Bandsalat: Goldzilla, I Like Young Girl, Knowhere, Maria Taylor, The Run Up, Stray From The Path, Stumfol, Turnover, White Crane

Goldzilla – „Goldzilla Vs. Robohitler“ (DIY) [Stream]
Was mir da nach erstem Mailkontakt in den Briefkasten geflattert kam, das gibt es auch nicht alle Tage! Ein wunderschönes, kleines Päckchen, nicht größer als eine ultrafette Digipack-CD. Mit goldener Farbe angesprüht, vorne drauf ein aufgeklebtes Polaroid-Foto. Ich mach jetzt einfach mal ein kleines Unboxing-Resumee: aus dem Paket purzelt ein in goldener Farbe angesprühtes Tape im Pappschuber, dazu gibt’s einen Anstecker aus Metall, ein paar nette Aufkleber und eine individuell für mich bedruckte und handbeschriebene Goldzilla-Postkarte. Wow, das ist wirklich ein Care-Paket der Extraklasse! DIY wird bei Goldzilla offenbar ganz groß geschrieben. Schaut euch mal das coole Video zum Song Dieter stolpert an, da kann jede Massenproduktions-Maschine gegen abstinken! Nun, den Anstecker mit dem von Pfeilen durchbohrten Hund hat sich natürlich gleich mein Töchterchen für’s Schülermäppchen unter den Nagel gerissen. Ist das eigentlich Blondi, des Führers geliebte Schäferhündin? Durchbohrt von den Pfeilen des mächtigen Goldzillas? Wahrscheinlich schon, denn als nächster steht ja laut EP-Titel Robohitler auf dem Speiseplan Goldzillas. Überhaupt, Goldzilla hat viele verhasste Gegner, die gnadenlos vernichtet werden sollten. Das erfährt man im liebevoll gestalteten Textblatt, in dem alle in deutscher Sprache verfassten Lyrics nochmals nachgeschlagen werden können. Aber eigentlich nur für den Fall, wenn man sich nicht sicher ist, was denn da gerade wütend rausgebrüllt wurde. Die sechs Songs kommen kämpferisch daher, musikalisch geht das eher in eine punkige Richtung, die Gitarren legen aber zwischendurch auch mal einen stark angefuzzten Tanz auf’s Parkett und klingen ein bisschen nach Stoner, der Bass knattert dabei schön Sludge-mässig rum. Melodische Punk-Gitarrenriffs wechseln sich mit dreckig-rauen und groovigen Passagen, passend dazu tanzt Patrick Swayze in bester Dirty-Dancing-Manier über die Karre von Chief Wiggum und Barbrady, nachzuhören im Song Cops oder Zahlen. Irgendwie kommen mir bei manchen Gitarrenpassagen der drei Berliner*innen auch die frühen Smashing Pumpkins in den Sinn, andere Referenzen wären Muff Potter, Captain Planet, Turbostaat und die frühen Deftones. Checkt das mal an, Goldzilla ist ein Guter!


I Like Young Girl & Knowhere – „Split“ (Rizkan Records) [Stream]
Zwei coole asiatische Bands könnt ihr auf diesem schnuckeligen Release kennenlernen. Beide Bands steuern jeweils zwei Songs im gegenseitigen Wechsel bei! Und die dürften allen gefallen, die auf melodischen Emo mit Indie und Punk-Einflüssen stehen. I Like Young Girl mögen einen etwas hinterfragungswürdigen Namen haben, können musikalisch aber auf ganzer Linie überzeugen. Wenn ich den Bandnamen mitsamt Herkunftsland Japan in eine Internetsuchmaschine eingebe, bekomme ich jedenfalls nur Erwachseneninhalte geliefert, wahrscheinlich bin ich dadurch sogar auf irgendeiner Fahndungsliste gelandet. Dankeschön, ihr Deppen! Okay, nachdem ich neulich das sagenhaft lustige und informative Buch The Tokyo Diaries von David Schumann gelesen habe und dadurch Einblicke in ein unbekanntes Japan der Subkulturen bekam, schau ich mal über den beknackten Namen weg. Gerade auch, weil die Mucke mich alten Sack echt mal bei den Eiern packt. Das Trio klingt so verdammt frisch und catchy! Da möchte man wirklich nochmal jung sein! Diese zuckersüßen aber dennoch melancholischen Schrammel-Gitarren, herrlich! Dazu gesellt sich einfühlsamer Gesang, so dass die zwei Songs eine ganz besondere Stimmung mit sich tragen. Knowhere aus Indonesien hauen musikalisch in eine ähnliche Kerbe. Wow! So frisch, so melancholisch, so melodisch und intensiv. Beim Song Dial N For Nonsense kommen dann noch Bläser dazu, so dass man an Bands wie z.B. Algernon Cadwallader erinnert wird. Tigers Jaw, Nada Surf, The Get Up Kids und I Love Your Lifestyle kommen ebenfalls in den Sinn. Das Ding hier müsst ihr unbedingt mal anchecken!


Maria Taylor – „Selftitled“ (Grand Hotel van Cleef) [Stream]
Es war die November-EP der Band Azure Ray, mit der ich erstmals auf die Musikerin Maria Taylor aufmerksam wurde. Obwohl diese EP bis heute immer wieder mal den Weg in die heimische Anlage fand -vorzugsweise im Herbst- verfolgte ich den weiteren künstlerischen Werdegang Maria Taylors nur so am Rand. Dass die Musikerin auch teilweise bei Bright Eyes mitwirkte und Azure Ray schon mal mit Moby kollaborierten, war mir bewusst und auch die Solokarriere nahm ich zur Kenntnis. Dass mit diesem selbstbetitelten Album hier bereits der siebte Longplayer erschienen ist, überrascht mich dann doch etwas. Da sieht man mal wieder, wie die Zeit vergeht! Mittlerweile hat Maria Taylor Familie und wohnt mit ihrem Ehemann Ryan Dwyer und ihren zwei Kindern in einem kleinen Häuschen in Los Angeles. Im dortigen Wohnzimmer entstanden auch in kuscheliger Homerecording-Atmosphäre die Aufnahmen zu den zehn Songs des neuen Albums. Obwohl Maria Taylor ja als Multiinstrumentalistin bekannt ist und die meisten Instrumente von ihr selbst eingespielt wurden, waren zahlreiche Gastmusiker am Entstehungsprozess beteiligt. Neben Ehemann Ryan Dwyer und langjährigem Freund Louis Schefano sind zahlreiche Familienangehörige und enge Freunde auf dem Album zu hören, selbst Taylors siebenjähriger Sohn steuerte die Grundidee eines Songs bei (Miley’s Song). Kennt man diese Hintergründe und beschäftigt man sich zudem mit den sehr persönlichen Lyrics, dann klingt die Musik umso tiefgründiger und intimer. Bereits der Opener strotzt vor Melancholie und die Vertrautheit setzt spätestens beim tollen Refrain ein. Manche Songs wirken reduziert, es schleichen sich aber immer wieder verspielte Instrumente im Hintergrund ein, so dass es viel zu entdecken gibt. Hört euch z.B. mal den Song New Love an, der hat so ’ne richtig melancholische Gitarrenmelodie. Diese Platte ist genau das Richtige, um es sich bei kaltem Regenwetter zu Hause gemütlich zu machen!


The Run Up – „In Motion“ (Gunner Records) [Stream]
Das zweite Album der Band aus Bristol/UK steckt voller catchy Punkrockhymnen! Soviel schonmal als Spoiler. Insgesamt zwölf Songs voller Leidenschaft sind darauf zu hören. Die Band war in den letzten zwei Jahren permanent auf Tour, hatte demnach genügend Zeit, sich dabei auf’s Detail genau einzuspielen. Und das kann man auf In Motion ohne Zweifel hören. Das tönt nach ungezwungener Leichtigkeit, hier passt jeder Ton, hier sitzt jedes Gefühl! Auch wenn die Melancholie stets zu spüren ist, geht der Band die Energie und Intensität zu keiner Sekunde flöten. Neben den stimmigen Songarrangements sind es v.a. die gefühlvoll aus dem Ärmel gezockten Gitarren, die treibenden Drums und der verletzliche Gesang, der die Platte so groß macht. Da wünscht man sich direkt vor die Bühne, um bei den zahlreichen Mitgröhlgranaten von Gänsehautschauern überwältigt zu werden. Geiles zweites Album mit massig Seele!


Stray From The Path – „Internal Atomics“ (UNFD) [Stream]
Auch wenn Stray From The Path aus New York mittlerweile schon seit 2001 unterwegs sind und seitdem zahlreiche Releases rausgehauen haben, hab ich bisher null Kenntnis von der Band. Schön, wenn man bei Null anfängt, und dann gleich mit so einem wuchtigen Album wie Internal Atomics getroffen wird! Stray From The Path machen eine groovelastige und arschtretende Mischung aus metallischem Hardcore und Hip-Hop. Bevor ihr jetzt abgeschreckt seid und mit Grausen an Bands wie z.B. H-Blockx denkt, dann kann ich euch beruhigen. Das hier klingt eher nach einer Mischung aus mächtigen Gitarrenriffs á la Converge, moshigen Boy Sets Fire und Zeugs wie Rage Against The Machine oder Downset, Fever 333 minus die melodischen Mitsing-Refrains passen eigentlich auch ganz gut als Vergleich. Die Rhythmusmaschine macht hier echt mal ordentlich Dampf, dazu kommen höllisch fette Riffs und Breakdowns am laufenden Band. Und der Sänger klingt an einigen Stellen wirklich mal wie ein extrem wütender Zach De La Rocha. Auch textlich werden permanent Erinnerungen an RATM wach, die Message wird unmissverständlich auf den Punkt gebracht. Stray From The Path behandeln vorwiegend gesellschaftspolitische Themen und regen dadurch hoffentlich ein bisschen zum Nachdenken an. In dreißig Minuten Spielzeit wird hier keine Verschnaufpause eingelegt, das Ding ballert also ordentlich!


Stumfol – „Long Story Short“ (Homebound Records) [Video]
Christian Stumfol verweilte vor ein paar Jährchen mal für einige Zeit in meinem Wohnort, weshalb ich bereits das Vergnügen hatte, den Musiker bei verschiedenen Live-Darbietungen zu erleben. Diese Auftritte sind mir eigentlich ganz gut in Erinnerung geblieben, hauptsächlich aufgrund der emotionalen Stimmung, die der Musiker auf der Bühne bzw. auf dem Floor so verbreitete. Und auch die bisherigen Veröffentlichungen schafften bereits den Weg in die heimische Anlage, obwohl man mich mit Singer/Songwriter-Geheul eher jagen kann. Jetzt kommt via Homebound Records also Album Nummer vier um die Ecke. Und auf den ersten Blick lässt sich sagen, dass es auf Long Story Short noch etwas ruhiger als bisher zugeht, die Rock-Anteile wurden deutlich reduziert. Hatte Stumfol auf Cold Brew noch eine Band im Nacken, ist er hier wieder mehr oder weniger im Alleingang unterwegs. Stumfol klingt wirklich noch amerikanischer, als bisher. Bruce Springsteen, Tom Petty und Konsorten lassen grüßen, ganz stark hat man auch so Zeugs wie Calexico im Ohr. Was den neun Songs auch zugute kommt, sind die kurzen Songlängen. So kommen die Songs schnell zum Punkt und Stumfol hat trotzdem noch einiges zu erzählen. Man hört dem warm klingenden Sound einfach an, dass der Herr für seine Sache brennt und viel Leidenschaft und Herzblut hier drin steckt.


Turnover – „Altogether“ (Run For Cover) [Stream]
Vom Sound ihrer Anfangstage hat sich die Band Turnover ja bereits auf dem Vorgänger Good Nature meilenweit entfernt. So ist die musikalische Fortführung, die man auf dem neuen Album des Trios zu hören bekommt, die logische Weiterentwicklung einer Band, die die besten Tunes aus den eigenen Musikvorlieben zu einer experimentierfreudigen Soundkollage zusammengetragen hat. Ich muss sagen, dass mich das Album beim erstmaligen Durchlauf noch nicht am Haken hatte. Im Nachhinein weiß ich auch, woran es lag. Die Lautsprecher meiner Anlage fielen auf einer Seite aus, so dass wohl manche Tonlagen verschluckt wurden, was ich aber erst zu spät bemerkte. Runde zwei erfolgte deshalb mit Kopfhörern. Und siehe da: plötzlich klang das Ganze nicht mehr so monoton. Im Gegenteil! Turnover schaffen es auf Altogether auf spannende Art und Weise, verschiedene Musikstile wie z.B. Jazz, Soul, Lounge, Pop, Funk und Disco in ihren verträumten Indie einzuflechten. Dabei entsteht dann so ein ganz persönlicher und intimer Turnover-Kosmos, in dem man sich sicher und geborgen einkuscheln kann. Der Bass schwebt schmetterlingsartig durch die Lüfte, die Gitarren flirren summend hinterher, die Drums takten weich. An manchen Stellen tauchen Keyboards und sogar Bläser auf. Über all dem schwebt die vertraute und smoothe Stimme von Austin Getz. Die Melodien von Hits wie z.B. Much After Feeling, Number On The Gate oder No Reply brennen sich bereits nach ein paar Runden tief in die Gehörgänge ein. Wenn ihr auf Zeugs wie The Whitest Boy Alive, Phoenix, Real Friends oder Zoot Woman steht, dann bekommt ihr mit Altogether ein Album geliefert, das bestens in die dunkle Jahreszeit passt und für etliche entspannte Stunden sorgen dürfte.


White Crane – „The Swaying Kids“ (DIY) [Stream]
Bei manchen Bands merkt man schon aufgrund einer Besprechungsanfrage, wie viel Herzblut in eine Sache gesteckt wird, wie z.B. im Fall der Münsteraner Band White Crane. Und im Verlauf einer weiteren Konversation stellt sich dann auch noch heraus, dass man es mit äußerst sympathischen Leuten zu tun hat, die einen ähnlichen Background zu haben scheinen, wie man selbst. Ebenso freut es mich natürlich unheimlich, dass das Netzwerk funktioniert, denn White Crane wurden durch die Band Tides auf Crossed Letters aufmerksam. Nun, auch wenn ich anfangs ein bisschen zu blöd war, den in der Mail beigefügten Download im unbekannten Dateiformat zu öffnen, hat es letztendlich doch noch geklappt, dass ich in den Genuss kam, die vier Songs der zweiten EP der Münsteraner zu hören. Und das, obwohl mein Gegenüber PC-technisch offenbar über ähnlich laienhafte Kenntnisse in Sachen PC verfügt. Nachdem diese erste Hürde überwunden war, kam mit der Musik des Quintetts die gebührende Entlohnung. Denn die Jungs machen eine wahnsinnig berührende Mischung aus Emorock und Indie. Herrlich altmodisch ist man irgendwo in den späten Neunzigern hängen geblieben. Aufgenommen wurde in der Tonmeisterei, so dass auch bei der Produktion keine Wünsche offen bleiben und sich jedes Instrument frei entfalten kann. Oh ja, diese Gitarren, der gegenspielende Bass, die Drums und der wehmütige Gesang! Da hört man einfach aus jedem Ton die Leidenschaft heraus. Traurig-dramatische Melodien voller Sehnsucht treffen auf ausgeklügelte Songarrangements, mehrstimmige Refrains runden das Ganze ab. Einziges Manko ist hier, dass nach vier Songs schon wieder alles vorbei ist. Wer die Band bisher noch nicht kannte, hat wenigstens noch die Option, die zwei bisher erschienenen EP’s der Jungs anzuchecken. Immerhin ist die Band ja schon seit 2012 unterwegs, da wäre ein ganzes Album natürlich endlich mal angesagt! Wer Bands wie The Promise Ring, Mineral, Reno Kid, Favez, Texas Is The Reason oder frühe Appleseed Cast mag, dürfte auch bei den vier Songs von White Crane zum schnurrenden Kätzchen werden. Ancheckpflicht!


 

Bandsalat: Atlas, Deadends, Football Etc., Killed, No Liars, Snag, Turnover, Wrckg

Atlas – „Blush“ (Dingleberry Records) [Stream]
Neulich beim Bandcamp-Surfen entdeckt und sofort mit errötetem Teint liebgewonnen: die belgische Band Atlas mit ihrer Hammer-Debutscheibe Blush. Wenn ihr mal wieder sehr gut gemachten Post-Hardcore mit melancholischen Emo-Tendenzen entdecken wollt, dann ist dieses neun Songs starke Album genau das Richtige für euch. Zum einen verzücken die Songs durch spannende Arrangements und reichlich Abwechslung, zum anderen lassen die satten, leidenschaftlich gespielten Gitarren und der zerbrechlich wirkende Gesang das Herz höher schlagen. Auch die Rhythmus-Fraktion versteht ihr Handwerk. Hört euch mal das vielschichtige Missing Parts oder das treibende The Underneath an, dann wisst ihr, was ich meine. Für’s glasklare Mastering hat Brad Boatright von Audiosiege gesorgt. Da hat man Bands wie z.B. Thursday zur Full Collapse-Phase vor Augen, Hopesfall schwirren auch durch den Raum, La Dispute, Touché Amore oder The Tidal Sleep könnten auch noch als Vergleich dienen. Und Moment mal, das Ding ist auch noch über Dingleberry Records erschienen, wie geil ist das denn? Käme diese pfiffige Band aus den USA, dann würde sie wahrscheinlich durch die Decke gehen. Absoluter Geheimtipp!


Deadends – „The Essence Of Every Second “ (Fond Of Life) [Stream]
Diese Band hier kommt aus Graz, das liegt in Österreich. Aber soundtechnisch bewegen sich die vier Jungs in ähnlichen Soundbereichen, wie die weitaus bekannteren Gnarwolves. Also alles abseits des Punk-Mainstreams, der in Graz mit einer brozenen Punkstatue lockt. Soll heißen: Melodischer Punkrock, der zwischen Halfpipe und Fußgängerzone noch genügend Rotzigkeit im Gepäck hat. Checkt das mal an, wenn ihr keine Tickets für die nächste Gnarwolves-Show bekommen habt.


Football, etc. – „Corner“ (Barely Regal Records) [Stream]
Vier Jahre sind seit der letzten Full Length des Emo-Trios aus Texas ins Land gezogen. Vom Sound her haben sich seitdem keine gravierenden Änderungen ergeben, die zehn Songs kombinieren Herzschmerz- Emo mit zuckersüßem Indie. Die Gitarren schrammeln wundervolle Melodien, gerade im Midtempo bekommt man immer wieder automatisch dieses rhythmische Zucken des Beines. Und über allem schwebt der gefühlvolle Gesang von Sängerin Lindsay Minton. Das klingt dann zusammen so schön plätschernd und vertraut, manchmal braucht es keinen Schnickschnack, um Gefühle zu transportieren. Hört mal Songs wie z.B. Foul oder Space an, dann wisst ihr, was ich meine. Wer Bands wie Rainer Maria oder Ohio’s Favorite mag, sollte hier mal unbedingt reinhören.


Killed – „Arsenic“ (DIY) [Free Download]
Aus Jakarta/Indonesien bekommen wir auch nicht alle Tage eine Besprechungsanfrage. Wie diese Bands wohl auf Blogs wie den unseren stoßen? Egal, jedenfalls klingt die 4-Song-EP der vier Jungs ziemlich fett. Wenn ihr auf diese Mischung aus 90er Hardcore und Metalcore abfahrt, dann solltet ihr euch das hier mal anhören. Oder schaut euch einfach das Video zum Song Darkwater an.


No Liars – „Selftitled“ (Toska Tapes) [Stream]
Diese relativ neue kanadische Band aus Victoria macht ziemlich eingängigen Post-Hardcore, der seine Vorbilder irgendwo um die Jahrtausendwende herum in Bands wie z.B. At The Drive-In, Refused, Alexisonfire oder Strike Anywhere hat. Mit diesem Sound wären die Jungs damals sicher bekannter geworden, aber was solls. Die vier Songs sind jedenfalls sehr gelungen und verdammt kurzweilig, der kräftige hymnenhafte Gesang und die satten Gitarren harmonieren bestens, da merkt man, dass hier Leute Spaß bei der Sache haben. Schaut euch doch mal das Video zum Song Catalyst an und überzeugt euch selbst!


Snag – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich liebe ja kurze und knackige Anfragen ohne nähere Infos. Ein Soundlink genügt mir eigentlich, um mir ein Bild zu machen. Klick auf Play, oft ist nach 3 Sekunden Spielzeit und einsetzendem Gesang klar: Papierkorb oder Besprechung. Snag aus Milwaukee gehören zur zweiten Sorte, auch wenn es nicht auf Anhieb richtig zündet. Aber die Grundstimmung passt. Die polternde Aufnahme mit dem knarzigen Bass und dem schepperigen, viel zu dünn aufgenommenen Schlagzeug und den ab und an auftauchenden lo-fi-Gitarren kommt direkt an. Sehr charmant. Spätestens wenn der Gesang einsetzt, freut man sich irgendwie. Überschlagende Vocals á la Algernon Cadwallader, frühe Piebald sind auch nicht weit, Midwest-Emo mochte ich schon immer. Und die Texte sind auch schön!


Turnover – „Good Nature“ (Run For Cover Records) [Stream]
Das bunte Dschungelcover offenbart schon eine vielseitige Farbenpracht und eine im Einklang mit der Natur stehende Artenvielfalt und macht neugierig auf die elf neuen Songs, die sich auf dem Nachfolger des vielseits abgefeierten 2015er-Album Peripheral Vision der Band aus Virginia befinden. Auf dem Außencover ist die Flora und Fauna des Dschungels zu bewundern, im Inneren des Digipacks sieht man dann die kleineren Bewohner des Dschungels, die Insekten. Zuallererst fällt auf, dass die verhallten Dreampop-Melodien noch stärker in den Vordergrund gerückt und die Emo-Anteile fast gänzlich verschwunden sind, trotzdem bleibt alles auf einer emotional intensiven Ebene. Die Gitarren spielen die zuckersüssesten Melodien, der warme Gesang von Austin Getz jagt einem zusätzlich an einer Tour wohlige Schauer über den Rücken. Man kann sagen, dass diese Platte wahnsinnig glücklich macht. Stellt euch einen Spätsommertag vor, an dem es nicht allzu heiß ist und ihr mit den Klängen von Good Nature im Ohr an einem menschenleeren Strand die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Sommers auf eurer Haut tanzen spürt. Entspannung pur, zufriedenes Grinsen! Das Album läuft bei mir seit Wochen rauf und runter und auch wenn sich dann und wann eine gewisse Eintönigkeit bemerkbar macht, da die Songs irgendwie doch alle sehr ähnlich klingen, ist mir die Scheibe schon jetzt ans Herz gewachsen. Songs wie Super Natural, Sunshine Type, What Got In The Way, Nightlight Girl oder Breeze gehören zu dem Besten, was Turnover bisher veröffentlicht haben. Stellt euch eine Mischung aus Real Estate (zu Zeiten des Atlas-Albums), Athlete (der sommerliche Vibe), Last Days Of April (die Melancholie), Day Wave, Jimmy Eat World und den Beach Boys (das entspannte Surfer-Leben) vor und lasst euch zu den Klängen von Good Nature die Sonne aus dem Arsch scheinen.


Wrckg – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Hach, ich mag eigentlich diese Vokal-hassenden Bandnamen überhaupt nicht. Spätestens seit dieser Hipster-Scheiß von Nazis kopiert und ohne strafrechtliche Folgen bleibt, sollte man in unseren Kreisen Abstand von dieser Unsitte nehmen. Wrckg steht vermutlich für Wreckage, könnte aber auch genausogut Werockgo oder Wearecakeog bedeuten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ballern die Niederländer eine solide Mischung aus mitreißendem Melodic Hardcore und etwas metallastigen Düster-Hardcore raus. Die Gitarren fetzen richtig geil, der Schlagzeuger holt auch alles aus seinem Kit und der Sänger gröhlt schön melodisch drüber. Kommt schön heavy, sehr fett abgemischt. Hört doch mal rein, wenn ihr auf Zeugs wie Landscapes etc. steht.


 

Highlights des Jahres 2015

halloWährend man bei manchen Schreiberkollegen und Kolleginnen bereits im November die Jahresbestenlisten lesen konnte, haderte ich wie jedes Jahr mit mir, ob es überhaupt nötig ist, eine Best-Of-Liste zu posten. Abgesehen von den „Zwischen-den-Jahren-Veröffentlichungen“ sind mir sicher auch dieses Jahr wieder etliche hochkarätige Scheiben durch die Lappen gegangen, darum ist dieses Jahreslisten-Ding für einen Zwangsneurotiker wie mich eigentlich das totale Horrorszenario. Naja, das Jahresende bietet aber irgendwie immer die Gelegenheit, sich in aller Form bei etlichen Leuten zu bedanken und wenn man schonmal dabei ist, kann man das Ganze doch ganz unverfänglich mit ein paar Veröffentlichungen ausschmücken, die während des Jahres ans Herz gewachsen sind. Okay, dann halt dieses Jahr eine wirklich klitzekleine Liste mit ganz auserwählten Sachen…Hmmm, erstmal damit angefangen, kommt man dann doch auf den Geschmack: deshalb weiter unten eine -ähem- „kleine“ Auswahl an Songs, die auf keinem Mixtape fehlen sollten. Ach so, das ist dann mal wieder typisch ich: wenn ich mal anfange, dann neige ich etwas zur Übertreibung…

Nun denn, als ich im Mai nach dem Ende von Borderline Fuckup mit Crossed Letters begonnen habe, hätte ich niemals erwartet, dass die Seite einen solchen Zuspruch erfahren würde. Wow! Mein unendlicher Dank geht an dieser Stelle natürlich in erster Linie raus an euch Leserinnen und Leser, auch wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, ob ihr mein Geschwafel überhaupt lest oder nur auf die Bandcamp-Links klickt und dabei der Meinung seid, dass es heutzutage doch total ausreichend ist, den Stream/DL-Link und die Musikrichtung zu posten. Also drauf geschissen, dass überhaupt jemand von der Seite Notiz nimmt und die vorgestellten Bands und Labels ancheckt, bedeutet mir so unglaublich viel, darum mach ich das ja. Denn dass es Labels und Bands gibt, die nicht nur die „großen“ Print-Zines oder etablierten Online-Zines im Auge haben und meine popelige Wenigkeit mit Vinyl, Tapes, CD’s, Digital-Downloads, Aufklebern und sogar Büchern und Shirts ausstatten, gibt mir den Glauben an eine funktionierende und gesunde DIY-Szene voller verrückter und herzenslieber Menschen zurück. Und deshalb bin ich mir auch sicher, dass es genügend Leute da draußen gibt, die genauso fühlen und denken wie ich. Tausend Dank euch allen!

Natürlich würde sich fürs Jahresende auch eine Statistik anbieten, aber für irgendwelche Auswertungen bin ich gerade zu faul. Verwundert musste ich feststellen, dass der Beitrag mit den wenigsten Leserklicks ausgerechnet die Buchvorstellung von Thees Uhlmanns Roman „Sophia, der Tod und ich“ ist. Wird also doch nichts mit der Karriere als Literaturkritiker. Auch klickmäßig ganz weit hinten war die Rubrik „Mottenkiste (Parades End)„, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, nur noch rechts oben auf der Seite von Zeit zu Zeit ’ne andere Platte zu verlinken. Seit fast zwei Wochen ist das Inward Flowering von Serene, auf diesen Link hat übrigens bis jetzt noch keine Sau geklickt, hehe. Gerne hätte ich euch eine Best-Of der ungewöhnlichsten Suchanfragen präsentiert, aber da sieht es bisher mager aus. Es hat sich lediglich mal jemand auf die Seite verirrt, der wissen wollte, wie man den Namen Daïtro ausspricht. Hmmm, um hier Lösungen zu präsentieren: ich glaube, das spricht man so aus, wie man es schreibt, mit einem etwas in die Länge gezogenen i.

So, nun also zu den Listen, bei denen natürlich wieder einige sagenhafte Veröffentlichungen meinem von Jahr zu Jahr wachsenden Gedächtnisverlust zum Opfer gefallen sind. Und natürlich der vekackten Zwischen-den-Jahren-Problematik. Ich hoffe, ihr verzeiht mir. Weiterlesen

Bandsalat: Brutal Youth, Nayru, Patrons, Powernap, Town Portal, Turnover, Tvivler, Woahnows

Brutal Youth – „Bottoming Out“ (Paper + Plastic Records) [Stream]
Bei Brutal Youth aus Toronto hört man vom ersten Ton an den Spaß und die Leidenschaft heraus. Auf der neuen EP der Jungs bekommt ihr fünf melodische und schnelle Oldschool-Punk/HC-Smasher zu hören, kurz und knackig, immer schön nach vorne und mit ’ner ordentlichen Kelle Rotz. Die Kanadier klingen dann wie eine Mischung aus frühen Nerve Agents, Kid Dynamite, Redemption 87 und Paint It Black. Get in the pit!


Nayru – „This Disease of Language“ (DIY) [Freier Download]
Schon das Recollections-Album der Emoviolence/Screamo-Band aus San Diego hinterließ bei mir einen tiefbleibenden Eindruck. V.a. die Vocals, die sich manchmal so anhörten, als würde man ein Tape bei gedrückter Playtaste ein weniggewalttätig vorwärtsspulen, fand ich sehr abgefahren. Diese Vocals finden sich auch auf dieser EP wieder, zudem gibt es auch ein paar Spoken Word-Passagen und einige nicht ganz so fies gebrüllte Schnappschildkröten-Vocals. Anhänger von Oldschool-Screamo sollten hier unbedingt vom freien Download Gebrauch machen.


Patrons – „The Momentary Effects of Sunlight“ (I Hate It Records) [Stream]
Die zweite EP der britischen Band könnte all jenen gefallen, die der Zeit nachtrauern, als Bands wie Thursday, Thrice, By A Thread oder The Hurt Process unterwegs waren. Die Jungs beherrschen perfekt das Wechselspiel zwischen laut/leise und der Sänger hat eine Stimme, die sowohl melodisch als auch kräftig rüberkommt. Hat da irgendwer gerade gesagt, dass diese Art Mucke ’nen langen Bart hat? Naja, was soll’s.


powernapPowernap – „Oreosmith“ (Klownhouse Records/Asian Man) [Video]
Mir persönlich gefielen die Sainte Catherines eigentlich nie besonders gut, aber ich kenne etliche Leute, die die Kanadier regelrecht vergöttern. Naja, vielleicht haben diejenigen nun Freude an diesen sechs melodischen Punkrock-Songs, bei denen kein geringerer als Sainte Catherines-Kopf Hugo Mudie mit seiner whiskygetränkten Stimme das Mikrofon zum Vibrieren bringt. Das Ding wird sicher seine Liebhaber finden, aber für meinen Geschmack sind manche Songs etwas zu lieblos zusammengeschustert. Der Opener Beautiful Day  gefällt mir gerade noch am Besten. Ach, und die Texte sind bei der CD-Version nur mit ’ner starken Lupe lesbar.


Town Portal – „The Occident“ (Subsuburban Recording Company/Small Pond) [Stream]
Diese Scheibe hätte ich aufgrund des gelungenen Artworks am liebsten auf Vinyl, auch wenn reine Instrumentalmusik nicht so mein Ding ist. Bei Town Portal stört mich das zwar nicht so sehr, aber mit dem passenden Gesang würde es mir bestimmt noch ein wenig besser reinlaufen. Ohne Gesang achtet man natürlich umso mehr auf die Instrumentierung und die  Songarrangements, welche natürlich sehr durchdacht und äußerst gelungen sind. Musikalisch bewegt sich das Trio zwischen Math, Prog, Noise, Emo, Post-Hardcore, etwas Metal und ein wenig Rock. Es gibt viel zu entdecken, mir gefällt’s jedenfalls.


Turnover – „Peripheral Vision“ (Run For Cover Records / ADA) [Stream]
Wunderschönen Indierock an der Schwelle zum Emorock und Dream Pop gibt’s auf dem zweiten Studioalbum der Band aus Virginia Beach zu hören. Diese Platte hat alles, wonach das verträumte Herz lechzt. Tolle Gitarrenparts, weiche Klangakkustik, professionelles Songwriting, wunderbar hymnische Melodien und über allem schwebt der gedankenverlorene und melancholische Gesang von Austin Getz. Das alles zusammen macht aus Peripheral Vision  ein sagenhaft umwerfendes Album, welches bereits jetzt das Zeug hat, in etlichen Best-Of-Listen des Jahres 2015 zu landen. Ich bin hin und weg.


Tvivler – „Negativ Psykologi #1“ (DIY) [Stream]
Auf der Debut-EP der Kopenhagener Band bekommt ihr es mit nach vorne gehendem Stop And Go Hardcore/Punk mit ein wenig Noise und Screamo-Einflüssen zu tun. Dabei zappelt es ganz schön wild, der Bass poltert wie blöde, die Gitarren wirbeln ohne Ende und der Schlagzeuger geht ab wie verrückt. Ach ja, und der Sänger brüllt und kreischt auf Dänisch, was man aber erst beim genaueren Hinhören bemerkt. Stellt euch vor, Bear Vs Shark würden auf Books Lie treffen, dazu gesellen sich Children Of Fall und frühe Lack. Ach ja, die Mitglieder von Tvivler wirken bzw. wirkten bei Town Portal, Obstacles und eben Lack mit. Tvivler bedeutet übrigens so viel wie Zweifler. Diese Band solltet ihr ohne Zweifel im Auge behalten. Ziemlich schnuffige Debut-EP!


Woahnows – „Understanding and Everything Else“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Mit dieser Platte des Trios aus Plymouth/UK kann man den Sommer wirklich mal ertragen. Das Debutalbum der Jungs erfrischt euch mit insgesamt elf Songs an einem wirklich heißen Sommertag wie ein Sprung ins kühle Nass. Hier bekommt ihr Emo-Pop-Punk vom Feinsten. Schmissige Arrangements, erstklassige Melodien, verspielte Gitarren, die auch schon mal grungig werden und massig tolle Chöre erzeugen Hits wie am Fließband. Als Anspieltipps könnte man wirklich jeden der Songs empfehlen, falls ihr euch ein Bild machen wollt, dann schaut euch das Video zu Sounds Like Spitting an. Für alle empfehlenswert, die sich eine Mischung aus Algernon Cadwallader, den Get Up Kids und Cloud Nothings vorstellen können.