Phantom Records-Special: Dikloud, Gulag Beach, Japanische Kampfhörspiele, Sad Neutrino Bitches

Dikloud – „II“ (Phantom Records u.a.)
Als ich vor einiger Zeit eine Kritik zu II der Dresdner Band Dikloud im Ox las, war ich direkt angefixt durch die Vinyl-Beschreibung und den paar Zeilen zum Sound der Punkband, so dass ich mich gleich auf die Online-Suche machte, um erstmal reinzuhören. Keine Ahnung, ob ich damals fündig wurde, wahrscheinlich eher nicht, sonst hätte ich mit Sicherheit von meinem musikalischen Erlebnis berichtet. Ihr fragt euch bestimmt, warum ich mich nach so langer Zeit an eine Plattenkritik aus dem Ox erinnern kann, denn II ist bereits im Jahr 2014 erschienen. Nun, es liegt an dem auf das Cover aufgeklebte Polaroid-Foto, zudem hatte ich den Bandnamen irgendwo in den allerhintersten Gehirnregionen noch im Speicher und bei meiner Online-Recherche stieß ich dann auch auf dieses Review aus dem Ox, so dass es wieder klingelte. Dementsprechend happy war ich, als ich die schwere und dicke 12inch aus dem neulich zugesandten Phantom Records-Päckchen fischte und zuerst dachte, dass es sich hier ziemlich sicher um eine Doppel-12inch handeln würde. Aber weit gefehlt. Das Autolack-schwarze Albumcover besticht zum einen mit dem in goldener Schrift besiebdruckten Bandnamen samt Albumtitel, im Kontrast dazu bekommt das Ganze durch das aufgeklebte Polaroid so eine schöne Emo-DIY-Note. Schaut man dann ins Innere der Platte, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus: da findet sich nach einem ebenfalls sehr hübsch bedruckten Backpapier-Poster ein DIN-A4-Briefumschlag, aus dem vierzehn teils auf transparentem Papier gedruckte DIN-A4-Blätter zum Vorschein kommen, auf welchen kunstvolle Bildaufnahmen zu sehen und die Texte zu lesen sind. Wahnsinn! Aber nun zum Sound des Trios: der zieht nämlich ab dem Aufsetzen der Plattennadel an in den Bann. In erster Linie ist das Punkrock, es fließen aber auch Screamo-Elemente, Post-Hardcore, Emocore und Noise mit ein, Schrei-Punk-Parts sind ebenso an Bord wie noisige Grunge-Smasher mit hart gespielten Drums und zu hell abgemischten Crash-Becken. Teilweise hört sich das dann etwas nach vertracktem Washington DC-Hardcore an, gerade der Bass hat diesen fiesen Dischord-Sound drauf, aber im nächsten Moment klingt die Band dann schon wieder fies nach deutschsprachigem Schreihalspunk der Sorte Love A, Willy Fog, Düsenstaat oder Lygo, die Kölner Band Colt. wäre auch noch eine gute Referenz. Ach so, die Texte sollten noch erwähnt werden, denn die zeigen, dass für die 2014 besungenen Probleme auch im Jahr 2017 noch keine Lösungen gefunden wurden. Sehr schöne Platte, vielleicht finden sich noch ein paar Exemplare in irgendwelchen Distro-Kisten! Am Release beteiligt sind neben Phantom Records noch die Labels Mamma Leone, Kalt Am Kopf Records und das Knebel Label.
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Gulag Beach – „Apocalyptic Beats“ (Phantom Records)
Ups, das hier ist schon die dritte 12inch dieser Punkband aus Berlin? Tja, ich muss sagen, irgendwie bin ich nicht mehr auf dem laufenden, seit ich irgendwann in den späten Neunzigern mein Plastic Bomb-Abo gekündigt habe, haha. Jedenfalls sieht der Gulag Beach auf dem Albumcover sehr einladend aus, so ein Sonnenbad in der Strick-Hängematte entspannt sicher ungemein! Und was braucht man am Strand? Ja genau, ultracoolen und stinknormalen Punkrock, der gute Laune macht und nach vorne geht. Ohne Schnörkel, ohne weiteren Schnick-Schnack. Klar, ein veganes Wurstbrot und ein paar Dosen Bier wären natürlich auch nicht schlecht. Aber bevor es an den Strand geht, lungert der gemeine Punk erstmal zuhause rum, um die neu ergatterte Platte auf Tape aufzunehmen, so dass später am Strand die Clique und die gewöhnlichen Badegäste auch noch davon zehren können. Die Platte wird also auf den Teller geklatscht, die Record-Taste am Tapedeck wird gedrückt und da sie klemmt, braucht es einen Trick, damit das Band in Bewegung kommt. Yeah. Auf dem 60er Tape sind dann auf der A-Seite noch ganze 8 Minuten Platz, da gilt es dann später noch etwas zu finden, damit alles schön stimmig ist. Die A-Seite läuft an, schnell das Textblatt rausgefischt…hoppla…das ist ja gar kein Textblatt! Das ist ein Poster, das kann man sogar auffalten. Ach so, die Texte stehen hinten auf der Hülle…Und da stehen auch noch andere Informationen, z.B. dass drei der vier Mitglieder der Band von Discharge, Hammerhead und Keny Arkana inspiriert sind. Moment mal, und das vierte Mitglied? Keinerlei Inspiration? Das kommt mir verdächtig vor, überprüft den doch bitte mal, könnte ein Spitzel sein! Ha, ha…Hammerhead und Discharge mag ich übrigens auch, Keny Arkana musste ich googeln. Aha, sehr interessant! Berliner stehen halt auf diesen Gangsta-Rap á la Bushido oder Sido. Schön, dass es auch mal Frauen gibt, die abseits von Dummheit und grammatikalischen Fehltritten über Sachen rappen, über die es sich zu rappen lohnt. Keny Arkana tut dies auf Französisch. Okay, die Discharge-Stelle mit dieser sich wiederholenden Textzeile the nightmare continues hab ich dann auch entdeckt, die kommt beim Song The Grave At Hand, aber bei Gulag Beach hört sich das bei langem nicht so bedrohlich an. Dass die Jungs einen Text von den Almighty-Hammerhead einfach klauen und ihn 1:1 ins englische übersetzen, ist ziemlich frech. Tobias Scheiße würde da sicher sauer werden, wenn er dies erfahren würde. Ihr könnt froh sein, dass sein Facebook-Profil gelöscht wurde, sonst…man munkelt, er habe anscheinend Kontakt zum Gladbeck-Killer, der mittlerweile seine Freiheit auf irgendeiner Parkband genießt. So, jetzt ist die Platte aber durchgelaufen, ich hab dann einfach nochmal aufgelegt, auf beiden Tape-Seiten ist jetzt jeweils am Ende der Song „Ich Sauf Allein“ von Hammerhead im Original zu hören.
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Japanische Kampfhörspiele – „The Golden Anthropocene“ (Phantom Records)

Auch wenn das Cover zeigt, wofür das Internet eigentlich wirklich genutzt wird, hoffe ich trotzdem, dass ein geringer Prozentsatz der Internetnutzer nebenher auch sinnvolle Seiten im Netz ansteuert. Und das ganz ohne klebrige Finger. Nimmt man das Bild auf dem Innencover, auf dem auch die Texte abgedruckt sind, dann könnte man die Suchmaschine z.B. nach „Plastikmüll im Meer“ füttern und dabei auf diesen tollen Typen namens Boyan Slat stoßen, der die Meere mit seiner Firma „The OceanCleanUp“ von den fiesen Plastikpartikeln befreien will, die längst in der Nahrungskette des Menschen angekommen sind. Ich hab bei meiner Internetrecherche rausgefunden, dass dieses Album passend zu der Strand-Müll-Fotoaufnahme auf einer Müllhalde gemischt wurde. Nun, ob das jetzt eine Information ist, die man unbedingt braucht, sei mal dahingestellt. Instrumental gesehen haben sich bei den Japanischen Kampfhörspielen kaum Änderungen ergeben, die Öhrchen werden von dem typischen von der Band gewohnten Grind-Death-Metal-Punk malträtiert, der mit etlichen Tempowechseln, vertracktem und dissonantem Gebolze und auch melodischen Parts genügend Abwechslung bietet. Wie der Albumtitel schon ankündigt, geht es textlich um das goldene Zeitalter des Anthropozän, welches die Menschheit als wichtigen Einflussfaktor auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde ansieht. Und wie man es von der Band aus Krefeld gewohnt ist, wird kein Blatt vor den Mund genommen, da kriegt mal wieder jeder sein Fett ab. Beim Song Tellerand übernimmt Junge von EA80 die Vocals, bei Tag 1 nach den Menschen singt Christian Markwald von der Band Diaroe.
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Sad Neutrino Bitches – „Squaw“ (Phantom Records u.a.)
Trashiger Skatepunk klingt eigentlich immer gleich, egal ob anno 2017 oder Anfang der Neunziger. Das kam mir direkt bei den ersten Takten dieser schick aufgemachten 12inch der Sad Neutrino Bitches in den Sinn, die bereits im Jahr 2013 via Phantom Records und Spastic Fantastic Records erschien. Also, schnell mal den Staub weggeblasen und die schön schwere Scheibe auf den Teller geklatscht, kann der erste Song auch direkt losschrammeln. Und ja, da bekommt man umgehend Lust, das Skateboard zu schnappen und schön durchzudrehen. Bereits beim zweiten Song revidiere ich aber das eingangs behauptete Vorurteil, denn die Sad Neutrino Bitches bauen in ihren trashigen Skatepunk viele noisige und dissonante Parts ein, zudem gefällt mir die Abwechslung beim Gesang. Da wird auf der einen Seite in dieser hohen Tonlage gesungen, teils wird auch Nerven zehrend gebrüllt. Anfangs dachte ich, dass hier eine Frau am Mikro ihre Stimmbänder schänden würde, aber anscheinend gehört dieses Goldkehlchen dem Typen, der gleichzeitig an der Gitarre sein bestes gibt. Auf der Gegenseite kommt eine dunkle, fast heisere Stimme zum Einsatz. Geil find ich, wenn die hohe Stimme zu kreischen anfängt, dazu passt dann das Bild mit dem Fuß in der Bärenfalle auf der Rückseite ganz gut. Und beim dritten und neunten Song kommt sogar noch ’ne psychedelische Orgel mit ins Spiel. Durch diese Umstände heben sich die drei Jungs also ein wenig aus den gleich klingenden Skatepunk-Bands hervor. Live bombt mich so ein trashig-noisiges Oldschool-Hardcore-Punk-Brett natürlich mehr weg, als auf Platte. Die Band selbst nennt Bands wie die Gories, Oblivians, Zeke oder Angry Samoans als Vergleiche. Ja, das passt eigentlich ganz gut, aber kennt noch jemand die Pricks? Die haben so ’nen ähnlichen arschtretenden Sound wie das Trio hier. Ach so, der Typ auf dem Cover erinnert mich irgendwie an Frank Gallagher aus der TV-Serie Shameless. Was auch noch ziemlich lustig ist: auf der Rückseite des Textblatts findet man ’ne Anleitung, wie man das Plattencover ein wenig mit einer Indianerfeder aufmotzen kann. Da tierliebe Leute sicher Schwierigkeiten mit der gezeichneten Anleitung der Federgewinnung haben, war die Band so freundlich, eine rosa gefärbte Kunstfeder als Gimmick beizulegen. Nur soviel: das schöne goldene Plattencover zerschneide ich sicher nicht…
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7inch-Splitstorm: Ed Warner & Mental Distress, God Mother & Artemis, Iwakura & Gas Up Yr Hearse!

Ed Warner & Mental Distress – „Split 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Das grellgelbe Coverartwork kommt schonmal geil rüber und wenn man das kleine Scheibchen aus der schwarzen Innenhülle friemelt, freut man sich am asphaltgrauen Vinyl. Zwei mir noch nicht bekannte französische Bands teilen sich diese 7inch, die in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, No Way Asso, Ratta-Tat-Tat, Bonobo Stomp, Emergence Records, Dirty Guys Rock und Crapoulet Records erscheint. Ed Warner kommen aus Tours und machen rau bis räudigen Hardcorepunk. Schön oldschoolig und treibend. Ed Warner sind sowas wie ’ne Allstar-Band, hier spielen alte Recken der Bands Nine Eleven, Saints & Sinners, DFI, Goat Cheese und Daily Mind Distortion mit. Und wie das bei solchen Allstar-Bands so ist, wird vom Sound her Tribut an alte Helden wie Minor Threat, Black Flag oder die Spermbirds gezollt, fünf Songs in sechseinhalb Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Auf der B-Seite dann Mental Distress aus Straßburg, die es schaffen, ihre vier Songs in weniger als vier Minuten runterzuschmettern. Bei Mental Distress wirken Leute von More Dangerous Than A Thousand Rioters und Overreact mit und geboten wird rasend schneller Hardcorepunk mit etwas Skatepunk/Crust. Hört sich etwas nach einer Mischung aus schnellen Nations On Fire, DS-13, Los Crudos und Limp Wrist an, allerdings mit einer schön hochgepitchten überschnappenden Frauenstimme. Wenn noch jemand die All-female-Straight Edge-Band Infect aus Brasilien kennt, wär das auch noch ein super passender Vergleich. Kommt geil, auch die pfiffigen Texte. Hat live sicher ordentlich Dampf.
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God Mother & Artemis – „Selftitled 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Zum Coverartwork lass ich mich diesmal nicht so ausführlich aus, weil mir dazu absolut nichts einfallen will. Vielleicht ist das ja ein eingefärbtes Ultraschallbild einer Raucherlunge? Muss gleich mal morgen an der Supermarktkasse die Schockbilder auf den Zigarettenschachteln nach ähnlichen Motiven durchsuchen, haha. God Mother kommen aus Stockholm/Schweden und machen so ’ne Mischung aus metallischem Hardcore, Sludge, Grind, Death und Powerviolence. Geht gut nach vorne, der Sound ist aber näher am Grind, obwohl auch etliche Crust-Parts durchschimmern. Mir gefallen v.a. die melodischen Gitarren, die sich immer wieder eigensinnig ihren Weg durch den dreckigen Soundmatsch bahnen und selbst ohne andere Begleitung soetwas wie Gänsehaut erzeugen können. Ich nenn das persönlich  ja das South Of Heaven-Syndrom. Jedenfalls kommen die drei Songs megafett, technisch wie spielerisch, mit einer schönen dunklen Grundnote. Leider musste ich beim laut aufgedrehten Sound feststellen, dass ich wohl ’ne neue Nadel für den Plattenspieler brauche. Ich will die gar nicht erst unter dem Mikroskop anschauen, die hat echt schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Und eigentlich hab ich mir geschworen, dass es bei der nächsten fälligen Nadel auch gleich ’nen neuen Plattenspieler mit dazu gibt. Nun denn, Artemis kommen aus Basingstoke, das liegt irgendwo im Süden Englands. Und der Sound des Quartetts geht in eine ähnliche Richtung wie bei God Mother. Hektisch-chaotischer, manchmal schleppender und metallisch angehauchter Sludge-Hardcore mit massig Breakdowns, dazu gesellen sich aber immer wieder rasend schnell gespielte Drums. Vom Gesang her erinnert das an die neulich besprochenen Empress. Ich mag so Zeugs am liebsten live sehen, daheim vor der Anlage kann mich so ein Sound nicht so schnell mitreißen. Für Fans des Genres dürfte die 7inch jedoch ein gefundenes Fressen sein, kommt via Dingleberry Records, Smithsfoodgroup und wooaaargh.
Bandcamp / Dingleberry Records


Iwakura & Gas Up Yr Hearse! – „Split 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Okay, beide Bands sagen mir nicht allzuviel, obwohl zumindest Gas Up Yr Hearse sind mir bereits unter die Ohren gekommen, ich erinnere mich dunkel an die Split EP mit Coma Regalia. Okay, das Coverartwork mit der zerstückelten Schlange gefällt mir schon mal sehr gut, obwohl ich eigentlich tierlieb bin und keiner Fliege was zu Leide tun könnte. Hab mich neulich tagelang gekrämt und hab extrem viel über unser irdisches und vergängliches Leben nachgedacht, als ich versehentlich eine des Fahrradweges entlangkriechende Nacktschnecke mit meinem Fahrradreifen durchtrennte oder vielmehr zermatschte. Bevor ich jetzt aber schlecht draufkomme, wieder zurück zum Artwork. So wie es aussieht, stellt die Zeichnung eine Klapperschlange dar. Im schönen Gegensatz zum kontrastreichen Artwork steht dann das pinke Vinyl, das leuchtet richtig. Nun, Iwakura kommen aus Denver und machen ultrafiesen Emoviolence mit Noise- und Hardcoreeinflüssen, dazu gesellen sich düstere Texte. Das mal hyperschnell mal bedrohlich schleppende Schlagzeug erinnert dann auch eben an das Gerassel einer Klapperschlange. Während der Sänger sich die Lunge aus dem Leib kotzt, duellieren sich der Gitarrist und die Bassistin schön fies. Rückkopplungsgeräusche dürfen bei so einem Gewitter natürlich auch nicht fehlen. Gas Up Yr Hearse! aus Illinois stressen mit ihren drei Songs dann die B-Seite. Boah, was für ein strapaziöses Chaos-Math-Noise-Emoviolence-Screamo-Gezappel. Da werden die unmöglichsten Töne aus dem Keyboard rausgelockt, da könnte man gerade meinen, das Ding hätte ’nen irreparablen Lautsprecherschaden. Erst als die Gitarre auch ähnlich abgedrehte Geräusche fabriziert und sich neben dem keifenden Satanistengeschrei weibliche, sich überschlagende Kreischvocals gesellen, klingt das Ganze wie ein Hexenritual, bei dem gleich jemand geopfert werden soll. Krass, beängstigend, vertrackt, ohne Kompromisse. Abgedrehte Texte runden den durchgeknallten Sound dann entsprechend ab. Nichts für schwache Nerven. Ach so, die Labels: Dingleberry, Blind Eye, Contrition, Off Cloud Nine Label, Ozona, Swollen Lungs.
Bandcamp / Dingleberry Records


Bandsalat: Anoraque, Bicycle Sunday, Giants, I Heart Sharks, Masha Qrella, Pity Sex, Resolutions, Terrible Love

Anoraque – „Disturbing Grace“ (Radicalis Music Management) [Stream]
Hey, jetzt hatten wir neulich schon die Kölner Band Anorak auf dem Schirm, jetzt folgt mit Anoraque eine weitere Band, die ein Loblied auf die modische und wetterfeste Kapuzen-Jacke abgibt, die mir persönlich auch so sehr ans Herz gewachsen ist. Nun, Anoraque kommen aus dem schönen Basel in der Schweiz und machen eine ziemlich geile Mischung aus zappeligem Post-Punk, Emo, Noise, Shoegaze, Math-Rock und etwas Indie. Die Sängerin hat ’ne ähnliche Stimme wie die Sängerin der Cardigans, dann klingt sie wieder nach Miki Berenyi von Lush oder aber auch nach Betty Mugler von Hidalgo, allerdings kann Sängerin Lorraine neben ihrem Gitarrespiel auch schon mal ins Mikro rotzen, obwohl sie gerade noch verführerische Hauchtöne von sich gegeben hat. Wenn wir schon bei Vergleichen sind, fallen mir auch noch Monochrome und I Might Be Wrong ein. Mir gefallen die verschwurbelten Gitarren und die vertrackten Rhythmen, dazu gesellt sich noch ein eigensinniger Bass und frickelige Störgeräusche, an manchen Stellen kommen sogar Rage Against The Machine in den Sinn. Was für ein Erlebnis! Die Gitarren reichen von verdammt verspielt bis hin zu verdammt eingängig, das findet man aber erst nach einigen Durchläufen heraus. Schade, dass es dieses Release bisher nur auf CD gibt, wie gut würden diese sechs Songs wohl auf Vinyl klingen? Unfassbar gut, denke ich!


Bicycle Sunday – „Pale Marble Movie“ (DIY) [Name Your Price Download]
Am zweiten Album dieser Band aus Michigan dürften alle Gefallen finden, die gerne Midwest-Emo-Bands wie z.B. Mineral, The Gloria Record oder Appleseed Cast hören. Die Jungs selbst nennen neben Mineral auch noch als Einflüsse Death Cab For Cutie und Pedro The Lion, was eigentlich auch gut passt. Die Gitarren klimpern glasklar, dazu kommt der verträumt melancholische, fast weinerliche Gesang, der schon ein wenig von der Tonlage und den langgezogenen Wörtern an Chris Simpson von Mineral erinnert. Mir gefällt’s, eine schöne Platte für einen verregneten Sonntag Nachmittag.


Giants – „Break The Cycle“ (Holy Roar Records/Alive) [Stream]
Nach einigen EP’s und zahlreichen Europa-Tourneen mit ständig wachsender Fanschar steht nun das Debutalbum Break The Cycle an, das mit insgesamt 13 Songs in knapp 40 Minuten sehr lang ausgefallen ist, aber ziemlich frisch und rasant aus den Lautsprechern bröckelt, so dass keine Langeweile aufkommt. Geboten wird eine Mischung aus Modern Hardcore und schnell gespieltem Skatepunk mit melodischen Gitarren und schönen Background-Chören, neben der HC-Schiene gefallen v.a. die rotzigen Punkeinflüsse, von der Produktion her klingt das auch schön fett, die Gitarren rasseln jedenfalls messerscharf. Das klingt dann im Grunde genommen wie eine Kreuzung aus Bands wie More Than Life oder Landscapes auf der einen und Strike Anywhere, Intensity oder mittlere AFI auf der anderen Seite. Hört man am Besten beim Skaten.


I Heart Sharks – „Hey Kid 7inch“ (AdP Records/Alive) [Song-Stream]
Ein kleines Indie-Ohrwurmscheibchen mit zwei Songs drauf gibt’s von den Indie-Dance-Poppern I Heart Sharks zu hören. Nach dem vielseits gelobten Debutalbum Summer und mit dem eher glattpolierten zweiten Majorlabel-Album Anthems erscheint diese EP wieder bei AdP-Records. Back To The Roots sozusagen. Die zwei auf der 7inch enthaltenen Songs gehen soundtechnisch schon wieder in die Richtung der Songs auf Summer, jedenfalls klingen sie sehr frisch und bohren sich mit schön tanzbaren Beats tief in Deine Gehörgänge. Erinnert ein wenig an eine Mischung aus Enemy Of The Sun, Phoenix und den Klaxons. Dem Scheibchen liegt auch noch ein Downloadcode bei, mit dem man weitere zwei Songs bekommt, hier findet sich dann ein Remix vom Titelstück, der etwas mehr wumms hat, zudem ist mit Back Home ein weiterer starker Song vertreten. Schade, dass der nicht noch auf die 7inch gepackt wurde.


Masha Qrella – „Keys“ (Morr Music) [Stream]
Von meiner Vorliebe für Bands wie Contriva oder Mina – bei welchen Masha Qrella ebenfalls mitwirkte – hab ich schon öfters berichtet, nun ist also mit Keys ein neues Album draußen, das ich mir wohl auch demnächst noch auf Vinyl besorgen muss. Die elf Songs sind alle schön ruhig und melancholisch gehalten und eignen sich daher besonders, um nach einer wilden HC/Punk-Show ein wenig runterzukommen, während man fast taub durch die Nacht fährt. Der verträumte Sound wirkt aber auch sehr gut über Kopfhörer, um entspannt auf dem Sofa liegend den genialen Soundideen der Berliner Soundtüftlerin zu lauschen. Schön Lo-Fi und mit tollen Basslines versehen fließen auch immer wieder elektronische Klänge und Pianogeklimper in den Sound ein, dazu passt die sanfte Stimme von Masha Qrella natürlich hervorragend. Super Album, heraus stechen Ohrwürmer wie Pale Days oder Bogota, die ich hiermit als Anspieltipps empfehle.


Pity Sex – „White Hot Moon“ (Run For Cover Records/ADA) [Stream]
Feast of Love war so eine Platte, die mir direkt beim ersten Mal Hören gefallen hat und die seit Erscheinen immer wieder den Weg zu meinem Gehör fand. Bei White Hot Moon dauerte es ein paar Durchläufe, bis es zündete, obwohl das Grundgerüst der Songs ähnlich wie auf Feast Of Love gestrickt ist. Zwischen gefühlvoll gespielten und teils runtergestimmten grungigen Gitarren schieben sich melancholische Gesangsparts, das Wechselspiel zwischen der sanften Stimme von Sängerin Britty Drake und der tiefen Stimmlage von Sänger Sean St. Charles schafft hier einen hohen Wiedererkennungswert. Auch cool kommen die fuzzigen Power-Pop-Melodien, die locker aus dem Ärmel gespielt klingen. Die 12 Songs des Quartetts aus Michigan verstehen es nach wie vor, die besten Elemente aus Indierock, Shoegaze, Grunge und Gitarrenrock zu vereinen und drücken dem ganzen diesen lässigen Lo-Fi-Charakter auf, den man von Bands wie Sonic Youth, frühen Stars oder If They Ask, Tell Them We’re Dead her zu schätzen gelernt hat.


Resolutions – „Weightless“ (Fond Of Life Records) [Stream]
Dass der mit melancholischer Note versehene und schön melodische Punkrock auf zahlreiche offene Ohren stößt, das kann man bereits daran erkennen, dass das in Eigenregie produzierte Video zum Song Flat Landscapes über 1000 Views in einer Woche verbuchen konnte, was vermutlich auch daran liegt, dass die Band seit ihrer Gründung im Jahr 2013 fleißig durch die Gegend tourte und sich eine große Fangemeinde erspielte. Neben einer Demo 7inch und zwei weiteren 7inches folgt nun also das erste Album der Hannoveraner. Mit 11 Songs in 24 Minuten ist das eine ziemlich kurze und aber auch kurzweilige Sache, zudem kann man sich an den tollen Gitarrenmelodien und am melancholisch angehauchten Gesang kaum satt hören. Neben dem schmissig aus dem Ärmel geschüttelten Punkrocksound gefallen auch die durchdachten Texte mit persönlicher Note und tiefgründigem Unterton. Hier stimmt einfach das Gesamtbild, der Frühling kann kommen. Im Presseinfo werden als Vergleiche Bands wie Hüsker Dü, Iron Chick und Leatherface genannt, ich füge noch Samiam, The Gaslight Anthem, Down By Law und Against Me hinzu. Dooferweise hab ich ’nen Auftritt der Jungs bei uns um die Ecke verpasst, weil es mir am Tag nach diesem Event hier etwas blümerant zumute war. Shit.


Terrible Love – „Change Nothing“ (Through Love Rec./Big Scary Monsters) [Name Your Price Download]
Aus der Asche der Bands Goodtime Boys und Bastions And Grappler ist diese Londoner Band enstanden, die euch auf ihrer Debut-EP fünf spannungsgeladene sowie emotionale Songs vor den Latz knallt. Ein Feuerwerk, das knapp 16 Minuten dauert und euch auf eine spannende Reise mitnimmt, die neben Post-Hardcore und Screamo-Elementen auch melodische Gitarrenparts bieten kann und im Modern Hardcore verwurzelt ist. Es kommen aber auch noch Post-Punk-Verweise zum Zug und wenn die dichten Gitarrenwände zurückgefahren werden und es etwas midtempo-lastiger oder auch mal leiser wird, dann gibt es beim anschließenden energiegeladenen Ausbruch kein Halten mehr. Auch geil fahren die schmerzerfüllten herausgeschrienen Vocals rein, die bei den leiseren Parts fast schon Spoken Words-Charakter besitzen. Dazu passen auch die teils persönlichen aber auch gesellschaftskritischen Lyrics, die zwischen Schmerz und Frustration pendeln. Insgesamt also eine schön abwechslungsreiche EP, der man anmerkt, dass hier Leute mit einer Menge Spielfreude am Start sind. Hört doch mal rein, wenn ihr euch eine Mischung aus Bands wie Svalbard, Heart On My Sleeve und More Than Life vorstellen könnt. Saustarke EP!


 

Bandsalat: Anorak, Chiefland, The Guests, Planet Watson, Rope, Ubiquity, White Wine, Yndi Halda

Anorak – „Kalter Frieden EP“ (Uncle M) [Video]
Dieses Quintett aus Köln existiert wohl bereits seit 2010 und doch handelt es sich bei diesen zwei Songs um die Debut-EP der Jungs. Nun, manchmal dauert es halt ein wenig länger und im Falle der zwei Songs lässt sich sagen, dass diese sehr durchdacht arrangiert und ausgefeilt klingen. Irgendwo zwischen Post-Hardcore, Screamo, Emo und etwas Post-Rock ist eine Mischung entstanden, die zu begeistern weiß. Verspielte Gitarren-Parts mit schönen Basspassagen werden von atmosphärischen Stimmungen begleitet, bevor die Gitarren dann doch anziehen und fetter werden. Zudem beherrscht der Sänger diese resignierende Melancholie, die emotionsgeladen zwischen predigenden Spoken Words und Geschrei pendelt. Abgefahren auch die nach Nintendo-Spiel klingende Gitarre bei Cold Winter. Und auch textlich hat die Band was zu sagen, Cold Winter z.B. setzt sich mit den tagespolitischen und gesellschaftlichen Themen der Flüchtlingsdebatte auseinander. Fans von Pianos Become The Teeth und La Dispute sollten mal ein Ohr riskieren.


Chiefland – „To Part Means To Die A Little“ (DIY) [Name Your Price Download]
Für die selbstreleaste Debut-EP  haben sich die Jungs aus Göttingen was einfallen lassen, weshalb das Ding letztendlich auch schön anzusehen ist, obwohl es „nur“ eine CD ist. Als Hülle dient ein Hochglanz-Pappschuber, der mit Blumenmustern verziert ist, die man eher von Ikea-Tapeten oder Oma-Bettwäsche her kennt. Mir gefällt sowas ja. Die CD selbst kommt in Vinyloptik, zudem liegt ein äußerst hübsch gestaltetes und Ziehharmonika-mäßig gefaltetes Textblatt bei. Da liest man gerne drin, während man den vier Songs lauscht. Bei Melodic Hardcore geht es mir in letzter Zeit immer häufiger so, dass ich manche Bands aus dem Genre schwer unterscheiden kann, weil sie fast identisch klingen. Bei Chiefland kommen jedoch Elemente vor, die sich etwas aus der Masse abheben. Z.B sind da die Vocals, die an manchen Stellen etwas derber und nicht so extrem leidend klingen, manchmal wird auch nur gesprochen. Zum anderen fahren die vier Jungs öfters mal zurück und lockern dieses Melodic Hardcore-Ding mit  fast schon postrockigen und sehr melancholischen Parts auf. V.a. die Bass/Gitarrenfraktion hat den ein oder anderen Trumpf im Ärmel, hört euch z.B. mal den Anfang von Wolfmouth  an, das klingt doch verdammt cool. Die satte Produktion ist natürlich ebenfalls von Vorteil, aber unterm Strich gefällt mir das, was Chiefland da machen v.a. wegen den melodischen Parts.


The Guests – „Red Scare ’15 Tape“ (Sabotage Records) [Stream]
Wenn man das Tape von außen erst mal dreht und wendet, dann fällt auf, dass alles ziemlich minimalistisch gehalten ist. Die schwarze Hülle wird auf der Frontseite von ’nem kitschigen, aber dennoch hübschen Blumen/Apfelblüten-Motiv geschmückt, Bandname und EP-Titel stehen auf dem Tape-Rücken, die vier Songtitel sind auf dem Falz aufgeschrieben. Nun, innen sind keine Texte vorhanden, jedoch findet man einen DL-Code, von dem ich leider Gebrauch machen muss, da meine Kinder den Tonkopf meines Tapedecks geschrottet haben, indem sie mit ’nem harten Gegenstand dran rumgekratzt haben. Um die Qualität des Tapes anzuchecken, hab ich dem Ding heimlich und außer Sichtweite der Kinder wenigstens einen Durchlauf auf meinem hundert Jahre alten Walkman gegönnt. Erstaunlich, das Gerät hat seinerzeit einiges aushalten müssen, und doch spielt es Musik zuverlässiger ab, als die Playback-Maschine von Justin Biber. Aus diesem Grund muss ich das Ding so lang wie möglich vor meinen Kindern versteckt halten. Jedenfalls laufen mir die vier Songs extrem gut rein. Das, was die Band aus Philadelphia da macht, kann man grob in die Wave-Ecke stecken, dabei ist auch ein gewisser Post-Punk-Drive nicht von der Hand zu weisen. Mir gefällt v.a. der wavige Bass im Zusammenspiel mit den The Cure-angehauchten Gitarren. An manchen Stellen nervt das Keyboard und das etwas monoton gespielte Schlagzeug, aber das machen die melancholisch gespielten Gitarren und die oftmals an den Strokes-Sänger erinnernden Vocals  wieder wett. Zudem ist das alles schön melodisch und eingängig.


Planet Watson – „Do What You Want“ (DIY) [Stream]
Schon das Cover dieses selbstreleasten zweiten Albums der Stuttgarter/Ludwigsburger Skatepunks spricht Bände und zeigt ungefähr die Richtung an, in die es musikalisch geht. Drückt man die Playtaste, brettert der melodische Sound sofort zappelig in die Ohren, dabei keift sich ’ne überschlagende Rumpelstilzchen-Stimme in Ekstase. Und wie man im Verlauf des Albums erfährt, kommen zu dieser Stimme noch etliche anderen Stimmen dazu, denn die Jungs lassen sich wohl gerne von Sängern befreundeter Bands unterstützen, was eindrucksvoll zeigt, dass die Szene doch einen gewissen Zusammenhalt hat. Geil, das Zeug von Planet Watson klingt schön 90er-lastig, da schweben flauschige Wölkchen namens Satanic Surfers, Intensity, Passage 4, Crivits, Good Riddance, schnellere Shades Apart oder aber auch melodischere Heckle vor’m mit grauem Star getrübten Auge rum. Aber auch Bands wie Death By Stereo, H2O, As Friends Rust und Strike Anywhere scheinen große Einflüsse zu sein. Hey, 13 Songs, davon nur ein einziger, der kurz über zwei Minuten kommt, alle anderen liegen darunter. Und auch wenn man aus dem Presseinfo nicht allzuviel herauslesen kann, weil dieses hauptsächlich aus einer Liste mit bekannteren Bands besteht, mit welchen die Jungs schon gespielt haben, dann wird hierdurch deutlich, dass die Jungs von Planet Watson live sicher die Sau rauslassen.  Und übrigens, Planet Watson dürften nicht nur Leuten gefallen, die den Unterschied zwischen Waterboarding und Skateboarding kennen. Also ihr Punx, checkt das mal an…


Rope – „Manteision Bodolaeth“ (Truthseeker Music/Alive) [Stream]
Betrachtet man das Albumcover der Band aus South Wales, dann denkt man eher an eine Ibiza-Disco-Hits Best Of. Weit gefehlt, denn befördert man das Ding in den CD-Schacht, dann wird man gleich mit einem Filmsample aus einem der ersten und bedeutendsten deutschen Tonfilmproduktionen konfrontiert. Geniales Filmzitat eigentlich: Was weißt denn du? Was redest denn du? Wer bist du denn überhaupt? Wer seid ihr denn, alle miteinander? Verbrecher!  Ganz genau. Und es geht auch noch weiter. Wenn eine englische Band so nerdige Filmzitate verwendet, dann schlägt der Sound sicher in eine ähnliche Richtung. Spätestens nach den ersten Klängen wird klar, dass Rope nicht nur im Filmgeschmack Experten sind. Die sechs Songs kommen schön vertrackt und verschwurbelt daher, da kommen Bands wie Shellac oder Lungfish in den Sinn, welche sogar im Bandinfo erwähnt werden. Im Info werden zudem noch Basement und die Self Defense Family genannt, das spiegelt sich aber eher im dreckigen Gitarrensound wieder, göttliche Basement-Melodien sind eher Fehlanzeige. Obwohl, Earth Brian Lung  hat so einen gewissen Basement-Drive, aber wo man mit Basement-Songs auf Anhieb warm wird, braucht es bei Rope schon ein paar Durchläufe, bevor man die Songs im Ohr hat.


Ubiquity – „Quiet in Hopelessness“ (Dingleberry Records u.a.) [Stream]
Beim italienischen Spoken Word-Intro wünscht man sich direkt, ein paar Fetzen davon zu verstehen, die kryptische Übersetzung per google translate bringt dann doch ein wenig Licht ins Dunkel. Zwischen Wut, Verzweiflung und Resignation pendeln sich auch die nachfolgenden sechs Stücke ein, das ganze wird mit einem chaotischen und emotionalen Mix aus Screamo, Emotive Hardcore, Emoviolence, Post-Hardcore und etwas Neo-Crust untermalt. Der Albumtitel könnte die Musik der Jungs nicht treffender beschreiben. Die unterschwelligen Melodien, das verzweifelte Geschrei, dann wird der Sound wieder etwas zurückgefahren. Läuft gut rein. Die Band aus Sardinien erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus Øjne, Funeral Diner, Raein und Danse Macabre.


White Wine Cover 2500White Wine – „Who Cares What The Laser Says“ (This Charming Man) [Song-Stream]
Das Cover der Digipack-CD bestätigt meine Vermutung über den Sound der international zusammengwürfelten Band. Das Trio, das sich aus Joe Haege (31 Knots/Tu Fawning/Menomena), Fritz Brückner und Christian Kühr (Zentralheizung Of Death) zusammen setzt, klingt sehr, „sehr“ experimentell. Da wird Industrial mit Indie gemixt, zudem kommen 31Knots-mäßige Ideen zum Einsatz, die ja auch nicht jedermanns Sache sind. Auch wenn oftmals melodische Momente zum entspannen einladen, verwirren im folgenden Verlauf die experimentellen Einsprengsel so einiges.


Yndi Halda – „Under Summer“ (Big Scary Monsters/Alive) [Song-Stream]
Da ich Yndi Halda bisher noch nicht kannte, kam mir der Pressewisch diesmal sehr gelegen, denn diesem entnahm ich, dass es sich bei Under Summer um das mittlerweile zweite Studioalbum der Briten handelt und zwischen dem Debutalbum Enjoy Eternal Bliss und Under Summer auch schon wieder acht Jahre liegen. Vermutlich bin ich nie auf die Band aufmerksam geworden, da ich mich nicht so sehr für instrumentalen Post-Rock interessiere. Nun, zumindest wird auf diesen vier Songs gesungen, so dass die insgesamt 58 Minuten für mich eher erträglich sind. Von der Dichte des Sounds fasziniert, verzücken immer wieder toll gespielte Gitarren und ein Schlagzeuger, der auch mal die Becken ordentlich crashen lässt, da stören auch die häufig eingesetzten Streicher nicht. Wenn ihr auf Mogwai, Explosions In The Sky und GY!BE könnt, dann solltet ihr hier mal in einer ruhigen Minute reinhören.


Bandsalat: Adhära, Edward In Venice, Lost Rockets, Quieter, Rosetta, Tough Stuff, Vona, You’ll Live

Adhära – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Könnt ihr euch noch an die geile Zeit erinnern, als ihr in irgendeinem verqualmten Jugendzentrum ’ne Band gesehen habt, die euch total umgeblasen hat? Fünf Bier im Schädel und völlig am Austicken? Also, ich schon. Und wenn ich die vier Songs dieser EP voll laut aufgedreht direkt via Kopfhörer in meine Ohren leite, dann krieg ich total Lust, mich in den nächstbesten Moshpit zu stürzen. Zudem hat die Mucke den positiven Nebeneffekt, dass ich den handfesten Streit meiner beiden Kinder nicht hören kann. Kinderkram kann so anstrengend sein… Vielleicht sollten die Kinder mal anstelle von Benjamin Blümchen was handfestes wie Adhära hören. Neo-Crust und D-Beat macht mich persönlich zu einem sanfteren Menschen. Wenn dann noch wie im Fall der Band aus Singapur melodische Gitarren und etwas Screamo dazukommen, dann bin ich der zufriedenste Mensch.


Edward In Venice – „Howler“ (NoReason Records) [Stream]
Bevor ich jetzt anfange, auf dem beknackten Bandnamen ein wenig rumzuhacken, empfehle ich euch jetzt einfach mal völlig vorurteilsfrei die sieben Songs der neuen EP dieser italienischen Band, die zwischen Melodic Hardcore, Skatepunk und ein wenig Post-Hardcore pendelt. V.a. der Gesang erinnert mich desöfteren an As Friends Rust, ab und an kommen auch frühe Stretch Arm Strong in den Sinn, aber tendenziell schwingt permanent ’ne poppige Note in den Songs mit. Gut, ob der Piano-Part beim Titelstück unbedingt von Nöten gewesen wäre, sei dahingestellt.


Lost Rockets – „Selftitled“ (Hell is Now Love Records) [Name Your Price Download]
Bereits im Jahr 2008 gegründet und im Laufe der Bandgeschichte gebeutelt von etlichen Line-Up-Wechseln, kommt mit diesen neun Songs nun endlich das lang erwartete Debutalbum der Neuseeländer um die Ecke. Und das klingt eher nach punkigem 90’s Emocore a la Dischord, da steckt so viel mehr Washington DC als Auenland drin, hier hört man die Vorbilder Fugazi, Soulside, The Van Pelt oder auch Sonic Youth deutlich raus. So Zeug sollte man eigentlich auf Vinyl hören, aber da kommt man sicher schwer dran. Deshalb schnell zum Name Your Price Download greifen und sich an den tollen Bassparts und den schrammeligen Gitarren freuen.


Quieter – „Won’t Call Back“ (Dog-Eared Records) [Name Your Price Download]
Die Jungs aus Seattle scheinen trotz ihres tendenziell traurigen Sounds witzige Typen zu sein: Mosh The Tears Away, das ist aussagekräftig. Mit Metal oder Mosh-Core hat das hier allerdings nichts zu tun, eher wird hier in bester Midwest-Emo-Manier gelitten und getwinkelt, was das Zeug hält. Melancholische Gitarren und tolle Basslinien, dazu ein impulsiver Drummer und ein Sänger, der irgendwie schräg aber doch passend rüberkommt. Sunny Day Real Estate, Mineral, The Promise Ring und alte Appleseed Cast lassen grüßen, manchmal linsen auch Knapsack oder The Jealous Sound um die Ecke.


Rosetta – „Quintessential Ephemera“ (Golden Antenna Records) [Name Your Price Download]
Hinter diesem futuristisch anmutenden Cover hätte ich jetzt eher eine Drum’n’Bass oder Electro-Platte vermutet, aber so kann man sich täuschen. Nun, Rosetta gibt’s auch schon wieder 12 Jahre und Quintessential Ephemera ist das mittlerweile fünfte Album. Die neun Songs dürften jedem gefallen, der sich unter Posthardcore mit sphärischen Ambientpassagen und wachrüttelnden Drone/Metal/Sludge-Elementen was vorstellen kann. Schöne Melodien werden mit brutalen Drone-Ausbrüchen kombiniert, Gesang wechselt mit derbem Gebrüll und immer wieder kommen auch leise Töne zum Zug. Nichts neues, aber super in Szene gesetzt, mir gefällt es jedenfalls.


Tough Stuff – „Let’s Move“ (Too Far Gone Records) [Stream]
Das Albumartwork des Debutalbums der Band aus Orange County erinnert volle Kanne an das Algernon Cadwallader Album „Some Kind Of Cadwallader“, oder? Die Mucke geht in eine ähnliche Richtung. Schnelle Punksongs mit frickeliger Gitarre, allerdings wird hier weniger schräg gesungen, trotzdem kommt nochmals so ein – ähem- Spätsommerfeeling durch, auch wenn kurz vor Weihnachten ist.


Vona – „Hope“ (DIY) [Stream]
Das Debutalbum der schwedischen Band wurde in Eigenregie veröffentlicht, für den bombastischen Sound durfte mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden ran. Vona machen melodischen Hardcore, bringen dazu noch ein paar Post-Hardcore und Emo-Elemente mit ins Spiel, wodurch ein wenig Abwechslung in die ganze Sache kommt. Am Besten gefallen mir dann die Songs, bei denen nicht permanent gebrüllt, sondern auch mal gesungen wird.


You’ll Live – „Moving Past This“ (Dog Knights Productions/Skeletal Lightning) [Stream]
Das zerbrochene Fenster auf dem Albumcover steht wohl metaphorisch für zerbrochene Beziehungen, die für dieses zehn Songs andauernde Album des Quartetts aus Florida das zentrale Thema darstellen. Dementsprechend dominieren die traurigen und resigniert rüberkommenden Klänge, trotzdem strotzt die Platte vor poetischer Schönheit. Das ist so, wie mit den absterbenden Blättern im Herbst. Heute noch schön bunt, aber morgen nach ein paar Regenschauern grau und zum Zerfall verdammt. Hier bekommt ihr intensiv trauernden Midwest-Emo mit ein paar Screamo/Skramz-Einflüssen, alte Helden wie City Of Caterpillar, Rites Of Spring oder Still Life kommen ebenso in den Sinn, wie neuere Bands á la Perfect Future.


Thinner – „Paintime And Glory“ (Midsummer Records)

Das 2013er Album Say It! dauerte so ungefähr 24 Minuten und bot insgesamt 15 Songs, von denen nur ein einziger die Zwei-Minuten-Marke knackte. Das neue Album der drei Berliner hat ebenfalls eine Spielzeit von knapp 24 Minuten, dabei werden aber „nur“ insgesamt zwöf Songs runtergezockt. Ist das so ’n Marketing-Scheiß jetzt? So ’n weniger-in-der-Verpackung-bei-gleichem-Preis-Ding? Wir Schwaben sind ja geborene Fliegenbeinzähler, gell?  Auch wenn wir in Mathe größtenteils nasebohrend aus dem Fenster geschaut und den Strebern anschließend in der großen Pause das Vespergeld abgezogen und ins eigene Sparschwein für’s Häusle-Bauen gesteckt haben, uns kann man nichts vormachen, ha! Deshalb die Frage: Warum bei gleicher Spielzeit weniger Songs? Ist da etwa weniger drin im neuen Thinner-Album?

Nun, auf Paintime And Glory gibt es unter den zwölf Songs gleich 6 Stücke, die die Zwei-Minuten-Marke knacken, einer davon kratzt sogar fast an der Drei-Minuten-Marke. Und wisst ihr was? Trotz den für Thinner-Verhältnisse epischen Songlängen kommt bei keinem der Songs auch nur ein Fünkchen Langweile auf. Im Gegenteil, insgesamt macht sich neben der rotzigen Attitüde eine angenehme Catchyness breit, die der Band ziemlich gut zu Gesicht steht. Die Spielfreude der Jungs wurde super eingefangen (Two Stroke Music/Black Box Studios Berlin), zudem schimmert ab und an so ein gewisser Beatsteaks-Vibe durch, den man auf den ersten Veröffentlichungen der ebenfalls aus Berlin stammenden Chartstürmern noch fand. Gitarrist und Sänger Adrian lässt fast durchgängig die Stimmbänder bis zum Anschlag vibrieren, ab und an kommen im Vergleich zur Say It!  aber auch hymnischere und fast schon gesungene Passagen und ein paar Gangshouts dazu. Und nach wie vor stehen die verdammt geil gespielten und messerscharfen Gitarren im Vordergrund, die zusammen mit dem treibenden Schlagzeugspiel das unkaputtbare und mächtig schwere Grundgerüst von Thinner bilden. Und wenn der melodiös verspielte, teils extrem knödelnde Bass (hört z.B. mal den entzückenden Schluss von True Surrender) und die zweite melodische Gitarre reinschneien, dann ist sogar am Schreibtisch Bierverschütten angesagt. Übrigens kommt das farbenfrohe Albumcover  im LP-Format auch sehr schön rüber.

Auch wenn bei mir selbst das Betonsurfen aufgrund kaputter Knie in Zukunft etwas mager ausfallen wird, empfehle ich euch dieses Album (so wie auch Say It!) für die Kopfhörer beim Skaten. Wo verdammt nochmal haben meine Kinder mein Finger-Skateboard versteckt? Egal…Naja, wie ich aus dem Presseinfo erfahren habe, kennt man Sänger/Gitarrist Adrian nicht nur als Sänger bei der deutschen HC-Band Element, er hat auch lange Jahre für’s Boardstein-Mag die Kolumne „Anleitung zum revolutionären Verhalten“ geschrieben. Dementsprechend handeln die Texte auf Paintime And Glory  dann auch größtenteils von der Straße, hier kommt aber eher der Dreck und Staub auf Berlins verrotteten Wegruinen und maroden Gassen zu Tage. Und das alles in englischer Sprache und in Häppchen ausgekotzt. Gossenpoesie und Alltagsrotz kleben wie schwarzes Pech an den Sohlen der durchlöcherten und abgewetzten Sneakers. Da passt es auch wie die Faust aufs Auge, dass beim Titelstück Paintime And Glory sogar noch Bläser zum Einsatz kommen, die ein wenig an eine Mischung aus den Bläsern von Sheer Terrors Old, New, Borrowed And Blue und NOFX erinnern. Dieses Album ist genau das Richtige für Charles Bukowski-Skatejunkies, für Fans von Bands wie z.B. den frühen Spermbirds, den Skeezicks oder den frühen 59 Times The Pain. Steakknife ist eh klar, das kann man ja schon vom umgedrehten N im Schriftzug ableiten. Und wenn die Jungs nicht schon selbst auf ihrer Facebook-Seite den Spirit von Bands wie z.B. Dag Nasty, Pennywise, Minor Threat, 411, Operation Ivy, Dead Kennedys, Insted, Seaweed, Descendents, Black Flag, Gang Green, Battery, Bad Religion, Rancid, Suicidal Tendencies und blablabla angesprochen hätten, dann hättet ihr das jetzt von mir hören müssen.

8/10

Facebook / Bandcamp


Bandsalat: Chambers, Colored Moth, No Matter Where We Go, Pillage, Sangharsha, Blank, Thee Oops, Tomorrow St. Peter, Wolf Down

Chambers – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Irgendwie bin ich ein wenig durcheinandergeraten, da mich die Anfragen der Bands Colored Moth und Chambers, beide übrigens aus Berlin stammend, mit ein paar Tagen Abstand erreichten. Der kleine Falter auf dem Cover zur ersten EP der Band Chambers erinnert dann ein wenig an eine Motte, deshalb die Verwirrung. Nun, zudem kann man auch ein paar musikalische Parallelen entdecken, auch hier bilden die Pfeiler Post-Hardcore, HC, Punk und Post-Rock die Grundlage, obwohl das Quartett Chambers sehr viel düsterer an die Sache rangeht. Jedenfalls hört man dem Sound an, dass die Jungs hinter dem stehen, was sie da machen. Für erste Aufnahmen zündet das schon ganz gut, von der Produktion her gibt’s auch nix zu meckern. Bevor die EP als Tape erscheinen wird, könnt ihr euch das Ding jetzt schon für lau auf Bandcamp ziehen.


Colored Moth – „Ever Dared To Dream Before“ (Light Bulb Records) [Name Your Price Download]
Nach einem kurzen Industrial-Störgeräusche-Intro geht es direkt mit einer schmutzigen Bass-Line, rotierenden, dissonanten Gitarren und hektischem Getrommel los, der Sänger kreischt auch derbe rum, die Stimme erinnert mich ein wenig an den Pittbull-Sänger (die HC-Band), nur etwas heiserer. Danach wird alles ein wenig melodischer und flirriger und der brachiale HC der Berliner Band wird durch Post-Rock-artige, fast sphärische Parts ergänzt, bis es wieder vertrackter wird. Die Produktion ist schön kantig und wuchtig zugleich, das passt hervorragend zum vorwiegend im Midtempo und eher schleppenden Sound.


No Matter Where We Go – „There Is Nothing Waiting For Us“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es ist doch immer wieder schön, wenn das Fundament einer Band auf einer langjährigen Freundschaft aufgebaut ist. Bei dieser Band hier, die mittlerweile in Wuppertal und Münster ansässig ist, gefällt mir die Bandbiographie sehr gut, da solche Konstellationen eigentlich nichts ungewöhnliches im Punk/HC/Post-Hardcore-Bereich sind. Drei Freunde, die sich bereits aus Schultagen und Jugendzeit aus der gleichen elterlichen Kleinstadt kennen und mit einem weiteren Bandmitglied bereits in einer anderen Band zusammengespielt haben, verlassen die Heimat aufgrund eines Studiums und holen nochmal jemanden mit ins Boot, um fortan mit Leib und Seele mehr Zeit in die Band zu stecken, als ins bekackte Studium. Dave von Long Distance Calling hat die sieben Songs aufgenommen, die Tonmeisterei hat an den Knöpfchen gedreht und mächtig abgemischt. Manchmal schwappt ein wenig Dunkelheit mit, trotzdem bleibt das Licht am Ende des Tunnels aufgrund einiger Melodiebögen sichtbar. Bremer Schule HC trifft auf Crust, Post-HC liebäugelt mit ein wenig Post-Rock und obwohl ich nicht so auf Konzepte stehe, finde ich es äußerst spannend, dass sich die Texte kritisch mit religiöser Indoktrination und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinandersetzen. Die Lyrics kommen in englischer und deutscher Sprache. Zippt euch das Ding schonmal auf die Festplatte, wenn euch Bands wie z.B. Jungbluth, Fjort oder From Ashes Rise taugen.


Pillage – „Selftitled“ (Residue Records) [Name Your Price Download]
Hey, haste mal ’ne Minute Zeit für hastigen Hardcore? Holy Shit, das ballert ganz schön, was die Jungs aus Chicago da in 8 Minuten und 8 Songs vom Stapel reißen. Powerviolence, Hardcore und Punk, fette Rückkopplungen, thrashende Gitarren, ein Schlagzeuger, der am Durchdrehen ist und ein Sänger, der all seine Wut rausbrüllt, bis die Stimmbänder bluten. Freunde von Asshole Parade, DS-13 oder Tear It Up sollten da mal ein oder zwei Ohren riskieren. Mit Leuten, die bereits mit Bands wie Charles Bronson, MK-Ultra oder Los Crudos in Erscheinung getreten sind.


Sangharsha​ & ​Blank – „Intermundia Split“ (Alerta Antifascista/Holy Goat Records) [Name Your Price Download]
Diese zwei Bands schlagen musikalisch in eine ähnliche Kerbe, das heißt, dass ihr zwei mal düsteren Negative-Hardcore um den Schädel geblasen bekommt. Bei der New Yorker Band Sangharsha ​wirken vier Nepalesen mit, die Texte lesen sich exotisch, google translate behauptet, das wäre Sesotho. Hinter dem Geschrei könnte man aber eigentlich jede Sprache vermuten. Die drei Songs klingen sehr düster und wuchtig, sind aber eher im Midtempo gehalten, ab und an schweift man auch in atmosphärische Klangwelten ab. Blank aus Köln/Solingen steuern dann ebenfalls drei Songs bei, die genauso düster und kalt klingen, wobei Blank ’nen Ticken schneller drauflosprügeln und noch einiges an Blackmetaleinflüssen verarbeiten.


Thee Oops – „Back To Breast“ (Anchors Aweigh Records) [Name Your Price Download]
Schönen altmodischen Oldschool Punk/HC gibt’s auf dem neuen Album der Sardinier zu hören. Ähnlich wie auf dem ebenfalls ancheckungswerten Debutalbum „Taste Of Zimbabwe“ gehen die zwölf Songs gut und melodisch nach vorne, dabei gefällt mir der polternde Bass und die fast schon weibliche Stimme des Sängers ganz gut. Uniform Choice trifft auf die Angry Samoans, während die Geschwindigkeit an Bands wie die Skeezicks oder frühe Spermbirds erinnert.


Tomorrow St. Peter – „Selftitled“ (Through Love Records) [Name Your Price Download]
Huch, schon wieder eine schwedische Band auf dem Hamburger DIY-Label Through Love Records? Dazu noch eine, die bereits eine EP im Rücken hat. Ich muss zugeben, dass ich bei den ersten Durchläufen so meine Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Sound der Band aus Stockholm anzufreunden. Rein instrumental gibt es absolut nichts zu meckern, ganz im Gegenteil. Musikalisch erinnert das an eine Mischung aus American Football, Appleseed Cast und Owls. Hier zwirbeln die Gitarren ein Feuerwerk nach dem anderen, der Schlagzeuger schwebt in Sphären, die man als normal Sterblicher nur selten erreicht und der Basser scheint auch mit seinem Instrument eine innige Beziehung zu haben. Wunderschön. Der theatralische Gesang allerdings zerstört nach meinem Empfinden unheimlich viel von dem, was der Rest der Band hier aufgebaut hat. Das ist dann so wie bei den Simpsons: alles okay, bis mal wieder so ’ne sackdoofe Musical-Folge an euren Nerven sägt. Wer es aber gerne ein wenig speziell liebt, der wird sich mit den Morrissey-ähnlichen Vocals schon irgendwie arrangieren.


Wolf Down – „Liberation“ (End Hits Records) [Stream]
Nach zwei EP’s und dem abgefeierten Album Stray From The Path gibt es nun neuen Stoff in Form einer 7inch, die auch digital erhältlich ist. Darauf sind zwei Songs der linkspolitischen Band aus dem Ruhrpott enthalten, die schön straight nach vorne moshen und an eine Mischung aus frühen Earth Crisis, metallischeren Boy Sets Fire oder Chokehold erinnern, auch die Stuttgarter Band Sidekick kommt mir bei manchen Passagen in den Sinn. Bei der Promo-CD-Version sind leider keine Texte dabei, im Infozettel wird aber erklärt, dass die Band neben Animal Liberation Front-Inhalten auch absolute soziale Gerechtigkeit und ein vereintes Linksbündnis einfordert. Schaut doch mal das Video zu Flames Of Discontent an.