Tvivler – „Negativ Psykologi #1, #2, #3 7inch“ (DIY)


 

Es war irgendwann im Jahr 2015, als ich beim Bandcamp-Surfen auf Tvivler aus Kopenhagen/Dänemark aufmerksam wurde und deren Debut 7inch im Rahmen einer Bandsalatrunde wärmstens empfohl. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass Negativ Psykologi #1 der Auftakt zu einer Trilogie mir drei wahnsinnig guten 7inches sein würde. Der Erstkontakt mit der Band war hergestellt und mit Erscheinen von Negativ Psykologi #2 versprach mir die Band sogar nach Abschluss des dritten Kapitels die 7inches in ihrer Gesamtheit zuzuschicken, was auch kurz vor Weihnachten geschah und für eine DIY-Band aus dem Ausland und ohne Label im Rücken ja auch nicht gerade selbstverständlich ist. Da merkt man wieder, dass die Jungs in einer Zeit in die Szene eintraten, in der noch nichts übers Internet ging und man noch fleißig Briefmarken klebte. Tvivler setzen sich nämlich aus Leuten zusammen, die zuvor bei Bands wie Lack, Children Of Fall sowie Town Portal und Obstacles mitwirkten bzw. noch mitwirken.

Nun, die Fakten zu den ersten beiden Scheiben konntet ihr an anderer Stelle schon mal lesen. Da diese Bewertungen rein aufgrund der digitalen Version entstanden sind, möchte ich jetzt, da mir die Tonträger in physischer Form vorliegen ein kleines Resumee mit Ergänzungen ziehen. Die drei 7inches kommen optisch alle in ähnlichem Layout, dabei ist jedes der Scheibchen in eine durchsichtige PVC-Hülle gepackt. Das Cover besteht jeweils aus einem zusammengefalteten Karton, der auf der Frontseite mit den Texten bedruckt ist. Auf der Rückseite – die zur Häfte abgeschnitten ist – sind die Songtitel und ein paar Infos zur Aufnahme abgedruckt. Alle Labels der 7inches sind per Hand beschriftet. Sehr schönes DIY-Ding! Okay, ob die verschiedenen Formen und Songtitelfarben auf den Covern irgendeine tiefenpsychologische Bedeutung haben, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Vielleicht hätte ich eher Chancen einer Interpretation, wenn die dänischen Texte auch noch irgendwo in der englischen Übersetzung nachzulesen wären? Egal. Negativ Psykologi #1 hat ein Hexagon zum Motiv, Negativ Psykologi #2 wird von einem Pentagon geschmückt und Negativ Psykologi #3 kommt mit einem schlichten Quadrat. Vielleicht hängt das mit irgendeinem Psychologie-Test zusammen?

Der Sound klingt auf allen drei Scheiben jedenfalls gleich fett, gerade auf Vinyl zeigt die Musik von Tvivler ihre volle Kraft. Und auch stilmäßig hätten die drei Scheibchen auch das Zeug zu einem gesamten Album gehabt. Nach vorne gehender, nervöser Stop And Go Hardcore/Punk der Extraklasse, dazu gibt es noch massig Noise und Screamo-Einflüsse obendrauf. Jetzt aber noch kurz zu Negativ Psykologi #3: Hier sind insgesamt fünf Songs drauf zu hören, die so hibbelig und nervös machen, dass man gar nicht umher kommt, hyperaktiv mit dem Bein mitzuwippen, während man der Nadel dabei zuschaut, wie sie langsam nach innen schlittert. Der Schlagzeuger trommelt sich um den Verstand, bereits die Gitarre beim Opener verdreht Dir den Hals und wäre das noch nicht genug, wirst Du simultan dazu mit ’nem knödelnden Bass windelweich geklopft, während ein manisch-verzweifelter Typ am Mikro auf Dich in einer Sprache einschreit, die Du leider nicht verstehst. Spätestens beim Song Oprydning wähnst Du Dich im Irrenhaus, aus welchem Du schnell rennend beim Song Nøgle wieder flüchten kannst. Der Wahnsinn! Wenn ihr auf Bands wie Books Lie, Bear Vs Shark, Lack oder auch durchgedrehtere At The Drive-In könnt, dann kommt ihr um Tvivler nicht rum. Und jetzt, da die 7inches komplett erhältlich sind, lohnt sich auch eine Bestellung in Dänemark!

Facebook / Bandcamp


 

Highlights des Jahres 2016

2016-best-of-2016Ups, schon wieder ein Jahr rum? Ja, ich gehöre zu der Sorte Mensch, die das erst mitbekommt, wenn draußen die ersten Silvester-Böller gezündet werden und schon die ersten Promi-Toten 2017 auf Facebook gepostet werden. Und das, obwohl einige meiner Schreiber-Kollegen und Kolleginnen bereits Ende November erste Best-Of-Listen unter die Leute ballern. Spätestens dann werde ich nervös und spiele mit dem Gedanken, dass ich dieses Jahr gar kein Best-Of mache. Aber irgendwie kitzelt es mich dann doch und ärgere ich mich wegen der Nichteinhaltung des guten Vorsatzes des aktuellen Jahres, ein paar liebgewonnene Platten schon während des Jahres auf eine Liste zu schreiben. An diesem Punkt angekommen, setzt meine Zwangsneurose ein: Sicher gibt es die ein oder andere tolle Platte, die mir durch die Lappen gegangen ist. Oder zu wenig gehört habe, um sie lieb zu gewinnen. Z.B. das tolle Touché Amore-Album, aber das führt ja eh jede Bestenliste an. Kann also unter den Tisch fallen? Genauso das durchaus gelungene American Football-Album, das ich auch noch besprechen wollte, aber nicht mehr dazu gekommen bin. Menschliches Versagen! Ganz zu schweigen von den zwischen-den-Jahren-Veröffentlichungen, die ebenfalls auf der Strecke bleiben. In der 2016-er Liste sind deshalb auch Sachen drin, die schon 2015 erschienen sind. So eine Best-Of-Liste ist eigentlich niemals vollständig, weil es da draußen eben so viel unentdeckte Releases gibt, die das Zeug zum Album des Jahres haben. Ja, das beste Album des Jahres könnte wirklich von ein paar Losern stammen, die ihr heute morgen im Bus oder in der U-Bahn vom Sitz gescheucht habt, um selbst einen Platz zu bekommen. Aber bevor ich euch jetzt mit blödem Zeug nerve, gibt es hier die wahrscheinlich unvollständigste Best-Of-Liste im gesamten Internetz. Ohne Touché Amore und American Football. Dafür aber mit dem ein oder anderen Release aus 2015.

Nun, dieses Jahres-End-Ding ist auch immer eine schöne Gelegenheit, um all den netten Menschen Danke zu sagen, die diese Seite hier durch ihre Unterstützung am Laufen halten. Mein unendlicher Dank geht an dieser Stelle natürlich in erster Linie raus an euch Leserinnen und Leser. Tausend Küsse auch an alle Labels, die Bands und die Promo-Menschen, die Vinyl, CD’s, Tapes, Zines, Shirts, Digital-Downloads & sonstiges abgefahrenes Zeugs rumgeschickt haben. Ihr seid wahnsinnig! Dicke Props natürlich auch an meine Schreiber-Kollegen und Kolleginnen. Und ja, 2016 hatte neben den vielen musikalischen Highlights auch genügend Scheiße im Gepäck. Wie schon die Cro-Mags einst treffend prophezeiten: World Peace Can’t Be Done. In diesem Sinne: Macht euch keine Sorgen, 2017 wird schon irgendwie laufen, wenn ihr nur lieb zueinander seid! Weiterlesen

Bandsalat: A Saving Whisper, Bymyside, Celestica, December Youth, Eleanora, Knola, Monte Ida, Tvivler

A Saving Whisper – „Neverlandscapes“  (midsummer records) [Stream]
Lange Zeit war es ruhig um die Band aus Nürnberg, die sich seit Bandgründung im Jahr 2007  schnell einen Namen in der Szene erspielte, was v.a. den zwei EPs und zahlreichen Shows geschuldet war. Kurz nach Erscheinen der zweiten EP im Jahr 2011 zogen sich die Jungs zurück, um am Material dieses Albums zu werkeln. Nun, ich würde sagen, die Arbeit hat sich gelohnt, denn Neverlandscapes ist ein intensives und gelungenes Album geworden, welches zu keiner Sekunde langweilig wird. Die Jungs gehen viel experimenteller als bisher ans Werk.  Soll heißen: die Post-Hardcore-Anteile wurden deutlich in die Höhe geschraubt, zudem wird durch die  dynamischen Wechsel mehr Spannung erzeugt. Laut Presseinfo wurden die Songs bewusst ohne Click aufgenommen, um ein Statement gegen die überproduzierten Szene-Veröffentlichungen der letzten Jahre zu setzen. Elf Songs in knapp 43 Minuten, das muss man erstmal hinbekommen, ohne gröbere Ausfälle. Das Album kommt in seiner Gesamtheit sehr sphärisch und düster daher, trotzdem stellt es einen kleinen Lichtblick dar. Wer auf Zeugs wie Being As An Ocean oder Underoath kann, sollte das mal anchecken. Als Anspieltipp empfehle ich Misled Leader. Tolle Chorgesänge sind das.


Bymyside – „Affogare, risalire, ricadere“ (entes anomicos u.a.) [Name Your Price Download]
Emotive Screamo aus Italien, genauer gesagt aus Cesena. Und ja, hier wird gelitten und gekreischt, was das Zeug hält. Freunde von klassischem italienischem und französischem Screamo dürften hier dran ihre wahre Freude haben. Die Gitarren sägen kräftig, es kommen aber immer wieder unterschwellige Melodien an die Oberfläche, die einen durchdrehen lassen. Gekreischt wird in der Landessprache. Geil kommen auch die sphärischen, ruhigeren Gitarrenklänge, die hin und wieder eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das Interlude-artige Aurora. Geht ungefähr in Richtung Ojne, alle Daumen nach oben.


Celestica – „How to Speak With Gravity“ (DIY)  [Name Your Price Download]
Die Drums am Anfang des Openers und auch etliche Gitarrenpassagen im Verlauf des selbst releasten Debuts erinnern mich in irgendeiner Art und Weise an At The Drive-In. Und siehe da, in der Begleit-e-Mail werden als Einflüsse neben Bands wie Refused und Crime In Stereo eben auch ATDI erwähnt. Die Band aus Götheborg klingt auf den zehn Songs schön hektisch, hier ist vor allem das arhythmisch gespielte Schlagzeug und der knödelnde Bass zu nennen, die Gitarren rocken auch die Bude, nur beim Gesang würde ich mir etwas mehr Abwechslung wünschen. Textlich geht’s um Feminismus, Freundschaft, Veganismus und Psychische Erkrankungen in unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft. Für das satte Mastering ist mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden verantwortlich. Für’s Mixtape empfehle ich In Lieu Of Love.


December Youth – „Relive“ (Midsummer Records) [Stream]
Direkt beim ersten Durchlauf stampfen die Beinchen munter im Takt, das ist schonmal ein gutes Zeichen. Und das hat auch seinen Grund. Das Debutalbum von December Youth aus Düsseldorf dröhnt druckvoll und drastisch, dabei darf es dann aber auch ab und an dramatisch werden, durchdachte Melodien dürfen dabei keinesfalls fehlen, die Drums dreschen auch doll durch.  Klar, dass man bei anderen Melodic Hardcore-Bands schon ähnliches gehört hat, das ist kein Geheimnis. Und trotzdem bleibt man hängen und ist fasziniert von den ausgefeilten Post-Hardcore-Passagen, den ausgeklügelten und liebevoll gespielten Gitarren, auch der Gesang kommt ziemlich authentisch rüber, obwohl er an manchen Stellen etwas eintönig klingt und das Ganze in einem besseren Licht dastehen würde, wenn hier ein wenig Abwechslung mit drin sein würde (wie z.B. bei Night Train Talks zu Beginn oder im Mittelteil bei diesem genialen Chor). Jedenfalls steckt hier viel Liebe und Herzblut drin, das sieht man auf Anhieb, allein die lesenswerten Lyrics sollte man sich mal zu Gemüte führen. Diese elf Songs müsst ihr euch unbedingt reinziehen, wenn ihr auf Zeug wie I Saw Daylight, Rainmaker, Thursday oder Serene steht. Und ja, bei  dem bereits erwähnten Night Train Talks (The Angst In Us) kann man schonmal an manchen Stellen eine Gänsehaut bekommen.


Eleanora – „Allure“ (Consouling Sounds) [Stream]
Das Ding muss man laut aufgedreht – Kopfhörer oder Anlage, egal – anhören, dabei entfaltet der apokalyptische Sound noch mehr Tiefe und Brachialität. Die Gitarren kommen extrem fett rüber, dazu die kraftvoll gespielten Drums und der blutgurgelnde Sänger, sehr schön. Und bevor man es mit der Angst zu tun bekommt, schleichen sich längere und ruhige Parts dazwischen, die auch nicht gerade zum Schunkeln und Fröhlichsein animieren. Vier Songs in fast 45 Minuten zeigen schon, wohin diese Reise geht. Zwischen hektischem Screamo, brutalem Sludge-Hardcore bis hin zu leiseren Post-Hardcoreklängen entsteht so ein intensives Brett, das gleichzeitig hochemotional zu überzeugen weiß. Die Gitarren erinnern mich irgendwie an Serene/Children Of Fall, da sie immer schön flächige Melodiebögen transportieren. Die Belgier haben mit Allure jedenfalls ein atmosphärisches Album geschaffen das gleichzeitig ein richtig intensives Brett ist. Das Ding hätte ich gerne auf Vinyl.


Knola – „To The Rhythm“ (Skeletal Lightning) [Stream]
Das Debutalbum des Trios aus den Staaten dürfte jeden begeistern, der sich auf Midwest-Emo mit leichten Indieeinflüssen einlassen kann. Die neun Songs plätschern schön slackermäßig dahin, da werden Erinnerungen an die ersten Youth Group-Sachen wach, American Football schaut um die Ecke, Dinosaur Jr. geben sich ein Duett mit Pavement, The Cherryville und Perfect Future treffen auf The City On Film. Diese Gitarren, das Drumming, der eigenwillige Bass und dazu dieser zerbrechliche, etwas nasale Gesang. Großartig! Diese intensive Platte müsst ihr euch unbedingt anhören, wie gerne würde ich mir diese Songs auf Vinyl gönnen!


Monte Ida – „Corinth“ (DIY) [Freier Download]
Mitreißenden Screamo bekommt ihr auf der zweiten EP des Trios aus Rennes/Frankreich zu hören. Die Gitarren schrauben sich flächig zwirbelnd in bester Franzosen-Screamo-Manier ins Gehör, dazu sind sie dennoch unterschwellig melodiös. Harmonisch disharmonisch sozusagen. Dazu passt dann das hektische crashbeckenbetonte Getrommel und der heiser schreiende und leidende Sänger wie die Faust auf’s Auge. Allerdings schreit dieser nicht auf Französisch sondern in Englisch. Und sieh an, die super Produktion ist mal wieder auf Jack Shirleys Mist im Atomic Garden gewachsen. Vier Songs, alle sehr intensiv und fantastisch, zieht’s euch rein.


Tvivler – „Negativ psykologi #2“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es ist noch nicht lange her, da feierte ich im Rahmen einer Bandsalatrunde die Debut-EP dieser neuen Band aus Kopenhagen/Dänemark ab, die sich übrigens aus Mitgliedern der Bands Lack, Town Portal und Obstacles zusammensetzt. Nun ist vor Kurzem die zweite EP der insgesamt dreiteiligen EP-Reihe der Jungs erschienen, und diese hat es wie das Debut ebenfalls in sich. Vier Songs, zappelnd, wild, intensiv. Der Sound hört sich so aufgekratzt an, als ob jeder der vier Musiker mit beiden Beinen in einem Ameisenhaufen stehen würde. Die Lyrics werden in der Landessprache vorgetragen. Neben den damals bereits erwähnten Books Lie, Bear Vs Shark, Lack und Children Of Fall kommen mir diesmal auch noch At The Drive-In in den Sinn. Ich bin gespannt auf EP Nr.3.


 

Highlights des Jahres 2015

halloWährend man bei manchen Schreiberkollegen und Kolleginnen bereits im November die Jahresbestenlisten lesen konnte, haderte ich wie jedes Jahr mit mir, ob es überhaupt nötig ist, eine Best-Of-Liste zu posten. Abgesehen von den „Zwischen-den-Jahren-Veröffentlichungen“ sind mir sicher auch dieses Jahr wieder etliche hochkarätige Scheiben durch die Lappen gegangen, darum ist dieses Jahreslisten-Ding für einen Zwangsneurotiker wie mich eigentlich das totale Horrorszenario. Naja, das Jahresende bietet aber irgendwie immer die Gelegenheit, sich in aller Form bei etlichen Leuten zu bedanken und wenn man schonmal dabei ist, kann man das Ganze doch ganz unverfänglich mit ein paar Veröffentlichungen ausschmücken, die während des Jahres ans Herz gewachsen sind. Okay, dann halt dieses Jahr eine wirklich klitzekleine Liste mit ganz auserwählten Sachen…Hmmm, erstmal damit angefangen, kommt man dann doch auf den Geschmack: deshalb weiter unten eine -ähem- „kleine“ Auswahl an Songs, die auf keinem Mixtape fehlen sollten. Ach so, das ist dann mal wieder typisch ich: wenn ich mal anfange, dann neige ich etwas zur Übertreibung…

Nun denn, als ich im Mai nach dem Ende von Borderline Fuckup mit Crossed Letters begonnen habe, hätte ich niemals erwartet, dass die Seite einen solchen Zuspruch erfahren würde. Wow! Mein unendlicher Dank geht an dieser Stelle natürlich in erster Linie raus an euch Leserinnen und Leser, auch wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, ob ihr mein Geschwafel überhaupt lest oder nur auf die Bandcamp-Links klickt und dabei der Meinung seid, dass es heutzutage doch total ausreichend ist, den Stream/DL-Link und die Musikrichtung zu posten. Also drauf geschissen, dass überhaupt jemand von der Seite Notiz nimmt und die vorgestellten Bands und Labels ancheckt, bedeutet mir so unglaublich viel, darum mach ich das ja. Denn dass es Labels und Bands gibt, die nicht nur die „großen“ Print-Zines oder etablierten Online-Zines im Auge haben und meine popelige Wenigkeit mit Vinyl, Tapes, CD’s, Digital-Downloads, Aufklebern und sogar Büchern und Shirts ausstatten, gibt mir den Glauben an eine funktionierende und gesunde DIY-Szene voller verrückter und herzenslieber Menschen zurück. Und deshalb bin ich mir auch sicher, dass es genügend Leute da draußen gibt, die genauso fühlen und denken wie ich. Tausend Dank euch allen!

Natürlich würde sich fürs Jahresende auch eine Statistik anbieten, aber für irgendwelche Auswertungen bin ich gerade zu faul. Verwundert musste ich feststellen, dass der Beitrag mit den wenigsten Leserklicks ausgerechnet die Buchvorstellung von Thees Uhlmanns Roman „Sophia, der Tod und ich“ ist. Wird also doch nichts mit der Karriere als Literaturkritiker. Auch klickmäßig ganz weit hinten war die Rubrik „Mottenkiste (Parades End)„, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, nur noch rechts oben auf der Seite von Zeit zu Zeit ’ne andere Platte zu verlinken. Seit fast zwei Wochen ist das Inward Flowering von Serene, auf diesen Link hat übrigens bis jetzt noch keine Sau geklickt, hehe. Gerne hätte ich euch eine Best-Of der ungewöhnlichsten Suchanfragen präsentiert, aber da sieht es bisher mager aus. Es hat sich lediglich mal jemand auf die Seite verirrt, der wissen wollte, wie man den Namen Daïtro ausspricht. Hmmm, um hier Lösungen zu präsentieren: ich glaube, das spricht man so aus, wie man es schreibt, mit einem etwas in die Länge gezogenen i.

So, nun also zu den Listen, bei denen natürlich wieder einige sagenhafte Veröffentlichungen meinem von Jahr zu Jahr wachsenden Gedächtnisverlust zum Opfer gefallen sind. Und natürlich der vekackten Zwischen-den-Jahren-Problematik. Ich hoffe, ihr verzeiht mir. Weiterlesen

Bandsalat: Brutal Youth, Nayru, Patrons, Powernap, Town Portal, Turnover, Tvivler, Woahnows

Brutal Youth – „Bottoming Out“ (Paper + Plastic Records) [Stream]
Bei Brutal Youth aus Toronto hört man vom ersten Ton an den Spaß und die Leidenschaft heraus. Auf der neuen EP der Jungs bekommt ihr fünf melodische und schnelle Oldschool-Punk/HC-Smasher zu hören, kurz und knackig, immer schön nach vorne und mit ’ner ordentlichen Kelle Rotz. Die Kanadier klingen dann wie eine Mischung aus frühen Nerve Agents, Kid Dynamite, Redemption 87 und Paint It Black. Get in the pit!


Nayru – „This Disease of Language“ (DIY) [Freier Download]
Schon das Recollections-Album der Emoviolence/Screamo-Band aus San Diego hinterließ bei mir einen tiefbleibenden Eindruck. V.a. die Vocals, die sich manchmal so anhörten, als würde man ein Tape bei gedrückter Playtaste ein weniggewalttätig vorwärtsspulen, fand ich sehr abgefahren. Diese Vocals finden sich auch auf dieser EP wieder, zudem gibt es auch ein paar Spoken Word-Passagen und einige nicht ganz so fies gebrüllte Schnappschildkröten-Vocals. Anhänger von Oldschool-Screamo sollten hier unbedingt vom freien Download Gebrauch machen.


Patrons – „The Momentary Effects of Sunlight“ (I Hate It Records) [Stream]
Die zweite EP der britischen Band könnte all jenen gefallen, die der Zeit nachtrauern, als Bands wie Thursday, Thrice, By A Thread oder The Hurt Process unterwegs waren. Die Jungs beherrschen perfekt das Wechselspiel zwischen laut/leise und der Sänger hat eine Stimme, die sowohl melodisch als auch kräftig rüberkommt. Hat da irgendwer gerade gesagt, dass diese Art Mucke ’nen langen Bart hat? Naja, was soll’s.


powernapPowernap – „Oreosmith“ (Klownhouse Records/Asian Man) [Video]
Mir persönlich gefielen die Sainte Catherines eigentlich nie besonders gut, aber ich kenne etliche Leute, die die Kanadier regelrecht vergöttern. Naja, vielleicht haben diejenigen nun Freude an diesen sechs melodischen Punkrock-Songs, bei denen kein geringerer als Sainte Catherines-Kopf Hugo Mudie mit seiner whiskygetränkten Stimme das Mikrofon zum Vibrieren bringt. Das Ding wird sicher seine Liebhaber finden, aber für meinen Geschmack sind manche Songs etwas zu lieblos zusammengeschustert. Der Opener Beautiful Day  gefällt mir gerade noch am Besten. Ach, und die Texte sind bei der CD-Version nur mit ’ner starken Lupe lesbar.


Town Portal – „The Occident“ (Subsuburban Recording Company/Small Pond) [Stream]
Diese Scheibe hätte ich aufgrund des gelungenen Artworks am liebsten auf Vinyl, auch wenn reine Instrumentalmusik nicht so mein Ding ist. Bei Town Portal stört mich das zwar nicht so sehr, aber mit dem passenden Gesang würde es mir bestimmt noch ein wenig besser reinlaufen. Ohne Gesang achtet man natürlich umso mehr auf die Instrumentierung und die  Songarrangements, welche natürlich sehr durchdacht und äußerst gelungen sind. Musikalisch bewegt sich das Trio zwischen Math, Prog, Noise, Emo, Post-Hardcore, etwas Metal und ein wenig Rock. Es gibt viel zu entdecken, mir gefällt’s jedenfalls.


Turnover – „Peripheral Vision“ (Run For Cover Records / ADA) [Stream]
Wunderschönen Indierock an der Schwelle zum Emorock und Dream Pop gibt’s auf dem zweiten Studioalbum der Band aus Virginia Beach zu hören. Diese Platte hat alles, wonach das verträumte Herz lechzt. Tolle Gitarrenparts, weiche Klangakkustik, professionelles Songwriting, wunderbar hymnische Melodien und über allem schwebt der gedankenverlorene und melancholische Gesang von Austin Getz. Das alles zusammen macht aus Peripheral Vision  ein sagenhaft umwerfendes Album, welches bereits jetzt das Zeug hat, in etlichen Best-Of-Listen des Jahres 2015 zu landen. Ich bin hin und weg.


Tvivler – „Negativ Psykologi #1“ (DIY) [Stream]
Auf der Debut-EP der Kopenhagener Band bekommt ihr es mit nach vorne gehendem Stop And Go Hardcore/Punk mit ein wenig Noise und Screamo-Einflüssen zu tun. Dabei zappelt es ganz schön wild, der Bass poltert wie blöde, die Gitarren wirbeln ohne Ende und der Schlagzeuger geht ab wie verrückt. Ach ja, und der Sänger brüllt und kreischt auf Dänisch, was man aber erst beim genaueren Hinhören bemerkt. Stellt euch vor, Bear Vs Shark würden auf Books Lie treffen, dazu gesellen sich Children Of Fall und frühe Lack. Ach ja, die Mitglieder von Tvivler wirken bzw. wirkten bei Town Portal, Obstacles und eben Lack mit. Tvivler bedeutet übrigens so viel wie Zweifler. Diese Band solltet ihr ohne Zweifel im Auge behalten. Ziemlich schnuffige Debut-EP!


Woahnows – „Understanding and Everything Else“ (Big Scary Monsters) [Stream]
Mit dieser Platte des Trios aus Plymouth/UK kann man den Sommer wirklich mal ertragen. Das Debutalbum der Jungs erfrischt euch mit insgesamt elf Songs an einem wirklich heißen Sommertag wie ein Sprung ins kühle Nass. Hier bekommt ihr Emo-Pop-Punk vom Feinsten. Schmissige Arrangements, erstklassige Melodien, verspielte Gitarren, die auch schon mal grungig werden und massig tolle Chöre erzeugen Hits wie am Fließband. Als Anspieltipps könnte man wirklich jeden der Songs empfehlen, falls ihr euch ein Bild machen wollt, dann schaut euch das Video zu Sounds Like Spitting an. Für alle empfehlenswert, die sich eine Mischung aus Algernon Cadwallader, den Get Up Kids und Cloud Nothings vorstellen können.