Bandsalat: City Kids Feel The Beat, Insert Coin, Lift, Living With Lions, Matze Rossi, Muncie Girls, Pagan, Slumb Party

City Kids Feel The Beat – „Cheeky Heart“ (Uncle M) [Stream]
Bandname, Albumtitel und das etwas kitschig wirkende Artwork dieses hübsch aussehenden Digi-Packs könnten übrigens ganz schön in die Irre führen und die Vermutung aufkommen lassen, dass wir es hier mit einer Boy-Band aus den Charts zu tun haben könnten. Wenn man dann noch das Textheftchen auffaltet und plötzlich ein Poster in der Hand hält, auf welchem man fünf Boys in weißen T-Shirts erblickt, dann ist man doch etwas überrascht, wenn man die CD einlegt und hymnischer Pop-Punk aus den Lautsprechern ertönt. Komischerweise ist mir die Band bisher gänzlich unbekannt gewesen, obwohl die Jungs schon seit sechs Jahren unterwegs sind und Ulm ja eigentlich fast schon in der Nachbarschaft liegt. Cheeky Heart ist also Album Nummer drei und ich muss sagen, dass einige Songs sofort ins Ohr gehen. Auch wenn auf den ersten Blick das poppige im Vordergrund steht, gibt es zwischendurch trotzdem immer wieder schöne Abgeh-Parts mit fetten Gitarrenriffs und Schreigesang (beispielsweise bei Rewrite oder Worst Date). Die glasklare Produktion, für die der Typ eingespannt wurde, der auch Cro und Casper schon einen guten Sound verlieh, passt natürlich auch bei dieser Art von Musik ganz gut. Die Vorbilder für den melodischen Pop-Punk, der munter mit hymnischem Collegerock gemischt wird, dürften klar in der kalifornischen Pop-Punkszene zu finden sein. Die Texte beschäftigen sich mit dem Wahnsinn, den man zwischen Jugend und Erwachsenwerden so durchlebt und stehen damit ein wenig im Kontrast zum sonnigen Sound. Wer also auf Ohrwurmmelodien steht, die wirklich hartnäckig im Gehör kleben bleiben, dürfte hiermit gut bedient sein! Übrigens, jetzt hab ich’s: Beim Song Coming Home weist die Gesangsmelodie im Refrain eine enorme Ähnlichkeit mit Nenas Nur Geträumt auf.


Insert Coin – „Way Out“ (Uncle M) [Stream]
Bei Insert Coin aus Recklinghausen scheint es richtig gut zu laufen. Im Jahr 2007 gegründet sind bereits zwei Alben und eine EP erschienen, zudem wurden etliche Shows quer durch Europa gespielt. Den wohl besten Coup landete die Band mit einem Soundbeitrag zu einem TV-Werbespot für irgend so ’n komisches hauptsächlich aus Zucker bestehendes Energygesöff, das sich hyperaktive Leute ins Hirn schütten, nur um sich dabei ein bisschen cool zu fühlen. Ob man als Band seine Musik für solch fragwürdige Produkte hergeben sollte? Ich meine schon, denn dadurch kommen potentielle Konsumenten dieser Plörre vielleicht beim Anhören der Musik auf andere Gedanken, denn das was Insert Coin machen, dürfte auch die müdeste Schlafmütze wieder aus dem Koma befördern, da braucht es keinen Energy-Drink mehr! Zudem kommen die Leute vielleicht besser drauf, wenn sie sich mit den teils persönlichen aber auch gesellschaftskritischen Texten der Band beschäftigen, die sich mit Themen wie Fake-News, gleichgeschlechtliche Ehe oder Depressionen (die übrigens auch von übermäßigem Konsum des beworbenen Energy-Drinks ausgelöst werden können) befassen. Musikalisch wird dazu melodischer, nach vorne gehender Skatepunkrock geboten, der seine Vorbilder in Bands wie Anti-Flag, Pennywise oder Red City Radio hat. Bevor ihr eure Münzen in den nächsten Getränkeautomaten werft, solltet ihr die hart ersparten Moneten an die nächste Jukebox verfüttern und das Album Way Out anwählen. Danach wollt ihr das Ding eh in eure Punkrock-Sammlung integrieren, also könnt ihr das Ding auch gleich kaufen.


Lift – „Harsh Light of the Truth“ (Dropping Bombs/DIY) [Name Your Price Download]
Neulich gab’s an anderer Stelle einen kurzen Beitrag zur Debut-EP dieser neuen Band aus Connecticut. Das Ding hat mich mit seinen Songs schwer begeistert, so dass man nach mehr lechzend eigentlich gar nicht arg so lange warten musste, denn mittlerweile ist die zweite EP mit drei Songs als Name Your Price Download verfügbar, zudem gibt es das Ding als 7inch. Nun, das Cover ist wieder schön gestaltet. Das Gemälde erinnert irgendwie an die ersten Artworks von Snapcase-Releases (Progression Through Unlearning z.B.) und auch der Sound, v.a. das Instrumentale, erinnert an diese großartige Band aus Buffalo. Weitere Einflüsse dürften neben Snapcase frühe Boy Sets Fire, Refused und With Honor sein. Hier passt jedenfalls von der fetten Produktion bis zum ausgefeilten Songwriting alles. Ganz schön groovig und mitreißend, so muss druckvoller Hardcore klingen! Ich warte gespannt auf weiteres Material!


Living With Lions – „Island“ (No Sleep Records) [Stream]
Der Digipack kommt komplett ohne Plastik aus – bis auf die CD selbst natürlich – und ist echt mal aufwendig und schön gestaltet. Die Fenster der Fassade sind alle ausgestanzt, so dass man auf dem im Inneren befindlichen Textheftchen in die einzelnen Wohnungen schauen kann und dort ein paar außergewöhnliche Szenen des menschlichen Lebens entdecken kann. Kommt mir zwar irgendwie bekannt vor, aber eigentlich wiederholt sich ja in Albumartworks doch irgendwann alles mal, selbst im musikalischen Bereich wird das Rad oftmals nicht neu erfunden. Und auch die alltäglichen Szenen hinter den Fenstern können sicher auch außerhalb Kanadas hinter etlichen beleuchteten Fenstern erblickt werden. Zwölf Songs sind also auf dem dritten Album in einer Spielzeit von knapp 50 Minuten zu hören. Und obwohl man beim ersten Durchlauf eine Menge im dicken Textheftchen und den besagten Fenstern zu stöbern hat, will der musikalische Funke nicht auf Anhieb überspringen. Eben weil man – zugegebenermaßen – total übersättigt in diesem Mischmasch aus Alternative, melodischem Punkrock und etwas Emo ist. Schade eigentlich, denn eigentlich machen die fünf Kanadier alles richtig. Und nach ein paar Runden im Player kristallieren sich die Pfeiler heraus, die den Reiz des Albums ausmachen. Spielfreude, Emotionen, Melodien, Chöre, ein starker Schlagzeuger, der ordentlich Tempo macht und natürlich sauber gespielte Gitarren. Wenn das Album zwei Jahrzehnte vorher erschienen wäre, dann würden heutzutage sicher noch ein paar Menschen davon schwärmen. In der heutigen schnelllebigen Zeit haben solche Releases leider nur noch den absoluten Außenseiterstatus des absoluten Außenseiters. Oder man hört sie nicht, weil auf der einen Seite zu weichgespült für die Undergrounder und auf der anderen Seite zu unbekannt für die Mainstreamer. Doofe Situation. V.a., wenn man weiß, dass die Band kurz nach der Veröffentlichung des letzten Albums Holy Shit kurz vor der Auflösung stand, da der ehemalige Sänger das Weite suchte. Mittlerweile singt der ehemalige Gitarrist, dessen Posten wurde wiederum durch einen guten Freund der Band besetzt. Also, gebt den Jungs mal noch ’ne Chance, so ungeil ist das nicht!


Matze Rossi – „Musik ist der wärmste Mantel – Live im Audiolodge Studio“ (End Hits Records) [Stream]
Es ist ja immer so eine Sache mit Sängern, die mir früher in Punk/Hardcorebands gefielen und sich mittlerweile im Singer/Songwriter-Milieu austoben. Meist taugt mir persönlich das nicht so, weshalb der ganze Kram von mir gekonnt ignoriert wird. Tja, bis man kalt erwischt wird und ’ne Digipack-CD von Matze Rossi zwecks Besprechung im Briefkasten landet. Und dann handelt es sich bei dem Ding auch noch um ein Live-Album, diesem Medium begegne ich sowieso schon mit Skepsis. Okay, wenigstens bin ich völlig unvorbelastet, was die Songs von Matze Rossi betreffen, zudem zählen Tagtraum nicht zu den Bands, deren gesamter Backkatalog mir geläufig ist. Also, drücke ich auf Play, schnappe mir das Beiheftchen und lese bei den ersten Klängen den erklärenden Text zum Hintergrund des Releases. Mit dem Album erfüllt sich ein weiterer Lebenstraum Matze Rossis: die Musik zusammen mit einem tollen Publikum auf einem Tonträger festzuhalten. Nach 29 Bühnenjahren und über 2500 Konzerten durfte dem Live-Ereignis, das in zwei Aufnahmesessions im Audiologe Studio in Volkach abgehalten wurde, ein ausgewähltes Publikum von jeweils 30 Personen beiwohnen (die am Konzert teilnehmenden Menschen werden sogar im Booklet namentlich aufgeführt). Und gerade diese intime Konzertatmosphäre ist das, was mich dann bei aller Voreingenommenheit und Engstirnigkeit doch in den Bann zieht. Die sechzehn Songs werden mit viel Leidenschaft und Herz präsentiert, dabei jagen die aus dem Leben gegriffenen Texte zusammen mit dem warmen Klang den ein oder anderen Gänsehautschauer über den Rücken. Da mir die Studioaufnahmen der Songs nicht geläufig sind, kann ich nur mutmaßen, dass die Songs in dieser Liveaufnahme doch etwas anders klingen. Denn dem Sound kommt obendrein zugute, dass Matze Rossi von seinem Freund Martin Stumpf am Kontrabass, Klavier und anderer Percussion begleitet wird. Ein weiteres persönliches Highlight für Matze dürfte der gemeinsame Auftritt mit seiner Tochter sein, beim Song Und jetzt Licht, bitte! wird Papa kräftig beim Gesang unterstützt. Hmm, und ja, bisher hab ich Soloauftritte live nur bei Olli Schulz genossen, bei Matze Rossi könnte ich mir das aber – nachdem ich mich jetzt intensiv mit diesem Album beschäftigt habe – auch ganz gut vorstellen.


Muncie Girls – „Fixed Ideals“ (Specialist Subject Records u.a.) [Stream]
Das Sonne, Mond und Sterne-Cover des zweiten Longplayers der Band aus Exeter/UK ist jetzt zwar nicht so originell, dennoch macht es im 12inch-Format was her. Es gibt übrigens drei verschiedene Pressungen (blaues und gelbes Vinyl), mein Besprechungsexemplar ist durchsichtig und mit blauen und gelben Sprenkeln übersät. Sieht echt mal geil aus, die A-Seite ist durch eine Sonne auf dem Label verziert, von der B-Seite lacht dann logischerweise der Mond. Und natürlich sind auf der Innenhülle alle Texte abgedruckt. Am Release sind neben Specialist Subject Records auch noch die Labels Buzz Records und Lost Boy Records beteiligt. Insgesamt sind 13 Songs auf Fixed Ideals zu hören. Im Vergleich zum Debutalbum kommen die Songs um einiges glattpolierter um die Ecke, in manchen Songs schleicht sich sogar ein Glockenspiel ein, vermutlich in Anlehnung an das Sonne/Mond-Thema und an die vielen schlaflosen Nächte, die Sängerin Lande Hekt wach gelegen haben muss und ihr die Gedanken durch den Kopf gegangen sind, die sie zu den Texten inspiriert haben. Und diese sind wieder sehr persönlich ausgefallen und handeln von ernsten Themen wie z.B. Schlaflosigkeit, Angststörungen, Depressionen und natürlich vom unendlichen Kampf gegen den alltäglichen Wahnsinn. Negative Gefühle gedeihen im Dunkeln besonders, deshalb ist Ablenkung mit sonniger Musik ein gutes Mittel, der scheinbar auswegslosen Situation zu entfliehen. Songs wie z.B. High oder Picture Of Health bringen diese Sonne zum leuchten, dennoch liegt dieses Wechselspiel von Nervenzusammenbruch und Lebensfreude nah beieinander. Sehr gefühlvoll kommen dabei natürlich wieder die Vocals um die Ecke, aber auch instrumental sind einige melancholische Töne zu hören, gerade die ruhigeren Passagen berühren enorm. Und letztlich fügt sich alles zu einem tollen Album zusammen, das die richtige Balance zwischen einer guten Produktion, stimmigem Songwriting und intensivem Gefühlschaos hält. Hier kommen Emo-, Pop-Punk- und Indie-Fans gleichermaßen auf ihre Kosten!


Pagan – „Black Wash“ (EVP Recordings) [Stream]
Auf diese Band bin ich letztens beim Bandcamp-Surfen gestoßen. Und irgendwie hab ich mir beim Antesten nur so gedacht: wahrscheinlich wieder so ’ne weitere Band, die auf der aktuellen Blackmetalwelle mitsurfen will. Pfff, ein umgedrehtes Kreuz mit Kerzenflamme, eigentlich geht das doch heutzutage gar nicht mehr! Kann man nur hoffen, dass die Sängerin auf der Bühne keine Fledermausköpfe abbeißt. Zutrauen könnte man es ihr, so fies wie die Frau da rumbrüllt! Jedenfalls machen Pagan aus Melbourne/Australien ziemlich arschtretenden melodischen Post-Hardcore mit groovigen Gitarren, Einflüsse aus Blackmetal, Punk, Rock, Metal, Screamo und Hardcore sind ebenfalls vorhanden. Die Gitarren jagen ein Hammerriff nach dem anderen aus dem Ärmel, dazu dieser intensive aber dennoch melodische Schreigesang. Geht gut nach vorne, geht gut ins Ohr, jeder Song ist top arrangiert, so dass die elf Songs wie im Flug und ohne den geringsten Hänger abgehört sind und man danach nach einer weiteren Runde lechzt! Wahnsinn, dabei sehen die Bandmitglieder noch ganz schön jung aus, für ein Debutalbum in der Klasse hat die Band jedenfalls schonmal stark abgeliefert. Ob an der Entstehung des Albums etwa doch dunkle Mächte beteiligt waren? Womöglich, ich bin jedenfalls schon jetzt dem Pagan-Kult verfallen!


Slumb Party – „Selftitled“ (Erste Theke Tonträger) [Stream]
Auf diese Band bin ich eigentlich nur gestoßen, weil ausnahmsweise der Facebook-Flurfunk funktioniert hat und ich einem kleinen Hinweis der längst verblichenen Band Plaids nachgegangen bin. Nach der Auflösung von Plaids sind nämlich einige neue Bands entstanden, darunter Soul Structure und eben Slumb Party. Die Band aus Nottingham/UK setzt sich aus einer Frau und vier Typen zusammen und macht ’nen super catchy Mischmasch, der so in Richtung Post-Punk geht. Dabei ist sogar ein Saxophon mit an Bord, das sich hervorragend im Sound der Briten macht und dem ganzen einen eigenen Stempel aufdrückt. Verdammt, dieses Saxophon klingt so scharf wie eine frisch geschliffene Rasierklinge. Die fünf Songs erinnern dann desöfteren an Bands wie Fugazi (der Bass, die Gitarre, die Drums und der Gesang), The Robocop Kraus oder aber auch Gang Of Four. Eins ist sicher, auf dieser Party wird bestimmt nicht geschlummert. Diese wilde Mischung würd ich ganz gern mal live sehen, das ist bestimmt sehr tanzbar und abgefahren!


 

Phantom Records-Feature: Jonny Kurt vs. Hank the Tank, La Vase, Schiach

Jonny Kurt vs. Hank the Tank – „Awo Maria“ (Phantom Records)

Das Artwork dieser 12inch ist schonmal ziemlich abgefahren, gerade auch das Backcover, auf dem die Songtitel schön illustriert sind. Übrigens liegt der 12inch auch noch eine schicke Bravo-Autogrammkarte bei. Man hat jedenfalls viel zu stöbern, während man entspannt der A-Seite lauschen kann. Hier bekommt man nämlich obercoole Surf-Mucke á la Pulp Fiction zu hören. So ein Beat-Sound läuft meist im Umfeld dieser Youngtimer-US-Cartreffen. Kettenfett und Benzingeruch, röhrende Motoren und Rockabillyfeeling. Da ich mich in diesem Genre nicht allzusehr auskenne, kann ich jetzt nicht beurteilen, ob das hier dargebotene technisch allerfeinste Sahne ist. Was man jedoch zweifelsfrei erkennen kann, ist der Ohrwurmcharakter und der Charme, der von der Musik ausgeht. Die Twang-Gitarren haben ’nen schönen Hall drauf, ab und an klingt es verdammt lo-fi, alles andere würde absolut nicht passen. Gerade auf Vinyl hat das einen gewissen Nostalgiecharakter.

Gesang ist auf der A-Seite nicht zu hören, dafür wird desöfteren eine Maultrommel eingesetzt. Die B-Seite beginnt dann mit einem Stück, bei dem erstmals Vocals zu hören sind. Danach folgt mit Granny eine Art Western-Song, während das darauffolgende Stück Bereit mit einem obernervigen aber total eingängigen Schema aufwartet. Hat man diese drei Songs hinter sich, dann staunt man nicht schlecht. Ab dem Song Bitte folgt nämlich eine Art Cut, denn ab hier wird ungeniert dem schrammeligen Deutschpunk ein Denkmal gesetzt. Erinnert vom rumpeligen Sound und vom gröligen Gesang her sehr stark an unterproduzierten DDR-Punk á la Schleimkeim. Bei manchen Songs muss man unweigerlich aufgrund der Texte etwas schmunzeln (Essen oder Mutter sind zwei Beispiele). Und wie das bei Lo-Fi-Rumpel-Punk so ist, gehen die Songs nach wenigen Durchläufen direkt ins Ohr, hier ist das musikalische Können eher zweitrangig. Beide Seiten der 12inch machen jedenfalls gute Laune!

Bandcamp / Phantom Records


La Vase – „Selftitled“ (Phantom Records)

Anhand des Coverartworks der 12inch kann man schwer einschätzen, mit welcher Musik man beim Aufsetzen der Nadel überrascht wird. Die Band wurde von drei zugereisten Typen ca. im Jahr 2014 in Leipzig gegründet, der Sänger ist gebürtiger Franzose. Die Bandmitglieder haben zuvor alle schon in verschiedenen Bands gezockt (The Riot Brigade, The High Society, Honeymoon, Visions Of War und Desastro). Der Bandname La Vase hat im französischen übrigens zwei unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen gibt es die wohlbekannte Vase, zum anderen ist damit dieser dickflüssige und eklige Schlick bzw. Schlamm gemeint, der sich in allen Gewässern bilden kann. Kennt man diese Hintergründe, dann lässt sich schon eher vermuten, welche Musik auf dem Tonträger wohl zu finden ist.

Kaum setzt die Nadel auf, kommt man nicht umhin, fröhlich mit dem Bein zu wippen. La Vase sind nämlich schön flott unterwegs und machen tollen oldschooligen Punkrock, der einem kaum Zeit zum Verschnaufen lässt. Da wünscht man sich mit einem Bier bewaffnet in den nächsten Pogo-Mob! Das zwirbelt live sicher ganz ordentlich! Zum flotten Oldschool-Punk gesellen sich noch Einflüsse aus Post-Punk und Hardcore. Garage-Punk kann man dabei genauso heraushören wie die catchy 77er-Punk-Kante. Das besondere an La Vase sind neben den hitverdächtigen und nach vorne treibenden Songs die französischen Lyrics, die vom Sänger etwas überschnappend herausgekläfft werden. Schade, dass kein Textblatt mit Übersetzung beiliegt, mein ausgebleichtes Schul-Französisch reicht jedenfalls kaum für die Erfassung der Lyrics aus. Den Songtiteln nach zu urteilen, werden aber die üblichen Punk-Themen verwurstet. Jedenfalls ist diese Platte verdammt kurzweilig, bei Songlängen zwischen zwei und drei Minuten kommen die acht Songs auf knappe 23 Minuten. Diese Band müsst ihr unbedingt anchecken, habe in dem Bereich schon lange nicht mehr eine solch erquickende Frische erlebt!

Bandcamp / Phantom Records


Schiach – „Selftitled“ (Phantom Records)

Bei meiner Internet-Recherche zu Schiach habe ich nur vage Informationen erhalten. Die Band soll aus Schkeuditz stammen, das ist eine Stadt in Sachsen in der Nähe von Leipzig. Es wird gemunkelt, dass bei Schiach Leute von Pisse, Warriors of Darkness, Heavy Metal, Sick Horse und Muscle Barbie mitwirken. Der Begriff Schiach kommt aus dem österreichischen bzw. bayerischen Sprachgebrauch und bedeutet so etwas wie „Hässlich“. Für eine Punkband also gar keine ganz so verkehrte Namenswahl. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum die Band ihre Texte in bayerischer Mundart vorträgt. Angesichts der Texte vermute ich mal, dass zumindest der Sänger im spießigen Bayern als Punkerzecke nicht mehr überlebensfähig war und einfach nach Sachsen ausgewandert ist. Dort hat er sich musikalische Mitstreiter gesucht, um sein Trauma in einer Punkband zu verarbeiten. Aufgrund von dialektbedingten Kommunikationsschwierigkeiten und in Punkerkreisen üblichem übermäßigen Alk-Konsum fiel es womöglich bei den Bandproben gar nicht auf, dass der Lausbub am Mikro mit bayerischem Dialekt irgendwelche mit dem Rohrstock eingebläute Textphrasen vor sich hinsabberte. Im Studio gab’s womöglich erstmals verdutzte Gesichter, aber da war es schon zu spät. Naja, gibt’s halt ’n neues Genre: Weißwurscht-Punk!

Jedenfalls ist die Aufmachung der 12inch schonmal sehr gelungen! Das schwarz-weiße Artwork dürfte im Zusammenhang mit der schwierigen Kindheit und Jugend des Sängers stehen, der Teufel steht dabei womöglich stellvertretend für die traditionsbewusste Autorität der scheinheiligen Lederhosenseppel, denen auch gern mal die Hand ausrutscht. Man beachte auch das Phantom Records-Logo auf dem Backcover. Köstlich! Das Textheftchen ist in Form eines Kirchengesangsbuchs gestaltet, was mir wirklich nach oben zuckende Mundwinkel bescherte. Wenn man die Texte so betrachtet, dann ist einem zuerst ebenfalls nach Schmunzeln zumute, dennoch bleibt einem irgendwie das Lachen im Halse stecken. Die bayerische Provinz dürfte zwar Spitzenreiter an Spießig- und Scheinheiligkeit sein, dennoch werden sich Dorfpunks der 80er bis 90er aus ganz Deutschland in den Texten wiederfinden. Die Texte werden wütend rausgeprollt, dazu gibt es schneidend kalten und düsteren Punk an der Schwelle zum Post-Punk. Handwerklich steckt hier schon was dahinter. Die Gitarren schrammeln, das Schlagzeug poltert, der Bass knödelt, der Sänger rotzt sich aus. Songs wie z.B. Nix oabatn oder Nix Hob I G’macht hämmern sich buchstäblich in die Gehörgänge, vielleicht ja sogar, weil man in der Jugend auch schonmal irgendwo solche Textphrasen gehört hat. Und wenn dann auch ab und an mal melodische Gitarren wie z.B. bei Wia se’s g’heart oder Ja Mei auftauchen, fühlt man sich schon etwas besser. Mal sehen, ob es diese Platte in die Ghettoblaster der heimischen Punks schafft, muss denen mal wieder bei nächster Gelegenheit ein Mixtape schenken.

Bandcamp / Phantom Records


 

Hell & Back – „B-Sides“ (Flying Penguin Records)

Dieses Jahr im April veranstalteten Hell & Back in ihrer Heimatstadt Stuttgart anlässlich ihres siebten Bandgeburtstags das Hellfest, dem ich leider nicht beiwohnen konnte. Netflix war nicht schuld, hab das nicht. Der Weg ist mir mittlerweile einfach zu weit. Lieber kommt der Berg zum Propheten, sag ich mir da. Naja, trotzdem war ich ein wenig geplättet, dass ich keine der extra für dieses Event auf dem bandeigenen Label releasten 7inches abgreifen konnte. Umso erfreulicher ist es natürlich für mich, dass die limitierte 100er Auflage noch nicht restlos vergriffen ist und mir zwecks Besprechung sogar ein Exemplar per Post zugespielt wurde. Slowlife funktioniert also irgendwie doch, welch Freude!

Und das Ding liegt richtig schwer in der Hand. Die 7inch ist mit einem dicken Falt-Karton in der stabilen PVC-Hülle jedenfalls gut verpackt, im Inneren finden sich dann die Texte und ein paar Infos zum Release. Diesmal stammt das Artwork nicht von Mara Piccione, Luka Grey Days hat die Illustration entworfen. Ob der beigelegte Schwarzmahler-Patch regulär zum Release gehört oder einfach nur augenzwinkernd zur Bestechung beigefügt wurde? Egal, das Ding sieht geil aus und wird natürlich irgendwo aufgenäht! Die Songs stammen übrigens aus verschiedenen Aufnahmesessions aus den Jahren 2016 und 2017, wurden aber allesamt von Jack Shirley/Atomic Garden gemastert.

Und während man beim Opener direkt Lifetime, Weston, Black Train Jack, Dag Nasty und Bad Religion im Ohr hat, findet man sich im kommenden Song unmittelbar in der eigenen missratenen Jugend wieder: Liebeslied! Eine Coverversion! Wahnsinn, die Toten Hosen! War schon ’ne geile Zeit damals! Der Song ist aus der Zeit, als die Toten Hosen hier bei mir um die Ecke in ’ner alten Bruchbude für uns Landjugend-Punks gespielt haben und der Eintritt gerade mal fünf Mark kostete. Bauernpogo in üblen Klamotten, echt gruselig! Wir sahen damals echt fieser als die Toten Hosen selbst aus, was ja auch keine unüberwindbare Leistung war. Naja, auch wenn man die Hosen über all die Jahre aus den Augen verloren hat und sich ab und zu fremdschämen musste – die Klamotten waren nur selten dafür verantwortlich-, so waren doch eigentlich alle Platten bis zur Horroshow echt Bombe. Opelgang, Damenwahl, Unter Falscher Flagge! Yeah! Der Song Liebeslied ist jedenfalls vom Text her immer noch zeitlos gut und zudem ist er gespickt von unheimlich vielen Erinnerungen (siehe oben). Obendrein merkt man, wieviel Spaß er der Band bereitet, inklusive dem kleinen Patzer an der Gitarre. Die Spielfreude und die Leidenschaft der Jungs spiegelt sich auch auf den eigenen Songs der B-Seite wieder. Gut, dass sich die Stuttgarter dazu entschlossen haben, diese Songs nicht auf irgendwelchen Bändern verstauben zu lassen. Ich könnte mich mal wieder total reinlegen und trete mir selbst kräftig in den Arsch, weil ich das Hellfest mal wieder völlig Slowlife-mäßig versäumt habe.

8/10

Facebook / Bandcamp


 

Bandsalat: Citizen, Cold Reading, Jamie 4 President, Jamie Lenman, JaaRi, Sedlmeir, Stick To Your Guns, Stinky

Citizen – „As You Please“ (Run For Cover) [Stream]
Es gab ja einige Stimmen, die das zweite Album Everybody Is Going To Heaven im Vergleich zum Debut Youth etwas zu sperrig und düster empfanden, denen dürfte das mittlerweile dritte Album der Band aus Ohio runtergehen wie Öl. Ich gehörte ja zu der Sorte, die das letzte Album kräftig abgefeiert haben, dennoch war ich bereits beim ersten Durchlauf von As You Please direkt angefixt vom eingängigen Sound der Jungs, der wieder mehr in Richtung Emo und Post-Hardcore geht. Und auch etliche Runden später ist klar: das Album hat das Zeug zu einem Meilenstein. Die neogrungigen Gitarren von Everybody Is Going To Heaven sind völlig verschwunden, anstatt dessen dringen die schwermütigsten Melodiebögen hervor, die zusammen mit dem melancholischen und ausdruckstarken Gesang von Sänger Mat Kerekes zentimeterdicke Gänsehautautobahnen garantieren. Da ist dieses verletzliche und zerbrechliche in seiner Stimme, die sich aber nicht unterkriegen lässt und auch mal kraftvoll ausbrechen kann. Ich sehe hier ab und zu Parallelen zu Bands wie Knapsack oder Sensefield. Die Band hat ein unglaubliches Gespür für den optimalen Songverlauf, so dass trotz der hymnischen Eingängigkeit immer noch genügend Abwechslung und Intensität vorhanden ist und es etliches zu entdecken gibt. Die zwölf Songs vergehen wie im Flug und ehe man es sich versieht, sind auch schon wieder 50 Minuten vergangen, bevor man sich gleich noch ’ne Runde gönnt. Dieses Kurzweil erklärt sich auch durch die Vielseitigkeit und Experimentierfreude der Band. Da werden z.B. Orgeln zur Begleitung eingesetzt, ein Piano und ungewöhnliche Percussion-Effekte lassen sich ebenfalls entdecken, dort geistert eine Tremolo-Gitarre in die Höhe und selbst vor gesampleten Chorgesängen wird kein Halt gemacht. Mir liegt momentan nur die Digipack-CD vor, die zugegeben etwas sparsam gestaltet ist, v.a. vermisse ich hier ein Textheftchen. Ich spiele jedenfalls mit dem Gedanken, das Ding auf Vinyl zu holen, obwohl meine selbst gezeichneten Sterne auch nach mehrjährigem Üben immer noch so aussehen wie auf dem Cover. Dieses Album ist so unendlich schön!


Cold Reading – „Sojourner“ (KROD Records) [Stream]
Schon die Debutscheibe der Schweizer konnte bei mir ein paar Punkte sammeln, jetzt legen die vier Luzerner mit Sojourner eine vier Songs starke EP nach, die Appetit auf ein weiteres Full Length macht. Herrlich altmodisch tuckern die Songs um die Ecke, soll heißen, dass man hier viel Emo/Indie aus der Ära Ende der Neunziger und rund um die Jahrtausendwende auf die Ohren bekommt. Die Gitarren kommen zuckersüß und melancholisch, der Gesang wirkt zerbrechlich, die Drums und der Bass basteln ein starkes Grundgerüst und manchmal darf es sogar ein wenig verknittert klingen. Da kommen natürlich unweigerlich US-Emocore-Bands wie Promise Ring, The Get Up Kids, American Football und Sunny Day Real Estate in den Sinn, auch Fans von deutschen Bands wie Pride And Ego Down, Pale oder Reno Kid dürften am Sound der vier Jungs Gefallen finden. Die EP beginnt flott, wird im Verlauf immer ruhiger und zum Ende hin sogar richtig emotional leise. Gerade das sechsminütige Scratches zaubert mit seinen gefühlvollen Gitarren eine Wohlfühl-Märchenwald-Landschaft voller vertraut klingender Geräusche auf eure Ohren. Das Ding ist übrigens als CD und digitaler Download zu haben, die Vinyl-Version dürfte wohl diese Formate um Längen toppen, so ein Sound kommt auf Vinyl sicher noch um Längen authentischer rüber. Dicke Empfehlung!


Jamie 4 President – „The Heartbreak Campaign“ (BCore) [Stream]
Warum ist der Sommer schon wieder vorbei? Das fragt man sich, sobald man die ersten Töne von Jamie 4 President aus Madrid wahr nimmt und gleichzeitig mit diesem Strand-Coverartwork konfrontiert wird. Diese alltäglichen Strandsituationen mit wohlhabenden und dekadenten Touristen aus zig Ländern nerven die Einheimischen angesichts der angespannten Wirtschaftslage und der sich daraus bringenden Perspektivlosigkeit der jungen Bevölkerung sicherlich gewaltig. Vor der eigenen Haustür in den heimischen Breitengraden kennen sich diese Touristen leider nicht mehr aus. Da wissen einige nicht, dass man mit der Buslinie 3 schneller als mit dem Auto am Ziel wäre, mit dem Fahrrad käme man sogar noch eher an. Ein Glück, dass diese Leute zielorientiert den Schalter finden, an dem man neben billigen Inlandflügen auch günstige und umweltunbedenkliche Flugtickets ins Ausland erwerben kann. Okay, ich schweife ab, aber gibt es außer mir da draußen noch Leute, die Flugreisen aus umweltpolitischen Gründen konsequent ablehnen? Naja, ich hoffe doch! Beim Betrachten des Covers sind mir diese unbequemen Gedanken übrigens als erstes in den Sinn gekommen, daher müsst ihr sie hier auch lesen. Aber nun zur Musik: Die Band posiert auf ihrem Facebook-Profil gern mit Sonnenschirm, dementsprechend sonnig klingen die zehn Songs. Ihr bekommt echt schmissigen Emo mit melodischen Punktunes auf die Ohren, große Vorbilder dürften wohl die Get Up Kids, Nada Surf und die Beatles sein, die melancholischen Einflüsse kann man bei Bands wie The Cure, The Smiths und Death Cab For Cutie finden. Trotzdem dürften die zuerst erwähnten wohl der Haupteinfluss sein. Die Gitarren klingen einerseits so unbeschwert, andererseits kommt aber auch massig Melancholie durch, beim Gesang ist ähnliches zu beobachten. Das Ding ist übrigens in Zusammenarbeit der Labels Bcore Disc, La Agonia de Vivir, Discos Finu und Pifia Recs erschienen. Geile Sache!


Jamie Lenman – „Devolver“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Nachdem die UK-Band Reuben Geschichte war und deren Frontmann Jamie Lenman im Jahr 2013 das Doppelalbum Muscle Memory veröffentlichte, das noch stark von Country und Thrash-Metal dominiert wurde, ist auf den elf Songs des Zweitlings Devolver nicht mehr allzuviel von diesen Einflüssen zu hören. Eher klingt das Ganze nach einer Mischung aus Post-Hardcore (Personal), Industrial, Alternative-Rock (Hardbeat, Mississippi) und College-Emorock (I Don’t Know Anything). Die Songs kommen direkt zum Punkt, neben elektronischen Spielereien knallen hier v.a. die gewaltigen Riffs, aber auch in den ruhigeren Momenten, wenn es ganz schön eingängig und tanzbar wird – wie z.B. bei Body Popping -überzeugt der Sound auf ganzer Linie. Die Songs sind durchdacht arrangiert und irgendwie geht das alles ziemlich schnell ins Ohr. Wenn ihr euch eine Kollaboration aus den Nine Inch Nails, The Used, den Beatsteaks, Queens Of The Stone Age, Incubus und den Red Hot Chili Peppers vorstellen könnt, dann horcht doch hier mal rein.


JaaRi – „A New Years Story“ (Dreiklang) [Video]
Nach einer Demo-EP und einer Studio-EP gibt es nun die mittlerweile dritte EP dieser Band aus Berlin, die ihre bisherigen Releases in DIY-Eigenregie veröffentlichte. Mit A New Years Story sind die zwei Jungs und das Mädel am Bass nun beim Berliner Indie-Label Dreiklang gelandet, die darauf befindlichen vier Songs, die insgesamt 15 Minuten dauern, erzählen laut dem nett geschriebenen Infotext eine 24-stündige Geschichte an einem Silvesterabend/Neujahrsmorgen. Also wieder mal eine Art Konzept-EP. Die vier Stationen kennt man eigentlich auch von normalen Wochenenden, aber an Silvester ist dieser Ablauf natürlich weitaus beklemmender als im Alltag. Diese Situation hat sicher jeder von euch schon zig-fach erlebt: die Fahrt zur Party (9:23 PM), die Eskalation auf der Sause (1:37 AM), die nebulöse Rückfahrt (6:29 PM) und die unweigerliche post-alkoholische Depression (9:16 PM), eventuell sogar von unendlichem Liebeskummer oder unheimlicher Scham begleitet. Naja, irgendwie fehlt mir zur Vervollständigung des Abends noch der Filmriss und die krampfhaft herbeigesehnte Erinnerung an die vielen fehlenden Stunden. Bevor ich schlecht draufkomme, holt mich das Trio musikalisch wieder runter von meiner im Anlauf lauernden Depression. Schön sperrig geht die Reise los, vom Sound her hätte diese Band auch auf’s legendäre Swing Deluxe-Label gepasst, gerade der erste Song ist das fehlende Glied auf dem Achtung Autobahn-Sampler: Zwischen Bands wie The Cherryville, Maggat, Hidalgo, Soave und Milemarker hätten JaaRi mit ihrem Washington DC-angehauchten Post-Emo-Punk hervorragend gepunktet. Vom Text des Openers inspiriert googlete ich gleich die Fahrtzeit von Lichtenberg nach Neukölln. Hmm. Während man mit dem Auto am schnellsten ist, braucht man zu Fuß am längsten, die U-Bahn braucht noch ein paar Minuten mehr als ein Trip mit dem Fahrrad. Na dann, Kopfhörer draufsetzen und sich beim Fußmarsch auf die nächste Neukölln-Party auf acht Durchläufe der EP freuen.


Sedlmeir – „Fluchtpunkt Risiko“ (Rookie Records) [Stream]
Auch auf dem mittlerweile sechsten Longplayer des saarländischen Schlagerpunk-Solokünstlers Sedlmeir gibt es jede Menge Satire, schwarzen Humor und Sarkasmus, die Texte sind jedenfalls wieder toll geworden. Musikalisch verpackt ist das Ganze in einem Mischmasch aus Punk, Lo-Fi-Trash, Indie, Rock und Noise, dabei fehlt es keinesfalls an Pop. Das Gespür von eingängigen Melodien ist neben der Texterei jedenfalls eines der Haupttalente des Alleinunterhalters. Songs wie Ein guter Tag zum Stehen oder Oberklasse Unterschicht brennen sich bereits beim ersten Durchlauf in die Gehörgänge ein. Liegt irgendwo zwischen Bela B, Tocotronic und The White Stripes. Könnte mir vorstellen, dass eine Live-Show von Sedlmeir sicher ganz unterhaltsam ist. Seit Mitte Oktober bis Ende Dezember tingelt der Saarländer jedenfalls durch die Cafés und Bars der Republik.


Stick To Your Guns – „True View“ (End Hits Records) [Stream]
Hach, ich wage selbst aus dem CD-Blickwinkel zu behaupten, dass das Albumartwork ja wohl richtig hübsch ist. Das würd ich gern in 12inch-Größe begutachten! Auch im Textheftchen gefallen mir die im Eric Drooker-Stil angefertigten Zeichnungen. Stick To Your Guns sind nun auch schon 14 Jahre unterwegs, bisher hab ich mich jedoch mit der Band aus Orange County noch nicht so richtig befasst, obwohl ich die Jungs live ziemlich energievoll und intensiv in Erinnerung habe. Das ist jetzt vielleicht nicht so glücklich ausgedrückt, denn ich meinte damit, dass ich noch nie etwas über das Schaffen der Band niedergeschrieben habe, die bisherigen Veröffentlichungen sind mir aber durchaus bekannt. Daher kann ich auch ganz ohne Skrupel behaupten, dass True View bisher das ausgereifteste Release der Kalifornier ist. Zwischen Melodic Hardcore, Modern Hardcore und Metalcore passen auch immer wieder hochmelodische Gitarrenriffs, die ihren Ursprung in OC-Bands wie Uniform Choice oder Ignite haben. Dennoch klingt das hier alles viel moderner und fetter, da hat man dann eher Bands wie Boy Sets Fire, Comeback Kid oder frühe Death By Stereo im Ohr. Geil und voller Energie! The Better Days Before Me ist jedenfalls eines meiner Lieblingsstücke in der Schaffensphase von Stick To Your Guns. Und bevor ihr nur noch wie blöde vor eurer heimischen Hi-Fi-Anlage in circles moved, solltet ihr noch wissen, dass es in den Lyrics diesmal weniger um Politik und Gesellschaft geht. Vielmehr werden hier inklusive Selbsterkenntnis Fehler aufgearbeitet, die immense Einflüsse auf zwischenmenschliche Beziehungen nahmen. Hört euch das an und macht es im real life irgendwie besser!


Stinky – „From Dead-End Street“ (Riot Bike Records) [Stream]
Die Gitarren! So geil! Eigentlich kratzt man sich nach dem ersten Durchlauf am Kopf und denkt sich so…naja, eigentlich nichts weltbewegend Neues! Trotzdem bolzt es ganz schön nach vorn. Die Gitarren fetzen, die Drums hämmern sich ins Gehirn, die Kreischvocals von Sängerin Claire bringen den Rest. Nun, auf der zweiten Full Length merkt man im Vergleich zum Debut der Franzosen, dass alles etwas roher geworden ist, trotzdem kommen immer wieder diese melodischen Gitarren um die Ecke, die man auch von Bands wie z.B. Comeback Kid oder Nine Eleven her kennt. Man hört den Aufnahmen an, dass die Band mittlerweile gut auf sich eingespielt ist, bei mehr als 300 Gigs in fünfzehn verschiedenen Ländern innerhalb von zehn Jahren kann man schon von Umtriebigkeit sprechen, zumal die Band in ihrer Laufbahn mit einigen Besetzungswechseln zu kämpfen hatte. Als Anspieltipp empfehle ich den Song Otherside, der bietet eigentlich einen guten Überblick über die Bandbreite des Quintetts – da hat man diese moshenden Gitarren, die melodischen Parts kommen auch zum Zug und die Bandchöre dürfen ebenfalls nicht fehlen. Auf Konserve könnten die zwölf Songs auf Dauer jedoch ein wenig eintönig werden, aber live geht das hier sicher voll auf’s Fressbrett!


 

Videosammlung: Banana Roadkill, Circa Survive, Clowns, Hey Ruin, Huelse, Last Light, Sons Of Lee Majors, South Berkeley

Wie man als Duo ordentlich was losmachen kann, beweisen die Münsteraner/Hannoveraner Typen von Banana Roadkill mit diesem Video zum Song Conversation, das dem kommenden Album A Quiet Conversation entnommen ist.


Circa Survive haben auch ein sehr gutes neues Album namens The Amulet am Start. Zum Song Lustration gibt es ein sehr aufwendig gemachtes Video zu bestaunen!


In den letzten Monaten sind mir die australischen Clowns richtig ans Herz gewachsen. Leider konnte ich die Band bisher noch nie in echt sehen, aber etliche Live-Videos auf Youtube lassen mich einer Show der Band gespannt entgegenfiebern. Viel Spaß mit Destroy The Evidence aus dem Album Lucid Again.


Die Punkers von Hey Ruin waren in der Zwischenzeit auch mal wieder ein wenig umtriebig. Aus dem bald erscheinenden Album Poly bekommt ihr hier schonmal ein kleines Apettit-Häppchen in Form des Videos zum gleichnamigen Song. Tolle Location übrigens! Das erinnert mich an frühere Streifzüge und Abenteuer durch verlassene Häuser im Wald. Aber die Kids von heute kennen das ja nur noch aus Computerspielen…


Das Video zum Song Rede Von macht irgendwie neugierig auf mehr von der Band Huelse. Wer die Nerven oder Messer lieb hat, der dürfte auch mit Huelse glücklich werden. Falls ihr euch fragt, warum die Typen, die auf dem Land aufgewachsen sind, ordentlich einen an der Waffel haben: die Antwort findet ihr im Video!


Last Light ist mal wieder so ’ne Supergroup mit etlichen Szenegrößen, u.a. wirkt hier einer meiner Lieblings-Hardcore-Punk-Gitarristen mit:  Joe D. Foster. Der Typ hat einfach den Bogen raus, in diese Gitarren könnte ich mich immer wieder reinlegen! Ich brauche unbedingt die Split mit der Band Tausend Löwen unter Feinden!


Wenn wir schon beim Hey Ruin-Video an unsere abenteuerlichen Erlebnisse in unserer Kindheit erinnert werden, dann darf natürlich die Inspirationsquelle in Form einer kultigen TV-Serie nicht fehlen: Ein Colt für alle Fälle hat sicher dazu beigetragen, dass wir uns damals völlig furchtfrei in abbruchreife Ruinen reingetraut haben. Ups, das war jetzt eine etwas verkrampfte Überleitung zu diesem draufgängerischen Duo aus Ravensburg namens Sons Of Lee Majors, das mit Bass, Drums und jeder Menge Wut die buchstäbliche Hölle rockt.


South Berkeley klingen mit ihrem sonnigen Sound ziemlich amerikanisch, obwohl sie aus Frankreich kommen. Die Vorbilder dürften mit Blink 182 schnell gefunden sein, aber seht und hört selbst: hier das Video zum Song Tiny Rascals.


 

Bandsalat: Anorak, Cantilever, Heaps Keen, Hightower, Iris, Myelin, P.R.O.B.L.E.M.S., Silverstein

Anorak. – „Hollow & Memo“ (Uncle M) [Stream]
Schon die bisherigen Releases der Kölner konnten bei mir punkten und auch wenn dieses Mini-Release nur zwei Songs an Bord hat, steckt doch ordentlich viel Arbeit und Liebe hier drin. Offenbar soll Hollow & Memo so eine Art Lebenszeichen sein, denn die Band hatte den Weggang eines Gitarristen und die Einarbeitung eines neuen Gitarristen zu verkraften. Solche Veränderungen zehren am Nervenkostüm. Jedenfalls hat sich die Band mittlerweile so weit gefangen, dass es im Oktober auch wieder auf Tour gehen kann. Nun, musikalisch gesehen hat sich bei Anorak nicht allzu viel getan, man bekommt zwei wunderschöne Tracks auf die Ohren. Während Hollow ein wenig flotter vorantrabt und direkt zum Punkt kommt, klingt Memo vielseitiger und melancholischer. Überhaupt gefallen mir bei Anorak die verspielten Gitarren, die Gegensätze laut/leise und ruhig/treibend sind auch wieder hervorragend umgesetzt und die Songarrangements sind ausgeklügelt, ein Blick ins Textblatt lohnt sich ebenso. Das Mixing wurde übrigens von Vince Ratti (Brand New, Title Fight, Citizen, Turnover) und das Mastering von Kim Rosen (Pianos Become The Teeth, Title Fight, La Dispute) übernommen. Wenn ihr euch eine intensive Mischung aus Post-Hardcore, Emo, Screamo, Modern Hardcore und Post-Rock vorstellen könnt, dann solltet ihr das mal antesten.


Cantilever – „The Fall The Rise (Demo)“ (DIY) [Stream]
Da kommt ’ne Anfrage einer Band aus Malaysia reingeschneit, die mit den Referenzen At The Drive-In, Fall Of Troy und Sparta lockt und mich eher mit Zurückhaltung auf den angehängten Link klicken lässt. Viele Bands loben ihren eigenen Sound ja in den Himmel, so dass man nach dem ersten Höreindruck nur denkt, was zur Hölle diese Band für ’ne Selbstwahrnehmung hat und offensichtlich der gesamte Freundeskreis aus hintenrum lästernden Heuchlern besteht. Nun, im Fall von Cantilever, die bis jetzt lediglich zwei der fünf Songs des Demos auf ihrer Bandcamp-Seite zum Name Your Price Download anbieten, betätigte ich direkt während des Anhörens des Bandcamp-Streams begeistert und lechzend den in der e-Mail angehängten Download-Link. Denn Cantilever hören sich wirklich an, als wären sie der etwas verschrobene und ungewaschene kleine Bruder mit den ungekämmten Haaren von At The Drive-In. Gerade das verschwurbelte Fallen Empire mit seinen schrägen Gitarren und dem sich überschlagenden Gesang, der sehr viel Ähnlichkeit mit Cedric Bixlers Organ hat, lässt einen vermuten, dass man es hier mit den ersten unveröffentlichten Demo-Songs der Texaner zu tun hätte. Die Aufnahme ist zwar etwas dumpf, die Flanger-Effekte der Gitarren klingen an manchen Stellen etwas matschig und die Snare tritt zu sehr in den Vordergrund, dennoch fasziniert die Wucht und Intensität der Songs. Geil irgendwie, checkt das unbedingt mal an! [***kleiner Nachtrag: mittlerweile ist das vollständige Demo auch auf der Bandcamp-Seite verfügbar]


Heaps Keen – „Thanks, Grandma“ (DIY) [Name Your Price Download]
Auf dieses kleine Juwel hat mich Groschi vom 12XU-Blog aufmerksam gemacht, der mir einfach die Anfrage dieser kanadischen Band weitergeleitet hat, weil der Sound nicht so richtig in das Spektrum seines Blogs passen wollte. Dafür bin ich ihm natürlich sehr dankbar, außerdem ist das echt ’ne geile Idee. Ich selbst komm mir immer sehr blöd vor, wenn ich eigentlich gut gemachtes Zeug in den Papierkorb befördere, obwohl da sehr viel Herzblut drin steckt, es aber musikalisch nicht so recht meinen Geschmack trifft. Nun, Heaps Keen legen also mit Thanks, Grandma ihre zweite EP vor. Auf insgesamt sechs Songs schütten die fünf Jungs ihr ganzes Herzblut aus, die Spielfreude schwappt aus jedem einzelnen Ton. Die Gitarren twinklen was das Zeug hält, an manchen Stellen wird es durchaus aber auch ein wenig schräg. Der Gesang geht dann ebenfalls wie die Mucke in Richtung Algernon Cadwallader und Snowing. Sehr geile Band, hat das Zeug zum Geheimtipp!


Hightower – „Club Dragon“ (KROD Records) [Stream]
Neulich stellten wir euch schon die Pariser Punkrock-Band Hightower mit dem Video zum Song The Party vor, nun ist auch mittlerweile das zweite Album erhältlich. Wenn man sich das Albumcover so anschaut, dann erwartet man eigentlich musikalisch was völlig anderes. Nun, anstelle von Hardrock bzw. Heavy Metal á la Warlock oder Helloween springt von Beginn bis Ende ein solider und melodischer Punkrock-Motor an, der ordentlich einheizen kann. Die Pariser sind ziemlich flott unterwegs, da hört man die Alte-Schule-Hardcore-Wurzeln raus, Bands wie Fastbreak, Brand New Unit, Fine Before You Came, Good Riddance, Lifetime oder Heckle schwappen hier und da durch, trotzdem bleibt es schön melodisch, aktuelle Vergleiche wären Bands wie z.B. Hell & Back oder Goddamnit. Ihr bekommt jedenfalls zwölf ins Ohr gehende hymnenhafte Hardcore-Punk-Songs vor den Latz, die neben dieser Hardcore-Breitseite auch mit einer ordentlichen Emo-Kante aufwarten kann. Frischer und v.a. abwechslungsreicher Wind aus Frankreich! Testet mal das tolle Titty Twister aus oder packt euch ganz einfach das ganze Album in den Bandcamp-Player.


Iris – „Selftitled“ (Backpack Records) [Stream]
Die kanadischen Iris sind wohl auch schon einige Zeit unterwegs, mir persönlich wurde die Band erst mit einer Anfrage des Berliner Labels Backpack Records bekannt. Das Lieblingsformat der Band aus Toronto scheint die EP zu sein, denn diese selbstbetitelte EP ist mittlerweile EP Nummer fünf. Jedenfalls machen die drei Jungs und das Mädel zuckersüßen Shoegaze/Dream Pop. Vier verträumte Songs wabern dir das Hirn weich, was v.a. an den zuckerwatte-weichen Gitarren und am Wechselgesang von Bassistin und Sängerin Meg Boni und Gitarrist und Sänger Scott Downes liegt. Trotzdem können die Gitarren auch blechern und scharf klingen. Da hat man dann unweigerlich Bands wie If They Ask, Tell Them We’re Dead, gediegenere Mumrunner oder Paper Wounds im Ohr. Und bevor man in Träumereien abschweift, bekommt man völlig unvorbereitet ein sattes Schlagzeug wie nach dem Intro zum sechsminütigen Peal vor den Latz geknallt. Bei meiner Internetrecherche hab ich übrigens rausgefunden, dass sich die Band im Jahr 2015 aufgelöst hat und dieses Release sozusagen ein Comeback ist, obwohl vom Original-Line-Up nur noch Scott Downes geblieben ist. Mir gefällt’s jedenfalls richtig gut!


Myelin – „Reservoirs“ (Uncle M) [Stream]
Bei Myelin handelt es sich um eine im Jahr 2015 gegründete Band aus London, bei der Mitglieder von Apologies, I have None, Great Cynics, JB Conspiracy, British Teeth und It’s not Ok mitwirken. Reservoirs hat fünf Songs im Gepäck, die zwischen melancholischem Emocore und Post-Hardcore angesiedelt sind und v.a. durch die ausgewogenen Songarrangements für reichlich Abwechslung sorgen. Bei den lauteren Passagen wird gerne mit delayartigen Gitarren gearbeitet, die gespenstisch durch den Raum flirren und sich zu gewaltigen Soundtürmen aufbäumen. Dazu passt der einfühlsame, fast resigniert wirkende Heul-Gesang von Dan Bond wie die Faust aufs Auge. Mir gefällt jedenfalls, was meine Lauscherchen da hören! Meine Favoriten sind übrigens der zweite Song 15 und das verträumte Horror, die ich euch auch gleichzeitig als Anspieltipp empfehle, da hier die ganze Bandbreite der Jungs deutlich wird. Diese Band solltet ihr euch nicht durch die Lappen gehen lassen, ich bin jedenfalls gespannt, was da noch folgen wird!


P.R.O.B.L.E.M.S. – „Doomtown Shakes“ (Rockstar Records) [Stream]
Die P.R.O.B.L.E.M.S. sind ja längst keine Unbekannten mehr in der Szene, wer sie noch nicht kennen sollte, dem sei gesagt, dass hier Leute mitwirken, die sich schon über Jahre in der Szene tummeln und in namhaften Bands wie Defiance, Pierced Arrows, Detestation, Severed Head Of State, Soda Pop Kids, Don’t, Hellshock und Breaker Breaker gespielt haben. Dementsprechend professionell geht es mit neuem Sänger schön nach vorne, rockigen und schnellen Hardcorepunk kann man wirklich kaum besser machen. Rudernde Gitarren matschen einen leckeren Soundbrei, dazu gibt es immer wieder eine zweite Gitarre, die diese rockigen Gitarrensoli einstreut. Zudem ist das ganze durch das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug ganz schön groovy. Stellt euch einfach eine rotzige Mischung aus alten Turbonegro, Kid Dynamite, Clowns und Guns’N’Roses vor, dann habt ihrs ungefähr.


Silverstein – „Dead Reflection“ (Rise Records) [Video]
Als ich die kanadische Band das letzte Mal live erleben durfte, hat mich der Sound plus Live-Performance die gesamte Show über richtig gut geflasht, obwohl ich mit den mittlerweile sieben Studio-Alben allein zu Hause im stillen Kämmerlein nie richtig warm wurde. Voll die Überraschung! Auch beim neuen, inzwischen achten Album geht es mir ähnlich. Das klingt auf den ersten Blick nämlich alles ganz schön durchproduziert und ausgeklügelt, so dass man sich nach dem ersten Durchlauf die Energie einer Liveshow der Jungs vor die Netzhaut wünscht. Aber bereits nach der zweiten Runde entdeckt man doch ein paar Sachen, die ganz schön catchy sind. Am Besten gefällt mir die Band ja schon in den härteren Momenten, z.B. wenn neben Clean Vocals und Bandchören geshoutete Passagen wie bei Retrograde, Ghost oder Mirror Box vorkommen. Aber selbst poppigere Songs wie Aquamarine oder The Afterglow wissen zu überzeugen, auch wenn man dabei immer Avril Lavigne oder Hayley Williams vor Augen hat. Interessiert sich jemand für die Texte? Die sind nämlich sehr persönlich und handeln vom Seelenleben des Sängers, der sich nach dem Ende der 2015er-Album-Tour an einem Tiefpunkt befand. Kann man nur hoffen, dass die musikalische Aufarbeitung zum Seelenwohl beigetragen hat.