CRTVTR – „Streamo“ (Dingleberry Records u.a.)

Aufgepasst, das hier ist ein richtiger Leckerbissen! Streamo ist schon das zweite Album der Band CRTVTR aus Genua, Italien. Die Band selbst existiert schon seit dem Jahr 2009, bisher ohne mein Wissen. Und was noch erstaunlicher ist: Streamo ist bereits im Jahr 2016 erschienen und ist jetzt endlich erstmas als 12inch erhältlich. Ermöglicht hat das die Zusammenarbeit der DIY-Labels Dingleberry Records, To Lose La Track, Taxi Driver, Scatti Vorticosi DIY., Cave Canem D.I.Y., Entes Anomicos, Sangue Dischi und einer Menge anderer DIY-Organisationen, die alle auf einem Einlegeblatt abgedruckt sind. Und rein optisch ist die 12inch ein richtiger Hingucker geworden. Die Scheibe kommt im dick ummantelten Gatefoldcover, liegt richtig schwer und geschmeidig in den Händen. Deluxe Edition 180 gr Vinyl ist treffend auf dem Backcover zu lesen. Die schlichte kokosnussbraune Hülle ist mit einem goldenen Siebdruck verschönert, auf der Innenseite sind die Texte nachzulesen und befreit man das goldene Vinyl aus der Hülle, dann kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Bei so viel äußerer Schönheit und bei so einer Menge am Release beteiligten Händen ist man natürlich auf die Musik des Quartetts richtig scharf. Und ja, die Optik bleibt nicht das einzige, das Verzückung hervorruft. Diese Musik muss man meiner Meinung nach einfach auf Vinyl genießen, da wird die ganze Schönheit deutlich. CRTVTR bewegen sich grob gesagt im Post-Hardcore, zudem kommen leichte psychedelische Einflüsse zum Einsatz, Post-Rock und Math sind ebenfalls vorhanden, so experimentelles Zeugs kennt man sonst nur von Bands aus Washington. Dabei ist die melancholische Grundstimmung immer präsent, oftmals entstehen unglaublich emotionale Ausbrüche. Die Melodien erschaffen eine Atmosphäre, die man erst so richtig wahrnimmt, wenn man sich den Sound laut aufgedreht über Kopfhörer zuführt. Da entfaltet sich die Musik, man wird fast hypnotisiert. Mantra-artige Chorgesänge, rituelle und mäandernde Rhythmen setzen dem noch eins drauf, die immer wiederkehrenden Loops tun ihr übriges. Und dann, wenn man schon fast weggedriftet ist, wird man mit einer zuckersüßen Melodie zurück geholt.

Die eigenartige Atmosphäre entsteht wohl auch deshalb, weil die Band eine ungewöhnliche Instrumentierung verfolgt. Diese besteht aus zwei Bässen, Schlagzeug und Gitarre, dazu gesellen sich die vier unterschiedlichen Stimmen der Bandmitglieder, die mal flüstern, schreien oder pfeifen. Dazu kommen noch Lyrics, die sich lesen, wie wenn Dir selbst beim Radfahren, Joggen oder Schwimmen Wortphrasen durchs Gehirn eiern. Und gerade diese nicht übliche Vielseitigkeit und Kombination aus surrealen Momenten lässt den Sound des Quartetts so eigenständig wirken. Knapp 38 Minuten dauert die spannende Reise durch die sieben Songs. Und zum Schluss drängt sich noch die Frage auf, was wohl der Bandname bedeutet. Ist das wieder dieses Modeding, bei dem die Vokale weggelassen werden? Glaub nicht, denn sonst würde das menschliche Gehirn ein Wort präsentieren, aber ich habe keines vor Augen. Wenn man die Buchstaben in eine Internetsuchmaschine eingibt, dann erhält man folgendes Ergebnis: Centre Regional De Traitment et de Valorisation des Terres. Das ist französisch und bedeutet soviel wie Regionales Zentrum für die Behandlung und Bewertung des Landes. Diese Interpretation des Bandnamens müsste passen. Das behaupte ich jetzt einfach mal so anhand des abgefahrenen Sounds der Band. Checkt das hier unbedingt an, mich hat die Platte voll und ganz gepackt!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

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Bandsalat: Bastos, Dreamwell, Jaya The Cat, Minipax, Push, Safe, Talco, Tequila And The Sunrise Gang

Bastos – „Second Favourite Person“ (DIY) [Name Your Price Download]
Second Favourite Person ist zwar schon vor einem Jahr erschienen, entdeckt habe ich das Album aber erst neulich beim ausgiebigen Bandcamp-Surfen. Ich war sofort von den melodischen Gitarren und der rauhen Aufnahme angetan, der leidenschaftliche Schreigesang sollte auch noch als Pluspunkt erwähnt werden. Die Jungs kommen aus Bukarest/Rumänien, aus der dortigen Szene bekommen wir hier ja eher nicht soviel mit. Eigentlich schade. Denn wie man anhand Bastos sehen kann, gibt es auch in Rumänien Bands, die mit Haut und Haaren ihre Musik unters Volk bringen. Wenn man dem intensiven Sound der Rumänen lauscht, dann bekommt man angesichts der wuseligen Gitarren gleich mal leuchtende Augen. Geboten wird acht Mal herrlich melodischer Screamo mit reichlich Ideen, Tiefe und melancholischer Intensität. Sehr geil!


Dreamwell – „The Distance Grows Fonder“ (DIY) [Stream]
Hätte ich diese Band jemals entdeckt, wenn ich mich rein als Konsument durch die Weiten des Internets bewegt hätte? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich eher nicht. Glücklicherweise stoße ich aufgrund meiner Schreiberei hier oftmals auf ziemlich nette Zeitgenossen, die mir aufgrund meiner einschlägig veranlagten Reviews immer wieder auch ihre musikalischen Leckerbissen präsentieren und dabei helfen, noch mehr geile Bands zu entdecken, als ich eigentlich verkraften kann. Tausend Herzchen dafür <3! Dreamwell aus Boston und Umgebung fahren ein richtig geiles Hardcore-Emo-Brett. Schön rauh abgemischt, alle Instrumente haben ihren gerechten Platz, dazu ein Sänger, der richtig abgefuckt und verzweifelt klingt. Und dann diese Gitarren, die alles geben und gefühlvoll auf der einen Seite und moshend auf der anderen Seite für reichlich Gänsehaut sorgen. Wahnsinnsrelease! Diese Band müsst ihr im Auge behalten!


Jaya The Cat – „A Good Day For The Damned“ (Destiny Records) [Stream]
Auch wenn ich mich für „Festival-Mucke“ nicht so sehr begeistern kann, fand ich Jaya The Cat ganz geil, als ich sie mal gesehen habe. Eine tolle Live-Band jedenfalls. In einem der letzten Uncle M-Päckchen war dann das neue Album der Amsterdamer Band dabei, das gammelte jetzt eigentlich ziemlich lange Zeit auf dem Schreibtisch rum, bevor ich das Ding zur Eröffnung der Balkon-Saison dann doch mal auflegte. Und wie zu erwarten, bei ein paar gepflegten Bieren wippen dann doch mal die Beinchen mit. Die Mischung aus Reggae, Punk und etwas Ska klingt dann so, als wenn The Clash mit den rockigen Beatsteaks jammen würden. Kann man sich bei wärmeren Temperaturen schon mal reinpfeifen!


Minipax – „liebehassfriedenkrieg“ (Subzine Records) [Stream]
Die Band aus dem südbayerischen und österreichischen Raum bezeichnet ihren ziemlich glattpolierten Deutschpunk an der Schwelle zum Deutsch-Rock/Pop als „Antifadeutschpop“. Nun, das kommt in erster Linie daher, dass die Jungs kein Blatt vor den Mund nehmen und sich in ihren deutschen Texten klar gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Nationalismus stellen, dabei verzichten sie auf plumpe Parolen und packen das ganze mit Köpfchen an. In der aktuellen Situation im Land ist das natürlich sehr begrüßenswert. Es wäre schön, wenn es mehr Bands wie Minipax geben könnte, die ohrwurmtauglichem Punkrock eine solche Message mitgeben. Vom Sound her klingt das dann nach etwas flotteren Kettcar/But Alive und auch wenn manche Gitarrenparts schon zig mal woanders gehört wurden und ziemlich einfach gestrickt sind, verzücken die Jungs dennoch das ein oder andere Mal mit schmissigen Melodien. Trotzdem fehlt mir hier die nötige Portion Dreck, die saubere Produktion kommt mir zu steril rüber. Die Band ist live sicher nett anzusehen, aber auf Konserve haut mich so ein Sound anno 2018 leider nicht mehr so richtig vom Hocker.


Push – For Sale By Owner (Dog Knights) [Stream]
Woah, das hier wär mal wieder total an mir vorbeigegangen. Muss wieder definitiv mehr surfen und weniger Zeugs aus dem E-Mail-Postfach anchecken, bei dem ich von vornherein weiß, dass es eh absolut nix für mich ist. Eher mal die Tipps der lieben Leserschaft abarbeiten und dabei ungläubig die Augen reiben. Wahnsinn, schon wieder eine Band, deren Sound mir absolut auf den Leib gezimmert ist. Midwest-Emocore mit ganz viel 90er Vibe, so läßt sich die Mucke der Band aus Portland und San Diego ungefähr beschreiben. Die Band besteht wohl nur aus zwei Leuten, nichtsdestotrotz zieht die intensive und melancholische Grundstimmung auf Anhieb in den Bann. Die Gitarren haben zwischen laut und leise ganz schöne Melodien an Bord, dazu der zerbrechliche Gesang und die teils druckvoll gespielten Drums, einfach Zucker! Acht Songs sind hier zu hören. Intensiv, ausdrucksstark und verdammt kurzweilig!


Safe – „Stay Strong“ (backbite records) [Stream]
Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat die Band Safe schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Safe startete vor ca. 15 Jahren als Studioprojekt in Italien, bei welchem Sänger Dharmavit ein paar Mitmusiker um sich scharte, um seine eigenen Songs einzuspielen. Eine EP und ein Album erschien auf diese Weise. Zum Zeitpunkt, als das Album Ride A New Season erschien, fand sich dann doch eine feste Besetzung, so dass auch Shows gespielt werden konnten, unter anderem kam die Band damals auch für einige Shows nach Deutschland. Die Band-Odyssee ging danach direkt weiter, denn mittlerweile lebt Sänger Dharmavit in Deutschland, so dass wieder neue Mitmusiker gefunden werden mussten. Und das Ergebnis sind diese drei Songs, die als 7inch auf Backbite Records erscheinen. Vom Artwork her und beim Krishna-Intro musste ich direkt an Shelter denken und zeitlich gesehen passt das ganz gut, denn ihr bekommt herrlich oldschooligen Hardcore auf die Ohren. Schön melodisch, schön schnell. Die Gitarren und der gegenspielende Bass erinnern an Bands, in denen Joe D. Foster Gitarre zockte. Ganz frühe Ignite, Speak, The Killing Flame z.B., aber auch Zeugs wie Dag Nasty oder Mouth Piece kommt in den Sinn. Macht jedenfalls Spaß!


Talco – „And The Winner Isn’t“ (Long Beach Records) [Stream]
Was will man machen, wenn man im letzten Promo-Paket neben der angeforderten CD auch noch was anderes mitgeschickt bekommt, das musikalisch nicht ganz auf einer Wellenlänge liegt und die Zeit eine Besprechung eigentlich gar nicht zulässt? Hmm, trotzdem besprechen aus schlechtem Gewissen oder jemand suchen, der das für einen übernimmt. Und weil es absolut niemanden in meinem Freundeskreis gibt, der sich für Ska-Punk begeistert, versuch ich halt selbst mein Glück. Ich könnte mir denken, dass Talco mir live besser gefallen würden, als auf Konserve. Jedenfalls ist das alles sehr gut gemacht, aber halt absolut nicht meins, v.a. der theatralische Gesang geht mir nach kurzer Zeit auf die Nerven. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.


Tequila & The Sunrise Gang – „Of Pals And Hearts“ (Uncle M) [Stream]
Hach, dieser hübsch aussehende Digipack hier lag auch in einem der letzten Uncle M-Päckchen und eigentlich ist das auch gar nicht so meine Musik, aber die zwölf Songs machen richtig Laune, wenn man sich bei schönstem Sonnenschein mit dieser Musik auf den Ohren ein paar Biere in den Schädel dreht. Die acht Jungs räumen live sicher das ein oder andere Festival ab, das ist ganz schön tanzbar. Die Kieler kombinieren Reggae, Punk, Ska und etwas Alternative miteinander, dabei klingen sie an manchen Stellen etwas nach Rage Against The Machine (hört euch z.B. mal Replacement an, das ist ja schon ein ganz freches RATM-Rip-Off), an anderen Stellen fühle ich mich an Sublime erinnert. Jedenfalls grooven die Songs ganz schön los und der Sänger hat echt ein vielseitiges Organ, das mich das ein oder andere Mal an Arnim von den Beatsteaks erinnert.


 

Mahlstrom – „MÆANDER“ (Through Love Rec.)

Im verflixten siebten Bandjahr ist es endlich soweit, dass sich die Band Mahlstrom aus dem Großraum Stuttgart endlich an das lang erwartete Debutalbum herangewagt hat. Und wenn das Ding dann auch noch über Through Love Rec. erscheint, dann sollten eure Alarmglocken schonmal freudig schellen und eure Öhrchen weit aufgesperrt sein! Rein äußerlich wird es mal wieder schwer, die Platte anhand des Albumcovers einzuschätzen. Das mag ich ja sehr, so genre-untypische Plattencover, die obendrein keinerlei sonstige Informationen zu Band und Albumtitel preisgeben und keine Rückschlüsse auf die Musik zulassen. Als erstes sieht man nur die grauen Mauern einer Fassade, davor blauen Tüll-Vorhangstoff. Das Foto dürfte im Frühling geknipst worden sein, was man anhand der frisch sprießenden Blättchen des Baumes sehen kann. Diese gehen aber vom kalten Grau-Filter der Aufnahme ziemlich unter. Was soll uns das sagen? Ich versuch mal ein kleines Gedanken-Experiment, das mir direkt nach dem Durchlauf der A-Seite vor Augen kam: hinter den Fenstern gibt es viele Schicksale zu entdecken, das reicht vom tristen Warten auf den Tod über die Machtlosigkeit angesichts der scheinbar unlösbaren Probleme in unserer Gesellschaft bis hin zu depressiven Verstimmungen, die wahrscheinlich gerade aufgrund unserer selbst geschaffenen Schwierigkeiten hervorgerufen wurden. Die permanente Panikmache der Medien in allen Bereichen des Lebens erzeugt natürlich zusätzlich Mißtrauen und Angst.

Tja, und da der Mensch gern alles in sich rein frisst und Schwäche zeigen in unserer Gesellschaft total verpönt ist, muss der Schein nach außen gewahrt werden. Hauptsache, die Fassade ist schön anzusehen! Und die Thuja-Hecke wird mit der Nagelschere fein getrimmt. All der Tristesse zum Trotz schwebt im Cover-Foto ein wenig Hoffnung mit, denn nach dem grauen Herbst und dem harten Winter zeigt uns die robuste Natur, dass das Leben halt generell vor sich hin mäandert und es nach einer langen Durststrecke bzw. einem heftigen Tief auch hin und wieder mal ein Hoch geben kann. Man muss es nur unter all den negativen Eindrücken mal entdecken! Natürlich unmittelbar bevor die nächste Mikro-Plastik-Welle ein paar Wassertierchen dahinrafft. Für diese gewagte Interpretation spricht letztendlich auch die Verbindung zwischen Albumtitel und Albumcover. Aber wahrscheinlich liege ich mal wieder total falsch und die Band hatte gerade kein anderes Covermotiv auf die Schnelle zur Hand…

Was ich mir aber nicht vorstellen kann. Gerade die tiefgehenden Texte lassen erkennen, dass hier viele Gedanken, Ideen, Gefühle und Überlegungen drin stecken. Hier wird hinterfragt, hier wird gedacht, hier wird gelitten, hier wird nach dem Warum gefragt. Und ja, letztendlich wird hier auch gnadenlos gekämpft. Aber lest die Texte lieber selbst. Die liegen auf der stabilen Innenhülle gedruckt ziemlich gut in der Hand. Wenn ihr lesefaul sein solltet, ist das auch kein Problem. Denn der Sänger schreit zwar leidend, aber man kann jedes Wort verstehen, zudem wird ja in deutscher Sprache gesungen.

Die Gitarren zwiebeln schön drauf los, dabei verzücken immer wieder die delay-artigen Post-Hardcore-Passagen, die experimentell vor sich hin mäandern. Dazu unbeirrt schreit sich der Sänger die Stimmbänder wund. Nur an manchen Stellen wird es kurzzeitig melodisch, z.B. bei Dawei. Was auch erst nach ein paar Durchläufen auffällt: das Ding ist ein richtiger Grower, der mit jedem Durchlauf um einige Meter höher wächst. Boah, und das Spoken Word/Sample-Ding beim letzten Stück lässt die Gänsehaut ebenfalls noch um einige Zentimeter in die Höhe kriechen! Eigentlich hab ich mit der Erwähnung der zwei Stücke schon zuviel Rahmen gesteckt: deshalb hört das Album unbedingt in seiner Gesamtheit an! Ach so, falls ihr noch ein paar Referenzen braucht: regional erinnert mich die Band an die Stuttgarter Band Reznik Syndrom. Aufgrund der deutschen Texte könnte man auch noch Bands wie Escapado, Ewig Endlich, Loxiran oder Todd Anderson aufführen. Super Ding!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Through Love Rec.


 

Bandsalat: All The Luck In The World, Closer, Hop Along, I Feel Fine, I Said Goodbye, Slowbloom, Strafplanet, Wellsaid

All The Luck In The World – „A Blind Arcade“ (All The Luck In The World) [Stream]
Es kommt ja nicht allzuoft vor, dass mich Promovideos so dermaßen anfixen, wie es bei den drei Video-Teasern der Band All The Luck In The World geschah. Das Video zum Song Landmarks ignorierte ich erstmal, keine Ahnung warum. Kannte die Band nicht, war nicht in Stimmung, weiß der Teufel. Aber beim Video zum Song Golden October war es dann doch um mich geschehen: wow, sehr emotional! Die tolle Gitarrenarbeit und die melancholischen Bilder, dazu der zerbrechliche Gesang und die Sepia-Romantik in den Bildern, da ist die Gänsehaut gleich um die Ecke! Bei vielen Indie-Folk-Sachen renne ich ja schreiend davon, aber hier merkt man, dass massig Herzblut und Liebe mit an Bord sind. Man hat ständig dieses unterschwellige Gefühl der Sehnsucht, bekommt vor Rührung Tränen in die Augen. Ähnliche Stimmung kennt ihr sicher aus dem Film Once. Schaut euch auch unbedingt das Video zum Song Contrails an, das ist annähernd intensiv und könnte Erinnerungen an diesen sagenhaften Film Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt  wecken. Wenn ihr jetzt denkt, dass die Musik von All The Luck In The World ohne visuelle Videokunst nicht funktionieren würde, dann muss ich euch enttäuschen. Denn A Blind Arcade kommt auch gänzlich ohne visuelle Effekte zurecht. Gerade auch, weil die Musik so authentisch klingt. Da hat man selbst beim streamen das Gefühl, dass die Musik direkt vom Vinyl abgespielt wird. Das warme Knistern, die Töne beim Übergreifen der Saiten und der zerbrechliche Gesang machen dieses Album zu einem stimmungsvollen Highlight!


Closer – „All This Will Be“ (Middle Man Records) [Name Your Price Download]
Auch wenn die Band Closer nur aus drei Leuten besteht, klingt das hier nach einem Abriss der Extraklasse. Das New Yorker Trio liefert mit diesen neun Songs ein Wahnsinns-Debut ab. Den Sound kann man irgendwo zwischen Screamo/Skramz, Emocore und Post-Hardcore einordnen, dabei reicht die Spannweite von spannungsgeladen, energiereich und roh bis über intensiv und emotional. Komplexe Songstrukturen treffen auf unterschwellige Melodiebögen, dazwischen wird es auch mal ruhiger, Spoken Words lockern das leidende Geschrei der Sängerin/Drummerin ab und an dann auch mal auf. Hört euch mal zur Einstimmung den Song Birdhouse an, da habt ihr eigentlich das ganze Spektrum der Band auf einen Blick. Ich verspreche: danach werdet ihr gierig vom Name Your Price Download Gebrauch machen und das Album in Dauerschleife packen.


Hop Along – „Bark Your Head Off, Dog“ (Saddle Creek) [Stream]
Also, kurz mal Wachrütteln: Für alle, die die Band Hop Along noch nicht kennen oder ihr bisher nicht die Aufmerksamkeit schenkten, die sie eigentlich verdient hätte, kommt hier eine kleine Zusammenfassung: Hop Along entstand eigentlich als Soloprojekt von Sängerin und Gitarristin Frances Quinlan im Jahr 2004, damals noch unter dem Namen Hop Along, Queen Ansleis, unter welchem auch ein Album veröffentlicht wurde. Nachdem Frances drei Jahre solo unterwegs war, bekam sie von ihrem Bruder an den Drums Unterstützung, zudem stieß ein Bassist mit dazu, so dass man sich zur Namenskürzung entschloss. Seit dem 2012er-Album Get Addicted ist Hop Along vom Trio zum Quartett gewachsen. An der Gitarre wirkt seither Joe Reinhart mit, den man von Algernon Cadwallader kennt. War die Band auf Get Addicted noch ziemlich dissonant und sperrig unterwegs, überzeugte das 2015er Album mit eingängigeren Melodien. Dennoch brauchte es ein paar Runden, bis ich mit der Band warm wurde und es irgendwann „klick“ machte. Und was soll sich sagen, mit Bark Your Head Off, Dog schafft es die Band auf Anhieb, mich mit Haut und Haaren in den Bann zu ziehen. Seit Wochen läuft das Ding nun nahezu täglich. Mir erscheint das Album um Längen zugänglicher als der Vorgänger, zudem dürfte dieses Material zum Besten gehören, was die Band bisher veröffentlicht hat. Die Musik klingt wie eine feinschmeckende Melange aus Indierock, Grunge, Folk, Punk, Shoegaze und Power-Pop. Zudem steht dem Sound die neu hinzugewonnene Experimentierfreude ziemlich gut zu Gesicht, so dass die neun Songs sehr kurzweilig ausgefallen sind. Die Gitarren verzaubern mit wunderschönen Melodien, der Sound dringt glasklar aus den Lautsprechern. Da kommen Streicher zum Einsatz, dort lassen sich Vocoder-Soundspielereien und verschachtelte Rhythmen entdecken. Und über all dem thront diese wahnsinnig emotionale Stimme, die leidenschaftlich zwischen zerbrechlich und kraftvoll pendelt. Dabei ist es wieder eine Freude, an der fabelhaften Welt und den kuriosen Gedanken von Songschreiberin Frances teilzuhaben. Von einem Gesamtkunstwerk kann man hier wirklich sprechen, denn das Artwork stammt ebenfalls von Frances Quinlan. Ach ja, und wenn ihr was wirklich Ergreifendes sehen wollt, dann lohnt es sich, die Band mal live zu bestaunen (das sag ich jetzt einfach mal, nachdem ich ein paar Live-Videos auf Youtube geschaut hab).


I Feel Fine – „Long Distance Celebration“ (Failure By Design Records) [Stream]
Ihr kennt sicher den Spruch „Wenn man erstmal einen Fuß in der Tür hat, dann…“? Na, sowas ähnliches ist mir mit der Band I Feel Fine passiert. Die Jungs kommen aus Brighton und hier zockt unter anderem der Gitarrist von Chalk Hands mit, deren EP vor nicht allzulanger Zeit hier wohlwollend empfohlen wurde. Und weil unsere Chalk Hands-Kritik bei den Mitgliedern der Band wohl ganz gut angekommen ist, kam unmittelbar vor der Deutschland-Tour von Chalk Hands die Anfrage zu I Feel Fine reingeschneit. Und ja, die Mucke läuft mir ebenfalls ganz genehm rein. Eigentlich ist das arg untertrieben, denn was an meine Ohren drang, schloss ich auf Anhieb ganz tief ins Herz. Denn während Chalk Hands mit ihrem Post-Hardcore zwar durchaus melodisch unterwegs sind und ’nen Ticken härter klingen, verzücken I Feel Fine mit wunderbar verschachtelten Gitarrenmelodien und catchy Refrains, Bandchöre sind ebenfalls mit an Bord. Zum melodischen Post-Hardcore gesellt sich noch massig Herz in Form von Jahrtausendwenden-Emo. Während bei Chalk Hands auch ab und an mal gescreamt wird, dominiert bei I Feel Fine der hymnische Gesang. Da könnte man sich direkt reinlegen! Und bei all der Catchyness bleibt es trotzdem schön ruppig. Auch die ruhigeren Parts sind unglaublich tight, so dass der Sound in seiner Gesamtheit äußerst pfiffig, verspielt und ausgefeilt daher kommt. Diese fünf Songs sind geprägt von spürbar intensiver Spielfreude und sehr viel Herzblut. Da kann man nur raten: checkt das unbedingt an!


I Said Goodbye – „Fairweather“ (Little Rocket Records) [Stream]
Melodischen Emo-Pop-Punk gibt es auf dem Debutalbum der jungen Band I Said Goodbye aus Norwich/UK zu hören. Der Werdegang zum Album begann wohl damit, dass das Grundgerüst der Songs als Soloalbum von Sänger Alan Hiom geplant war, der aber letztendlich dann doch noch Mitmusiker fand, so dass die Band I Said Goodbye geschaffen war. Das Label Little Rocket Records hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Nachwuchsbands unter die Arme zu greifen. Das Label wird übrigens u.a. vom Leatherface-Bassist betrieben. Nun, die Songs reißen mich nicht unbedingt vom Hocker, dennoch klingt das Ganze sehr sympathisch, gerade auch wegen der sehr emotionalen Textebene. Wenn ihr auf Zeugs wie The Get Up Kids, Motion City Soundtrack oder Saves The Day könnt, dann solltet ihr hier mal reinlauschen.


Slow Bloom – „Hex Hex Hex“ (Dog Knights Productions) [Stream]
Hex Hex! Das geht hier doch nicht mit rechten Dingen zu, da kommt man sich ja vor wie in einer Bibi Blocksberg-Folge, total verhext halt. Ungläubig reibe ich mir kurz die Augen, irgendwie hab ich die Band seit ihrer 2014er Debut-EP aus den Augen verloren. Ungünstig. Gerade auch, weil ich die Vorläuferbands State Faults und Strike To Survive fast schon vergötterte. Dadurch, dass ich die 2016er EP verpennt hab, hab ich nun doppeltes Vergnügen! Hex Hex Hex besticht jedenfalls durch ausgeklügeltes Songwriting, verdammt geile Gitarrenmelodien, die sich fast schon grungig in die Gehörgänge drehen, dazu treibendes Schlagzeug und ein Sänger, der seine Zeilen lebt. Der Song Neon Sequitor ist jedenfalls ein verdammt starker Auftakt, gleichzeitig ist dieser Song mein Favorit auf Hex Hex Hex. Im kommenden Immaculate wird die Neo-Grunge-Keule geschwungen, das hat was von Nirvana, als die noch gut waren. Im weiteren Verlauf gibt es noch mehr solche Momente, zudem wird in Sachen Post-Hardcore ordentlich gegengesteuert. Sehr starke EP, die Apettit auf mehr macht, aber auch den Wunsch nach mehr Brachialität á la State Faults in den Raum stellt! Boah, das wäre nochmal doppelt so mächtig!


Strafplanet – „Freizeitstress“ (Contraszt! Records) [Name Your Price Download]
Ich musste wirklich gerade herzhaft lachen, nachdem ich meinen geistigen Auswurf zum Strafplanet-Debut-Tape gelesen hab, den ich vor genau vier Jahren für ’ne Fuck Up The Neighborhood-Runde auf Borderline Fuckup verfasste. Wenn ich mir es recht überlege, war diese Rubrik damals eigentlich schon ’n duftes Konzept. Schön politisch unkorrekt und so, da konnte man flapsig was auf’s Korn nehmen, das NetzDG war zu der Zeit eine weit entfernte Fiktion aus Romanen wie z.B. 1984 oder Filmen wie Titanium – Strafplanet XT-59. Vier Jahre später hat die Datensammelwut noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht, zudem kontrollieren künstlich intelligente Maschinen die literarischen Internet-Beiträge der Bewohner unseres Planeten. Entscheidungsprozesse haben längst keinen individuellen Charakter mehr, denn für satirisch angehauchte Beiträge hat die künstliche Intelligenz einfach ’nen zu geringen IQ. Dabei würde es doch fürs Erste helfen, wenn irgendeine Maschine Internet-Beiträge mit etlich vielen Rechtschreibfehlern einfach mal zickzack löschen würde. Dann wären viele Hobby-Schreiber vielleicht bald ziemlich unmotiviert, um ihre unbedeutenden Gedanken in grammatikalisch bedenklichen Texten offen zu legen. Freizeitstress hätten dann nur noch die normalen Leute, die eben Freizeitstress haben wollen. Überhaupt taucht Freizeitstress ja erst auf, wenn man aufgrund Fremdbestimmung zu wenig Freizeit hat. Ups, bevor ich mich hier noch wie ein Philosophie-Student anhöre komm ich mal lieber noch kurz zum zweiten Album der Band aus Graz, das diesmal in Form einer 12inch erscheint. Im Grunde genommen ist alles beim alten geblieben. Angepisster Sound, schön oldschoolig, mit ordentlichem Hardcore/Crust-Einschlag und viel Geknüppel. Das tollwütige Gekeife der Sängerin setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Fett walzend, verdammt kurzweilig und einfach voller Energie und positiver Power! Und jetzt: ganz viel Anlauf nehmen und drüber!


Wellsaid – „Setbacks“ (Sweaty & Cramped) [Stream]
Diese Band hier kommt aus Hong Kong und erinnert mich so dermaßen an eine meiner absoluten Lieblingsbands so um die Jahrtausendwende herum. Die Rede ist von The Close, deren Album 20,000+ bis heute tief eingebrannt ist. Das Ding hab ich mal aus ’ner Distro-Kiste aus Neugier mitgenommen, ich hab es bis heute nie bereut. Ich hab es auch nicht verstanden, warum die nicht ’ne riesige Fangemeinde ergattern konnten. Naja, egal. Klar, Wellsaid klingen auch noch nach ’ner Menge anderer Midwest-Emo-Bands Ende der Neunziger, aber beim Gesang und bei der Instrumentierung sind da schon einige Parallelen erkennbar. Schmissige Bassriffs treffen auf schrammelige Emo-Gitarren, ab und zu kreischt der Sänger so ähnlich wie der Algernon Cadwallader-Sänger, dann kommen wieder so Mid Carson July-mäßige Passagen. Sehr schön. Und eigentlich hätten es vier Songs anstelle von fünf getan, denn die Demo-Version vom Opener Narrow Pass ist durch diesen Disco-Beat ganz schön verhunzt. Knoten ins Taschentuch: mal wieder The Close rauskramen!


 

Bandsalat: 60659-c, Frail Body, Lift, Save Ends, Shipwrecks, Small Hours, Treble Lifter, Vel

60659-c – „The Next Part Is A Blur“ (Zegema Beach Records) [Name Your Price Download]
Übelst heftigen Screamo/Emoviolence mit Schnappschildkrötenvocals und schön zwirbelnden Gitarren bekommt ihr von dieser neuen Combo aus Richmond, Virginia auf die Mütze. Klar, hier sind wieder ein paar Leute mit dabei, die man aus allerlei in der Szene etablierten Bands wie z.B. .Gif From God, Caust, Kaoru Nagisa, Yusuke, Gas Up Yr Hearse!, Ostraca und ’ner Menge anderer Kapellen her kennt. Schön intensives Brett mit teils mehrstimmingen Heul-Keif-Kreisch-Orgien. Dazu immer wieder Highspeedgeknüppel und pures Chaos. Kann man auf Anhieb liebgewinnen, wenn man auf Zeugs wie Nayru, Ostraca, Neil Perry oder Orchid steht!


Frail Body – „At Peace“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wahnsinn, auf welch geile Bands man beim Bandcamp-Surfen hin und wieder stößt. Frail Body kommen aus Rockford, Illinois und machen eine schöne Mischung aus fuzzigem Screamo und intensivem emotive Hardcore. Wenn nach nur drei Songs auch schon wieder vorbei ist, dann zwirbelt euch mal schnell noch die etwas länger geratene Debut-EP des Trios auf die Festplatte, denn das gibt es ebenfalls als Name Your Price-Download. Bin gespannt, was man von diesen Jungs in Zukunft noch zu hören bekommt.


Lift – „Lessons Learned In Pain“ (DIY) [Stream]
Kennt jemand von euch noch die Band With Honor? Bezüglich With Honor herrscht schwere Begeisterung bei mir. Nun, auf die Band Lift bin ich eben durch die Facebook-Verbundenheit von With Honor aufmerksam geworden. Und das zu einer Zeit, als dieser Shit-Algorythmus noch nicht alle Posts von relevanten Seiten verbarg. Ich könnte direkt kotzen mit der Erkenntnis, dass mir in Zukunft anstelle der liebgewonnenen Posts befreundeter Seiten eher Scheiß-Werbung für aufbauende Muskelpräparate in der beschissenen Timeline angepriesen werden, obwohl ich selbst nie danach gesucht habe. Ich hoffe, dass wenigstens die Crossed Letters-Facebook-Posts nicht für’n Arsch sind und bei euch angezeigt werden. Man muss wohl technisch ziemlich begabt sein, wenn man in Zukunft irgendwelche Nachrichtenseiten, Fanzines oder Blogs stalken will. Die zwei Songs von Lift sorgen jedenfalls sofort dafür, dass ich mich nicht mehr so schlecht fühle. Geile Gitarren, satte Drums, Songwriting passt auch, der Sänger hat es ebenfalls drauf. Stellt euch ’ne abgehende Mischung aus Snapcase, frühen Boy Sets Fire und With Honor vor. Ich bin angefixt und möchte bald mehr von den Jungs hören.


Save Ends – „A Book About Bad Luck“ (Black Numbers) [Stream]
Wenn ihr auf catchy Midwest-Emo-Punk mit wechselndem female/male-Gesang steht, dann dürfte das neue Album von Save Ends eigentlich ein gefundenes Fressen für euch sein. Mich erinnert der Sound der Band aus Boston/Massachusetts her desöfteren an Zeugs von den Get Up Kids, The Anniversary, Rocking Horse Winner und manchmal sogar ganz selten an etwas gediegenere Thursday (bei Way Back z.B.). Freunde von Bands wie Signals Midwest, Annabell, The Hotelier oder Moose Blood sollten sich die zehn Songs mal schleunigst zu Gemüte führen. Gefühlvoll gespielte Gitarren treffen auf leidenschaftlichen Gesang, dabei ist das Ganze top produziert.


Shipwrecks – „Selftitled“ (Maniyax Records) [Stream]
Solltet ihr mal wieder nach einem Highlight im Bereich Instrumental-Post-Rock suchen, dann müsst ihr unbedingt mal in Shipwrecks Debutalbum reinhören. Die Band aus Köln hat nämlich ein Gespür für verträumte Melodien und ist dabei durchaus sehr melancholisch unterwegs. Auch wenn die fünf Songs jenseits von siebenminütigen Spielzeiten sind wird es niemals langweilig, da immer wieder gewisse Spannungen erzeugt werden. Ausgeklügeltes Songwriting trifft auf ganz viel Atmosphäre. Fans von Zeugs wie Caspian oder Explosions In The Sky sollten das nicht verpassen!


Small Hours – „Reconstruction“ (Laserlife Records) [Stream]
Obwohl die Band Small Hours aus Wien schon seit 2013 besteht und die Jungs davor schon seit Jahren in anderen Bands gespielt haben, wurde bisher erst eine EP im Jahr 2014 veröffentlicht. Mit Reconstruction hat sich das Trio nun aber endlich an sein Debutalbum gewagt, das Ding ist als Digital-Download und als doppelseitige 12inch erschienen. Musikalisch sind die Jungs im Post-Hardcore zu verorten, ab und an schimmern ein paar Oldschool-Punk-Tunes á la Wipers durch. Die sechs Songs sind mit schönen Gitarren, druckvollen Drums und pumpendem Bass geschmückt, dazu gesellt sich fieses Reibeisen-Gegröhle. Bei manchen Songs erinnert die Band rein instrumental an Bands wie At The Drive-In (hört mal bei Modern Disease), es kommen aber auch Bands wie die ebenfalls aus Österreich stammenden Kurort in den Sinn. Vielleicht letztere gerade auch, weil zwei der Songs deutsche Texte haben und es gerade bei Konsequenz schön vertrackt und groovig zugeht. Die Band erwähnt auf ihrer Facebook-Seite auch noch Bands wie Comadre, Touché Amore und Self Defense Family als Einflüsse, was eigentlich auch noch sehr gut passt. Hört mal rein, klingt interessant!


Treble Lifter – „The Noise We Leave“ (DIY) [Name Your Price Download]
Über Treble Lifter aus Washington DC kann man nicht allzu viel ernst gemeinte Informationen auf der Facebook-Seite der Band finden. Als Einflüsse werden Queen und Earth Crisis genannt, die eigene Musik wird mit Schizophrenic Rock umschrieben und die Story, wie sich die Jungs kennen gelernt haben, kann man eigentlich auch nicht glauben. Egal, denn die Musik von Treble Lifter klingt spannend. Schön eigenständig machen die Jungs eine druckvolle Mischung aus metallischem Emocore, Post-Hardcore, etwas Stop’N’Go und AmRep-Noise, die matschigen und dissonanten Stoner-Gitarren blasen ordentlich. Bereits im ersten Track wird man schon ganz heftig an die Wand gedrückt. Der Drummer scheint ein Tier zu sein, beim Gesang werden auch keine Gefangenen gemacht, Disharmonie scheint eine Vorliebe der Jungs zu sein. Testet das mal an!


Vel – „Obsidian“ (DIY) [Stream]
Irgendwann im Jahr 2015 haben sich ein paar langjährige Freunde – die auch schon zusammen gelegentlich Musik gemacht haben – dazu entschlossen, im Würzburger Proberaum ein wenig zu jammen. Es dauerte nicht lang und die Band Vel war gegründet. Aus den Jams wurden ausgetüftelte Songs, die alsbald auch professionell aufgenommen wurden. Das Ergebnis ist dieses erste Album mit insgesamt fünf Songs und einer Spielzeit von etwa 45 Minuten, das die Band über diverse Kanäle zum digitalen Download anbietet. Doch kaum war das Release draußen, entschlossen sich zwei der Bandmitglieder zum Ausstieg, um sich auf ihre anderen Bands (Bait und Der Weg einer Freiheit) zu konzentrieren. Sowas ist zwar immer doof, aber glücklicherweise hat die Band schnell Ersatz gefunden, so dass seit März wieder Shows gespielt werden können. Nun, Obsidian fühlt sich jedenfalls wie eine zusammengepuzzlete Jam-Session an, die Reise führt dabei durch unterschiedliche Genres wie z.B. Post-Rock, Screamo, Blackmetal und Shoegaze. Der Gesang kommt keifend, die Gitarren matschen einerseits ordentlich, andererseits kommen sie aber auch ab und zu glockenklar aus den Lautsprechern. Der Schlagzeuger hat von wildem Gehacke bis hin zu groovigen Beats alles drauf. Wer gern etwas Zeit für ein Release mit sich bringt und dabei auf melancholischen Sound abfährt, der technisch einiges auf Lager hat, der dürfte Obsidian wie einen Schwamm aufsaugen.