Bandsalat: Autarch, Landbridge, Clowns, Dakhma, Down Love, It’s Not Not, Long Distance Runner, Shallov, Yöu

Autarch & Landbridge – „Split“ (IFB Records) [Name Your Price Download]
Autarch kommen aus North Carolina und zerlegen nach einem Midtempo-Intro direkt die Bude. Kann man eigentlich mit wenigen Worten beschreiben: rasend schnell, aber dennoch schön melodisch nach vorne gehender Emocrust mit keifendem Sänger und rotziger Kante, walzende Einschübe und Klimperparts inklusive. 3 Songs, 17 Minuten Spielzeit, gefällt mir super! Landbridge kommen aus Florida und schlagen in die gleiche Kerbe und die vier Songs bringen es auf eine Spielzeit von 18 Minuten. Verdammt intensiv gespielte Neo-Crust-Gitarren treffen auf Crashbeckenlastiges Schlagzeug. Hier sticht der Doppelgesang (male/female Vocals) heraus. Fans von Bands wie From Ashes Rise oder Tragedy sollten dieses Release unbedingt mal anchecken!


Clowns – „Lucid Again“ (This Charming Man Records) [Stream]
Verdammte Hacke! Diese Band aus Australien ist bisher völlig unerklärlich an mir vorbeigezogen. Kann ich gar nicht glauben, denn die neun Songs sind dermaßen geil! Und trotzdem hält sich die Mundpropaganda in Grenzen. Mal sehen, wie lange. Messerscharfe Gitarren verbünden sich mit wildem Getrommel, der Sänger ist ’ne richtige Frontsau. Den Sound der Australier kann man eigentlich gar nicht so gut beschreiben…Völlig losgelöst irgendwie! Stellt euch einfach mal eine Band vor, die das Beste aus Bon Jovi, Nirvana, Guns ’n’Roses, Kid Dynamite, Billy Talent, Lifetime und frühen Death By Stereo rausholt und das alles mit sehr viel wumms und Freude vorträgt. Rotzige Riffs, melodische Moves und sagenhafte Solis sorgen für reichlich Abwechslung. Unglaublich! Diese Band könnte richtig groß werden! Checkt das unbedingt an!


Dakhma – „Suna Kulto“ (IFB Records/Halo Of Flies) [Name Your Price Download]
Auf den bisherigen Releases der Band aus Michigan hielten sich die Songlängen in Grenzen, Suna Kulto besteht jedoch gerade mal aus zwei Songs, die jeweils an der 20-Minuten-Grenze schrubben. Das Stück East beginnt mit schönen Post-Rock-Klängen, irgendwie erinnert mich dieses Intro vom Aufbau und den Gitarren her an Bands wie We Never Learned To Live oder Earth Moves, gerade bei den „bedächtigeren“ und melancholischen Passagen, die das vorwiegend heftige Crust/Screamo/Blackmetal-Geknüppel etwas auflockern. Teilweise haben die Drums irgendwas beruhigendes an sich und klingen einlullend wie eine Dampflock, die mit Hochgeschwindigkeit über ein verrostetes Schienengleis durch die Nacht rattert. Das gespenstische Gekreische von Sängerin Claire setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und trotz des rasenden Tempos klingt das Ganze schön atmosphärisch mit unterschwelligen Melodien. Horcht mal rein, es lohnt sich!


Down Love – „Trust“ (Boss Tuneage) [Stream]
Down Love kommen aus Kingston Upon Thames, das ist ein Stadtteil von London. Die vier Jungs klingen aber sehr amerikanisch und machen mitreißenden Emocore mit hohem Punkrockfaktor und einigen Hardcore-Verweisen. Erinnert an alte Helden wie Brand New Unit, Hot Water Music, Samiam, Jawbreaker oder Bad Trip. Ihr bekommt elf kurzweilige Songs geboten, die die richtige Mischung zwischen Emotionalität, Power, Melodie und Intensität ausloten. Zuckersüße Gitarren und treibendes Schlagzeug, tolle Melodien und ein Sänger, der sich nicht scheut, auch mal kraftvoll ins Mikro zu jauchzen. Gefällt mir sehr gut!


It’s Not Not – „Fool The Wise“ (BCore) [Stream]
Die Mucke der katalanischen Band It’s Not Not konnte mich einst nicht so richtig packen. Irgendwie taugte mir das Disco-Punk-Zeugs der Band nicht so, damals vergötterte ich eher die Sachen, die die Bandmitglieder in ihren bisherigen Bands (Dies Irae, Tokyo Sex Destruction, Standstill und The Unfinished Sympathy) so fabrizierten. Deshalb war ich positiv überrascht, als die ersten Töne des neuen Albums meine Kopfhörer fluteten. Neun Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung verstrichen. Da hat sich einiges getan, denn mittlerweile hören sich die Katalanier mehr nach Q And Not U, The Van Pelt oder diversen Dischord-Bands an. Sehr schönes Album, das hol ich mir irgendwann auf Vinyl!


Long Distance Runner – „No Value“ (DIY) [Stream]
Immer diese Bandcamp-Entdeckungen! Long Distance Runner kommen aus Neuseeland, dem Land der Hobbits. Jaja, es gibt Leute, die das Auenland tatsächlich mit der Stadt Auckland verwechseln. Jedenfalls handelt es sich bei Long Distance Runner um eine ziemlich junge Band, No Value ist das erste Release der Band. Die Bandmitglieder sind wohl noch in anderen Bands aktiv, was man auf diesen sechs Songs auch hören kann. An Spielfreude und Fingerfertigkeit mangelt es den Jungs jedenfalls nicht. Geboten wird mitreißender Screamo/Post-Hardcore mit schneidenden Gitarren, viel Crashbecken und leidendem Geschrei. Wenn ihr auf das Zeug von Touché Amore oder La Dispute könnt, dann solltet ihr mal ein Öhrchen riskieren.


Shallov – „Concrete & Glass“ (Ingot – Andrejco Records) [Name Your Price Download]
Shallov kommen aus Bratislava/Slowakei und machen eine Mischung aus Screamo, Emo und etwas Post-Rock. Insgesamt vier Songs sind auf der zweiten Veröffentlichung der drei Jungs enthalten, mit einer Spielzeit von 33 Minuten und Songlängen über 7 Minuten kann man sich ungefähr vorstellen, wo die Reise hingeht. Auf der einen Seite kommen hoch emotionale Passagen mit leidendem Gesang daher, dazwischen stellen sich melancholische Parts, die etwas trostlos und düster erscheinen. Die musikalische Stimmung ist durch das Coverartwork jedenfalls genau getroffen. Hört da unbedingt rein oder zippt euch die vier Songs zum Name Your Price Download direkt auf die Festplatte.


Yöu – „We Sing The Blues​.​.​.“ (Deny Records) [Name Your Price Download]
Oh yeah, es gibt immer wieder Bands, die aus dem Nichts zu kommen scheinen, von denen man niemals was mitbekommen hätte, wenn es dumm gelaufen wäre. Über Yöu bin ich glücklicherweise mal wieder beim ausgiebigen Bandcamp-Surfen gestolpert. Jaja, das Cover in Verbindung mit den Schlagworten emotive Post-Hardcore und Screamo verlockten mich sofort. Und ab dem ersten Ton gibt es kein Halten mehr. Geboten wird sieben Mal mitreißender, intensiver Post-Hardcore mit tollen Gitarren und hammergeilen Bassläufen und natürlich mit durchdringendem, emotionsgeladenen Gesang. Das Trio ist näher am 90’s Emo dran als am Screamo, zudem gefällt die rotzige Punkkante. Für Fans von 1000 Travels Of Jawaharlal, Furtive Forrest, Yaphet Kotto oder Kidcrash ist das ein Fest. Die Band kommt übrigens aus Skopje/Mazedonien. Ich bin begeistert, das würd ich gerne auf Vinyl haben!


 

Kishote – „Kaleidoskop“ (lifeisafunnything, Koepfen u.a.)

Alle, die Kishote mit der Hammer-Debut Bis die Hülle bricht kennen und lieben gelernt haben, werden neuem Material der Bielefelder Band verbissen entgegengefiebert haben. Et voilá, mit der Kaleidoskop-12inch rutscht ein gebührender Nachfolger in euer Leben. Wiederum wird das Albumcover durch eine wunderschöne Zeichnung von Rodrigo Almanegra verziert. Und auch die durchsichtige Vinylscheibe kommt geil rüber, denn auf der B-Seite blinzelt im gewohnten Almanegra-Stil ein überdimensional großes Auge vom Plattenteller. Auf der Rückseite ist dann noch bei jedem Exemplar eine individuelle schwarz-weiß-Fotographie aufgeklebt. Artwork und Albumtitel stehen somit im Einklang. Nun, im Kindergarten hab ich selbst mal ein Kaleidoskop gebastelt, das hab ich bis heute sogar aufgehoben. Neulich haben wir das Ding auf dem Dachboden meiner Eltern gefunden. Die Kinder haben mir nicht geglaubt, dass dieses magische Ding von mir erbaut wurde. Im Kindergarten und der Schule basteln sie heutzutage ja nur noch Klorollen-Hündchen. Deshalb juckt es mich in den Fingern, mit den Kindern und dem Albumcover-Motiv ein Kaleidoskop in Angriff zu nehmen. Einen Soundtrack zum Basteln hätten wir jedenfalls schonmal. Auch wenn das Basteln eines Kaleidoskops nicht lange dauert, bei meinen zwei linken Händen braucht es wahrscheinlich vier Durchläufe der Platte. Jedenfalls hat die einseitig bespielte 12inch mit ihren zehn Songs eine Spieldauer von knapp 19 Minuten. Beim Betrachten des Covers krame ich in meinem physikalischen Gedächtnis und werde sogar fündig. Beim Kaleidoskop bilden drei Winkelspiegel ein Dreieck, wodurch die Bilder wiederholt gespiegelt werden, so dass so etwas wie auf dem Frontcover zu sehen ist. Allerdings in bunt.

Nun, Kaleidoskop heißt übersetzt in etwa „Schönbildseher“. Nach dem ersten Durchlauf kommt man daher schon ins Grübeln, in welchem Bezug der Albumtitel zum Inhalt der Texte steht. Denn die Lyrics sind sehr kalt und düster und behandeln Themen wie z.B. Angststörungen, innere Leere, Isolation und Selbstzweifel. Das herzzerreißende Geschrei von Sänger Holger geht jedenfalls direkt durch Mark und Bein, es scheint keinen Ausweg und keine Hoffnung zu geben. Fast jeder der zehn Songs beginnt mit fiependen Rückkopplungsgeräuschen, die in flächig dichte Gitarrenwände und wildes Getrommel führen, dabei aber unterschwellig schöne Melodien mit an Bord haben. Gleichzeitig wird innerhalb kürzester Zeit Spannung aufgeladen, so wie z.B. beim ersten Song Zukunftsschleier, der nach eineinhalb Minuten in einem hyperschnellen Emoviolence-Massaker gipfelt. Man könnte diesen Auftakt als kleine Vorwarnung betrachten, was man bei den restlichen Stücken zu erwarten hat. Denn das nachfolgende Titelstück Kaleidoskop bündelt den schieren Wahnsinn wie ein Lichtstrahl und streut unzählige Bilder durch das Prisma. Und wenn es bei Das Trauma, das Erbe dann auch mal mächtig stampfend und walzend beginnt, so findet man sich unmittelbar danach bereits wieder im Strudel des Wahnsinns. Der Sound von Kishote erinnert das ein oder andere Mal an Bands, die gerne als Bremer-Schule-Hardcore bezeichnet werden, Loxiran, Age, ACME oder Systral fallen mir da spontan ein, aber auch US-Screamo-Bands wie Orchid dürften zu den Einflüssen zählen.

Jedenfalls toppen die Bielefelder mit Kaleidoskop ihr eh schon starkes Debutalbum. Diese rundum gelungene 12inch wird bei Skramz/Screamo-Fans wie eine Bombe einschlagen. Haltet euch also ran und holt euch das Teil bei einem der vier DIY-Qualitätslabel die da wären: lifeisafunnything, Koepfen Records, Miss the Stars Records und Crystalmeth&Heartattack.

10/10

Facebook / Bandcamp


 

 

Death Engine – „Mud 12inch + 7inch“ (Apocaplexy Records u.a)

Wie geil ist das denn? Da hat man schweres 12inch Vinyl verpackt in dickem Karton in der Hand und kaum schüttelt man den Inhalt aus dem Karton, kommt auch noch neben der 12inch ein kleines 7inch-Schwesterchen ans Tageslicht. Da sieht man schnell drüber weg, dass auf dem Inlay keine Texte abgedruckt sind. Nun, Death Engine kommen aus Lorient, das liegt in der Bretagne ziemlich weit westlich. Die Scheibe(n) sind neben Apocaplexy auch noch bei Throatruiner Records erschienen.

Die drei Franzosen sind ziemlich noisig und dissonant unterwegs, gleichzeitig regiert aber auch die pure Härte. Da wird man von hypnotisierenden Klangteppichen auf den Boden gedrückt, von vertrackten Drumparts irre gemacht, von ausufernden wabernden Krachorgien mit tremoloartigen Gitarren und Synths in den Bann gezogen. Elemente aus dem Blackmetal sind ebenso zu finden, wie Post-Hardcore, Noise, Blackened Hardcore, Screamo und Post-Rock. Laut aufgedreht kommt das natürlich sehr beängstigend, verstörend und nihilistisch rüber, da fallen dann vergleichbare Bands wie Neurosis, Celeste oder Converge ein.

Mir gefällt die Band immer dann, wenn die Gitarren diese unterschwelligen Melodien einstreuen, so wie z.B. bei dem Midtempo-Stück Still oder dem Opener Medusa. Wer auf bombastische Krachorgien mit atmosphärisch wachsenden Soundwänden und epische Soundlandschaften abfährt, der sollte sich die Franzosen ganz schnell mal zu Gemüte führen, als Anspieltipp empfehle ich hier Stücke wie Entertain oder Organs. Die Songarrangements sind stimmig, die immer wiederkehrenden monotonen Parts sorgen für eine atmosphärische Stimmung, zudem ist das Mastering satt. Als kleines Schmankerl hat die 12inch auch noch eine einseitig bespielte 7inch mit beiliegen, die den Bonussong Mud  enthält.

8/10

Bandcamp / Facebook


 

Bandsalat: Backflip, Black God, Captain Caveman, Captain We’re Sinking, Goddamnit, Good Times, Portrëit, Puerto Hurraco Sisters

Backflip – „The Brainstorm Vol. II“ (Hellxis Records) [Stream]
Es ist noch gar nicht lange her, dass ihr bei uns eine wohlwollende Kritik zum Vorgänger Brainstorm Vol. I lesen konntet. Nun, der direkte Nachfolger ist nicht weit entfernt von der Durchschlagskraft des Vorgängers. Scharfe Gitarrenriffs, die moshend und melodisch alles zerstören, ein Bass der zusammen mit dem Schlagzeug fett nach vorne geht, dazu noch die kraftvollen Vocals von Sängerin Inês, die dem ganzen noch die Krone aufsetzen. Schön oldschoolig alles. Wenn ihr auf Zeugs wie Good Riddance, H2O, Ignite oder frühe Comeback Kid könnt, dann…ja dann! Und selbst wenn nicht! Dann erst recht!


Black God – „Four“ (No Idea Records) [Stream]
Eigentlich braucht man zu dieser Band nicht mehr viel schreiben. Rob Penningtons Stimme erkennt man einfach sofort wieder, so dass man gleich dieses Grinsen ins Gesicht bekommt, sobald der Gesang einsetzt. Schön knödelig und groovy schleudern die alten Recken insgesamt sechs Songs um sich, die irgendwo zwischen Post-Hardcore, Hardcore, Punk und Post-Punk eingeordnet werden können. Insgesamt fällt auf, dass auf Four die Hardcore-Anteile etwas zurückgeschraubt wurden, dafür kommt dieser groovy High Energy-Post-Punk mehr zur Geltung. Für Leute, die die letzte Deadverse abgefeiert haben, dürfte Four genauso interessant sein wie für langjährige Fans der bisherigen Bands der vier Bandmitglieder.


Captain Caveman – „Failed Species“ (Wooaaargh) [Name Your Price Download]
Powerviolence aus Trier? Alleine das Cover erinnert mich an die Zeit, als man frühe Platten von Napalm Death und den Electro Hippies für seine pickligen Freunde auf C-60-Tapes aufnahm und aufgrund der ca. 156 Songtitel fast Blasen an den Fingern vom schreiben bekam oder es gleich aufgab und einfach gar keine Titel aufschrieb. Hinterher kamen dann Beschwerden, dass man die Tapes nicht ordentlich beschriften würde und man sich bei solch einem Sound das Kreuzchen bei Noise Reduction ja wohl verkneifen könne. Ja, dieser abgefuckte Highspeed-Sound erinnert mich in seiner Rohheit und Brutalität an meine verkorkste Jugend. Sprüche wie „Jugendliche brauchen Rente, keine Arbeitsplätze“ waren damals in aller Munde. Und ich glaube auch, dass der weihwasserspuckende und keifende Sänger absolut überzeugt von dem ist, was er ins Mikro brüllt.


Captain, We’re Sinking – „The King Of No Man“ (Run For Cover) [Stream]
Vier Jahre nach dem letzten Album The Future Is Cancelled hat sich bei dem Quartett aus Pennsylvania einiges getan. Insgesamt sind die Jungs softer und emotionaler geworden, die 90er-Emo-Anteile und eingängiger Gitarren-Indierock überwiegen auf den elf Songs deutlich, auch wenn hin und wieder die Punkkeule rausgeholt wird, wie bei Don’t Show Bill z.B.. Obwohl es bereits beim ersten Durchlauf ein paar Passagen gibt, die aufhorchen lassen, braucht das Album ein paar weitere Runden, bis es richtig zündet. Dabei bemerkt man, dass trotz der poppigen Eingängigkeit immer wieder sperrige Parts auftauchen. Wenn ihr euch eine Mischung aus dem poppigen Zeug von Bands wie Pale (kennt die noch jemand?), Tiny Moving Parts, Modern Baseball, Brand New mit dem verschwurbelten Sound von Bands wie mewithoutyou oder Mid Carson July vorstellen könnt, dann solltet ihr das Ding mal anhören. Also, mir gefällt das!


Goddamnit – „I’ll Never Be Okay, I’ll Never Be the Same“ (Jump Start Records) [Stream]
Herrlich altmodischen 90’s Emo bekommt ihr auf dem zweiten Album dieser mir bis dato völlig unbekannten Band aus Philadelphia auf die Ohren. Die Jungs spielen sich mit diesen elf Songs direkt ins Herz, da leuchten die Äuglein bereits nach dem ersten Durchlauf. Schön treibender, aber dennoch emotionaler Punkrock, nicht unähnlich den ersten Sachen von Hot Water Music, der Sänger hat allerdings eine wärmere Stimme. Da hat man direkt Bands wie Lifetime, Samiam, Black Train Jack, Jawbox oder Hell & Back in den Ohren. Sehr schöne Gitarren treffen auf treibende Drums und hymnischen Gesang. Absoluter Geheimtipp!


Good Times – „Late Bloom“ (DIY) [Name Your Price Download]
Manchmal findet man gerade beim Bandcamp-Surfen Zeugs, das sofort zündet. Diese vier Songs des Trios aus San Francisco verursachen direkt schwitzende Handflächen und lassen mich wild vor der Anlage zappeln. Zuckersüß melancholische twinkle Gitarren, die die herrlichsten Melodiebögen aus dem Ärmel schütteln lassen die Sonne aufgehen, während ein heiserer und leidender Sänger alles gibt, was tief in der Seele sitzt. Sehr intensiver emotive Screamo! Geil auch das Smiths-Cover mit den fast Shoegaze-mäßigen Gitarren als Rausschmeißer. Bitte mehr davon, diese vier Songs machen tierisch Spaß!


Portrëit – „Demotape“ (Dingleberry Records) [Name Your Price Download]
Bei dieser neuen Band aus Giessen leben Leute von Faltre und Knife Trade ihre Vorliebe für chaotischen Screamo á la Ampere, Tristan Tzara, Orchid, La Quiete, Cease Upon The Capitol oder Funeral Diner aus. Nach einem sachten Intro wird man direkt und völlig unerwartet von einer Druckwelle erfasst, die einen in einen Strudel des Wahnsinns hineinzieht. Herzzerreißendes Gekeife trifft auf messerscharfe Gitarren, die melancholische Melodien runterschmettern. Ich liebe diese Gitarren! Dazu kommt ein Schlagzeuger, der vertrackte Rhythmen und Highspeed-Knüppelattacken gleichermaßen beherrscht. Von den Texten versteht man leider so gut wie gar nichts, die zwei Songs tragen auch keine richtigen Titel, zudem hat es den Anschein, dass die beiden über siebenminütigen Songs aus mehreren verschiedenen Teilen bestehen und in einem Rutsch im Proberaum live eingeprügelt wurden. Und genau deshalb hat die Aufnahme so etwas unheimlich intensives und lebendiges an sich. Für ein erstes Lebenszeichen legen die Jungs und das Mädel am Bass jedenfalls die Latte verdammt hoch. Gerade der zweite Song B hat alles, was guter intensiver emotive Screamo braucht. Eine Wucht!


Puerto Hurraco Sisters – „Goin‘ Out“ (Rookie Records) [Stream]
Wow, was ist das denn? Frank Rahm, bekannt von den Spermbirds, Walter Elf und Kick Joneses musiziert bei den Puerto Hurraco Sisters zusammen mit einem jungen Posaunisten und der Hälfte der Wiesbadener SkaPunkSoul-Helden von Frau Doktor. Und bevor ihr jetzt schreiend davon rennt, weil man euch mit Ska verjagen kann, solltet ihr da unbedingt reinhorchen. Denn das, was die Puerto Hurraco Schwestern da vom Stapel lassen, klingt absolut frisch und macht Laune. Zwischen Soul-Jazz, Hardbob, jamaikanischer Tanzmusik, Surfmucke, Reggae und etwas Uptempo-Ska hört man hier aus jedem Ton den Spaß und die Freude der Musiker raus. Die acht Songs der Debutscheibe sind kurzweilig, eingängig und abwechslungsreich ohne Ende. Neben vier Eigenkompositionen sind vier Coverversionen (u.a. Stevie Wonder) zu hören. Sind live sicher ein Knaller!


 

Shakers – „Selftitled 7inch“ (lifeisafunnything u.a)

Packpapier ist das neue Gold für Vinylfetischisten, die sich außer Vinyl nichts leisten können/wollen. Und wenn der goldene – eigentlich beige – Karton auch noch besiebdruckt ist, dann steigt der Liebhaber-Wert rapide an. Wenn dann jedes Exemplar auch noch etwas anders aussieht, dann freut sich das Sammlerherz umso mehr. Bei meiner Ausgabe wurde zuviel schwarze Farbe aufgetragen, so dass der Bandname nur erahnt werden kann. Das flaschenbiergrüne Vinyl sieht aber dufte aus. Die Texte der vier Songs sind leider nur auf einem CD-Cover-großen Blatt abgedruckt, dementsprechend klein sind die Buchstaben. Brillentragende Blogschreiber bleiben dadurch blöd. Aber dank Bandcamp kann man das Zeug auch so nebenher lesen, so dass man immer auf dem laufenden ist.

Alles aber egal, denn die Musik, die man beim Aufsetzen der Nadel auf die Ohren bekommt, packt einen von der ersten Sekunde an am Schlawittchen. Der Opener Heaving beginnt mit ’nem Drum-Intro, danach setzen schrammelige Gitarren ein und zur Krönung schreit sich der Sänger voller Leidenschaft den Hals blutig. Bis dann nach einer Minute des schieren Wahnsinns ganz andere Töne zeigen, dass die Band auch softer kann. Melancholisch gespielte Gitarren lockern das Szenario ein wenig auf. Mit diesem ersten Song steckt die Band gleich mal die Richtung ab, der Herschmerz dominiert gerade in Heaving immens, permanentes Bedauern inklusive. Auch die nachfolgenden drei Stücke lassen einen Blick in die Seele des Sängers erhaschen, die Texte sind sehr persönlich, zudem zaubern die sich duellierenden Gitarren ganze Gänsehaut-Autobahnen auf den Rücken. Die fünf Jungs haben es jedenfalls super drauf, Spannung zu erzeugen, gleichzeitig faszinieren diese plätschernden Midtempo-Passagen wie bei Shin, Shin, Shin. So lasse ich mir emotive Post-Hardcore gefallen, der Sound der Band läuft mir supergut rein.

Die Mitglieder der Band kommen übrigens aus Wiesbaden und Mainz und sind aus der Asche der Band Snakes And Lion entstanden, zudem ist noch ein Mitglied der Band Burke mit an Bord. Die vier Songs sind laut Textblatt bereits im Jahr 2014 aufgenommen und gemischt worden, zugleich verspricht die Band, dass das nächste Release nicht so lange auf sich warten lassen wird. Ja bitte, denn ich möchte schnell mal Nachschub! Wenn ihr auf Post-Hardcore der Marke Touché Amore, The Tidal Sleep oder La Dispute steht, dann solltet ihr dieses kleine Juwel schnell mal bei einem der am Release beteiligten Label (lifeisafunnything, Miss The Stars, I.Corrupt Records) bestellen.

8,5/10

Facebook / Bandcamp / lifeisafunnything


 

Pettersson & Det Är Därför Vi Bygger Städer – „Split 7inch“ (Koepfen u.a.)

Es ist zwar eine sehr kurze 7inch – sie dauert lediglich knapp fünf Minuten – aber dafür hat sie alles, was eine saftige DIY-7inch braucht. Zum einen sind da zehn namhafte Labels beteiligt, die allesamt mit Liebe und Herzblut bei der Sache sind. Zum anderen sind da diese zwei Bands, die in der europäischen Undergroundszene schon einen festen Namen haben, obwohl beide Bands noch gar nicht so lange existieren.

Die 7inch ist optisch schonmal richtig ansprechend: das Cover ist eigentlich ganz schlicht gemacht, aber es wirkt so verdammt persönlich. Genau das ist es, was ich an DIY-Split-Releases so liebe! Man nimmt umweltfreundliches beigefarbenes Packpapier, druckt in schwarzer Farbe die Bandnamen drauf und pinselt mit einer mit weißen Farbe eingepinselten Druckvorlage-Rolle drüber. Ach ja, davor haut man noch den Label-Stempel drauf, mit aller Kraft und Liebe natürlich. Während man diesen künstlerischen Beschäftigungen nachgeht, dröhnt schöner 90er-Emo aus den Lautsprechern der heimischen Anlage. Am Besten ein Mixtape mit Bands wie I Hate Myself, Shotmaker, Orchid, Indian Summer oder Yaphet Kotto. Mit ein wenig Glück hat man noch ein paar Helfer/innen, die immensen Spaß an der Sache haben, denn das Aufkleben des schwarz-weiß-Polaroids mit dem Schiffchen drauf kann auf Dauer ganz schön anspruchsvoll sein, da krumm aufgeklebte Polaroids nur in Teenie-Poesie-Alben kleben sollten.

Die Debutscheibe Rift And Seam der Wiener Band Pettersson kam mir leider nie ins Haus geflattert, obwohl da so viele Labels dran beteiligt waren, die immer gerne was zuschicken. Schade eigentlich, da hätte ich wirklich gern was dazu geschrieben, leider ging das irgendwie unter. Nun, die Österreicher klingen hier sehr amerikanisch, italienische und französische Screamo-Einflüsse hört man auch noch raus. Songtitel sind auf der 7inch leider nirgends abgedruckt, aber dank Bandcamp erfährt man, dass das etwas über drei Minuten dauernde Stück den Titel Sensory Deprivation > Motion Sickness trägt. Die ruhige Anfangssequenz mit den cleanen Gitarren und dem zurückgelehnten Schlagzeug lässt bereits die ein oder anderen Nackenhärchen aufstehen, aber spätestens, wenn die Gitarren flirrend zu Soundwänden aufsteigen und der Sänger leidenschaftlich jauchzt und leidet, hat man einen ganzen Krokodilpanzer am Rücken. Sehr geiler Song!

Bei den Schweden Det Är Därför Vi Bygger Städer sind Leute mit dabei, die vorher bei den sagenhaften Careless gespielt haben. Der Song Reverse Polarity dauert zwar nur eine Minute und 41 Sekunden, dafür packt er dich sofort am Kragen und schnürt Dir für die restliche Laufzeit die Kehle zu. Die Gitarren kommen locker aus der Hand gespielt, dazu dieser heulend-leidende Gesang und die teils wild rüberkommenden Drums, die sehr crahbeckenlastig gespielt werden. Ach herrje, beide Bands sollten ziemlich schnell mal neue Sachen rausschmettern, das hier macht definitiv tierischen Kohldampf! Neben koepfen records sind noch Dingleberry Records, Through Love Rec., My Name Is Jonas, Pundonor Records, Hardcore For The Losers, Krimskramz, Zilp zalp Records, Rubaiyat Records und time as a color beteiligt.

8,5/10

Bandcamp / Koepfen


 

Bandsalat: Andy The Band, Aviator, Caspian Sea Monster, Diet Cig, Employed To Serve, Gnarwolves, The Heads Are Zeros, Worth

Andy The Band – „Carry On“ (Sabotage Records) [Stream]
Hinter Andy The Band versteckt sich originellerweise ein Mensch namens Andy, der aus dem Punkrock kommt und hier seine Ego-Schiene durchzieht, indem er alle Instrumente selbst und wahrscheinlich ausschließlich seinem Geschmack entsprechend eingespielt hat. Lediglich für die Produktion wurde Tommy von Vånna Inget ins Boot geholt. Andy kennen sicherlich einige von euch von Bands wie den Satanic Surfers, Terrible Feelings oder Sista Sekunden. Nun, Andy The Band steht für schnörkellosen, dirty aber catchy gespielten Garagepunk, diverse Hardcore und Emo-Einflüsse sind auch stark vertreten. Die vier Songs sind eingängig, da hat man auf der einen Seite US-Emocore- und Punkbands wie das Zeug von den späten Dag Nasty, den Adolescents, All oder den Descendents im Ohr, aber gleichzeitig klingt das ganze dann doch nicht so wild und ungestüm. Andy ist indielastiger und gefühlvoller unterwegs, so dass man spätestens nach dem dritten Durchlauf zufrieden mit den Beinchen mitwippt und an Bands wie die Hives oder die Beatsteaks denkt (bevor diese stadiontauglich wurden). Zwischen dem anfangs monoton wirkenden Gitarrengeschrammel entdeckt man immer wieder mal einen raffiniert gespielten Basslauf, eine verzückend verspielte Gitarre oder ein noisiges und dissonantes Einsprengsel. Zu einem meiner persönlichen Favoriten zähle ich dann unter anderem das in die Gehörgänge flutende Doesn’t Exist. Hinter die Bedeutung der chinesischen Schriftzeichen auf dem Cover bin ich noch nicht gekommen. Ich steh ja nicht auf die Solo-Eskapaden selbstverliebter Bandmitglieder von einst erfolgreichen Punkbands, aber das hier macht richtig Laune. Hört rein und bleibt zwei Runden am Ball, dann fetzt das!


Aviator – „Heaven’s Gate b/w Death’s Door“ (I.Corrupt.Records) [Stream]
Die zwei Songs auf diesem Release sind während einer vierwöchigen Europatour entstanden und wurden in den Faust Records Studios in Prag aufgenommen. Da wünscht man sich nach mehrmaligen Hördurchläufen direkt, die Jungs würden bald wieder auf Tour gehen, um neue Songs für den lang ersehnten Nachfolger zum 2014-er Hammeralbum Head In The Clouds, Hands In The Dirt zu schreiben. Die zwei Songs machen jedenfalls Appetit auf mehr, denn sie bieten intensiven Post-Hardcore mit Herz und Seele. Die Gitarren fetzen richtig los und türmen sich zu dichten Soundwänden auf, Bass und Schlagzeug grooven dazu wie Hölle, hinzu kommt der leidenschaftlich gesungene/gebrüllte Gesang von TJ Copello sowie eine ausgeklügelte Balance zwischen emotionalen, fast bedächtig wirkenden Parts und spannungssteigernden, beinahe mantraartig nach vorne gehenden Passagen. Bitte mehr davon!


Caspian Sea Monster – „Selftitled“ (Stargazer Records) [Stream]
Das kaspische Seemonster, das einem vom Frontcover der Digipack-CD entgegen lächelt, sieht weder von vorn noch von hinten (siehe Backcover) bedrohlich aus. Im Gegenteil, ich finde es eher niedlich, das ist so ’ne Mischung aus den Gremlins (bevor sie zum Monster werden) und einem See-Quitsche-Igel für die Badewanne. Meine Kinder fanden das Ding so witzig, dass sie es sogar abgezeichnet haben, dabei haben sie ständig gekichert. Nun, die Band Caspian Sea Monster kommt aus Chemnitz und existiert seit ca. fünf Jahren. Die Mitglieder spielten zuvor bei Bands wie z.B. Playfellow, Calaveras und Might Sink Ships. Das selbstbetitelte Debut-Album des Quartetts wartet mit insgesamt acht Songs auf, diese dauern fast 70 Minuten. Okay, während des letzten Tracks The Tremblin (der 27 Minuten dauert) wird etwas beschissen, da ca. ab der 7. bis zur 22. Minute nichts weltbewegendes passiert. Egal, denn der Rest überzeugt von vorn bis hinten. Grob umschrieben bekommt ihr hier durchdachten Post-Rock mit einigen Indie-Referenzen und tollen emotionalen Momenten auf die Lauscher. Melancholie spielt auch noch eine große Rolle, die gefühlvoll gespielten Gitarren und der zerbrechlich wirkende Gesang von Sänger Toni Niemaier erzeugen zusammen mit den smoothen Rhythmen und den Synthie-artigen Klängen zusätzlich für kribbeln im Nacken. Auch die satte Produktion weiß zu gefallen. Stellt euch entschleunigte Mewithoutyou vor, die emotionalen Post-Rock für sich entdeckt haben. Geile Scheibe, eher was für die ruhigen Momente in eurem Leben.


Diet Cig – „Swear I`m Good At This“ (frenchkiss) [Stream]
Zuckersüßen Indie-Emocore bekommt ihr von diesem Duo aus New York wie Honig um die Schnauze geschmiert. Boah, ich kannte die Band bisher nicht und hab kürzlich das Video zum Song Maid of the Mist angeschaut. Das Video selbst ist zwar schön gemacht, aber vom Hocker gehauen hat mich nur die Mucke. Was für ein geiler Song, ziemlich sicher war ich mir, dass dieser Song auf irgendeinem Sommer-Mixtape verewigt werden wird! Völlig überrascht war ich allerdings, als ein paar Wochen später die Digipack-CD in einem Päckchen aus dem Hause Fleet Union im Briefkasten lag. Nun, bei Diet Cig wirken wie bereits erwähnt nur zwei Leute mit. Da wäre zum einen Gitarristin Alex, die auch gleichzeitig noch in einer Tonlage und mit einer Hingabe singt, die Dir alle Nackenhärchen wie bei einem Stromstoß hinstellen. Dann gibt es noch Noah an den Drums, der dem ganzen einen gewissen Drive gibt und auch schonmal richtig abgeht (Blob Zombie z.B.). Auf Swear I`m Good At This werden euch jedenfalls 13 spaßbringende Songs auf die Ohren gepackt, die man irgendwo zwischen Indie, Emo und Pop-Punk einordnen könnte. Unbedingt solltet ihr euch auch noch den Song I Don’t Know Her anhören, mit dem Video zu Tummy Ache könntet ihr euch noch näher an die Band herantasten. Nach ein paar Durchläufen bin ich jedenfalls total hin und weg, da mich das irgendwie an eine Mischung aus The Anniversary und der deutschen Band Ohios Favorite erinnert.


Employed To Serve – „The Warmth Of A Dying Sun“ (Holy Roar Records/AL!VE) [Stream]
Ich liebe solch apokalyptische Albumtitel! Diese vermitteln direkt, wo es musikalisch wohl langgehen wird. Im Falle des zweiten Albums der Band aus Woking/UK dürfte der Abgrund nicht mehr weit sein, in den ihr nach dem Hörgenuss fallen könntet. Düster und heftig kriechen die Gitarren aus den Lautsprechern, kräftig und mächtig bolzt das Schlagzeug Kerben in eure Gehörgänge, dazu brüllt sich die Sängerin den Hals klötzchenweise blutig. Die Jobs, in welchen sie und ihre Bandkumpanen tagsüber so arbeiten, dürften sicherlich dazu beigetragen haben, dass die zehn Songs so ultrabrutal angepisst klingen. Ihr kennt das sicher auch: da kommt man völlig fertig von einem beschissenen Tag heim und will nur entspannen. Zuhause läuft es aber auch nicht besser: Wohnung steht unter Wasser, es wurde eingebrochen oder man hat keine Internetverbindung. Dann hilft eigentlich nur eines: entweder man macht selbst Musik, die in die Richtung des Quintetts geht, oder man legt diese Scheibe hier auf und findet sich in Gedanken wieder, die sich darum drehen, ob man sein passives Dasein voller Stagnation wehrlos hinnehmen will oder endlich mal aus sich rausgeht und für das kämpft, was einem wichtig ist. Diese Band zeigt uns jedenfalls, dass man mit viel Wille und Kraft etwas auf die Reihe bekommt, von dem so mancher Erdenbewohner noch nicht mal was mitbekommen hat.


Gnarwolves – „Outsiders“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Es klingt zwar doof, aber eigentlich ist das hier genau das, was mir bei den Gnarwolves aus Brighton/UK als erstes in den Sinn kommt: Hier weiß man in der Regel, was man zu erwarten hat. Nämlich schnellen melodischen Hardcore-Punk, der etwas näher am Melody-Punk dran ist, aber bei dem man noch genügend Schrammen abkriegt, weil man mit dem Sound im Ohr und auf dem Skateboard stehend meint, dass man immer noch 15 Jahre alt wäre und der eigene Körper eigentlich aus reiner Kautschuk-Masse bestehen würde, die allen Stürzen standhält. Autsch! Zehn Songs. Fans von neueren Lifetime, Good Riddance, Grey Area, Dillinger Four oder Blacktrain Jack dürften bei den Gnarwolves Pippi in die Augen bekommen. Mein Anspieltipp: Paint Me A Martyr.


The Heads Are Zeros – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Zwölf Songs sind auf dem Debut-Album dieser noch nicht so bekannten Band aus Baltimore zu hören. Bisher wurden zwei EPs veröffentlicht und der Laufzeit dieses Albums von gerade mal 23 Minuten nach würde man das hier in Post-Rock-Kreisen mit Sicherheit als eine etwas zu lange geratene Single bezeichnen. Wenn ihr auf totales Grind-Massaker mit keifender Frau am Mikro abfahrt, dann seid ihr hier genau richtig. Die Gitarren schrubben wie wahnsinnig, der Drummer wird wahrscheinlich nachts noch von Napalm Death-Live-Videos verfolgt. Kommt geil. Für Fans von Botch, Dillinger Escape Plan oder Converge. Das hier würde ich mir gern live reinziehen!


Worth – „Lacus“ (DIY Cat Life Records) [Name Your Price Download]
Bevor ich jetzt mit meinem nicht vorhandenen großen Latinum angebe, spanne ich euch nicht länger auf die Folter: der EP-Titel stammt nämlich aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie See, Gewässer oder Wasser. Ja, diese Übersetzung könnte passen, das liebevoll besiebdruckte Coverartwork bestärkt mich jedenfalls in der gegoogelten Bedeutung des Wortes Lacus. Die fünf Jungs aus Bonn haben sich mit ihrer ersten EP jedenfalls viel Mühe gegeben. Das ganze wurde in Eigenregie gestemmt, die EP wurde klassisch im Proberaum engeprügelt und ist in einer kleinen Auflage entweder als Tape oder als CD erhältlich. Mir liegt die CD vor, deren Label ebenfalls mit einem schönen schwarz-weißen Siebdruck beklebt ist, zudem gibts das Ganze zum Name Your Price Download auf der Bandcamp-Seite der Band. Schade, dass kein Textblatt beiliegt, aber die Texte der fünf Songs lassen sich wenigstens auf Bandcamp nachlesen. Nun, vom Sound her gefallen mir die fünf Bonner recht gut, auch wenn die Mischung aus Post-Hardcore, Melodic Hardcore, Punk und Emo keine außergewöhnlichen Überraschungen an Bord hat. Ich meine, solch einen ähnlichen Sound vor Jahren mal für die Seite Borderline Fuckup besprochen zu haben. Ja doch, On Elegance aus der Schweiz klangen ähnlich. Das soll jetzt aber nichts abwerten, denn das Songwriting ist in sich stimmig, es gibt immer wieder Parts die aufhorchen lassen und sofort ins Ohr gehen. Hier seien z.B. die mehrstimmigen Chöre und die melancholisch gespielten Gitarren genannt, die von flächig gespielten Melodic Hardcore-Gitarren bis hin zum leise verspielten Emopart schön abwechslungsreich sind. Und klar, der Sänger leidet auch ganz schön intensiv. Und zwischendurch gibts bei Amisk einen vertrackten Refused/Abhinanda-mäßigen Break-Part. Als Anspieltipp empfehle ich gerade das Titelstück Lacus/IV, denn in diesem Song zeigt die Band ihr ganzes Spektrum. Mir gefällt v.a. der rohe und noch nicht so glattgeschliffene Sound, da ist noch genügend Biss und Rotze dabei. Leute, die sich eine Mischung aus Touché Amore, As Friends Rust und Trembling Hands vorstellen können, sollten hier unbedingt mal reinhorchen.