Villages – „Ill Ages“ (Pike Records)

Das hier ist eine 12inch, die sich nicht auf Anhieb durchschauen lässt, auch wenn die Gestaltung des Releases uns etwas anderes vorgaukelt. Wahnsinn, wenn der Bandschriftzug nicht pink wäre und das Label nicht schwarz, dann könnte man das Ding schonmal locker irgendwo im Wohnbereich verlegen, ohne dass man es jemals wieder finden würde. Aber glücklicherweise sticht der eben erwähnte Bandschriftzug und das schwarze Label im Kontrast zum clearen Vinyl und der durchsichtigen Hülle deutlich heraus. Die Hülle ist dazu noch mit den Texten  und einer kleinen Thankslist bedruckt. Ha, und weil alles durchsichtig ist, kann man auch den auf einen transparenten Sticker gedruckten Downloadcode erkennen, bevor man das gute Stück auch nur sein eigen nennen darf. Vinyl-Fans werden diese Scheibe jedenfalls mit Kusshand entgegennehmen, auch wenn noch gar nicht klar sein sollte, was für Musik darauf zu hören sein wird und der Download-Code bereits benutzt wurde (reine Theorie). Die Texte scheinen übrigens irgendwie in Anlehnung an den Plattentitel geschrieben worden zu sein, so dass man zusammen mit dem Wortspiel eventuell sogar von einer Art Konzeptplatte sprechen kann.

Es war irgendwann Ende Februar, als mir Axel von Pike Records ein Vinylexemplar der Debutscheibe der Dresdner Band Villages – die ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Schirm hatte – in Aussicht stellte. Das Ding war zur damaligen Zeit gerade frisch im Presswerk, zur Hörprobe musste deshalb erstmal die 3-Song-Demo herhalten.  Bei manchen Anfragen kann man auch ohne Hörtest schon die Begeisterung des Labelmachers zwischen den Zeilen rauslesen, so dass man ziemlich schnell merkt, dass die Musik ganz genau ins Beuteschema passt. Und klickt man dann die Hörprobe an, ist man doppelt hin und weg. Und ein paar Wochen später wird dann auch noch mit einem exklusiven Soundcloud-Presse-Link das Maul wässerig gemacht, bevor endlich die stoßdicht verpackte Scheibe im analogen Postfach für den ersten oben beschriebenen Eindruck sorgt.

Wenn Vinyl in Aussicht steht, mache ich selten vom Vorab-Stream für die Presse Gebrauch, da halte ich eisern durch. Auch wenn es mir manchmal extrem in den Fingern juckt, war es im Fall der 12inch von Villages genau richtig, erst in die Vinylversion reinzuhören. Bei einem Download-Link wäre der erste Eindruck vermutlich anders ausgefallen. Warum? Kaum setzt die Nadel auf, kommen erste Befürchtungen, dass die Band zwischen Demo und Debut Richtung Techno abgedriftet sein könnte, denn der Opener Pulse beginnt mit einem basslastigen Techno-Gewummer, das dazu noch von wabernden Orgel-Keyboards begleitet wird, deshalb gleich mal Entwarnung. Kommt gut auf Vinyl, auch deshalb, weil sich dazu ziemlich bald kraftvolle Drums und ein pumpender Bass gesellt, so dass man Bands wie z.B. !!! im Hinterkopf hat. Und im letzten Drittel kommen dann sogar noch richtig geile Gitarren dazu, die irgendwo zwischen Shoegaze und Post-Punk/Post-Rock liegen. Eine Instrumental-Platte also? Eher eine Art zu lang geratenes Intro, denn im zweiten Song Midnight Midnight wird es richtig geil, dort tauchen nämlich angenehm gesungene Vocals auf, die von schrammelnden  Gitarren und dynamisch gespielten Drums begleitet werden, bis irgendwann im ersten Drittel so richtig geile Emo-Gitarren (At The Drive-In lassen grüßen) um die Ecke linsen. Mit einem zweiten Instrumental ist dann auch schon nach drei Songs die A-Seite vorbei. Wohlgemerkt: nach kurzweiligen 19 Minuten.

Das Eröffnungsstück der B-Seite rockt dann wieder richtig geil los. Feeble Breed ist neben Midnight Midnight eines der Stücke, vor welchen ich mich tief verbeuge, auch wenn Sober Tactics mit seinem vertrackt treibenden Rhythmus und seinen mehrstimmigen Chören ebenfalls reizend rüberkommt und jede Menge Charme versprüht. Auf fast vierzig Minuten Spielzeit toben sich die drei Jungs jedenfalls ausgiebig aus. Zwischen noisigen Parts, Synth-Pop, Post-Rock-Passagen und Post-Punk-Verweisen strotzen die sieben Stücke vor Experimentierfreudigkeit, so dass auch mal ein Glockenspiel oder leiernde Shoegaze-Gitarren zu hören sind. Hinzu kommt, dass Ill Ages trotz des vielschichtigen und eigenständigen Gebräus verdammt eingängig ist, was man aber erst nach mehrmaligem Hören entdeckt. Wenn ihr euch eine Mischung aus !!!, At The Drive-In, One Man And His Droid, The Cure, PTTRNS und Urban Homes vorstellen könnt, dann solltet ihr dieses Release unbedingt anchecken. Ach ja, Villages gingen übrigens aus der Hardcore-Band Lara Korona hervor, das erklärt den Punk-Background.

8/10

Bandcamp / Facebook / Pike Records


 

Bandsalat: Admiral Phantom, Fox Wound, Insula, Perish Song, Repetitor, Slow Mass, Tano!, Trees

Admiral Phantom – „Shelter Dog“ (DIY) [Name Your Price Download]
Je umfangreicher der Lesezeichen-Ordner im Browser, umso unübersichtlicher der Inhalt. Scheiße, wie bin ich auf diese Band wohl wieder gestoßen? Eine Anfrage war es jedenfalls nicht. Direkt von den Gitarren und vom Schlagzeug des Openers It’s Dangerous To Go Alone angefixt, ist man jedenfalls bis zum Platzen gespannt, was da jetzt im Verlauf des Albums alles folgen wird. Und spätestens, wenn der Gesang einsetzt, bekommt man dieses Leuchten in den Augen. Admiral Phantom kommen aus Cleveland und bisher wurde eine EP in etwas schlechter Soundqualität veröffentlicht. Okay, im Verlauf der neun Songs merkt man zwar auch den ein oder anderen Spielfehler, aber das stört überhaupt nicht. Denn Admiral Phantom vereinen gekonnt emotive Screamo, Post-Hardcore,  Emocore und Punk zu einem Soundgemisch, das frisch und lebendig klingt. Children Of Fall treffen auf Merchant Ships oder so.


Fox Wound – „In Passing, You Too Faded“ (625846 Records DK) [Stream]
Nach zwei EP’s legt die Band aus Atlanta/Georgia ein Debut-Album vor, das unglaublich intensiv und einlullend daherkommt und Dich auf eine sagenhafte 34-minütige Reise mitnimmt. Die Gitarren schwirren Dir dabei nur so um die Ohren, die Crashbecken scheinen von weiter Ferne zu rauschen, Du driftest ab in träumerische Klangwelten, bevor ungeheuer dichte Screamo-Passagen an Dein Ohr dringen, die Dich mit rausgebrülltem und leidendem Schrei-Gesang  aus dieser geheimnisumwobenen und mit bunten Luftblasen gefüllten Traumwelt hochschrecken lassen. Fox Wound schaffen es gekonnt, melancholischen Emocore mit Shoegaze-Einflüssen, Post-Hardcore, Indie und Screamo zu einem extrem spannenden Sounderlebnis zu machen.  Die Intensität wird durch die teilweise länger andauernden Instrumental-Passagen noch weiter gesteigert, zudem handeln die Texte vom Umgang mit Verlust und Trauer. Ein Wahnsinnsalbum, hört da unbedingt rein, es wird euch warm ums Herz werden!


Insula – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Zum Albumcover hab ich absolut keine Idee, echt nicht. Ich find das sogar irgendwie scheiße. Das kennt man ja: man hat fünf Songs aufgenommen und will die unbedingt unters Volk bringen. Leider fehlt ein Coverartwork. Deshalb nimmt man das nächstbeste Foto auf dem Rechner, auf welchem keine Gesichter und kein Autokennzeichen zu sehen ist. Passt doch irgendwie, also schnell mal hochladen. Gut, wenn trotz Gurken-Cover die Musik akzeptabel ist. Denn Insula macht ’ne Mucke, die mir ganz gut reinläuft. Verspielte, teils clean gespielt und teils runtergestimmte Matsch-Gitarren, Vocal-Samples, chaotische Drums, pulsierendes Geschrei und nette Rückkopplungs/Übersteuerungs-Geräusche machen diese fünf Songs zu einem kurzweiligen Gebräu aus Hardcore, Punk, emotive Skramz, Emopunk und Post-Hardcore.


Perish Song – „Where Nothing Is Born And Nothing Dies“ (DIY) [Name Your Price Download]
Bei Perish Song handelt es sich um eine neue zwei-Mann-Band, bei der Jason Springer von Wherebirdsmeettodie mitwirkt. Geboten wird intensiver emotive Screamo, der mit wunderschöner Gitarrenarbeit für den ein oder anderen Brustklopfer sorgt. Insgesamt drei Songs in knapp sieben Minuten machen unweigerlich Appetit auf mehr. Irgendwo zwischen der Melancholie von Bands wie den frühen Appleseed Cast, den twinkle-Gitarren von Algernon Cadwallader und der Intensität von Bands wie den frühen Touché Amore, dabei bleibt alles in so einer gewissen Mid90’s Emocore-Stimmung. Zippt euch diese drei Songs mal schnell auf die Festplatte, ihr werdet sie lieben!


Repetitor – „Gde ćeš“ (Moonlee Records) [Name Your Price Download]
Mit Stoner-Rock kann ich ja absolut gar nix anfangen, keine Ahnung, warum ich trotzdem auf den Play-Button bei Bandcamp gedrückt habe. Aber, ich kann euch Stoner-abgeneigten Menschen auch sofort Entwarnung geben. Klar, es gibt Stoner-Gitarren, aber eigentlich überwiegt hier Noise und Dissonanz. Und obendrein gibt es eine Sprache auf die Ohren, die man gar nicht so gewohnt ist. Denn Repetitor kommen aus Belgrad/Serbien und singen in der Landessprache. Zwischen Post-Punk mit fetten Slap-Bässen und runtergestimmten Gitarren erinnert zumindest der Gitarrensound an Bands wie Sonic Youth, Drive Like Jehu oder Dead Kennedys. Und zwischendurch gibt es auch mal Songs, die eure Nerven strapazieren.


Slow Mass – „Treasure Pains“ (Landland Is Not A Record Label) [Stream]
Das Coverartwork war es mal wieder, was mich bei Bandcamp auf die Play-Taste drücken ließ. Slow Mass kommen aus Chicago und das hier ist die Debut-EP der Band. Und wow, Treasure Pains hat sechs Songs im Gepäck, die mich absolut fesseln können. Die Gitarren schrammeln, das Schlagzeug klingt dreckig und der Bass vibriert gewaltig, genial auch die abwechselnd weiblichen und männlichen Vocals. Post-Hardcore, Emo, Indie, Grunge, Punk, Pop und Noise, von Melodie bis Dissonanz ist alles enthalten. Das dürfte euch gefallen, hört da unbedingt rein!  Dark Dark Energy  kommt auf’s nächste Mixtape!


Tano! – „Selftitled“ (Krimskramz u.a.) [Name Your Price Download]
Unglaublich, mit welcher Wucht dieses Duo aus Girona/Spanien auf seinem Debut nach vorne prescht. Bei Tano! handelt es sich um das neue Baby von Oskar Garcia, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der Band Hurricäde und Víctor Álvarez, welchen man als Bassisten und Sänger der Band Anchord kennt. Die zehn Songs werden in katalanischer Sprache vorgetragen und besitzen so unglaublich viel Power, dass man kaum still sitzen kann. Stop’N’Go-Hardcore, Noise, Screamo, Emoviolence, Post-Hardcore und Math-Core verschmelzen zu einem derart dichten Soundgebräu, welches Dir bereits beim passiv hören den Schweiß auf die Stirn treibt. Ob die zwei Typen sich live bei diesem dichten und satten Sound noch jemanden dazuholen müssen, ist gar nicht mal so sicher, wenn man nur mal das kurze Live-Video auf der Facebook-Seite betrachtet.  Krasse Live-Action! Refused treffen auf The Locust, Hurricäde verbünden sich mit Drive Like Jehu und bleiben dabei aber so düster und bedrohend wie Converge oder Botch. Ein monströses Wahnsinnsalbum! Erscheint neben Krimskramz noch auf den DIY-Labels La Agonia De Vivir und Saltamarges.


Trees – „Selftitled“ (midsummer records) [Name Your Price Download]
Das Albumcover würde als Siebdruck auf ’nem braunen Naturkarton sicher sehr schön rauskommen, zumindest hat mich das Artwork so angesprochen, dass ich den Play-Button auf der Bandcamp-Seite gierig betätigte. Und siehe da, die Musik kann vom ersten Ton an überzeugen und reißt mich direkt mit. Zwischen Post-Hardcore, etwas Ambient, Emo und Post-Rock klingt das hier nach ziemlich ausgeklügeltem Jahrtausendwendenposthardcore. Das erinnert dann an Bands wie Thursday oder Thrice auf der US-Seite oder an Sachen wie Three Minute Poetry, Lockjaw, Treadmill oder  Ambrose auf der deutschen Seite. Warum diese ollen deutschen Emocore-Bands als Vergleich herhalten müssen? Nun, Trees kommen erstens auch aus Deutschland, genauer gesagt aus Saarbrücken und zweitens hätten sie in die damalige Szene mit diesen genannten Bands hervorragend reingepasst. Die sechs Songs gefallen jedenfalls außerordentlich gut und nachdem die Band das Release für lau auf die Bandcamp-Seite gestellt hat, ist die EP mittlerweile auch digital über midsummer records erhältlich. Wobei das auch wieder wie die Faust auf’s Auge passt, denn da gibt’s mit City Light Thief, A Saving Whisper oder This April Scenery ähnlich gestrickte Bands in der Nachbarschaft.


 

Lingua Nada & Paan – „Split 12inch“ (lala Schallplatten/Kapitän)

Wie geil es sich doch immer wieder anfühlt, frisch produziertes Vinyl im Hausflur vorzufinden! Und dabei hätte ich nicht dran geglaubt, dass es mit einem physischen Vinylexemplar überhaupt noch klappen würde, da ich ziemlich spät auf die Promo-Anfrage von Fleet Union antwortete. Offenbar hatte ich den richtigen Riecher, denn die Scheibe fand wohl wenige Tage nach meiner Willensbekundung den Weg zu mir, und zwar in der grau-blau marmorierten  Vinyl-Version. Direkt und fast noch warm aus dem Presswerk mit kurzem Zwischenstopp bei Fleet Union, bei wechem Benjamin noch kurz einen Viel-Spaß-Post-It auf die Stirn der büstenartigen Person auf dem Albumcover geklebt hat (der pappt jetzt am Textblatt, so schöne persönliche Schnipsel bewahre ich natürlich auf). Ach ja, bevor ihr verwirrt seid und euch fragt, welche büstenartige Person denn wohl gemeint ist, könnte das daran liegen, dass ihr ein anderes Coverartwork vor dem Auge habt, denn die zwei am Release beteiligten Labels lala Schallplatten und Kapitän Platte bieten jeweils ein alternatives Cover für die Split an. Wenn ich mich nicht täusche, dann zeigt die beiliegende Postkarte das Cover der anderen 12inch an. Ha, lustig wäre natürlich auch gewesen, wenn beide Bands jeweils ein ganzes Album aufgenommen hätten und es auch musikalisch auf zwei alternative Split-Versionen aufgeteilt hätten. Vielleicht beim nächsten Mal? Verrückt genug scheinen mir beide Bands zumindest zu sein. Sowohl Paan als auch Lingua Nada kommen aus Leipzig, allerdings klingt die Musik der beiden Kapellen alles andere als ähnlich, gemeinsam ist nur der Punk-Background und die Vorliebe beider Bands für abgedrehte Musikvideos, so dass man hier ohne rot zu werden von Leipziger Allerlei sprechen kann.

Eröffnen dürfen Lingua Nada, die ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Beim ersten Durchlauf der fünf Songs musste ich erstmal prüfen, ob vielleicht mal wieder irgendein Kind an den Equalizer-Knöpfchen der Anlage rumgedreht hat. Fehlanzeige, der Sound gehört wohl so. Teilweise total übersteuert, beängstigend psychedelisch, als ob man am Rechner sitzt, einen Song startet und im Hintergrund irgendwo ein Fenster aufgeht, in welchem ebenfalls unbemerkt Musik gestreamt wird. Und im nächsten Moment packen Dich enorm geile Shoegaze-Parts wie z.B. im Song Franca am Schlawittchen. Die Leipziger passen eigentlich in keine Schublade, obwohl sie sich natürlich gnadenlos aus allen Genres bedienen: Post-Rock, Shoegaze, Math-Rock, irrwitzigem Elektro á la Lafftrak, Indie, Garage-Rock, Noise, Techno, Prog-Rock und Emo. Und was sich anfangs beim ersten Durchlauf etwas gewöhnungsbedürftig anhört, entwickelt bereits nach dem dritten Durchlauf gewisse Ohrwurmqualitäten. Dass die Jungs ordentlich einen an der Waffel haben dürften, zeigt auch das Textblatt, auf dem die Texte in codierter Form abgedruckt sind. Das ist doch so ’ne Windings-Schrift? Da stehen sicher verschlüsselte Botschaften drin, die geheim bleiben sollen. Wahnsinn!

Eher geläufig sind mir dann Paan, die mich mit ihrem vorwiegend deutschsprachigen Screamo bereits in der Vergangenheit gehörig um den Finger gewickelt haben. Die drei Songs dauern auch insgesamt so ca. 15 Minuten, so dass die Gesamtspielzeit der 12inch so etwas über 31 Minuten kommt. Die Texte von Paan sind übrigens nicht codiert. Wie dem auch sei, von der ersten Sekunde an merkt man, dass hier massig Herzblut drin steckt. Gerade der Gesang! Der kommt total authentisch und emotional rüber. Bei den Schreiparts ohne Rücksicht auf die Stimmbänder, bei den Spoken Words hoch emotional. Erinnert zumindest bei den leisen Passagen an Bands wie Manku Kapak oder Sog. Und dann wickeln natürlich die Gitarren ordentlich Wolle um den Finger. Auf der einen Seite schön verspielt, auf der anderen Seite kommen sogar runtergestimmte Gitarren mit Stoner-Einflüssen zum Zug. Und bevor es droht, zu langsam zu werden, galoppieren diese Gitarren hochmelodisch und begleitet von dynamischen Getrommel der Sonne entgegen. Dazwischen auch mal Spoken Words, mehrstimmiges Screamo-Zeugs und Bassläufe, die Dir zusammen mit den aufbauenden Gitarren und den steigernd gespielten Drums schwitzende Hände machen können. Sehr starkes Release!

8/10

Lingua Nada Bandcamp / Paan Bandcamp / lala Schallplatten / Kapitän Platte


 

Bandsalat: AYS, Decibelles, Heim, Il Mare Di Ross, Mobina Galore, Start A Fire, Tides, Witness

AYS – „Worlds Unknown“ (End Hits Records) [Stream]
Es liegt an Veröffentlichungen wie der neuen Miozän-Scheibe oder Zeugs wie diesem hier, die Deutschland in Sachen Hardcore im Jahr 2017 Back On The Map bringen und selbst mich dazu anstiften, nervös zappelnd einen Live-Moshpit herbeizusehnen. AYS sind ja längst keine Unbekannten mehr, sie tingeln mittlerweile auch schon wieder seit 15 Jahren unermüdlich durch die Lande, unglaublich. Und diese Live-Präsenz, die sich zuletzt sogar auf Länder wie China, Indonesien, Malaysia und Singapur ausweitete, macht sich auf Worlds Unknown deutlich hörbar, inhaltlich wie musikalisch. Nach einem asiatisch angehauchten Intro klatscht Dir erst mal die brachiale Wucht des Openers die Emobrille von der Nase. Das Ding zerstört atompilzmäßig! Nach diesen zarten Intro-Klängen wird man unerwartet brutal mit fetten Drums und ultraderben Gitarren, die sofort mit dem wuterfüllten Gekeife von Sänger Schommer begleitet werden, an die Wand gedrückt. Die Lyrics handeln von Eindrücken und Gefühlen, die Schommer während einer Asien-Tour beschäftigt haben. Schade, die Texte hätte ich gern gelesen, aber leider war das nur eine Downloadbemusterung. Das Artwork kommt im 12inch-Format sicher auch geil. Jedenfalls Hammer! Dieser schleppende, im Midtempo angesiedelte Sound hat soviel Power an Bord, dass man schon nach dem ersten Song nostalgische Sternchen vor Augen hat und unweigerlich an Bands wie Strife (Frühphase), die metallastigen Cro-Mags (Best Wishes und so), Snapcase, Biohazard, härtere Life Of Agony, Path Of Resistance (die Victory Band), die Stuttgarter Band Sidekick (RIP – deren Sänger Jogges – mittlerweile Empowerment – hat übrigens auch einen Gastauftritt) oder auch neuere Bands wie Time’s Tide denken muss. Fuck, diese 12 Songs zerstören einfach alles und sind so genial, dass ich schon endlose Sätze mit Klammern schreibe. Bevor das hier in ner mathematischen Formel ausartet, solltet ihr dieses Hammerding unbedingt anchecken und der Band anschließend einen Besuch bei einer ihrer nächsten Shows abstatten!


Decibelles – „Tight“ (Kidnap Music) [Stream]
Obwohl die Decibelles auch schon wieder seit Bandgründung zwölf Jährchen auf dem Buckel haben, wurde ich erst vor kurzem auf die drei Damen aus Lyon aufmerksam und staunte nicht schlecht, als ich aufgrund der Promo-Meldung von Rookie Records bezüglich eines neuen Signings des Labels Kidnap-Music ein paar auf Youtube zur Verfügung stehende Videos der Decibelles betrachtete. Und kaum ein paar Monate später trudelt auch schon das neue Album Tight als Vorab-Promo-CD hier ein. CD in den Schacht und auf Play gedrückt, wird man auch schon direkt von diesen Songs in Beschlag genommen. Die zappelige Mischung aus Post-Punk, Noise und etwas Indie-Punk klingt äußerst charmant, obwohl stellenweise reichlich Wut, Power und Rotzigkeit im Sound der Französinnen an die Oberfläche schwappt. V.a. der Bass bröselt ordentlich, die Schlagzeugerin hat coole abgedrehte Moves und Rhythmen drauf und die Gitarre schrammelt ungehemmt, während der Gesang schön Riot-Grrrl behaftet ist. Auf der einen Seite sind also diese sperrig-noisigen Passagen, die mit zappeligen Rhythmen um die Ecke kommen, auf der anderen Seite kommen aber auch fast poppige und shoegaze-affine Züge mit rein, da wird sogar zuckersüß gesungen (z.B. das geniale Super Fish oder der Ohrwurm All Wet), aber auch schön gekreischt (Yeux Secs, Sick As Shit). Stellt euch eine Mischung aus Sleater-Kinney, frühen Le Tigre, frühen Lush, Primus, X-Ray-Spex, etwas At The Drive-In und  Shellac vor, das kommt so ungefähr hin. Die Decibelles sollen laut Presseinfo live übrigens richtig geil sein, nicht umsonst haben keine geringeren als die eben genannten Shellac die Band als Support für einige Shows der kommenden Europa-Tour eingeladen.


Heim – „Palm Beach“ (Tapete Records) [Stream]
Verdammt! Neulich kam eine lieb geschriebene Anfrage aus dem Hause Tapete Records in das elektronische Postfach geflattert, die neben einem Downloadlink dieses Albums auch noch auf eine Show der Band bei mir um die Ecke hinwies. Verdammt deshalb, da ich an diesem Abend verhindert war und leider nicht hingehen konnte. Ein wenig mit Tapete Records hin und hergeschrieben kam dann just an dem Tag des Konzerts die CD mit der analogen Post ins Haus geflattert und um mich zu quälen, legte ich die CD dann dooferweise auch noch direkt in den Schacht. So bitter! Denn Heim klingen auf Palm Beach so lebendig, dass man sich ausmalen kann, wie geil ein Konzert der drei aus irgendwelchen Käffern der bayerischen Provinz stammenden Slacker-Typen wohl sein könnte. Dass die acht Songs des Albums live eingespielt wurden, das kann man direkt fühlen. Erstmal sind da diese Gitarren, die alles in Grund und Boden rocken, dabei aber so verdammt gefühlvoll rüber kommen. Mal gehen sie fuzzy ab, dann schwirren sie Dir wie verliebt tänzelnde Schmetterlinge um die Ohren, um Dir im nächsten Moment die volle Breitseite zu geben. Das mit viel Crashbecken gespielte Schlagzeug und der knarzende Bass sorgt für den nötigen Noise-Faktor, der sich oftmals psychotisch ins Hirn hämmert. Und dann sind da noch die deutschen Texte, die mal gesungen und mal derb geschrien vorgetragen werden. Stellt euch vor, Dinosaur Jr., Shellac und Pavement jammen mit The Jesus Lizard und Drive Like Jehu, dazu holen sie sich noch ’nen Sänger, der wie eine durch einen Touch And Go Records-Filter gejagte Mischung aus dem Tele-Sänger und Udo Lindenberg klingt und zudem noch derbe schreien kann. Sehr sehr geil also. Mein Tipp: bestellt euch die Platte und packt Songs wie Das Alte Versteck oder Nicht Mehr Da auf euer nächstes Mixtape!


nullIl Mare Di Ross – „Nulla è per sempre neppure l’inverno“ (Dingleberry u.a.) [Stream]
Die Digi-Pack-CD kommt im schönen DIY-Papp-Stil mit eingestecktem Hochglanz-Booklet, die CD in Vinyloptik rundet das ästhetische Gesamtbild entsprechend ab. Denn im Booklet finden sich neben komplett schwarzen Seiten schön düstere schwarz-weiß-Fotografien, zudem sind die italienischen Texte nachzulesen. Allerdings ohne englische Übersetzung, was das ganze natürlich spannend macht, wenn man italienische Sprache nur im Zusammenhang mit Pizza gewohnt ist. Ich schließe mal aufgrund der düsteren Grundstimmung, dass die Textinhalte sich dem Gesamtbild anpassen. Der Sänger speit Gift und Galle, erstickt fast an seiner Verzweiflung, so dass man sich auch ab und an an ruhigeren Post-Rock-Passagen erfreuen kann, bevor wieder das Chaos ausbricht und die ganze Schwere der Musik aufs Gemüt drückt. Seit dem Split Tape mit Riten und Aperture (was machen die eigentlich?) haben die fünf Sardinier deutlich mehr Post-Hardcore/Post-Rock-Klänge in ihrem Sound verarbeitet. Würd ich gern mal live sehen!


Mobina Galore – „Feeling Disconnected“ (Gunner Records) [Stream]
Ich weiß nicht, woran es gelegen hat, dass ich das kanadische Duo bisher komplett ignoriert habe. Dementsprechend war ich positiv überrascht, als Feeling Disconnected per vorab-Promo-CD im Briefkasten lag und ich gespannt diesen verdammt intensiven zehn Ohrwurm-Hymnen lauschte, die dazu noch die nötige Portion Biss und Power im Gepäck haben. Auf der einen Seite sind diese eingängigen Hooks mit perfekt geschrammelten Gitarren und hymnenhaften Vocals, auf der anderen Seite hat das ganze noch genügend Rotze. Die insgesamt zehn Songs lassen keinerlei Langeweile aufkommen. Das ist eigentlich Wahnsinn, da hier ja nur Gesang, Schlagzeug und Gitarre zu hören ist. Laut Presseinfo handelt es sich bei Feeling Disconnected um eine Art loses Konzeptalbum, da die Songs sich allesamt mit dem Thema Trennung beschäftigen. Arschtretend und eingängig zugleich, das müsst ihr euch unbedingt mal anhören!


Start A Fire – „Schattenjagd“ (Twisted Chords) [Stream]
Dass Start A Fire eine Vorliebe für selbst gedrehte Musikvideos haben, lässt sich kaum verheimlichen. Zum neuen Album gab es deshalb im Vorfeld gleich drei neue Videos zu sehen. Ich bin gespannt, wann der Zeitpunkt kommt, an welchem die Jungs ein komplettes Album im Videoformat rausbringen, das wäre doch mal eine Überlegung wert. Die andere Leidenschaft, die die Band zu haben scheint, ist deutsche Lyrik. Nun, neulich zockten die Jungs im JuHa um die Ecke, weshalb ich das Angebot des Labels auf einen Gästelisten-Platz als alte asoziale Punkerzecke natürlich gern in Anspruch nahm, auch wenn man am Einlass dann doch peinlich berührt ist, dass der Eintrittspreis für 3 Bands gerade mal 4 Euro beträgt. Naja, egal. Dieser nette Abend mit vielen altbekannten Gesichtern begann mit Vorglühen wie in alten JuHa-Zeiten und entwickelte daher von Anfang an eine gewisse feuchtfröhliche Stimmung. Die Kohle, die beim Eintritt gespart wurde, ging also im Laufe des Abends für die zwei Kaltgetränke mehr drauf, die letzlich das Fass zum Überlaufen brachte und die dann dafür verantwortlich waren, dass ich anstelle mit dem Fahrrad heimzuradeln die Mitfahrgelegenheit eines Kumpels in Anspruch nahm und dadurch die letzten 3 Songs von SAF verpasste, aber wenigstens heil nach Hause kam. Nun, ich erwähnte es bereits im Review zur Mein Name ist Bedauern, dass Gitarrist Sebastian und meine Wenigkeit vor Jahrzehnten zusammen musikalisch aktiv waren und sich Sebastians technische Fähigkeiten im Vergleich zu den damaligen Kellercombo-Aktivitäten deutlich verbessert haben. Erstaunt war ich auch, als ich gerade dieses ellenlange Review zum Mein Name ist Bedauern-Album durchgelesen habe, das ich einst für Borderline Fuckup schrieb.  Aber eigentlich ist diesem Text in Bezug auf das neue Album nichts mehr hinzuzufügen, außer dass mir auf diesem Album irgendwie die Kreischeinlangen von Ex-Basserin Pana fehlen. Dafür dürfte der Gastauftritt vom WIZO-Sänger Axel beim Song Täterschmiede Zaubertrank für etwas mehr Abwechslung im Gesangsbereich sorgen.


Tides! – „Celebrating A Mess“ (Midsummer Records) [Video]
Das einzige, was ich an dieser CD auszusetzen habe, ist, dass im Booklet lediglich der Text zum Song Signals Southwest abgedruckt ist. Aber das ist auch schon alles, denn Tides! aus Saarbrücken machen ganz genehmen melodischen Punkrock, der v.a. im instrumentalen Bereich zu überzeugen weiß. Das Zusammenspiel der melodischen Gitarren und dem warmem, aber trotzdem treibenden Bassspiel könnte nicht abgestimmter klingen. Der Sänger hat obendrein eine angenehme Stimme, auch wenn man sich ab und an wünscht, dass er etwas mehr aus sich rausgehen könnte. Aber diesen Wunsch vergisst man schnell wieder, sobald die mehrstimmigen Chöre einsetzen. Neun Songs sind auf der mit einem hübschen Albumartwork gestalteten Debutscheibe insgesamt enthalten und man kann schon sagen, dass sich diese neun Stücke bereits nach dem zweiten Durchgang im Gehör fest einnisten, so dass man direkt Lust bekommt, die Band mit einem Bier bewaffnet live zu begutachten. Musikalisch erinnert das dann an die im Booklet gegrüßten Bands wie Hell & Back, Irish Handcuffs und Resolutions, es kommen aber auch so Bands wie z.B. The Wonder Years in den Sinn. Hey, und bei Stay Warm Part II (schaut euch das Video an!) wird die Band auch noch von Philipp Dunkel (MNMNTS, Finding Faith, Homestayer) unterstützt. Runde Sache!


Witness – „Seasons“ (DIY) [Name Your Price Download]
Mit der ersten EP Trials & Tribulations konnten die Kölner bei mir schon punkten, nun ist die zweite EP der vier Jungs erschienen, diesmal in Form eines Tapes bzw. einer Digitalversion, die zum Name Your Price-Download zu haben ist. Und Witness machen genau da weiter, wo sie mit der letzten EP aufgehört haben und bieten mitreißenden, melodischen Hardcore-Punk mit ein paar Emo-Einflüssen. Großer Pluspunkt ist das ausgeklügelte Zusammenspiel von Gitarre/Bass. Das Ding ist gut produziert, die drei Songs strotzen vor Spielfreude und sind schön abwechslungsreich arrangiert, so dass keine Langeweile aufkommt. Kann man nur empfehlen, ist live sicherlich nett anzusehen!


 

Videosammlung: Dust Moth, Microwave, Die Negation, It’s Not Not, Slow Bloomer, Wake The Dead

Dust Moth hab ich neulich bei Bandcamp entdeckt. Abgesehen davon, dass das neue Album Scale durchaus seine Reize hat, solltet ihr euch erstmal von dem Video zu A Veil In Between hypnotisieren lassen.


Falls ihr das Hammeralbum Much Love der Band Microwave aus Atlanta noch nicht kennen solltet, dann wird es spätestens nach dem Genuss dieses sagenhaften Videos Zeit, endlich mal reinzuhören. Mit das beste Musikvideo, das man in letzter Zeit so sehen konnte.


Bei Die Negation musizieren ja Mitglieder der Bands Heaven Shall Burn und Zero Mentality zusammen. Der Clip zu Scheusal von Oldenburg macht jedenfalls neugierig auf das Debutalbum namens Herrschaft der Vernunft, das Mitte Mai erscheinen soll.


Wie bitte? Ganze neun Jahre nach dem letzten Release veröffentlichen It’s Not Not ein neues Album. Und die Band, die sich aus Leuten von Dies Irae, Tokyo Sex Destruction, Standstill und The Unfinished Sympathy zusammensetzt, hat es immer noch drauf!


Slow Bloomer aus Leipzig setzen sich aus Mitgliedern von Reason To Care und Continents zusammen und machen schön eingängigen Indie/Emo. Das Debut Nudity erscheint als Co-Release der Labels Miss The Stars, Through Love, Flood Floorshows, Koepfen und Midsummer.


Wer auf melodischen und energiegeladenen Hardcore steht, der sollte sich mal das neue Video der französischen Band Wake The Dead reinziehen. Geht gut ab!


 

Cavalcades – „One Down For Youth’s Ideals“ (lifeisafunnything u.a.)

Bei dieser einseitig bespielten 12inch kann man eigentlich fast von einem „Traum in grün“ sprechen. Das Cover-Foto strotzt vor idyllischer Friedhofsromantik und das grüne Vinyl ist auf der unbespielten Seite mit einem Satz besiebdruckt, den man auch gut und gerne auf einen Grabstein meißeln hätte können: What we put faith in is a construct. Apropos Grabstein: ich komme natürlich schwer drum rum, Rechenrecherche zu betreiben und wie so häufig in letzter Zeit schwirren mir Textfetzen im Gehirn umher, die auch aus dem Textaufgaben-Mathebuch meiner Tochter entstammen könnten. Wenn mich die Zahlen auf dem Grabstein schon zum Rechnen bringen (Altersunterschied/Jahre der Einsamkeit), dann könnt ihr euch sicher ausmalen, welche Geschichten in meinem Kopf rumgeistern, wenn ich mir vorstelle, wie das Leben dieser Leute wohl ausgesehen haben mag. Und wenn wir schon beim Thema Schule und Lernen sind, dann gibt’s jetzt erstmal Frontalunterricht: Cavalcades wird ins deutsche ganz unproblematisch mit Kavalkaden übersetzt. Ich hätte von der Bedeutung des Wortes keinen Schimmer, wenn ich nicht in einer Stadt wohnen würde, in welcher einmal im Jahr eine Kavalkade stattfinden würde. Eine Kavalkade bezeichnet einen feierlichen Aufzug von Reitern. Die Reiterprozession, die durch meinen Wohnort führt, lautet auf den schönen Namen „Blutritt“. Da galoppieren an einem Tag 3000 Pferde mitsamt Reitern durch die Straßen und schleifen in einer Relique das Original-Blut Jesu mit sich rum. Da es an diesem Tag obligatorisch regnet, stinkt die ganze Stadt bestialisch nach Pferdekacke. Wer keine Gummistiefel im Schrank hat, sollte an diesem Tag und den folgenden lieber zuhause bleiben, denn die Straßen gleichen nach dieser Prozession einer Güllegrube.

Nun, Cavalcades aus Aberdeen, Schottland habe ich nach dem starken 2015er Album Lights Begin To Dance irgendwie völlig aus den Augen verloren. Zwischen dieser drei Songs starken EP und dem besagten Album kam noch eine Live-EP heraus, auf welcher bereits der zweite Song A Carthorse for the Knacker vertreten war. Da ich ja kein Fan von Live-Aufnahmen bin, bin ich natürlich glücklich darüber, dass dieses Stück nochmals in brauchbarer Aufnahmequalität erscheint. Ein Hammersong. Wie übrigens die anderen zwei Stücke auch. Und mit dem Textblatt in der Hand entdeckt man dann auch den eingangs erwähnten und auf das Vinyl gedruckten Satz. Ich hatte Cavalcades insgesamt noch etwas rauher und krachiger in Erinnerung, auf diesen drei Songs rückt jedoch die melancholische Seite des Quartetts mehr in den Vordergrund.

Das Zusammenspiel von Gitarre, Bass, Schlagzeug und resigniert wirkendem Gesang könnte nicht besser sein. Was tierisch gut reinläuft sind einerseits die matschigen Gitarren, die eine gewisse Härte in die Songs bringen, auf der anderen Seite kommen aber diese glasklar und verträumten Gitarrenklänge, die mich an Zeugs wie The Cure, Mumrunner, Temperance oder neuere und sperrigere Pianos Become The Teeth erinnern und die wohlige Schauer über den Rücken jagen. Das Ganze könnte man unter schön eigenständigem Emotive Post-Hardcore mit Shoegaze und Emocore-Einflüssen einordnen. Dazu gefällt die satte und rauhe Mischung, für die mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden verantwortlich ist. Wenn ich Zombie wäre, dann wäre diese EP die Gehirnmasse, nach der ich lechzen würde. Und wie das mit leckeren Gehirnen so ist, ich bräuchte da unbedingt mehr von. Deshalb hoffe ich inständig, dass Cavalcades demnächst wieder eine Full Length am Start haben. Dieses in Zusammenarbeit der Labels lifeisafunnything, Don’t Care Records, Smithsfoodgroup, Koepfen und Through Love Records erschienene Schmankerl dürfte nicht nur Fans der im Text erwähnten Bands gefallen, denn Cavalcades zeigen auf diesem Output, dass sie momentan zu einer der spannendsten Bands der Szene gehören.

9/10

Facebook / Bandcamp / lifeisafunnything


Videosammlung: Aviator, Brutus, End Begins, Hollow Earth, Mumrunner, Symmetry

Von der bald auf I.Corrupt.Records erscheinenden 7inch der US-Band Aviator gibt es einen neuen Song zu hören, der auch noch mit schönem Videomaterial begleitet wird.


Nach Betrachtung dieses tollen Videos der belgischen Band Brutus werdet ihr sicher so schnell wie möglich in die sagenhafte Debutscheibe des Trios (Burst) reinhorchen wollen. Nur so viel: es lohnt sich!


Holt eure Kutten aus dem Keller, Heavy Metal is The Law! Die neue Band End Begins, welche sich aus Leuten der Bands Atlas Losing Grip, Anchor und The Dahmers zusammensetzt, hat ein erstes Video online gestellt.


Shai Hulud-Fans aufgepasst: hier gibt’s ein Video vom aktuellen Hollow Earth-Album (Dead Planet).


Dass ich Gentle Slopes von Mumrunner tierisch abfeiere, dürfte ja kein Geheimnis mehr sein. Hier gibt’s das erste Video der Band zu sehen:


Die österreichische Band Symmetry hat ein erstes selbstgedrehtes Video zum Titelstück ihrer aktuellen EP Cope  am Start. Der Song selbst handelt vom Prozess des Loslassens und zeigt endlich mal, dass auch brauchbare Musik aus dem Zillertal kommen kann.