CRTVTR – „Streamo“ (Dingleberry Records u.a.)

Aufgepasst, das hier ist ein richtiger Leckerbissen! Streamo ist schon das zweite Album der Band CRTVTR aus Genua, Italien. Die Band selbst existiert schon seit dem Jahr 2009, bisher ohne mein Wissen. Und was noch erstaunlicher ist: Streamo ist bereits im Jahr 2016 erschienen und ist jetzt endlich erstmas als 12inch erhältlich. Ermöglicht hat das die Zusammenarbeit der DIY-Labels Dingleberry Records, To Lose La Track, Taxi Driver, Scatti Vorticosi DIY., Cave Canem D.I.Y., Entes Anomicos, Sangue Dischi und einer Menge anderer DIY-Organisationen, die alle auf einem Einlegeblatt abgedruckt sind. Und rein optisch ist die 12inch ein richtiger Hingucker geworden. Die Scheibe kommt im dick ummantelten Gatefoldcover, liegt richtig schwer und geschmeidig in den Händen. Deluxe Edition 180 gr Vinyl ist treffend auf dem Backcover zu lesen. Die schlichte kokosnussbraune Hülle ist mit einem goldenen Siebdruck verschönert, auf der Innenseite sind die Texte nachzulesen und befreit man das goldene Vinyl aus der Hülle, dann kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Bei so viel äußerer Schönheit und bei so einer Menge am Release beteiligten Händen ist man natürlich auf die Musik des Quartetts richtig scharf. Und ja, die Optik bleibt nicht das einzige, das Verzückung hervorruft. Diese Musik muss man meiner Meinung nach einfach auf Vinyl genießen, da wird die ganze Schönheit deutlich. CRTVTR bewegen sich grob gesagt im Post-Hardcore, zudem kommen leichte psychedelische Einflüsse zum Einsatz, Post-Rock und Math sind ebenfalls vorhanden, so experimentelles Zeugs kennt man sonst nur von Bands aus Washington. Dabei ist die melancholische Grundstimmung immer präsent, oftmals entstehen unglaublich emotionale Ausbrüche. Die Melodien erschaffen eine Atmosphäre, die man erst so richtig wahrnimmt, wenn man sich den Sound laut aufgedreht über Kopfhörer zuführt. Da entfaltet sich die Musik, man wird fast hypnotisiert. Mantra-artige Chorgesänge, rituelle und mäandernde Rhythmen setzen dem noch eins drauf, die immer wiederkehrenden Loops tun ihr übriges. Und dann, wenn man schon fast weggedriftet ist, wird man mit einer zuckersüßen Melodie zurück geholt.

Die eigenartige Atmosphäre entsteht wohl auch deshalb, weil die Band eine ungewöhnliche Instrumentierung verfolgt. Diese besteht aus zwei Bässen, Schlagzeug und Gitarre, dazu gesellen sich die vier unterschiedlichen Stimmen der Bandmitglieder, die mal flüstern, schreien oder pfeifen. Dazu kommen noch Lyrics, die sich lesen, wie wenn Dir selbst beim Radfahren, Joggen oder Schwimmen Wortphrasen durchs Gehirn eiern. Und gerade diese nicht übliche Vielseitigkeit und Kombination aus surrealen Momenten lässt den Sound des Quartetts so eigenständig wirken. Knapp 38 Minuten dauert die spannende Reise durch die sieben Songs. Und zum Schluss drängt sich noch die Frage auf, was wohl der Bandname bedeutet. Ist das wieder dieses Modeding, bei dem die Vokale weggelassen werden? Glaub nicht, denn sonst würde das menschliche Gehirn ein Wort präsentieren, aber ich habe keines vor Augen. Wenn man die Buchstaben in eine Internetsuchmaschine eingibt, dann erhält man folgendes Ergebnis: Centre Regional De Traitment et de Valorisation des Terres. Das ist französisch und bedeutet soviel wie Regionales Zentrum für die Behandlung und Bewertung des Landes. Diese Interpretation des Bandnamens müsste passen. Das behaupte ich jetzt einfach mal so anhand des abgefahrenen Sounds der Band. Checkt das hier unbedingt an, mich hat die Platte voll und ganz gepackt!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

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Bandsalat: Bastos, Dreamwell, Jaya The Cat, Minipax, Push, Safe, Talco, Tequila And The Sunrise Gang

Bastos – „Second Favourite Person“ (DIY) [Name Your Price Download]
Second Favourite Person ist zwar schon vor einem Jahr erschienen, entdeckt habe ich das Album aber erst neulich beim ausgiebigen Bandcamp-Surfen. Ich war sofort von den melodischen Gitarren und der rauhen Aufnahme angetan, der leidenschaftliche Schreigesang sollte auch noch als Pluspunkt erwähnt werden. Die Jungs kommen aus Bukarest/Rumänien, aus der dortigen Szene bekommen wir hier ja eher nicht soviel mit. Eigentlich schade. Denn wie man anhand Bastos sehen kann, gibt es auch in Rumänien Bands, die mit Haut und Haaren ihre Musik unters Volk bringen. Wenn man dem intensiven Sound der Rumänen lauscht, dann bekommt man angesichts der wuseligen Gitarren gleich mal leuchtende Augen. Geboten wird acht Mal herrlich melodischer Screamo mit reichlich Ideen, Tiefe und melancholischer Intensität. Sehr geil!


Dreamwell – „The Distance Grows Fonder“ (DIY) [Stream]
Hätte ich diese Band jemals entdeckt, wenn ich mich rein als Konsument durch die Weiten des Internets bewegt hätte? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich eher nicht. Glücklicherweise stoße ich aufgrund meiner Schreiberei hier oftmals auf ziemlich nette Zeitgenossen, die mir aufgrund meiner einschlägig veranlagten Reviews immer wieder auch ihre musikalischen Leckerbissen präsentieren und dabei helfen, noch mehr geile Bands zu entdecken, als ich eigentlich verkraften kann. Tausend Herzchen dafür <3! Dreamwell aus Boston und Umgebung fahren ein richtig geiles Hardcore-Emo-Brett. Schön rauh abgemischt, alle Instrumente haben ihren gerechten Platz, dazu ein Sänger, der richtig abgefuckt und verzweifelt klingt. Und dann diese Gitarren, die alles geben und gefühlvoll auf der einen Seite und moshend auf der anderen Seite für reichlich Gänsehaut sorgen. Wahnsinnsrelease! Diese Band müsst ihr im Auge behalten!


Jaya The Cat – „A Good Day For The Damned“ (Destiny Records) [Stream]
Auch wenn ich mich für „Festival-Mucke“ nicht so sehr begeistern kann, fand ich Jaya The Cat ganz geil, als ich sie mal gesehen habe. Eine tolle Live-Band jedenfalls. In einem der letzten Uncle M-Päckchen war dann das neue Album der Amsterdamer Band dabei, das gammelte jetzt eigentlich ziemlich lange Zeit auf dem Schreibtisch rum, bevor ich das Ding zur Eröffnung der Balkon-Saison dann doch mal auflegte. Und wie zu erwarten, bei ein paar gepflegten Bieren wippen dann doch mal die Beinchen mit. Die Mischung aus Reggae, Punk und etwas Ska klingt dann so, als wenn The Clash mit den rockigen Beatsteaks jammen würden. Kann man sich bei wärmeren Temperaturen schon mal reinpfeifen!


Minipax – „liebehassfriedenkrieg“ (Subzine Records) [Stream]
Die Band aus dem südbayerischen und österreichischen Raum bezeichnet ihren ziemlich glattpolierten Deutschpunk an der Schwelle zum Deutsch-Rock/Pop als „Antifadeutschpop“. Nun, das kommt in erster Linie daher, dass die Jungs kein Blatt vor den Mund nehmen und sich in ihren deutschen Texten klar gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Nationalismus stellen, dabei verzichten sie auf plumpe Parolen und packen das ganze mit Köpfchen an. In der aktuellen Situation im Land ist das natürlich sehr begrüßenswert. Es wäre schön, wenn es mehr Bands wie Minipax geben könnte, die ohrwurmtauglichem Punkrock eine solche Message mitgeben. Vom Sound her klingt das dann nach etwas flotteren Kettcar/But Alive und auch wenn manche Gitarrenparts schon zig mal woanders gehört wurden und ziemlich einfach gestrickt sind, verzücken die Jungs dennoch das ein oder andere Mal mit schmissigen Melodien. Trotzdem fehlt mir hier die nötige Portion Dreck, die saubere Produktion kommt mir zu steril rüber. Die Band ist live sicher nett anzusehen, aber auf Konserve haut mich so ein Sound anno 2018 leider nicht mehr so richtig vom Hocker.


Push – For Sale By Owner (Dog Knights) [Stream]
Woah, das hier wär mal wieder total an mir vorbeigegangen. Muss wieder definitiv mehr surfen und weniger Zeugs aus dem E-Mail-Postfach anchecken, bei dem ich von vornherein weiß, dass es eh absolut nix für mich ist. Eher mal die Tipps der lieben Leserschaft abarbeiten und dabei ungläubig die Augen reiben. Wahnsinn, schon wieder eine Band, deren Sound mir absolut auf den Leib gezimmert ist. Midwest-Emocore mit ganz viel 90er Vibe, so läßt sich die Mucke der Band aus Portland und San Diego ungefähr beschreiben. Die Band besteht wohl nur aus zwei Leuten, nichtsdestotrotz zieht die intensive und melancholische Grundstimmung auf Anhieb in den Bann. Die Gitarren haben zwischen laut und leise ganz schöne Melodien an Bord, dazu der zerbrechliche Gesang und die teils druckvoll gespielten Drums, einfach Zucker! Acht Songs sind hier zu hören. Intensiv, ausdrucksstark und verdammt kurzweilig!


Safe – „Stay Strong“ (backbite records) [Stream]
Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat die Band Safe schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Safe startete vor ca. 15 Jahren als Studioprojekt in Italien, bei welchem Sänger Dharmavit ein paar Mitmusiker um sich scharte, um seine eigenen Songs einzuspielen. Eine EP und ein Album erschien auf diese Weise. Zum Zeitpunkt, als das Album Ride A New Season erschien, fand sich dann doch eine feste Besetzung, so dass auch Shows gespielt werden konnten, unter anderem kam die Band damals auch für einige Shows nach Deutschland. Die Band-Odyssee ging danach direkt weiter, denn mittlerweile lebt Sänger Dharmavit in Deutschland, so dass wieder neue Mitmusiker gefunden werden mussten. Und das Ergebnis sind diese drei Songs, die als 7inch auf Backbite Records erscheinen. Vom Artwork her und beim Krishna-Intro musste ich direkt an Shelter denken und zeitlich gesehen passt das ganz gut, denn ihr bekommt herrlich oldschooligen Hardcore auf die Ohren. Schön melodisch, schön schnell. Die Gitarren und der gegenspielende Bass erinnern an Bands, in denen Joe D. Foster Gitarre zockte. Ganz frühe Ignite, Speak, The Killing Flame z.B., aber auch Zeugs wie Dag Nasty oder Mouth Piece kommt in den Sinn. Macht jedenfalls Spaß!


Talco – „And The Winner Isn’t“ (Long Beach Records) [Stream]
Was will man machen, wenn man im letzten Promo-Paket neben der angeforderten CD auch noch was anderes mitgeschickt bekommt, das musikalisch nicht ganz auf einer Wellenlänge liegt und die Zeit eine Besprechung eigentlich gar nicht zulässt? Hmm, trotzdem besprechen aus schlechtem Gewissen oder jemand suchen, der das für einen übernimmt. Und weil es absolut niemanden in meinem Freundeskreis gibt, der sich für Ska-Punk begeistert, versuch ich halt selbst mein Glück. Ich könnte mir denken, dass Talco mir live besser gefallen würden, als auf Konserve. Jedenfalls ist das alles sehr gut gemacht, aber halt absolut nicht meins, v.a. der theatralische Gesang geht mir nach kurzer Zeit auf die Nerven. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.


Tequila & The Sunrise Gang – „Of Pals And Hearts“ (Uncle M) [Stream]
Hach, dieser hübsch aussehende Digipack hier lag auch in einem der letzten Uncle M-Päckchen und eigentlich ist das auch gar nicht so meine Musik, aber die zwölf Songs machen richtig Laune, wenn man sich bei schönstem Sonnenschein mit dieser Musik auf den Ohren ein paar Biere in den Schädel dreht. Die acht Jungs räumen live sicher das ein oder andere Festival ab, das ist ganz schön tanzbar. Die Kieler kombinieren Reggae, Punk, Ska und etwas Alternative miteinander, dabei klingen sie an manchen Stellen etwas nach Rage Against The Machine (hört euch z.B. mal Replacement an, das ist ja schon ein ganz freches RATM-Rip-Off), an anderen Stellen fühle ich mich an Sublime erinnert. Jedenfalls grooven die Songs ganz schön los und der Sänger hat echt ein vielseitiges Organ, das mich das ein oder andere Mal an Arnim von den Beatsteaks erinnert.


 

Mahlstrom – „MÆANDER“ (Through Love Rec.)

Im verflixten siebten Bandjahr ist es endlich soweit, dass sich die Band Mahlstrom aus dem Großraum Stuttgart endlich an das lang erwartete Debutalbum herangewagt hat. Und wenn das Ding dann auch noch über Through Love Rec. erscheint, dann sollten eure Alarmglocken schonmal freudig schellen und eure Öhrchen weit aufgesperrt sein! Rein äußerlich wird es mal wieder schwer, die Platte anhand des Albumcovers einzuschätzen. Das mag ich ja sehr, so genre-untypische Plattencover, die obendrein keinerlei sonstige Informationen zu Band und Albumtitel preisgeben und keine Rückschlüsse auf die Musik zulassen. Als erstes sieht man nur die grauen Mauern einer Fassade, davor blauen Tüll-Vorhangstoff. Das Foto dürfte im Frühling geknipst worden sein, was man anhand der frisch sprießenden Blättchen des Baumes sehen kann. Diese gehen aber vom kalten Grau-Filter der Aufnahme ziemlich unter. Was soll uns das sagen? Ich versuch mal ein kleines Gedanken-Experiment, das mir direkt nach dem Durchlauf der A-Seite vor Augen kam: hinter den Fenstern gibt es viele Schicksale zu entdecken, das reicht vom tristen Warten auf den Tod über die Machtlosigkeit angesichts der scheinbar unlösbaren Probleme in unserer Gesellschaft bis hin zu depressiven Verstimmungen, die wahrscheinlich gerade aufgrund unserer selbst geschaffenen Schwierigkeiten hervorgerufen wurden. Die permanente Panikmache der Medien in allen Bereichen des Lebens erzeugt natürlich zusätzlich Mißtrauen und Angst.

Tja, und da der Mensch gern alles in sich rein frisst und Schwäche zeigen in unserer Gesellschaft total verpönt ist, muss der Schein nach außen gewahrt werden. Hauptsache, die Fassade ist schön anzusehen! Und die Thuja-Hecke wird mit der Nagelschere fein getrimmt. All der Tristesse zum Trotz schwebt im Cover-Foto ein wenig Hoffnung mit, denn nach dem grauen Herbst und dem harten Winter zeigt uns die robuste Natur, dass das Leben halt generell vor sich hin mäandert und es nach einer langen Durststrecke bzw. einem heftigen Tief auch hin und wieder mal ein Hoch geben kann. Man muss es nur unter all den negativen Eindrücken mal entdecken! Natürlich unmittelbar bevor die nächste Mikro-Plastik-Welle ein paar Wassertierchen dahinrafft. Für diese gewagte Interpretation spricht letztendlich auch die Verbindung zwischen Albumtitel und Albumcover. Aber wahrscheinlich liege ich mal wieder total falsch und die Band hatte gerade kein anderes Covermotiv auf die Schnelle zur Hand…

Was ich mir aber nicht vorstellen kann. Gerade die tiefgehenden Texte lassen erkennen, dass hier viele Gedanken, Ideen, Gefühle und Überlegungen drin stecken. Hier wird hinterfragt, hier wird gedacht, hier wird gelitten, hier wird nach dem Warum gefragt. Und ja, letztendlich wird hier auch gnadenlos gekämpft. Aber lest die Texte lieber selbst. Die liegen auf der stabilen Innenhülle gedruckt ziemlich gut in der Hand. Wenn ihr lesefaul sein solltet, ist das auch kein Problem. Denn der Sänger schreit zwar leidend, aber man kann jedes Wort verstehen, zudem wird ja in deutscher Sprache gesungen.

Die Gitarren zwiebeln schön drauf los, dabei verzücken immer wieder die delay-artigen Post-Hardcore-Passagen, die experimentell vor sich hin mäandern. Dazu unbeirrt schreit sich der Sänger die Stimmbänder wund. Nur an manchen Stellen wird es kurzzeitig melodisch, z.B. bei Dawei. Was auch erst nach ein paar Durchläufen auffällt: das Ding ist ein richtiger Grower, der mit jedem Durchlauf um einige Meter höher wächst. Boah, und das Spoken Word/Sample-Ding beim letzten Stück lässt die Gänsehaut ebenfalls noch um einige Zentimeter in die Höhe kriechen! Eigentlich hab ich mit der Erwähnung der zwei Stücke schon zuviel Rahmen gesteckt: deshalb hört das Album unbedingt in seiner Gesamtheit an! Ach so, falls ihr noch ein paar Referenzen braucht: regional erinnert mich die Band an die Stuttgarter Band Reznik Syndrom. Aufgrund der deutschen Texte könnte man auch noch Bands wie Escapado, Ewig Endlich, Loxiran oder Todd Anderson aufführen. Super Ding!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Through Love Rec.


 

Dunkelziffer Records-Feature: Fisco, Hermelin, Lunch, Pacman

In diesem Feature wollen wir euch das Anfang 2017 gegründete DIY-Label Dunkelziffer Records vorstellen. Dunkelziffer Records ist ein nicht-kommerzielles Indiependentlabel von vier Freunden, das in Hannover beheimatet ist. Nicht-kommerziell heißt wie so oft in der DIY-Szene, dass die erwirtschaftete Kohle nicht in die eigenen Taschen gesteckt wird, sondern gleich wieder in neue Projekte investiert wird. Die Releases sollen dabei für einen vernünftigen Preis verkauft werden. Die Jungs haben sich nicht auf ein spezielles Musikgenre festgenagelt, grob ist man im Post-Hardcore, Hardcore, Punk – und Indie-Bereich unterwegs. Dabei gibt es natürlich auch hier einen Grundsatz: die unterstützten Projekte und Menschen dahinter sollten authentisch sein, die Leute sollten mit Herz, Seele und Leidenschaft bei der Sache sein. Auf der Bühne sollten sie mitreißend und zwischenmenschlich zum in die Arme schließen sein. Als Gegenleistung unterstützt das Label im Rahmen seiner Möglichkeiten die Künstler und Künstlerinnen finanziell bei der Pressung von Schallplatten, der Organisation von Konzerten und der Vernetzung in Hannover und Umgebung. Es werden Promopakete verschickt, die Releases werden über einen Onlineshop vertrieben. Und natürlich ziehen die Jungs mit Plattenkisten durch die Konzertschuppen und schauen, dass sie die Leute dadurch auf die Musik des Labels aufmerksam machen können. Klingt gut? Auf alle Fälle! Und weil ich auch so ein liebevoll geschnürtes Promo-Paket mit den bisher erschienenen Releases aus dem Hause Dunkelziffer Records erhalten habe, könnt ihr auch hier gleich ein paar Kritiken dazu lesen und am Besten gleich eine Bestellung klar machen!


Fisco – „Vorderwasser“ (Dunkelziffer Records)
Und wieder mal so eine Band, von der ich bisher noch absolut gar nix gehört habe. Aus welchen Löchern die wohl immer gekrochen kommen? Nun, Fisco kommen aus der tiefsten Provinz Süd-Niedersachsens, irgendwo aus dem Raum Holzminden (Braunschweig, Bonn, Hannover, Holzminden, Kassel). Aus den Überbleibseln der Ex-Trompetenpunk-Band Estrepito Banditos gegründet, existiert das Quintett seit Herbst 2014. Auf dem Debutalbum Vorderwasser dürften sich, soweit ich das überblicken kann, alle bisher auf Bandcamp veröffentlichten Songs befinden, natürlich neu aufgenommen, zudem sind noch ein paar bisher unveröffentlichte Songs mit dabei. Ich hab in die alten Song-Versionen noch nicht reingehört, aber diese Aufnahme der Songs besticht durch eine satte, raue Produktion, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Songs größtenteils live eingespielt wurden und die Tonmeisterei mal wieder für den letzten Schliff gesorgt hat. Albumcover und Albumtitel dürften in direktem Zusammenhang stehen, denn Vorderwasser ist ein Begriff, der in der Akkordarbeit Verwendung findet. Geboten wird auf Vorderwasser authentisch rauer Emopunk der Marke Captain Planet, auch Bands von kurz um die Jahrtausendwende herum kommen beim Hören der elf Stücke in den Sinn. Düsenjäger, Colt., frühe Turbostaat z.B.. Die Gitarren kommen schön schrammelig bis melodisch und blasen frischen Wind in die Ohren, zudem gehen die Songs schön gut nach vorne. Die Drums treiben größtenteils an, der Bass spielt dazu eigenwillige, aber selbstständige melodische Bassläufe und der Sänger hat einfach ein für so einen Sound maßgeschneidertes Organ. Passend dazu gibt es intelligente deutsche Texte abseits gängiger Klischees. Und im Song Maiwald kommen dann sogar Elemente aus der Trompetenpunk-Phase vor Fisco zum Zug. Die Trompete macht sich eigentlich ganz gut. Als Besprechungsexemplar liegt mir die CD-Version vor, Vinyl ist auf 200 Stück limitiert, also ranhalten! Es lohnt sich! (8/10)
Bandcamp / Facebook / Dunkelziffer Records


Hermelin – „Tüdelüt 12inch“ (Dunkelziffer Records u.a.)
Bevor ich zur richtigen Leseratte wurde, steckte ich im Übergang von der Kindheit zum Teenie auch häufig meine Nase in Comics. Irgendwann entdeckte ich Brösels Werner-Comics und lachte mir ’nen Ast an den aus heutiger Sicht betrachtet äußerst schwachsinnigen Dialogen. Diese doofen Zeichentrick-Werner-Filme haben mir die Comics mittlerweile auch irgendwie versaut. Naja, egal. Sehr lustig fand ich aber damals diesen Meister Röhrich, den Sanitäranlagen-Handwerker mit den zwei linken Händen. Fäkal-Humor war zu dieser Zeit schon absolut meins, daran hat sich bis heute nichts geändert. Nun, als Kind fand ich jedenfalls die Sprechblasen-Texte vom Meister Röhrich höchst amüsant, auch wenn ich als Süddeutscher den Sinn dahinter nicht erkannte. Tüdelüt war z.B. auch so ein komisches Wort aus Meister Röhrichs Wortschatz. Und das brachte mich wie ein kleines Schulmädchen beim Anblick eines Youtube-Stars zum Kichern, auch wenn ich erst Jahrzehnte später erfuhr, dass das Wort aus dem Plattdeutschen stammt und Verwendung findet, wenn jemand ausdrücken will, dass das alles Quatsch bzw. Gedöns (übrigens auch aus dem Plattdeutschen) ist. Und jetzt lacht mich dieses quitschbunte Comic-Cover vom schön in der Hand liegenden 12inch-Karton an und ich komme mir beim hin- und herwiegen und wenden vor, wie das irre schmunzelnde Hermelin auf dem Cover. Eben weil mir in diesem Moment beim Betrachten des Titels der oben geschilderte Gedankengang in den Sinn kommt und auch noch eine andere Erinnerung bzw. verschachtelte Frage aus der Kindheit beim Anblick des Backcovers die Hirnmasse zum Wabern bringt, die bis heute nicht beantwortet wurde. Auf dem Bild ist das Hermelin zu sehen, das die 12inch in den Pfoten hält, auf der wiederum das Hermelin zu sehen ist, das die 12inch in den Pfoten hält usw. Geht das wirklich bis ins Unendliche? Weiß das jemand von euch? Wie dem auch sei. Während der vier Songs, die knapp über zwanzig Minuten Spielzeit haben, könnt ihr über dieses Bild im Bild im Bild-Phänomen gern mal intensiv nachdenken. Denn das obligatorische Texte lesen entfällt bei diesem Release vollkommen, Hermelin verzichten nämlich komplett auf Gesang und sind rein instrumental unterwegs. Das ist wohl auch der Grund, warum ich die Band zu meiner Schande bisher leider noch nie wahrgenommen habe. Und das, obwohl Tüdelüt bereits das fünfte Release der Band ist und das zehnjährige Jubiläum auch schon wieder ’ne ganze Weile her ist. Dass meine Ignoranz reiner Instrumental-Bands eigentlich völlig absurd ist, zeigt mir dieses Release mal wieder mehr als deutlich. Die vier Songs überzeugen durch perfekt gemasterten Sound (Tonmeisterei), verschachtelte Songstrukturen verknoten dabei die Gehörgänge. Und trotz der vermeintlich sperrigen Vertracktheit klingt das Ergebnis mit jedem Durchlauf zunehmend eingängiger, so dass man das Ding mit der Zeit einen richtigen Grower nennen kann. Allerdings sollte man für dieses Erlebnis einem kantig schwurbelnden Bass, arhythmischen Drums, steigernden Spannungen, verkopft gespielten Gitarren und willkürlich wechselnden aber dennoch miteinander verwobenen Musikstilen, die alle den Stempel des Handgemachten inne haben und sich abseits gängiger Songstrukturen bewegen, nicht abgeneigt sein. Das war jetzt aber auch mal ein verdammt verschachtelter Satz. Für Schnellleser deshalb kurz und knapp zusammengefasst: Wer seinen Songs Titel wie Rampenpfau, Rackeldackel, Raketenheinz und Knuffelschock gibt und seine Platte Tüdelüt nennt, der hat eindeutig was an der Waffel. Deshalb: Ancheckpflicht! (8/10)
Bandcamp / Facebook / Dunkelziffer Records


Lunch & Pacman – „Split 7inch“ (Dunkelziffer Records)
Das Schaf gilt ja als gutmütig, geduldig, etwas einfältig und furchtsam, dabei folgt es in der Herde fast gar blind und vertrauensvoll dem Leithammel. Die putzigen Viecher sind nicht nur in Zeichentrick-Serien wie Shaun das Schaf gut zu verwerten, auch sind sie in der Einzahl oder als Herde ein beliebtes Covermotiv. Beim Betrachten des Covers dieser 7inch kommt natürlich unweigerlich das legendäre Minor Threat-Cover in Erinnerung. Allerdings ist es hier nicht das schwarze Schaf, das auffällt, sondern das Schaf ganz vorne rechts, das doch seinen eigenen Kopf zu haben scheint. Es sieht so aus, als ob es sich gerade überlegt, ob das überhaupt Sinn macht, immer dieser blökenden Herde da zu folgen. Man könnte doch auch mal der Herde entfliehen und die entgegengesetzte Richtung einschlagen? Die beiden aus Hannover stammenden Bands, die sich dieses kleine Scheibchen teilen, haben sich längst von der Herde gelöst und musizieren abseits von massentauglichen oder gerade angesagten Trends. Nun, fangen wir mit der Band Lunch an, die ich bisher noch nicht kannte. Bisher wurde eine EP veröffentlicht. Das Trio bezeichnet seinen Sound grob als Garagen-Indie, ich würde noch einen guten Schuss Math, Post-Hardcore, Emocore und Screamo dazugeben. Der rein instrumentale Song Matterhorn zeigt schonmal, dass es schön vertrackt, verkopft und vielschichtig zugeht und durch die Rhythmusfraktion viel auf Groove gesetzt wird, dazu schwurbelt die Gitarre schrammeliges Zeug. Der zweite Song Der Saure Segen kommt dann etwas eingängiger daher, was v.a. auch am Gesang und am mehrstimmig gesungenen Refrain liegt. Die Gitarren klingen hier gewaltig nach Seattle, dazu gefällt der im Hintergrund gescreamte Gesang, der entgegen der in englischer Sprache vorgetragenen Singstimme in deutscher Sprache kommt. Über Pacman konntet ihr auf diesen Seiten bereits mal eine Kritik zum 2016er-Album Der blanke Hans lesen. Das Quartett steuert ebenfalls zwei Songs bei, wer noch einen Bonus haben möchte, der kann sich auf Bandcamp noch zwei weitere Songs abstauben. Auch hier zeigt sich die Vorliebe der Band zu außergewöhnlichen Songtiteln. Mit Dremel gibt’s erstmal ein sattes Brett vor den Kopf, bevor in der zweiten Hälfte schön melodische Gitarren um die Ecke kommen und der Song nach knapp einer Minute auch schon wieder vorbei ist. In Paranoiaüberhangmandat wird es wieder vertrackt und dissonant, der Song schraubt sich langsam vor, die Tristesse ist dabei stets präsent und wird aber gegen Ende des Songs durch mehrstimmigen Chorgesang etwas gedämpft. Dieses schöne DIY-Release ist jedenfalls mal wieder eine gute Gelegenheit, zwei außergewöhnliche Bands zu entdecken. (8/10)
Lunch BC / Lunch FB / Pacman BC / Pacman FB / Dunkelziffer Records


 

 

Bandsalat: 60659-c, Frail Body, Lift, Save Ends, Shipwrecks, Small Hours, Treble Lifter, Vel

60659-c – „The Next Part Is A Blur“ (Zegema Beach Records) [Name Your Price Download]
Übelst heftigen Screamo/Emoviolence mit Schnappschildkrötenvocals und schön zwirbelnden Gitarren bekommt ihr von dieser neuen Combo aus Richmond, Virginia auf die Mütze. Klar, hier sind wieder ein paar Leute mit dabei, die man aus allerlei in der Szene etablierten Bands wie z.B. .Gif From God, Caust, Kaoru Nagisa, Yusuke, Gas Up Yr Hearse!, Ostraca und ’ner Menge anderer Kapellen her kennt. Schön intensives Brett mit teils mehrstimmingen Heul-Keif-Kreisch-Orgien. Dazu immer wieder Highspeedgeknüppel und pures Chaos. Kann man auf Anhieb liebgewinnen, wenn man auf Zeugs wie Nayru, Ostraca, Neil Perry oder Orchid steht!


Frail Body – „At Peace“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wahnsinn, auf welch geile Bands man beim Bandcamp-Surfen hin und wieder stößt. Frail Body kommen aus Rockford, Illinois und machen eine schöne Mischung aus fuzzigem Screamo und intensivem emotive Hardcore. Wenn nach nur drei Songs auch schon wieder vorbei ist, dann zwirbelt euch mal schnell noch die etwas länger geratene Debut-EP des Trios auf die Festplatte, denn das gibt es ebenfalls als Name Your Price-Download. Bin gespannt, was man von diesen Jungs in Zukunft noch zu hören bekommt.


Lift – „Lessons Learned In Pain“ (DIY) [Stream]
Kennt jemand von euch noch die Band With Honor? Bezüglich With Honor herrscht schwere Begeisterung bei mir. Nun, auf die Band Lift bin ich eben durch die Facebook-Verbundenheit von With Honor aufmerksam geworden. Und das zu einer Zeit, als dieser Shit-Algorythmus noch nicht alle Posts von relevanten Seiten verbarg. Ich könnte direkt kotzen mit der Erkenntnis, dass mir in Zukunft anstelle der liebgewonnenen Posts befreundeter Seiten eher Scheiß-Werbung für aufbauende Muskelpräparate in der beschissenen Timeline angepriesen werden, obwohl ich selbst nie danach gesucht habe. Ich hoffe, dass wenigstens die Crossed Letters-Facebook-Posts nicht für’n Arsch sind und bei euch angezeigt werden. Man muss wohl technisch ziemlich begabt sein, wenn man in Zukunft irgendwelche Nachrichtenseiten, Fanzines oder Blogs stalken will. Die zwei Songs von Lift sorgen jedenfalls sofort dafür, dass ich mich nicht mehr so schlecht fühle. Geile Gitarren, satte Drums, Songwriting passt auch, der Sänger hat es ebenfalls drauf. Stellt euch ’ne abgehende Mischung aus Snapcase, frühen Boy Sets Fire und With Honor vor. Ich bin angefixt und möchte bald mehr von den Jungs hören.


Save Ends – „A Book About Bad Luck“ (Black Numbers) [Stream]
Wenn ihr auf catchy Midwest-Emo-Punk mit wechselndem female/male-Gesang steht, dann dürfte das neue Album von Save Ends eigentlich ein gefundenes Fressen für euch sein. Mich erinnert der Sound der Band aus Boston/Massachusetts her desöfteren an Zeugs von den Get Up Kids, The Anniversary, Rocking Horse Winner und manchmal sogar ganz selten an etwas gediegenere Thursday (bei Way Back z.B.). Freunde von Bands wie Signals Midwest, Annabell, The Hotelier oder Moose Blood sollten sich die zehn Songs mal schleunigst zu Gemüte führen. Gefühlvoll gespielte Gitarren treffen auf leidenschaftlichen Gesang, dabei ist das Ganze top produziert.


Shipwrecks – „Selftitled“ (Maniyax Records) [Stream]
Solltet ihr mal wieder nach einem Highlight im Bereich Instrumental-Post-Rock suchen, dann müsst ihr unbedingt mal in Shipwrecks Debutalbum reinhören. Die Band aus Köln hat nämlich ein Gespür für verträumte Melodien und ist dabei durchaus sehr melancholisch unterwegs. Auch wenn die fünf Songs jenseits von siebenminütigen Spielzeiten sind wird es niemals langweilig, da immer wieder gewisse Spannungen erzeugt werden. Ausgeklügeltes Songwriting trifft auf ganz viel Atmosphäre. Fans von Zeugs wie Caspian oder Explosions In The Sky sollten das nicht verpassen!


Small Hours – „Reconstruction“ (Laserlife Records) [Stream]
Obwohl die Band Small Hours aus Wien schon seit 2013 besteht und die Jungs davor schon seit Jahren in anderen Bands gespielt haben, wurde bisher erst eine EP im Jahr 2014 veröffentlicht. Mit Reconstruction hat sich das Trio nun aber endlich an sein Debutalbum gewagt, das Ding ist als Digital-Download und als doppelseitige 12inch erschienen. Musikalisch sind die Jungs im Post-Hardcore zu verorten, ab und an schimmern ein paar Oldschool-Punk-Tunes á la Wipers durch. Die sechs Songs sind mit schönen Gitarren, druckvollen Drums und pumpendem Bass geschmückt, dazu gesellt sich fieses Reibeisen-Gegröhle. Bei manchen Songs erinnert die Band rein instrumental an Bands wie At The Drive-In (hört mal bei Modern Disease), es kommen aber auch Bands wie die ebenfalls aus Österreich stammenden Kurort in den Sinn. Vielleicht letztere gerade auch, weil zwei der Songs deutsche Texte haben und es gerade bei Konsequenz schön vertrackt und groovig zugeht. Die Band erwähnt auf ihrer Facebook-Seite auch noch Bands wie Comadre, Touché Amore und Self Defense Family als Einflüsse, was eigentlich auch noch sehr gut passt. Hört mal rein, klingt interessant!


Treble Lifter – „The Noise We Leave“ (DIY) [Name Your Price Download]
Über Treble Lifter aus Washington DC kann man nicht allzu viel ernst gemeinte Informationen auf der Facebook-Seite der Band finden. Als Einflüsse werden Queen und Earth Crisis genannt, die eigene Musik wird mit Schizophrenic Rock umschrieben und die Story, wie sich die Jungs kennen gelernt haben, kann man eigentlich auch nicht glauben. Egal, denn die Musik von Treble Lifter klingt spannend. Schön eigenständig machen die Jungs eine druckvolle Mischung aus metallischem Emocore, Post-Hardcore, etwas Stop’N’Go und AmRep-Noise, die matschigen und dissonanten Stoner-Gitarren blasen ordentlich. Bereits im ersten Track wird man schon ganz heftig an die Wand gedrückt. Der Drummer scheint ein Tier zu sein, beim Gesang werden auch keine Gefangenen gemacht, Disharmonie scheint eine Vorliebe der Jungs zu sein. Testet das mal an!


Vel – „Obsidian“ (DIY) [Stream]
Irgendwann im Jahr 2015 haben sich ein paar langjährige Freunde – die auch schon zusammen gelegentlich Musik gemacht haben – dazu entschlossen, im Würzburger Proberaum ein wenig zu jammen. Es dauerte nicht lang und die Band Vel war gegründet. Aus den Jams wurden ausgetüftelte Songs, die alsbald auch professionell aufgenommen wurden. Das Ergebnis ist dieses erste Album mit insgesamt fünf Songs und einer Spielzeit von etwa 45 Minuten, das die Band über diverse Kanäle zum digitalen Download anbietet. Doch kaum war das Release draußen, entschlossen sich zwei der Bandmitglieder zum Ausstieg, um sich auf ihre anderen Bands (Bait und Der Weg einer Freiheit) zu konzentrieren. Sowas ist zwar immer doof, aber glücklicherweise hat die Band schnell Ersatz gefunden, so dass seit März wieder Shows gespielt werden können. Nun, Obsidian fühlt sich jedenfalls wie eine zusammengepuzzlete Jam-Session an, die Reise führt dabei durch unterschiedliche Genres wie z.B. Post-Rock, Screamo, Blackmetal und Shoegaze. Der Gesang kommt keifend, die Gitarren matschen einerseits ordentlich, andererseits kommen sie aber auch ab und zu glockenklar aus den Lautsprechern. Der Schlagzeuger hat von wildem Gehacke bis hin zu groovigen Beats alles drauf. Wer gern etwas Zeit für ein Release mit sich bringt und dabei auf melancholischen Sound abfährt, der technisch einiges auf Lager hat, der dürfte Obsidian wie einen Schwamm aufsaugen.