Bandsalat: Autarch, Landbridge, Clowns, Dakhma, Down Love, It’s Not Not, Long Distance Runner, Shallov, Yöu

Autarch & Landbridge – „Split“ (IFB Records) [Name Your Price Download]
Autarch kommen aus North Carolina und zerlegen nach einem Midtempo-Intro direkt die Bude. Kann man eigentlich mit wenigen Worten beschreiben: rasend schnell, aber dennoch schön melodisch nach vorne gehender Emocrust mit keifendem Sänger und rotziger Kante, walzende Einschübe und Klimperparts inklusive. 3 Songs, 17 Minuten Spielzeit, gefällt mir super! Landbridge kommen aus Florida und schlagen in die gleiche Kerbe und die vier Songs bringen es auf eine Spielzeit von 18 Minuten. Verdammt intensiv gespielte Neo-Crust-Gitarren treffen auf Crashbeckenlastiges Schlagzeug. Hier sticht der Doppelgesang (male/female Vocals) heraus. Fans von Bands wie From Ashes Rise oder Tragedy sollten dieses Release unbedingt mal anchecken!


Clowns – „Lucid Again“ (This Charming Man Records) [Stream]
Verdammte Hacke! Diese Band aus Australien ist bisher völlig unerklärlich an mir vorbeigezogen. Kann ich gar nicht glauben, denn die neun Songs sind dermaßen geil! Und trotzdem hält sich die Mundpropaganda in Grenzen. Mal sehen, wie lange. Messerscharfe Gitarren verbünden sich mit wildem Getrommel, der Sänger ist ’ne richtige Frontsau. Den Sound der Australier kann man eigentlich gar nicht so gut beschreiben…Völlig losgelöst irgendwie! Stellt euch einfach mal eine Band vor, die das Beste aus Bon Jovi, Nirvana, Guns ’n’Roses, Kid Dynamite, Billy Talent, Lifetime und frühen Death By Stereo rausholt und das alles mit sehr viel wumms und Freude vorträgt. Rotzige Riffs, melodische Moves und sagenhafte Solis sorgen für reichlich Abwechslung. Unglaublich! Diese Band könnte richtig groß werden! Checkt das unbedingt an!


Dakhma – „Suna Kulto“ (IFB Records/Halo Of Flies) [Name Your Price Download]
Auf den bisherigen Releases der Band aus Michigan hielten sich die Songlängen in Grenzen, Suna Kulto besteht jedoch gerade mal aus zwei Songs, die jeweils an der 20-Minuten-Grenze schrubben. Das Stück East beginnt mit schönen Post-Rock-Klängen, irgendwie erinnert mich dieses Intro vom Aufbau und den Gitarren her an Bands wie We Never Learned To Live oder Earth Moves, gerade bei den „bedächtigeren“ und melancholischen Passagen, die das vorwiegend heftige Crust/Screamo/Blackmetal-Geknüppel etwas auflockern. Teilweise haben die Drums irgendwas beruhigendes an sich und klingen einlullend wie eine Dampflock, die mit Hochgeschwindigkeit über ein verrostetes Schienengleis durch die Nacht rattert. Das gespenstische Gekreische von Sängerin Claire setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und trotz des rasenden Tempos klingt das Ganze schön atmosphärisch mit unterschwelligen Melodien. Horcht mal rein, es lohnt sich!


Down Love – „Trust“ (Boss Tuneage) [Stream]
Down Love kommen aus Kingston Upon Thames, das ist ein Stadtteil von London. Die vier Jungs klingen aber sehr amerikanisch und machen mitreißenden Emocore mit hohem Punkrockfaktor und einigen Hardcore-Verweisen. Erinnert an alte Helden wie Brand New Unit, Hot Water Music, Samiam, Jawbreaker oder Bad Trip. Ihr bekommt elf kurzweilige Songs geboten, die die richtige Mischung zwischen Emotionalität, Power, Melodie und Intensität ausloten. Zuckersüße Gitarren und treibendes Schlagzeug, tolle Melodien und ein Sänger, der sich nicht scheut, auch mal kraftvoll ins Mikro zu jauchzen. Gefällt mir sehr gut!


It’s Not Not – „Fool The Wise“ (BCore) [Stream]
Die Mucke der katalanischen Band It’s Not Not konnte mich einst nicht so richtig packen. Irgendwie taugte mir das Disco-Punk-Zeugs der Band nicht so, damals vergötterte ich eher die Sachen, die die Bandmitglieder in ihren bisherigen Bands (Dies Irae, Tokyo Sex Destruction, Standstill und The Unfinished Sympathy) so fabrizierten. Deshalb war ich positiv überrascht, als die ersten Töne des neuen Albums meine Kopfhörer fluteten. Neun Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung verstrichen. Da hat sich einiges getan, denn mittlerweile hören sich die Katalanier mehr nach Q And Not U, The Van Pelt oder diversen Dischord-Bands an. Sehr schönes Album, das hol ich mir irgendwann auf Vinyl!


Long Distance Runner – „No Value“ (DIY) [Stream]
Immer diese Bandcamp-Entdeckungen! Long Distance Runner kommen aus Neuseeland, dem Land der Hobbits. Jaja, es gibt Leute, die das Auenland tatsächlich mit der Stadt Auckland verwechseln. Jedenfalls handelt es sich bei Long Distance Runner um eine ziemlich junge Band, No Value ist das erste Release der Band. Die Bandmitglieder sind wohl noch in anderen Bands aktiv, was man auf diesen sechs Songs auch hören kann. An Spielfreude und Fingerfertigkeit mangelt es den Jungs jedenfalls nicht. Geboten wird mitreißender Screamo/Post-Hardcore mit schneidenden Gitarren, viel Crashbecken und leidendem Geschrei. Wenn ihr auf das Zeug von Touché Amore oder La Dispute könnt, dann solltet ihr mal ein Öhrchen riskieren.


Shallov – „Concrete & Glass“ (Ingot – Andrejco Records) [Name Your Price Download]
Shallov kommen aus Bratislava/Slowakei und machen eine Mischung aus Screamo, Emo und etwas Post-Rock. Insgesamt vier Songs sind auf der zweiten Veröffentlichung der drei Jungs enthalten, mit einer Spielzeit von 33 Minuten und Songlängen über 7 Minuten kann man sich ungefähr vorstellen, wo die Reise hingeht. Auf der einen Seite kommen hoch emotionale Passagen mit leidendem Gesang daher, dazwischen stellen sich melancholische Parts, die etwas trostlos und düster erscheinen. Die musikalische Stimmung ist durch das Coverartwork jedenfalls genau getroffen. Hört da unbedingt rein oder zippt euch die vier Songs zum Name Your Price Download direkt auf die Festplatte.


Yöu – „We Sing The Blues​.​.​.“ (Deny Records) [Name Your Price Download]
Oh yeah, es gibt immer wieder Bands, die aus dem Nichts zu kommen scheinen, von denen man niemals was mitbekommen hätte, wenn es dumm gelaufen wäre. Über Yöu bin ich glücklicherweise mal wieder beim ausgiebigen Bandcamp-Surfen gestolpert. Jaja, das Cover in Verbindung mit den Schlagworten emotive Post-Hardcore und Screamo verlockten mich sofort. Und ab dem ersten Ton gibt es kein Halten mehr. Geboten wird sieben Mal mitreißender, intensiver Post-Hardcore mit tollen Gitarren und hammergeilen Bassläufen und natürlich mit durchdringendem, emotionsgeladenen Gesang. Das Trio ist näher am 90’s Emo dran als am Screamo, zudem gefällt die rotzige Punkkante. Für Fans von 1000 Travels Of Jawaharlal, Furtive Forrest, Yaphet Kotto oder Kidcrash ist das ein Fest. Die Band kommt übrigens aus Skopje/Mazedonien. Ich bin begeistert, das würd ich gerne auf Vinyl haben!


 

Death Engine – „Mud 12inch + 7inch“ (Apocaplexy Records u.a)

Wie geil ist das denn? Da hat man schweres 12inch Vinyl verpackt in dickem Karton in der Hand und kaum schüttelt man den Inhalt aus dem Karton, kommt auch noch neben der 12inch ein kleines 7inch-Schwesterchen ans Tageslicht. Da sieht man schnell drüber weg, dass auf dem Inlay keine Texte abgedruckt sind. Nun, Death Engine kommen aus Lorient, das liegt in der Bretagne ziemlich weit westlich. Die Scheibe(n) sind neben Apocaplexy auch noch bei Throatruiner Records erschienen.

Die drei Franzosen sind ziemlich noisig und dissonant unterwegs, gleichzeitig regiert aber auch die pure Härte. Da wird man von hypnotisierenden Klangteppichen auf den Boden gedrückt, von vertrackten Drumparts irre gemacht, von ausufernden wabernden Krachorgien mit tremoloartigen Gitarren und Synths in den Bann gezogen. Elemente aus dem Blackmetal sind ebenso zu finden, wie Post-Hardcore, Noise, Blackened Hardcore, Screamo und Post-Rock. Laut aufgedreht kommt das natürlich sehr beängstigend, verstörend und nihilistisch rüber, da fallen dann vergleichbare Bands wie Neurosis, Celeste oder Converge ein.

Mir gefällt die Band immer dann, wenn die Gitarren diese unterschwelligen Melodien einstreuen, so wie z.B. bei dem Midtempo-Stück Still oder dem Opener Medusa. Wer auf bombastische Krachorgien mit atmosphärisch wachsenden Soundwänden und epische Soundlandschaften abfährt, der sollte sich die Franzosen ganz schnell mal zu Gemüte führen, als Anspieltipp empfehle ich hier Stücke wie Entertain oder Organs. Die Songarrangements sind stimmig, die immer wiederkehrenden monotonen Parts sorgen für eine atmosphärische Stimmung, zudem ist das Mastering satt. Als kleines Schmankerl hat die 12inch auch noch eine einseitig bespielte 7inch mit beiliegen, die den Bonussong Mud  enthält.

8/10

Bandcamp / Facebook


 

Cirrus minor​ & ​The Fourth Is Bearded – „Split 12inch“ (Dingleberry Records u.a.)

Wieder mal zwei französische Bands, die mir absolut nichts sagen aber bereits seit einiger Zeit unterwegs sind. Liegt wahrscheinlich daran, dass beide Bands ohne Gesang auskommen. Bevor ihr jetzt abgeschreckt seid: die Musik beider Bands überzeugt auch ohne Gesang auf ganzer Linie, zudem ist das äußere Erscheinungsbild der 12inch vorzüglich anzusehen. Das Halfcut-Cover ist besiebdruckt, und zwar in Silber, so dass man sogar Glitzer an den Griffeln hat, wenn man das Ding aus der Schutz-Plastikhülle rausnimmt und dran schnuppern will. Aus dem Inneren flattert dann ein Downloadcode-Kärtchen und ein pinkes „Textblatt“ entgegen, auf welchem von beiden Bands in französischer Sprache abgedruckte Thankslisten zu lesen sind, zudem sind hier auch die beteiligten Labels aufgelistet: Dingleberry Records, Les disques du Hangar 221 und Emergence Records.

Die A-Seite  wird von dem Quintett Cirrus Minor in Beschlag genommen. Die Band stammt aus Evreux, einer kleineren französischen Stadt in der Normandie und bevor Cirrus Minor im Jahr 2013 das Licht der Welt erblickte, spielten die Mitglieder in Bands wie Scold For Wandering, As We Bleed, Alceste, No Junk Food und Mura Hachigu. Vielleicht klingelt es jetzt ja bei irgendwem, ich zumindest kenne außer Alceste und As We Bleed weder die anderen genannten Bands, noch ist mir Cirrus Minor jemals unter die Ohren gekommen. Die zwei Songs der Franzosen bringen es jedenfalls zusammen auf eine Spielzeit auf über zwanzig Minuten, so dass sich jeder Song bei einer Laufzeit von zehn Minuten einpendelt. Spätestens jetzt wird klar, dass wir es hier vermutlich mit einer instrumentalen Post-Rock/Post-Hardcore-Band zu tun haben. Und ja, in der Tat, außer ein paar gespenstischen Spoken Words-Einlagen gibt es auf dieser 12inch nur sehr gut abgemischte Instrumente zu hören, die sich zusammen teils mystisch, teils sphärisch, dann auch wieder hämmernd und explosiv anhören, so dass man sich wie ein zeitreisender Mensch fühlt, der verwundert die Klangwelten der verschiedenen Epochen entdeckt und sich dabei manchmal fürchtet, aber sich gleichzeitig auch wohl und geborgen fühlt. Flirrige Gitarren treffen auf verträumt gespielte Passagen, bis in einer wuchtigen Eruption auch mal runtergestimmte Gitarren und crashbeckenbetonte Drums die Post-Hardcore-Seite markieren. Das hier entfaltet erst auf Vinyl die ganze Macht!

The Fourth Is Bearded kommen aus Le Havre und wurden im Jahr 2011 gegründet. Mitglieder der Band spielten zuvor in Bands wie Taïga und  Liquid TV zudem sind einige Mitglieder auch noch bei Dog and Pony Show aktiv. Wie auch schon bei Cirrus Minor schwebt ein großes Fragezeichen über meiner Gehirnregion, die für die Speicherung von Bandnamen+Musik zuständig ist. Aber was solls. The Fourth Is Bearded scheinen trotz ihrer düsteren und traurigen Musik ziemlich lustige Typen zu sein, anders kann ich mir den Bandnamen nicht erklären. Stellt euch mal die ganzen französisch-sprachigen Leute an, die auf ein Konzert der Jungs gehen und dann von nichtsahnenden Dritten gefragt werden, wie denn nun die tolle Band da auf der Bühne heißt. Die bekommen nämlich mit Sicherheit ziemlich viel Feuchtigkeit ab, denn Lautstärke+Alkohol+die französische Aussprache des Bandnamens birgt die Gefahr eines Spucketröpfcheninfernos, haha. Nun, The Fourth Is Bearded dominieren die B-Seite mit nur einem einzigen Song, der aber knapp 15 Minuten auf den Plattenteller bringt. Das Stück beginnt sehr melancholisch, man wird regelrecht in den Bann gezogen. Ziemlich hypnotisch schraubt sich diese melancholische Stimmung hoch, bis sogar noch Schlagzeug und Bass mit einsetzen und das ganze gipfelt, indem überraschend plötzlich Gröhl-Vocals auftauchen, die sogar bis zum Ende des Songs erhalten bleiben. Auch wenn bei The Fourth Is Bearded Gesang dabei ist, gefallen mir bei diesem Release Cirrus Minor in Sachen Abwechslungsreichlichkeit ’ne Ecke besser.

Cirrus Minor Bandcamp [Stream] / The Fourth Is Bearded Bandcamp


 

Bandsalat: Andy The Band, Aviator, Caspian Sea Monster, Diet Cig, Employed To Serve, Gnarwolves, The Heads Are Zeros, Worth

Andy The Band – „Carry On“ (Sabotage Records) [Stream]
Hinter Andy The Band versteckt sich originellerweise ein Mensch namens Andy, der aus dem Punkrock kommt und hier seine Ego-Schiene durchzieht, indem er alle Instrumente selbst und wahrscheinlich ausschließlich seinem Geschmack entsprechend eingespielt hat. Lediglich für die Produktion wurde Tommy von Vånna Inget ins Boot geholt. Andy kennen sicherlich einige von euch von Bands wie den Satanic Surfers, Terrible Feelings oder Sista Sekunden. Nun, Andy The Band steht für schnörkellosen, dirty aber catchy gespielten Garagepunk, diverse Hardcore und Emo-Einflüsse sind auch stark vertreten. Die vier Songs sind eingängig, da hat man auf der einen Seite US-Emocore- und Punkbands wie das Zeug von den späten Dag Nasty, den Adolescents, All oder den Descendents im Ohr, aber gleichzeitig klingt das ganze dann doch nicht so wild und ungestüm. Andy ist indielastiger und gefühlvoller unterwegs, so dass man spätestens nach dem dritten Durchlauf zufrieden mit den Beinchen mitwippt und an Bands wie die Hives oder die Beatsteaks denkt (bevor diese stadiontauglich wurden). Zwischen dem anfangs monoton wirkenden Gitarrengeschrammel entdeckt man immer wieder mal einen raffiniert gespielten Basslauf, eine verzückend verspielte Gitarre oder ein noisiges und dissonantes Einsprengsel. Zu einem meiner persönlichen Favoriten zähle ich dann unter anderem das in die Gehörgänge flutende Doesn’t Exist. Hinter die Bedeutung der chinesischen Schriftzeichen auf dem Cover bin ich noch nicht gekommen. Ich steh ja nicht auf die Solo-Eskapaden selbstverliebter Bandmitglieder von einst erfolgreichen Punkbands, aber das hier macht richtig Laune. Hört rein und bleibt zwei Runden am Ball, dann fetzt das!


Aviator – „Heaven’s Gate b/w Death’s Door“ (I.Corrupt.Records) [Stream]
Die zwei Songs auf diesem Release sind während einer vierwöchigen Europatour entstanden und wurden in den Faust Records Studios in Prag aufgenommen. Da wünscht man sich nach mehrmaligen Hördurchläufen direkt, die Jungs würden bald wieder auf Tour gehen, um neue Songs für den lang ersehnten Nachfolger zum 2014-er Hammeralbum Head In The Clouds, Hands In The Dirt zu schreiben. Die zwei Songs machen jedenfalls Appetit auf mehr, denn sie bieten intensiven Post-Hardcore mit Herz und Seele. Die Gitarren fetzen richtig los und türmen sich zu dichten Soundwänden auf, Bass und Schlagzeug grooven dazu wie Hölle, hinzu kommt der leidenschaftlich gesungene/gebrüllte Gesang von TJ Copello sowie eine ausgeklügelte Balance zwischen emotionalen, fast bedächtig wirkenden Parts und spannungssteigernden, beinahe mantraartig nach vorne gehenden Passagen. Bitte mehr davon!


Caspian Sea Monster – „Selftitled“ (Stargazer Records) [Stream]
Das kaspische Seemonster, das einem vom Frontcover der Digipack-CD entgegen lächelt, sieht weder von vorn noch von hinten (siehe Backcover) bedrohlich aus. Im Gegenteil, ich finde es eher niedlich, das ist so ’ne Mischung aus den Gremlins (bevor sie zum Monster werden) und einem See-Quitsche-Igel für die Badewanne. Meine Kinder fanden das Ding so witzig, dass sie es sogar abgezeichnet haben, dabei haben sie ständig gekichert. Nun, die Band Caspian Sea Monster kommt aus Chemnitz und existiert seit ca. fünf Jahren. Die Mitglieder spielten zuvor bei Bands wie z.B. Playfellow, Calaveras und Might Sink Ships. Das selbstbetitelte Debut-Album des Quartetts wartet mit insgesamt acht Songs auf, diese dauern fast 70 Minuten. Okay, während des letzten Tracks The Tremblin (der 27 Minuten dauert) wird etwas beschissen, da ca. ab der 7. bis zur 22. Minute nichts weltbewegendes passiert. Egal, denn der Rest überzeugt von vorn bis hinten. Grob umschrieben bekommt ihr hier durchdachten Post-Rock mit einigen Indie-Referenzen und tollen emotionalen Momenten auf die Lauscher. Melancholie spielt auch noch eine große Rolle, die gefühlvoll gespielten Gitarren und der zerbrechlich wirkende Gesang von Sänger Toni Niemaier erzeugen zusammen mit den smoothen Rhythmen und den Synthie-artigen Klängen zusätzlich für kribbeln im Nacken. Auch die satte Produktion weiß zu gefallen. Stellt euch entschleunigte Mewithoutyou vor, die emotionalen Post-Rock für sich entdeckt haben. Geile Scheibe, eher was für die ruhigen Momente in eurem Leben.


Diet Cig – „Swear I`m Good At This“ (frenchkiss) [Stream]
Zuckersüßen Indie-Emocore bekommt ihr von diesem Duo aus New York wie Honig um die Schnauze geschmiert. Boah, ich kannte die Band bisher nicht und hab kürzlich das Video zum Song Maid of the Mist angeschaut. Das Video selbst ist zwar schön gemacht, aber vom Hocker gehauen hat mich nur die Mucke. Was für ein geiler Song, ziemlich sicher war ich mir, dass dieser Song auf irgendeinem Sommer-Mixtape verewigt werden wird! Völlig überrascht war ich allerdings, als ein paar Wochen später die Digipack-CD in einem Päckchen aus dem Hause Fleet Union im Briefkasten lag. Nun, bei Diet Cig wirken wie bereits erwähnt nur zwei Leute mit. Da wäre zum einen Gitarristin Alex, die auch gleichzeitig noch in einer Tonlage und mit einer Hingabe singt, die Dir alle Nackenhärchen wie bei einem Stromstoß hinstellen. Dann gibt es noch Noah an den Drums, der dem ganzen einen gewissen Drive gibt und auch schonmal richtig abgeht (Blob Zombie z.B.). Auf Swear I`m Good At This werden euch jedenfalls 13 spaßbringende Songs auf die Ohren gepackt, die man irgendwo zwischen Indie, Emo und Pop-Punk einordnen könnte. Unbedingt solltet ihr euch auch noch den Song I Don’t Know Her anhören, mit dem Video zu Tummy Ache könntet ihr euch noch näher an die Band herantasten. Nach ein paar Durchläufen bin ich jedenfalls total hin und weg, da mich das irgendwie an eine Mischung aus The Anniversary und der deutschen Band Ohios Favorite erinnert.


Employed To Serve – „The Warmth Of A Dying Sun“ (Holy Roar Records/AL!VE) [Stream]
Ich liebe solch apokalyptische Albumtitel! Diese vermitteln direkt, wo es musikalisch wohl langgehen wird. Im Falle des zweiten Albums der Band aus Woking/UK dürfte der Abgrund nicht mehr weit sein, in den ihr nach dem Hörgenuss fallen könntet. Düster und heftig kriechen die Gitarren aus den Lautsprechern, kräftig und mächtig bolzt das Schlagzeug Kerben in eure Gehörgänge, dazu brüllt sich die Sängerin den Hals klötzchenweise blutig. Die Jobs, in welchen sie und ihre Bandkumpanen tagsüber so arbeiten, dürften sicherlich dazu beigetragen haben, dass die zehn Songs so ultrabrutal angepisst klingen. Ihr kennt das sicher auch: da kommt man völlig fertig von einem beschissenen Tag heim und will nur entspannen. Zuhause läuft es aber auch nicht besser: Wohnung steht unter Wasser, es wurde eingebrochen oder man hat keine Internetverbindung. Dann hilft eigentlich nur eines: entweder man macht selbst Musik, die in die Richtung des Quintetts geht, oder man legt diese Scheibe hier auf und findet sich in Gedanken wieder, die sich darum drehen, ob man sein passives Dasein voller Stagnation wehrlos hinnehmen will oder endlich mal aus sich rausgeht und für das kämpft, was einem wichtig ist. Diese Band zeigt uns jedenfalls, dass man mit viel Wille und Kraft etwas auf die Reihe bekommt, von dem so mancher Erdenbewohner noch nicht mal was mitbekommen hat.


Gnarwolves – „Outsiders“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Es klingt zwar doof, aber eigentlich ist das hier genau das, was mir bei den Gnarwolves aus Brighton/UK als erstes in den Sinn kommt: Hier weiß man in der Regel, was man zu erwarten hat. Nämlich schnellen melodischen Hardcore-Punk, der etwas näher am Melody-Punk dran ist, aber bei dem man noch genügend Schrammen abkriegt, weil man mit dem Sound im Ohr und auf dem Skateboard stehend meint, dass man immer noch 15 Jahre alt wäre und der eigene Körper eigentlich aus reiner Kautschuk-Masse bestehen würde, die allen Stürzen standhält. Autsch! Zehn Songs. Fans von neueren Lifetime, Good Riddance, Grey Area, Dillinger Four oder Blacktrain Jack dürften bei den Gnarwolves Pippi in die Augen bekommen. Mein Anspieltipp: Paint Me A Martyr.


The Heads Are Zeros – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Zwölf Songs sind auf dem Debut-Album dieser noch nicht so bekannten Band aus Baltimore zu hören. Bisher wurden zwei EPs veröffentlicht und der Laufzeit dieses Albums von gerade mal 23 Minuten nach würde man das hier in Post-Rock-Kreisen mit Sicherheit als eine etwas zu lange geratene Single bezeichnen. Wenn ihr auf totales Grind-Massaker mit keifender Frau am Mikro abfahrt, dann seid ihr hier genau richtig. Die Gitarren schrubben wie wahnsinnig, der Drummer wird wahrscheinlich nachts noch von Napalm Death-Live-Videos verfolgt. Kommt geil. Für Fans von Botch, Dillinger Escape Plan oder Converge. Das hier würde ich mir gern live reinziehen!


Worth – „Lacus“ (DIY Cat Life Records) [Name Your Price Download]
Bevor ich jetzt mit meinem nicht vorhandenen großen Latinum angebe, spanne ich euch nicht länger auf die Folter: der EP-Titel stammt nämlich aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie See, Gewässer oder Wasser. Ja, diese Übersetzung könnte passen, das liebevoll besiebdruckte Coverartwork bestärkt mich jedenfalls in der gegoogelten Bedeutung des Wortes Lacus. Die fünf Jungs aus Bonn haben sich mit ihrer ersten EP jedenfalls viel Mühe gegeben. Das ganze wurde in Eigenregie gestemmt, die EP wurde klassisch im Proberaum engeprügelt und ist in einer kleinen Auflage entweder als Tape oder als CD erhältlich. Mir liegt die CD vor, deren Label ebenfalls mit einem schönen schwarz-weißen Siebdruck beklebt ist, zudem gibts das Ganze zum Name Your Price Download auf der Bandcamp-Seite der Band. Schade, dass kein Textblatt beiliegt, aber die Texte der fünf Songs lassen sich wenigstens auf Bandcamp nachlesen. Nun, vom Sound her gefallen mir die fünf Bonner recht gut, auch wenn die Mischung aus Post-Hardcore, Melodic Hardcore, Punk und Emo keine außergewöhnlichen Überraschungen an Bord hat. Ich meine, solch einen ähnlichen Sound vor Jahren mal für die Seite Borderline Fuckup besprochen zu haben. Ja doch, On Elegance aus der Schweiz klangen ähnlich. Das soll jetzt aber nichts abwerten, denn das Songwriting ist in sich stimmig, es gibt immer wieder Parts die aufhorchen lassen und sofort ins Ohr gehen. Hier seien z.B. die mehrstimmigen Chöre und die melancholisch gespielten Gitarren genannt, die von flächig gespielten Melodic Hardcore-Gitarren bis hin zum leise verspielten Emopart schön abwechslungsreich sind. Und klar, der Sänger leidet auch ganz schön intensiv. Und zwischendurch gibts bei Amisk einen vertrackten Refused/Abhinanda-mäßigen Break-Part. Als Anspieltipp empfehle ich gerade das Titelstück Lacus/IV, denn in diesem Song zeigt die Band ihr ganzes Spektrum. Mir gefällt v.a. der rohe und noch nicht so glattgeschliffene Sound, da ist noch genügend Biss und Rotze dabei. Leute, die sich eine Mischung aus Touché Amore, As Friends Rust und Trembling Hands vorstellen können, sollten hier unbedingt mal reinhorchen.


 

Arrowhead & Forever Losing Sleep – „Split 12inch“ (lifeisafunnything)

Diese einseitig bespielte 12inch besticht erstmal mit einer saustarken Optik, außen wie innen. Das Artwork wurde von Arrowhead-Schlagzeuger Dylan Sylvester entworfen, die symbolträchtigen Quadrate mit den ausgekehlten Ecken auf dem Front-und Backcover und dem Textblatt laden jedenfalls zum Grübeln ein, wozu man während der 17minütigen musikalischen Reise noch ausgiebig Zeit haben wird. Aber es wird noch besser. Das Vinyl schimmert auf dem Plattenteller wie ein glattgeschliffener Türkis-Edelstein. Mein Exemplar zumindest, denn neben der türkisen Variante, die mit Rauchschwaden durchzogen ist, gibt es auch noch eine gelbe Version, ebenfalls mit Rauchschwaden. Von beiden Varianten existieren jeweils nur 100 Stück, haltet euch also ran.

Den Anfang machen Arrowhead aus Boston. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich über Arrowhead beim Bandcamp-Surfen stolperte und von ihrem Album A Collection Of What You’ve Lost derart begeistert war, dass ich nicht drum herum kam, ein paar Zeilen in einer der 2015-er Bandcamp-Runden zu schreiben. Kaum zu glauben, dass ich fast eineinhalb Jahre später von dieser Band einen Song auf Vinyl mein eigen nennen kann, noch dazu ein so schönes Exemplar und dann auch noch auf lifeisafunnything. Wahnsinn! Es ist zwar nur ein einziger Song, aber dieser ist die absolute Wucht. Thousand Palms, Sung And Reposed ist ein fast achtminütiges Monster. Was leise und etwas düster beginnt und zu Beginn so Gitarrengezirpe mit an Bord hat, wie man es bei dieser Schlussszenenmelodie in jeder Dexter-Folge hören kann, bricht erstmal nach etwas mehr als einer Minute unkontrolliert und mit wuchtigen, schleppenden Donnerschlägen aus, bevor es wieder ruhiger wird und man mit melancholischen und unterschwellig melodischen Gitarrenklängen etwas gezähmt wird. Dabei schreckt die Band auch nicht davor zurück, ein Vibraphon, ein Saxophon und ein Piano einzusetzen, was erstaunlich gut zum Sound der Bostoner passt. Und über allem dieser wahnsinnig leidend rausgeheulte Gesang. Ganz grob kann man diesen Song zwischen emotionsgeladenem Post-Hardcore, Screamo und Post-Rock einordnen. Dass Bands wie z.B. I Hate Myself, Funeral Diner oder The Saddest Landscape dicke Spuren im Sound von Arrowhead hinterlassen haben, kann man jedenfalls deutlich hören. Erinnert an Bands wie We Never Learned To Live, Envy oder State Faults.

Forever Losing Sleep kommen aus New Jersey, mir waren sie bis jetzt nicht bekannt, obwohl auch schon ein Album veröffentlicht wurde und das Bandgründungsjahr auf der Facebook-Seite mit 2011 angegeben wird. Aber wie das bei lifeisafunnything-Releases so ist, trifft auch der neunminütige Song Woken By The Sun genau ins Schwarze. Forever Losing Sleep sind viel harmonischer als Arrowhead unterwegs, alleine der Gesang hat das Zeug dazu, ganze Gänsehaut-Autobahnen über Deinen Rücken zu jagen. Zusammen mit den spielerisch klingenden und durch die Luft flirrenden Gitarren und den bedächtig gespielten Drums klingt das dann so, als ob Du glücklich und schwerelos durch den Raum schweben könntest. Und trotzdem ist da die nötige Portion Dreck, die diesen Sound alles andere als harmlos macht. Dabei schwirren dann massig Bands im Kopf herum, die entfernt mit dem Sound des Quintetts in Verbindung gebracht werden können, der auch so grob zwischen den Stühlen Post-Hardcore, Emo und Post-Rock eingeordnet werden kann. Da sind auf der einen Seite so Jahrtausendwenden-Emo-Bands wie z.B. neuere Appleseed Cast, Juliana Theory, Thursday oder Lifestory Monologue und auf der anderen Seite so Post-Rock-Zeugs wie z.B. Mew oder Explosions In The Sky. Ich bin jedenfalls sehr angetan und bin gespannt, was man noch alles von dieser Band zu hören bekommt. Auch wenn die Bands gegenseitiger kaum sein könnten, funktioniert diese Scheibe als Einheit, als Kunstwerk. Kein Wunder, dass diese Platte eine richtige Herzensangelegenheit von lifeisafunnything-Betreiber Marcus ist. Sehr, sehr geil!

8.5/10

Bandcamp / lifeisafunnything


 

Interview mit Duct Hearts


Nach vielzähligen Split-Veröffentlichungen und zwei EP’s wagt die Münchener Band Duct Hearts den längst überfälligen Schritt und veröffentlicht demnächst ihr erstes Full-Length-Album. Und während das gute Stück namens Feathers im Presswerk auf Vervollständigung wartet, bekam ich das Album zwecks Review schon vorab in digitaler Form zugeschanzt. Da eine Besprechung aufgrund einer reinen Download-Datei nicht alle Bereiche eines physischen Releases auf Vinyl abdecken kann, gefiel mir natürlich der Vorschlag der Band, der Besprechung noch zusätzlich ein paar Hintergründe und persönliche Anekdoten hinzuzufügen. Was lag also näher, als Duct Hearts Frontmann Daniel ein paar Fragen zum Debutalbum zu stellen. Ach so, wer es noch nicht bereits gelesen hat: hier gibt’s die Rezi zu „Feathers„.


Bitte gib unseren Leserinnen und Lesern einen kleinen Abriss über die Entwicklung von Duct Hearts. Da Du Duct Hearts als Solokünstler begonnen hast, war es mir bisher nie so richtig klar, ob Duct Hearts nun ein Projekt mit wechselnden Musikern ist, oder ob man mittlerweile von einer „festen“ Band sprechen kann.

David (Schlagzeug) und ich spielen jetzt seit ca 3 Jahren zusammen. Anfänglich hat uns Franz am Bass unterstützt, da aber klar war, dass er früher oder später nach Südkorea auswandert, war das schon von Anfang an etwas improvisiert, hat uns aber sehr geholfen richtig loszustarten. Jetzt macht er in Seoul ein kleines Studioprojekt namens KOENICH SOUND und hat dort auch unser kommendes Album gemischt und gemastert. 2014 und 2015 haben wir uns die Bassisten unserer jeweiligen Tourpartner Human Hands und Bail „ausgeliehen“, seit Herbst 2015 hat Chris bei uns den Bass um den Hals. Das ist eine verrückte aber auch sehr kreative klassische 3er Kombination.

Ihr habt bisher außer zwei EP’s vorwiegend Split-Releases veröffentlicht. Ich könnte mir vorstellen, dass sich bei Releases auf Albumlänge schon so eine Art Druck aufbaut, ob die eigene Musik auf dieser Länge ebenfalls funktioniert. Hattet ihr solche Gedanken, als ihr das Album in Angriff genommen habt?

Man schreibt schon anders für ein Album, als man es für eine Platte tut, auf der nur 1 Song drauf ist. Wenn ich einen Song für ne Split schreibe, versuche ich meist sehr viele Ideen zu kombinieren, um den Song sehr vielseitig und -schichtig zu machen, so dass er alle Aspekte der Band einfängt. Das sieht man z.B. gut auf der „If you prick us…“ 7“, die so viele verschiedene Ideen in 11 Minuten packt, wie manch anderer Band für ein Album reichen. Das ist mir eigentlich beim Schreiben für die LP leichter gefallen, da man auch mal einen Song machen kann, der etwas aus der Reihe tanzt, also hat man weniger Druck, dass jeder einzelne Song die Band repräsentieren muss, da ja das ganze Album das tun soll, und andersherum macht das ein Album erst spannend, wenn nicht jeder Song gleich klingt. Etwas Druck hab ich mir schon gemacht, vor allem da ich finde, ein Album (gerade in unserem Genre-Mix) sollte schon eine Art Spannungsbogen haben, was nicht ganz einfach ist bei Songs die von 2:30 bis 8 Minuten dauern und sich ja auch schön auf 2 LP Seiten aufteilen müssen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen, ich hab mir aber immer das Hintertürchen gelassen, dass falls 1 Song nicht so wird wie wir uns das vorstellen oder nicht zum Rest passt wir ihn einfach auf ne Split packen und die Platte im Sinne des Gesamtkonzepts kürzer wird.

Ich vermute mal, dass viele der Songideen von Dir stammen? Wie geht ihr denn beim Songwriting vor?

Das ist ganz unterschiedlich. Den Titeltrack „feathers“ spielen wir z.B. von Anfang an live als Intro. Damals haben wir unsere Sets mit „This has taken way too long“ begonnen, also ein sehr ruhiger Start, vor dem wir etwas Lärm setzen wollten, damit die Gäste merken dass es los geht. Da haben wir viele rhythmische Ideen von David verwurstet, diesen cleanen 7/8 Teil z.B. und das ganze basiert hauptsächlich auf Harmonien von „this has taken“. Irgendwann dachte ich dann, es wäre schade, wenn der Song instrumental bliebe und hatte diese Gesangsidee. Den rockigen 9/8 Teil haben wir dann wieder davor gesetzt, damit wieder etwas lautes vor dem leisen Gesang kommt. Die meisten Songs basieren aber auf einem „Leute ich hab folgende Idee, spielt mal was dazu“ Prinzip von mir, und Arrangements, Längen von Parts und so laufen dann überwiegend recht demokratisch ab, hab ich zumindest das Gefühl. Manchmal hat dann auch jemand eine zusätzliche Idee und wir bauen das ein oder nicht. „Hide“ hatte z.B. ursprünglich ein lautes Intro, das fanden David & Chris blöd, also haben wir es weggelassen, dafür hat der Song dann ein instrumentales Outro gekriegt.

Ihr macht ja mit Duct Hearts vieles selbst, seid tief im DIY verwurzelt. Das ist sicher sehr arbeits- und zeitintensiv. Dabei steckst Du ja auch sicher noch enorm viel Zeit in Dein Label time as a color.  Und um das Ganze zu finanzieren, wirst Du nebenher auch noch einer Lohnarbeit nachgehen müssen. Worauf ich hinaus will: es ist schon sehr schwer, das alltägliche Leben mit Arbeit und Beziehung zu meistern und dazu noch kreativ und künstlerisch tätig zu sein. Wie schaffst Du bzw. ihr das alles, was treibt Dich/euch an?

Das ist richtig, neben Pressungen, Artwork, Merch, Vertrieb, Promo, Booking für duct hearts mache ich das ganze auch noch für einige andere Veröffentlichungen, habe inzwischen auch einen recht umfangreichen Online-Shop und dementsprechend viele Bestellungen zu verpacken, das ganze neben dem Job und Familie unterzukriegen ist oftmals stressig und da bleiben nur wenige Pausen. Ich merke da auch, dass ich das besser organisieren, Aufgaben delegieren und vielleicht auch etwas mehr fokussieren muss. Nach dem Ende meiner vorherigen Band Wishes on a Plane habe ich mich eher auf das Label konzentriert, ohne es dann, als wir mit duct hearts eine richtige Band wurden, wieder etwas einzubremsen. Und nun, da wir die „feathers“ über Broken Silence vertreiben, kommt natürlich noch etwas mehr Arbeit und Verantwortung dazu, ein zweites Format (CD) und mehr Promo. Ich denke das ist ein richtiger und wichtiger Schritt, und wir sind sehr dankbar für diese Chance, da sich unsere Musik relativ schwierig in klassische Genre-Schubladen packen lässt. Da braucht man einfach etwas mehr Aufwand und längeren Atem, um den Hörern das nahe zu bringen. Was mich antreibt ist tatsächlich eine gute Frage…manchmal ist es die bloße Tatsache, dass ich ca 800 verschiedene Platten im Büro stehen habe und die dort nicht für immer bleiben sollen :-D Generell ist es aber wohl eher der Wunsch, seinem Leben etwas Tiefe und Vielseitigkeit und auch Nachhaltigkeit zu geben. Ich habe in meinen jungen Jahren so viel Trost und Zuhause und auch Zauber erfahren, der Zauber, wenn man eine schwer zu kriegende Jimmy Eat World split aus ebay ersteigerte und die dann aus den USA ankam war einfach unbeschreiblich. Vielleicht treibt mich die Hoffnung an, solchen Zauber auch bei anderen zu verursachen, oder zumindest dabei zu helfen.

Das eben angesprochene scheint ja in den Texten ebenfalls ein Thema zu sein. Kannst Du bitte etwas zu den Inhalten sagen? Mir ist aufgefallen, dass die Songtitel alle aus einem Wort bestehen und auch anhand der Songtexte könnte man vermuten, dass eine Art Konzept verarbeitet wurde.

Es ist in der Tat eine Konzeptplatte. Thematisch handelt sie von Familien, und wie sie funktionieren, bzw. oft auch nicht funktionieren. Von Nestwärme, aber auch vom Druck, der oft aufgebaut wird, von Erwartungen, die Kinder davon abhalten können, sich frei zu entwickeln. Auch darum, was Menschen durchleben müssen, und wie diese Erlebnisse Ihre Beziehungsfähigkeit formen. Der Titel „feathers“ steht für mich für die Fragilität eines jeden einzelnen und einer jeden Beziehung, aber auch für die Dankbarkeit für die Menschen im eigenen Umfeld, die so leicht mit nur einem Windstoß in eine andere Richtung hätten getragen werden können.

Diese eine Textzeile aus dem Song Cera „we will make them whisper, we will make them sing“ scheint eine besondere Bedeutung zu haben, er steht sogar in der Auslaufrille der LP geschrieben. Warum steht dieser Satz so stellvertretend für das Album?

Ich denke, so unrepräsentativ der Song vielleicht musikalisch für die LP ist, so repräsentativ ist er inhaltlich. Er beschreibt eine Metamorphose, wie ihn die Daune zur Feder vollzieht. Ich spreche ja in den Liner Notes ganz konkret Kriegstraumata an, wie sie von den meisten Großeltern meiner Generation durchlebt wurden und die die Erziehung ihrer Kinder (also unserer Eltern) maßgeblich beeinflusst haben. Der Song beschreibt den Wunsch, die Hoffnung und Dankbarkeit dafür, dass meine Generation ihre Kinder (weitestgehend) ohne diese Last erziehen kann.

Kannst Du ein wenig vom Entstehungsprozess berichten?

Die Songs haben wir tatsächlich recht gleichmäßig innerhalb der letzten 3 Jahre geschrieben, bzw. eigentlich von Frühling 2014 bis Anfang 2016. Einige Ideen wie das Anfangsriff von Piuma hatte ich schon 2012, manchmal hat man so Ideen, schreibt oder nimmt sie auf und dann liegen sie etwas rum und reifen, bis man sie in einem Song unterbringen kann. Shell haben wir schon im Herbst 2014 geschrieben und im gleichen Jahr auch schon live gespielt (eine Live Version ist als Bonus Track auf der im Frühjahr erschienen Collection CD auf Friend of Mine Records drauf). An Ideen für Spinae habe ich auch sehr lange rumgebastelt, bis ich das ganze in der Probe vorgestellt habe. Die Idee, eine LP zu machen entstand irgendwann Anfang 2015 oder so, nach den Aufnahmen für die ganzen 7“s die 2015/2016 rausgekommen sind. Anfang 2016 hatten wir dann genug Songs und haben uns hingesetzt und an der Vorproduktion gearbeitet, die einzelnen Parts und deren Länge und Geschwindigkeiten festgelegt und dazu geprobt. Anfang August waren wir in den Clang Studios in München um das Schlagzeug aufzunehmen und direkt danach hab ich mich im Proberaum verkrochen, Gitarren und Bass aufgenommen und dann eingesungen. Franz (unser früherer Bassist) hat uns hier viel geholfen, hatte ein zweites Ohr für Mikrofonsignale und wir haben einige  schöne Sachen mit Raummikrofonen gemacht, er hat das Schlagzeug editiert und dann im Herbst/Winter gemischt und gemastert.

Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass auf den neuen Songs die Emoanteile weniger geworden sind und dafür die Post-Rock-Elemente verstärkt in den Vordergrund rücken. Wie siehst Du das? Bisher erinnerte euer Sound ja schon ein wenig an Bands, die im Neunziger-Emo verwurzelt waren, Christie Front Drive und Elliott fallen mir da spontan ein. Was gibt es sonst noch für Einflüsse?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass man als Songschreiber oder Künstler allgemein tief in sich die ersten Einflüsse nie von sich schütteln kann, die man hatte, als man mit der Kunst anfing. Zumindest geht es mir so. Dieser Zauber, den man empfunden hat, dieses „wow, so was möchte ich auch machen!“ der einen dazu bewegt hat, die Gitarre in die Hand zu nehmen und so lange zu spielen bis die Fingerkuppen beinahe bluteten, dieser Drang, trotz Schmerz wieder weiter spielen zu wollen. Und diese Einflüsse waren bei mir halt der ganze Mid 90er Kram, Jimmy Eat World, The Get Up Kids, oder die von dir angesprochenen Elliott oder CFD. Andererseits muss ich aber auch sagen, dass wenn ich denn mal zum Musik hören komme, das inzwischen eher Postrock oder Post-Metal Kram ist, das fing schon zu Ende von Wishes on a Plane an, als die Mid 2000er Postrock Welle über mich schwappte, Red Sparowes, This Will Destroy You aber dann auch härtere Sachen wie Isis, eine großartige Band, die mich dann auch etwas offener härteren Sachen gegenüber gemacht hat, sowohl musikalisch als auch was die Gesänge angeht. In den letzten Jahren höre ich viel mehr Post Kram mit metalligen Einflüssen, es ging mit Arktika los, die so wunderbar die Brücke zwischen den 3 Genres Emo/Postrock und Metal geschlagen haben, die leider inzwischen ebenfalls aufgelösten Amber und deren Nachfolgeband Yanos, Terraformer, Watered. Gerade Amber und Arktika haben einige Songs auf ‚feathers‘ beeinflusst, manchmal habe ich Angst dass einer kommt und sagt „ey, ihr habt unser Riff geklaut“ :-D In letzter Zeit habe ich Light Bearer entdeckt, und deren „Nachfolgebands“, wie zB Archivist, bei letzteren stören mich manchmal etwas die d-beatigen Parts, aber es sind ja nur wenige Teile und den Rest find ich fantastisch. Vor allem an Light Bearer inspiriert mich die Mythologie und Konzeption, die Alben sind unglaublich spannend und vielseitig und perfekt geschrieben was Spannungsbögen angeht, und die Storyline ist natürlich außergewöhnlich. Das ist schon sehr inspirierend und wird sich bestimmt auch auf unseren nächsten Platten wiederspiegeln.

Was gibt’s zum Artwork zu sagen?

David hat es speziell für die Platte gezeichnet. Ich mag die Tiefe, wie düster aber auch sehr hoffnungsvoll es wirken kann, je nachdem wie man es sehen möchte. Unsere letzten Artworks waren ja allesamt sehr diy, Siebdrucke, Stempel, selbst gefaltet etc… Für die LP wollte ich einen anderen Weg gehen, etwas edler. Die Platte ist in 180g gepresst, eine limitierte Stückzahl gibts in weiß. Schwarze Innenhüllen, klassisches quadratisches Inlay mit Texten, klassische Cover-Sleeves in extra schwerem rauem Karton.

Bisher habe ich die Live-Aktivitäten von Duct Hearts nicht so wahrgenommen. Seid ihr so aktiv wie andere DIY-Bands, so dass es jedes Wochenende auf die Piste geht, oder geht das eher so, dass ihr mal eine Tour wie z.B. der mit Bail oder Human Hands mitfahrt?

Generell ist es von München aus sehr schwierig einfach mal ein Wochenende spielen zu können, da du immer ein Ziel brauchst, was man Freitag nach der Arbeit noch erreichen kann, und da Bayern etwas dünn gesäht ist mit Emo-DIY-Subkultur (es wird mehr, aber dennoch) muss man meist schon 4h fahren, für einen Freitag zu schwer zu erreichen ohne Urlaubstage zu nehmen. Wir wollen das demnächst aber schon öfter versuchen, bisher scheiterte es eher daran, dass wir entweder noch keinen festen Bassisten hatten oder an anderen Projekten gearbeitet haben, wie
Chris einzuüben oder jetzt Songs zu schreiben/aufzunehmen für die LP. Trotzdem haben wir es seit 2014 geschafft, eine Tour pro Jahr und insgesamt ca. 30 Shows zu spielen, wir waren wie erwähnt schon mit Human Hands und Bail unterwegs in Deutschland, Holland, Österreich und Tschechien und vergangenes Jahr haben wir uns sogar bis Dänemark, Norwegen und Schweden hochgewagt. Im Sommer/Herbst werden wir wieder einige Shows spielen.

Du hast vorhin ja von Abgeben und Delegieren gesprochen. Hast Du schonmal überlegt, was Du machen würdest, wenn ein anderes Label den Wunsch äußern würde, etwas von euch auf Vinyl veröffentlichen zu wollen?

Das hängt natürlich davon ab welches Label fragen würde, und was meine Bandkollegen dazu sagen. Ich meine wir veröffentlichen ja schon von Anfang an alle unsere Platten über mehrere Labels, also ist das keine völlig hypothetische Annahme. Natürlich bin ich schon jemand, der gerne alles unter Kontrolle hat, aber das muss ja nicht heissen, dass man die Kontrolle völlig abgibt, wenn man mit einem Label zusammen arbeiten würde, das die Platte alleine rausbringen möchte. Und abseits vom Platte rausbringen gibt es ja noch tausend andere Dinge an Band- und Labelarbeit, oder man steckt die gewonnene Zeit in andere Dinge, Songs schreiben oder Privatleben, das fördert ja auch die Inspiration. Also wenn es das richtige Label ist und man professionell und persönlich auf Augenhöhe zusammenarbeitet wäre meine 1/3 Stimme von duct hearts auf jeden Fall interessiert.

Okay, das waren jetzt mal die Fragen, vielen Dank für das informative Interview! 

Vielen Dank an dich für dein Interesse und deine Mühe. Wir arbeiten ja jetzt schon echt lange zusammen, schon früher beim Borderline Fuckup Blog, es ist schön zu sehen dass es Leute gibt, die bei der Stange bleiben und Musik im Untergrund langfristig unterstützen, denn das hilft der Szene viel mehr als wenn jemand mal 2 Blogeinträge macht und dann wieder keinen Bock mehr hat, eine Szene braucht feste Eckpfeiler, zwischen denen sie ihr Netz spinnen kann, um dann hoffentlich auch jüngere Leute dazu zu bringen, selbst etwas zu machen, sei es n Distro oder Shows oder so, und du / Crossed Letters sind da echt ein wichtiger Bestandteil von, also im Namen aller Bands und Labels für die du dir regelmäßig die Finger wund schreibst: Vielen Dank!


 

 

Villages – „Ill Ages“ (Pike Records)

Das hier ist eine 12inch, die sich nicht auf Anhieb durchschauen lässt, auch wenn die Gestaltung des Releases uns etwas anderes vorgaukelt. Wahnsinn, wenn der Bandschriftzug nicht pink wäre und das Label nicht schwarz, dann könnte man das Ding schonmal locker irgendwo im Wohnbereich verlegen, ohne dass man es jemals wieder finden würde. Aber glücklicherweise sticht der eben erwähnte Bandschriftzug und das schwarze Label im Kontrast zum clearen Vinyl und der durchsichtigen Hülle deutlich heraus. Die Hülle ist dazu noch mit den Texten  und einer kleinen Thankslist bedruckt. Ha, und weil alles durchsichtig ist, kann man auch den auf einen transparenten Sticker gedruckten Downloadcode erkennen, bevor man das gute Stück auch nur sein eigen nennen darf. Vinyl-Fans werden diese Scheibe jedenfalls mit Kusshand entgegennehmen, auch wenn noch gar nicht klar sein sollte, was für Musik darauf zu hören sein wird und der Download-Code bereits benutzt wurde (reine Theorie). Die Texte scheinen übrigens irgendwie in Anlehnung an den Plattentitel geschrieben worden zu sein, so dass man zusammen mit dem Wortspiel eventuell sogar von einer Art Konzeptplatte sprechen kann.

Es war irgendwann Ende Februar, als mir Axel von Pike Records ein Vinylexemplar der Debutscheibe der Dresdner Band Villages – die ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Schirm hatte – in Aussicht stellte. Das Ding war zur damaligen Zeit gerade frisch im Presswerk, zur Hörprobe musste deshalb erstmal die 3-Song-Demo herhalten.  Bei manchen Anfragen kann man auch ohne Hörtest schon die Begeisterung des Labelmachers zwischen den Zeilen rauslesen, so dass man ziemlich schnell merkt, dass die Musik ganz genau ins Beuteschema passt. Und klickt man dann die Hörprobe an, ist man doppelt hin und weg. Und ein paar Wochen später wird dann auch noch mit einem exklusiven Soundcloud-Presse-Link das Maul wässerig gemacht, bevor endlich die stoßdicht verpackte Scheibe im analogen Postfach für den ersten oben beschriebenen Eindruck sorgt.

Wenn Vinyl in Aussicht steht, mache ich selten vom Vorab-Stream für die Presse Gebrauch, da halte ich eisern durch. Auch wenn es mir manchmal extrem in den Fingern juckt, war es im Fall der 12inch von Villages genau richtig, erst in die Vinylversion reinzuhören. Bei einem Download-Link wäre der erste Eindruck vermutlich anders ausgefallen. Warum? Kaum setzt die Nadel auf, kommen erste Befürchtungen, dass die Band zwischen Demo und Debut Richtung Techno abgedriftet sein könnte, denn der Opener Pulse beginnt mit einem basslastigen Techno-Gewummer, das dazu noch von wabernden Orgel-Keyboards begleitet wird, deshalb gleich mal Entwarnung. Kommt gut auf Vinyl, auch deshalb, weil sich dazu ziemlich bald kraftvolle Drums und ein pumpender Bass gesellt, so dass man Bands wie z.B. !!! im Hinterkopf hat. Und im letzten Drittel kommen dann sogar noch richtig geile Gitarren dazu, die irgendwo zwischen Shoegaze und Post-Punk/Post-Rock liegen. Eine Instrumental-Platte also? Eher eine Art zu lang geratenes Intro, denn im zweiten Song Midnight Midnight wird es richtig geil, dort tauchen nämlich angenehm gesungene Vocals auf, die von schrammelnden  Gitarren und dynamisch gespielten Drums begleitet werden, bis irgendwann im ersten Drittel so richtig geile Emo-Gitarren (At The Drive-In lassen grüßen) um die Ecke linsen. Mit einem zweiten Instrumental ist dann auch schon nach drei Songs die A-Seite vorbei. Wohlgemerkt: nach kurzweiligen 19 Minuten.

Das Eröffnungsstück der B-Seite rockt dann wieder richtig geil los. Feeble Breed ist neben Midnight Midnight eines der Stücke, vor welchen ich mich tief verbeuge, auch wenn Sober Tactics mit seinem vertrackt treibenden Rhythmus und seinen mehrstimmigen Chören ebenfalls reizend rüberkommt und jede Menge Charme versprüht. Auf fast vierzig Minuten Spielzeit toben sich die drei Jungs jedenfalls ausgiebig aus. Zwischen noisigen Parts, Synth-Pop, Post-Rock-Passagen und Post-Punk-Verweisen strotzen die sieben Stücke vor Experimentierfreudigkeit, so dass auch mal ein Glockenspiel oder leiernde Shoegaze-Gitarren zu hören sind. Hinzu kommt, dass Ill Ages trotz des vielschichtigen und eigenständigen Gebräus verdammt eingängig ist, was man aber erst nach mehrmaligem Hören entdeckt. Wenn ihr euch eine Mischung aus !!!, At The Drive-In, One Man And His Droid, The Cure, PTTRNS und Urban Homes vorstellen könnt, dann solltet ihr dieses Release unbedingt anchecken. Ach ja, Villages gingen übrigens aus der Hardcore-Band Lara Korona hervor, das erklärt den Punk-Background.

8/10

Bandcamp / Facebook / Pike Records