Stimme Anthony Greens, auch wenn sie an manchen Stellen etwas zu hochgepitcht klingt. The Amulet ist jedenfalls ein hervorragendes Album, man merkt der Band förmlich an, dass sie nach einigen persönlichen Problemen neue Kraft geschöpft hat. Musik als Therapie hat schon immer gut funktioniert, so auch auf diesen zehn Songs, die allesamt unter die Haut gehen.


Elmar – „Betriebstemperatur, halten“ (Twisted Chords) [Stream]
Nach einer Demo steht nun das Debutalbum der Meissener Band in den Startlöchern. Die Jungs haben zuvor übrigens bei Bands wie Mikrokosmos23 und Abenteuer Auftauen musiziert, was die Ausgereiftheit der zehn Songs erklärt. Geboten wird schön nach vorn gehender Emo-Punk mit deutschen Texten, was den einen oder anderen Vergleich mit Bands wie Muff Potter; Matula oder Düsenjäger zulässt. Ich meine jedoch auch ganz viel US-Emo-Punk á la Avail herauszuhören, gerade die Gitarren. Der Sound kommt einerseits sehr dreckig und rau rüber, andererseits gibt es viele melancholische und emotionale Tendenzen zu entdecken. Jedenfalls ist das Album ein richtiger Grower, was man erst nach ein paar Durchläufen checkt. Die durchdachten und metaphorischen Texte lassen viel Platz für Interpretationen und behandeln alltägliche Themen, pendeln zwischen Wut und Schmerz, bleiben dabei aber immer noch etwas hoffnungsvoll. Als Anpieltipps empfehle ich mal den Opener Drei Ecken Ein Kreis oder das geniale Porzellanjugend, das als eine Art Intro für den Song Krummer Rücken dient. Dicke Empfehlung!


Girless – „I Have A Call“ (TimTam Records u.a.) [Name Your Price Download]
Hinter Girless steckt der Musiker Tommaso Gavioli, der bisher schon etliche Alben mit seiner Band Girless & The Orphan veröffentlicht hat. Auf I Have A Call ist er solo unterwegs, hier und da bekommt er aber doch ein wenig Unterstützung von ein paar Gastmusikern. Insgesamt ist I Have A Call aber ein sehr ruhiges und nachdenkliches Album geworden, lediglich beim Song Luigi geht es etwas schrammeliger und lauter zu, beim Song Sylvia kommt dann noch eine schöne Post-Rock-Gitarre um die Ecke. Die acht Songtitel sind alle mit den Vornamen real existierender Personen betitelt, die bereits freiwillig aus dem Leben geschieden sind, vorwiegend Schriftsteller wie z.B. Ernest (Hemingway) oder Sylvia Plath. Die Stimme von Tommaso Gavioli erinnert dabei das ein oder andere Mal an Matt Pryor bei den New Amsterdams. Der Digipack ist über TimTam Records, To Lose La Track und Stop Records erschienen und kommt mit einem schönen Textheftchen mit Bildern der Verstorbenen. Nach soviel Leid und Suizid bin ich nach Hörgenuss eigentlich doch ganz froh, am Leben zu sein!


The Good the Bad and the Zugly – „Misanthropical House“ (Fysisk Format) [Stream]
Könnt ihr euch noch dran erinnern, was man in den Neunzigern für geiles Punkrock-Zeugs mit Hardcore-Einschlag aus Skandinavien auf die Ohren bekam? Turbonegro, Gluecifer, Hellacopters, Amulet und die Anal Babes? An diese Bands fühle ich mich sofort erinnert, wenn ich das Zeugs von The Good the Bad and the Zugly auf den Kopfhörern habe. Vergleichbare Bands wären auch noch (The Almighty) Trigger Happy, Strike Anywhere oder Aerobitch. Nun denn, die Jungs sind ja auch schon einige Zeit unterwegs, Misanthropical House ist das mittlerweile dritte Album und so wie es aussieht, sind die Bandmitglieder im gebrechlichen Punkrockalter angekommen. Laut eigener Aussage ist das Album sehr emotional geworden, es handelt vom Punkrock-Leben in Norwegen, vom Jammern und Klagen über den körperlichen Verfall (Hämorrhoiden, Pilze, Fettleibigkeit, Haarausfall, Depressionen und natürlich den obligatorischen Kater). Jedenfalls macht der Sound richtig Spaß, ist live sicher ganz lustig!


Lorem Ipsum – „Que Restera-T-Il?“ (Tim Tam Records) [Stream]
Nach der Eingabe des Bandnamens in eine Internet-Suchmaschine kamen erstaunlicherweise gleich drei französische Bands mit gleichem Namen als Ergebnis. Nun, diese Lorem Ipsum kommen aus Lille/Frankreich und haben sich auf ihrem ersten Album dem akustischen Screamo verschrieben, dabei ist das Trio ziemlich eigenständig und baut sogar Neo-Klassik- und Folk-Einflüsse mit Piano, Violine und theatralischen Vocals ein. Dafür braucht man schon Nerven, wenn man mit dieser Art von Musik nix anfangen kann. Jedenfalls kann attestiert werden, dass die Band sehr emotional, traurig und melancholisch unterwegs ist. Die schweren Piano-Klänge strahlen ohne Zweifel eine gewisse Trostlosigkeit aus. Als Anspieltipp empfehle ich mal Chapitre IV: J’Aurais Voulu, das Stück ist der Hammer. Könnte mir vorstellen, dass die Band live sicher ein Erlebnis ist, zudem steckt hinter den Texten ein poetisches Konzept. Und ein paar Hör-Runden später verfliegt auch die anfängliche Berührungsangst, eben weil man so ’nen Sound nicht alle Tage zu hören bekommt.


Please, Believe! – „.​.​.​In Potential“ (DIY) [Name Your Price Download]
Bei Please, Believe! wirken Leute aus Dundee/UK mit, die bisher äußerst umtriebig waren/sind. Dementsprechend lang ist die Latte an Bands, ich zähle einfach mal auf: Bonehouse, Stonethrower, Archives, Year At Sea, Pensioner, The Fall of Boss Koala, Gone Wishing, Little Anchors, Juliet Kilo. Bei …In Potential handelt es sich um das erste full length, und das ist so dermaßen geil geworden, dass man direkt schwitzende Hände und glühende Bäckchen bekommt, sobald man den Play-Button betätigt hat. Momentan sucht die Band nach einem geeigneten Label, das bereit ist, das Album als 12inch zu veröffentlichen. Ich würde sagen, dass sie da sicher nicht lange suchen müssen. Knierutsch-Herzschmerz-Emo vom feinsten, mit wundervollem Schlagzeug/Bass-Gerüst und geiler Washington DC-Gitarre. Die acht Songs klingen so frisch und unverbraucht, das Ding könnte ich in Dauerschleife hören, ohne auch nur eine Sekunde gelangweilt zu sein. Wer alten Helden wie The Van Pelt verehrt, sollte hier unbedingt mal reinhören. Ich bin schwer begeistert!


Stuntman – „The Scourge Flexi 7inch“ (Dingleberry Records) [Stream]
In letzter Zeit sieht man das ja wieder häufiger, das Flexi-Format. Früher lagen solche Scheibchen ja gerne Fanzines bei, das war immer ein besonderer Leckerbissen, auch wenn die Qualität damals bei weitem nicht so gut war, wie bei den heutigen Discs. Okay, bei diesem Release wirken neben Dingleberry Records auch noch Prototype Records, Gabu Records, Wooaaargh und Emergence Records mit. Die Band Stuntman kannte ich bisher nicht, dennoch existiert die Band aus dem Süden Frankreichs bereits seit dem Jahr 2002 und hat in der Zeit bereits schon zig Shows in ganz Europa gezockt, u.a. mit Bands wie Coalesce, Nails und Russian Circles. Dieser Song hier dauert etwas über vier Minuten und ist sehr facettenreich. Neben ganz viel Groove rattert und bolzt es hier schön straight nach vorn. Kann man irgendwo zwischen chaotischem Hardcore, Noise, Sludge und Grind einordnen. Kommt mit schönem Coverartwork vom Tattoo-Künstler Dadoo Jaxa. Und….AAAAction!


 

Féroces – „Victor“ (Dingleberry Records u.a.)

Es ist gerade mal ein Jahr her, dass Juliette, die erste 12inch der Band aus Besançon/Frankreich auf meinem Plattenteller für den Zweck einer Besprechung landete, die ihr hier nachlesen könnt. Seit dieser Besprechung drehte diese 12inch immer mal wieder auf dem heimischen Plattenspieler, obwohl bei mir ja rein instrumentale Bands ungerechterweise eher nachteilig behandelt werden. Der mystisch angehauchte Post-Rock der Franzosen hat es mir jedoch ziemlich angetan. Dementsprechend erfreut war ich, als ich Féroces zweite 12inch Victor im letzten Plattenpaket aus dem Hause Dingleberry Records vorfand.

Und wieder sind die Songs auf farbiges Vinyl gepresst, diesmal nicht auf blauem, sondern auf grünem Vinyl. Und wieder steht das Motto Personne ne chante, personne ne danse (Niemand singt, niemand tanzt) auf dem Backcover geschrieben, zudem scheint sich mit den Titeln ein gewisses Schema einzuschleichen. Und auch beim Sound ist alles im bereits gewohnten Stil beim Alten geblieben. Die instrumentalen Stücke sind erneut mit Spoken Words aus französischen Filmen hinterlegt, was die Dramaturgie in der Musik des Trios nur noch unterstreicht. Erst mit dieser Veröffentlichung entdeckte ich den Youtube-Kanal der Band und damit auch die Filmszenen, aus welchen die Samples stammen. Beim Song J’attends qu’il m’arrive quelque chose z.B. wurden Szenen aus dem Film La Fille sur le pont (Das Mädchen auf der Brücke) mit Vanessa Paradis verwendet.

Insgesamt sechs Songs und 27 Minuten dauert die cineastische Reise durch die Klangwelt von Féroces, von der Spielzeit her lassen sich bei Victor also ebenfalls Parallelen zu Juliette erkennen. Ob da ein Konzept dahinter steckt? Klub 27 vielleicht? Während die Platte ihre Runden dreht, hat man – wie ihr seht – genügend Zeit, um sich wahnwitzige Spinnereien auszudenken. Diese Musik hat das Zeug dazu, die stumpfesten Gehirnregionen dazu anzuregen. Man kann aber auch mit jedem Durchlauf wieder etwas neues entdecken, das zuvor gar nicht aufgefallen ist.

Neben der Melodramatik schwingt in den Songs aber auch eine gewisse mystische und erotische Komponente mit. Ausgetüftelte Songarrangements und eine erstklassige Produktion sorgen ebenfalls für reichlich Spannung und Abwechslung. Dass die Bandmitglieder zuvor bereits in anderen Bands aktiv waren (Gantz, Stellardrive, Asidefromaday und Hiro), kann man jedenfalls deutlich hören. Verdammt intensiv, verdammt tiefgehend, verdammt melancholisch und damit einfach verdammt geil. Ich steh drauf, kann ich nur sagen! Das Ding hier wird noch einige Runden auf meinem Plattenteller drehen! Besorgt euch am Besten gleich beide Scheiben. Die 12inch ist als Co-Release der Labels Dingleberry Records, Mediapop Records, Uproar For Veneration und Tim Tam Records erschienen.

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

мятеж & Kelut – „Split 12inch“ (Dingleberry Records u.a.)

Das hier sieht wieder mal nach einem astreinen DIY-Release aus: zwei Bands teilen sich ’ne Scheibe, eine der Bands ist mir schon ein paar mal auf diversen anderen Split-Scheiben untergekommen, die andere war mir bisher nicht bekannt. Dazu sind auf dem Backcover einige Logos von einschlägigen DIY-Qualitätslabels aufgedruckt, die am Release beteiligt sind. Neben Dingleberry Records sind das Zegema Beach Records, IFB Records, Dead Tank, Dead Punx Records und Friendly Otter. Auf Front-und Backcover ist in schöner schwarz-weiß-Optik der Kontrast zwischen Industrialisierung (Zahnrad) und der modernen Zivilisation (Wolkenkratzer) dargestellt. Das lässt viel Spielraum für Interpretationen offen.

Jedenfalls bin ich ziemlich überrascht, als die ersten Klänge der A-Seite ertönen. Wie geil, ein auf das Label gestempeltes Herzchen markiert die A-Seite, die B-Seite ist logischerweise mit zwei Herzchen markiert. Nun, мятеж traten bisher sehr brachial auf, daher reibe ich erstmal ungläubig die Augen, nachdem die warmen Klänge des Intros meine Ohren streicheln. Sehr melancholisch drehen sich die Gitarren wie ein Mantra ins Gehör. Die spirituelle Yoga-Atmosphäre nimmt jedoch mit dem zweiten Song ein jähes Ende, denn hier wird gebolzt (Drum-Computer, fast Industrial-Style…Ministry lassen grüßen), was das Zeug hält. Dazu gesellt sich fieses Wutgeschrei. Plötzlich wird es wieder ruhiger, spoken words und gesampelte Vocalfetzen dringen aus dem Off an die Ohren. Irgendwie klingt das nach einer wunderbaren, apokalyptischen Soundlandschaft. Das hier gefällt mir um Längen besser, als das, was die Band bisher fabriziert hat. Auch das nachfolgende The Dark Ages 2.0 hat eine dichte Atmosphäre. Und im letzten Stück wird dieses chaotische Screamo-Geblaste mit Spoken Words und lieblichen Post-Rock-Klängen – sogar mit Piano – kombiniert, wow!

Bei Kelut wirken wohl Leute der Band Yusuke mit und laut Aussage vom Label wird das hier das einzige Output der Band aus Peoria/Illinois bleiben, aktuell ist den Jungs wohl ein Gitarrist abgekommen. Die sechs Jungs fabrizieren auf der B-Seite jedenfalls das absolute Screamo-Brett, jeder Song ist mit manischem Doppel-Dreifach-Geschrei ausgestattet. Die ellenlangen Songtitel in italienischer Sprache deuten bereits darauf hin, dass die Jungs nicht mehr alle Tassen im Schrank haben können. Krass chaotisch kreisen die Gitarren, neben den Highspeed-Passagen lockern aber immer wieder schön melodische Zwischenparts mit zauberhaften Gitarren die Sache etwas auf. Auf dem beiliegenden Textblatt ist zu erkennen, dass sowohl auf Englisch als auch auf Italienisch gebrüllt wird, eine Übersetzung der Italienischen Texte ist ebenfalls vorhanden, vorwiegend werden Themen wie Angst, die verkommene Gesellschaft oder persönliche Probleme behandelt. Solltet ihr auf Zeugs wie eben Yusuke, Saetia oder Orchid abfahren, dann werdet ihr das hier lieben!

8/10

Bandcamp / Dingleberry Records